So30Apr2017

Back Aktuelle Seite: RSS Feed

Football Supporters Europe veröffentlicht folgende Stellungnahme zu Gesprächsrunden über kollektive Strafen:

 

Am 16. März fand das jährliche Treffen des FSE Komitees mit der UEFA statt, an dem auch unsere Partner Supporters Direct Europe und Centre for Access to Football in Europe (CAFE) teilnahmen. Während hinsichtlich des Problems elektronischer/personalisierter Tickets genauso wie bei Reiserestriktionen Fortschritte erzielt werden konnten und sogar ein gemeinsames Vorgehen diskutiert wurde, und auch hinsichtlich anderer Agendapunkte ein eher positives Fazit gezogen werden kann, müssen wir leider festhalten, dass die UEFA sich hinsichtlich der Kollektivbestrafung von Fans weiterhin kein Stück bewegt.

 

Das FSE Komitee vermisst von der UEFA noch immer ein grundlegendes Zeichen des Verständnisses dafür, dass eine Bestrafung von Fans, die sich nichts haben zu Schulden kommen lassen, sowohl unangemessen ist als auch rechtsstaatlichen Grundsätzen widerspricht. Sie ist somit kontraproduktiv für das Ziel, Fans zum wichtigen Kampf gegen Rassismus zu motivieren.

Daran änderten auch die absolut berechtigten Beschwerden der Fangruppen von Bayern, Manchester City und Nordirland nichts, die FSE-Komitee-Mitglieder anlässlich des Treffens vorgetragen haben. Diese beziehen sich insbesondere auf die Fans gegnerischer Vereine, die für das verurteilenswerte Verhalten einiger Weniger in einem anderen Verein mit einem Spiel vor leeren Rängen bestraft werden und bis heute nicht einmal für ihre bereits getätigten Ausgaben für Anreise, Tickets und gegebenenfalls Unterkünfte entschädigt wurden. Die UEFA tritt mit ihren Maßnahmen also gerade diejenigen mit Füßen, die an dem sanktionierten Vorfall gänzlich unbeteiligt sind und/oder sich als Fans sogar aktiv gegen Diskriminierung einsetzen.

Die bei der UEFA vorherrschende Meinung, dass sich das System dieser Kollektivbestrafung bewährt habe, ist für das FSE Komitee daher nicht nachvollziehbar. Dass dem nicht so ist, zeigt nicht nur die Tatsache, dass einige Clubs wiederholt wegen des rassistischen Verhaltens ihrer Fans bestraft wurden sondern auch die europaweiten Proteste der Kampagne „#Respect Fans“, an welcher sich bis heute große nicht-rassistische Fangruppen von über 15 Vereinen aus den europäischen Club-Wettbewerben beteiligt haben. Dies führt deutlich vor Augen, dass die Straflogik der UEFA in essentiellen Punkten als nicht nachhaltig, falsch und ungerecht bewertet werden muss. Das FSE-Komitee unterstützt diese Proteste ausdrücklich und ruft Fans dazu auf, weiterhin die Missstände bei der Sanktionierung von Fans, die sich nichts zuschulden haben kommen lassen, anzuprangern und diese Proteste sogar gegebenenfalls zu intensivieren.

Wir appellieren an die UEFA, bei diesem zentralen Thema unbedingt auf die Fans zuzugehen, da wir ansonsten die Gefahr einer fortgesetzten Radikalisierung der Fans als Reaktion auf ihre aktuelle Position befürchten. 

Dies kann in niemandes Interesse sein. Trotz unserer großen Enttäuschung über den Ausgang des Treffens, ist FSE daher auch weiterhin zu Gesprächen mit der UEFA bereit. Es wäre ein wichtiges Zeichen einer positiven Partnerschaft, wenn die UEFA einen Schritt auf die nicht-rassistischen Fans  zu zu gehen, mit der ehrlichen Absicht, die gegenwärtigen Ungerechtigkeiten im System beseitigen zu wollen.

