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Freitag, 07 Februar 2014 19:34

„WDR 4 wird eher selten gewünscht...“

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businterview1Jeder von uns kennt sie – die Bustour zum Auswärtsspiel. Und jeder von uns kann (meist) lustige Schnurren über die eine oder andere Fahrt im Reisebus erzählen. Aber wie sieht eigentlich eine Auswärtstour aus Sicht der Reisebusunternehmer und vor allem aus Sicht der Busfahrer aus? Wir haben einen Busunternehmer dazu befragt.

 

 

Zunächst mal zu Dir  – Was machst Du genau?

Ich bin seit 15 Jahren in einem Omnibusbetrieb tätig, mittlerweile Gesellschafter und Mitinhaber. Sofern es die Zeit zulässt, setze ich mich auch gerne selber ans Steuer.

Wir hören im Stadion ja immer „Zum nächsten Auswärtsspiel in xy fährt ein Fanbus- Ihr könnt Euch beim Fanprojekt anmelden.„ Wie wird so eine Fanbusfahrt eigentlich organisiert?

Den genauen Ablauf kann nur das Fanprojekt erklären. Bei uns geht es lediglich um den Bus. Kunde XY kontaktiert uns per Telefon, E-Mail oder über ein Anfrageformular unserer Homepage. Wir prüfen daraufhin freie Kapazitäten und erstellen ein unverbindliches Angebot. Das Angebot gilt dann für den kompletten Bus mit den im Angebot angegeben Sitzplätzen. Der Personenpreis richtet sich also danach, wie viele Personen die Fahrt antreten. Auch sind die Preise saisonbedingt unterschiedlich. Man kann also nicht von einem „Februar-Preis“ ausgehen, wenn man im Mai fahren möchte.

Sind Fantouren ein interessantes Geschäft für Euch?

Zunächst: Alle Kunden sind wichtig und auch gleichermaßen interessant. Aufgrund diverser Vorfälle sind wir jedoch vorsichtig geworden, Fußballfans zu den Auswärtsspielen zu befördern. Auffallend ist auch, dass es immer weniger Anfragen für Auswärtsfahren gibt. Die Fans, die ihren Verein auswärts unterstützen wollen, nutzen gerne die angebotenen Fan-Züge oder die vom Fanprojekt organisierten Busse.

Was für Leute treten an Euch heran?

Das ist ganz unterschiedlich. Private, kleinere Gruppen oder auch Mitglieder eines Fanclubs. In den meisten Fällen kennen wir allerdings nur den Namen und die Anschrift derjenigen, die den Bus bestellen. Ob und was für ein Fanclub dahinter steckt, wissen wir in der Regel nicht.

Gibt es eine Zusammenarbeit mit der Polizei? Wenn ja, wie sieht sie aus?

Eine „Zusammenarbeit“  gibt es hier nicht. Vor Auswärtsfahrten zu „Risikospielen“ ist es allerdings so, dass die lokale Polizei sich bei den Busunternehmern im Umkreis telefonisch erkundigt, ob Busse für diese Fahrten gebucht worden sind. Wir sind in solchen Fällen verpflichtet, wahrheitsgemäße Aussagen über Busanzahl, Sitzplätze, Kennzeichen, Kontakttelefonnummern usw. zu machen.

Stellt Ihr „Benimmregeln“ für Eure Fahrgäste auf?

Nein, es gibt keine Benimmregeln. Wir gehen davon aus, dass sich jeder Fahrgast an alltägliche Regeln hält. Bis auf ein paar Ausnahmen hat das bisher auch wunderbar funktioniert.

Dürfen Fans Getränke mitnehmen? Unter welchen Bedingungen?

Selbstverständlich dürfen Getränke mitgebracht werden. Im eigenen Interesse der Käufer bitten wir darum, das Leergut aus den Bussen zu nehmen, ansonsten gibt es bei uns weder Bedingungen noch Einschränkungen. In den Reisebussen gibt es allerdings auch immer die Möglichkeit Getränke im Bus zu gängigen Preisen zu kaufen.

Welche Musik wird denn bevorzugt gehört?

