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Dienstag, 21 Februar 2017 13:08

Knigge und Bonus

geschrieben von

Screenshot 2017-02-21 15.35.54Screenshot 2017-02-21 15.28.25Wenn man nach langer, sehr langer Zeit beschließt, an die Tasten zu gehen und auf dem kurzen Weg dahin nicht mehr weiß, womit anfangen, weil sich die Themenangebote nun geradezu überschlagen. Von meinem eigentlichen Aufhänger kann ich aber im Verlauf dieses Textes einen schönen Bogen schlagen, das ist meinen Freunden vom DFB geschuldet. Die, ich gebe es zu, sehr häufig Antrieb meiner Auseinandersetzungen sind, wenn auch nicht schriftlich, wie die letzten Jahre belegen.

Ich habe die Debatten um Fanreaktionen auf RB Leipzig selbstverständlich verfolgt als interessierter, aber noch unbehelligter Fan. Ganz recht, unbehelligt, denn ich frage mich, was uns allen noch blüht. Mir ist nicht ganz klar, warum plötzlich diese Benimmpolizei und der Etikette-Schwindel schon geradezu groteske Formen annimmt. Jeder Stadiongänger weiß, daß Transparente seit Jahrzehnten Mittel der Meinungsäußerung in den Kurven sind. Und auch sind seit Jahrzehnten die Meinungsäußerungen mehr oder weniger gelungen. Ich persönlich bin großer Freund humorvoll gesetzter Stiche. Das gelingt nicht immer und manchmal sorgt der Ärger über dies und das dafür, daß andere Synapsen aktiv werden. Das qualitative Spektrum reicht von sehr oft witzigen Pointen bis zu tatsächlichen Sinkflügen. Immer aber ist so ein Plakat auch Ausdruck von Kreativität, in Stenoform muß ein komplexer Inhalt in knackiger, griffiger Kürze zu Papier gebracht werden. Nicht alle schaffen es ins MOMA. Und so manches Kunstwerk offenbart seine Doppelbödigkeit nur den Kennern.

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Die Ausstellung bei Borussia Dortmund zeigte nun in ihrer Anzahl eine eher seltene Menge an Objekten und natürlich waren da auch echt schwache, sehr derbe Meinungen vertreten. Aber, so what? Ein Bundesligaspiel (ein Fußballspiel allgemein) ist immer Rivalität und manchmal sogar sehr große, es sei denn, befreundete Teams und Bene Fizz treffen aufeinander. Beschimpfungen und Schmähungen muß man aushalten, das gehört dazu. Manche Auswärtsfahrten sind Gänge nach Canossa, habe ich alles schon erlebt, auch, daß man seine Vereinszugehörigkeit besser nicht zeigen sollte. Ich mag diese Form der Gastfreundschaft nicht besonders, man sollte seinen Schal tragen können und ist schließlich aus Gründen unterwegs. Da sind wir auch schon beim Thema, und natürlich darf man wegen seiner Vereinzugehörigkeit nicht körperlich angegriffen werden. Keine Diskussion! Ausnahme sind verabredete Schlägereien, aber davon bekommen nicht Involvierte nix mit, kann uns egal sein. Es wurde ja schon x-Mal durchgekaut, für die Vorfälle außerhalb des Stadions ist der DFB gar nicht zuständig und im Stadion ging es nach meinem Kenntnisstand nur schriftlich und mündlich zur Sache. Als nächtes wird sich Borussia Mönchengladbach zu verantworten haben. Es werden sicher noch mehr Delinquenten bis zum Ende der Saison, gegen die der DFB ermitteln wird, weil einfach jeder Gegner, selbst z.B. die Hoffenheimer (auch gerne Adresse von Schmähäußerungen) ihr Hühnchen mit RB Leipzig rupfen werden. Aber auch der FC St. Pauli zeigte gg Dresden ein makabres Plakat. Es gibt unzählige solcher Plakate, die kann man hier gar nicht alle nennen. Aber haben wir diese Ermittlungsarbeit in diesen Fällen so massiv gehabt? Ich habe langsam den Eindruck unser Fußballverband ist eine Detektei. Wer bestimmt, welche Meinungen gegen wen geäußert werden dürfen und vor allem wie drastisch? Die Kritik an RB Leipzig ist in Teilen durchaus berechtigt (Financial Unfairplay für einen Aufsteiger, die Ersatzbank in Salzburg, aggressives Jugendscouting, Satzung/ Mitgliedschaft)! Allerdings sind sie nicht der einzige "Firmentrupp", der in der Bundesliga aktiv ist und die Doreens und Ricos sind wirklich das allerletzte Glied in dieser Kette. Denen kann man nicht vorwerfen, daß sie Fußball sehen wollen. Daher ist mein Wunsch, sämtlicher Protest wendet sich ausschließlich an den eigentlichen Verursacher DFB und an Mateschitz/ Clubvorstand.

