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Sonntag, 31 März 2013 12:42

Wie viel Populismus verträgt der Fußball?

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100 DAS SPIEL LOGO weiss 768-445x250„100 % das Spiel, 0 % Gewalt.“ Seit einigen Wochen wird dem treuen Fußballkonsumenten im Fernsehen nun bereits dieser Slogan um die Ohren gehauen. Anfangs verfolgte ich diesen Spot vor, während und nach den Live-Übertragungen eher gelangweilt, doch ich begann mich damit umso intensiver auseinanderzusetzen, je öfter ich damit penetriert wurde.

Nun ist es ja so, dass Kampagnen aufgrund bestimmter Anlässe ins Leben gerufen werden. Da sich hier gegen Gewalt im Stadion bzw. rund um den Fußball positioniert wird, muss es ja entsprechende gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben haben, deren Folge es ist, dass sich die große Masse der Stadiongänger ihres Lebens nicht mehr sicher sein kann, wenn sie sich samstags auf den Weg in die deutschen Arenen macht.

Ich begann aufgrund dessen schließlich damit, im Internet nach einer Seite zu der Kampagne zu suchen. Ich landete auf der Seite von Sky, auf der es heißt:

„Die jüngsten Entwicklungen in den Stadien der Bundesliga und 2. Bundesliga und die darum entstandene Diskussion haben es deutlich gemacht: Die überwältigende Mehrheit der Fans wünscht sich ein sicheres und gewaltfreies Stadionerlebnis.“

Aber welche jüngsten Entwicklungen meinen die Initiatoren hier? Gewaltexzesse, an deren Ende sich Familien nicht mehr in die Stadien trauen, sind mir nicht bekannt. Es ist mir ebenso nicht bekannt, dass man diesen verängstigten potenziellen Stadionbesuchern umso mehr eine Stimme verleihen muss, um ihre Lobby zu stärken. Jeder Vater kann mit seinem Steppke an jedem Stadion der Republik in Ruhe eine Bratwurst essen und danach ohne Lebensgefahr die Drehkreuze in Richtung Tribüne passieren - es gibt faktisch keine Gefahr für Leib und Leben!!

Nun mag es möglicherweise so sein, dass einigen Fans subjektiv mulmig zumute ist, wenn sie an einen Stadionbesuch denken. Doch, wie oben bereits angedeutet, faktisch sind diese Sorgen absolut unbegründet! Woher rührt also die Gefahr? Sie rührt aus der hysterischen Medienkampagne, die seit rund anderthalb Jahren geführt wird. Die Angst ist in unsäglichen Leitartikeln und Kommentaren ahnungsloser Journalisten begründet, in den noch unqualifizierteren Forderungen abgehobener, populistischer Politiker. Dieses Gemenge an Unwissenheit, Populismus und Schlagzeilen-Hascherei ist eine Gefahr für die Bundesliga, und zwar um ein Vielfaches mehr als die nicht vorhandenen Gewaltexzesse, gegen die sich die Kampagne richtet.

Zusammengefasst drängt sich mir also zunehmend der Verdacht auf, dass sich Sky sowie die ARD, LIGA total!, SPORT1 und das ZDF - die diese Initiative alle gemeinschaftlich initiiert hatten - dem Kreuzzug des Populismus angeschlossen haben. Letztlich wenden sich die Initiatoren mit ihrer Kampagne gegen sich selbst, denn potenziell vorhandene, aber unbegründete Angst vor Gewalt haben die Initiatoren in ihrer eigenen Berichterstattung zuvor erst geschürt.

Die große Frage lautet aber nun: Wie viel Populismus verträgt der Fußball? Die Zukunft wird es uns zeigen. Bis dahin wünsche ich mir aber ein schnelles Verschwinden des unsäglichen Kampagnentrailers in den Archiven der beteiligten Medienanstalten.

Frohe Ostern!

Dienstag, 12 März 2013 12:26

Keine REIFe Leistung

geschrieben von

Marcel ReifFranz Beckenbauer, uns' Kaiser, wusste es schon 1985. Im ZDF-Sportstudio sagte er zum Thema Sportkommentare „Der Marcel Reif, der spricht wunderbare politische Kommentare, aber bitt'schön lasst ihn vom Fußball weg!“ Hätte man mal auf den guten Herrn gehört. Heute kann der Kaiser alles sagen und alles ist richtig. Wie sagt man da? Zu wenig, zu spät.

