Do23May2013

Back Aktuelle Seite: Am Spielfeld Kommentar

fankulturDie Woche hat wieder aufgezeigt, in welchem Dilemma sich die deutsche Fankultur bzw. der Fan an sich befindet. Am einen Tag Krawallberichte aus Hannover, am Tag drauf der Fan-Gipfel in Berlin mit einer abschließenden gemeinsamen Erklärung. Und zwischendrin: Kaffee und Kuchen am Geburtstagstisch, wo ich merke, in welchem Teufelskreis man hier eigentlich steckt.

Mittwoch in Hannover. Dresden im DFB-Pokal bei Hannover 96. Nichts Außergewöhnliches erstmal. Noch vor Spielbeginn muss man dann jedoch einsehen: Dresden Anhang und DFB- Pokal ist eine besondere Angelegenheit. Zwei Welten begegnen sich und scheinen sich einfach nicht zu mögen. Nicht nur, dass Hannover dem 10.000 Fan starkem Anhang eine komplette Tribüne reserviert hat, sondern auch, dass wieder eine Gruppe die Bühne DFB Pokal genutzt hat, allein mit dem Ziel, sich medial zu präsentieren. Ob gewollt oder ungewollt spielt dabei keine Rolle. Was hängen bleibt ist: Der DFB-Pokal und Dresden, damit assiziiert man leider Pyro, Krawalle und Gefahr. Seit Mittwoch nicht mehr nur wegen Dortmund. Der neutrale Betrachter fragt sich: Warum ist das so und warum gerade immer die Dynamos aus der Elbmetropole? Letztlich torpedieren solche Bilder den tags darauf organisierten Fan-Gipfel in Berlin und dessen Bemühungen und Ziel, den Verbänden und der Politik einen alternativen Weg aufzuzeigen. Den Fans jedenfalls nutzen diese Berichte gar nicht, im Gegenteil. Sie spielen allein den Hardlinern in die Karten. Man kann jetzt schon wieder die Uhr danach stellen, bis Polizei und Politik diese Entwicklungen zu nutzen machen und in radikale Forderungen umwandeln werden.
Dass diese Berichterstattung nur die eine Seite der Medaille ist, bekommt man erst mit etwas Abstand mit, wenn Fans und Augenzeugen ihre Sicht der Dinge darstellen. Natürlich sollte man diese auch mit Vorsicht und Augenmaß betrachten. So der Fall in Hannover, wo ein 17-jähriger weiblicher Fan aus Dresden dem Sicherheitskonzept am Einlass in Hannover schwere Vorwürfe macht. Es ist mindestens als fragwürdig zu bezeichnen, wenn der Teil der Fans die sich eben aus Gefahrenzonen heraus halten wollen, durch Sichehrheitmaßnahmen eben jenen Gefahren ausgesetzt werden. Sind es nicht eben jene Fans, die man vor Gewalt schützen möchte? In die mediale Öffentlichkeit schaffen es derart kritische Aussagen nur selten, wie jüngst im Nachgang zum Revierderby in Dortmund. Die dort gleichermaßen artikulierte massive Kritik am Polizeikonzept, auch aus renommierten Redaktionsstuben wie Spiegel Online, fasste Raphael Buschmann exemplarisch wie treffende zusammen, als er im Kreise der scheinbar konspirativen Schalker Fans nach Dortmund anreiste. Liest man seinen Erlebnisbericht "Mit Sicherheit am Ziel vorbei", so findet man erstaunlicherweise viele deckungsgleiche Aussagen und Erfahrungen mit jenen des Dresdner Anhangs in Hannover: Verfehlte Polizeitaktik, überforderte Sicherheitskräfte am Einlass und schlussendlich als Resultat Pyro im Stadion – der Inbegriff für Gewalt schlechthin. Aber darf sich die Polizei diese Bilder zunutze machen, wenn sie doch mittlerweile ein "Player" in diesem Spiel ist?