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Ich habe eher den Verdacht, der DFB reagiert gerade in diesem Zusammenhang so empfindlich, weil er einerseits selbst (in)direkt Adresse der Wut oder Empörung der Fans ist. Er selbst hat die lächerliche Red Bull Logoänderung als Vereinswappen durchgewunken und damit den Spielbetrieb ermöglicht. Man kann nicht ausschließen, daß der Verband die durchaus erfolgreiche "Entwicklung" der Leipziger in dieser Region protegiert. Nachdem zunächst nach der Wende der Fußballosten abgewickelt wurde, macht es Sinn, dort einen finanziell sprudelden Quell für Nachwuchsarbeit zu etablieren. Frischfleisch für die Nationalmannschaft. Spätzle-Connection läßt grüßen.

Es ist für einen Außenstehenden einfach nicht einsichtig, nach welchen Kriterien der DFB Ermittlungen einleitet und Strafen verhängt. Und damit ist noch nicht mal die Frage geklärt, ob überhaupt Strafen verhängt werden müssen, solange es bei Wortgefechten bleibt. Da mag manchen vielleicht mal die Spucke wegbleiben, aber in der Regel konnten Vereine untereinander mit einer Stellungnahme reagieren und das Ding war vergessen. Inzwischen meint man es aber analog den "strengsten Eltern der Welt" mit dem strengsten Verband der Welt zu tun zu haben, der die aufmüpfigen Fans zur Raison rufen will. Das wird so jedenfalls nicht gelingen, da bin ich mir sicher. Und es ist auch richtig. Der DFB darf kritische Stimmen nicht wegdrängen, sondern muß sich auch den Vorwurf gefallen lassen, manch Entgleisung selbst zu provozieren. Aber ganz Lotusoberfläche perlt das ab. Stattdessen befinden sich die Fans in Stellvertreterauseinandersetzungen mit anderen Vereinen. Über den Sinn und Unsinn von Sippenhaft hat man sich schon den Mund fusselig geredet. Schießt am Ziel komplett vorbei. Es wird sich ereifert und "gereinigt", wo es nur geht. Jüngst wurde ein BVB-Fan beim Fantalk auf Sport1 in der 11Freunde-Bar in Essen vor laufenden Kameras von Neururer, Helmer und vor allem Basler rund gemacht. Der Fan hatte den von Aubameyang verschossenen Elfmeter im letzten CL-Spiel mit einem authentisch verärgerten "Idiot" quittiert. Nix großes. Auf Facebook wurden die kritischen Kommentare der User zu diesem Vorfall gelöscht. Zum Schreien natürlich, daß gerade Basler, selbst gerne ausfallend und beleidigend, hier ganz Hofdame war.

Für rassistische oder diskriminierende Äußerungen sind zweifelsohne Sanktionen Pflicht und selbstverständlich für Parolen, die unter §130StGb fallen.

