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Dienstag, 06 Mai 2014 21:15

Wieder Polizeirandale im Stadion - Nehmt Euch endlich die englischen Cops zum Vorbild!

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Police4Etwas ist faul im Rechtsstaate südlich von Dänemark. Die jüngsten Vorfälle im Hamburger Volksparkstadion machen mich sprachlos, nein, die Bilder des vergangenen Spieltags aus dem hohen Norden machen mich regelrecht wütend. Da stürmen behelmte und mit Schlagstöcken und Pfefferspray bewaffnete Verteidiger des Rechtsstaats in einen dicht besiedelten Block - und verkaufen diese unverhältnismäßige Tat am Ende sogar noch ebenso frech wie dreist als Verteidigung des geltenden Rechts.

Völlig zurecht spricht die Hamburger Gruppierung „Chosen Few“ (CFHH) in ihrer Stellungnahme von einer „Kriegserklärung der Polizei“. Diese richtet sich jedoch nicht nur an die HSV-Anhänger, sondern an die gesamte aktive Fan-Szene. Gefordert ist jetzt eine vereinsübergreifende Solidarität, denn die Vorkommnisse stellen offenbar nur einen vorläufigen Tiefpunkt im Verhältnis zwischen Polizei und aktiver Fanszene dar. Doch der Reihe nach!

Bevor sich die Polizei am vergangenen Samstag zu einem Blocksturm entschieden hatte, ist es anscheinend bereits zu einigen Auseinandersetzungen zwischen den Beamten und Hamburger Fußballfans gekommen. Die Darstellungen gehen naturgemäß auseinander, wie der eingangs bereits genannten Stellungnahme der CFHH sowie der Polizeimeldung zu entnehmen ist. Doch egal, wie der Vorlauf auch ausgesehen hat und von wem eine etwaige aggressive, gewalttätige Atmosphäre ausgegangen sein mag - das, was dann folgte, ist einer Polizei unwürdig. Aufgrund aufgehängter Banner mit der Aufschrift „A.C.A.B.“ entschieden sich die Beamten zu einem gewaltsamen Blocksturm.

Police3Nun zeugt die Vertretung des Standpunktes „A.C.A.B.“ einerseits nicht unbedingt von einer freundlich gesinnten Grundeinstellung gegenüber der Polizei und andererseits auch nicht von allzu großem Nachdenken über eigene Standpunkte. Fakt ist jedoch: Die Strafbarkeit der Parole „A.C.A.B.“ ist alles andere als eindeutig. Die 11. Kleine Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe negierte mit ihrem Urteil vom 8. Dezember 2011 explizit den Beleidigungstatbestand (Az. 11 Ns 410 Js 5815/11) der Parole „A.C.A.B.“ Die Rechtslage ist also alles andere als eindeutig, auch wenn die Hamburger Sektion der „Gewerkschaft der Polizei“ (GdP) dies in ihrer aktuellen Stellungnahme unter der Überschrift „Der HSV hat ein Gewaltproblem“ wider die Faktenlage anders behauptet.

Nein, liebe GdP, nicht der HSV hat ein Gewaltproblem, im vorliegenden Fall hat offensichtlich die Hamburger Polizei ein ganz massives Gewaltproblem. Wie komme ich auf die Idee, in einen mit Menschen(!) vollbesetzten Block zu marschieren, um dort ein Banner zu entfernen, dessen Strafbarkeit alles andere als eindeutig ist. Es dürfte die Polizeikräfte nicht ernsthaft überrascht haben, dass man beim gewaltsamen Eindringen in den Fanblock daher nicht mit offenen Armen empfangen wird; zur Sicherheit hatte man daher den Schlagstock und das Pfefferspray griffbereit und auch recht aktiv eingesetzt.  Liebe Hamburger Polizei, habt ihr denn gar nichts aus den Bildern des 21. August 2013 gelernt, als unter einem ebenso fadenscheinigen wie lächerlichen Vorwand ein vermummter Blocksturm durch die Polizei in Gelsenkirchen vorgenommen wurde? Ein Blocksturm der Polizei ist nicht nur völlig unsinnig, in Hamburg drängt sich erneut die Frage der Verhältnismäßigkeit massiv auf. Wegen eines juristisch nur mühsam greifbaren Banners nimmt die Polizei bewusst in Kauf, dass Unbeteiligte verletzt werden - und man gezielt eine aggressive Stimmung schafft, die man bei einem besonnenem Verhalten vermeiden könnte.

