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Donnerstag, 08 Mai 2014 21:09

Bling-Bling, da kommt das WM-Ding

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Mioblog

Na, das kann was werden im noch nicht fertigen WM-Trainingslager. Irgendwo da im naturgeschützten Steppenbusch im Nirgendwo aka Campo Bahia aka Ferienressort für kapitalkräftige Touristen in Adiletten auf Abruf.  Die ansässigen Indianer freuen sich jeden Falls schon wie Bolle auf die deutsche Nationalmannschaft und darauf was nach deren Abzug kommt. Voller Elan haben sie schon mal  Schwarz-Rot-Gelbe Halsgirlanden gebastelt um die Eindringlinge, äh, Freunde herzlich willkommen zu heißen. Wow.  

Der mediale Aufgalopp zum fragwürdigen WM-Spektakel auf der PK zur Kadernominierung war bis auf die quantitative Rezeption weniger beeindruckend. Echt irre was für ein Aufstand wegen einer "vorläufigen Nominierung" gemacht wird. Im Endeffekt kommen sowieso "nur" 23 Spieler mit, und die Elf, die beim Auftakt auf dem Platz stehen wird ist eh fix. Verrückt. Wer hätte das gedacht?! Dass erst Anfang Juni, nach der Buli, nach dem Polenspiel, nach den Pokalfinale  und nach dem Trainingslager im Österreichischem endgültig entschieden wird, werden kann, wer mitkommt schien die anwesenden sogenannten Journalisten nicht verstehen zu wollen, oder sie haben sich einen zu heftigen Schuss Rum (Wodka mit Red Bull wurde von der DFL konfisziert) in die gereichten alkfreien  Calpis  gerührt. So ereiferten sie sich in zahllosen Nachfragen, die mit dem immergleichen Grundtenor beantwortet wurden.  Wirklich so spannend wie ein Interview mit einem glattgebügeltem Bundesligaprofi nach Spielende in der Mixzone und wie die ganze Veranstaltung völlig unnötig. Erkenntniswert gleich null. Da ist ein trockenes Knäckebrot in der Wüste geradezu ein Fanal an Informationsgehalt. Sensationell.

Ach ne, da war dann doch was. Irgendeine — für was genau sie steht blieb schleierhaft — Initiative zur Stärkung des Amateurismus namens "Unsere Amateure. Echte Profis" stellte die interaktive (wow – DFB goes Internet 2.0), hypermoderne Twitterwall , auch neudeutsch als Twittermirror bezeichnet vor. Mit der als überdimensionales Touchpad getarnten Zwitscherwand  von Apfel, da ist sich der DFB sicher, ist der geneigte Fußballfan jederzeit ganz nah dran am ach so spannenden WM-Geschehen. Sowohl Bundestrainer, wie Mannschaft würden regelmäßig während den Trainingseinheiten und Tischtennisspielen unbedingt zielgerichtet dort anhalten um sich den Nationaltrainersenf von rund 80 Millionen anzuschauen und darauf zu reagieren.  Ja, ne, is klar. Von wegen Echt-Zeit-Medium. Aber dufte, dass sich die Amas echt mal für fünf Minuten ins Blitzlichtgewitter stellen durften. Über die Probleme der Amateurligen, die Regionalligareform kann man dann ja mal wann anders reden, oder halt wie bisher so gut wie gar nicht. Toll.   

Überhaupt war die Bühne der Markenpräsentation ein äußerst zäher Versuch die Massen auf die WM einzustimmen. Darauf reingefallen sind wie immer die, dessen Geschäft das ist und diejenigen, die gerne Kuhfladenmemorie spielen. Oder, die sich wie ich einfach nur gerne über jeden unverdauten Mist aufregen, wenn es um das vermeintlich größte Superevent der Welt geht. Shit.  

Das Brimborium war trotz oder wegen neuem obersten Nationalmannschaftssprech fehlerhaft. So wurde der Freiburger Matze Ginter als Mittelfeldspieler vorgestellt, was lapidar mit einem: "der kann mehrere Positionen spielen" abgetan wurde, obwohl seine Stammposition die Innenverteidigung ist. Die Krone des Zirkus: Für Matze gab es kein Bild bei der arg gekünstelten Animation, auf Einmarsch der Gladiatoren getrimmten Nominierung. Lag dann wohl an der schadhaften Software von SAP aus dem Kraichgau. Für etwaige Regressansprüche aus dem südbadischen empfiehlt der DFB entweder die Allianz, die DEKRA, oder direkt den Jogi.  Das Beschwerdeformular dazu kann man sich bei flyeralarm ausdrucken lassen.  Bezahlt werden könne dieses via Post-, oder Commerzbank. Alles kein Problem. Gibt für alles eine Lösung. Sollte zum Beispiel bei Ankunft im Trainingslager ein Nagel noch nicht sitzen hat Löw Samy Khedira als Not-am Mann-Hausmeister vorgeschlagen. Der müsse dann  halt noch eben schnell  einen Zwischenstopp im Obi machen. Zeit hat er ja und handwerklich versiert ist er sowieso. Top.