Aber nicht nur das, für das kommende Rückspiel gegen PAOK in der EL wird den Schalker Fans von Vereinsseite ein Verhaltenskodex nahegelegt, um "nicht unnötig zu provozieren". Gegenstand der Kontroverse ist die Mazedonische Flagge "Stern von Vergina". Die Griechen erklären beharrlich Mazedonien zur Chefsache und rein griechischen Angelegenheit. Nun gibt es aber auch ein jugoslawisches Mazedonien. Und deren Flagge ist nun Störenfried im Auge der Gästefans. Schon bei einer letzten Begegnung kam es deshalb zu Ausschreitungen der eigenen Polizei gegen die Gelsenkirchener. Man hatte blind den Behauptungen der griech. Funktionäre vertraut und fand höchst unangemessene Methoden um gegen den dt. Anhang vorzugehen. UGE verbindet eine Freunschaft mit den Ultras von Varga Skopje. Nun haben aber Gerichte eindeutig geklärt, daß die Flagge absolut legal und nicht verfassungsfeindlich o.ä. ist. Auch da fragt man sich, wessen Befindlichkeiten Vorrang haben und wieso. Laut Augenzeugen war das Hinspiel für die Gästefans äußerst unerquicklich.

Aber es geht in die in diesem Blog nicht nur um Transparente. Inzwischen wird nach dem Spiel meiner Hertha gegen die Säbener NUR noch gegen meinen Verein ermittelt, wie der DFB heute mitteilte. Hier liegt der Fall etwas komplizierter. Hertha BSC hat in der regulären Spielzeit die Bayern durch ein Tor von Ibisevic 1:0 besiegt. Es gab bereits ein großes Raunen, als die Nachspielzeit (NSZ) von 5 Minuten angezeigt wurde. In der 2. HZ ist nichts vorgefallen, das diese ungewöhnlich lange NSZ rechtfertigt. Schon gar nicht, wenn man viele, viele Partien gesehen hat und hier nicht den üblichen Sitten und Gepflogenheiten entsprochen wurde. Ich weiß von zig Spielen, in deren 2. Durchgang Tore fielen und gewechselt wurde, am Ende standen die typischen trüben 2 Minuten. Immerhin da kam es zu einer "Verbesserung", heute werden in der Bundesliga 3-4 Minuten draufgeschlagen. Was den jungen Ittrich geritten hat, weiß niemand. Ich muß die ganze Zeit an einen engagierten Ausbildungsabsolventen denken, der dann in einen Betrieb kommt, der alltagstaugliche und pragmatische Nachbesserungen zur allseitigen Zufriedenheit getroffen hat und nun von einem hypergenauen Musterschüler heimgesucht wird, besonders temporär, wenn der Chef auftaucht. Nachspielzeit ist individuell und muß einen Bezug zu den Vorkommnissen in den 90 Minuten haben. Sie kann also nicht einheitlich sein, fragen wir unsere Freunde zur Vorwendezeit - EinheitsMielkeZeit bis der Favorit trifft. Am Samstag konnten wir von Glück reden, daß Lewandowski relativ zügig in der NACHnachspielzeit zum Ausgleich traf, sonst hätten wir womöglich unvorbereitet noch den Sonntag dort verbracht. Das Spiel wurde in der 97. Minute abgepfiffen. Der längsten NSZ seit detaillierter Aufzeichnung. Danach soll es zu Vorfällen gekommen sein, die nun den DFB veranlassen zu ermitteln. Frist für eine Stellungnahme von Vereinsseite gilt bis Montag.