Die Stadien sind heutzutage mit hochauflösenden Kameras ausgestattet, die jedes Nasenhaar erkennen könnten. Wenn man nun also der Meinung ist, dass ein Transparent gegen geltendes Recht verstößt, bleibt als mildestes Mittel die Identifizierung der Plakataufhänger mittels des Bildmaterials und eine etwaige Strafverfolgung - mal sehen, wie weit man damit in der Strafverfolgung wohl kommen würde. Angesichts dieses Sachverhaltes und möglicher milderer Mittel ist ein Blocksturm alles andere als verhältnismäßig - sondern schlicht Ausdruck eines absolut dilettantischen Vorgehens der Hamburger Polizei.

Was ist das nun aber für ein Bild, das sich mir als unbeteiligtem Beobachter bietet? Da stürmen vollmontierte Beamte in einen Fußballblock wegen eines Banners, dessen Strafbarkeit juristisch höchst umstritten ist. Und dafür knüppelt man blind drauf los und verletzt Unbeteiligte. Wer hat hier ein Gewaltproblem? Es grenzt an Hohn, dass die Fußballfans sodann in der Polizeimeldung als „Störer“ und „Straftäter“ diffamiert werden.

Police1Ins Bild passt leider die mittlerweile gewohnte GdP-Agitation, die oftmals an der Wahrheit vorbeizielt. Dort werden die Fußballfans, die sich gegen das gewaltsame Eindringen in den Fanblock zur Wehr setzten, als „gewaltfanatische Straftäter“ herabgewürdigt und die Polizeikräfte heroisiert als Wahrer der Rechtsordnung. Ferner behauptet die GdP entgegen der in diesem Text dargelegten Fakten in ihrer Stellungnahme, dass die Parole „A.C.A.B.“ „nach ständiger Rechtsprechung als Straftat qualifiziert wird“ und spricht von „Menschenverachtung, die seitens der ‚Fans‘ der Hamburger Polizei entgegengebracht wird“.

 Wenn ich mir die Bilder des vergangenen Samstags anschaue, dann kommt mir die Frage in den Sinn, ob es nicht die sogenannte „Polizei“  - eine weitere Unart dieser ‚Polizei‘ ist es, aktive Fans durchgängig als „sogenannt“ oder in Anführungszeichen zu beschreiben - ist, die den Fußballanhängern durch blindes Knüppeln und Pfeffern wegen eines Stückes Stoff - gelinde gesagt - relativ wenig Achtung entgegenbringt. In Adaption der GdP-Passagen, die sich seit geraumer Zeit in NRW auch der sogenannte Innenminister Ralle Jäger (SPD) zu eigen gemacht hat, sage ich:

Der aktive Fußballfan erwartet ein deutliches und umgehendes Zeichen der Polizei gegen Gewalt durch ihre sogenannten Beamten. Fußballarenen und deren Umfelder sind keine rechtsfreien Räume für kriminelle Gewalttäter und Fußballfans kein Freiwild! Wer solche Blockstürme vornimmt, handelt bewusst menschenverachtend. Ich erwarte, dass sich die GdP eindeutig von den Gewalttätern distanziert und entsprechende Konsequenzen zieht. Denn diese Menschen sind keine Rechtsverteidiger - sie zerstören das Ansehen der Polizei! Die Gewaltausübung durch einen kleinen Teil der Polizisten ist ein weiter aufwachsendes Problem. Die Zeit der langen Diskussionen ist vorbei! Konsequentes rechtsstaatliches Vorgehen steht genauso auf der Tagesordnung wie die konsequente Ausgrenzung dieser Straftäter durch die Polizei!

Denn die Vorfälle aus dem Hamburger Volkspark sind leider bei weitem kein Einzelfall. Polizeiwillkür zieht sich gerade in dieser Spielzeit wie ein roter Faden durch die Saison.

Die Vorfälle aus der Champions-League-Qualifikation in Gelsenkirchen wurden bereits thematisiert. Tage zuvor entschloss sich die Dortmunder Polizei damals vor dem Bundesliga-Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig zu völlig unverhältnismäßigen Schikanen gegen die Ultras.

