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Freitag, 26 Juli 2013 00:00

Schlimmer geht immer

geschrieben von

msv duisburg3. Liga für den MSV Duisburg. Es hätte durchaus schlimmer kommen können, nachdem das ständige Schiedsgericht des DFB den Einspruch gegen die erste Lizenzentscheidung abgelehnt hat. Grund genug, einmal zu versuchen, etwas Licht in die Frage zu bringen, welche Personen vielleicht eine zentrale Rolle im Dilemma des Meidericher SVs spielen und Skandale von Mäzenen dieser Welt zu beschreiben, die für die meisten im Dunkeln bleiben.
Keine in diesem Artikel verwendeten Thesen und Darstellungen sollen Schlussfolgerungen sein, Interpretationen sind jedem selbst überlassen.

Immer wieder fiel über die Jahre und Entwicklungen im Falle der Zebras der Name Hellmich als „Strippenzieher".

Wer ist das also? Ab unter die Lupe!

Dienstag, 09 Juli 2013 15:06

Ohrfeige für Viagogo - Blaues Auge für Schalke 04

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vianogo9

„Wir halten Wort – S04 kündigt viagogo-Vertrag fristlos“ So verkündet Schalke 04 auf seiner Webseite und hat den umstrittenen Tickethändler wieder vor die Tür gesetzt. Noch auf der Jahreshauptversammlung mussten sich die Vereinsverantwortlichen böse Worte von der Basis gefallen lassen. Besonders Alexander Jobst, Marketingvorstand beim Revierclub, hatte Mühe die Kooperation mit Viagogo zu verteidigen. Der Vertrag sei wirtschaftlich notwendig. Dabei spielte nicht nur der Vertrag als solches eine Rolle, sondern auch die Art und Weise mit der sich die Gegner des Deals vom Verein behandelt gefühlt hatten. In der Tat konnte man den Eindruck gewinnen, als wolle der Vorstand mit allen Mitteln die ViaNoGo Initiative klein halten. Am Ende gab es eine unverbindliche Probeabstimmung mit klarem Signal: Eine große Mehrheit der Mitglieder war gegen diesen Vertrag.

Nun ist nicht nur die Mitgliederversammlung Geschichte, sondern auch der Vertrag mit viagogo - nach nur neun Tagen. Eine Entscheidung, mit der man nicht unbedingt rechnen konnte und die mit viel Erstaunen und Bewunderung aufgenommen wurde. Dazu hat sicherlich auch die Wortwahl der Mitteilung von Schalke 04 beigetragen. Man halte Wort, habe genau die Umsetzung der Vertragsinhalte geprüft, heißt es darin. Und Verträge seien einzuhalten, von beiden Seiten. „Viagogo hat durch sein Verhalten gezeigt, dass ihnen dazu der Wille fehlt“ wird der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies zitiert. Sogar von Abmahnungen gegenüber dem Vertragspartner ist die Rede. Rumms, das sitzt.

So positiv das Ergebnis, die fristlose Kündigung, aufzufassen ist, so sehr muss man aber hinterfragen: Was hat sich nun in neun Tagen bewegt, das ein Vertrag nicht mehr die wirtschaftliche Notwendigkeit besitz, wie noch vor wenigen Wochen? Das Geschäftsgebaren der Engländer ist nicht erst seit gestern kritisch zu hinterfragen. Das musste den Vereinsverantwortlichen auf Schalke noch vor Vertragsabschluss bekannt gewesen sein. Ebenso ist der Widerstand aus den Fankreisen keine Überraschung. Viagogo hat tiefe Gräben in der Beziehung zwischen Fans und Verein hinterlassen. Das Image des Vereins bekam nun auch innerhalb der eigenen Anhängerschaft Kratzer: „Der Kumpel zockt den Malocher nicht ab“

Die Vereinsführung hat von ihren Fans ein blaues Auge verpasst bekommen, und dieses als saftige Ohrfeige an den (Ex-)Partner Viagogo weiter gegeben. Damit folgen denn Worten aus der JHV tatsächlich Taten, ist aber nicht geeignet über die eigenen Unzulänglichkeiten bei diesem Thema hinwegzutäuschen. Dass man die Chance zum Ausstieg genutzt hat, ist zu begrüßen. Um die Gräben zuzuschütten ist aber mehr notwendig als dieses öffentlichkeitswirksame Zeichen. Ein blaues Auge bleibt bekanntlich länger sichtbar, als eine Ohrfeige.

cover1Viele Bücher sind schon über den BVB geschrieben worden; insbesondere in den vergangenen „Klopp-Jahren“ stieg die Flut an Publikationen über den Ballspielverein rasant an. Mit vielen dieser Produkte konnte man sich zwar die Zeit vertreiben, bleibende Eindrücke hinterließen jedoch die wenigsten.

