So26May2013

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Patrick Potthoff

Patrick Potthoff

27.
Sportmanagementstudent.
Gefühlte Heimat: Kaiserslautern.
Tatsächliche Heimat: Gütersloh, Ostwestfalen.

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Montag, 20 Mai 2013 21:42

Relegation 2013: Alte gegen neue Welt

Genau das ist es, was es gebraucht hat. Das Drehbuch des Fußballgotts ist wieder einmal Hollywoodreif. Wir haben den Gegner für die Relegation bekommen, den sich zwar nur die wenigsten gewünscht haben, der aber genau das richtige Puzzlestück für eine Konstellation ist, die den berühmten Betze-Geist für das alles entscheidende Spiel beleben wird.

Alte Welt vs. Neue Welt

Und es ist kein bloßes Duell zweier Fußballmannschaften. Hier tritt Kaiserslautern als Stellvertreter der alten Welt gegen die TSG 1899 Hoffenheim als Vertreter der neuen Welt an. Ein Klub mit Seele gegen den Virus des deutschen Profifußballs. 80 km Luftlinie voneinander entfernt und doch wie zwei Paralleluniversen mit Unterschieden, die nicht größer sein könnten. Das klassische Duell der Gegensätze: Gut gegen Böse, Tradition gegen Kunstprodukt, Pferdewurst gegen Lachsschnittchen.

Alles ist vorbereitet für diesen prägenden Meilenstein, der in die Geschichte des 1. FC Kaiserslautern eingehen wird – im Falle des Erfolges ebenso wie im Falle des Scheiterns. Sportlich der wohl schwierigste von allen möglichen Gegnern, emotional allerdings das absolute Highlight. Eine Niederlage gegen Düsseldorf hätte weh getan, aber es wäre verkraftbar gewesen. Bei diesem Gegner ist das anders. Wir sind verpflichtet, zu gewinnen.

Angst vs. Vorfreude

Darum kann es auch niemand leugnen: Die Vorfreude auf dieses Spiel paart sich aktuell mit der Angst, dass es schief gehen könnte. Doch alle Enttäuschung, alle unerfüllten Erwartungen, alle überzogenen Ansprüchen, all die Unzufriedenheit und all der Frust der vergangenen Monate sind vergessen. Alles ist auf Null gestellt. Es zählen nur diese beiden Spiele. Wir haben die Konstellation, die es benötigt hat, um die eingeschlafene FCK-Seele wieder aufzuwecken. Und es steht weit mehr als die Ligazugehörigkeit für die nächste Saison auf dem Spiel. Müssen wir uns die nächsten zwei Wochen im Keller verstecken oder können wir mit dem FCK-Trikot durch ganz Deutschland stolzieren?

Der Ausgang dieser Relegation wird die Vereinsgeschichte der kommenden 5 Jahre entscheidend prägen und beeinflussen. Es steht unheimlich viel auf dem Spiel. Wir sind All-In. Entweder knacken wir den ganz großen Jackpot oder wir liegen bettelarm und ausgeraubt auf der Straße. Epischer Sieg oder epische Demütigung. Kein zweiter Boden, kein Sicherheitsnetz. Wir haben das schlechtere Blatt im Kampf gegen einen Gegner mit Assen auf den Händen. Hochbezahlte, hochtalentierte Einzelspieler auf Seiten der Sinsheimer. Ausgestattet mit Mitteln, die unseren weit überlegen sind.

David vs. Goliath

David gegen Goliath im besten Sinne. Mit dem Unterschied, dass die Muskeln des Goliaths nicht echt sind. Nur aufgepumpt mit heißer Luft. Ein Kunstprodukt, dass sich die Zugehörigkeit in der Bundesliga über den einfachsten Weg gesucht hat und dem wir jetzt mit einem gezielten Tritt in den Allerwertesten wieder aus dem Oberhaus verbannen können.

Wir haben die  große Chance, diesen Virus des deutschen Fußballs in die Zweitklassigkeit zu versenken. Nicht weniger als ganz Fußballdeutschland steht dafür auf unserer Seite. Und diese Unterstützung brauchen wir auch, um es möglich zu machen.

Und in einem sind wir der Goliath und die TSG der David: Es sind die Menschen, die den Verein seit Jahrzehnten begleiten und genau in diesen Momenten da sind, um den alten Mythos des Betzenbergs wieder aufleben zu lassen. Der Mythos,  der sich immer dann aktiviert, wenn der FCK mit dem Rücken zur Wand steht. Wenn keiner einen Pfifferling auf uns setzen würde. Dann ist sie plötzlich wieder da, diese uneinnehmbare Festung namens Fritz-Walter Stadion.  Und genau deswegen wird eine ganze Fußballnation hinter dem FCK stehen. Auf der Seite des Guten, der alten Welt, der Pferdewurst.

Sieg vs. Niederlage

Und wenn wir auch untergehen sollten, so tun wir es mit wehenden Fahnen und der Gewissheit, dass ohnehin das, was einen Fußballverein besonders macht, mit keinem Geld der Welt erkauft werden kann. Am Ende werden wir Sieger sein – unabhängig vom Ergebnis.

Donnerstag, 09 Mai 2013 18:22

#fürimmerWeserstadion

Eine Aussage machte diese Woche die Runde im hohen Norden. Werder Bremen zieht es aktuell in Erwägung, den Stadionnamen an einen Sponsor zu verkaufen. Marco Bode, Mitglied im Aufsichtsrat von Werder Bremen, äußerte sich dazu wie folgt: "Das wäre für mich denkbar. Aber es hätte natürlich einen hohen Preis".