Das FSE Komitee

Kevin Miles (England), Victoria Dominguez Almela (Spanien), Tine Hundahl Jensen (Dänemark), Dirk Vos (Belgien), Riccardo Bertolin (Italien), Başar Yarimoglu (Türkei), Martin Endemann (Deutschland), Thomas Gassler (Leiter FSE Fans Embassies), Goran Grosman (Leiter FSE Anti-Discrimination) & Daniela Wurbs (FSE-Koordination / Geschäftsleitung)

Quelle: Football Supporters Europe

 

Über die Vorfälle beim rheinischen Derby und dessen Folgen für die Kölner Fanszene habe ich bereits einen Artikel bei FANKULTUR.COM geschrieben. Da stand die DFB-Strafe aber noch nicht fest, somit bezog ich mich in dem Artikel allein auf die Maßnahmen des 1. FC Köln.

In besagtem Artikel zitierte ich allerdings bereits Werner Spinner, der am Tag des Derbys sagte, die Maxime des DFB, immer höhere Strafen auszusprechen, sei keine Lösung des Problems, da sich die Spirale immer weiter drehe.

Etwa einen Monat später jedoch sagte Spinner: „Den Unmut über die Strafen des DFB kann ich nicht mehr hören. Es gibt klare Regeln, die eingehalten werden müssen." Das ist nur ein weiterer Beleg dafür, wie schnell der werte Herr Präsident seine Meinung ändern kann, frei nach dem Motto: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“

Beim Spiel gegen Frankfurt wurde Spinner mit verschiedenen Spruchbändern erneut an seine Ankündigung erinnert, keine Kollektivstrafen aussprechen zu wollen. Leider behaupten Vereinsvertreter wie der FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle immer noch, dass es sich bei den gegen tatsächliche und vermeintliche Mitglieder der Boyz ausgesprochenen Stadionverboten um keine Kollektivstrafe handle.

Die Navajos präsentierten dazu die Definition des Begriffs „Kollektivstrafe“ laut Duden: „Kollektivstrafe, die: Strafe, die allen zu einer bestimmten Gruppe gehörenden Personen auferlegt wird“.

Selbstverständlich ist eine Strafe, die gegen alle Mitglieder einer Gruppierung gerichtet ist, eine Kollektivstrafe – das abzustreiten, ist nicht gerade ein Zeichen von Souveränität. Doch zumindest, so behauptet es der FC in seiner neuesten Stellungnahme, hat die Reaktion des Vereins dazu geführt, dass der DFB von einem Geisterspiel absah.

Die Blöcke S3 und S4, der Stimmungskern der Südkurve, werden für die Spiele gegen Hoffenheim, Leverkusen und Schalke gesperrt. Außerdem wurde gegen den FC eine Geldstrafe in Höhe von 200.000 € ausgesprochen. Zudem sollen bei den restlichen vier Auswärtsspielen der Saison (Freiburg, Berlin, Augsburg, Mainz) nur noch personalisierte Tickets verkauft und zusätzlich 50 Ordner eingesetzt werden, um ein Verbot großer Fahnen durchzusetzen.

Selbst Wolfgang Bosbach (CDU), der Mitglied der AG Fankultur ist, bezeichnete das Strafmaß als „außergewöhnlich hart und nicht verhältnismäßig“. Fanforscher Jonas Gabler sagte, das Urteil zeuge von Aktionismus und Symbolpolitik. Michael Mertens von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) hingegen ist der Meinung, das Urteil sei der richtige Weg, "den wahren Fans klar zu machen, dass Gewalttäter im Stadion nichts zu suchen hätten. Wie man das diesen „wahren Fans“ klar machen will, wenn man diese gleich mit aus dem Stadion verbannt, erschließt sich mir nicht, allerdings ist zu befürchten, dass diejenigen, die sich womöglich auch selbst als solche bezeichnen mögen, durchaus die vom DFB erhoffte Reaktion zeigen.

