Der Verein Mainz 05 stellt nicht nur die Räumlichkeiten in der Coface Arena zur Verfügung, sondern entsendet auch Vertreter in verschiedene Diskussionsrunden. Dass am Ende der Woche der Diskussion und des Austauschs nicht der Mainzer Sonderweg in der Pyrofrage stehen wird, ist dabei allen Beteiligten natürlich im Vorfeld klar. Aber manchmal ist ja schon der Weg das Ziel, gerade wenn es darum geht, einen Dialog zu etablieren, an dessen Ende zumindest Kompromisslösungen stehen können. Oder aber wenigstens das Verständnis für die jeweiligen Nöte und Zwänge. Damit wäre das Ziel der ersten Auflage, sich überhaupt mal auf den Weg gemacht zu haben. Auf den Mainzer Weg. Als Schirmherren konnten die Organisatoren den Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebeling (SPD) und den ehemaligen 05-Profi und ewigen Publikumsliebling Marco Rose gewinnen. Das Organisationsteam stand uns Rede und Antwort, denn die Themen und Anliegen, die während der „Mainzer Fantage“ verhandelt und vorgestellt werden, stehen zwar im Offiziellen Programm und sind auf den Seiten nachzulesen, es steckt jedoch noch viel mehr dahinter. Deutsche Fanszenen, schaut im September nach Mainz.
Interview mit dem Organisationsteam der Mainzer Fantage
Welche Erkenntnis soll am Ende der Veranstaltung stehen?
Generell haben die veranstaltenden Gruppen natürlich ihre Standpunkte zu den meisten Themen, wir wollen es aber besser machen als der DFB und eben keine Akklamationsveranstaltung anbieten, sondern wirklich ergebnisoffen diskutieren. Wichtig ist, dass es zu einem sachlichen Dialog auf Augenhöhe kommt, Ziel der Fantage ist es vor allem, eine Plattform dafür zu schaffen. Besonders wünschenswert wäre es, wenn bestehende Vorurteile abgebaut werden könnten, das allerdings nicht nur gegenüber der Ultras und aktiven Fans, sondern durchaus in alle Richtungen.



05-Präsident Harald Strutz hat auf der jüngsten DFL-Sicherheitskonferenz auch jenen Kodex unterschrieben, der u.a. härtere Sanktionen und eine breitere Überwachung der Fans fordert. Hätte man sich von eurer Seite da nicht eine ähnliche Reaktion gewünscht wie sie Dirk Zingler gezeigt hat? Gerade in Mainz, einem Verein der eher kurzen Wege.
Gewünscht hätten wir uns das sicherlich, die Reaktion von Union Berlin war hier sicher absolut vorbildlich. Allerdings muss man hier auch die Doppelfunktion von Harald Strutz beachten. Als Mitglied des DFB-Vorstands und Vize der DFL muss er hier natürlich eine gewisse Linientreue einhalten, nichtsdestotrotz wurde im Vorfeld von Fanseite das Gespräch gesucht. In einem sehr konstruktiven Austausch haben ihm Fanvertreter ein von Supporters, Fanprojekt und Ultragruppen ausgearbeitetes Positionspapier vorgestellt. Allgemein ist das Verhältnis zum Verein aber relativ gut, es gibt zwar immer mal wieder unterschiedliche Ansichten, aber der Dialog findet statt. Deshalb gehen wir davon aus, dass unser Verein von sich aus keine Notwendigkeit sieht härtere Maßnahmen zu ergreifen. 

Wie ist der Verein in die „Mainzer Fantage“ involviert?
Mehrere Vereinsvertreter haben ihre Teilnahme bereits angekündigt, teilweise auch auf den Podien der Veranstaltungen. Zudem hilft uns der Verein auch bei der Bewerbung der Fantage und stellt uns viele seiner Medien dafür zur Verfügung. Insbesondere beim Testspiel gegen Sevilla und beim ersten Heimspiel gegen Fürth werden wir mit Unterstützung des Vereins noch mal versuchen wirklich die breite Fanbasis anzusprechen. Die Unterstützung des Vereins ist da für uns immens wichtig, weil es bei vielen Stadiongängern, mit denen wir noch keinen Kontakt hatten, hilft etwaige Berührungsängste abzubauen.