Die gute alte Namingrightdiskussion. Warum dem ganzen nicht mal eine neue Denkrichtung geben? Namingrightsponsoring und Erhalt des Namens - und das gleichzeitig. Geht nicht? Geht doch. Vor wenigen Wochen habe ich genau diesen Lösungsansatz für das Fritz-Walter Stadion in Kaiserslautern untersucht. Umfrageergebnisse und Darstellung der Idee habe ich für jedermann öffentlich zugänglich gemacht:

Namingrightsponsoring - Zeit, neue Wege zu gehen.

Lässt sich das auf Werder Bremen und ihr Weserstadion übertragen? Ich glaube ja. Wie und warum das so ist? Das ist das Thema dieses Artikels:

Die allgemeinen Rahmenbedingungen

Hunderte von Sponsorennamen strömen Spieltag für Spieltag auf uns ein. Werbepartner auf allen Ebenen: Vom Trikot, über Bandenwerbung bis hin zum Stadionnamen.  Die Unternehmen zahlen viel Geld dafür, dass sie sich dort platzieren können, wo sie vermeintlich wahrgenommen werden. Das inflationäre Ausmaß von Namensrechten hat aber zur Folge, dass Sponsoren immer weniger Aufmerksamkeit erzielen. Nicht nur das: Sie überschreiben Identität und erzeugen negative Emotionen.

Keine guten Voraussetzungen für Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit ist aber eine der Voraussetzungen für Wahrnehmung. Also wie Aufmerksamkeit erzeugen in Zeiten, in dem Sponsoring nur noch dem Muster Copy+Paste zu scheinen folgt?

Nur wer ab und an mal Regeln bricht, sorgt für Aufmerksamkeit.

Wahrgenommen wird man, wenn man anders ist und andere Pfade betritt, bewährte Muster und Regeln bricht.

Was braucht es dafür?

  1. Die Muster und Regeln zu erkennen
  2. Sehr viel Mut, um sie zu brechen

Beispiele?

  • Vapiano hat das Prinzip des Restaurants neu erfunden.
  • H&M durchbrach die Regel, dass modische  Exklusivität nicht mit niedrigen Preisen vereinbar ist.
  • MyMuesli konnte ihren Kunden etwas bieten, was sie vorher nie bekamen: ihr individuelles Müsli.
  • Ikea lässt ihre Kunden die Möbel selbst aufbauen und beschritt damit vollkommen neue Wege.

Es macht also Sinn, Regeln zu brechen. Schauen wir uns doch mal die Regeln des Sponsorings im Fußball an. Genauer gesagt, die des Namensrechtesponsoring.

  • SC Freiburg: MAGE-Solar Stadion
  • Hamburger SV: Imtech Arena
  • Borussia Dortmund: Signal-Iduna Park
  • SpVgg Fürth: Trolli Arena
  • 1. FC Nürnberg: Grundig Stadion

Das sind nur einige wenige aus einer Fülle von teilweise albern klingenden Namen. Die Regel: Sponsoren überspielen nicht nur den Namen eines Stadions mit ihrem Enblem, sondern auch die Interessen und Wünsche vieler Anhänger des Vereins.

Es wird für Aufmerksamkeit gesorgt, ohne in den meisten Fällen einen emotionalen Bezug herzustellen.

Klar ist: Natürlich nimmt die Bekanntheit dieses Sponsors sprunghaft zu. Das heißt aber lange noch nicht,  dass ich die Produkte des Unternehmens demnächst auch bevorzuge. Denn allein Reichweite schafft keine Beziehungen. Und genau darum geht es: Beziehungen zu schaffen. Diese Beziehungen beruhen vor allem auf positiven Emotionen. Die zahlreichen Unmutsäußerungen - auch außerhalb Bremens - gegen die Umbenennung von Stadien deuten aber eher auf das Gegenteil hin:

protest stadion

Für B2B-Unternehmen, also Firmen deren Kunden andere Unternehmen sind, gilt übrigens selbiges. Auch hier geht es darum, Emotionen zu erzeugen. Und auch hier funktioniert Aufmerksamkeit nicht mit dem Lautsprecher, sondern mit einem emotionalen Bezug:

Es geht nicht darum, wer am lautesten schreien kann, sondern über wen am meisten gesprochen wird.

Gesprochen wird beispielsweise in Hamburg über vieles, aber sicher nicht über Imtech. Das Hamburger Stadion hieß schon AOL-Arena, HSH-Nordbank Arena und nun eben Imtech-Arena. Und wie nennen es die Fans? Volksparkstadion.

Es wird Zeit, die Regeln zu durchbrechen. Und wo wäre diese Regelbrechung effizienter, als bei einem Verein, bei dem sich diese Regeln noch nicht durchgesetzt haben: Der SV Werder Bremen und ihr Weserstadion.

Das Ziel für den SVW:

  • Der SVW soll Einnahmen aus einem Namingrightsponsoring erzielen
  • Der Name soll trotzdem erhalten bleiben

Das Ziel für den Sponsor:

  • Der Sponsor muss trotzdem wahrgenommen werden
  • Der Sponsor muss einen Gegenwert zu der investierten Summe erhalten

Die Überlegung, den Stadionnamen mit einem Sponsorennamen zu überschreiben, stieß bisher auf Kritik FürImmerWeserstadion. Und das völlig zurecht: Schließlich ist der Name ein wesentliches Identitätsmerkmal des SVW.

Das macht es notwendig, einen alternativen Weg zu gehen – Regeln zu brechen. Also zurück zu der Fragestellung:

Wie kann ein Sponsor wahrgenommen werden, ohne den Namen des Stadions umzubenennen?