Das Ziel, das der DFB mit dieser Strafe verfolgt, ist klar: Indem man kollektiv die Fans in den Blöcken S3 und S4 bestraft, soll eine Entsolidarisierung der anderen Fans erreicht werden. Die Ultras trifft man mit dieser Strafe nicht, wie schon die Vergangenheit gezeigt hat: Beim Auswärtsspiel in Hoffenheim 2010 waren keine FC-Fans zugelassen, doch die aktive Fanszene fand trotzdem ihren Weg dorthin. Genauso war es auch, als beim ersten Heimspiel der Saison 2012/2013, als Strafe für den Platzsturm am letzten Spieltag der Vorsaison gegen die Bayern, die gesamte Südkurve gesperrt wurde.

Zugegeben, diesmal ist es fraglich, ob man sich die Mühe überhaupt macht, denn die Boyz haben ohnehin Stadionverbot und die Wilde Horde geht seitdem auch nicht mehr als Gruppe ins Stadion. Die einzige der Ultra-Gruppen, die derzeit überhaupt noch ins Stadion geht, sind die Coloniacs. Bestraft werden aber 2.800 FC-Fans, von denen die meisten gar nichts mit der Ultra-Szene oder gar den Vorfällen in Gladbach zu tun haben.

Dass die Betroffenen dieser Kollektivstrafe sich darüber aufregen, bei 3 Spielen nicht mehr ins Stadion gehen zu können, ist durchaus nachvollziehbar. Doch ihre Wut richtet sich nicht gegen den DFB, der diese Strafe ausgesprochen hat, sondern gegen die Ultras.

Vielleicht sollte man diesen Fans mal das Prinzip kritischer Solidarität erklären: Man muss nicht alles gut finden, was die Ultras machen, doch man muss immer bedenken, dass Strafen, die sich heute gegen einzelne Gruppen oder Fanblöcke richten, beim nächsten Mal auch die gesamte Südkurve oder das gesamte Stadion betreffen könnten.

Diesmal geht es um einen Platzsturm von 30 Fans, doch der DFB hat vergleichbare Strafen gegen ganze Fanblöcke auch schon wegen der Taten von Einzelnen ausgesprochen. So z.B. in Cottbus: Dort hatte ein Fan den Schiedsrichter mit einer Münze beworfen. Daraufhin wurden 3 Fanblöcke gesperrt, den betroffenen Dauerkartenbesitzern sollte lediglich das Geld erstattet werden.

Einer von ihnen wollte sich damit nicht abfinden und ging vor das Amtsgericht Cottbus. Das Gericht entschied, dass es nicht zulässig sei, Inhaber von Dauerkarten für einzelne Blöcke aus dem Stadion auszuschließen. Somit wurden alle ca. 1.000 betroffenen Cottbusser Fans mit Freikarten entschädigt.

Dieses Beispiel zeigt, dass es sich lohnen kann, Entscheidungen der DFB-Sportgerichtsbarkeit vor ordentlichen Gerichten anzufechten. Doch auf der Jahreshauptversammlung des 1. FC Köln entschieden sich 68% der anwesenden Vereinsmitglieder dagegen, auch nur eine Aussprache zu dem Thema abzuhalten.

Sicher, eine solche Aussprache hätte die jetzigen Strafen nicht verhindert. Solange aber die Mehrheit der Fans nicht einmal bereit ist, über die Rechtmäßigkeit von Verbandsstrafen zu diskutieren, wird der DFB weiterhin solch überzogene Strafen aussprechen. Am vermeintlichen Gewaltproblem ändert das nichts.

Repression sorgt nicht für einen Selbstreinigungsprozess der Kurve, sondern für eine Radikalisierung der Ultras, die sich doppelt ungerecht behandelt fühlen: Auf der einen Seite vom DFB, von dem man es nicht anders gewohnt ist. Doch auch der FC hat sich durch seine Maßnahmen gegen die eigene Fanszene dort unbeliebt gemacht. Das ist vom DFB auch genau so gewollt und hat laut dem Sportgerichts-Vorsitzenden Hans E. Lorenz dazu geführt, dass ein Geisterspiel abgewendet werden konnte.