Also wer Spaß an gesponstem WM-Nonsens hat wurde heute schon mal  zufriedengestellt. Nichts genaues weiß man nicht, aber Hauptsache man weiß was nicht ist und wer es bezahlt. Das kann was werden da in Brasilien, wenn selbst die Vorvornominierung schon zu einer omnipräsenten Medieninszenierung wird, dessen tückenhafter Sinn überdimedial konterkariert wurde und hauptsächlich der Volksbeschäftigung zu Händen der Verdienenden diente. Wenn man schon auf den Zug aufspringt, sollte man zumindest Professionalität an den Tag legen. Davon war heute zumindest neben dem Platz wenig zu sehen, kann man nur hoffen das es auf dem Platz besser wird, egal wieviele und wer mitfährt. Hola.

Ach so, ja, apropos: laut übereinstimmender Medienberichten ist das nochnichtfertige WM-Lager das beste aller WM-Teilnehmer, in der Kategorie könne man den Weltmeistertitel  schon verbuchen. Die Eingeborenen üben sich neben Blumen flechten bereits im Schenkelklopfen am Schnitzelstand. Olé.

In dem Sinne auf eine spaßige WM mit noch viel spaßigeren Bling-Bling für dich und mich. Ironie im ordem et progresso-Modus aus.

#aneurerseite

 

Donnerstag, 08 Mai 2014 13:05

RasenBallsport selbst entlarvt

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zentralstadionF0179Kurz zusammengefaßt: RB Leipzig ist sportlich in die Zweite Bundesliga aufgestiegen. Für die Zweitligalizenz hat die DFL Auflagen formuliert, nach denen RB Leipzig unter anderem eine barrierefreie Mitgliedschaft ermöglichen und das Vereinslogo ändern soll. RB Leipzig legte Beschwerde gegen die Auflagen ein.

Jetzt hat die DFL die Beschwerde abgelehnt, meldet transfermarkt.de mit Bezug auf die Leipziger Volkszeitung. Interessant an dieser Meldung ist nicht das Lizenzprocedere, sondern die Reaktion von Red Bull-Chef Mateschitz. Er wird wie folgt zitiert: „Man verlangt von uns vor allem - und zwar schriftlich -, daß wir auf jedwedes Mitspracherecht im Verein verzichten. Das heißt im Klartext, daß wir zwar weiterhin Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe tätigen dürfen, aber gleichzeitig unseren eigenen Entmündigungsantrag unterschreiben sollen.“

Zunächst einmal geht es nicht um den Verzicht des Mitspracherechts von Red Bull (wen sonst sollte er mit „wir“ meinen?). Viele andere Beispiele zeigen, daß Sponsoren und/oder Mäzene ein sehr gewichtiges Mitspracherecht in Fußballclubs haben. Wenn ein erfolgreiches Unternehmen wie Red Bull „Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe tätigt“, verfolgt es einen bestimmten Zweck. Der Zweck, den Red Bull in Leipzig verfolgt, geht offensichtlich darüber hinaus, „nur“ Mäzen nach Hopp’schem Vorbild zu sein. Dieser Zweck scheint tatsächlich der oftmals vorgebrachte Vorwurf zu sein, daß Red Bull im westsächsischen Retortenclub lediglich eine Werbeplattform für sich selbst geschaffen hat, die man so hoch wie nur irgend möglich im Profifußball platzieren will. Dies bleibt zwar weiterhin unausgesprochen, aber welche anderen Interpretationen sind nach solchen Aussagen noch möglich? Daß Mateschitz sich so aufgebracht zeigt, unterstreicht, daß dieser Zweck bei Akzeptanz der DFL-Auflagen nicht mehr erfüllt werden kann. Das zeigt sich auch darin, daß Mateschitz von einem „Entmündigungsantrag“ spricht. „Jetzt, wo alles auch sportlich funktioniert, droht das Aus. Vielleicht will man ganz einfach nicht, daß wir mit Leipzig an der Bundesliga teilnehmen und will es uns nur nicht direkt sagen.“, so Mateschitz weiter. Auch das stimmt nur teilweise. Man „will ganz einfach nicht“, daß RB Leipzig mit seinen aktuellen Praktiken an der Bundesliga teilnimmt. Die DFL unterstreicht nur die Gültigkeit der Rahmenbedingungn, die für jeden „normalen Fußballclub“ gültig und bindend sind.