Screenshot 2017-02-21 18.47.30Was war passiert? Große Aufregung natürlich. Zunächst hieß es, es werde gegen Ancelotti wegen eines gezeigten Stinkefingers ermittelt angeblich nach einer Spuckattacke. Und gegen Jarstein wegen eines Ballschusses, der (mutmaßlich unabsichtlich) Alonso traf. Die Gemüter und Medien kochten hoch, es gab hoch unsportliche Bemerkungen von den 2 bayerischen Oberkrämpfen Neuer und Müller. Beiden rate ich dringend, sich mit folgender Statistik zu beschäftigen statt weiter Säbener Fake News zu verbreiten. Dieses Duell wies die höchste Nettospielzeit aller Partien auf, der geballte Unsinn ist also obsolet und zeugt nur ein weiteres Mal von der natürlich hohen Geburt und Stellung des Rekordmeisters. Wie peinlich wäre da eine Niederlage gegen die Berliner Sorgenkinder gewesen, man erinnere, wie Neuer in der Schlußphase wie in einem Weltmeisterschaftsfinale mit nach vorne kam. Die Niederlage mußte verhindert werden. Auch sagt es einiges aus, wenn es zu dieser Nachspielzeit viele ironische Reaktionen gibt. Die des Postillon empfinde ich geradezu als Ritterschlag:

 

Screenshot 2017-02-21 18.40.18Screenshot 2017-02-21 18.41.03Stand heute ist nun, daß der DFB das Verfahren gegen Ancelotti eingestellt hat. Dafür reichte eine Stellungnahme und eine Spende von 5000€ an eine DFB-Stiftung. Interessant in diesem Zusammenhang ist allerdings folgendes: Bereitwillig wurde von der Presse und den TV-Medien Anecelottis Behauptung, er sei angespuckt worden übernommen. Dafür lagen und liegen bis dato keine Beweise vor, für den Stinkefinger schon. Bis die Vorfälle lückenlos aufgeklärt sind, haben die Medien mit entsprechender Sorgfalt zu berichten. Die Stimmung kochte hoch, denkbar wäre doch auch, daß Ancelotti arg beleidigt wurde, den Finger hob und im Affekt zu dieser Schutzbehauptung griff (ich erinnere an Nobert Meiers Gehirnerschütterung).

Ein erregter Fan kann auch Bier verkleckert haben. Ich sage explizit nicht Bierdusche. Wir reden von der Haupttribüne!, da sitzen auch Bayernfunktionäre neben unseren Anzugträgern. Soviel Emotion hätte ich denen gar nicht zugetraut. Und bis hierhin, um den Bogen zu schlagen, ist das für mich alles kein Drama: Es kocht hoch, man reagiert sich ab, gut ist! Man entschuldigt sich hinterher, packt was in die Vereinskasse. Fertig.

Aber was haben wir jetzt? Ein fragwürdiges Unentschieden und Ermittlungen nur gegen Hertha. Jarstein sollte wegen des Ballschusses aussagen, wurde aber schon Gelb verwarnt. Tatsachenentscheidung. Ermittelt wird also wegen angeblicher Spuckerei auf Ancelotti, den Schiedsrichter und "unsportliche Äußerungen" von Herthafunktionären gegen das Schiedsrichtergespann. Die können froh sein, daß sie mich nicht gehört haben. Wir haben also wieder ein #Schirigate 2.0!

Ich kann mir in etwa ausmalen wie die Ermittlungsergebnisse aussehen. Die strukturelle Vorgehensweise jetzt ähnelt sehr denen nach der Relegation. 1 Woche Zeit, sich für uns etwas zu überlegen. Und ob wir jemals Beweise sehen werden? Ancelotti ist jetzt in der Wahrnehmung der spendenfreudige Saubermann. Ich verlasse vorübergehend den Planeten! Auch, bis Menschen wieder bereit sind sich Auseinanderzusetzen und Anfeindungen auszuhalten. Der cleane Lieblingssport wird sonst auch die einholen, die meinen als Unberührbare im Stadion zu sitzen. Haben denn alle vergessen, wie hitzig das in vergangenen Jahrzehnten zuging? Und, es ging weiter.

Ha Ho He!

 

Montag, 20 Februar 2017 12:09

Von empörten Fans, Derbys und Ralf Rangnick

geschrieben von

747226 web R by Jan Claus pixelio.deEs gehört mittlerweile ja schon zum guten Ton, sich direkt mal zu entschuldigen für die Gewalt die Leipzig-Fans erlebt haben bei uns in Dortmund. Ich entschuldige mich aber für etwas, dass ich nicht getan habe aber tief verachte. Aber die mediale Welt verlangt es, denn die Schuld liegt eindeutig bei allen, sieht ja der DFB auch so.