Um dies zu realisieren, bedienen wir uns einem Trick aus der Markenwahrnehmung. Starke Marken werden auch erkannt, ohne ihren Namen zu nennen.  Nur ein paar Beispiele:

marken

Ein Getränkehersteller, eine Fast-Food Kette und ein Mobilfunkanbieter – ich würde behaupten, 99% der Menschen erkennen es zweifelsfrei. Wahrnehmung findet vor allem unterbewusst statt. Das ist im übrigen auch durch die Hirnforschung belegt: Marken, Produkte und Kommunikation wirken zu 95% implizit, d.h. intuitiv, unreflektiert und unbewusst. Wenn wir diese Erkenntnis mal auf das Weserstadion anwenden, könnte das wie folgt aussehen:

fürimmerWeserstadion

Die meisten Bremen-Fans werden das potentielle Unternehmen wohl erkennen. Ebenso ist es mit beinah allen Logo’s möglich. Der Name „Weserstadion“ erscheint im CI (Corporate Design) des Sponsors. Der Name bleibt erhalten, der Sponsor wird trotzdem wahrgenommen – positiv wohlgemerkt! Denn dieser Sponsor erhält das Identitätsmerkmal des SVW und fördert zugleich den Verein. CSR-Namingrightsponsoring sozusagen. Ohne die Bedeutung des Regenwaldes für die Menschheit herunterzuspielen, aber hier würde nicht einfach ein Quadratmeter Urwald irgendwo in Südamerika geschützt werden (ob es tatsächlich so ist, weiß eh niemand), sondern es wird etwas erhalten, was einen sichtbaren Wert für die Menschen hat: Das Weserstadion

Wie müsste der Sponsor diese Aktion aktivieren?

Schließlich heißt es ja: Tue Gutes und sprich darüber. Der Sponsor könnte das Ganze mit der Botschaft: „Weserstadion erhalten – Tradition bewahren“ unterstützen. Welche Kanäle dafür auch immer genutzt werden: Entscheidend ist die Botschaft, die kommuniziert werden soll: Man schützt das Identitätsmerkmal des SVW.

Wie könnte ein Vertrag konkret aussehen?

§ 1 Leistungen des Sponsors

I.       Der Sponsor verpflichtet sich, an den Verein einen jährlichen Betrag von ... € zuzüglich etwa anfallender Umsatzsteuer zu zahlen. Fälligkeit tritt jeweils am ... ein. Der Betrag ist auf folgendes Konto zu überweisen ... .

II.      Der Sponsor verpflichtet sich, dem Verein einen einmaligen Betrag von ... € für das Erreichen des Halbfinals im DFB-Pokals zu zahlen.

III.     Der Sponsor verpflichtet sich, dem Verein einen einmaligen Betrag von ... € für das Erreichen einer Platzierung zu zahlen, die zur Teilnahme an den europäischen Wettbewerben berechtigt.

IV.     Dem Verein stehen für den Fall des Zahlungsverzuges Verzugszinsen in Höhe von ... Prozentpunkten über dem Basiszinssatz zu. Die Geltendmachung eines weiteren Schadens wird dadurch nicht ausgeschlossen.

§ 2 Gegenleistungen des Vereins

Der Verein verpflichtet sich zu folgenden Leistungen, beziehungsweise räumt dem

Sponsor folgende Rechte ein:

a)      Der Verein räumt dem Sponsor das Recht ein, als Bewahrer des Weserstadions aufzutreten und für die Laufzeit des Vertrages von ... Jahren ab dem ... mit diesem CSR-Sponsoring zu werben. Der Sponsor wird bei der Ausübung dieses Rechts die gesetzlichen Bestimmungen beachten.

b)      Der Verein räumt dem Sponsor das Recht ein, während der Spiele der A- Mannschaften auf eigene Kosten einen Informationsstand zu errichten. Standort und Größe sind individuell in der Woche vor dem jeweiligen Spiel abzusprechen.

c)      Der Verein verpflichtet sich, einzelne Spieler oder die gesamte Mannschaft auf Anforderung des Sponsors und auf dessen Kosten für besondere Werbeaktionen einzusetzen. Anzahl und Dauer werden individuell mindestens 4 Wochen vor der jeweiligen Durchführung abgesprochen. Diese Möglichkeit kann der Sponsor vier Mal per annum wahrnehmen.

d)      Der Verein räumt das Recht ein, ein Logo mit dem Namen Weserstadion im CI des Sponsors zu entwerfen und es an der Fassade des Stadions anzubringen. Als einziger Text muss zwingend „Weserstadion“ zu lesen sein. Die baurechtlichen Vorgaben sind zu beachten.

e)      Der Verein verpflichtet sich, dem Sponsor für jedes Heimspiel jeweils ... VIP- Karten und ... VIP-Logen zur Verfügung zu stellen. Über das Grundkontingent hinausgehende Karten, maximal allerdings ... Stück, kann der Sponsor über den Verein direkt bestellen.

f)       Der Verein verpflichtet sich, Spiel- sowie sonstige Veranstaltungsankündigungen mit dem Logo „Weserstadion“ zu versehen.

g)      Dem Sponsor wird das Recht eingeräumt, das Logo „Weserstadion“ in die Verkehrshinweise und Ausschilderungen in Richtung des Stadions einzufügen. Die weiteren straßenverkehrsrechtlichen Vorgaben sind zu beachten.

h)      Der Verein verpflichtet sich, den Sponsor bei der Einführung und Bekanntmachung des CSR-Sponsorings des Weserstadions zu unterstützen, indem er Dritte auf diese Aktion hinweist, sowie brancheninterne Kontakte nutzt, um die Berichterstattung in den Medien zu animieren, den neuen Namen zu verwenden.

