So26Mar2017

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Donnerstag, 12 Februar 2015 12:34

Machte schon Sinn

geschrieben von

Beitrag zur Blogparade #daserstemalimstadion von elfgegenelf.de

Mit der WM 1986 hatte mich Fußball endgültig angefixt. Ich schaute dann auch jede Woche in die Sonntagszeitung, wie der damals zweitklassige Verein meiner Heimatstadt, Arminia Bielefeld, denn gespielt hatte. Ein Spieler namens Westerwinter traf so gut wie immer, trotzdem wurde oft verloren. Doch das Interesse wuchs und irgendwann waren die Ergebnisse dann auch nicht mehr egal. Ich wußte nicht, daß Arminia anderthalb Jahre vorher nach fünf Jahren Bundesliga abgestiegen war. Ich wußte auch nicht, mit welchen Folgeschäden der Abstieg verbunden war. Mit knapp elf Jahren war ich also jung und unbedarft genug, um Fan dieses alles andere als nervenschonenden Clubs zu werden.

Montag, 09 Februar 2015 18:23

Fortuna Köln gegen Arminia

geschrieben von

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FKDSC01„För Üch do.“. Was so aussieht wie niedergeschriebener Krampfhusten, ist Kölsch. Nein, kein alkoholfreies Gaffel, der Dialekt. Auf marketing-arminisch übersetzt heißt das: „#immerdabei“. In der Sprache des gestrigen ostwestfälischen Gästeblocks heißt das: „MannMannMannDo, ey, nääää...“. Also mal wieder nach Köln. Zur Fortuna. Ins Südstadion. „Was’n das für’n Topf...“, heißt es vor dem Eingang. Das Südstadion erinnert eine größere und ältere Rußheide. Die Flutlichtmasten, die angerosteten Zäune und der erodierte Beton vermitteln eine Atmosphäre irgendwo zwischen Stadtteil-Sportfest und 80er-Jahre-Fußball.

Donnerstag, 05 Februar 2015 19:49

Der lange Weg zum neuen Stadion

geschrieben von

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Ja. Es ist geschafft, es ist vollbracht. Die Freiburger Wählerschaft hat entschieden. Ein neues Stadion kommt. Die unendliche Geschichte nimmt ein glückliches Ende, zumindest für die 58,2%, die mit "Ja", und damit für den Bau eines neuen Stadions am Flugplatz gestimmt haben. Einzig der Stadtteil, in dem das Stadion entstehen wird, stimmte dagegen. Erstaunlich. Vermeintliche Kenner der Freiburger Wählerschaft gingen von einem knapperen Entscheid aus. Freiburg ist nämlich bekannt für seine detaillierte Meinungsbildung. Hier soll es vorkommen, dass Bürgerinitiativen gegründet werden bevor irgendwas geplant ist. Und wenn dann was geplant wird, muss erst mal der Plan in Frage gestellt werden, bevor man die Grundidee auseinandernimmt. Man bewegt sich hier gerne und oft zwischen den Stühlen kreisend, bis auch der letzte Grashalm auf Linie, mindestens ein Mal umgedreht wurde.

Die Stadionfrage hatte es in sich,  das Potential die Stadt in tiefe Gräben zu spalten, mittlerweile zeichnet sich ein versöhnliches Ende ab. Die ersten Gegner-Initiativen werden, trotz Ankündigungen, von Klagen absehen und geben sich nach zahlreichen Fehltritten im Wahlkampf nun dem Mehrheitsentscheid einsichtig geschlagen. Was nicht heißen soll, dass sie verloren haben, denn das neue Stadion kann man durchaus als gewinnbringende Chance begreifen. Das haben nach zähem Ringen mit sich selbst und dem Verein die aktiven Fans schon länger erkannt.

Als die ersten Diskussionen über ein neues Stadion vor ungefähr sechs Jahren erstmals publik wurden, war der Aufschrei groß. Das geliebte Dreisamstadion, in und mit dem die meisten Szenevertreter aufgewachsen sind, aufgeben? Niemals! Doch schon während die erste Protestwelle anlief, wuchs die Erkenntnis, dass ein stures Verneinen von Dringlichkeiten letztlich dem eigenen Verein auf Dauer keine Perspektive im Profifußball bietet.

Für eingefleischte Fans eine verdammt schwierige Lage. Da ist das traditionelle Wohnzimmer, für die meisten der Geburtsort ihrer Leidenschaft, da ist dieses charmante – zugegeben dilettantisch, vom unterirdischen Gästeblock mal ganz abgesehen  – zusammengepuzzelte Stadion am ewig dahinplätschernden Stadtfluß, da ist das Tor zum Schwarzwald umgeben von einladenden Bergen  inmitten einem fußballbegeistertem Wohngebiet. Da ist dieses erhebende Gefühl, wenn man sich dem Stadion nur nähert, dieses jedes Mal einzigartige, wenn sich Stadiondüfte in den Nebenstrassen verfangen, die Flutlichtmasten wie Leuchttürme aus einem Häusermeer den Weg zeigen, wenn sich das Plätschern der Dreisam zu Stadiongesängen wandelt – dann weiß man, das zu Hause ist nicht mehr weit. Das Flair gibt so einzigartig nur das  Dreisamstadion her. Auf der anderen Seite erwachte da die Sorge, der SCF könne gänzlich auf Dauer von der Profi-Fußballlandkarte in Deutschland verschwinden. Da hat man so viel erreicht und das alles soll wegen eines zu kurzen Platzes in Frage gestellt werden? Dann lieber doch umziehen und dabei möglichst man selbst bleiben?

Nachdem alle Eventualitäten, zu dem Zeitpunkt noch mit dem Fokus auf den Umbau des Dreisamstadions, durchgesponnen wurden, war klar, dass man um ein Neubau nicht herumkommen würde. Ab sofort wurde sich in der immer intensiver geführten Stadionfrage darum bemüht seine Vorstellungen einzubringen.  Als einer der ersten gründeten die aktiven Fans eine Pro-Stadion-Initiative (stadion-infreiburg.de), von Beginn an mit der bedingungslosen Forderung, dass das Stadion in den Gemarkungen der Stadt Freiburg liegen muss. Möglichst zentrumsnah, leicht per ÖPNV, Fahrrad und per pedes erreichbar. "In einem 0815-Stadion vor den Toren der Stadt, treten nur Nutten sich die Füße platt" machte die Runde, erste Positionspapiere, in denen zunehmend konkreter formuliert wurde was ein neues Stadion hergeben muss, wurden erstellt, Diskussionsgruppen gaben sich die Klinke in die Hand. Fortan stand das Thema Stadion ganz oben auf allen Fahnen der aktiven Fangruppen.  Ein hartes Nein wich zügig absoluter Zustimmung.

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Gern unterstellt man ja leidenschaftlichen Fans, insbesondere Ultras, die Unfähigkeit zum Gedankenwandel und perspektivischem Denken. Bedingungslose Leidenschaft bedeutet aber eben nicht sich Neuerungen zu verschließen, wenn sie zum Wohl des Vereins gereichen. Passen müssen sie halt. Keiner hat es sich leicht gemacht, für nicht wenige war es eine Gewissensfrage. So überspitz das klingen mag, war es doch immer auch eine Frage über die Zukunft des SCF, und damit auch eine über die ganz eigene Fanbiografie gewesen. Man war emotional gefangen, hin- und hergerissen, wägte zwischen Pro- und Contra ab. Zwischen Tradition und Existenz, zwischen Profifußball und einfach nur Verein sein. Irgendwann ist dann wohl bei jedem die Erkenntnis gereift, dass sich Alternativen zu verweigern mindestens Stillstand an allen Fronten bedeutet hätte.