Die DFL akzeptiert RB Leipzig nur als „normalen Fußballclub“ und nicht als Werbeplattform. Mateschitz will eine Werbeplattform und keinen „normalen Fußballclub“. Der schmollende Mateschitz entlarvt RB Leipzig als das, was es ist. Damit werden auch die von seinen Gefolgsleuten geäußerten Phrasen von der Bedeutung für die Stadt Leipzig und Umgebung und die Lippenbekenntnisse, daß man ein „Verein wie jeder andere“ sei, ad absurdum geführt. Weiteres Zitat: „Ich will nicht polemisch werden, aber ich dachte, ich bin im falschen Film.“. Nein, Herr Mateschitz. Sie sind im richtigen Film angekommen.

Man darf auf die weitere Entwicklung gespannt sein.

Police4Etwas ist faul im Rechtsstaate südlich von Dänemark. Die jüngsten Vorfälle im Hamburger Volksparkstadion machen mich sprachlos, nein, die Bilder des vergangenen Spieltags aus dem hohen Norden machen mich regelrecht wütend. Da stürmen behelmte und mit Schlagstöcken und Pfefferspray bewaffnete Verteidiger des Rechtsstaats in einen dicht besiedelten Block - und verkaufen diese unverhältnismäßige Tat am Ende sogar noch ebenso frech wie dreist als Verteidigung des geltenden Rechts.

Völlig zurecht spricht die Hamburger Gruppierung „Chosen Few“ (CFHH) in ihrer Stellungnahme von einer „Kriegserklärung der Polizei“. Diese richtet sich jedoch nicht nur an die HSV-Anhänger, sondern an die gesamte aktive Fan-Szene. Gefordert ist jetzt eine vereinsübergreifende Solidarität, denn die Vorkommnisse stellen offenbar nur einen vorläufigen Tiefpunkt im Verhältnis zwischen Polizei und aktiver Fanszene dar. Doch der Reihe nach!

Bevor sich die Polizei am vergangenen Samstag zu einem Blocksturm entschieden hatte, ist es anscheinend bereits zu einigen Auseinandersetzungen zwischen den Beamten und Hamburger Fußballfans gekommen. Die Darstellungen gehen naturgemäß auseinander, wie der eingangs bereits genannten Stellungnahme der CFHH sowie der Polizeimeldung zu entnehmen ist. Doch egal, wie der Vorlauf auch ausgesehen hat und von wem eine etwaige aggressive, gewalttätige Atmosphäre ausgegangen sein mag - das, was dann folgte, ist einer Polizei unwürdig. Aufgrund aufgehängter Banner mit der Aufschrift „A.C.A.B.“ entschieden sich die Beamten zu einem gewaltsamen Blocksturm.

Police3Nun zeugt die Vertretung des Standpunktes „A.C.A.B.“ einerseits nicht unbedingt von einer freundlich gesinnten Grundeinstellung gegenüber der Polizei und andererseits auch nicht von allzu großem Nachdenken über eigene Standpunkte. Fakt ist jedoch: Die Strafbarkeit der Parole „A.C.A.B.“ ist alles andere als eindeutig. Die 11. Kleine Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe negierte mit ihrem Urteil vom 8. Dezember 2011 explizit den Beleidigungstatbestand (Az. 11 Ns 410 Js 5815/11) der Parole „A.C.A.B.“ Die Rechtslage ist also alles andere als eindeutig, auch wenn die Hamburger Sektion der „Gewerkschaft der Polizei“ (GdP) dies in ihrer aktuellen Stellungnahme unter der Überschrift „Der HSV hat ein Gewaltproblem“ wider die Faktenlage anders behauptet.

