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Montag, 20 Januar 2014 04:33

Ein literarisches Denkmal für den SSC Neapel

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Napoli20141Neapel - in keiner anderen Stadt Europas wird der Fußball wohl so gelebt wie in dieser süditalienischen Stadt. Der SSC Neapel ist mehr als nur ein Fußballverein, er ist das Lebensgefühl von Millionen Menschen, der Kitt im brüchigen Gefüge der sozialen Schichten.

Der freie Journalist und langjährige Italien-Korrespondent des Sportmagazins „kicker“, Oliver Birkner, hat dem Verein nun ein literarisches Denkmal gesetzt. Unter dem Titel „Eines Tages im Mai - Die Geschichte des SSC Neapel“ präsentiert er die Historie eines Vereins, den man eigentlich nur lieben kann, wenn man sich näher mit ihm beschäftigt.

Um das weitere Buch verstehen zu können, führt Birkner seine Leser zunächst in das Lebensgefühl („Was ist Napoletanità?“) der Napolitaner ein, bei denen der stetige Konflikt zwischen dem armen Süden und dem reichen Norden des Landes ebenso von elementarer Bedeutung ist („Die Südproblematik“).

In den rund 250 Seiten beginnt Birkner schließlich seine Zeitreise mit den Anfängen des Fußballs in Italien. Doch hier entsteht keine langweilige Geschichtsreise, denn schnell schlägt der Autor den Bogen zu den Anfängen des Fußballs in Neapel. Der 1. August 1926, als der lokale Unternehmer Giorgio Ascarelli die Associazione Calcio Napoli ausruft, gilt schließlich als das Geburtsdatum des späteren SSC Neapel. In kurzweiliger Art und Weise präsentiert Birkner die facettenreiche Historie des Vereins. Eigenwillige Präsidenten wie Achille Lauro und Corrado Ferlaino werden ebenso porträtiert, wie die Verpflichtungen von Stars ihrer Zeit wie José Altafini und Omar Sivori 1965/66, Dino Zoff 1967/68 oder Ruud Krol 1980 thematisiert. Die Einflüsse der organisierten Kriminalität, persönlicher Eitelkeiten und mysteriös verpasste Scudetti bleiben ebenfalls nicht unerwähnt.

Napoli20142Gegen Ende nimmt selbstverständlich die Ära Maradona eine zentrale Position ein: Von der Verpflichtung über die sportlichen Höhenflüge rund um die zwei Meisterschaften 1987 und 1990 sowie den Triumph im Uefa-Pokal 1989 bis hin zum fußballerischen und menschlichen Niedergang des Superstars Anfang der 1990er stellt Birkner die wohl prägendste Epoche des Vereins lebendig dar. Abgerundet wird dieses Kapitel mit zahlreichen Interviews, darunter mit Thomas Berthold, Lothar Matthäus, Maurizio Gaudino und Giuseppe Bergomi.

In den Schlussseiten bekommt der Leser abermals ein Gefühl für die Bedeutung des SSC Neapel für die Menschen der Stadt, wenn der Autor die wundersame Wiederauferstehung des Vereins aus der Serie C bis hin in die Champions League unter dem neuen Präsidenten Aurelio De Laurentiis beschreibt. Zum Ausklang liefert das Buch einen umfangreichen Statistikteil sowie eine Zeittafel.

Alles in allem stellt das Buch eine Pflichtlektüre für Fußballfans dar, die sich für einen, wenn nicht sogar den ausgefallensten Verein Europas interessieren. Das runde Leder stellt in Neapel das materialisierte Lebensgefühl von Millionen Menschen dar - und Oliver Birkner transportiert genau dies mit seinem Buch. Gänsehautgefühle sind dabei garantiert - insbesondere bei der Schilderung der ersten Meisterschaft 1987, der erfüllten Sehnsucht nach jahrzehntelanger Warterei.

 

  • Oliver Birkner: Eines Tages im Mai - Die Geschichte des SSC Neapel, Verlag Die Werkstatt, ca. 250 Seiten, ISBN 978-3-7307-0009-9, 14,90 €.

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