Doch zu welchem Preis? Die AG Fankultur ist gescheitert. Dass sie gescheitert ist, will der Verein auch nicht zugeben. Dabei ist das bisher relativ gute Verhältnis zwischen Verein, Ultras und Normalos stark beschädigt worden. Das Ziel, den Verein zu vereinen, welches sich Werner Spinner bei seinem Antritt als Präsident gesetzt hat, ist damit ebenfalls in weite Ferne gerückt.

Zur öffentlichen Darstellung und Reaktion auf das BGH-Urteil zur Frage der Einordnung von sogenannten Hooligan-Gruppierungen als kriminelle Vereinigungen äußert sich die AG Fananwälte wie folgt:

"Die Arbeitsgemeinschaft Fananwälte kritisiert die Kommentierung der Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) vom 22.01.2015, 3 StR 233/14, zur Frage der Einordnung von sogenannten Hooligan-Gruppierungen als krimineller Vereinigung. Ohne die schriftlichen Urteilsgründe abzuwarten, wurden nach Bekanntwerden der Entscheidung angeblich erweiterte polizeiliche Befugnisse insbesondere von Seiten der Polizeigewerkschaften begrüßt. Insbesondere wurde suggeriert, der BGH habe die „kriminelle Vereinigung“ begrifflich erweitert.

Dies ist jedoch nicht zutreffend. Der Bundesgerichtshof nimmt mit seiner Entscheidung keine Erweiterung des Begriffs der kriminellen Vereinigung vor, sondern hält seine ständige Rechtsprechung aufrecht. Eine Ausdehnung des Begriffs der kriminellen Vereinigung beispielsweise auf Ultrafangruppen lässt sich durch das Urteil des Bundesgerichtshofs gerade nicht begründen.

Nach der Rechtsprechung des BGH setzt eine kriminelle Vereinigung voraus, dass Ziel und Zweck einer Personenvereinigung die Begehung von Straftaten ist, wobei sich – als wesentliches Abgrenzungsmerkmal zu nichtkriminellen Vereinigungen – die Gruppenmitglieder unter Zurückstellung ihrer individuellen Einzelmeinung der Willensbildung der Organisation und diesem Ziel unterwerfen.

Dies ist bei Ultrafan-Gruppierungen nicht der Fall. Die Mehrheit der Mitglieder von Ultrafan-Gruppierungen verfolgt das Ziel, die jeweilige Fußballmannschaft zu unterstützen und stellt das verbindende Fußballerlebnis in den Vordergrund. Das Begehen von Straftaten ist nicht das gemeinsame Ziel, was bereits aus der Heterogenität der Zusammensetzung folgt. Das Urteil des BGH stellt eine reine Einzelfallentscheidung dar und betrifft nicht die Ultrafan-Gruppierungen.

Soweit einige Medienäußerungen von Polizeigewerkschaften darauf hindeuten, das Urteil zum Anlass nehmen zu wollen, Fußballfans oder Gruppierungen zum Gegenstand von Ermittlungsverfahren oder Überwachungsmaßnahmen zu machen, weist die Arbeitsgemeinschaft Fananwälte dies als Populismus zurück und erinnert daran, dass erkennbar Unschuldige von Gesetzes wegen nicht verfolgt werden dürfen, § 344 StGB.

Pressemitteilung der AG Fananwälte: PM 12.03.2015-2
Entscheidung des Bundesgerichtshofs"

Quelle: http://www.fananwaelte.de/?p=261

Sonntag, 08 März 2015 14:40

BVB II/U23/klein gegen Arminia

geschrieben von

 Rundumbeobachtungen DSC14/15-21

Soweit zum Hochgefühl. Zurück in den schnöden Liga-Alltag. Zu Gast bei der Zwoten von Borussia Dortmund, im Stadion Rote Erde. Das Stadion ist eine historische Stätte für uns Arminen, schließlich fand dort Arminias erstes Bundesligaspiel überhaupt statt und nebenan im Westfalenstadion das bis dato letzte Bundesliga-Auswärtsspiel. Ergebnisse: 0:3, 0:6. ... Eigentlich empfiehlt es sich bei Arminia immer, nur in der Gegenwart zu leben.

