Do23Mar2017

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derby bvb-s04Der FC Schalke 04 gegen Borussia Dortmund – Das Revierderby ist nicht nur irgendein Derby, es ist das! Derby der Bundesliga. Heute Nachmittag schauen Millionen Fußballfans gebannt in die Arena auf Schalke. Möge dieses Revierderby ein hart umkämpftes, aber faires Fußballfest werden! Das hoffen auch Susanne und Matthias, unsere beiden Vertreter der beiden Ruhrpott-Vereine beim gemeinsamen Derby-Interview.
Um euch die leidige Wartezeit ein wenig schmackhafter zu machen, präsentieren wir Euch heute, wie auch in den beiden vergangenen Tagen, den dritten und leider auch schon letzten Teil unseres gemeinsamen Derby-Interviews mit Schlumpfine Susanne und Biene Matthias! Ein letztes Mal stehen sich die beiden zum virtuellen Schlagabtausch gegenüber. Ich danke Susanne und Matthias vielmals für dieses interessante Interview und wünsche euch beiden sowie allen anderen Schalke- und BVB-Fas ein spannendes Revierderby! Wir hoffen, ihr hattet Euren Spaß mit dieser kleinen Interviewserie und freuen uns mit Euch auf ein friedliches Revierderby!

derby bvb-s04Nachdem gestern bereits der erste Teil von unserem gemeinsamen Interview mit Schlumpfine Susanne und Biene Matthias veröffentlich worden ist, möchten wir euch den zweiten Teil nicht vorenthalten. Auch heute beantworten unsere beiden Ruhrpottler wieder einige Fragen über den Gegner, Fair Play und König Fußball an sich.

Für alle, die gestern nicht mit von der Partie waren, hier nochmal der Fansteckbrief unserer beiden Fans aus dem Ruhrgebiet:

Susanne, 42 Jahre alt, ist von Beruf Juristin und seit 35 Jahren mit dem Schalke-Virus infiziert. Sie bezeichnet sich selbst als supportenden Fan, besucht in der Regel jedes Heimspiel und fährt acht bis zehn Mal pro Saison dem FC Schalke in die fremden Stadien der Bundesliga hinterher. Wie es sich für einen echten Schalker gehört, hat sie natürlich eine Dauerkarte.

Matthias, unser Vertreter des schwarz-gelben Ballspielvereins aus Dortmund, ist 26 Jahre alt, arbeitet als Detektiv und ist seit 21 Jahren überzeugter Borusse. Er sieht sich selbst ebenfalls als Supporter und gibt an, dass er in der Regel jedes Heimspiel besuche. Dazu begibt er sich ca. acht bis zehn Mal auf Auswärtsfahrten. Ab der nächsten Saison verfügt auch Matthias über eine Dauerkarte, um kein Spiel seines geliebten Vereins zu verpassen.

derby bvb-s04

Am Wochenende ist es wieder soweit. Der gesamte Ruhrpott ist voller Euphorie und freut sich auf das halbjährliche brisante Derby im Ruhrgebiet. Auch Fußballdeutschland außerhalb Nordrhein-Westfalens blickt am Samstag um 15:30 nach Gelsenkirchen. Das Derby FC Schalke 04 gegen der Erzrivalen Borussia Dortmund steht an. Bei diesem brisanten Spiel geht es nicht nur um drei Punkte. Bei diesem Spiel geht es um weitaus mehr. Es geht um die fußballerische Krone im Revier.

Wir von FANKULTUR.com haben ein gemeinsames Interview mit unseren Bloggern Susanne (Kurvenstar 04) und Matthias (Matze's Viererkette) über das Derby, Rivalität, Kommerz im Fußball und weitere interessante Themen rund um den Fußball geführt. In einer lockeren Atmosphäre hat unser Autor Julius Wiechmann die beiden Rivalen an die Tastatur gebeten und im Wechsel zuerst antworten lassen. Die Antworten unserer Blogger sind 100% echt und unzensiert und geben unverfälscht die Meinung der Interviewpartner wieder.

alemannia aachenAlemannia Aachen steht am Abgrund. Sportlich ist der Verein aus der Erstklassigkeit in die 3. Liga gefallen und wirtschaftlich droht die Insolvenz. Der Fußballklub benötigt deshalb gegenwärtig jegliche Unterstützung. Doch ausgerechnet in dieser Lage belastet ein länger bestehender Konflikt innerhalb der eigenen Ultras die heimische Fanszene.

