Auch gestern hallte es zu Spielbeginn durch das Stadion. Düsseldorfer Fans erwiderten mit „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“ Sprechchören die Pyro-Aktion der Gäste aus Hamburg. Wenige Minuten später blieb dieser Satz dann wohl manchem im Hals stecken. Plötzlich brannten nicht nur die Fackeln sondern ein Plakat sowie die am Zaun angebrachten Zaunfahnen der HSV-Ultras.
Auch wenn es leichte Verletzte gab, angesichts eines vollen Gästeblocks nochmal Glück gehabt. Folgenlos wird die Aktion so oder so nicht bleiben. Neben den üblichen Strafen für den Hamburger Sportverein wird die Debatte um Stadionsicherheit seit gestern durch einen neuen Fakt befeuert: Das Pyrotechnik unter den gegebenen Umständen eben nicht risikofrei eingesetzt werden kann. Was Sicherheitsbehörden, Verbände und Politik schon lange sagen, müssen auch die Anhänger der Feuerkunst eingestehen. Nun kann man sagen: Seit dem Vorfall Anfang 2010 in Bochum, wo durch den Einsatz von Pyrotechnik ein Nürnberger Fan im Gästeblock durch Pyrotechnik schwer verletzt wurde, ist bisher nichts mehr passiert. Seit gestern ziemlich schwaches Argument.
Was als Argument bleibt: Wenn ein legaler, kontrollierter Einsatz möglich wäre, kann so etwas wie in Nürnberg oder nun in Düsseldorf nicht passiert. Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre…. Vom Anliegen der Kampagne „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“ ist man wohl noch nie so weit weg gewesen wie dieser Tage. So legitim das Bestreben der Kampagne ist, die Erfolgsaussichten gehen nicht erst seit gestern gegen null. Als Fan muss man fast froh sein, wenn der aktuelle Status in deutschen Stadien erhalten bleibt und nicht weiter beschränkt wird. Weniger Stehplätze, weiter steigende Kartenpreise und verringertes Gästekontingent wären erste Auswirkungen die alle Zuschauer zu spüren bekommen würden. Vielleicht ganz gut das die aktive Fan bzw. Ultrasszene eine neue gemeinsame Kampagne initiiert hat. 12:12 – Ohne Stimme keine Stimmung. Man möchte Druck ausüben und Einigkeit zeigen wenn es darum geht das Ansinnen von Politik und DFL zu verhindern, unter dem Deckmantel „Stadionsicherheit“ weitere Beschränkungen für die aktive Fanszene durchzusetzen. Bis zum 12. Dezember möchte man in und um die deutsche Stadien Aufklärungsarbeit leisten und in verschiedenen lokalen Aktionsformen für die eigenen Anliegen werben. „DFL Papier ablehnen“ prangte groß an der Brüstung des Oberrangs über dem Gästeblock. So gesehen war die Pyro-Aktion in Düsseldorf wohl auch als Protestaktion gegen das DFL-Papier zu verstehen. An diesem Wochenende startet die Aktion offiziell: Die Hamburger Szene hat dazu direkt einen negativen Beitrag beigesteuert.
Womöglich haben die Hamburger Pyro-Aktivisten bewusst versucht, ihr Anliegen mit einigen roten Fackeln zu untermauern. Vermutlich in der sicheren Annahme, das nichts schief geht. Nun muss man sich mit den Konsequenzen auseinander setzen. Das die Zaunfahne der Chosen Few mit in Rauch aufging und von den Düsseldorfern hämisch besungen wurde, darf dabei nur Nebensache sein.
Pyrotechnik ist kein Verbrechen, aber verboten. Und wer unter dieser Voraussetzung nicht für einen verantwortungsvollen Einsatz sorgen kann, der muss darauf verzichten. Diese Konsequenz sollten die beteiligten Gruppen aus Hamburg ziehen - und nicht nur in Hamburg.
Im Übrigen: Auf dem Plakat vor dem Block stand „Lasst uns ein Spiel spielen“ Das Spiel dauerte wenige Sekunden und ging verloren. Selten dämlich.