Donnerstag, 05 März 2015 13:43

Arminia gegen Werder Bremen

geschrieben von

Rundumbeobachtungen DSC14/15-20, dedicated to Elke und Jürgen, die mir mein Ticket besorgten

Auf zum Pokalfinale, zumindest wenn man der „Sportschau“ glauben darf. Der Bundesligist, der im Moment von vielen in die Europa League hochgefeiert wird, zu Gast beim Drittligisten, der im Moment von vielen in die Zweite Liga hochgefeiert wird, alles wegen der Leistungen beider Clubs in den letzten Wochen. Wichtiges Spiel für beide! Leistungstest für die Blauen, wenn sie mit einem Vielleicht-Europaligisten mithalten, sagt das aus, daß sie vielleicht mit Zweitligisten mithalten können. Aha. „Richtiger Gegner zur richtigen Zeit“, sagt Werder-Coach Skripnik, nachdem drei geschossene Tore gegen VW nicht zu Punkten reichten. Soso. Unter diesen Vorzeichen sind Prognosen schwer. Wenn die Blauen aber das Bayern-Gen haben und taktisch lange zu Null, dann...Wenn Werder konzentriert spielt, dann...dann...dann...spielt Arminia nächstes Jahr Europa-League, der FC Bayern im Pokal gegen Werder auf der Alm und das heute parallel stattfindende Spiel Momentan-in-Leipzig-verortete-Rindviechbrause gegen Radkäppchen-und-der-böse-Golf wird das Pokalfinale 2021. Alles klar? Nein? Okay, dann laßt uns einfach den Moment genießen, hoffen, daß sich keiner verletzt und einfach’ne Runde Spaß haben.

Sonntag, 01 März 2015 17:53

Arminia gegen Haching

geschrieben von

Rundumbeobachtungen DSC14/15-19

Man muß sich das mal bewußt machen: Da machen die Blauen gegen eine wirklich gute Mannschaft aus einem 0:2 ein 4:2. Da erringen sie keinen Auswärtssieg, sondern veranstalten ein Auswärts-Derby-Schützenfest. Und dann bringen sie dem nächsten wirklich guten Team die erste Heimniederlage bei. Und alles das mit dem Selbstbewußtsein, daß sie ihre Hütten machen und den vom Trainer umsichtig vorgegebenen Taktikstiefel umsetzen können. Blickt man auf die gesamte Saison zurück, hat Arminia 52 Tore erzielt (zum Aufstieg 2013 waren es insgesamt 60), und trotz Fabis 17 und Müllers acht Buden sind es insgesamt elf Torschützen. Wahnsinn, wie toll Arminia gerade ist!

 DSCUH1

Blöd ist allerdings, daß Arminia schon eine Woche später Gelegenheit hat, allen das Gegenteil zu beweisen. Unterhaching mag zwar in anderen Tabellenregionen als die letzten Gegner unterwegs sein, aber auch die pflückt man nicht im Vorbeigehen. „Ouh, Ouh, Ouh, Haching ist ein schweeeeerer Gegner“, ruft die Unke auf Block 3. Auch das ist blöd am Fußball. Man erinnert sich immer nur an das miese 0:1 im DFB-Pokal 1996.