Am 12. Januar 2013 unterstützen die „Aachen Ultras `99“ (ACU) während des Auswärtspokalspiels bei Viktoria Köln zum letztem mal ihren bisherigen Verein. Mit einer Reihe von Spruchbändern warfen sie ihren Rivalen von den „Karlsbande Ultras“ (KBU) noch einmal diskriminierende Gesänge sowie eine Nähe zum Rechtsextremismus vor. Ihre Gegner fühlten sich dadurch provoziert und reagierten mit Angriffen im Stadion. Damit fanden mehrjährige Auseinandersetzungen innerhalb der Fanszene des Traditionsvereins ihren traurigen Höhepunkt. Den Hintergrund des Konflikts bildete eine Kombination aus faninterner Rivalität mit politischen Aspekten vor dem Hintergrund der speziellen Gegebenheiten der Kaiserstadt.

Aachen fällt dadurch auf, dass es nicht auffällt. Eigentlich sorgen ein traditionelles Bürgertum sowie eine Konzentration von Medizinern und technischen Akademikern für ein ruhiges Klima. Im Kontrast dazu steht jedoch die Existenz einer für das Rheinland ungewöhnlich starken rechtsextremistischen Szene. Diese wird von Angehörigen der „Nationaldemokratischen Partei Deutschlands“ (NPD) sowie von Aktivisten der 2012 verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) geprägt. Andererseits sind auch Antifa-Gruppen aktiv und in der Nähe des Hauptbahnhofs befindet sich ein „Autonomes Zentrum“. Beide Lager prallen mindestens einmal jährlich anlässlich der im nahen Stolberg veranstalteten rechtsextremistischen Aufmärsche aufeinander. Zudem ergibt sich die städtebauliche Besonderheit, dass die Kommune trotz ihrer rund 250.000 Einwohner ein übersichtliches Zentrum hat und sich Mitglieder verfeindeter Gruppierungen deshalb häufig begegnen.

Was die Alemannia angeht, fällt zunächst positiv auf, dass sie einen äußerst treuen Fanstamm hat. Allerdings bewegen sich unter ihren Anhängern auch rechtsextremistisch motivierte Personen. Mit den bereits 1999 gegründeten, zuletzt mehrere Dutzend Angehörige umfassenden ACU bestand eine langjährig aktive Ultra-Gruppierung. Innerhalb der Ultraszene entwickelten sich jedoch Differenzen über den Stil der Unterstützung der Mannschaft und über das Klima im Stadion. Diese führten 2010 zur Spaltung und dann zur Gründung der KBU. Während die Karlsbande nach eigenen Angaben auf eine Größe von rund 200 Personen anwuchs, begrenzten die ACU ihr Engagement nicht auf den Fußball, sondern widmeten sich auch politischen Aspekten.

In diesem Zusammenhang thematisierten die ACU nicht nur Rassismus im Fußball, sondern warfen den KBU auch vor, Rechtsextremisten Anschlussmöglichkeiten an die Fanszene ermöglicht zu haben. Darüber hinaus problematisierten sie, dass die im emotionell aufgeladenen Fußball verbreiteten Beleidigungen gegnerischer Fans oder des Schiedsrichters häufig einen sexistischen oder schwulenfeindlichen Charakter haben. Die KBU sahen sich dadurch diffamiert und bezeichneten sich als „unpolitisch“. In dieser Situation boten sich bei beiden Gruppen thematische Anknüpfungspunkte für Radikale, aber auch für Extremisten. So ist der Begriff „unpolitisch“ auch eine bei Rechtextremisten übliche Bezeichnung, um ihre wahre Gesinnung gegenüber der Öffentlichkeit zu verschleiern. Auf der anderen Seite wenden sich nicht nur Demokraten gegen Rassismus und Rechtsextremismus, sondern auch Linksextremisten, die ihre weitergehenden Absichten hinter gesellschaftlich anschlussfähigen Themen verbergen.