 Glaubst du oder glaubt ihr als Organisatoren, dass der Verein überhaupt - aus Gründen der "Verbandsräson" - auf möglicherweise kontroverse Ergebnisse der einzelnen Workshops wird eingehen können?

 Eine Legalisierung von Pyrotechnik werden wir wohl kaum erreichen können, aber wenn danach einfach auf einer besseren, sachlicheren Ebene über so etwas gesprochen werden kann, ist das als Erfolg zu werten. 
Andere Themenbereiche wie Arbeit gegen Diskriminierung oder Ziele von Fanarbeit sind hingegen durchaus Themenkomplexe, bei denen vielleicht auch unser Verein im Nachhinein etwas mitnimmt. Beim Thema Preispolitik ist unser Verein sogar jetzt schon auf einem sehr erfreulichen Standpunkt, so verzichtet Mainz 05 gänzlich auf Topspielzuschläge.

Einer der Schirmherren ist Marco Rose. Eine überaus offensichtliche und deshalb umso gelungenere Auswahl. Wie lief der Kontakt zu Marco Rose ab und wie lange hat es gedauert, ihn von dieser Position zu überzeugen?


Der Kontakt zu Marco bestand eigentlich immer, während und nach seiner aktiven Zeit hier war er einer der Spieler, dem man die Verbundenheit zu Mainz 05 angemerkt hat. Wir haben ihm dann die Idee persönlich vorgestellt, er war begeistert davon und hat sofort zugesagt. Aber das ist seine Art, er war schon immer einer von denen, die ein offenes Ohr für uns Fans haben und da ist es nur logisch, dass er den Dialog hier unterstützt. Neben Marco haben wir mit Michael Ebling sogar den Oberbürgermeister der Stadt Mainz als Schirmherren gewinnen können, ein absoluter Gewinn für die Veranstaltungsreihe. 


Auch in Mainz werden Spieler inzwischen von einer Pressestelle abgeschirmt, sodass möglicherweise kritische Interviews gar nicht erst zustande kommen. Wäre es nicht sinnvoll und wünschenswert, dass sich gerade die Spieler offensiver zu Fanthemen äußern? Und warum wird das unterbunden bzw. nicht forciert?


Ja, diesen Zustand sehen wir auch sehr kritisch, aber das liegt wohl in der Entwicklung des Fußballs begründet. Es geht um verdammt viel Geld und kein Verein will wohl, dass ein Spieler vielleicht eine Äußerung tätigt, die dem Vereinsimage schaden oder gar einen Sponsor vergraulen könnte. Zudem gibt es kaum noch Spieler, die längere Zeit bei einem Verein bleiben, diese Fluktuation macht es da natürlich noch schwieriger eine gewisse Bindung zu einer Fanszene herzustellen und sich auch mit deren Inhalten zu beschäftigen. Es gibt leider kaum noch richtige Typen im Fußball, so wie es in Mainz früher Marco Rose oder Jürgen Klopp waren.
Das Interview führte Till Erdenberger für FANKULTUR.COM
weitere Informationen zu den 1. Mainzer Fantagen findet ihr auf www.mainzer-fantage.de
Während andernorts in Hinterzimmern kurzfristige Nadelstichmaßnahmen gegeneinander ausgeklüngelt werden, man übereinander, aber selten miteinander spricht, der zahlende Stehplatzkunde im Zweifel statt im Mittelpunkt eher im Weg steht, macht man sich in Mainz lieber daran, den Dialog zu fördern. Die „Mainzer Fantage“ erleben ab dem 06.09. ihre erste Auflage und bieten eine Woche lang mit verschiedenen Veranstaltungen allen Interessierten einen Einblick in die Vielschichtigkeit der Fanszene der Rheinhessen, die Faszination Kurve und die dringendsten Themen, die in der Szene virulent sind. Kommerzialisierung des Sports, Politik und Medien und natürlich nicht zuletzt die Art und Weise des Supports der eigenen Mannschaft. Organisiert werden die „Mainzer Fantage“ von einem breiten Bündnis aus Fanorganisationen jedweder Couleur und so wirbt man in Diskussionsrunden und Workshops für ein konstruktives Miteinander aller Beteiligten. Denn die Kurve ist ein homogenes, dynamisches Gebilde, das nie mit einer Stimme wird sprechen können.