Die Krönung war eine E-Mail, in der man mir eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung androhte? Ja klar, ich hätte mich von Ostfriesland durch das Stargate zur Roten Erde beamen sollen, um mit Laserwaffen die geworfenen Steine in Staub zu verwandeln. Sorry ging nicht, das Stargate war voll mit Idioten die solche E-Mails schreiben.

Derbys, Hoffenheim und Leipzig

Schauen wir auf die Derbys, finden wir viele Plakate mit „Tod und Hass" und trallala. Botschaften die klare Morddrohungen enthalten und für die es auch gleich passende Gesänge gibt. Die Medien brüllen Hurra, die Derbystimmung ist endlich da.

Und dann gab es mal das berühmte Spiel gegen Hoffenheim, als mein bester Freund Dietmar die alte Hoppe auf einem Doppelhalter mit Fadenkreuz abgebildet wurde. Ein Skandal brach aus, die Menschen im Fußball sprachen von einer neuen Welle der gewaltbereiten Fans. Okay hab ich mich damals gefragt, den Schalkern den Tod wünschen und offen von Hass sprechen ist Stimmung, aber ein Mäzen mit Bildchen anfeinden gleich gewaltbereite Fankacke?

Mittwoch, 14 Dezember 2016 13:32

Beim ersten Mal tat’s noch weh...

geschrieben von

Ok. Danach auch noch. Aber egal. Die meisten Menschen kommen früher oder später in ihrem Leben mal an den Punkt, eine Fernbeziehung führen. Laut einer Statistik von 2014 führt sogar jeder 8. in Deutschland eine. Der eine hat nen neuen Job, will vielleicht zur Familie zurück, muss sich um jemanden kümmern oder geht studieren. Was auch immer es ist: ES NERVT. So isses einfach, es is kacke. Keiner will es, aber man versucht es halt und manchmal funktioniert es. Klar ist: die Liebe leidet.

   eurofighter 6Mit den Anstoßzeiten in der Europaleague ist es so eine Sache: Zum frühen Termin müssen sich vor allem Arbeitnehmer durch den dichten Berufsverkehr im Ruhrpott hetzen, der späte sorgt für unausgeschlafene Gesichter am nächsten Tag. So standen die anreisenden königsblauen Autofahrer auch vor dem EL-Gruppenspiel des FC Schalke 04 gegen OGC Nizza aus allen Himmelsrichtungen kräftig im Stau; bei den ÖPNV-Nutzern sorgten zeitweise Störungen auf der "Arena-Linie" 302 für Verzögerungen. Zusammen ergab das eine beim Steigerlied nicht einmal halb gefüllte Arena und viel Gerenne, bis Stadionsprecher Dirk Oberschulte-Beckmann handgezählte 51.504 Zuschauer vermelden konnte. "Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast!" grinst ein Schalker angesichts der Tatsache, dass Schalker Zuschauerzahlen nahezu immer "zuuuufällig" auf 04 enden.

Kurz vor dem Anpfiff gibt es einen kräftigen Böller im Block der mitgereisten Nizza-Fans, die zuvor bereits in Buer gezündelt hatten. Dieser fungiert nur als Wecksignal für den Support der Nordkurve. WIR sind der Herr im Haus! Im Schalker Museum gibt es zudem eine Sonderausstellung zum 20jährigen Jubiläum der originalen Eurofighter zu bestaunen.