Durch diese Positionierungen standen sich beide Vereinigungen unversöhnlich gegenüber und sorgten während einer ihren Verein gefährdenden Krise für interne Unruhe. Dabei dürften die ACU aufgrund ihres Engagements gegen einen von ihnen als sexistisch kritisierten Sprachgebrauch bei vielen tatsächlich nicht an Politik interessieren Fans auf Ablehnung gestoßen sein. Diese könnten ein Vorgehen gegen bestimmte im Stadion gemachte Äußerungen als Anmaßung oder gar als Zwangsmaßnahme „linker“ Aktivisten verstanden haben. Letztendlich blieb die personell übersichtliche Gruppe isoliert und wurde zum Zielobjekt von Übergriffen ihrer Gegner. Diese eskalierten bei mehreren Auswärtsspielen, bei denen Angehörige der ACU von größeren Haufen der eigenen Auswärtsfahrer massiv angegriffen wurden. Die wiederholten körperlichen Attacken sowie die im alltäglichen städtischen Leben bestehende Bedrohung führten schließlich zum Rückzug der 1999 gegründeten Ultra-Gruppe.

Nach der Niederlage der ACU dürfte die Stimmung auf dem Tivoli zukünftig von der „Karlsbande“ geprägt werden, deren Aktivitäten weitere Aufmerksamkeit verdienen. Darüber hinaus hat die gewalttätige Auseinandersetzung eine über die Kaiserstadt hinausreichende Dimension. So könnte es auch unter den Anhängern anderer Vereine zu vergleichbaren Konflikten kommen, sofern sich unterschiedlich ausgerichtete Fangruppen betätigen, die ihre Aktivitäten nicht strikt auf ihren Sport beschränken, sondern Anknüpfungspunkte für Personen aus dem „rechten“ und „linken“ Lager bieten.

Erstveröffentlichung am 5. 2. 2013 bei www.endstation-rechts.de
Foto: SurfGuard, Lizenz: CC

Dienstag, 05 Februar 2013 14:33

TV Tipp: Verrückt nach Fußball - Englische Fans im Abseits

geschrieben von

zdf infoStimmgewaltige Fans in reinen Fußballstadien. Für viele Fußballfans war England lange Zeit ein beliebtes Reiseziel, nicht nur bei Groundhoppern. Inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Zwar ist der englische Fußball weltweit beachtet, Mannschaften wie Manchester United haben Fans rund um den Globus, aber die Entwicklung hat seine Schattenseite. Nach der Sheffield Katastrophe und der Abschaffung der Stehplätze steigen die Kartenpreise massiv an und die Clubs sind längst in der Hand von reichen Scheichs und Ölmultis. ZDFinfo schaut im Rahmen der Reihe "Verrückt nach Fußball" auf die Insel, wo die englischen Fans inzwischen neidvoll nach Deutschland und die vielfälltige Fankultur schauen. Ausgestrahlt wird die Sendung heute Nacht um 0:55 Uhr in ZDFinfo

England - Mutterland des Fußballs. Hier wurden im 19. Jahrhundert die Regeln des Fußballs erfunden und in den frühen 60ern die ersten Fangesänge angestimmt. Die erste englische Liga ist der Traum der meisten Fußballer und wird in fast alle Länder weltweit übertragen. Zig 100 Millionen Menschen auf dem Globus sind Fan eines englischen Vereins. Also alles prima im gelobten Land des Fußballs? Mitnichten. Denn die Opfer dieser intensiven kommerziellen Entwicklung sind die englischen Fans. Die Kartenpreise steigen seit Abschaffung der Stehplätze stetig an und der Fußball findet für viele -vor allem jüngere - englische Fans nur noch im Pub statt.

Quelle: ZDFinfo

Wiederholung der Sendung am Montag, 18. Februar, 18.00 Uhr, in ZDFinfo. Wer so lange nicht warten möchte, findet die Reportage von Marc Quambuschschon jetzt in der ZDF Mediathek

In den ersten Teilen der Reihe "Verrückt nach Fußball" wurde über die Fans in den EM Gastgeberländern Polen und Ukraine und im zweiten Teil über die Entiwcklung der italienischen Fankultur berichtet.