Der schmale Grat der Authentizität im Business ist bekanntlich ein verflucht enger. Seine Seele für die bloße Existenz zu verkaufen ist mehr als nur grenzwertig. Weder der SCF noch seine Fans wollen das.  Da der Verein Transparenz in der Stadionplanung versprach und Mitsprache zugesichert hat, war die S-Frage für die Aktiven entschieden und folglich im Höchstmaß unterstützenswert. Einsicht, Vernunft, und die Aussicht auf Mitbestimmung führten freiwillig zur Läuterung und dem geschlossen Gang zur "JA"-Urne. So oder so ähnlich kann man sich den bemerkenswerten Sinneswandel in der Freiburger Szene erklären.

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Nun sind die Würfel also gefallen, das Augenmerk richtet sich nach dem Punktsieg auf die Planungen. Vor 2019 wird es wohl noch kein neues Stadion geben, dazu mahlen die Mühlen zu behäbig in Freiburg. Teuer darf es nicht werden, gewöhnlich aber auch nicht, der Geist des Vereins soll sich im neuen Stadion spiegeln, Fans sollen mitbestimmen können. Hohe Hürden für ein Projekt, dass am Ende denen gefallen sollte, die es mit Leben füllen. Wirtschaftlich funktionieren muss es auch. Wichtig wird im Planungsprozess, ähnlich wie im Wahlkampf, die Kommunikation, der Austausch zwischen den Fans und dem Verein sein. Die Fans haben mächtig die Werbetrommel beim Stimmenfang gerührt, haben den SCF unterstützt und Präsenz gezeigt wo sie nur konnten. Nun ist der Verein am Zug und sollte bereits in der Planungsphase seine Fans in die Beratungen mit einbeziehen. Erste "Wunschlisten" befinden sich in Arbeit. 

Montag, 02 Februar 2015 16:01

Wenn auf Schalke die Lichter ausgehen

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Dunkelheit. Menschenleere Gänge. Totenstille in der Nordkurve….  Was auf den ersten Blick aussieht wie eine W*chsvorlage für Fehlfarbene, ist ein interessanter nächtlicher Blick hinter die Kulissen unserer Arena. Noch bis März bietet der Verein die Arenaführung als „Nacht-Spezialausgabe“ an – und selbst für „alte Arenahasen“ wie mich gibt es noch Aspekte zu entdecken, die ich noch nicht vom „geilsten Club der Welt“ wusste.   

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Startschuss ist natürlich pünktlich um 19.04 Uhr im Schalke-Museum, wo es nicht nur Pokale und Trophäen – sogar eine Replik der 1958er-Salatschüssel -, sondern viele, viele Erinnerungsstücke aus rund 111 Jahren königsblauer Geschichte zu bestaunen gibt. Der Lederkoffer, den es als Meisterprämie 1934 gab, ist ebenso zu sehen wie die Jahrhundertelf und die Fußabdrücke der Eurofighter. Historische Zeitungsausschnitte, Spielplakate, Trikots und allerfeinster Gelsenkirchener Barock versetzen uns schnell in die Vergangenheit der Knappen, während die Kremers-Zwillinge,  Stan Libuda und Raul aus den Vitrinen lächeln.

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Zum Anpfiff gibt’s erst einmal ein Schnäpschen und den Imagefilm zur Jahreskampagne „1.000 Freunde, unzählige Kumpel“ – und der erste Aha-Effekt: Die Verdunkelung der Arena beim „Steigerlied“ vor Abendspielen kostet den FC Schalke jedes Mal 25.000 € Strafe, aber das ist die Atmosphäre laut Sportvorstand Horst Heldt allemal wert…

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Nach einem kurzen Schlenker durch das Museum und einer Verbeugung vor Stan Libuda, der „ein absoluter Familienmensch“ gewesen sei und deshalb durch abträgliche Bemerkungen seines Gegenspielers leicht aus der Fassung zu bringen war, folgen Originalaufnahmen aus dem Trainingslager in Freienohl 1934 – dieser Schatz wurde vor kurzem im Keller eines Hauses in Wattenscheid gefunden! Man sieht Kuzorra & Co nicht nur beim Zirkeltraining auf einem wahren Acker von Wiese, sondern auch bei neckischen Trinkspielchen, beim Bockspringen und beim „Popoklatschen“, wo das Opfer dann raten musste, welcher seiner Kumpels gerade zugeschlagen hatte… Und alle grinsen fröhlich in die Kamera - ich sach ma so: Heutzutage hätten die Jungs bestimmt einen geilen Facebook-Account.   

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Danach klettern wir die Treppen hoch, um von der oberen Promenade den Blick auf das nächtliche Gelsenkirchen zu genießen. Ein kleiner Schnelldurchlauf durch die Geschichte des Stadtteils Schalke (Heinrich von Schalke und Friedrich Grillo lassen grüßen) und eine weitere Neuigkeit: Wo heute Schalke draufsteht, war nicht immer Schalke drin: Ein Teil des „alten“ Schalke ist heute Feldmark, dafür hat sich das heutige Schalke Teile von Hessler und Bismarck unter den Nagel gerissen. Und die Glückaufkampfbahn befindet sich streng genommen in der Gemarkung Heßler, die Arena in Erle…

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Auch die dunklen Zeiten werden nicht ausgespart, unser Tourguide erklärt, dass Fritz Szepan trotz großer Verdienste für den Verein nie mit einer Straße auf dem Vereinsgelände geehrt werden wird, weil er im Zuge der „Arisierung“ von der Übernahme des jüdischen Kaufhauses Julius Rode und Co. profitierte. An den Gesichtern vieler Zuhörer unserer Gruppe ist zu erkennen, dass ihnen dieser Teil der Vereinsgeschichte völlig unbekannt war… Dafür haben wir tatsächlich zwei ehemalige Kumpel in unseren Reihen, die bestätigen können, dass der Knochenjob unter Tage mit Leistungssport kaum vereinbar ist. Nicht umsonst sagte Ernst Kuzorra einmal, die Kohle, die er gefördert habe, reiche nicht einmal aus, um ein Erbsengericht warm zu machen.

Eine weitere Neuigkeit für mich: Nach dem Krieg soll kurz nach einem Derby ein Teil der Tribüne der Glückaufkampfbahn eingestürzt sein, leider habe ich dazu keine Quellen gefunden. Vielleicht kann mir ja der eine oder andere echte Gelsenkirchener unter den Lesern weiterhelfen?

Beeindruckend auf jeden Fall die Zahlen: Bis zu 70.000 Zuschauer tummelten sich in der eigentlich gerade einmal für die Hälfte ausgelegten Spielstätte, die Menschenmenge stand nicht nur bis an die Seitenlinien, einige Jungs saßen sogar auf dem Querbalken des Tors! Da hat man als Schalker heutzutage doch mehr Platz: Alleine das Arena-Gelände umfasst rund 150.000 m², das gesamte Vereinsgelände auf dem Berger Feld gar eine Million Quadratmeter! Und dort gab es früher nicht nur Bergbau (was bisweilen zu einem Absacken des Geländes führt, bislang aber zum Glück gleichmäßig), sondern auch einen Flugplatz und Landwirtschaft.

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Danach geht es dann endlich in den Innenraum, unsere „Arena-Jungfrauen“ – ja, es gibt tatsächlich noch Schalkesympathisanten, die noch nie (!!!) im Tempel waren – staunen aus Block 74 ins Stadion. Ich staune auch, welche fast gespenstische Atmosphäre ein vollkommen menschenleeres, abgedunkeltes Stadion ausstrahlt. Und es ist gefühlte 10 Grad kälter, als wenn neben Dir 60.000 weitere Schalker atmen, schreien, singen, leben.