Beim absoluten Topspiel, dem DFB-Pokal Viertelfinale zwischen dem BVB und dem FC Bayern hatte die ARD einen Marktanteil von über 34%. Man kann davon ausgehen, dass bei einem solchen Marktanteil auch Zuschauer, die eigentlich Sky haben und dafür bezahlen, trotzdem aufs erste Programm umschalteten. Beim gleichen Spiel auf beiden Sendern ist der gravierende Unterschied der Kommentator – es war Marc Nathan Reif.

Beim Derby am vergangenen Wochenende hatten die Dortmunder noch „Körner im Kopf“ vom Champions League Match, Bayern spielt schonmal im „4-3-1-3 System“ und wenn man das Spiel „atemberaubend findet, hat man es an den Bronchien“. Dass Marcel Reif unkreativ ist, kann man ihm nun wirklich nicht vorwerfen, wie dringend man diese zum Teil fehlplatzierten und nichtssagenden Kommentare bei einer Übertragung braucht, lasse ich jetzt aber mal offen.

In der letzten Zeit scheinen sich die Kritiken am Kommentator linear zu den Topspielen zu erhöhen, die er kommentieren darf.

Schon seit inzwischen 27 Jahren kommentiert er. In die Geschichte ging er spätestens mit dem Zitat „Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gut getan wie heute “ ein, was nicht etwas von einem langweiligen Remis herrührte, sondern von der Champions League Partie des BVB gegen Real Madrid 1998 als sich eins der beiden Tore schon vor Anpfiff verabschiedete. Aus heutiger Sicht hätte ich eher einen Kommentar erwarte wie „das Tor kann das hohe Niveau dieses Spiels nicht mehr mithalten“ oder Ähnliches. Co-Kommentator war damals übrigens Günther Jauch, daran kann sich vermutlich kaum noch jemand erinnern, auch wenn beide dafür ausgezeichnet wurden. Überhaupt hat Reif schon viele Auszeichnungen für seine Kommentare erhalten – so schlimm kann er also eigentlich nicht sein. Eigentlich.

Es ist ja auch nicht so, dass Marcel Reif das Übel der Kommentatorenwelt ist, nein, wir haben noch weitere Originale. Wolf-Dieter Poschmann steht auf Verniedlichungen, da rollen die Bällchen im Spielchen. Fritz von Thurn und Taxis „geht mit der Entscheidung des Schiris“ irgendwohin und Steffen Simon kommt einem immer wieder etwas unsicher vor.

Trotzdem ist es Reif, der jede Fangemeinschaft aufstöhnen lässt, wenn sie merkt, dass er das Spiel ihrer Mannschaft kommentiert. Manche stellen dann den Kommentar stumm und hören dabei Radioberichte oder benutzen die Stadionatmo-Tonspur.

Andere wiederum suchen sich einen Kanal für ihre Meinung. Die Seite „Marcel Reif – Kommentarverbot“ hat auf Facebook über 62000 Fans, innerhalb der zwei Jahre, die sie besteht waren es zwischenzeitlich über 80000. Eine Person, die polarisiert. Er selbst findet diese Diskussionen um sich und seine Kommentare „dumpfbackig“ - nicht gerade eine Antwort, die mehr Sympathien bringt.

In einem Interview sagte mir Manni Breuckmann mal, dass man „vor jedem Spiel einen Packen mit Statistik bekommt,davon kann man vielleicht 5% nutzen. Den Rest sollte man einfach direkt in die Tonne kloppen“. Das sieht Marcel Reif definitiv nicht so. Der gewöhnliche Kommentar eines Marcel Reif sieht nämlich so aus:

Minute 1-25: statistische Daten werden nach jedem Satz eingestreut. Von der Anzahl der früheren Spiele der beiden Mannschaften bis hin zum Friseur des Innenverteidigers ist alles dabei – und natürlich hat auch irgend jemand Geburtstag.

Minute 25-45: Da jetzt ein Teil des Spiels gelaufen ist kann auch mal darüber erzählt werden, außerdem ist jetzt schon klar wer die bessere Mannschaft ist, die andere „läuft hinterher“. Außerdem  gibt es ganz viel über den Schiri zu erzählen, der meistens nicht gut wegkommt.

Minute 45-70: Das Wort Kabine wird so oft benutzt, dass man ein Trinkspiel daraus machen könnte. Die Mannschaft im Rückstand wird jetzt erstmal ordentlich fertig gemacht, wir sind ja nicht zum Spaß hier.