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Donnerstag, 24 Januar 2013 16:51

Gerald Asamoah – Dieser Weg wird kein leichter sein …

geschrieben von

Fußballer-Biografien präsentieren sich zuweilen nach dem Motto „Titel, Tore und Triumphe“ oder enthalten skandalträchtige Geschichten zur Steigerung der Auflage. Im ersten Fall sind sie gelegentlich zu flach, im zweiten Fall zu durchsichtig. Gerald Asamoah hat mit Unterstützung des Sportjournalisten Peter Großmann eine Lebensbeschreibung erstellt, die sich positiv von derartigen Werken abhebt.

Ghana und Hannover

Der sportliche Weg des 1978 in Ghana geborenen deutschen Nationalstürmers war in seiner Jugend von verschiedenen Erschwernissen behindert, die eine Profikarriere eigentlich hätten verhindern müssen. Zu diesen gehörte, dass er während eines großen Teils seiner Kindheit von seinen Eltern getrennt lebte. Der Vater, ein Journalist, hatte aus politischen Gründen nach Deutschland flüchten müssen und war mit seiner Frau nach Hannover gezogen. Gerald Asamoah wuchs zunächst bei seiner ihn christlich erziehenden Großmutter auf und zog erst im Alter von zwölf Jahren in die niedersächsische Hauptstadt. Dort trat er ein Jahr später dem BV Werder Hannover bei. Trotz der Anforderungen einer Schulausbildung in einem neuen Sprachraum sowie Arbeitspflichten im Haushalt und im väterlichen Laden brachte er die Energie für den Fußball auf. Den Durchbruch erlebte er nach seinem Wechsel zu Hannover 96, wo er 1998 maßgeblichen Anteil am Aufstieg in die 2. Bundesliga hatte.

Herz und Schalke

Zur größten Bedrohung für Asamoahs Karriere wurde jedoch eine erst spät festgestellte Herzanomalie. Letztendlich konnte er seine Karriere nach aufzehrenden Untersuchungen fortsetzen, wenngleich unter Inkaufnahme eines Restrisikos und eines griffbereiten Defibrillators. Dennoch verpflichtete ihn 1999 der FC Schalke 04, mit dem er zwei DFB-Pokale erringen sollte. Bei den „Königsblauen“ entwickelte er sich zu einem bei den Fans sehr beliebten, kampfstarken Angreifer mit hoher Vereinstreue. Dies zeigte sich insbesondere bei den aufgeheizten Begegnungen gegen Borussia Dortmund, von denen ein 2007 errungener 4:1-Derbysieg zur denkwürdigsten  Partie wurde. In deren Verlauf kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung Asamoahs mit dem gegnerischen Torhüter Roman Weidenfeller, dem der Schalker vorwarf, ihn als „schwarzes Schwein“ beleidigt zu haben (S. 60). In der Biografie geht Asamoah ausführlich auf die nicht durch einen Zeugen bemerkte Ehrverletzung ein und bedauert gleichzeitig auch eine von ihm gezeigte „Geste zu den Dortmunder Fans“ (S. 61). Dabei bleibt er leider unkonkret, indem er auf eine Beschreibung dieser Geste verzichtet - es war ein durch Vorbeiziehen des Daumens am Hals angedeuteter Kehlenschnitt.

Rassismus und Nationalmannschaft

Unabhängig von der Beweisbarkeit des Vorwurfs wurde Asamoah wiederholt Ziel des Hasses von Rassisten. Wie andere dunkelhäutige Spieler wurde er in verschiedenen Stadien „als Nigger beschimpft und mit Bananen beworfen“ (S. 146). Dennoch nahm er die deutsche Staatsbürgerschaft an, verzichtete auf eine Karriere in der Nationalmannschaft Ghanas und entschied sich stattdessen für die sich im Neuaufbau befindende deutsche Auswahl. Mit ihr wurde er 2002 unter Rudi Völler überraschend Vizeweltmeister. Dass er trotz dieses Bekenntnisses zu und seines Einsatzes für Deutschland weiterhin Anfeindungen von Rechtsextremisten ausgesetzt war, belegt das Ausmaß des sich im Fußball zeigenden rassistischen Hasses. Asamoah nennt in diesem Zusammenhang insbesondere ein Spiel in Rostock und beklagt das Ausbleiben einer unterstützenden Reaktion der Nationalmannschaftkameraden, insbesondere des Kapitäns Michael Ballack, den er allerdings nicht namentlich nennt (S. 72). Der Nationalstürmer setzte seine Karriere dennoch in der DFB-Auswahl fort und krönte sie 2006 bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land. Während des Turniers hatte er als DJ einen erheblichen Einfluss auf das Klima innerhalb der für das „Sommermärchen“ verantwortlichen Mannschaft und trug dadurch zu einer im ganzen Land aufkommenden positiven Stimmung bei. Besonderes beliebt war dabei ein Zuversicht verbreitendes Lied Xavier Naidoos, das die Textstelle enthielt: „Dieser Weg wird kein leichter sein.“