Übrigens ist Norden nicht gleich Norden, in Gelsenkirchen kann auch Osten Norden sein – die „Nordkurve“ liegt im Osten der Arena, die Haupttribüne zeigt nach Norden. Angeblich soll Rudi Assauer beim Bau der Arena gesagt haben „Ich will aber, dass DA Norden ist!“ Der Drang in die Nordkurve stamme übrigens noch aus GAK-Zeiten, die bekanntlich nördlich von Schalke lag, so dass sich der heimatbewusste Schalker dort in die Nordkurve stellen musste, um südlich nach Schalke, Richtung Schalker Markt und Grenzstraße schauen zu können…

In allerbestem Ruhrpottisch bedeutet übrigens „auf“ nach oben oder etwas Positives („auf Zeche, auf Schalke“), „nach“ hingegen bezeichnet eine weniger erstrebenswerte Richtung – nach’m Steiger, nache Schwiegermutter, nach Lüdenscheid.

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Anschließend kehren wir gedanklich und tatsächlich wieder ins heutige Schalke zurück und stärken uns bei einem Pils im Quader am Haupteingang für die „Unterwelt“ der Arena: Vorbei an den Ehrenspielführern besuchen wir zunächst das Medienzentrum, wo die wöchentliche Pressekonferenz stattfindet, dann geht es in die Kabine. Alles blau und weiß, überall hängen großformatige Bilder mit Schalker Legenden, ein markiger Spruch nach dem anderen, aber erfreulich wenig überflüssiger Pomp.

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Mein persönliches Highlight ist dann der neue Stollen-Spielertunnel, der optisch wirklich absolut außergewöhnlich ist – man darf nur nicht klopfen, dann merkt man schnell, dass die Kohle zwar unter den Füßen, der Gips aber an den Wänden ist… Da ich aber stark vermute, dass die Spieler dort Besseres zu tun haben als die Wände abzutasten, kann ich nur sagen: GElungen!

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Am Rande des Spielfelds sind bereits die Kameras aufgebaut, wir staunen über den schlechten Zustand des Rasens – Betreten des Platzes strengstens verboten – und eine ältere Dame bedauert di Matteo, weil er auf der Trainerbank bestimmt „einen kalten Popo bekommt!“ Danach nehmen wir den Weg, den die Spieler nach dem Spiel auch gehen - nach rund zweieinhalb kurzweiligen Stunden ist unsere Tour zu Ende. Wer möchte, kann die Tour hier noch einmal nachverfolgen, im März sind auch noch Plätze frei.

Blau-weiße Grüße

Susanne Blondundblau

 

Donnerstag, 29 Januar 2015 12:11

Prontra Pyro – Ein Streitgespräch

geschrieben von

Kommentarspalte, Wohnzimmer, Social-Media-Gruppe, Tribüne, Konferenzsaal. Verbände mit Fans, Alt mit Jung, Sitzer mit Steher, Bourgeoisie mit Anarchie, Troll mit Troll. Wie auch immer: Pro Pyrotechnik - contra Pyrotechnik. Prontra Pyrotechnik. Eine Debatte, wie sie immer verlaufen ist, immer verläuft und immer verlaufen wird.

 

Dienstag, 20 Januar 2015 23:19

Neuer Ligaverband eine Utopie oder ein Muss?

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Na, geht euch die zunehmende Kommerzialisierung im Profifußball auch so auf den Geist? Nerven euch überteuerte Eintrittskarten? Stört ihr euch an der Eventisierung des Fußballs, die ein Verband forciert, der sich Moral und Fair Play auf die Fahnen schreibt, aber null vorlebt? Habt ihr auch kein Bock mehr euch von einem grauen, Rolex tragenden Alt-Herren-Club euren Sport diktieren zu lassen? Regt euch die Doppelmoral in politischen und fankulturellen Fragen des Deutschen-Fußball-Bundes (DFB) und seiner Erfüllungsgehilfin Deutsche Fußball Liga GmbH (DFL) auf? Und das alles geht euch schon seit Jahren Kritik brutal gegen den Strich, erst Recht weil sich nichts zum positiven ändert, im Gegenteil, sogar noch schlimmer wird?

Warum  also nicht mal ernsthaft die nicht neue Idee eines Alternativverbandes, ähnlich wie es die im Boxen gibt, angehen? Es mehren sich zumindest die Anzeichen, dass von vielen eingefleischten Fußball-Fans in diese Richtung gedacht wird. Der Zuschauerzuspruch der Amateurligen oder die Gründung eigenständiger, von Fans getragenen Vereinen wie dem Hamburger Fußball-Club Falke e.V. (Ableger des HSV), sprechen dafür. So diffus und utopisch ein Wunsch nach anderen Organisationsformen klingen mag: Es gibt in der deutschen Sportgeschichte Beispiele dafür, dass Alternativverbände funktionieren können. 40 Jahre lang existierte etwa der 1893 gegründete Arbeiter-Turn- und Sportbund (ATSB), der in Konkurrenz zum DFB einen eigenen Spielbetrieb organisierte und sogar eine eigene Nationalmannschaft hatte. Vorfahren von Beckenbauer und Seeler kickten da mit. Der Arbeitersport war eine Alternative zum vorherrschenden Gedankengut. Er war das große Korrektiv des bürgerlichen Sports gewesen. So etwas fehlt heute gänzlich. Die deutschlandweit vertretenen Kicker der bunten Ligen sind zwar unabhängig, spielen sie aber doch meist für sich.

Es müsste ein Verband mit eigenem Ligasystem sein, der sich auf ähnliche Weise ideologisch vom DFB absetzt wie einst der Arbeiterfußball. Ein Verband, der organisierend, nicht bestimmend tätig ist, einer, der die Werte, die den Volkssport Fußball groß gemacht haben, wieder in die gesunde Mitte von Kommerz und Tradition verortet. Einer, der den Amateursport fördert, statt ihm sukzessive  –  zum Beispiel durch überschneidende Anstosszeiten – die Basis zu rauben. Ein Verband, mit dem man sich als Fußballliebender wieder identifizieren kann ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen, weil die Maschinerie mal wieder ein Stück Fußballseele zu Gunsten von Profit verkauft hat.  Natürlich wird man ganz ohne professionelle Strukturen nicht auskommen. Fußballplätze kosten nun mal Geld, ein Ligensystem zu verwalten auch, usw., dennoch ist die Idee eines Anti-DFB Entwurfs zum Wohle des Fußballs nicht so abwegig wie sie sich auf den ersten Blick anhören mag.

Böte sie genau den Spielraum, den sich viele Fans (zurück) wünschen. Freiheit und Ehrlichkeit. Der Witz beim Fußball liegt doch gerade in der Einfachheit seines Regelwerks, alles was darüber hinausgeht ist Zugabe. Insofern obliegt es an uns Fans ob wir dieses Spiel nach immer Mehr weiter dauerklatschend begleiten wollen.  Wenn schon kein Protest fruchtet sollte man sich wirklich  konstruktive Gedanken zu echten Alternativen machen. Schließlich lieben wir diesen Sport und sind wohl die letzten, die ihn in Händen von profitierenden Fachfremden sehen wollen, die ihn zu ihren Gunsten missbrauchen. Mitnichten. Dafür lieben wir unseren Sport, unseren Verein zu sehr, als das wir ihn auf bloßen Kommerz komm raus an die Wand fahren lassen sehen wollen. Hier gibt es Grenzen und die sind bald erreicht. Zockern beim Zocken zuschauen, gar zu supporten, nach ihren Regeln tanzend auch noch zu bezahlen, macht auf Dauer keinen Spaß mehr.