Police2Bei den Spielen der zweiten Mannschaft des BVB frage ich mich regelmäßig, warum eigentlich derartig viele Polizisten rund um die Rote Erde postiert werden (inklusive Reiterstaffel), während der Gästeblock von einem oder höchstens zwei Dutzend Fans bevölkert wird - und das Verhältnis der Vereine auch alles andere als rivalisierend einzustufen ist. Die Spitze bildete das Heimspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden vor wenigen Tagen, als auf rund 10 Gästefans an einem Freitagabend gleich mindestens acht(!) gezählte Polizeipferde kamen.

Warum?

Warum wird vor dem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach vor der Nordtribüne des Westfalenstadions eine unendlich erscheinende Polizeiarmada aufgebaut - während ich auf der Anreise über den Umschlagplatz Hagen Hauptbahnhof keinen einzigen Beamten entdecken kann - und sich die Fanlager munter - und friedlich - mischen?

Warum?

Warum steige ich jüngst gegen Hoffenheim, ein Gegner mit etwa 21 Gästefans, am Westfalenstadion aus der Bahn und werde aus dem Einsatzwagen heraus von kleffenden Hunden begrüßt, die wie unter Tollwut höchstaggressiv bellend gegen die Käfiggitter springen - und ich mir nur inständig eine stabile Käfigwände wünsche.

Warum?

Warum will die Polizei beim Bundesliga-Gastspiel in Stuttgart zunächst penetrant verhindern, dass ich mich mit einem bekannten VfB-Fan auf ein Bier an unserem Gäste-Bus treffe; was dann übrigens doch irgendwann klappt - ohne, dass wir beide oder meine Mitfahrer uns mit ihm ein wildes Gemetzel auf der Stadionwiese liefern, was die Polizei ja offensichtlich befürchtet zu haben scheint.

Warum?

Warum muss man überall immer mit Helm und Schlagstock in Reichweite stehen - Deeskalation sieht anders aus! Natürlich, etwa beim Revierderby ist diese Montur - leider - geboten. Aber in 16 von 17 Heimspielen - gerade auch gegen Gegner wie Hoffenheim oder - so gesehen - Wolfsburg oder Augsburg, sind sowohl die Personenstärke als auch die Montur lächerlich überzogen. Am Saisonende kann man dann aber wieder über hohe Einsatzstunden der Polizisten jammern, nicht wahr, Herr Wendt oder Herr Jäger?

Wie kann man die Situation nun aber lösen? Ich ziehe dafür einen älteren Artikel heran, den ich auch nach zwischenzeitlich weiteren Gastspielen in England heute genauso schreiben würde. Für den überwiegenden Bundesliga-Alltag, und das dürften mindestens 300 der 306 Spiele einer Saison sein, dienen die englischen Cops als Vorbilder:

„Bereits zuvor in der Innenstadt hielten sich die Gesetzeshüter erfrischend im Hintergrund, zeigten aber dennoch Präsenz und suggerierten damit, dass sie keinerlei Verstöße gegen das Gesetz tolerieren würden. Besonders angenehm war dabei die optische Erscheinung der Polizisten: Statt wie in Deutschland mit Helm und Ganzkörperprotektoren ausgestattet, neben dem Wasserwerfer stehend und der Hand quasi immer am Schlagstock standen die Polizisten in England mit ihren eigentümlich anmutenden schwarzen Hüten da und strahlten trotz auch ohne Schlagstock und sichtbare Waffen eine Autorität aus, die einem sagte: ‚Wir sind Dein bester Freund oder Dein größter Feind. Es liegt bei Dir!‘“ Später im Stadion sorgten „orangene Ordner und gelbe Polizisten für eine klare Abgrenzung zwischen Heim- und Gästebereich. Auch hier traten sowohl die Ordner als auch die Polizisten superfreundlich auf - solange man sich an ihre Regeln hielt.“

Im Sinne einer Entspannung im Verhältnis zwischen der aktiven Fußball-Fanszene und der Polizei sollte sich die deutsche Polizei dringend ein Beispiel an ihren englischen Kollegen nehmen. Wir Fußballfans wollen den Stress um Bundesliga-Spiele genauso wenig wie die Beamten. Also lasst uns doch einfach in Ruhe den Fußball genießen. Tretet weniger martialisch auf, verhaltet euch lässiger - und ihr werdet sehen, wie schnell sich die Atmosphäre rund um die Stadien spürbar entspannt. Man muss es nur wollen. Die Hand ist ausgestreckt...

 

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