Vor einigen Wochen ist nun ein weiteres Buch über den BVB erschienen - nein, eigentlich nicht über den BVB, sondern über die Fans des BVB: „Unser ganzes Leben - Die Fans des BVB“ heißt das Werk, das die Autoren Ulrich Hesse und Gregor Schnittker im Werkstatt-Verlag veröffentlicht haben.

Wenn man sich das Buchcover anschaut, mit seiner Collage verschiedener Fotos von BVB-Fans, und obendrein anfänglich noch etwas willkürlich im Buch blättert und die durchweg auf Hochglanz bedruckten Seiten anschaut, so drängt sich der Eindruck eines ausführlichen Geschichtsbildbandes auf. Aber was für ein Trugschluss sollte dieser Gedanke letztlich sein!

Sobald man schließlich mit der Lektüre beginnt, so wird man umgehend aus dem Hier und Jetzt herausgezogen; man taucht ab aus der Gegenwart und findet sich plötzlich wieder an der Weißen Wiese, dem ersten Sportplatz des Vereins. „Unser ganzes Leben“ vermag den Leser ähnlich in seinen Bann zu ziehen wie ein spannender Krimi. Einmal mit dem Lesen begonnen, möchte man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Das Drumherum verschwindet - man taucht ein in die schwarzgelbe Geschichte und erlebt neben den sportlichen Aspekten auf dem Rasen insbesondere die Historie der Fans hautnah mit.

Auf 336 Seiten vermitteln die Autoren Ulrich Hesse und Gregor Schnittker die Vergangenheit rund um den Borsigplatz und die Strobelallee. Direkt die erste Doppelseite nach dem Aufklappen verleitet den Leser - ebenso wie die allerletzte - zum Verweilen ein, befinden sich doch dort jeweils Collagen der Logo-Patches verschiedener Fanclubs. „Ist meiner auch dabei?“, wird sich der aufmerksame Leser hierbei denken und begibt sich auf die Suche nach „seinem“ Fanclub. Die Autoren sammeln hier bereits die ersten Pluspunkte für eine interaktive Gestaltung.

Im Folgenden wird der Werdegang des Ballspielvereins und seiner Fankultur in sechs chronologisch sortierten Kapiteln beleuchtet. Verständlicherweise nehmen die neueren Kapitel, und insbesondere das letzte, das sechste Kapitel über den Zeitraum 2000 bis 2013, den größten Platz ein - sind hier doch naturgemäß noch die meisten Quellen vorhanden. Doch dies bedeutet keineswegs, dass insbesondere die Frühzeit der Vereins- und Fangeschichte lapidar abgehandelt wird. Anhand der wenigen noch lebenden Zeitzeugen und den vorliegenden Überlieferungen skizzieren die Autoren in fesselnder Art und Weise die Anfänge eines kleinen Fußballvereins im Dortmunder Norden, als viele Sportplatz-Gänger des BVB insbesondere dem großen königsblauen Rivalen aus dem Osten des Ruhrgebiets die Daumen drückten.

Die Geschichte der Borussia wird im gesamten Buch zwar mit erzählt - bildet sie doch den Grundstein für die Entwicklung der Fankultur samt seinen Höhen und Tiefen - doch im Mittelpunkt steht hier die Darstellung der schwarzgelben Fangeschichte; von Kutten über Trikotträger und Hooligans bis zu den Ultras und dem Publikum des 21. Jahrhunderts.

In erfrischender Art und Weise kommen die Protagonisten selbst zu Wort: Die Fans. So entwickelt sich das Buch nicht nur zu einem Buch ü b e r die Fans, sondern zu einem Buch m i t Fans f ü r Fans des BVB. Zahlreiche spannende Anekdoten schmücken die 336 Seiten aus - ohne dass das Buch dabei zu einer durchweg wohlwollenden Werbeschrift für den Verein verkommt. Auch die dunklen Momente der Fangeschichte werden ohne Berührungsängste thematisiert, beispielsweise die Anfänge und die Entwicklung der berüchtigten „Borussenfront“ als Speerspitze des Dortmunder Hooliganismus sowie die verstärkt auftretenden rechtsextremistisch motivierten Vorfälle in den zurückliegenden Monaten - jeweils mit Zeitzeugenberichten auch der „dunklen“ Seite.