Warum also nicht das Herz in die Hand nehmen und den Fußball wieder in die Bahnen lenken, wo er hingehört. In unsere Richtung. Utopie bleibt nur das was keiner anpackt.

In dem Sinne: Pro neuer Ligaverband!

 

Donnerstag, 15 Januar 2015 12:48

Die Weltklasse zu Gast – zu Gast bei der Weltklasse

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Winterpause – Budenzauberzeit! Vier Bundesligisten und vier internationale Champions League-Teilnehmer am Start! In der Sporthalle eines Breitensportvereins! Das verspricht tolle Atmosphäre und leckere Verpflegung, oder um es mit Randy Savage zu sagen: „Ooouuuh yeah!“. Und natürlich verspricht es auch tollen Sport, oder um es mit einem Zuschauer zu sagen: „Die Langhaarige ist richtig gut.“. Die Aussage mag mit Hinblick auf ein Frauenfußballturnier etwas allgemein erscheinen, beschreibt aber durchaus treffend das Niveau der zwei Tage Hallenballsport.

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Der Apfel ist eine köstliche, heimische Frucht mit starker Symbolkraft. Ich liebe Äpfel sehr und es hat gute 20 Jahre gebraucht, bis ich trotz einer Allergie im Jahr 2014 endlich wieder welche essen konnte - alte Sorten aus dem Umland! Wie habe ich die vermißt. Es war ein Highlight des vergangenen Jahres. Normalerweise ist mein Lieblingsverein für solche Akzente im Alltag zuständig. Davon kann hier aber nicht die Rede sein.

Sportlich war 2014 ein unterirdisches Jahr für jeden Hertha-Fan. In diversen Foren mögen es einige nicht, wenn man die Rückrunde der Saison 13/14 mit der Hinrunde 14/15 in einen Erlebnistopf wirft. Ich verstehe das, gehöre aber selbst zu den Vertretern, die beide Halbserien in einen Zusammenhang setzen wollen. Nach einer hervorragenden Aufsteigerhinrunde folgte eine ernüchternde Rückrunde. Keine Frage, wir haben zu Beginn einen erfrischenden, flinken Fußball geboten, der sicherlich kräftezehrend sein würde und dann tatsächlich durch verletzungsbedingte Ausfälle unserer Kreativabteilung abgewürgt wurde (Baumjohann verletzte sich schon früh erneut sehr schwer, es folgte Cigerci, der gerade Fahrt aufnahm und sein Potential zeigte). Von einem veritablen 6. Platz der Hinrundentabelle ging es im freien Fall auf den 17. Platz in der Rückrundentabelle. Wir waren Aufsteiger und haben unser Saisonziel erreicht - Klassenerhalt! Natürlich ist es legitim, sich zunächst damit zufriedenzugeben, wenn nicht gar zu freuen. Es ist aber auch legitim, darin schon gewisse Vorboten für die Folgesaison auszumachen. Und erst recht ist es legitim, in der Rückschau zu erkennen, daß es in der Winterpause 13/14 interne Vorfälle gegeben haben muß, die dem starken Mannschaftsgefüge Schaden bereitet haben. Inwieweit die Lolitageschichte und Ausmusterung einzelner Spieler zu Saisonbeginn noch nachhallten und in die Rückrunde reinstrahlten mag eine Frage sein. Vielleicht hat die Mannschaft wirklich nur zuviel Aufwand in der Hinrunde betrieben und das Schicksal aller Aufsteiger geteilt, den Tribut dafür in der Rückrunde zu zahlen. Vielleicht auch nicht. Ich kann mir nicht helfen, ich hatte immer das Gefühl, dieser Absturz sei mit Aufwand und Verletzungspech allein nicht zu erklären. Es ist zumeist die Art und Weise, wie Niederlagen zustande kommen, die einen stutzig machen. Nun ja, Fühlen heißt Nicht-Wissen.

In der Sommerpause haben wir das Transferfenster weit geöffnet und mächtig gelüftet. Viele Spieler gingen, viele Spieler kamen neu zur Mannschaft - darunter einige Knaller. Preetz schaffte es unter anderem große Namen nach Berlin zu lotsen. Stocker, Heitinga, Kalou... Es wurde damit auf die Defizite und Verletzungssorgen reagiert. Der Kader war breit aufgestellt und nominell absolut konkurrenzfähig, um die Saison im gesicherten Mittelfeld zu bestehen und gut 5, 6, 7 Mannschaften hinter sich lassen zu können. Natürlich weiß jeder Fanprofi, daß die 2. Saison nach Aufstieg die härtere ist und die neuen Mitspieler erst in die Mannschaft integriert werden müssen. Die Verletzungssorgen blieben uns treu und gewiß war es manchmal nicht einfach, eine geeignete Startelf zu finden. Aber wurde sie auch wirklich gesucht?

Ich komme zurück auf die Äpfel. Den bekanntesten Apfel - dem, vom sogenannten biblischen Baum der Erkenntnis. Meiner ganz persönlichen Erkenntnis - es hat keinen Sinn mehr mit Luhukay! In meinem letzten Blog habe ich schon für mich herausgefunden, daß ich mit diesem Trainer keine Erwartungen und Träume bezüglich Hertha mehr haben kann. Inzwischen hat sich nach meiner Einschätzung die Lage sogar noch verschlechtert. Ich habe jegliches Vertrauen in die Arbeit und Entscheidungen des Trainers verloren. Trotz unserer Verletzungsmisere finde ich, daß wir dennoch eine recht passable Mannschaft auf den Platz stellen könnten. Aber es passiert nicht. Im Gegenteil, ich könnte einige Beispiele aufzählen, in denen ich die Spiele regelrecht vercoacht finde (SGE!!, DSC, S04, TSG) oder mich frage, worin genau die Vorgaben des Trainers bestehen. Wir müssen auswärts nicht das Spiel machen. Die Frage Schieber oder Kalou stellt sich mir nicht - beide, denn er kann sowohl auf den Flügel oder die 10. Welches Konzept und welche Taktik soll eine bestimmte Startelf umsetzen, um den Gegner in die Knie zu zwingen? Wir haben Spieler verpflichtet, die mehr mit dem Konzept Bankdrücken vertraut sind, als gut sein kann. Ich gehe noch weiter, es gibt Spieler, die regelrecht mit Nichtwürdigung gedemütigt werden. Wenn man sich zu einem Pralinchenposten durchringen kann, dann MUSS man erst recht einen Kalou bringen. Dieser Mann hat quasi auf der Bank sitzend 5 Tore geschossen! Stocker ist ein anderes Beispiel, bis zur Zermürbung hat er die Grashalme des Amateurstadions kennengelernt. Und und und, stets werden Trainingsrückstände geltend gemacht oder gar keine Gründe. In unserer größten 10er-Not wurde stur und stoisch Hany Mukhtar nicht beachtet. Daß es trotz größter Personalsorgen mit bestimmten Spielern nicht einmal versucht wird, erschließt sich mir nicht. Es werden Spieler auf ungeliebte Positionen verbannt, obwohl eine alternative Aufteilung möglich wäre, bei der sie eben genau ihre Stärken haben und ausspielen könnten. Unterläuft einem jungen Spieler ein Fehler, findet er sich auf der Motivationsbank wieder oder wird gar öffentlich demontiert. Welche Signale werden da an die Spieler selbst, die Kollegen oder Fans gesendet? Es erschließt sich mir aber, wenn diese Spieler unzufrieden sind und dies nach außen transportieren. Es erschließt sich mir, wenn ich eine verunsicherte Mannschaft auf dem Platz sehe. Es erschließt sich mir, wenn ideenlose Individuen über den Platz streifen. Was ich da sehe, sind keine Fußballsöldnermillionäre die mal kämpfen und siegen sollten. Was ich da sehe sind glattgebürstete, zurechtgestutzte Buben. Keine Entgleisungen, kein Risiko. Weder persönliche Entgleisungen bei den Spielern, noch auf dem Rasen. Das einmal gewählte taktische Konzept wird durchgezogen, wo man sich auf den Rängen Risikobereitschaft wünscht. Der Hindukusch wird immer noch am gegnerischen Strafraum verteidigt.