Minute 70-90: Reif wird stiller, aber in 20 Minuten Spiel ist ja auch eigentlich nix mehr zu machen. Das Spiel wird jetzt schon zusammengefasst und wer immernoch den Kommentatorenton an hat, weil er die Atmosphäre mag,dem sei nicht nur gesagt, das es dafür eine extra Tonspur gibt, sondern auch, dass sogar Herr reif selbst desöfteren dazu auffordert, z.B. mit „Ich bin zwar nicht Peter Lustig, aber abschalten würde bei diesem Spiel jetzt trotzdem helfen.“

Es gibt da doch diesen neuen Trend, dass sich verzweifelte Menschen, die Aufmerksamkeit brauchen vor die Kamera stellen und ein „bei x Mio. Likes mach ich irgend etwas, das niemanden interessiert“- Schild hochhalten. Das fing ganz süß an mit Kindern,die einen Hund haben wollten und ist inzwischen einfach albern. Aber warum nutzt man dies nicht mal für was sinnvolles? Ich bin überzeugt, dass egal, wie viele Likes gefordert werden, um Marcel Reif nicht nur keine Dortmund.Spiele sondern einfach mal gar keine Spiele mehr kommentieren zu lassen, man würde sie zusammen kriegen.

Der von der Zeit als „Damit-kann-ich-leben-Mann“ bezeichnet wurde hat jüngst seinen Sky Vertrag bis 2016 verlängert. Dass es auf diese Meldung viele böse Kommentare gab, muss nicht noch einmal erwähnt werden. Doch es zeigt auch: Marcel Reif ist eine Kommentatoren-Instanz Und es gibt Leute, die ihn scheinbar gut finden. Oder „sie haben Körner im Kopf“.

Bild: http://pro-talents.de/

derby bvb-s04Der FC Schalke 04 gegen Borussia Dortmund – Das Revierderby ist nicht nur irgendein Derby, es ist das! Derby der Bundesliga. Heute Nachmittag schauen Millionen Fußballfans gebannt in die Arena auf Schalke. Möge dieses Revierderby ein hart umkämpftes, aber faires Fußballfest werden! Das hoffen auch Susanne und Matthias, unsere beiden Vertreter der beiden Ruhrpott-Vereine beim gemeinsamen Derby-Interview.
Um euch die leidige Wartezeit ein wenig schmackhafter zu machen, präsentieren wir Euch heute, wie auch in den beiden vergangenen Tagen, den dritten und leider auch schon letzten Teil unseres gemeinsamen Derby-Interviews mit Schlumpfine Susanne und Biene Matthias! Ein letztes Mal stehen sich die beiden zum virtuellen Schlagabtausch gegenüber. Ich danke Susanne und Matthias vielmals für dieses interessante Interview und wünsche euch beiden sowie allen anderen Schalke- und BVB-Fas ein spannendes Revierderby! Wir hoffen, ihr hattet Euren Spaß mit dieser kleinen Interviewserie und freuen uns mit Euch auf ein friedliches Revierderby!

derby bvb-s04Nachdem gestern bereits der erste Teil von unserem gemeinsamen Interview mit Schlumpfine Susanne und Biene Matthias veröffentlich worden ist, möchten wir euch den zweiten Teil nicht vorenthalten. Auch heute beantworten unsere beiden Ruhrpottler wieder einige Fragen über den Gegner, Fair Play und König Fußball an sich.

Für alle, die gestern nicht mit von der Partie waren, hier nochmal der Fansteckbrief unserer beiden Fans aus dem Ruhrgebiet:

Susanne, 42 Jahre alt, ist von Beruf Juristin und seit 35 Jahren mit dem Schalke-Virus infiziert. Sie bezeichnet sich selbst als supportenden Fan, besucht in der Regel jedes Heimspiel und fährt acht bis zehn Mal pro Saison dem FC Schalke in die fremden Stadien der Bundesliga hinterher. Wie es sich für einen echten Schalker gehört, hat sie natürlich eine Dauerkarte.

Matthias, unser Vertreter des schwarz-gelben Ballspielvereins aus Dortmund, ist 26 Jahre alt, arbeitet als Detektiv und ist seit 21 Jahren überzeugter Borusse. Er sieht sich selbst ebenfalls als Supporter und gibt an, dass er in der Regel jedes Heimspiel besuche. Dazu begibt er sich ca. acht bis zehn Mal auf Auswärtsfahrten. Ab der nächsten Saison verfügt auch Matthias über eine Dauerkarte, um kein Spiel seines geliebten Vereins zu verpassen.

derby bvb-s04

Am Wochenende ist es wieder soweit. Der gesamte Ruhrpott ist voller Euphorie und freut sich auf das halbjährliche brisante Derby im Ruhrgebiet. Auch Fußballdeutschland außerhalb Nordrhein-Westfalens blickt am Samstag um 15:30 nach Gelsenkirchen. Das Derby FC Schalke 04 gegen der Erzrivalen Borussia Dortmund steht an. Bei diesem brisanten Spiel geht es nicht nur um drei Punkte. Bei diesem Spiel geht es um weitaus mehr. Es geht um die fußballerische Krone im Revier.