Natürlich wird immer das gehört, was der Busfahrer hören möchte! ;) Doofe Frage, doofe Antwort! ;) Der Musikgeschmack ist so vielfältig wie die Gäste. Es wird alles gehört. WDR 4 wird eher selten gewünscht... ;)

Die berühmten Fragen: Wie ist es mit Pinkelpausen, der Bustoilette und: Darf geraucht werden?

Pinkelpausen werden in der Regel mit den Gästen abgesprochen. Es muss allerdings jedem klar sein, dass der Bus nicht an jedem Rastplatz/Parkplatz halten kann. Der Schiri wartet nicht mit dem Anpfiff bis wirklich alle Busse das Stadion erreicht haben. Außerdem müssen wir als Busfahrer unsere gesetzlichen Lenk- und Ruhezeiten einhalten. Eine Bustoilette, wenn vorhanden, darf natürlich benutzt werden. Allerdings hat diese auch nur eine gewisse Kapazität, sodass wir vor Fahrtantritt immer darum bitten müssen diese nur in Notfällen zu nutzen. Auf Deutschlands Autobahnen gibt es leider sehr wenig Möglichkeiten, eine Bustoilette abzulassen. In den Bussen herrscht, wie in allen anderen Verkehrsmitteln, Rauchverbot.

Ihr habt ja schon ein paar Fahrten gemacht. Wir wollen natürlich Anekdoten hören...

Von verschollenen Fans, die den Busparkplatz am Dortmunder Signal-Iduna-Park nicht wiedergefunden haben, bis hin zu in der Bustoilette eingeschlafenen Fans war wirklich schon fast alles dabei. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir Fans, die sich an einem großen Rasthof nicht einigen konnten ob sie lieber zu Mc Donalds oder zu Burger King wollten. Die Diskussion zog sich hin bis wir den Bus schließlich auf halbem Weg gestoppt haben um Jedem irgendwie gerecht zu werden. War aber auch nicht richtig, gab auch Schimpfe...Lustig auch, wenn man nach einem verloren gegangenen Spiel neben dem Mannschaftsbus auf der Autobahn im Stau steht und die Fans an die Türen stürmen und aus dem Bus wollen um den Trainer zu „verhauen“... Auch wenn ich das nach dem ein oder anderen Spiel (oder besser gesagt bei dem ein oder anderen Trainer) ganz gut nachvollziehen konnte, dürfen wir niemanden auf der Autobahn einfach aussteigen lassen...

Fußballfans sind „spezielle“ Fahrgäste. Du hast ja schon von „Vorfällen“ gesprochen. Was laßt Ihr Ihnen durchgehen? Wann ist eine Grenze überschritten? Welche Probleme gibt es?

Aufgrund des Alkoholkonsums kommt es leider hin und wieder zu Problemen. Es gibt Unstimmigkeiten untereinander, nach besagten Pinkelpausen ist der ein oder andere Fan nicht mehr auffindbar, es wird laut im Bus, Flaschen/Becher fliegen, es wird randaliert usw. Feiern im Bus ist ok und gehört auch dazu. Allerdings muss sich das Ganze im Rahmen halten. Der Busfahrer hat bei der Fahrt die Verantwortung für bis zu 80 Fahrgäste zu tragen, deshalb sollte man schon im eigenen Interesse dafür sorgen, dass die Konzentration des Fahrers nicht allzu sehr gestört wird. Ich schreite zum Beispiel ein, wenn der Fahrer persönlich angegriffen wird. Ob verbal oder tätlich spielt keine Rolle. Auch nach einigen Bieren sollte der Respekt und der Anstand nicht verloren gehen. Busfahrer sind auch „nur“ Menschen!

Wird im Bus randaliert, kann die Auswärtsfahrt für den ein oder anderen auch ein schnelles Ende nehmen. So ein Gefährt hat mitunter einen Wert im hohen sechsstelligen Bereich, das wird hin und wieder leider vergessen. In solchen Fällen sind wir leider gezwungen einzuschreiten. Trotzdem kommt es durchaus vor, dass wir Reparaturkosten in Rechnung stellen müssen. Abgebrochene Armlehnen oder Tische, gebrochene Rückenlehnen, zerstörte Scheiben, gebrochene Türaufhängung, Verstopfung der Bustoilette durch diverse Gegenstände, abgerissene Vorhänge... alles schon da gewesen. Ich denke und hoffe, dass jeder Leser dafür Verständnis hat, dass der Busunternehmer nicht auf den Kosten sitzenbleiben möchte und kann.