Das bringt mich wieder zur alten Apfelsorte "Der Fisch stinkt immer vom Kopf".

Ich habe nach großer, sehr großer, Skepsis mich dahingearbeitet, Preetz' Arbeit zuweilen sogar gut zu finden. Was er wirklich, wirklich gut macht, sind seine absoluten Stillschweigen-Transfers. Und in der Babbel-Nummer war er einwandfrei - Respekt Langer! Jetzt kommen die Aber. Zunächst einmal, muß ich zugeben, daß der erste Fehler bereits bei mir lag: Nach all dem Tohuwabohu habe ich sehnsüchtig die Brille der Ruhe und Kontinuität aufgesetzt. Ich bin auf diesen JLu-Zug aufgesprungen, bereitwillig und habe das Glas immer sehr halbvoll gefunden. Nüchtern betrachtet hätte man schon damals sagen und sehen können, daß jeder Trainer mit dieser Mannschaft aufgestiegen wäre. Solide Arbeit einfach, nicht hervorragende. Der Ruhestifter ist dem Provinzcalvinisten gewichen. Ich habe also selbst viele Sehnsüchte hineininterpretiert und diese Entwicklung Preetz zugeschrieben. Nun bin ich allerdings der Meinung, er managte von einem Extrem ins andere. Nach dem massiven Trainerverschleiß in der letzten Abstiegssaison, scheint er nun ebenso vehement am Trainer festzuhalten, obwohl wir geradewegs dem Abstieg zusteuern (die Konkurrenz befindet sich tendenziell im Aufwind im Gegensatz zu uns). Jaja, JLu ist ein hervorragender Zweitligatrainer mit dem wir direkt wieder einen Rekordaufstieg hinlegen. Ich möchte weinen. Zurück zum Apfel. Schon viele haben mehr Kompetenz in der Vereinsführung gefordert. Ehemalige, Hinz und Kuntz, Miesepeter, Fans. Und da ist was dran, das muß man so erkennen. Vom Management erwarte ich adäquate Maßnahmen, keine Korrekturschaukel, gute Kommunikation und Mediation, gute Personalpolitik. Vom Trainer erwarte ich auch Kommunikation, Taktik, Konzept, Weiterentwicklung der Mannschaft. Dieses alte Problem der Hanns-Braun-Straße ist offensichtlich nicht behoben worden. Anscheinend wird den Spielern nicht transparent kommuniziert, was man von ihnen konkret erwartet und welche nachvollziehbaren Gedankengänge bestimmten Entscheidungen zugrunde liegen. Das gilt gleichermaßen für die Medizinabteilung (Kompetenz! und Kommunikation). Die muß übrigens mal gewaltig hinterfragt werden. Hier wie dort erreichen den Fan verschwurbelte Meldungen, bei denen man ständig das Gefühl hat, nur die halbe Wahrheit zu hören. Wie ist es möglich, daß mit der finanziellen (geborgten) Entspannung und diesem Kader unser Verein derart strauchelt und stümpert?!? Fürwahr, ich denke, es kommt wirklich nicht oft vor, daß die Mannschaft besser als ihr Trainer ist. Wenn man das Potenzial allerdings nicht auf dem Rasen zu sehen bekommt, dann liegt es am Übungsleiter. Darin sehe ich die Ursache. Aufsichtsrat, werden sie aktiv, wenn Preetz es nicht wird!

Auch ist der Berliner Blätterwald seltsam still. So still, daß ich es geradezu faul finde. Die gleiche sportliche Situation hätte seinerzeit orkanhafte Artikel zur Folge gehabt. Und manche Auslassungen lesen sich, als wären sie direkt von der Pressestille diktiert. Der Boulevard ist oft anstregend, die aktuelle Ruhe finde ich gefährlich. Es werden keine Fragen gestellt, wo hinterfragt werden müßte. Jeder deckelt hier jeden. Die Presse Hertha, MP und JLu sich gegenseitig. Wenn Gründe für die sportliche Misere gesucht werden, spart man MP und JLu verdächtig aus. Der Schwarze Peter wird ausschließlich Spielern oder einzelnen Mannschaftsteilen zugeschoben. Seriös finde ich das nicht und wenn man wirklich beabsichtigt, die Fehler zu beheben, dann gehören alle Aspekte auf den Prüfstand. Die Verletzungen, Schiris, der starke Gegner oder was man sonst so nennen könnte, mögen ja gerne offiziell als Alibi bemüht werden, für mich taugen sie schon lange nicht mehr als Argument. Gefährliche Ausreden im Wettlauf gegen den Spielplan, denn nun sind wir mitten im Abstiegskampf, der so nicht nötig gewesen wäre. Wenn die Presse weiterhin so nett bleibt, werde ich sie am Ende der Saison fragen, ob sie die Tabelle etwas schönen könnte.

Wo bleibt die Berliner Chuzpe? Wo ist einer, der Roller umschubst? Die Fans machen es vor: "Kniet nieder, Ihr Bauern, die Hauptstadt ist zu Gast"! Warum? Darum!

Ich will einen Trainer der in seiner Mannschaft Ecken und Kanten wünscht. Ich will einen Trainer, der eine Mannschaft aus Individualisten formt, nicht nur aus Individuen. Ich will eine Vereinsführung, die sich in obigem Sinn eine Scheibe von den Fans abschneidet. Wer soll denn sonst für Hertha in die Bresche springen? Die Konkurrenz wohl kaum.

Wir haben 12 Monate in saure Fußballäpfel gebissen: Ganze 31 Punkte bei 8/7/19! Das wirkt abführend, auf den Trainer hoffentlich!

Wenn man erste Schlüsse aus den Trainingseinheiten 2015 zieht, werden defensiv lieber wieder 4 von 6 Positionen verändert statt nur 2. Auch in der Vorbereitung spricht das erste Testspielergebnis Bände. Das ist einfach zu wenig und verheißt nichts Gutes. Für mich gibt es einfach keinen Anlaß aufzuatmen. Die Linie des letzten Jahres setzt sich irgendwie fort. Wieder werden einige sagen, das läßt sich nicht vergleichen. Vielleicht, aber eine Trendwende sieht anders aus. Währenddessen schießt Kalou Elfenbeinküste zum Sieg. Mann, der wird froh sein, wenn er sich nach dem Africa Cup auf der Bank ausruhen kann. Es wäre nicht auszudenken, was für eine nachhaltig schlechte Außendarstellung es für Hertha bedeuten würde, wenn Kalou den Verein wieder verläßt, sollte sich an seiner Situation nichts ändern. Und bis jetzt besteht kein Anlaß, das zu hoffen.

Wessen Kapitel beendet 2015?

2014 hat für mich persönlich das Kapitel Luhukay ein für alle Mal beendet!