St. Pauli und Greuther Fürth

Nach der Weltmeisterschaft setzte Asamoah seine Vereinskarriere zunächst auf Schalke fort. Es folgte eine kurze, glücklose Zeit beim FC St. Pauli sowie ein Engagement bei der Spielvereinigung Greuther Fürth, mit der er 2012 den von ihr lang ersehnten Aufstieg in die Erstklassigkeit schaffte. Zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung steht er zwar noch im Dienst des fränkischen Vereins, befindet sich aber mit 34 Jahren im Spätherbst seiner Profikarriere.

Was bleibt …

asamoah dieser weg coverDas lesenswerte, durch Beiträge von Gastautoren wie Manuel Neuer, Otto Addo, Mirko Slomka oder Theo Zwanziger angereicherte Buch besticht dadurch, dass es neben Asamoahs sportlicher Laufbahn auch seine Familiengeschichte sowie die von ihm bewältigten Erschwernisse behandelt. Er stellt sich durch die offene Beschreibung seines Lebensweges, unter Einschluss seiner religiösen und familiären Verwurzelung, nicht nur als Spitzensportler, sondern als Mensch vor. Darüber hinaus beleuchtet er mit seiner Einwanderungsgeschichte auch die deutsche Gesellschaft, sowohl mit ihren rassistischen Schattenseiten als auch mit ihren Möglichkeiten zur Teilhabe und ihrer sich im letzten Jahrzehnt verändernden Einstellung zum Thema Zuwanderung.

Es passt zum Optimisten Asamoah, eine Zeile des 2006 bekannt gewordenen Xavier Naidoo-Liedes als Titel für seine Spielerbiografie zu verwenden. Seinen sportlichen Weg damit als „nicht leicht“ zu beschreiben ist allerdings unzutreffend - denn es ist eine Untertreibung. Dass der Stürmer es trotz der Erschwernisse in den Profifußball und sogar in die Nationalmannschaft schaffte, deutet auf eine vorbildliche Haltung sowie eine außergewöhnliche Leistungsbereitschaft hin. Dadurch erklärt sich auch sein unbedingter Kampfeswille auf dem Spielfeld, mit dem er technische Mängel mehr als ausglich. Mit diesen Voraussetzungen hätte er keinen besser zu ihm passenden Verein finden können, als den Arbeiterklub FC Schalke 04. Asamoahs Buch ist in Teilen auch eine Art Liebeserklärung an diesen Klub, wobei es seine Zeit bei Hannover 96 leider etwas vernachlässigt. Dies ist umso bedauernswerter, da er einen großen Anteil an der erfolgreichen Aufbauarbeit des niedersächsischen Vereins hatte und dieser wiederum seine persönliche Entwicklung gefördert hatte.

Gerald Asamoah hatte das hart erarbeitete Glück, dass seine Nationalmannschaftskarriere zur Zeit des Neuanfangs unter Rudi Völler begann und ihren Höhepunkt beim „Sommermärchen“ unter Jürgen Klinsmann erreichte. Der deutsche Fußball wiederum hatte das Glück, dass Gerald Asamoah ihn in den Jahren grundlegender Veränderungen um eine ungewöhnliche Facette bereicherte. Nach der Lektüre seiner Biografie kann man sich den sozial engagierten Fußballarbeiter, der eine nach ihm benannte Stiftung für am Herzen erkrankte Kinder gegründet hat, nicht als untätigen Fußballrentner vorstellen.