Donnerstagnachmittag im Schwäbischen. Geburtstag im Familienkreis, man kommt mit dem Besuch ins Gespräch: Über Fußball, den VfB Stuttgart und Stadionbesuche landet man zwangsläufig beim Thema "Sicherheit im Stadion". „Wir haben es doch grad erst in den Radio-Nachrichten gehört, dass die in Hannover wieder randaliert haben. Da muss man doch endlich mal handeln!“, erklärt der oft zitierte "normale Fans", wenig im Thema und den dazugehörigen Details stehend.
"Ja muss man, aber nicht von oben herab!", erwidere ich. Dann folgt ein fast 10 Minuten lang andauernder Monolog über das Problem von Willkür, Repression und populistischen Forderungen aus der Politik. Dieser mündet in der abschließenden Frage, ob Maßnahmen wie Vollkontrolle, Entzug von Kartenkontingenten und Geisterspiele eine Antwort auf das generelle Gesellschaftsproblem steigender Gewalt ist? Stimmt, es ist ein gesellschaftliches und eben kein Fußball-Problem…

Zeitgleich in Berlin. Über 250 Fanvertreter von 49 Vereinen von Bundesliga bis Regionalliga beraten und diskutieren im VIP-Zelt von Union Berlin. Der Fangipfel gilt als erster Versuch, sich mit einer Stimme gegen die einseitigen Forderungen nach mehr Sicherheitsbestimmungen zu stellen. Anwesend auch Andreas Rettig, designierter DFL Geschäftsführer, der mit seiner Teilnahme ein Zeichen setzt. Wahrscheinlich ist es zu früh über Details zu reden, aber es ist Zeit für „verbale Abrüstung“ wie Rettig es formulierte. Recht hat er: Wer den Dialog möchte, sollte nicht verbal mit Steinen werfen und Feuer zündeln. Die Forderungen in der Abschlusserklärung des Fangipfels sind einfach, fast banal, doch in ihrer Gesamtheit allesamt zu begrüßen. Die DFL, der DFB und die Vereine sind aufgefordert, dies als Grundlage für weitere Gespräche zu nehmen. Und wir Fans müssen uns daran messen lassen. Alle zusammen sind wir "DER" Fußball – die Solidargemeinschaft Fußball. Wenn wir ihn so erhalten wollen, wie wir ihn lieben, dann müssen wir gemeinsame Nenner finden. Und Politik und Polizei sollten dies als klare Ansage verstehen. Fußball eignet sich nicht, um von eigenen Versäumnissen abzulenken.

Mittwoch, 31 Oktober 2012 15:01

Sicherheit vs. Fankultur

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polizei kontrolleDas Thema Stadionsicherheit wird seit längerer Zeit mehr und mehr diskutiert. Nachdem die Medien öfters über Fan-Übergriffe und verbotenen Handlungen im Stadion berichtet haben, reagierten zunächst die Innenminister und forderten durchweg ein konsequentes Vorgehen gegen Pyrotechnik, politisch inkorrekten Werbebannern und Fangewalt. Besonders der nordrhein-westfälische Innenminister Jäger brachte den Stein ins Rollen, indem er die Vereine stark unter Druck setzte.