Auf dem Platz hat Chefcoach Markus Weinzierl seine Ankündigung, zu rotieren und dennoch eine siegeshungrige Schalker Elf aufzustellen, wortgetreu umgesetzt. Mit Keeper Ralf Fährmann, Abwehrhüne Naldo und Max Meyer sind lediglich drei Stammspieler in der Startformation, ansonsten spielt die zweite bzw. junge Garde. Thilo Kehrer und Bernard Tekpetey feiern ihr Startelfdebüt bei den Profis. Auch Gästecoach Lucien Favre hat sein Team verletzungsbedingt teilweise umbauen müssen, neben dem umstrittenen Stürmer Balotelli fehlt u. a. der etatmäßige Kapitän Baysse. Mit Belhanda steht ein ehemaliger Schalker Leihspieler auf dem Platz, auch Dantes Lockenkopf ist ein alter Bekannter aus der Bundesliga.

   eurofighter 2In der Anfangsphase passiert auf dem Rasen nicht sonderlich viel, die Fans singen sich mit dem Wechselgesang SCHALKE! - NULLVIER und "Um die halbe Welt sind wir gefahr'n" warm. Die erste Chance liegt dann allerdings bei den Gästen: Nach einer knappen Viertelstunde kann sich Ralf Fährmann bei der Querlatte bedanken, die einen strammen Distanzschuss von Donis abfängt. Seine Gegenüber im französischen Tor, Cardinale, hat weniger Glück. Er verfehlt einen abgefälschten Schuss von Max Meyer, Konoplyanka muss nur noch vollstrecken. Das 1:0 in der 14. Minute!

Die Nordkurve stellt prompt jubelnd in den "Eurofightermodus" um. "Steht auf, wenn Ihr Schalker seid!" und "Wir schlugen Roda..." dröhnt durch die Arena. Auch auf dem Feld geht es jetzt sichtlich beherzter zur Sache, zwingende Chancen gibt es trotzdem wenig. Bei einem Distanzschuss von Dalbert ist Fährmann hellwach und entschärft per Glanzparade (26.). Die körperbetonte Gangart der Gäste führt zudem zu ausgedehnten Behandlungspausen bei Tekpetey und Meyer.

Vor dem Pausenpfiff ertönen noch "Schalke, ich bin für dich geboren, ich hab mein Herz verloren..." und "Kämpfen und siegen" im Wechsel zwischen Unter- und Oberrang, dazu wird zur ATTACKE geblasen. In der Pause gibt es viele zufriedene Gesichter, dass selbst eine Schalker B-Elf nichts anbrennen lässt. "Sind die echt Tabellenführer der Ligue 1?!" staunt ein älterer Schalker am Imbissstand kauend. "Watt sind wir gut!"

   eurofighter 3Am Mikrofon begrüßt derweil Finanzvorstand Peter Peters die vom Verein eingeladenen Mitarbeiter der insolventen Wellpappe Gelsenkirchen. Auf den Rängen brandet anerkennender Applaus auf, als er versichert, dass dem FC Schalke 04 ihre  Schicksale nicht egal sind und die Mitarbeiter und ihre Kinder auch noch zu einer königsblauen Weihnachtsfeier eingeladen werden.  Zudem sind noch einige wenige Karten für das letzte Gruppenspiel bei RB Salzburg verfügbar, über 5.000 Karten wurden bereits abgesetzt. "Aber nur für Teetrinker" grienen Eingeweihte angesichts des veritablen Shitstorms, den der Salzburger Bürgermeister in dieser Woche mit der Ankündigung, man befürchte Chaos in der Stadt, weil Schalke-Fans nicht dafür bekannt seien, nur in Ruhe sitzend einen heißen Tee zu trinken, ausgelöst hatte.

Bei Wiederanpfiff kommt mit Fabian Reese für den am Sprunggelenk angeschlagenen Meyer ein weiterer Youngster auf den Platz, der sofort höchst motiviert zur Sache geht und keine 10 Minuten später das 2:0 auf dem Schlappen hat. Im Eifer des Gefechts trifft er aber frei vor dem leeren Tor nur den Außenpfosten. Trotzdem gibt es aufmunternden Applaus. "Der Junge brennt, datt wird schon!" Musikalisch begleitet wird das Geschehen auf dem Platz von "Schalke und der FCN", "Wenn wir unsre Stimme heben, sollst Du immer alles geben" und "Schalke, nur Du alleine, bist meine Liebe, mein ganzes Le-he-ben".