Wir von FANKULTUR.com haben ein gemeinsames Interview mit unseren Bloggern Susanne (Kurvenstar 04) und Matthias (Matze's Viererkette) über das Derby, Rivalität, Kommerz im Fußball und weitere interessante Themen rund um den Fußball geführt. In einer lockeren Atmosphäre hat unser Autor Julius Wiechmann die beiden Rivalen an die Tastatur gebeten und im Wechsel zuerst antworten lassen. Die Antworten unserer Blogger sind 100% echt und unzensiert und geben unverfälscht die Meinung der Interviewpartner wieder.

alemannia aachenAlemannia Aachen steht am Abgrund. Sportlich ist der Verein aus der Erstklassigkeit in die 3. Liga gefallen und wirtschaftlich droht die Insolvenz. Der Fußballklub benötigt deshalb gegenwärtig jegliche Unterstützung. Doch ausgerechnet in dieser Lage belastet ein länger bestehender Konflikt innerhalb der eigenen Ultras die heimische Fanszene.

Am 12. Januar 2013 unterstützen die „Aachen Ultras `99“ (ACU) während des Auswärtspokalspiels bei Viktoria Köln zum letztem mal ihren bisherigen Verein. Mit einer Reihe von Spruchbändern warfen sie ihren Rivalen von den „Karlsbande Ultras“ (KBU) noch einmal diskriminierende Gesänge sowie eine Nähe zum Rechtsextremismus vor. Ihre Gegner fühlten sich dadurch provoziert und reagierten mit Angriffen im Stadion. Damit fanden mehrjährige Auseinandersetzungen innerhalb der Fanszene des Traditionsvereins ihren traurigen Höhepunkt. Den Hintergrund des Konflikts bildete eine Kombination aus faninterner Rivalität mit politischen Aspekten vor dem Hintergrund der speziellen Gegebenheiten der Kaiserstadt.

Aachen fällt dadurch auf, dass es nicht auffällt. Eigentlich sorgen ein traditionelles Bürgertum sowie eine Konzentration von Medizinern und technischen Akademikern für ein ruhiges Klima. Im Kontrast dazu steht jedoch die Existenz einer für das Rheinland ungewöhnlich starken rechtsextremistischen Szene. Diese wird von Angehörigen der „Nationaldemokratischen Partei Deutschlands“ (NPD) sowie von Aktivisten der 2012 verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) geprägt. Andererseits sind auch Antifa-Gruppen aktiv und in der Nähe des Hauptbahnhofs befindet sich ein „Autonomes Zentrum“. Beide Lager prallen mindestens einmal jährlich anlässlich der im nahen Stolberg veranstalteten rechtsextremistischen Aufmärsche aufeinander. Zudem ergibt sich die städtebauliche Besonderheit, dass die Kommune trotz ihrer rund 250.000 Einwohner ein übersichtliches Zentrum hat und sich Mitglieder verfeindeter Gruppierungen deshalb häufig begegnen.

Was die Alemannia angeht, fällt zunächst positiv auf, dass sie einen äußerst treuen Fanstamm hat. Allerdings bewegen sich unter ihren Anhängern auch rechtsextremistisch motivierte Personen. Mit den bereits 1999 gegründeten, zuletzt mehrere Dutzend Angehörige umfassenden ACU bestand eine langjährig aktive Ultra-Gruppierung. Innerhalb der Ultraszene entwickelten sich jedoch Differenzen über den Stil der Unterstützung der Mannschaft und über das Klima im Stadion. Diese führten 2010 zur Spaltung und dann zur Gründung der KBU. Während die Karlsbande nach eigenen Angaben auf eine Größe von rund 200 Personen anwuchs, begrenzten die ACU ihr Engagement nicht auf den Fußball, sondern widmeten sich auch politischen Aspekten.

In diesem Zusammenhang thematisierten die ACU nicht nur Rassismus im Fußball, sondern warfen den KBU auch vor, Rechtsextremisten Anschlussmöglichkeiten an die Fanszene ermöglicht zu haben. Darüber hinaus problematisierten sie, dass die im emotionell aufgeladenen Fußball verbreiteten Beleidigungen gegnerischer Fans oder des Schiedsrichters häufig einen sexistischen oder schwulenfeindlichen Charakter haben. Die KBU sahen sich dadurch diffamiert und bezeichneten sich als „unpolitisch“. In dieser Situation boten sich bei beiden Gruppen thematische Anknüpfungspunkte für Radikale, aber auch für Extremisten. So ist der Begriff „unpolitisch“ auch eine bei Rechtextremisten übliche Bezeichnung, um ihre wahre Gesinnung gegenüber der Öffentlichkeit zu verschleiern. Auf der anderen Seite wenden sich nicht nur Demokraten gegen Rassismus und Rechtsextremismus, sondern auch Linksextremisten, die ihre weitergehenden Absichten hinter gesellschaftlich anschlussfähigen Themen verbergen.