Es wäre gegen die Regeln. Es erfordert ungeheuren Mut, aber die Pioniere sind meistens auch die, die am nachhaltigsten profitieren. Der First-Mover-Effekt würde ein Umdenken, ein Paradigmenwandel auslösen – und welches Unternehmen würde sich nicht gerne damit brüsten?

Die Zeiten sind doch längst vorbei, in denen Marketing die Aufgabe hat, die Kunden so lange mit Informationen und Werbebotschaften zu bombardieren, bis sie das getan haben, was man von ihnen erwartet hat: kaufen.

Es geht für Unternehmen darum, Geschichten zu erzählen. Die Geschichte, das Identitätsmerkmal des SVW – das Weserstadion â€“ zu schützen und dafür einen Geldbetrag beizusteuern, wäre eine Geschichte, die Emotionen beinhaltet und transportiert. Der Sponsor wäre kein Mäzen, der das Geld aus gutem Willen aus dem Fenster schmeißt, sondern hätte einen ernsthaften Gegenwert – wenn man es eben clever aktivieren würde. Nicht mit dem Zweck Werte zu kommerzialisieren, sondern sie nachhaltig zu bewahren.

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Mittwoch, 01 Mai 2013 10:15

Der FCK auf Stichflamme

tag im mai 9

Vor wenigen Monaten stellte ich fest: Der FCK auf Sparflamme. In diesen Tagen –  nach der empfindlichen Pleite in Cottbus – ist mal wieder etwas Feuer im Spiel. Der Betze brennt – im wahrsten Sinne des Wortes. 4:2 verloren: so viel zum Spiel. Zu allem was drum herum passiert ist, wurde auch schon viel gesagt. Manch einer wird sagen, zu viel. Doch ist gerade das interessante, wurde in den letzten Wochen mit unendlich vielen Worte eigentlich nichts gesagt.

Endlich wieder etwas Leben in der Bude. Wie ein Vulkanausbruch entladen sich aktuell die Worte rund um Kaiserslautern. Ein Gewitter, das hoffentlich reinigend wirkt. Grund dafür, sind vor allem die Aussagen von Mo Idrissou nach dem Spiel: Er durchbrach in einem emotionalen Anfall Regeln und Ehrenkodex. Lederte auf alles los, was ihm in den Sinn kam. Ohne Rücksicht auf Verluste. Sprach dabei aber in vielen Dingen den FCK-Fans aus der Seele.

Keine Worthülsen a la  â€žWir haben alles noch selbst in der Hand“, kein „das nächste Spiel wollen wir unbedingt gewinnen“, sondern ehrliche, aber auch harte Worte. Vielleicht auch teilweise zu hart. Über die Inhalte dieser Aussagen wird auch zwei Tage später noch gestritten. Nur ein Ausschnitt:

"Einige von uns haben einfach keine Eier, wir spielen in Aue mit neun gegen elf und können nicht mal einen Ball in unseren eigenen Reihen halten. Ich erkenne die Mannschaft nicht wieder, einige machen die letzten Wochen einfach nur noch, was sie wollen. Vielleicht haben einige Angst vor der 1. Liga. Wir sind einfach die dümmste Mannschaft der 2. Liga, wir sind einfach nur dumm."

Über wahr und falsch seiner Aussagen lässt sich streiten. Und genau das wird ebenso intensiv wie detailliert getan. In der Fanszene und ganz sicher auch innerhalb des Vereins.  Zumindest streitet man mal wieder. Kein Gefühl der Gleichgültigkeit, wie es in den letzten Wochen zu spüren war, sondern Feuer in der Bude. Idrissou polarisiert, seine Aussagen erzeugen Reibung, doch erzeugt Reibung nicht auch Wärme? Genau das Feuer ist der Treibstoff, der uns gefehlt hat. Das im Eifer des Gefechts auch mal über das Ziel hinausgeschossen wird, gehört zur Natur der Sache. Es stößt eine Diskussion an. Und das ist ein entscheidender Unterschied zur letzten Saison: Da gingen wir lieber gutgelaunt und ohne Eier in der Hose fröhlich dem Abstieg entgegen. Niemand, der mal dazwischenhaute, niemand der seinen Emotionen mal freien Lauf ließ.. Keine Reibungsfläche, kein Feuer, keine Leidenschaft.

Nichts ist doch schlimmer, als wenn unausgesprochene Dinge wie Säbel in der Luft klirren. Und davon gab es die letzten Wochen doch mehr als genug. Kaiserslautern, das ist doch der Ort, wo Emotionen so stark dazugehören, wie nur an wenigen anderen Orten.

Wenn es eins gibt, was mich noch mehr nervt als Niederlagen, dann ist es die Art und Weise, wie damit oft umgegangen wird. Und das beobachte ich bei 95% aller Vereine: Schönrednerei, Phrasendrescherei, Schelte auf den Schiedsrichter und Versprechen, dass nächste Woche alles ganz anders wird. Da geht mein Bluthochdruck höher, als in allen Abseitsstellungen Idrissou‘s zusammen. Viel zu selten mal die differenzierte und kritische Auseinandersetzung mit sich selbst. Zumindest für die Öffentlichkeit und Fans sichtbar. Die offizielle Nachlese des Vereins war endlich mal eine solche differenzierte und kritische. Das Beste, was ich je von Vereinsseite gelesen habe:

http://www.fck.de/de/aktuell/news/details/article/11822-nachlese-klartext-oder-leeres-gerede.html

Kein Geschwafel, sondern eine  klare Position. Nun sehne ich nicht herbei, dass wir jede Woche Skandale produzieren, die Anlass zu einer Stellungnahme geben könnten – hatten wir davon doch Jahre lang viel zu viel. Aber dieser ehrliche und kritische Umgang mit sich selbst ist das, was den FCK ausmachen sollte. Wogen glätten sollte nicht der Stil des FCK sein. Mir persönlich ist ein reinigendes Gewitter lieber, als ein dauernd mit Wolken verhangener Himmel – bei den  mir irgendwer zu erzählen versucht, dass die Sonne strahlend am scheinen ist.