Nein, liebe GdP, nicht der HSV hat ein Gewaltproblem, im vorliegenden Fall hat offensichtlich die Hamburger Polizei ein ganz massives Gewaltproblem. Wie komme ich auf die Idee, in einen mit Menschen(!) vollbesetzten Block zu marschieren, um dort ein Banner zu entfernen, dessen Strafbarkeit alles andere als eindeutig ist. Es dürfte die Polizeikräfte nicht ernsthaft überrascht haben, dass man beim gewaltsamen Eindringen in den Fanblock daher nicht mit offenen Armen empfangen wird; zur Sicherheit hatte man daher den Schlagstock und das Pfefferspray griffbereit und auch recht aktiv eingesetzt.  Liebe Hamburger Polizei, habt ihr denn gar nichts aus den Bildern des 21. August 2013 gelernt, als unter einem ebenso fadenscheinigen wie lächerlichen Vorwand ein vermummter Blocksturm durch die Polizei in Gelsenkirchen vorgenommen wurde? Ein Blocksturm der Polizei ist nicht nur völlig unsinnig, in Hamburg drängt sich erneut die Frage der Verhältnismäßigkeit massiv auf. Wegen eines juristisch nur mühsam greifbaren Banners nimmt die Polizei bewusst in Kauf, dass Unbeteiligte verletzt werden - und man gezielt eine aggressive Stimmung schafft, die man bei einem besonnenem Verhalten vermeiden könnte.

Die Stadien sind heutzutage mit hochauflösenden Kameras ausgestattet, die jedes Nasenhaar erkennen könnten. Wenn man nun also der Meinung ist, dass ein Transparent gegen geltendes Recht verstößt, bleibt als mildestes Mittel die Identifizierung der Plakataufhänger mittels des Bildmaterials und eine etwaige Strafverfolgung - mal sehen, wie weit man damit in der Strafverfolgung wohl kommen würde. Angesichts dieses Sachverhaltes und möglicher milderer Mittel ist ein Blocksturm alles andere als verhältnismäßig - sondern schlicht Ausdruck eines absolut dilettantischen Vorgehens der Hamburger Polizei.

Was ist das nun aber für ein Bild, das sich mir als unbeteiligtem Beobachter bietet? Da stürmen vollmontierte Beamte in einen Fußballblock wegen eines Banners, dessen Strafbarkeit juristisch höchst umstritten ist. Und dafür knüppelt man blind drauf los und verletzt Unbeteiligte. Wer hat hier ein Gewaltproblem? Es grenzt an Hohn, dass die Fußballfans sodann in der Polizeimeldung als „Störer“ und „Straftäter“ diffamiert werden.

Police1Ins Bild passt leider die mittlerweile gewohnte GdP-Agitation, die oftmals an der Wahrheit vorbeizielt. Dort werden die Fußballfans, die sich gegen das gewaltsame Eindringen in den Fanblock zur Wehr setzten, als „gewaltfanatische Straftäter“ herabgewürdigt und die Polizeikräfte heroisiert als Wahrer der Rechtsordnung. Ferner behauptet die GdP entgegen der in diesem Text dargelegten Fakten in ihrer Stellungnahme, dass die Parole „A.C.A.B.“ „nach ständiger Rechtsprechung als Straftat qualifiziert wird“ und spricht von „Menschenverachtung, die seitens der ‚Fans‘ der Hamburger Polizei entgegengebracht wird“.

 Wenn ich mir die Bilder des vergangenen Samstags anschaue, dann kommt mir die Frage in den Sinn, ob es nicht die sogenannte „Polizei“  - eine weitere Unart dieser ‚Polizei‘ ist es, aktive Fans durchgängig als „sogenannt“ oder in Anführungszeichen zu beschreiben - ist, die den Fußballanhängern durch blindes Knüppeln und Pfeffern wegen eines Stückes Stoff - gelinde gesagt - relativ wenig Achtung entgegenbringt. In Adaption der GdP-Passagen, die sich seit geraumer Zeit in NRW auch der sogenannte Innenminister Ralle Jäger (SPD) zu eigen gemacht hat, sage ich:

Der aktive Fußballfan erwartet ein deutliches und umgehendes Zeichen der Polizei gegen Gewalt durch ihre sogenannten Beamten. Fußballarenen und deren Umfelder sind keine rechtsfreien Räume für kriminelle Gewalttäter und Fußballfans kein Freiwild! Wer solche Blockstürme vornimmt, handelt bewusst menschenverachtend. Ich erwarte, dass sich die GdP eindeutig von den Gewalttätern distanziert und entsprechende Konsequenzen zieht. Denn diese Menschen sind keine Rechtsverteidiger - sie zerstören das Ansehen der Polizei! Die Gewaltausübung durch einen kleinen Teil der Polizisten ist ein weiter aufwachsendes Problem. Die Zeit der langen Diskussionen ist vorbei! Konsequentes rechtsstaatliches Vorgehen steht genauso auf der Tagesordnung wie die konsequente Ausgrenzung dieser Straftäter durch die Polizei!