Durch diese Positionierungen standen sich beide Vereinigungen unversöhnlich gegenüber und sorgten während einer ihren Verein gefährdenden Krise für interne Unruhe. Dabei dürften die ACU aufgrund ihres Engagements gegen einen von ihnen als sexistisch kritisierten Sprachgebrauch bei vielen tatsächlich nicht an Politik interessieren Fans auf Ablehnung gestoßen sein. Diese könnten ein Vorgehen gegen bestimmte im Stadion gemachte Äußerungen als Anmaßung oder gar als Zwangsmaßnahme „linker“ Aktivisten verstanden haben. Letztendlich blieb die personell übersichtliche Gruppe isoliert und wurde zum Zielobjekt von Übergriffen ihrer Gegner. Diese eskalierten bei mehreren Auswärtsspielen, bei denen Angehörige der ACU von größeren Haufen der eigenen Auswärtsfahrer massiv angegriffen wurden. Die wiederholten körperlichen Attacken sowie die im alltäglichen städtischen Leben bestehende Bedrohung führten schließlich zum Rückzug der 1999 gegründeten Ultra-Gruppe.

Nach der Niederlage der ACU dürfte die Stimmung auf dem Tivoli zukünftig von der „Karlsbande“ geprägt werden, deren Aktivitäten weitere Aufmerksamkeit verdienen. Darüber hinaus hat die gewalttätige Auseinandersetzung eine über die Kaiserstadt hinausreichende Dimension. So könnte es auch unter den Anhängern anderer Vereine zu vergleichbaren Konflikten kommen, sofern sich unterschiedlich ausgerichtete Fangruppen betätigen, die ihre Aktivitäten nicht strikt auf ihren Sport beschränken, sondern Anknüpfungspunkte für Personen aus dem „rechten“ und „linken“ Lager bieten.

Erstveröffentlichung am 5. 2. 2013 bei www.endstation-rechts.de
Foto: SurfGuard, Lizenz: CC

Dienstag, 05 Februar 2013 14:33

TV Tipp: Verrückt nach Fußball - Englische Fans im Abseits

geschrieben von

zdf infoStimmgewaltige Fans in reinen Fußballstadien. Für viele Fußballfans war England lange Zeit ein beliebtes Reiseziel, nicht nur bei Groundhoppern. Inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Zwar ist der englische Fußball weltweit beachtet, Mannschaften wie Manchester United haben Fans rund um den Globus, aber die Entwicklung hat seine Schattenseite. Nach der Sheffield Katastrophe und der Abschaffung der Stehplätze steigen die Kartenpreise massiv an und die Clubs sind längst in der Hand von reichen Scheichs und Ölmultis. ZDFinfo schaut im Rahmen der Reihe "Verrückt nach Fußball" auf die Insel, wo die englischen Fans inzwischen neidvoll nach Deutschland und die vielfälltige Fankultur schauen. Ausgestrahlt wird die Sendung heute Nacht um 0:55 Uhr in ZDFinfo

England - Mutterland des Fußballs. Hier wurden im 19. Jahrhundert die Regeln des Fußballs erfunden und in den frühen 60ern die ersten Fangesänge angestimmt. Die erste englische Liga ist der Traum der meisten Fußballer und wird in fast alle Länder weltweit übertragen. Zig 100 Millionen Menschen auf dem Globus sind Fan eines englischen Vereins. Also alles prima im gelobten Land des Fußballs? Mitnichten. Denn die Opfer dieser intensiven kommerziellen Entwicklung sind die englischen Fans. Die Kartenpreise steigen seit Abschaffung der Stehplätze stetig an und der Fußball findet für viele -vor allem jüngere - englische Fans nur noch im Pub statt.

Quelle: ZDFinfo

Wiederholung der Sendung am Montag, 18. Februar, 18.00 Uhr, in ZDFinfo. Wer so lange nicht warten möchte, findet die Reportage von Marc Quambuschschon jetzt in der ZDF Mediathek

In den ersten Teilen der Reihe "Verrückt nach Fußball" wurde über die Fans in den EM Gastgeberländern Polen und Ukraine und im zweiten Teil über die Entiwcklung der italienischen Fankultur berichtet.

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