Und apropos Sonne: Geniesst den 1.Mai!

 

Sonntag, 28 April 2013 12:35

Anspruch vs. Wirklichkeit

© JiSIGN - Fotolia.com„Eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit“.

Davon ist oft die Rede, wenn wieder mal Erklärungen für die Krise bei seinem Verein gesucht werden. An der Grenze zur Phrase, aber so banal es auch klingen mag: Wenn man mal genauer hinschaut, steckt da ganz viel Wahrheit drin. Und genau das will ich hier mal tun …

echte liebeWieder einmal war es soweit. Das, was jeder Fan – egal welchen Vereins zugehörig – schon erlebt hat und immer wieder erleben wird: Die Identifikationsfigur des Vereins verlässt den Verein ­­– allen vorherigen Treueschwüren zum Trotz. Mario Götze spielt ab der Saison 2013/14 beim FC Bayern München. Enttäuschung, Frust und Ärger bei vielen BVB-Fans. Und die Frage, die sich viele stellen: Wie viel Liebe ist überhaupt noch echt?

Wir leben in einer Zeit, in der Beziehungen jeglicher Art ohnehin nur noch eine geringe Halbwertszeit haben. Die Scheidungsrate liegt bei knapp 50%. Fifty fifty die Chance, ob es ein Leben lang hält oder nicht.

Genauso im Fußball, sogar schlimmer: Das, was der Verein für die Fans ist, ist er vermeintlich nicht für viele Spieler: Ein Fixpunkt, den man nicht mehr wechselt, wenn man sich einmal festgelegt hat. Vermisst werden die Zeiten, in denen Spieler noch ihr Leben lang bei dem immer selben Verein spielten. Ein Fritz Walter, der allen Angeboten zum Trotz beim FCK blieb – und zum Held wurde. Die Helden von heute muss man mit der Lupe suchen: Ryan Giggs bei Manchester United und Iker Casillas bei Real Madrid fallen einem spontan ein. Die Helden der Neuzeit.

Aber lösen wir uns doch mal von der romantischen Traumwelt

Schauen wir auf uns selbst, fällt auf: Wir erwarten Dinge, die kaum einer von uns selbst im Stande ist einzuhalten. Wer ist denn noch sein Leben lang am selben Arbeitsplatz? Wer zeigt denn noch uneingeschränkte Loyalität auf anderen Ebenen, außerhalb des Fußballs? Letztendlich ist für einen Profifußballer der Fußballverein ja auch nicht mehr als ein Arbeitgeber.

In Dortmund steht an allen Ecken „Echte Liebe“ geschrieben.

Nur eine Marketingfloskel? Nur ein auf Kommerzialisierung ausgerichteter Leitspruch, um den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen? NEIN. In Dortmund hat man das Gefühl, dass für den Zeitraum der „Partnerschaft“ zwischen Spieler und Verein, die Liebe echt ist. Das spürt man in den Interviews, auf dem Platz und in allen Äußerungen. Doch tatsächlich ist es eben „nur“ „Echte Liebe“, nicht „Ewige Liebe“. Aber ist das nicht sogar viel wertvoller?

Enttäuschung, Ärger und Frustration ist vorprogrammiert. Immer wieder werden Identifikationsfiguren den Verein verlassen – von welchen Motiven auch immer geleitet. Es war nie anders und wird nie anders sein: Spieler kommen und gehen – was bleibt, ist der Verein. Das ist die Konstante, das ist die echte Liebe. Und das wird man auch heute Abend im Stadion spüren.

Bildquelle: http://www.gibmich-diekirsche.de

Mittwoch, 17 April 2013 09:31

Post vom Fußballgott

Ein Tag im Mai 8Haue für Aue. So meine Hoffnung vor dem Spiel unseres FCK im Erzgebirge. Tatsächlich waren wir es, die Haue bekamen – und das zurecht. Auf dem Weg der Ursachenforschung erreichte mich ein Brief vom Fußballgott höchstpersönlich. Nun wir einiges klarer …

Betreff: Mentalität schlägt Talent

Sehr geehrte Lautern-Fans,

nur wenigen Vereinen sind die Gesetze des Fußballs so bekannt wie Euch. Alle Höhen und Tiefen des Fußballs habe ich Euch schon durchleiden lassen. Und ganz ehrlich: Bei keinem Verein macht es mir so viel Spaß.

Doch verzeiht mir: Am Montag war wieder so ein Tag, an dem Ihr es mit aller Härte spüren musstet. Mentalität schlägt Talent. Kaum ein Verein weiß das doch so gut wie Ihr: Die umgebogenen Spiele in der Nachspielzeit, die erkämpften Siege als Underdog. Was habe ich nicht alles für euch getan.

Die Tugenden des Fußballs verkörpern? Da ward Ihr doch sonst immer ganz vorne mit dabei: Leidenschaft, Kampfgeist, Einstellung, Mentalität. Und was sah ich da am Montag? Arroganz, Überheblichkeit, Zufriedenheit. Als Fußballgott ist es meine Aufgabe, solche Sachen zu bestrafen. Nicht der erste Denkzettel in dieser Saison, aber das merkt Ihr ja selber.