Denn die Vorfälle aus dem Hamburger Volkspark sind leider bei weitem kein Einzelfall. Polizeiwillkür zieht sich gerade in dieser Spielzeit wie ein roter Faden durch die Saison.

Die Vorfälle aus der Champions-League-Qualifikation in Gelsenkirchen wurden bereits thematisiert. Tage zuvor entschloss sich die Dortmunder Polizei damals vor dem Bundesliga-Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig zu völlig unverhältnismäßigen Schikanen gegen die Ultras.

Police2Bei den Spielen der zweiten Mannschaft des BVB frage ich mich regelmäßig, warum eigentlich derartig viele Polizisten rund um die Rote Erde postiert werden (inklusive Reiterstaffel), während der Gästeblock von einem oder höchstens zwei Dutzend Fans bevölkert wird - und das Verhältnis der Vereine auch alles andere als rivalisierend einzustufen ist. Die Spitze bildete das Heimspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden vor wenigen Tagen, als auf rund 10 Gästefans an einem Freitagabend gleich mindestens acht(!) gezählte Polizeipferde kamen.

Warum?

Warum wird vor dem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach vor der Nordtribüne des Westfalenstadions eine unendlich erscheinende Polizeiarmada aufgebaut - während ich auf der Anreise über den Umschlagplatz Hagen Hauptbahnhof keinen einzigen Beamten entdecken kann - und sich die Fanlager munter - und friedlich - mischen?

Warum?

Warum steige ich jüngst gegen Hoffenheim, ein Gegner mit etwa 21 Gästefans, am Westfalenstadion aus der Bahn und werde aus dem Einsatzwagen heraus von kleffenden Hunden begrüßt, die wie unter Tollwut höchstaggressiv bellend gegen die Käfiggitter springen - und ich mir nur inständig eine stabile Käfigwände wünsche.

Warum?

Warum will die Polizei beim Bundesliga-Gastspiel in Stuttgart zunächst penetrant verhindern, dass ich mich mit einem bekannten VfB-Fan auf ein Bier an unserem Gäste-Bus treffe; was dann übrigens doch irgendwann klappt - ohne, dass wir beide oder meine Mitfahrer uns mit ihm ein wildes Gemetzel auf der Stadionwiese liefern, was die Polizei ja offensichtlich befürchtet zu haben scheint.

Warum?

Warum muss man überall immer mit Helm und Schlagstock in Reichweite stehen - Deeskalation sieht anders aus! Natürlich, etwa beim Revierderby ist diese Montur - leider - geboten. Aber in 16 von 17 Heimspielen - gerade auch gegen Gegner wie Hoffenheim oder - so gesehen - Wolfsburg oder Augsburg, sind sowohl die Personenstärke als auch die Montur lächerlich überzogen. Am Saisonende kann man dann aber wieder über hohe Einsatzstunden der Polizisten jammern, nicht wahr, Herr Wendt oder Herr Jäger?

Wie kann man die Situation nun aber lösen? Ich ziehe dafür einen älteren Artikel heran, den ich auch nach zwischenzeitlich weiteren Gastspielen in England heute genauso schreiben würde. Für den überwiegenden Bundesliga-Alltag, und das dürften mindestens 300 der 306 Spiele einer Saison sein, dienen die englischen Cops als Vorbilder:

„Bereits zuvor in der Innenstadt hielten sich die Gesetzeshüter erfrischend im Hintergrund, zeigten aber dennoch Präsenz und suggerierten damit, dass sie keinerlei Verstöße gegen das Gesetz tolerieren würden. Besonders angenehm war dabei die optische Erscheinung der Polizisten: Statt wie in Deutschland mit Helm und Ganzkörperprotektoren ausgestattet, neben dem Wasserwerfer stehend und der Hand quasi immer am Schlagstock standen die Polizisten in England mit ihren eigentümlich anmutenden schwarzen Hüten da und strahlten trotz auch ohne Schlagstock und sichtbare Waffen eine Autorität aus, die einem sagte: ‚Wir sind Dein bester Freund oder Dein größter Feind. Es liegt bei Dir!‘“ Später im Stadion sorgten „orangene Ordner und gelbe Polizisten für eine klare Abgrenzung zwischen Heim- und Gästebereich. Auch hier traten sowohl die Ordner als auch die Polizisten superfreundlich auf - solange man sich an ihre Regeln hielt.“

Im Sinne einer Entspannung im Verhältnis zwischen der aktiven Fußball-Fanszene und der Polizei sollte sich die deutsche Polizei dringend ein Beispiel an ihren englischen Kollegen nehmen. Wir Fußballfans wollen den Stress um Bundesliga-Spiele genauso wenig wie die Beamten. Also lasst uns doch einfach in Ruhe den Fußball genießen. Tretet weniger martialisch auf, verhaltet euch lässiger - und ihr werdet sehen, wie schnell sich die Atmosphäre rund um die Stadien spürbar entspannt. Man muss es nur wollen. Die Hand ist ausgestreckt...