Angeblich sei die Polizei überlastet. Sicher haben Spiele wie Borussia Dortmund gegen Dynamo Dresden im DFB Pokal, das Relegationsspiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC oder das vergangene Revierderby Dortmund gegen Schalke nochmal Öl ins Feuer gegossen. Derart unter Druck gesetzt hat sich die DFL diesem Thema angenommen und raus gekommen ist dabei das umstrittene 33-seitige Positionspapier "Sicheres Stadionerlebnis", welches von vielen Vereinen und Fanclubs abgelehnt beziehungsweise nicht eins zu eins angenommen wird. Die Tatsache, dass Borussia Dortmund dieses befürwortet, rührt wahrscheinlich daher, dass Vereinspräsident Dr. Reinhard Rauball bekanntermaßen DFL-Vorsitzender ist. Aber Rauball ist auch Jurist und kann sich als Sozialdemokrat auch Justizminister a.D nennen. Und gerade die Juristen -die Fananwälte- haben große Bedenken. "Das Papier ist zum großen Teil rechtswidrig und schränkt die Freiheits- und Persönlichkeitsrechte der Fans zu sehr ein.", so die juristische Stimme der Fans. Hier ein Beispiel: Geht man davon aus, dass körperliche Untersuchungen, also auch in den Körper reingucken, ohne Arzt und Richter oder Staatsanwalt durchgeführt werden können, so geht das über das Maß der deutschen Strafprozessordnung hinaus, die gerade versucht eine Harmonie zwischen Freiheit und Sicherheit sowie Ermittlungsinteresse zu erreichen. Rechtstaatliche Prinzipien wie "Verhältnismäßigkeit" und "Angemessenheit" schienen bei der Ausarbeitung des Papiers ein wenig stiefmütterlich behandelt worden zu sein. Sicherheit um jeden Preis kollidiert nun mal mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Natürlich ist das für die DFL-Lobby völliger Humbug und ein Sprecher äußerte sich in einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung folgend: "Die im Konzeptpapier (...) vorgeschlagenen Maßnahmen werden in den verbandsrechtlichen Vorschriften selbstverständlich so ausgestaltet und in der Praxis selbstverständlich so umgesetzt, dass sie mit dem geltenden Recht in Einklang stehen" Selbstverständlich ist Sicherheit wichtiges Gut und bei weitem keine Selbstverständlichkeit. Aber kann man Sicherheit um jeden Preis erzwingen? Oder will die DFL durch bewusst überzogene und unangemessene Forderungen, so viele Einschränkungen wie möglich raus kitzeln? Schließlich wird hier in Deutschland jedes Gesetz, jede Richtlinie und jedes Konzept zehnmal ausdiskutiert, bevor man es für verbindlich erklärt. So funktioniert nun mal ein moderner aufgeklärter Rechtsstaat. Insoweit kann man sicher davon ausgehen, dass am DFL-Sicherheitskonzept rechtskundige Leute mitarbeiten. Dem Grunde nach ist es nichts als der übliche Kuhhandel, wenn es um die Einschränkung von Freiheits- und Persönlichkeitsrechten geht. Seit 2001 ist dieser Markt ja florierend und ruft Meinungen aller Couleur zum Feilschen auf. Die Sicherheitsdebatten um Nine-Eleven müssen ja hier nicht alle aufgezählt werden.

Der Fan dürfte am wenigsten vom Sicherheitskonzept begeistert sein - zumindest nicht der freiheitsliebende Fan, der seine Rechte als Bürger dieser Republik kennt. Nicht jeder Fan, der im Stadion für Stimmung sorgt ist ein schlagender, randalierender, homophober und rassistischer Hool, der das Fußballstadion als Schlachtfeld sieht. Folgt man dem Sicherheitspapier, so wird er mit einer Minderheit gleichgesetzt. Jeder ist ein potentieller Sprengstoffschmuggler. Kein Wunder, dass das "Sicherheitspapier" der DFL primär für Empörung in der Fankurve sorgte. Dem Besucher auf der Haupttribüne wird das reichlich egal sein, zumindest so lange bis nicht auch er durch eine Hochsicherheitsschleuse gelotst wird. Vielleicht zahlt der Fan in der Kurve nur ein Bruchteil dessen, was ein Buisness-Seat einbringt, und ist damit für Vereine finanziell nicht so attraktiv Natürlich soll man, egal auf welchem Platz, keine Angst haben ins Stadion zu gehen. Aber ist es notwendigdeswegen den Rechtsstaat bis aufs Äußerste auszureizen und die Freiheitsgesetze restriktiv und die Sicherheitsgesetze extensiv auszulegen? Es ist jedenfalls nicht der goldene Weg der Mitte. Statt zu begrenzen wird verboten, statt zu verhandeln wird verlangt. Natürlich ist es leichter alle zu bestrafen, anstatt die Chaoten ausfindig zu machen, die jedes Mal den Bogen überspannen und jedes Mal gewaltbereit sind und jedes mal rassistische und homophobe Parolen in Wort, Schrift und Bild von sich preisgeben. Allein aus diesen paar Beispielen ist die breite Ablehnung des "Sicherheitspapiers" nachvollziehbar. Möglicherweise muss man den Damen und Herren vom DFL zugestehen, dass diese gegebenenfalls weniger von einer bunten Fankultur geprägt ist, sondern mehr von der Lobby, die den Fußball als Plattform für kommerzielle Partikularinteressen sieht. Was am Ende dabei raus kommt, bleibt noch abzuwarten. Spannend wird sein, ob sich am Ende aufgrund mangelnden Konsens die obersten Richter in Deutschland mit den Interessen von Sicherheits- und Fußballfans auseinandersetzen müssen.