Gerald Asamoah / Peter Großmann
„Dieser Weg wird kein leichter sein …“
Herbig-Verlag, 19,99 Euro

Mittwoch, 16 Januar 2013 12:30

50 + 1 - Gibt es das noch?

geschrieben von

50plus1„International nicht konkurrenzfähig“ nannten einige Funktionäre des deutschen Fußballs noch vor einem Jahr die Bundesligavereine. Momentan schicken sich gleich drei dieser Vereine an, die Champions League ordentlich aufzuräumen. Da man international also durchaus konkurrenzfähig zu sein scheint entflammt erneut die Diskussion darum, wie es möglich sein kann, dass Investoren hinter den Vereinen die Fäden ziehen. Nicht nur die großen Männer des Sports, auch die Fans sind empört. Mit 10 Punkten Vorsprung in der Regionalliga klopft RasenBallsport Leipzig nun zum zweiten Mal an die Pforten des Profifußballs – in der Hand eine Kiste roter Dosen.

RB Leipzig wurde 2009 zu Marketingzwecken gegründet, daran besteht an sich kein Zweifel. RedBull ist für sein Sportengagement bekannt. Aber eben auch dafür, nicht nur irgendwo einen Aufkleber mit einem roten Bullen aufzukleben, sondern Einfluss und Verantwortung zu übernehmen. Dass das im deutschen Fußball nicht erlaubt ist, aber unterlaufen wird, zeigt schon das Logo des Leipziger Vereins. Schon letztes Jahr standen sie vor dem Aufstieg in die dritte Liga, welcher viele Diskussionen auslöste. Trainer Pacult musste seine Sachen packen,als es mit dem Aufstieg nicht klappte, auch das ein klares Signal: etwas anderes als der Aufstieg ist hier nicht gewollt! Sportdirektor Ralf Rangnick, eigentlich der Mann für die Kohlen im Feuer des FC Schalke, wurde zu RB Salzburg und RB Leipzig geholt, da seine Erfahrung im internationalen Bereich helfen sollen: alle Zeichen stehen auf vorderster Ligafront.

Der Gründer und Besitzer des österreichischen Getränkekonzerns RedBull sagte der "Neue Zürcher Zeitung" im vergangenen Frühjahr in einem seiner seltenen Interviews: "Wir bauen RB Leipzig mit dem Ziel aus, in drei bis fünf Jahren in der Bundesliga zu spielen. Wir wollen auch in der Champions League dabei sein."

rb leipzigNeben RedBull Salzburg und RedBull New York ist RasenBallsport Leipzig also nun der dritte Verein, den die Firma „unterstützt“ - allerdings der einzige, bei dem es in dieser Form nicht erlaubt. ist. Denn genau das verbietet schon die Satzung des Sächsischen Fußball Verbandes. In Paragraph 12 heißt es: "Änderungen, Ergänzungen oder Neugebung von Vereinsnamen und Vereinszeichen zum Zwecke der Werbung sind unzulässig." §15 Absatz 2 der DFB-Satzung benutzt den gleichen Wortlaut. Das Logo der Leipziger wurde daher 2009 mehrmals abgelehnt, da es dem Firmenlogo RedBulls zu ähnlich sähe. Wer sich das Logo aktuell ansieht weiß auch warum, allerdings nicht, was sich geändert haben soll.

Es sah so aus, als könnte das Marketing-Konzept, dass RB bis dato gefahren war, in Deutschland und im Ligensystem des Landes nicht bestehen. Wie konnte es also dazu kommen, das nun sogar auf der Internetseite des Vereins rote Bullen zwischen den Spielern herlaufen, man sich selbst „Rote Bullen“ und „Rote Brause“ nennt und fast alle der neun stimmberechtigten Vorstandsmitglieder tatsächlich RedBull angehören, keiner davon aber auch nur annähernd in Leipzig wohnt? Denn seien wir mal ehrlich: wo wird schon die Bezeichnung RasenBallsport benutzt? Die Denk- und Kombinationsleistung von dem als Traditionsnamen benutzten Roten Bullen zu RedBull bedarf jedenfalls keiner CSI-Mannschaft. Und oho, was ist denn das für ein Maskottchen? Ein roter Bulle! Ahja.