 

Jedes Wochenende reisen tausende von Fußballfans ihren Lieblingsvereinen hinterher, um diese zu unterstützen. Jeder nutzt dabei seine bevorzugten Verkehrsmittel, hat seine individuellen Anreisewege und seine eigenen Interessen, die er mit seinen Reisen verbindet. Eine Auswärtsfahrt gestaltet sich also in höchst unterschiedlicher Weise.

f95 fans

In der letzten Zeit kam es innerhalb der Fanszenen von Alemannia Aachen, Eintracht Braunschweig und MSV Duisburg zu handgreiflich ausgetragenen Rechts-Links-Auseinandersetzungen. Den Hintergrund bildeten linksorientierte Ultra-Gruppen, die anderen Fans eine rechtsextremistische Ausrichtung vorwarfen und daraufhin angegriffen wurden. Eine vergleichbare Eskalation ereignete sich nun auch bei Fortuna Düsseldorf, wo bereits seit einiger Zeit kurveninterne Spannungen bestehen.

Während der am 22. März 2014 ausgetragenen Zweitligabegegnung beim FSV Frankfurt brach im Düsseldorfer Auswärtsblock eine Schlägerei aus, die von der Polizei beendet wurde. Sie entzündete sich, als die „Dissidenti Ultras“ eine von der Hooligan-Crew „Bushwhackers“ aufgehängte Fahne entfernen wollten. Dabei handelte es sich um ein Banner der mit den „Bushwhackers“ befreundeten „Frente Atletico“ aus dem Anhang von Atletico Madrid. Die zum linksorientierten Teil des Düsseldorfer Anhangs gehörenden „Dissidenti“ gaben in einer Stellungnahme allgemein an, die Beseitigung der Fahne gefordert zu haben und beschrieben die Attacke als Angriff von „Hooligans verschiedener Gruppen“. Ihr eigenes Auftreten begründeten sie mit einer „faschistischen, menschenfeindlichen Ausrichtung der Gruppe ,Frente Atletico’“ . Diese Bewertung der Madrilenen belegten sie durch eine zweite Erklärung, der unter anderem ein Foto einer Kurven-Choreografie der „Frente Atletico“ beigefügt war, die einen SS-Totenkopf zeigte.

Während die „Dissidenti“ keine detaillierten Angaben über den Charakter ihres eigenen Auftretens machten, gab das die Lokalpresse prägende Blatt „Rheinische Post“ an, dass es sich nicht nur um eine reine Aufforderung zur Beseitigung einer Fahne gehandelt habe. Vielmehr sei unter akustischer Begleitung von „Nazis raus!“-Rufen versucht worden, das Banner herunterzureißen. Zudem zitierte die Zeitung einen „Bushwhacker“, der eine neonazistische Ausrichtung seiner Gruppe mit dem Hinweis auf außereuropäische Wurzeln einiger Mitglieder verneinte. Damit ergab sich eine unübersichtliche Lage, die von gegenseitigen Vorwürfen sowie unklaren Informationen über die Ausrichtung der Handelnden geprägt wurde. Dies ist jedoch keine erstmalige Erscheinung, denn bereits in Aachen, Braunschweig und Duisburg war es zu vergleichbaren Situationen gekommen.

In Düsseldorf scheinen neben den politischen Aspekten auch das starke Anwachsen des Anhangs infolge eines raschen Aufstiegs aus der Regionalliga West in die Bundesliga und der nach kurzer Zugehörigkeit erfolgte Abstieg in die 2. Bundesliga zu den Verwerfungen beigetragen zu haben. Die Düsseldorfer Fanszene fiel bislang dadurch auf, dass sie trotz starker Konkurrenz benachbarter Großvereine eine vielfältige Kurve stellt, die sowohl traditionelle Altfans und eingesessene Hooligans als auch linksalternative Gruppen umfasst. Vor diesem Hintergrund organisierten sich in den letzten Jahren jüngere Fans in kleineren Ultra-Vereinigungen, die sich gegen Rechtsextremismus engagierten sowie sich auch in anderen Bereichen politisch betätigten. Dies wiederum erschwerte Bemühungen, die unterschiedlich ausgerichteten Fangruppen zu einer einheitlich auftretenden Kurve zusammenzuführen.