Ich würde euch gerne mal wieder belohnen, aber nicht so. Das ist nicht der FCK, den ich schon so oft zu Ruhm und Ehre verholfen habe.

Und nur noch nochmal, damit ihr es versteht: Die Einstellung, der Siegeswille, die Mentalität entscheidet darüber, wie viel euer Talent und die spielerischen Fähigkeiten wert sind. Mein Eindruck: Einigen von Euren Spielern ist das Best-of Video bei Youtube wichtiger, als die Ziele der Gemeinschaft.

Und wer meint, gegen einen dezimierten Abstiegskandidaten nur noch 60% geben zu müssen, der muss bestraft werden. Nichts anderes hattet ihr verdient. Blamage zur besten Sendezeit.

Ich hoffe ihr lernt daraus und ich verspreche euch: Wenn sich Besserung erkennen lässt, bekommt ihr eure Relegationsspiele gegen Hoffenheim. Und da kann ich mich heute schon festlegen: Das Ding mach ich euch so oder so klar.

Mit sportlichen Grüßen

Euer Fußballgott

Rückfragen, Bemerkungen und Kritik am Fußballgott gerne auch direkt hier:
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Samstag, 09 März 2013 09:08

Auf und Ab

Ein Tag im Mai 7Auf und ab, wie kann‘s anders sein;
da hilft kein stöhnen und auch kein Schrei‘n.
Die Talfahrt ist gerade ganz schön steil,
ein anderer würd sagen: 3. Platz – ist doch geil.

Doch ist es so, die Fans wandern ab;
dabei stehen wir vorm Aufstieg doch nur so knapp.
Viel tiefer liegt das Problem, glaubt man zu ahnen;
gefühlt auf Halbmast unsere Fahnen.

Pfiffe und Stöhnen, das ist aktuell;
wird sich wohl nicht ändern so schnell.
27.000 Zuschauer warn‘s zuletzt,
bei weitem nicht voll besetzt.

Mannschaft oder Fans, wer trägt die Schuld?
Was ist der Grund für den Tumult?
Kein Funke springt über vom Feld zum Rang,
90 Minuten kommen einem vor viel zu lang.

Von der Tribüne zum Rasen auch nichts gescheh‘;
Langeweile pur, wenn ich genau hinseh‘.
Werfen wir doch ein Blick genauer hin,
Spielerbewertungen machen immer Sinn.

Ohne Schuld der Sippel,
im Offensivspiel ohne Mittel.
Heintz hält hinten dicht,
der Defensivverbund selten bricht,

Torrejon mit grauem Haar;
selten mit Fehlern, nur ein paar.
Löwe der Ersatz für Leon Jessen;
ein Unterschied, der sich kaum in Worte lässt messen.

Florian Dick mit einer schwachen Saison,
mit seinen Flanken könnt er abschießen nen‘ Heißluftballon.
Markus Karl stark begann,
wir wissen, dass er es kann.

Baumjohann mit Schatten und Licht,
doch Platzweise helfen uns nicht.
Benny Köhler: Der Einsatz ist da,
die Fehlpassquote aber nich‘ grad‘ vorzeigbar.

Fortounis, da fällt mir nix mehr zu ein;
meinetwegen gerne nach Sibiren verleihen.
Weiser ist jung, das sei ihm verziehen;
ist ja eh‘ nur ausgeliehen.

Idrissou, der reibt sich auf;
momentan einfach kein‘ Lauf.
Beim Bunjaku muss platzen der Knoten,
damit er wieder schalten kann auf Autopiloten.

Jimmy Hoffer, ein Liebling der Leute;
vor dem Tor mit wenig Beute.
Aus Wien kam Drazan, das Supertalent;
bisher war‘s nicht besonders exzellent.

Sie ist da, die individuelle Klasse;
vielleicht aber auch zu viel in der Masse.
Von fehlender Kommunikation ist oft die Rede;
es scheint, als stände man sich selbst im Wege.

Wo ist das System auf dem Platz?
viel zu viel Zufall – das ist für die Katz.
Auch wenn wir sind keine Gelehrten;
um das zu sehen, brauch ich keinen Experten.

Vorgenommen hat man sich doch so viel,
nur erreichen tut man es nicht: Das Ziel.
„Wir wollen gewinnen“, das ist ja nett;
ist das Fußball oder schon Ballett?

Die Worte sind groß, die Taten zu klein;
am Ende mehr Schein als Sein.
Verloren ist noch nichts, Geduld ist gefragt.
Totgesagte leben länger, wer hat’s noch gleich gesagt?

Die Hoffnung stirbt zuletzt, noch so eine Ode;
aber Phrasen sind bei uns ja auch grad in Mode.
Montag in Braunschweig, wie geht es aus?
Zurück auf die Spur oder aus die Maus?

Wie auch immer es enden mag,
am Schluss ist es nur ein weiterer Tag.
Ein weiterer Tag an dem man bleibt auch treu,
denn sind wir ehrlich: Auf und Ab - das ist uns nicht neu.

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Eine Umfrage zum Erhalt des Fritz Walter Stadions:
https://docs.google.com/forms/d/1c399WCiVHN_KjUakbfX0FTb8pCgR2ufclxxBAhv0TLY/viewform
Dauert ca. 5-7 Minuten. 
Danke!