Die Gäste finden in dieser Phase kaum statt; Favre versucht daher, das Ruder mit einem Dreifachwechsel herumzureißen. Weinzierl kontert mit Geburtstagskind Nabil Bentaleb für Torschützen Konoplyanka. Der algerische Nationalspieler nimmt auch sofort das Heft in die Hand und zwingt Cardinale zu einer Glanzparade, liegt aber keine 20 Minuten später schmerzverzerrt vor der Nordkurve. "Einen Nasenbeinbruch zum Geburtstag bekommt auch nicht jeder!" kommentiert ein Schalker mitfühlend.

   eurofighter 4Noch während er behandelt wird, strauchelt Tekpetey bei einem Laufduell mit Koziello an der Strafraumgrenze, Aogo vollstreckt den Elfmeter zum 2:0 (80.). Der Drops ist gelutscht! In der Nordkurve gehen Eurofighterschals und -transparente hoch. "Gelsenkirchen Schalke 1904, für deine Farben leben und sterben wir..." und natürlich der Eurofightersong sind das Gebot der Stunde. 

Für Bentaleb gibt der von vielen Schalkern mit Spannung erwartete Avdijaj sein Debüt, kann sich aber in der kurzen Zeit nicht mehr auszeichnen. Ralf Fährmann hingegen bekommt noch eine Gelegenheit, sein ganzes Können zu zeigen, als er per Flugparade einen tückischen Weitschuss von Donis am Pfosten vorbeilenkt. In der Nachspielzeit gibt es dann noch helle Aufregung im Strafraum des OGC, als Cardinale und Tekpetey nach einem Zusammenprall beide am Boden liegenbleiben und sich die Gemüter erhitzen. Das insgesamt souveräne aserbaidschanische Schiedsrichterteam verteilt salomonisch zwei gelbe Karten an die Kontrahenten, für den vorbelasteten Tekpetey bedeutet das Gelb-Rot. Der "Sünder" schleicht bedröppelt vom Platz und kann auch vom anerkennenden Applaus des Publikums nicht getröstet werden.

   eurofighter 7Die Zeit bis zum Schlusspfiff wird mit "Oho international, Schalke international, die Eurofighter sind wieder da", dem Schalkewalzer und natürlich "Königsblaue Eurofighter sind Europas Spitzenreiter" überbrückt. 5 Siege in 5 internationalen Spielen ist ein neuer Vereinsrekord; dazu kommt die äußerst beruhigende Erkenntnis, dass die Mannschaft das System von Trainer Weinzierl mittlerweile so gut verinnerlicht hat, dass es selbst bei fast vollständiger Rotation keine Konzentrations- und Abstimmungsprobleme gibt. Dementsprechend gutgelaunt werden die "Blitztabelle" und die Mannschaft auf Ehrenrunde beklatscht. Dennis Aogo legt vor der Gegengerade noch einen kleinen Striptease hin und erfreut die Damen mit seinem Oberkörper und einen kleinen Fan mit seinem Trikot.

   eurofighter 8Manager Christian Heidel freut sich über die "weiße Weste" und das wettbewerbsübergreifend elfte ungeschlagene Spiel in Serie. "Es hat Spaß gemacht, den Jungs zuzuschauen. Im Vorfeld haben sich viele gefragt, ob Sinn macht, in einem internationalen Wettbewerb so viele junge Spieler einzusetzen. Die Jungs haben auf dem Platz die richtige Antwort gegeben (...). Wir sind in der Lage, zu rotieren und auf mehreren Positionen umzustellen. Wir haben trotz der vielen Wechsel alle Spiele gewonnen. Das zeigt, dass der Kader in der Breite in Ordnung ist."

Bereits am Sonntag geht es gegen den SV Darmstadt 98 weiter. Die Chancen auf die Fortsetzung der Schalker Siegesserie stehen nicht schlecht...

Blau-weiße Grüße
Susanne Blondundblau

Mehr Fotos vom Spiel gibt es bei Interesse hier