Die Schlägerei führte aktuell zu einer verstärkten Berichterstattung der Medien, die nicht nur die zuvor mühsam eingehegten Konflikte innerhalb der Kurve aufzeigte, sondern den nicht berechtigten Eindruck erweckte, als gäbe es rechtsextremistische Tendenzen bei Fortuna Düsseldorf. Diese reagierte auf die ihren Ruf schädigende Eskalation mit einer Presseerklärung, in der sie sich als „grundsätzlich politisch neutrale(n) und tolerante(n) Verein“ beschrieb und eine Aufarbeitung ankündigte. Dabei bekundete der Klub die Absicht, sich auch mit der Ausrichtung der spanischen Gruppe beschäftigen zu wollen und „alle beteiligten Seiten zu Wort kommen“ zu lassen.

Zudem kam es zu einer Reaktion der um ihre Freiräume und um Selbstregulierung bemühten Fanszene. Sie erfolgte durch die einflussreichen „Ultras Düsseldorf“ (UD), die sich mit einem „antirassistische(n) Grundkonsens“ durch die Initiative „Block 42“ um den „Zusammenhalt der Kurve“ bemühen. Die UD positionierten sich einerseits in aller Deutlichkeit generell gegen rechtsextremistische Aktivitäten und erklärten, sie haben sich „mit den ,Bushwhackers’ darauf verständigt, dass die Fahne von ,Frente Atletico’ … in Zukunft nicht mehr bei Fortuna-Spielen hängen wird.“ Andererseits warfen sie den „Dissidenti Ultras“ eine auch gegenüber den UD gezeigte grundsätzliche Kompromissunwilligkeit vor und verwiesen die Gruppe aus Angst vor einer „Spaltung der Fortuna-Fanszene“ aus dem zentralen Fanblock (6).

Samstag, 29 März 2014 11:51

Das Findelkind "Nations-League"

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wm06 deutschland-costarica schlossplatz 090506 18Michel Platini hat viele Ideen; eine paneuropäische EM und eine „Fußball-Woche“ während der EM, um ein paar Beispiele zu nennen. Der nach eigenen Aussagen „Einzige, der Sepp Blatter vom Thron stoßen könnte“, hat gestern seine neueste Idee einstimmig absegnen lassen – eine European Nations League. Wer jetzt denkt „was soll das, wir haben doch die EM“ dem sei gesagt: neeee…is was vöööllig anderes.
Tatsächlich würde die neue, europäische Nationenliga die bisherigen Freundschaftsspiele ersetzen. Das Ganze sähe folgendermaßen aus: Die 54 Verbände, die zur UEFA gehören werden in vier Divisionen mit vier Unterligen eingeteilt (mein Tachenrechner ist jetzt Curling-Fan, nachdem ich desöfteren versucht habe, 54:8 zu teilen...) und spielen im Ligensystem. Platz 1-4 der höchsten Division spielen dann den Nationen-Champion aus. Es gibt ebenfalls Auf- und Absteiger, außerdem gibt es eine Hintertür zu EM. In jeder der vier 'Ligen' könnte im Play-Off System ein EM-Platz ergattert werden, trotz verpasster Quali. In einem Komitee wird der Modus noch ausgearbeitet.

Sonntag, 16 Februar 2014 21:36

Manchester United - Willkommen im „Megastore“

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manu old trafford

Als der US-amerikanische Milliardär Malcolm Glazer 2005 den nordenglischen Großverein Manchester United aufkaufte, war dies mehr als die Übernahme durch einen finanzstarken Investor. Es war eine Zeitenwende, denn der von breiten Bevölkerungskreisen des einstigen Zentrums der Industrialisierung getragene Traditionsclub wurde zu einem weltweit vermarkteten Fußballunternehmen. Es festigte zwar mit einen finanziellen Möglichkeiten einen führenden Platz im Weltfußball, doch erfolgte dies auf Kosten sozial schwächerer sowie unangepasster Fans, die durch verteuerte Eintrittskarten und verschärfte Vorschriften aus dem Stadion von Old Trafford verdrängt wurden.