 

Sonntag, 03 März 2013 11:00

#fürimmerFritzWalterStadion

fürimmerfritzwalterstadionNamingrightsponsoring: Eine weit verbreitete Erscheinung im deutschen Fußball – nicht so in Kaiserslautern. Das ist Vorteil und Nachteil zugleich: Denn der FCK verzichtet auf eine Summe in mindestens 6-stelliger Höhe, bewahrt aber das wichtigste Identitätsmerkmal des FCK: Fritz Walter. Dieser Artikel zeigt einen Lösungsvorschlag der Problematik auf. "Fritz Walter Stadion" bleibt bestehen und der FCK erzielt trotzdem Einnahmen. Am Ende dieser Seite findet ihr eine Umfrage, an der ich euch bitte teilzunehmen.

Dienstag, 26 Februar 2013 21:43

Ein Tag im Mai 2013 - Folge 6/21

Ein Tag im Mai 2013 Folge 6 von 21

Der Weg zum Aufstieg sollte steinig werden, das war uns ja klar. An einem dieser Montagabende waren es aber keine Steine, sondern Berge, die anscheinend den Weg zum gegnerischen Tor versperrten.
Ein Eintrag vom 26.02.2013:

Gestern war es wieder so weit. Zweitligafußball am leidigen Montagabend. Hertha BSC vs. 1. FC Kaiserslautern. Ein Spiel zum abgewöhnen – zumindest aus Lauterer Sicht.

Dieses Spiel ist es wert, mal tiefer in die Analyse der einzelnen Szenen einzusteigen. Jede Offensivaktion, die zu einem Torschuss geführt hat mal genauer unter die Lupe zu nehmen: Objektiv, detailliert und aus allen Perspektiven – das soll heute mal das Ziel sein. Also fangen wir an:

... Fertig.

Nachdem wir die insgesamt 0 Torschüsse des FCK analysiert haben, widmen wir uns doch mal dem vermeintlich längeren Teil: Den Ursachen. Da wären einige mögliche Aspekte zu nennen:

Rote Karte: Baumjohann musste den Platz in der 33. Minute verlassen. Zurecht oder zu unrecht - darüber lässt sich streiten. Klar ist aber auch: Das empörte Aufspringen der Herthaner Bank verstärkte sicher auch die Wahrnehmung des Schiedsrichters und damit auch die Entscheidung gegen Alexander Baumjohann. Ein Schiedsrichter muss innerhalb von Sekunden entscheiden; da sind es oft diese kleinen Details, die den Ausschlag geben. Für den Großteil der Lautern-Fans war es eine Fehlentscheidung, für die Herthaner war es berechtigt und für alle Esoteriker war es wohl die verspätete Strafe für die Schauspielerei in Duisburg. Schlechtes Karma halt.

Der Wille: Bei aller Kritik – daran mangelte es an diesem Abend nicht. Selbst mit 10 Mann warfen sich die Spieler in die Zweikämpfe. Sie wollten, aber konnten nicht. Das kann man ebenso gut wie auch bedenklich finden.

Der Gegner: Hertha BSC hat nicht nur den besten Kader der Liga, sondern auch einen bewiesenermaßen Top-Trainer. Berlin drückte schon früh auf den Führungstreffer. Tabellarisch war es ein Spitzenspiel. Tatsächlich war aber nur eine Mannschaft wirklich spitze. Und das auch schon vor dem Platzverweis.

Die Abwehr: Unser Prunkstück. Auch dieses Mal – trotz der Niederlage. Torrejon saustark. Jeder arbeitet mit nach hinten. Der FCK steht relativ kompakt und sicher gestaffelt. Doch ist diese defensive Stabilität auch zugleich eine Ursache für die mangelnde Offensivkraft? Die Balance zwischen Abwehr und Angriff scheint momentan nicht wirklich ausgewogen. Die Abwehr ist sicher – genauso wie die gegnerische Abwehr sicher sein kann, durch FCK-Angriffe garantiert nicht in Gefahr zu geraten.

Der Elfmeter: Laut Franco Foda hätten wir befreiter aufspielen können, wenn Sippel den Ball nicht gehalten hätte…

Der Mo: Er wird insofern zur Ursache des Problems, weil er nicht dabei war – der Mo Idrissou. Der Rammbock im offensiven Zentrum fehlt. Keine Anspielstation, der auch mal den Ball halten kann. Ein Hoffer rieb sich zunehmend auf. Bemüht, aber mittellos. Da half auch der Wetteinsatz von Frank Buschmann nicht, der ihn als ersten Torschützen des Spiels prognostizierte.

Der Rehmer: Mit Vornamen Marco, Ex-Herthaner und Co-Kommentator auf Sport1 an diesem Abend. Man weiß nicht, wie er es gemacht hat, aber sein Tipp auf Peer Kluge als ersten Torschützen war richtig. Frank Buschmann muss sein nächstes Montagsspiel im Herthinho-Kostüm moderieren. Warum das eine Ursache für die nicht vorhandene Offensivkraft des FCK ist? Wettmanipulation. Hoffentlich.

Das Fazit:
Die schönste Szene des Spiels? Als der Schiri die Pfeife zum Abpfiff des Spiels zückte. Die Ursachen für das schlechte Spiel sind vielschichtig.  Keiner kann erwarten, dass der FCK die Hertha mit 10 Mann aus dem Olympiastadion schießt, doch geben die nicht vorhandenen Offensivaktionen Anlass zur Sorge. So gut die Abwehr auch steht (bis zum Gegentor 6 Stunden ohne Gegentreffer), so schlecht ist das Spiel nach vorne (mehr als 2 Stunden ohne echte Torchance).