Nun wird es, angesichts dieser Verschleierung, die so undurchsichtig ist wie die Sky-Fragen zur Halbzeitpause, auch den Fans der anderen Vereine zu bunt. Durch Proteste und Druck von Fanseite sagten nun gleich sechs Vereine seit 2011 Testspiele gegen die Bullen ab, zuletzt der 1. FC Nürnberg und der TSV 1860 München. Diese sind zwar selbst nicht unbefleckt, aber dazu später.

Natürlich ist dies nicht nur für den Verein an sich profitabel. Die Stadt Leipzig verdient am Trainingszentrum, dass die Leipziger neu bauten und stetig erweitern, mit.

RB ist auch nicht der Erfinder der Philosophie, dass ein Unternehmen ein Verein ist oder andersrum. Eine Werkself wie in Leverkusen oder seit 2000 offiziell auch in Wolfsburg arbeitet quasi nach dem gleichen Prinzip, fällt momentan aber noch unter die „Ausnahmeregelung für langjährige Förderer“. Hier könnte man aber dank einer regionalen Zusammengehörigkeit noch lächelnd abwinken. Solange, bis in einem kleinen Dorf in Baden-Württemberg ein Mann kam und sagte „meinen Herzensverein will ich haben“ und bis 2012 über 240 Millionen in „seine“ TSG Hoffenheim pumpte, die daraufhin 2007 aus der Anonymität in die zweite Liga schoss.. Die 50+1 Regel? Naja. Offiziell darf ein Unternehmen nur 49% besitzen. Dietmar Hopps Firma hält diese Regel ein, den Verein, der die 51% besitzt, kontrolliert Hopp aber ebenfalls. Insgesamt soll sein Einfluss 96% des Vereinskapitals ausmachen.

Im Übrigen gibt es nicht nur Unternehmen, bei deren Einfluss in der Bundesliga man zweimal hinschauen muss – wem die Spielervermittlungsfirma Rogon etwas sagt, der regt sich über RedBull nur noch halb so sehr auf. Spielervermittler hatten überdimensionale Summen verdient, mehrere Spieler bei einem Verein untergebracht um Kupplungsverträge und bessere Provisionen möglich zu machen. Ganz vorne dabei auch hier: Die TSG. Aber auch Kaiserslautern, der HSV und sogar Schalke.Wer mitverdienen will, lobt Spieler aus dem Rogon-Stall und lässt andere schlecht aussehen. Tipps dafür kann man sich sicherlich bei Mario Basler holen, Schwager des Rogon-Geschäftsführers. Alles nur Zufälle? Vielleicht.

Klar ist jedoch, dass es im deutschen Fußball Not gibt,etwas zu tun. Sollte RB Leipzig, welches Synonym man auch immer für den Vereinsnamen benutzen mag, in die dritte Liga und damit in den Profibereich des deutschen Fußballs aufsteigen, wird es langsam immer schwieriger, das Durchwinken der Clubs, die offensichtlich von Unternehmen und Einzelpersonen geführt und kontrolliert werden, zu rechtfertigen. An den Statuten des DFB darf es nichts zu rütteln geben, sonst  ist nicht nur in Sachen Stehplätze gegen Sitzplätze der Weg in Englands Richtung nicht mehr weit. Der erste Scheich ist in Deutschland angekommen. Auch wenn sich die Zusammenarbeit des TSV 1860 München mit Hasan Ismaik schon wieder kurz vor dem Aus befindet, eben weil dieser Einfluss nehmen wollte und nicht durfte. Angesichts dieser Tatsache kann DFL-Geschäftsführer Rettig natürlich belegen, dass „Fakt ist: Ein Investor kann sich nur im Rahmen der durch die DFL-Bestimmungen vorgegebenen Maßnahmen einbringen“(FocusOnline), ob sich das beim nächsten Scheichsohn,der sich einen Club zum Geburtstag wünscht aber genauso ist, weiß auch er nicht. Genauso wenig,was man dann dagegen macht, denn wer einmal eine Marketingstrategie als Fußballverein zulässt, für den wird es schwierig, der nächsten die Tür vor der Nase zuzuschlagen.

Dann ist es in der Bundesliga wie mit dem unbeliebten Eco 10 Treibstoff an den Tankstellen: keiner will es, aber ohne kann man halt nicht mehr mitspielen.