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Dienstag, 12 März 2013 12:26

Keine REIFe Leistung

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Marcel ReifFranz Beckenbauer, uns' Kaiser, wusste es schon 1985. Im ZDF-Sportstudio sagte er zum Thema Sportkommentare „Der Marcel Reif, der spricht wunderbare politische Kommentare, aber bitt'schön lasst ihn vom Fußball weg!“ Hätte man mal auf den guten Herrn gehört. Heute kann der Kaiser alles sagen und alles ist richtig. Wie sagt man da? Zu wenig, zu spät.

Beim absoluten Topspiel, dem DFB-Pokal Viertelfinale zwischen dem BVB und dem FC Bayern hatte die ARD einen Marktanteil von über 34%. Man kann davon ausgehen, dass bei einem solchen Marktanteil auch Zuschauer, die eigentlich Sky haben und dafür bezahlen, trotzdem aufs erste Programm umschalteten. Beim gleichen Spiel auf beiden Sendern ist der gravierende Unterschied der Kommentator – es war Marc Nathan Reif.

Beim Derby am vergangenen Wochenende hatten die Dortmunder noch „Körner im Kopf“ vom Champions League Match, Bayern spielt schonmal im „4-3-1-3 System“ und wenn man das Spiel „atemberaubend findet, hat man es an den Bronchien“. Dass Marcel Reif unkreativ ist, kann man ihm nun wirklich nicht vorwerfen, wie dringend man diese zum Teil fehlplatzierten und nichtssagenden Kommentare bei einer Übertragung braucht, lasse ich jetzt aber mal offen.

In der letzten Zeit scheinen sich die Kritiken am Kommentator linear zu den Topspielen zu erhöhen, die er kommentieren darf.

Schon seit inzwischen 27 Jahren kommentiert er. In die Geschichte ging er spätestens mit dem Zitat „Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gut getan wie heute “ ein, was nicht etwas von einem langweiligen Remis herrührte, sondern von der Champions League Partie des BVB gegen Real Madrid 1998 als sich eins der beiden Tore schon vor Anpfiff verabschiedete. Aus heutiger Sicht hätte ich eher einen Kommentar erwarte wie „das Tor kann das hohe Niveau dieses Spiels nicht mehr mithalten“ oder Ähnliches. Co-Kommentator war damals übrigens Günther Jauch, daran kann sich vermutlich kaum noch jemand erinnern, auch wenn beide dafür ausgezeichnet wurden. Überhaupt hat Reif schon viele Auszeichnungen für seine Kommentare erhalten – so schlimm kann er also eigentlich nicht sein. Eigentlich.

Es ist ja auch nicht so, dass Marcel Reif das Übel der Kommentatorenwelt ist, nein, wir haben noch weitere Originale. Wolf-Dieter Poschmann steht auf Verniedlichungen, da rollen die Bällchen im Spielchen. Fritz von Thurn und Taxis „geht mit der Entscheidung des Schiris“ irgendwohin und Steffen Simon kommt einem immer wieder etwas unsicher vor.

Trotzdem ist es Reif, der jede Fangemeinschaft aufstöhnen lässt, wenn sie merkt, dass er das Spiel ihrer Mannschaft kommentiert. Manche stellen dann den Kommentar stumm und hören dabei Radioberichte oder benutzen die Stadionatmo-Tonspur.

Andere wiederum suchen sich einen Kanal für ihre Meinung. Die Seite „Marcel Reif – Kommentarverbot“ hat auf Facebook über 62000 Fans, innerhalb der zwei Jahre, die sie besteht waren es zwischenzeitlich über 80000. Eine Person, die polarisiert. Er selbst findet diese Diskussionen um sich und seine Kommentare „dumpfbackig“ - nicht gerade eine Antwort, die mehr Sympathien bringt.

In einem Interview sagte mir Manni Breuckmann mal, dass man „vor jedem Spiel einen Packen mit Statistik bekommt,davon kann man vielleicht 5% nutzen. Den Rest sollte man einfach direkt in die Tonne kloppen“. Das sieht Marcel Reif definitiv nicht so. Der gewöhnliche Kommentar eines Marcel Reif sieht nämlich so aus:

Minute 1-25: statistische Daten werden nach jedem Satz eingestreut. Von der Anzahl der früheren Spiele der beiden Mannschaften bis hin zum Friseur des Innenverteidigers ist alles dabei – und natürlich hat auch irgend jemand Geburtstag.

Minute 25-45: Da jetzt ein Teil des Spiels gelaufen ist kann auch mal darüber erzählt werden, außerdem ist jetzt schon klar wer die bessere Mannschaft ist, die andere „läuft hinterher“. Außerdem  gibt es ganz viel über den Schiri zu erzählen, der meistens nicht gut wegkommt.

Minute 45-70: Das Wort Kabine wird so oft benutzt, dass man ein Trinkspiel daraus machen könnte. Die Mannschaft im Rückstand wird jetzt erstmal ordentlich fertig gemacht, wir sind ja nicht zum Spaß hier.

Minute 70-90: Reif wird stiller, aber in 20 Minuten Spiel ist ja auch eigentlich nix mehr zu machen. Das Spiel wird jetzt schon zusammengefasst und wer immernoch den Kommentatorenton an hat, weil er die Atmosphäre mag,dem sei nicht nur gesagt, das es dafür eine extra Tonspur gibt, sondern auch, dass sogar Herr reif selbst desöfteren dazu auffordert, z.B. mit „Ich bin zwar nicht Peter Lustig, aber abschalten würde bei diesem Spiel jetzt trotzdem helfen.“

Es gibt da doch diesen neuen Trend, dass sich verzweifelte Menschen, die Aufmerksamkeit brauchen vor die Kamera stellen und ein „bei x Mio. Likes mach ich irgend etwas, das niemanden interessiert“- Schild hochhalten. Das fing ganz süß an mit Kindern,die einen Hund haben wollten und ist inzwischen einfach albern. Aber warum nutzt man dies nicht mal für was sinnvolles? Ich bin überzeugt, dass egal, wie viele Likes gefordert werden, um Marcel Reif nicht nur keine Dortmund.Spiele sondern einfach mal gar keine Spiele mehr kommentieren zu lassen, man würde sie zusammen kriegen.

Der von der Zeit als „Damit-kann-ich-leben-Mann“ bezeichnet wurde hat jüngst seinen Sky Vertrag bis 2016 verlängert. Dass es auf diese Meldung viele böse Kommentare gab, muss nicht noch einmal erwähnt werden. Doch es zeigt auch: Marcel Reif ist eine Kommentatoren-Instanz Und es gibt Leute, die ihn scheinbar gut finden. Oder „sie haben Körner im Kopf“.

Bild: http://pro-talents.de/

Nadine Hampel

Fußball verrückte,Bier trinkende Kaffee- und Schokoladenliebhaberin mit einem Hang zu Video, Radio, Volunteering und Extremsituationen

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