Du sagst, Du „schreitest ein“... Wie könnt Ihr einschreiten, falls die Stimmung eskaliert?

Zunächst muss ich sagen, dass so eine Situation noch nie vorgekommen ist. Klar hat man als Busfahrer mal die ein oder andere Diskussion zu führen, aber bis jetzt waren noch alle Gäste irgendwann einsichtig. Als wirklich allerletzte Möglichkeit kann der Fahrer die Polizei zu Hilfe holen und/oder von seinem in dem Moment geltenden Hausrecht gebraucht machen und den oder die Person/en von der Weiterfahrt ausschließen.

Wer ist denn einfacher zu fahren – Fans, die einen Sieg feiern oder Fans, die eine Niederlage betrauern?

Selbstverständlich hat man lieber gut gelaunte Gäste im Bus. Eine gute Stimmung im Bus macht jede Auswärtsfahrt zu einem Highlight! Bei Auswärtsniederlagen kommt es mitunter schon zu einer unheimlichen Totenstille im Bus.

So eine Tour ist für den Fahrer mit einer Menge Streß verbunden. Wie hält man das aus?

Für mich persönlich sind und waren Auswärtsfahrten mit tollen Fans absolut kein Stress. Tolle Leute, ein tolles Fußballspiel und im besten Fall drei Punkte. Das ist kein Stress, das sind die besten Fahrten eines Fans und Busfahrers. Auch für die Busfahrer, die nicht den wahnsinnigen Draht zum Verein haben, sind Auswärtsfahrten nicht mehr oder weniger Stress als andere Fahrten. Man geht jedes mal auf´s Neue davon aus, dass man nette Gäste im Bus hat und es nicht zu irgendwelchen Zwischenfällen kommt.

Du bist ja nun selber Fan und hast lange eine Dauerkarte gehabt. Ist das Organisieren und Fahren von Fantouren nicht doch ein bißchen Herzensangelegenheit und „Dienst am Club"?

Wie eben beschrieben, machen mir persönlich diese Fahrten unheimlich viel Spaß. Wenn sich eine solche Gelegenheit ergibt und ein Bus für eine Auswärtsfahrt bei uns gebucht wird, versuche ich es immer einzurichten, selber zu fahren (selbstverständlich standesgemäß im Vereinstrikot). Ich leide mit und ich freue mich mit dem Club, genau wie alle anderen Fans im Bus auch. Das ist schon etwas Besonderes, man kann durchaus von Herzensangelegenheit sprechen. Die Organisation solcher Fahrten überlasse ich allerdings lieber denen, die sich damit auskennen.

Wir danken Dir für dieses Interview! Gibt es noch etwas, was Du unseren Lesern mitteilen möchtest, sozusagen stellvertretend für alle Busfahrer?

businterview2Zunächst mal ich möchte ich mich auch bedanken für die Gelegenheit, die Sicht der Busunternehmer darstellen zu können: Danke!

Eine Bitte an die Fans/Fahrgäste: Der Busfahrer ist nicht der „Feind“! Im Gegenteil, er ist derjenige, der euch sicher von A nach B bringt. Das ist sein Job, dafür bildet er stetig sich weiter und daran hat er Spaß. Eine gute Stimmung zwischen den Gästen und dem Fahrer ist für alle von Vorteil und wird jede Fahrt zu einem tollen Erlebnis machen. Mit ein bisschen Rücksicht füreinander und Nachsicht miteinander kriegen wir das hin.

Ich wünsche allen Fußballfans auf diesem Wege noch viele weitere tolle Auswärtsfahrten mit vielen tollen Bussen und auch tollen Busfahrern. Den Fans meines Vereins wünsche ich insbesondere viele 3- Punkte-Fahrten, wir können es gebrauchen...

Fotos:  www.igrs06.de, Dank an Tamara!

 

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