Mittwoch, 07 Januar 2015 16:07

Das böse „A...“-Wort

geschrieben von

 Arminia 2014- Jahresrückrundumbeobachtungen

„Schade, das jetzt Winterpause ist, bei dem guten Lauf, den wir haben. Aber es ist schön, daß jetzt erstmal Urlaub ist nach dem Jahr, vor allem, wenn man das ganze Jahr erlebt hat“. Fabian Klos, unser Käpt’n, unsere Sturmtanne, unsere Gefechtsspitze, weiß, wovon er redet. Ins ganze Jahr 2014 hat Arminia wieder so viel reingepackt wie andere Clubs in ihre komplette Vereinschronik. Und wieder hat sie alle neuralgischen Knöpfe der schwarzweißblauen Fanseele gedrückt. Der Reihe nach...

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RdM 2Auf Schalke ist es guter Brauch, Spieler und Trainer vor dem Trainingslager zu „Spielerempfängen“ in die Fanclubbezirke zu entsenden. Zum „GEsindel on tour“ aus Duisburg und damit in den Bezirk 18 sollte unser Chefcoach Roberto di Matteo mit seinem Cotrainer Attilio Lombardi kommen. Doch bis es soweit war, wurde die GEduld der anwesenden Schalker auf eine harte Probe gestellt…

Um 12.30 h sollte es im Gesellschaftszimmer eines großen Asia-Restaurants losgehen. Eingefunden hatten sich ca. 120 Schalker, darunter Vertreter des Grafschafter GEleuchts,  der Velberter GEsellen, der Dio-Knappen, der Dormagener Knappen, der Schalker Dampflok Heiligenhaus, der Niederbergknappen, der Knappenschmiede-Supporters und von 1904Fans.de. Gegen 13.10 h hatte der kommissarische Bezirksleiter Michael dann die ein wenig undankbare Aufgabe, der wartenden GEmeinde zu verkünden, dass Roberto di Matteo am Londoner Flughafen festsitzt und wohl frühestens gegen 16.00 Uhr eintreffen wird.

Murren? Pfiffe? Frustrierter Aufbruch? Von wegen – Schalker sind leidensfähig. Bis auf einige wenige, die ihre familiären Anschlussverpflichtungen nicht verschieben konnten, vertrieben sich die Schalker die Zeit mit dem Sturm aufs Buffet, vielen königsblauen GEsprächen und GEduldigem Warten. Grob GEschätzt 1904 Frühlingsrollen mussten dran glauben.

Kurz vor 16 Uhr kam dann Bewegung in das allgemeine Verdauungsdösen: Fotograf und Kameramann von Schalke rückten an, danach die frohe Kunde: Er ist unterwegs! Unter donnerndem Applaus und Blitzlichtgewitter marschierten di Matteo und Lombardi ein. Di Matteo schnappte sich sofort das Mikro und entschuldigte sich für die Verspätung; sein Flieger habe nach dem Weihnachtsurlaub mit der Familie rund 6 Stunden später als geplant abgehoben. Einen Zwischenruf, ob er wenigstens Nastasic von der Insel mitgebracht habe, konterte er mit „Nein, bei dem Spieler sind wir nicht die einzigen Interessenten.“ Klang für uns nicht nach einer kurzfristigen Verpflichtung.

RdM 8Nach ein paar artigen Komplimenten („wisst Ihr Jungs, wir Schalker sind es gewohnt zu warten, schön, dass Ihr noch gekommen seid!“) des Moderators ging es in die Vollen, direkt der erste Fragesteller wollte wissen, wieso die jungen Spieler, z. B. Meyer und Ayhan, „so wenig zu sehen“ seien.  Di Matteo entgegnete, Ayhan habe die ersten Spiele unter seiner Regie gemacht, sei dann aber genau zum Systemwechsel verletzt ausgefallen und es danach schwer gehabt, wieder ins Team zu kommen. Meyer hingegen habe regelmäßig gespielt, wenn auch nicht immer von Anfang an. Er zähle aber auf junge Spieler, so habe er auch Sané ein paar Einsätze gegeben und im Trainingslager habe er die Gelegenheit, weiter ranzukommen. Dennoch müsse man jungen Spielern Zeit geben, zu wachsen und sich zu entwickeln.

Er sei ja mitten in der Saison gekommen und habe sicher erst einmal „den Spielbetrieb aufrechterhalten“ müssen, habe aber nun 3 Wochen Zeit: Was erwartet uns nach dem Trainingslager? Die spontane Antwort: „Ich hoffe, Gutes!!!“ brachte di Matteo ein paar Lacher ein. Sie würden sehr hart trainieren und an der Kondition und der offensiven und defensiven Organisation arbeiten. Man werde beide Systeme trainieren, um verschiedene taktische Möglichkeiten zu haben. Sehr wichtig sei auch, die Verletzten wieder in die Mannschaft zu bringen.

Der Punkt „Verletzungsmisere“ beschäftigte dann auch die folgenden Fragensteller: Wieso träten bestimmte Verletzungen wie z. B. Kreuzbandrisse auf Schalke immer wieder auf, was sei da los? Di Matteo meinte, für Kreuzbandrisse gebe es nicht nur eine Ursache, die passierten auch anderen Mannschaften, nicht nur Schalke. Er werde trotzdem versuchen, die Verletztenliste möglichst klein zu halten und beschäftige sich sehr damit, insbesondere die Muskelverletzungen zu reduzieren.

RdM 3Ob man nicht den einen oder anderen Spieler dazu bringen müsste, selber mehr für seine Genesung zu tun? Nein, es werde bereits alles getan, auch die Spieler seien sehr professionell und wollten schnell wieder auf dem Platz sein. Die medizinische Abteilung arbeite ebenfalls gut, täte trotzdem alles dafür sich weiter zu verbessern. Auch als der Fragende noch zweimal nachhakte, ob nicht einzelne Spieler noch „Luft nach oben“ hätten, blieb di Matteo freundlich, aber sehr bestimmt: Verletzte Spieler seien quasi den ganzen Tag zur Reha auf Schalke und versuchten mit allen Kräften zurückzukommen, daher glaube er, dass da nicht mehr viel Raum sei, auch wenn er nicht wisse, „was die zuhause machen“.

Ob es individuelle Trainingsprogramme für die Weihnachtsferien gegeben habe? – Natürlich, neben Erholung und Regeneration müsse man auch fit bleiben, um nicht „bei null wieder anzufangen“. Und wer könne mit ins Trainingslager? – Im Prinzip die, die auch vorher dabei gewesen seien plus Kevin-Prince Boateng. Farfan sei immer noch verletzt, ein Knorpelschaden im Knie brauche Zeit.

Insgesamt fiel mir auf, dass di Matteo alle Fragen äußerst schnell und nahezu ohne Nachdenken oder Ääähms und Öööhs antwortet – und dass er null Probleme hat, freundlich, aber äußerst bestimmt Position zu beziehen. Klare Kante. Und auch sehr konsequent Absagen erteilte, wenn er auf die eine oder andere etwas tendenziöse Frage nichts sagen wollte (was man leider auch schon anders erlebt hat, wenn Verantwortliche sich bei Fans beliebt machen wollten…). Der Mann weiß, was er will! Trotzdem bleibt er im Ton sehr verbindlich, vermied Schuldzuweisungen an seinen Vorgänger oder die medizinische Abteilung und bat jeden, sich kurz vorzustellen und sprach ihn dann in der Antwort auch mit Namen an. Auch die Ansage „ich tue mich schwer mit Siezen, ich duze seit 40 Jahren jeden Schalker“ schluckte er grinsend.

