Der FC Bayern hat es also geschafft. Er hat zwei Zelte aufgestellt und damit eindrucksvoll bewiesen wie Stadionsicherheit im Jahr 2012 funktioniert. Nichts ist passiert, beim Hochsicherheitsspiel gegen die Eintracht aus Frankfurt. Nicht mal von Wunderkerze im Stadioninnenraum ist die Rede. Folgerichtig verkündet der Vorzeigeverein aus Bayern auf seiner Webseite die erfolgreiche Durchführung der Maßnahmen und ist stolz wie Bolle ob des Lobs durch die DFB-Sicherheitsaufsicht in Person von Kurt Benisch, der „die Maßnahme begleitet, protokolliert und für gut befunden.“ hat. Und obendrauf noch ein Schreiben von Polizeivizepräsidenten Robert Kopp, für den der Samstag ein erneuter Beleg dafür ist, „dass der FC Bayern München seiner Verantwortung für die Gewährleistung des sicheren Verlaufs von Fußballspielen nachkommt.“ Glückwunsch FC Bayern - wir gratulieren!
Zu was eigentlich? Dazu, dass man es geschafft hat ohne Not Öl ins Feuer zu gießen? Dazu, dass man es einmal mehr geschafft hat zu zeigen, dass dem FC Bayern an Fans mit eigener Meinung nichts zu liegen scheint - man es gar für angemessen hält offizielle Stellen des gegnerischen Vereins zu ignorieren.
Die Maßnahmen seien ein Erfolg, weil man es geschafft hat die Sicherheit von 71.000 Zuschauern zu gewährleisten. Ich fall vom Hocker! Mord und Totschlag in allen anderen Stadien, aber zwei Zelte und beim FC Bayern herrscht Sicherheit. Und damit die Aktion auch erfolgreich wird, verzichtete man im Vorfeld auf die Einbindung von Fanbetreuung und Sicherheitsbeauftragten aus Frankfurt. Wehrmutstropfen: Die schlauen Hessen haben davon durch Zufall mitbekommen und wollten darüber reden. „Was reden?! A geh… mia san mia“ *tut tut tut* *aufgelegt* Dialog Fehlanzeige. Dass die Eintracht-Verantwortlichen sich vor Ort darum bemühten, die Untersuchungen im Zelt zu verfolgen. Lästig! Unerwünscht! Allein die Tatsache, dass man sich zu den „Boykotteuren“ stellte, Majestätsbeleidigung im Freistaat Bayern. Die Staatsanwaltschaft scheinbar verwundert, ob des Verhaltens. Tja ihr Bayern, in Frankfurt kümmert man sich wohl um seinen Anhang.
20 Messer, 2 Schlagstöcke, 1 Schlagring, 1 Sturmhaube, Pfefferspray und Kokain. Das ist die Bilanz von Samstag. Nun muss man klar festhalten: Wer sich mit derartigen Gegenständen in Richtung eines Fußball-Stadions begibt, braucht kein Zelt, sondern andere geschlossene Einrichtungen. Und beim ersten Lesen der Pressemitteilung des FC Bayern könnte man tatsächlich denken: „Gott sei danke haben sie Zelten aufgebaut um das Zeug zu finden.“ Aber man könnte sich auch Fragen: „Was zum Geier machen den die Ordnungsdienste falsch, wenn solche Utensilien erst im Zelt gefunden werden.“ Alles einer Frage der Sichtweise. Die zweite Meinung fällt aus, wäre sie doch ein Armutszeugnis für den FC Bayern München.
Der FC Bayern jedenfalls verkauft die Aktion als Erfolg. Nur jetzt wird’s ganz dumm. Nichts davon wurde in den extra aufgebauten Zelten gefunden. Ja Sakrament! Schlagstöcke, Schlagring, Sturmhaube und Sprays gehen laut Polizei auf eine Vorkontrolle von vier PKW Insassen an einem Rastplatz zurück. Die Messer tauchen im Polizeibericht nicht mal auf. Bayern München erklärte, die Messer seien im ganzen Stadionumfeld gefunden worden. Wo genau, könne man nun auch nicht mehr sagen.
Wozu also all der Terz? Wozu diese Provokation? Wozu all das, was Vereins- und Fanvertreter in der Diskussion rund um das Sicherheitspapier gefordert haben, mit Füßen treten? Wegen der Erkenntnis, dass ja alles Problemlos ablief und „nur“ rund 250 Fans vor den Stadiontoren blieben. Ja, liebe Bayern – die geringe Solidarität des Frankfurter Anhangs ist sicher für kommende Aktionen ein Erkenntnisgewinn und aus eurer Sicht – und derer der Sicherheits-Hardliner – als Erfolg zu werten. Eure Versuche es schön zu schreiben, sind aber einfach nur als kläglich zu bezeichnen. Was nicht passt, wird passend gemacht? Wenn ich einen Tipp geben darf: Macht euren Umgang mit Fans mal passend, der passt nämlich zur Zeit gar nicht. Am Donnerstag ist Eure Jahreshauptversammlung: Vielleicht beginnt da der Dialog. Wobei.. vielleicht geht eurem Uli H. bei Fan-Themen wieder das Messer in der Hose auf. Vielleicht eines der 20, die man im Stadionumfeld aufgesammelt hat. Passt scho!