Die Umgestaltung des Vereins fiel mit einer Neugestaltung der gesamten Stadt Manchester zusammen. Deren von industriellem Niedergang und einem 1996 verübten IRA-Bombenschlag gezeichnete Innenstadt wandelte sich in eine von moderner Architektur, Finanzbetrieben und einer riesigen Shoppingmall geprägte City, die international Touristen anzieht. Die Entwicklung schloss auch in der Umgebung von Old Trafford ein, insbesondere die nördlich gelegenen Salford Quays. Der ehemalige Binnenhafen ist mit einer neu errichteten Einkaufsmall, einem BBC-Sendezentrum und dem Imperial War Museum North ein anschauliches Beispiel für den Verlust des industriellen Rückgrats Nordenglands, aber auch für die mit großen Investitionen betriebene Modernisierung.

manu gegengerade

In diesem Rahmen bildet das unter der Bezeichnung „Theatre of Dreams“ bekannte Stadion eine feste Größe der florierenden Tourismuswirtschaft der Stadt. Deren Betereiber bieten für etwa 20 Euro kombinierte Stadionführungen und Museumsbesuche an, deren Charakter dem Geist der neuen Zeit entsprechen. Während der Bau den Besucher mit seinen Tribünen und einem Fassungsvermögen von ca. 76.000 Zuschauern beeindruckt, herrscht bei den Rundgängen eine spezielle Atmosphäre. Dazu tragen dezent anwesende Security-Kräfte sowie Hinweise auf Konsequenzen bei etwaigem Fehlverhalten bei. Dem geschäftsmäßigen Ablauf entsprechend ist der Presseraum mit einer Figur des Trainers Alex Ferguson ausgestattet, mit der man sich gegen eine Sonderzahlung fotografieren lassen kann. Auf die globale Bedeutung der Unternehmung weisen die Zusammensetzung mancher Besuchergruppe sowie die Haltung vieler Gäste zum Fußball hin. So kann es passieren, dass man sich inmitten von Besuchern befindet, die zu erheblichen Teilen aus Indien, Singapur oder China stammen, nach eigenen Angaben keinen Fußballverein unterstützen und den Eindruck erwecken, als haben sie lediglich einen Abstecher vom innenstädtischen Shopping unternommen. Dazu passt, dass die Tour - kaufmännisch geschickt - im „Megastore“ genannten Vereinsladen endet.

Einen ebenso professionellen Stil wie der Tourbetrieb hat das Museum. Es thematisiert unter anderem den 6. Februar 1958, als mehrere Spieler bei einem Flugzeugabsturz in München starben, und enthält unter anderem einem Trophäenraum sowie einen sich mit dem einstigen Starspieler David Beckham beschäftigenden Sonderraum. In der Gesamtanlage beschränkt sich das Museum auf die reine Präsentation der Vereinsgeschichte und hat einen unkritischen Charakter. Dadurch wurde die Chance vertan, sich mit Aspekten des modernen Fußballs zu beschäftigen, zu dessen Entwicklung Manchester United entschieden beigetragen hat. So hätte etwa das Engagement Glazers eine Betrachtung aus verschiedenen Blickwinkeln verdient gehabt, die einerseits die ihm entgegengebrachten Anfeindungen thematisiert hätte, andererseits aber auch die Bedingungen, denen der Profifußball in einer kapitalistischen Gesellschaft unterliegt. In diesem Zusammenhang hätte man problematisierten können, welche Voraussetzungen für die Aufrechterhaltung einer internationalen Konkurrenzfähigkeit im Spitzensegment erfüllt ein müssen und inwieweit Investoren im wirtschaftlichen Wettbewerb der Großvereine unerlässlich sind. Voraussetzung dafür wäre allerdings eine gewisse Souveränität gewesen. Manchester United hat diese leider nicht.

Auf den stattdessen heute in Old Trafford herrschenden Stil weist auch der Umstand, dass man im Stadion Haftzellen unterhält, die für zwei Arten unauffälliger Personen gedacht sind. Eine sind Gewalttäter, was sich von selbst versteht. Die andere offenbar als besondere Gefahr angesehene Gruppe sind hingegen Angetrunkene. Damit diese in der neuen Fußballwelt keinen Spielbetrachter beinträchtigen, herrscht auch in den Straßen der Umgebung ein öffentliches Alkoholkonsumverbot. Im Kontrast zum neuen Stil erinnern eine Gedenkstätte sowie eine alte Stadionuhr an die Vergangenheit. Sie zeigt die Uhrzeit des Flugzeugabsturzes von München an und erinnert auch an die wechselvolle Geschichte des Clubs, der in kurzer Zeit einen weiten Weg zurückgelegt hat, um das zu werden, was er heute ist. Zwar beziehen sich die neuen Verantwortlichen den Verein dadurch auf die Vergangenheit, doch beim Blick auf die Uhr wird deutlich: Vorbei, ist vorbei, ist vorbei.

manu munchen uhr