RdM 1Ob an eine weitere Offensivkraft neben dem Hunter und Choupo-Moting gedacht sei? Nein, momentan gebe es keine Pläne, einen Stürmer zu kaufen; mit Sané habe man ein großes Talent, wenn er das einlöse, könne er ein interessanter Spieler für uns werden. Was sei mit Leon Goretzka, so jung und schon dreimal dieselbe Verletzung? Ihm gehe es besser, er mache Aufbautraining, aber er könne noch keinen Zeitpunkt für den Wiedereinstieg ins Mannschaftstraining nennen. „Wir sind jetzt vorsichtig, damit er nicht wieder einen Rückschlag erleidet“ – in meinen Ohren klang das ein wenig so, als habe Leon nach früheren Verletzungsphasen zu früh wieder begonnen.

Die nächste Frage lautete: Wollen wir das Offensivspiel verstärken oder eher defensiv agieren? Spontane Gegenfrage von di Matteo: Glauben Sie, dass Leverkusen offensiv spielt?! …Verblüffung… In den 10 Spielen unter ihm habe Schalke 18 Tore geschossen, ein Schnitt von fast zwei sei „nicht sooo schlecht“. Er glaube, die Defensivorganisation sei wichtig, trotzdem sei auch er „ein begeisterter Fan“ von Offensivaktionen. Gegen Mannschaften wie Köln, die mit 10 Mann am eigenen Strafraum stünden, sei es allerdings für jede Mannschaft schwer.

Wie geht es Joel Matip? Er habe eine Operation am Fuß gehabt und werde in dieser Woche geröntgt, ob alles verheilt sei. Wenn ja, beginne auch er wieder mit dem Aufbautraining.

Der nächste Schalker führte sehr wortreich aus, wir hätten ja vier Torhüter, da sei die Reihenfolge doch bestimmt  Fährmann – Giefer – Wellenreuther – Wetklo und… Di Matteo grinsend: Sie können sich gerne hierhin setzen (zeigt auf den Platz am Sprechertisch). Alle vier führen mit ins Trainingslager und er sei froh, viele Optionen zu haben.

Als nächstes fragte Kai, ca. 6 Jahre alt, woher die Spieler denn wüssten, gegen welchen Gegner die spielen sollen…? Trotz allgemeiner Heiterkeit im Auditorium antwortete di Matteo ganz vernünftig, „das sagen wir Trainer den Spielern. Wir bereiten sie sowohl auf die Mannschaft als auch den individuellen Gegenspieler vor.“

Die nächste Wortmeldung betraf die Jugendspieler, er habe das Gefühl, dass Schalke seit Jahren sehr gute Jugendspieler hervorbringe, die auch furios starteten, dann aber stagnierten. Ob die Erwartungen zu hoch seien? Oder bräuchten die Spieler mehr Zeit? Antwort, ja, sie bräuchten Zeit, zu wachsen und sich zu entwickeln. Max und Leon seien gerade 19 Jahre alt, Kaan und Draxler kaum älter. – Nachfrage: Man habe den Eindruck, dass Jugendspieler zunächst sehr viel Spaß am Fußball hätten, dann aber „Teil des Systems“ würden? Sei der Druck von außen so hoch, dass sie in der Entfaltung gehemmt würden und Angst hätten, Fehler zu machen? Di Matteo: Das hänge auch sehr von der individuellen Persönlichkeit des Spielers ab, die Besten würden in der Regel die, die von Haus aus eine hohe Motivation und den Ehrgeiz, sich immer zu verbessern, hätten.

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Wie denn sein Eindruck von der Arena gewesen sei, als das Trainerteam beim ersten Heimspiel eingelaufen sei? – Hier geriet der sonst so coole di Matteo regelrecht ins Schwärmen, die Atmosphäre in der Arena sei „fantastisch, fast einzigartig“, es sei „überwältigend, das zu erleben“. Die Heimbilanz sei ja schon ganz gut und solle noch besser werden. Er und sein Team seien sehr gut aufgenommen worden. An der Bundesliga schätze er besonders, dass viele sehr gute junge deutsche Spieler im eigenen Land spielen würden, das sei so in Italien und England nicht unbedingt der Fall. Nachgefragt, ob er einen Vergleich zwischen der Arbeit auf Schalke und seinen früheren Stationen, insb. Chelsea, ziehen könnte: Das Training selber sei relativ gleich, aber in England werde mehr „hinter verschlossenen Türen trainiert“ – aber Schalke sei „halt ein großer Verein, es sei wichtig für die Mannschaft, auch diesen Support zu spüren“.

Die nächste Frage interessiert wohl alle Schalker: CL-Achtelfinale gegen Real Madrid – was sind Ihre Erwartungen? Er hoffe, dass wir aus den Fehlern gegen Chelsea gelernt haben. Sicher sei Real momentan eine der stärksten Mannschaften der Welt, „aber wir haben keine Angst vor niemanden!“. Sie möchten zwei möglichst gut Spiele liefern und „Fußball ist deshalb so ein schönes Spiel, weil niemand weiß, was passiert!“ Anerkennender Applaus.

Der folgende Frager wies süffisant darauf hin, man dürfe nicht vergessen, dass wir trotz vieler Verletzten auf 5, die lieben Nachbarn hingegen auf 17 stünden (Heiterkeit), was man trotzdem noch verbessern könne?  Wie aus der Pistole geschossen: Vieles, das Spiel von hinten raus, die Chancenverwertung, die Defensivorganisation – man könne sich IMMER verbessern im Fußball! Ich glaube, vorzeitig auf irgendwelchen Lorbeeren ausruhen passiert di Matteo nicht so schnell. Die nächste Frage, wen er denn als unseren spielstärksten 6er einstufe, der dafür geeignet sei, wies er freundlich zurück, es wolle da keinen Namen nennen. Sie würden aber im Trainingslager „viel ausprobieren“.

Kleine Taktikdebatte: Die Entwicklung im Fußball laufe irgendwie immer in eine Richtung, aktuell spiele alles 3-5-2 und laufe bei Standards geschlossen in die gegnerische Hälfte; warum so wenige Mannschaften einmal etwas anderes ausprobierten und z. B. einen Stürmer für schnelle Konter zurückließen…? Fast schon philosophisch „Fußball ist schön, weil jeder eine eigene Meinung hat“. Er persönlich wolle, dass seine Mannschaft möglichst wenig Tore fange, daher beordere er bei Ecken alle zurück, „das Tor können die danach machen“. Und ein System müsse immer zu den Spielern passen, die man zur Verfügung habe und da sei 3-5-2 im Moment gut für uns.

RdM 7Wie könne es eigentlich passieren, dass die Mannschaft samstags ein tolles Spiel mache und am Dienstag hundsmiserabel auftrete…? – „Das möchte JEDER Trainer wissen!“ Es sei manchmal wirklich unerklärlich, dann suche man Antworten für diese Leistungsschwankungen und finde sie nicht.

„Wir Fans wollen am liebsten jedes Spiel gewinnen, aber einige sind wichtiger als andere, ist das beim Trainerteam auch so?“ Ja, jeder wisse, dass das Derby besonders wichtig sei, auch die Mannschaft.