Der Wille ist nicht das Problem, der ist zweifelsfrei da. Das kann man einerseits positiv auslegen, weil immerhin die Einstellung stimmt. Andererseits stellt sich die Frage: Wenn es der Wille nicht ist, was fehlt dann?

Fortsetzung wie immer auch auf Facebook oder Twitter 

Mittwoch, 20 Februar 2013 10:46

Ich fahre lieber Trabi statt Ferrari

Ein Tag im Mai 2013 Folge 5 von 21

Es war noch ein weiter Weg bis zu diesem Tag im Mai. Fußballabende, die nicht von Lauterer Beteiligung geprägt waren, gehörten auch dazu. Der 19.02.2013 war so einer:

Dienstabend. Championsleague. Arsenal London gegen Bayern München. Als Lautern-Fan – und somit ständig neutraler Beobachter der europäischen Wettbewerbe – stelle ich mir mitten in der Woche immer dieselbe Frage: Zu wem halte ich? Da gehen die Meinungen ja weit auseinander. Die einen blenden jeden nationalen Konkurrenzkampf aus und halten zur deutschen Mannschaft. Der Uefa 5-Jahreswertung zu Liebe. Die anderen können eben diesen nationalen Konkurrenzkampf nicht ausblenden und wünschen dem deutschen Vertreter auch auf internationaler Ebene alles schlechte.

Bayern München und 1. FC Kaiserslautern. Das sind ja zwei Gegenstücke, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Zwei verschiedene Welten, mit zwei verschiedenen Wertesystemen. Wie Vegetarier vs. Fleischesser; Autofahrer vs. Fahrradfahrer; Katzenliebhaber vs. Hundeliebhaber. Vermutlich trägt jeder FCK-Fan diese Sympathie für den Schwächeren, den Underdog, dem Unterschätzten in sich.

Trotzdem sind meine Sympathien klar verteilt.

Zu sehr Patriot, als das ich nicht auch gerne die Überschriften der englischen Tageszeitungen morgen lese möchte, die dem deutschen Fußball huldigen. Ich gönne Bayern den Sieg, ich muss es zugeben: Das ist alles schon sehr nah dran am perfekten Fußball. Kroos erzielt schon früh das 1:0. Arsenal wird an die Wand gespielt. Müller erhöht auf 2:0. Arsenal hat eine kleine Drangphase, erzielt auch den Anschlusstreffer. Bayern schiebt das verdiente 3:1 nach.

Es ist ein Gourmet für die Fußballaugen

Insbesondere, wenn man nur Rohkost in der Zweiten Liga gewöhnt ist. Ich genieße es, schönen Fußball zu sehen. Bin ich ein Fremdgeher? Wenn das nur der 1. FC Kaiserslautern sehen würde, wie ich den schönen Fußball genieße. Bin ich gerade etwa auf dem Weg, zum  Bayern-Fan zu werden? Ich horche in mich hinein und stelle ganz klar fest: Nein, ausgeschlossen.

Bei allem Genuss, fehlt da doch ein ganzes Stück, um in Begeisterung auszuarten. Es ist halt mehr, als das schöne Spiel. Es fehlt der Reiz, das gewisse etwas. Die Kombinationen sind ganz nett, keine Frage. Ein Ribery, Müller, Schweinsteiger würde dem Lauterer Spiel auch ganz gut tun. Hacke, Spitze 1,2,3 ist aber nicht gleichzusetzen, mit dem, warum man eigentlich Fan ist. Zumindest für mich.

Es ist zu perfekt.

Es gibt keine Ecken und Kanten. Ich könnte mich über nichts aufregen. Sicher, als Bayern-Fan hätte ich vermutlich 5 Jahre mehr Lebenszeit. Die grauen Haare kämen auch erst später. Aber würde doch etwas fehlen: der erkämpfte Sieg, gekrönt durch einen Sonntagsschuss in der letzten Minute; die Hasstiraden auf den Außenverteidiger, der keine gerade Flanke zustande bringt und dann doch die eine zum Siegtor beisteuert; die geringen Erwartungen, die ab und zu durch auch mal gesprengt werden; einfach jedes Erlebnis, dass jeder Fan kennt. Abstieg, Aufstieg, Frustration, Jubel, Enttäuschung, Überraschung, Leidenschaft, Lethargie. Das komplette Paket. Vom Himmel bis zur Hölle – und das oft nur in einer Saison. Bei Bayern würde ich nur den Himmel sehen. Hat man aber einmal die Hölle miterlebt, weiß man den Himmel umso mehr zu schätzen.

Bayern München spielt schönen Fußball, aber ich könnte niemals Fan dieser Mannschaft sein. Da fehlt einfach etwas. Das ist wie von Hand gewaschen: Wird zwar zuverlässig sauber, aber ist auch langweilig. Lieber dann der Waschgang bei 2000 Umdrehungen pro Minute, mit allem drum und dran.

renntrabbiEs ist so, als wenn ich an diesem Abend einen Ferrari vor der Haustür stehen habe, der mich aber vollkommen kalt lässt. Ich steige lieber wieder in den gar nicht so schlechten Trabi ein. Und der Fußballgott weiß nur allzu gut: Es gab Zeiten, da wollte der Ferrari die Punkte lieber mit der Post zum Betzenberg schicken. Ich bleibe Fan vom Trabi. Damit komm ich vielleicht später – oder gar nicht mehr  – zum Zielort, der sich Meisterschaft, Pokalsieg oder Europacuptriumph nennt, dafür genieße ich den Weg umso mehr. Ich spüre jede Bodenwelle, aber das gehört dazu. 

Fortsetzung wie immer hier: Dreihundertsechzig

Bild: Jörn / pixelio.de

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