Aufgelockert wird das Buch noch weiter durch kleine Exkurse, welche die einzelnen Kapitel voneinander abgrenzen. In diesen Exkursen beschreiben die Autoren fortlaufend ihre Recherchen auf der Suche nach „Erbse“, einer Dortmunder Kultfigur, die vor Urzeiten den legendären BVB-Walzer erfand, der noch heute regelmäßig von der Südtribüne angestimmt wird. Es sind diese Ermittlungen des Schreiberduos, die dem Buch den letzten fesselnden Kick geben, sodass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte, bis man am Ende erfährt, wie die Suche nach „Erbse“ ausgeht.

Während ihres Streifzuges durch die Dortmunder Fangeschichte verkneifen sich die Autoren auch den einen oder anderen Seitenhieb auf heutige, teilweise hysterische Debatten nicht. So wird beispielsweise das BVB-Logo aufgegriffen, das von 1976 bis 1978 mit dem Löwenkopf eines Sponsors neugestaltet wurde, „übrigens ohne große Fanproteste“ (S. 92).

Angesichts der oben bereits angesprochenen Darstellung des Dortmunder Hooliganismus vergangener Jahrzehnte lassen die Autoren ebenfalls die Sicherheitsdebatte des 2010er-Jahrzehnts als lächerlicher Auswuchs einer hysterischen Medien- und Politiklandschaft erscheinen. Das Buch von Hesse und Schnittker sollte daher jedem Innenminister zur verpflichtenden Lektüre ausgehändigt werden, bevor seitens der Politik wieder der Teufel an die Stadionwand gemalt wird.

Vereinzelt wird sogar nicht nur die schwarzgelbe, sondern sogar die gesamte Historie der Fankultur dargestellt, so beispielsweise der Weg zum allerersten „Public Viewing“, das heutzutage zum festen Bestandteil der deutschen Fußballkultur gehört.

Unterm Strich lässt sich zusammenfassen: Die einzelnen Facetten des Buches könnten hier noch ellenlang weiter aufgeführt werden, doch darauf soll an dieser Stelle verzichtet werden, der kleine Einblick in ein wirklich rundum gelungenes Meisterwerk soll genügen. Die knapp 30 Euro für 336 Hochglanz-Seiten sind jeden einzelnen Cent wert. Gerade für die laufende Sommerpause eignet sich das Buch als hervorragender Zeitvertreib angesichts der Masse an interessanten Eindrücken, die sich zwischen den beiden Buchdeckeln verbergen. Die Nachhaltigkeit dieser Impressionen hebt sich deutlich von denen anderer Bücher über die Borussia ab, die Geschichte der Dortmunder Fankultur wird in diesem Buch lebendig.

Freitag, 05 Juli 2013 17:32

Warum unbezahlt manchmal unbezahlbar ist

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Wenn ich danach gefragt werde, Fan welchen Vereins ich bin sag ich natürlich sofort „Es gibt nur den BVB“. Mein Herz ist also schwarz-gelb, meine Hände aber blau-weiß. Wer an dieser Stelle denkt, das hat was mit Sch***alke zu tun, geht sich jetzt erstmal eine Runde schämen und liest dann weiter.

Viele kennen sicher die Jungs und Mädels in den blauen Jacken, die Woche für Woche im Ruhrstadion Bochum herumlaufen und Fragen beantworten, Behinderte betreuen, den Journalisten helfen und an den Mundlöchern im Stadion stehen. Sie sind Volunteers und ich bin einer davon.

Donnerstag Abend, ca. 19 Uhr: Ich laufe mit einem guten Freund von der Haltestelle „Stadion“ zum Waldstadion. Anlass ist leider nicht, wie hoffentlich nächstes Jahr, ein Eurobbabokalabend, sondern ein ganz anderer. Wir laufen am gespenstig dunklen Waldstadion vorbei in Richtung Eintracht-Museum in der Haupttribüne. Anlass ist die Buchvorstellung der Biographie des Kulttrainers Dragoslav Stepanovic, geschrieben von Martin Thein und Peter C. Moschinski.

sevilla-bvbAuswärtsspiele im internationale Wettbewerbe sind für Vereine ein Highlight: Für die Spieler und für die Vereinsverantwortlichen geht es um Prestige und Geld. Für die oft zahlreich mitreisenden Fans deutscher Vereine spannende Kurztrips in die unterschiedlichsten Städte, Länder und Stadien.