Auf Nachfrage räumte di Matteo mit dem Gerücht auf, er habe Autogramme nach dem Training verboten: Nein, es stimme nicht, dass er das nicht wolle, die meisten Spieler und er würden gerne Autogramme schreiben und wüssten, wie wichtig die Beziehung zu den Fans sei. Nur manchmal wollten sie etwas einüben, was der Gegner nicht mitbekommen solle, deshalb gebe es hin und wieder Geheimtraining. Ganz toll sei auch der Support auswärts, z. B. in Stuttgart, „da haben wir dann auch VIER Tore geschossen!“

Etwas zugeknöpfter zeigte er sich auf die Nachfrage nach Avdijaj, dieser habe zunächst mittrainiert, sei dann aber zur U 23 gegangen und er habe ihn nicht mehr gesehen. Es gebe den Plan, ihn auszuleihen, das sei „besser für ihn“.  Auf Nachfrage, dass dann doch wohl er selber Avdijaj zur U 23 versetzt habe, wollte er nicht mehr ins Detail gehen. Besonders gute Karten scheint Donis da jedenfalls momentan nicht zu haben… Papadopoulos bleibt bis zum Sommer ausgeliehen, erst dann werde er die Situation beurteilen.

Wie er denn zu den teilweise recht umfangreichen Twitter und Social Media-Aktivitäten der Spieler stehe, Stichwort Meilenkonto…? Da könne er nicht viel zu sagen, weil er „erst die Spieler informieren“ (!) wolle; er habe sich da aber zusammen mit dem Verein „einiges überlegt“. Ich schätze, da bekommen einige Herren demnächst einen kleinen facebook-Knigge.

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Die nächste Frage ging an Attilo Lombardi, der erschreckt fragte, ob er auf Englisch antworten dürfte, bis di Matteo sich erbot, aus dem Italienischen zu übersetzen: „Wie schwierig ist es, Deinen Chef zufrieden zu stellen?“ Schallendes Gelächter. „Ist er eher kommunikativ oder eher hart?“ – Aus dem folgenden italienischen Wortschwall konnte man direkt mehrfach „multo communicativo“ oder so ähnlich raushören, die Übersetzung durch di Matteo bestätigte dann auch: Er sei sehr kommunikativ sowohl mit dem einzelnen als auch der Gruppe und sehr fair. Das Grinsen dazu besagte „wehe, der hätte etwas anderes gesagt!“ Beide bestätigten, noch gute Kontakte nach England zu haben.

Sie hätten sich ja im Vorfeld bestimmt Gedanken über den Wechsel nach Schalke gemacht und auch gesehen, dass „wir öfter mal die Trainer wechseln“, ob sie deshalb die Familien nicht nach Deutschland geholt hätten, obwohl es ihnen hier so viel Spaß mache? Nein, die Familie sei nur deshalb nicht da, weil er „drei schulpflichtige Kinder im kritischen Alter“ habe und die Schulausbildung vorginge. Zudem habe er ohnehin wenig Zeit für die Familie, wenn er arbeite; sie würden das aber im Sommer neu besprechen. In diesem Zusammenhang kam die Frage, ob die Spieler in Gelsenkirchen wohnen sollten: „Wo zieht man da die Grenze, 1, 3, 10 Kilometer…?“ Wichtig sei nicht, wo man wohnt, sondern, dass man professionell arbeite! Applaus.

Ob er schon unter Tage gewesen sei? Nein, noch nicht, da er sehr mit der Arbeit mit der Mannschaft beschäftigt sei, er werde das aber noch machen, weil ihn die Geschichte des Ruhrgebiets interessiere.  - „Wir möchten schon, dass unsere Oberen wissen, was Kumpel- und Malocherclub eigentlich heißt!“ Ja, das finde er gut; er habe auch schon die Mythos-Tour gemacht und es sei sehr interessant gewesen, die Geschichte zu sehen und die Leute kennenzulernen und zu hören, was den Fans wichtig sei.

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Die nächste Frage wurde bereits als „nicht sehr realistisch“ angekündigt: Wenn Horst Heldt käme und sagte: Sie dürfen zwei Spieler Ihrer Wahl kaufen, egal was die kosten…? Große Heiterkeit, auch bei di Matteo: „Einfache Frage, schwierige Antwort. Ich möchte nicht antworten, das wäre nicht richtig.“ Die Spieler, mit denen er arbeite, seien immer die Besten.  – Ob es solche Veranstaltungen auch in England gäbe? In Italien habe er als Spieler auch viel Kontakt mit den Fans gehabt, in England weniger. – Zukunft des italienischen Fußballs? Dort würde zur Zeit viel unternommen, u. a. mit neuen Gesetzen, damit wieder mehr Familien in die Stadien kämen. Die Zeit der großen individuellen Geldgeber sei vorbei, es müsse wirtschaftlicher gearbeitet werden. Juventus z. B. habe jetzt eine eigene Arena und sei auf einem guten Weg.

Dann wurden die Fragen etwas persönlicher: Was denn der schönste Moment in seiner Spielerkarriere gewesen sei? Als er das erste Mal für die italienische Nationalmannschaft auflaufen durfte! Auch die Meisterschaft mit Aarau und die Zeit bei Chelsea seien sehr intensiv gewesen. Als Trainer „natürlich die zwei Pokale“ mit Chelsea und der Aufstieg mit West Bromwich Albion. Kommentar aus dem Publikum „Wenn wir jetzt mit Ihnen die Meisterschale holen, toppen wir datt alles!“

Warum er sich für Italien entschieden habe, obwohl er in der Schweiz aufgewachsen sei…? Er habe das aus rein sportlicher Herausforderung zu einem Zeitpunkt gemacht, als noch fast undenkbar gewesen sei, dass ein Spieler aus der Schweiz für die Squadra Azzurra auflaufen könnte. Aber auch in der Schweiz fühle er sich sehr wohl und sei dort u. a. 2012 „Sportler des Jahres“ gewesen. Zwischenruf: Deshalb darf auch Barnetta wieder spielen?! – Nein, er versuche halt, fair zu sein und wer sich im Training sehr viel Mühe gebe, habe es auch verdient, in der Mannschaft zu sein.

Einschub des Moderators: Unsere A-Jugend ist beim Turnier in Sindelfingen Dritter geworden! Daran anschließend direkt die Frage, ob di Matteo selber die Spiele der Jugend schaue oder über die jeweiligen Trainer gehe? Bislang habe er leider noch kein Spiel der U 19 und U 23 gesehen, das er in den englischen Wochen selber extrem viel zu tun gehabt habe. Er habe aber immer wieder Spieler im training, die ihm von den jeweiligen Coaches empfohlen wurden, so könne er sich ein gutes Bild machen. Er hoffe, dass man einige davon bei den Profis brauchen könne, denn das „ist das Beste, was passieren kann!“ Den Kontakt zu den Jugendtrainern pflege insbesondere Sven Hübscher. Er arbeite sehr gern mit jungen Spielern, wenn sie das Talent haben; zudem gelte es, das richtige Maß zu finden.

Abschließend wollte noch ein Zuhörer wissen, ob di Matteo und Lombardi Hobbies außer Fußball hätten – di Matteo kann am besten bei Kino und Fernsehen entspannen, Lombardi meinte auf Italienisch, er hätte eh keine Zeit, er müsse immer arbeiten, wenn der Chef Filme guckt. Grinsen - die beiden scheinen sich blind zu verstehen, ich frage mich nur, wie Lombardi ohne ein Wort Deutsch mit der Mannschaft…?

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Danach signierte di Matteo geduldig von Ball über Fußballschuhe bis hin zu Rücken alles, was ihm hingehalten wurde und lächelte auch beim 50. Selfie noch freundlich. Allgemeiner Tenor: Das Warten hat sich GElohnt, iss‘n Töften, unser Chefcoach!

Viel Erfolg für die Rückrunde und blau-weiße Grüße,

Susanne Blondundblau