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Dienstag, 25 September 2012 15:17

FC Erzgebirge Aue ist der Auszeichnung absolut würdig

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eisernerBeim morgigen Spiel Erzgebirge Aue gegen 1. FC Union Berlin steht ein Sieger schon fest. Der Heimverein wird im Rahmen der Partie von der Berliner Supporterorganisation Eiserne V.I.R.U.S. e. V. für die Gastfreundschaft der vergangenen Saison ausgezeichnet. FANKULTUR.COM sprach mit den Initiatoren des JWD-Pokals. Für Vorstandsmitglied Sig Zelt ist die Auszeichnung für Aue Ergebnis von entspannter und deeskalierender Atmosphäre im Vorfeld der Parteien, die von oben diktierten Sicherheitsstrategie machen ihm und seinen Kollegen jedoch Sorgen.

Ihr habt nun zum vierten Mal den JWD-Pokal vergeben. Vielleicht erklärst du kurz welche Idee dahinter steckt.

Gerade bei unseren Auswärtsspielen fühlen sich viele von uns oftmals alles andere als gastfreundlich behandelt, und das geht ja nicht nur den Unionfans so. Gästefans werden von vielen Vereinen viel strenger kontrolliert und überhaupt deutlich schlechter gestellt als eigene. Das erzeugt Unmut, im Extremfall bis hin zu Aggressionspotential. Dabei wollen wir doch unsere Mannschaft unterstützen und Spaß haben. Mit dem Pokal wollen wir ins Licht rücken, dass Gäste anständig behandelt werden sollten und dass sie das auch anerkennen und zu danken wissen.


Dieses Jahr wird Erzgebirge Aue ausgezeichnet. Was war ausschlaggebend für die Entscheidung und habt ihr nur eigene Erfahrungen oder auch Berichte zu anderen Gästevereinen einfließen lassen?

Es liegt uns durchaus am Herzen, dass wir jemanden auszeichnen, der nicht nur mit uns gut umgeht, sondern grundsätzlich mit seinen Gästen, aber vor allem sind es die eigenen Erfahrungen, die der Entscheidung zugrunde liegen. Wir erheben nicht den Anspruch, für alle zu sprechen. Beim FC Erzgebirge konnten wir die eingangs erwähnten Unterschiede zwischen Heim- und Gästefans allenfalls bei polizeilichen Maßnahmen feststellen, nicht aber vom Verein ausgehend. Das war übrigens auch schon im Jahr zuvor so. Hinzu kommt eine gute Zusammenarbeit der Fanbeauftragten im Vorfeld.

Gerade für den Osten muss man sagen, dass es derzeit nirgendwo so viel Spaß macht, wie in Aue, trotz der etwas komplizierten Anreise. Wir sehen es als ein segensreiches Resultat der entspannten, deeskalierenden Atmosphäre, dass die Rivalität beider Fanszenen ihren früher doch recht aggressiven Charakter weitestgehend verloren hat.


Viele aktive Fanszenen beklagen vermehrt Repression und Verbote bei Auswärtsspielen. War es im Vergleich zu den letzten Jahren schwieriger einen Sieger zu finden oder macht ihr andere Erfahrungen?

Der FC Erzgebirge Aue ist der Auszeichnung, wie auch schon unsere vorherigen Preisträger, absolut würdig. Allerdings ist die Zahl der ernsthaften Anwärter auf unseren Pokal leider stets sehr überschaubar. Genau dort sehen auch wir Veränderungsbedarf. Repressive Behandlung schwächt vor allem die besonnenen Teile der Anhängerschaft und Probleme werden vertieft oder entstehen gar erst.

Schon mal daran gedacht auch die negativsten Erfahrungen „auszuzeichnen“?

Klar, das wäre auch eine Möglichkeit. Aber wir wollen bewusst ein positives Signal setzen, so wie wir uns auch umgekehrt im Umgang mit Fußballfans wünschten, dass der Schwerpunkt auf die Stärkung des Positiven gesetzt würde.

In der Sommerpause bestimmte die Debatte rund um Gewalt und Sicherheit im Stadion die Schlagzeilen. Euer Verein Union Berlin hat als einziger Verein den Verhaltenskodex nicht unterschrieben und den fehlenden Dialog mit Fans angeprangert. Wie ging es danach bei euch im Verein rund um dieses Thema weiter?

Wir als Supporterorganisation Eiserner VIRUS haben seinerzeit ja umgehend einen Gegenentwurf veröffentlicht, der letztlich eine Grundlage der vereinsinternen Diskussion war, deren Ergebnis als Erklärung der Fan- und Mitgliederabteilung des Vereins nachlesbar ist. In kürzestmöglicher Form ist es vielleicht so auszudrücken: Sicherheit ist nur gemeinsam mit den Fans machbar – nicht gegen sie.

Im aktuellen Kicker stehen die neuesten Ideen des DFB zu mehr Sicherheit rund um Fußballspiele. Nach dem von euch und vielen aktiven Fans geforderten Dialog sieht das nicht aus. Wie seht ihr die Entwicklung?

Leider haben wir den Eindruck, dass einige hohe Funktionäre in den Verbänden und auch der Innenpolitik glauben, man könne alles von oben durch noch rigidere Verbote, Überwachung und Sanktionierungen in den Griff bekommen. Unter den Fans gibt es viele, die längst nicht mehr an eine ehrliche Dialogbereitschaft seitens DFB und DFL glauben, darunter Leute, für die es durch den offen sichtbaren Konfrontationskurs der Verbände immer schwerer wird, in ihren Szenen positiven Einfluss auszuüben. Dabei ist es ein so wertvoller Umstand, dass wir in Deutschland authentische, gesprächsbereite Fanorganisationen wie ProFans, „Unsere Kurve“ oder auch das B.A.F.F. haben, außerdem eine Struktur professioneller sozialpädagogischer Fanprojekte, deren Meinung freilich gleichfalls regelmäßig auf Ignoranz stößt. Vielleicht kann man missliebige Fangruppen aus den Stadien vertreiben – aber ist das die Lösung? Wir machen uns da sehr große Sorgen.

Zum Abschluss: Glaubst du Union Berlin hat eine vergleichbare Auszeichnung wie euren JWD-Pokal auch verdient?

Na klar doch! (grinst) Aber im Ernst: Im Rahmen der Fanvertretung im Verein haben wir auch ein Auge darauf, wie bei uns mit den Gästefans umgegangen wird, und wir nehmen darauf auch Einfluss. Ein (stimmungs-)voller Gästeblock ist uns grundsätzlich viel lieber als ein leerer, und das nicht nur der Eintrittsgelder wegen.

Zur Person: Sig Zelt, Vorstandsmitglied des Eisernen VIRUS, seit 2002 bei Pro-15:30/ProFans aktiv, außerdem beim Fanrechtefonds. Erster Besuch in der „Alten Försterei“ war im Herbst 1966.

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