Genau darauf freuten sich auch viele Fans von Borussia Dortmund als sie im Dezember 2010 ihrer Mannschaft zu dem Europa League Spiel ins spanische Sevilla begleiteten. Die dortigen Ereignisse entwickelten sich dann für viele Anhänger jedoch anders, als sie sich das vorgestellt hatten: Es kam zu Auseinandersetzungen mit der spanischen Polizei, welche für manch Einen noch bis heute Folgen hat. In den Medien finden diese Vorfälle und Nachwirkungen kaum mehr Beachtung.

Alexandra Schröder vom Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum hat sich in ihrer Dissertation unter anderem intensiv mit den Ereignisse in Sevilla und ihre Folgen beschäftigt.

Sonntag, 31 März 2013 12:42

Wie viel Populismus verträgt der Fußball?

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100 DAS SPIEL LOGO weiss 768-445x250„100 % das Spiel, 0 % Gewalt.“ Seit einigen Wochen wird dem treuen Fußballkonsumenten im Fernsehen nun bereits dieser Slogan um die Ohren gehauen. Anfangs verfolgte ich diesen Spot vor, während und nach den Live-Übertragungen eher gelangweilt, doch ich begann mich damit umso intensiver auseinanderzusetzen, je öfter ich damit penetriert wurde.

Nun ist es ja so, dass Kampagnen aufgrund bestimmter Anlässe ins Leben gerufen werden. Da sich hier gegen Gewalt im Stadion bzw. rund um den Fußball positioniert wird, muss es ja entsprechende gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben haben, deren Folge es ist, dass sich die große Masse der Stadiongänger ihres Lebens nicht mehr sicher sein kann, wenn sie sich samstags auf den Weg in die deutschen Arenen macht.

Ich begann aufgrund dessen schließlich damit, im Internet nach einer Seite zu der Kampagne zu suchen. Ich landete auf der Seite von Sky, auf der es heißt:

„Die jüngsten Entwicklungen in den Stadien der Bundesliga und 2. Bundesliga und die darum entstandene Diskussion haben es deutlich gemacht: Die überwältigende Mehrheit der Fans wünscht sich ein sicheres und gewaltfreies Stadionerlebnis.“

Aber welche jüngsten Entwicklungen meinen die Initiatoren hier? Gewaltexzesse, an deren Ende sich Familien nicht mehr in die Stadien trauen, sind mir nicht bekannt. Es ist mir ebenso nicht bekannt, dass man diesen verängstigten potenziellen Stadionbesuchern umso mehr eine Stimme verleihen muss, um ihre Lobby zu stärken. Jeder Vater kann mit seinem Steppke an jedem Stadion der Republik in Ruhe eine Bratwurst essen und danach ohne Lebensgefahr die Drehkreuze in Richtung Tribüne passieren - es gibt faktisch keine Gefahr für Leib und Leben!!

Nun mag es möglicherweise so sein, dass einigen Fans subjektiv mulmig zumute ist, wenn sie an einen Stadionbesuch denken. Doch, wie oben bereits angedeutet, faktisch sind diese Sorgen absolut unbegründet! Woher rührt also die Gefahr? Sie rührt aus der hysterischen Medienkampagne, die seit rund anderthalb Jahren geführt wird. Die Angst ist in unsäglichen Leitartikeln und Kommentaren ahnungsloser Journalisten begründet, in den noch unqualifizierteren Forderungen abgehobener, populistischer Politiker. Dieses Gemenge an Unwissenheit, Populismus und Schlagzeilen-Hascherei ist eine Gefahr für die Bundesliga, und zwar um ein Vielfaches mehr als die nicht vorhandenen Gewaltexzesse, gegen die sich die Kampagne richtet.

Zusammengefasst drängt sich mir also zunehmend der Verdacht auf, dass sich Sky sowie die ARD, LIGA total!, SPORT1 und das ZDF - die diese Initiative alle gemeinschaftlich initiiert hatten - dem Kreuzzug des Populismus angeschlossen haben. Letztlich wenden sich die Initiatoren mit ihrer Kampagne gegen sich selbst, denn potenziell vorhandene, aber unbegründete Angst vor Gewalt haben die Initiatoren in ihrer eigenen Berichterstattung zuvor erst geschürt.

Die große Frage lautet aber nun: Wie viel Populismus verträgt der Fußball? Die Zukunft wird es uns zeigen. Bis dahin wünsche ich mir aber ein schnelles Verschwinden des unsäglichen Kampagnentrailers in den Archiven der beteiligten Medienanstalten.

Frohe Ostern!