phoenixRevierderby gepaart mit der Diskussion über das bekannt gewordene DFL Konzeptpapier. Da war es fast zu erwarten, dass es auch Thema in einer TV Runde wird. Die Ankündigung des Polit-Spartensender Phoenix  "Randale und Fußball - Wer stoppt die Gewalt?" weckte böse Erinnerungen an den Talkshow Marathon Mitte des Jahres, wobei damals der Show-Faktor eine sachliche Debatte deutlich in den Hintergrund rückte.
Erstaunlich unaufgeregt waren die 45 Minuten. So unaufgeregt, dass sogar vollkommen wogenfrei über die treffende Aussage vom stellvertretenden Kicker-Chefredakteur hinweg gesprochen wurde.

kloppDie berühmten Jubelsprünge, das Schattenboxen und das energische Reklamieren bei den Schiedsrichtern: Mit der Art, wie Jürgen Klopp die Fußballspiele seiner Mannschaften lebt, polarisiert er die Fußballfans. Die einen - zumeist die Anhänger der aktuellen Mannschaft Kloppos - stufen die teils ekstatischen Reaktionen als gelebte Fußballverrücktheit ein, die anderen - zumeist gegnerische Fans - echauffieren sich zum Teil heftig über die extrovertierten Ausbrüche des Trainers. Hin und wieder wird es jedoch auch dem DFB zu bunt. Und so verurteilte der DFB den Meistertrainer erst gestern wieder für seine energisch vorgetragenen Äußerungen beim Bundesligaspiel in Frankfurt gegenüber dem vierten Offiziellen Guido Kleve zu einer Geldstrafe in Höhe von 6000 Euro.

Mittwoch, 22 August 2012 11:01

Und dann waren da noch diese Idioten...

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Ein Kommentar von Giuseppe Cotrufo

An Wochenende vor dem Bundesligastart war es mal wieder soweit: DFB Pokal und der erste echte Härtetest für die ganzen Bundesligen. Dass der Pokal hierbei seine ganz eigenen Gesetze hat, wurde dieses Jahr wieder in aller Härte deutlich. Sechs Bundesligisten schieden bereits in der ersten Runde gegen unterklassigere Teams aus – so viele wie seit 25 Jahren nicht mehr. Für den neutralen Fan, der in solchen Spielen eher geneigt ist, dem „Underdog“ die Daumen zu drücken, war diese erste Runde ein wahres Spektakel. Oh Fußballherz, was willst du mehr? Vielleicht die Ausrottung rechten Gedankengutes?

Donnerstag, 09 August 2012 00:00

Die ungeliebte Hühnerbrust

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Ein Kommentar von Giuseppe Cotrufo

werder 350 245

Werder Bremen, trotz einiger sportlicher Misserfolge in den letzten zwei Spielzeiten – im Fall Werder drücken sie sich so aus, das internationale Geschäft verpasst zu haben – ist die Mannschaft von der Weser immer noch als einer der sympathischen, ehrlichen und vor allem traditionsreichen Vereine im Gedächtnis diverser Fußball-Romantiker.

Man mag den Machern dieser Mannschaft gerne vorwerfen, dass sie knauserig seien und ja, Werder muss auch immer wieder Spieler verkaufen, doch Werder lebt stets als das, was es ist. Im europäischen Vergleich darf man ruhig von einem ambitionierten, gehobenen Mittelklasse-Verein reden – und das hat man sich erarbeitet.

Sonntag, 24 Juni 2012 02:21

Sommer – Fanprobleme haben Pause

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fan verbrecherDie Europameisterschaft in der Ukraine und Polen geht in die heiße Phase und Deutschland ist noch dabei. Zum Viertelfinale gegen Griechenland haben sich wieder Hunderttausende zum Public Viewing zusammengefunden. Menschen, die sich sonst nicht für Fußball interessieren, feiern zusammen den Einzug ins Halbfinale und werden auch beim nächsten Spiel wieder in schwarz-rot-goldene Verkleidungen schlüpfen. Karneval im Sommer, Fußball schauen wird zum Public Showing. Nun sollte man die positive Stimmung nicht grundsätzlich verteufeln, mit dem Bundesliga-Alltag hat es jedoch wenig gemein.

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