 DSCUH2DSCUH3

Gleich nach dem Anpfiff startet Arminia die ersten gefährlichen Angriffe. Diesmal dauert es sechs Minuten, bis Fabi zum 1:0 einnickt. Der „Torjäger vom Dienst“, wie Uli Zweetz ihn tituliert hat. Ich nenne ihn heute, stellvertretend für das ganz Team, „Mike Tyson des Fußballs“. Wer die Spiele gegen Duisburg und in Degerloch gesehen hat, weiß, daß Arminia taktisch sehr flexibel ist. Oft ist es aber so, daß die Blauen dem Gegner zu Beginn dermaßen eins auf die Scheinwerfer knallen, daß der den Rest des Spiels in den Seilen hängt. Tyson-Stil. Iron Arminia! Gut, diesmal ist es ein Elfmeter für den zweiten Punch. Die Hachinger fielen bis hierhin eigentlich nur durch plumpe Fouls auf. Also, wirklich plump. Nicht so fies und hinterhältig, daß man sich herrlich aufregen könnte (Block 3: „Mann, wat’ne dumme Sau“), nur Bein stehen lassen und so. Oder Dennis Mast einfach mal im Strafraum umsäbeln. UlmUlmUlm vom PunktPunktPunkt. Zeit bis Schlußpfiff: 76 Minuten. Ritualisiertes „Spitzenreiter, Spitzenreiter“. „No Limit“ bringt ein bißchen Stimmung in das aufkommende Dösen auf den Rängen. „War das Mast? Für Lorenz drin, oder? Ich verwechsle die beiden immer...“. Nun ja, die sehen sich ja ziemlich ähnlich, kann passieren.

 DSCUH4

Und die Quersumme der beiden Rückennummern ist auch sieb... Halt, Moment, Haching schießt aufs Tor. Widemann. Knapp vorbei. Kurz darauf kombinieren sich die Blauen wunderbar über den Platz und durch die Hachinger Defensive. Schuppan kommt halblinks an den Ball, zielt auf eine Stelle im Netz und schießt auch dahin. „Tor für die Blauen, Tor für Arminia“. Lothar ist flexibel in der Reihenfolge. Und Schuppan können wir an dieser Stelle mal loben. Was der im Spiel rennt, ist irre. Der ist nicht nur Linksverteidiger, der ist linke Außenbahn. Arbeitsbereich: Von Eckfahne zu Eckfahne, und immer anspielbereit. Und jetzt vier Saisontore. 3:0.

 DSCUH5

Pünktlicher Halbzeitpfiff. Sind eigentlich die, die schon zur 38. Minute Richtung Versorgungsstationen aufbrechen (und das 3:0 verpassen), auch „Eventfans“? Vorverkauf, Vorverkaufsgewinnler und Eventfans waren das Thema der Woche im schwarzweißblauen Umfeld. Es kommt jedes Mal auf, wenn das Interesse an einem Spiel das Fassungsvermögen der Alm übersteigt. Einfaches Rechenbeispiel: Nehmen wir an, 10.000 von den 12.087, die heute da sind, kommen auch zu den nachgefragten Spielen. Ziehen wir noch 3.000 Gästefans ab, bleiben 13.000 Zuschauer, um die Ex-Bretterbude vollzumachen. Die Frage ist schon berechtigt: Wo kommen die her und warum? Es ist, wie es ist: Auf die Alm darf jeder. Aber eben nicht alle. So mies sich das anfühlt und so mies das wirklich ist für diejenigen, deren Liebe wirklich keine Liga kennt. Alles weitere ist Angebot und Nachfrage. Solange es Leute gibt, die bereit sind, hohe Preise zu zahlen, wird es auch immer Nischenkapitalisten geben, die sich an ihnen bereichern. Was jene betrifft: Möget Ihr Euer armseliges Leben lang noch schlimmer riechen als dieser eine Typ damals auswärts beim HSV, der sich gerade frisch über sein Trikot gekübelt hatte und meinte: „Egal, hab mich eh die Woche nicht geduscht.“. Und möge Arminia Euch alle bei Eurer verbotenen Tat erwischen! Und trotzdem die Finger vom organisierten Schwarzhandel im ViaNOgo-Stil lassen!

 DSCUH6DSCUH7

Wechsel zur Halbzeit bei den Blauen, für UlmUlmUlm kommt Christian Müller, der heute Geburtstag hat und nach dem Spiel ein Ständchen von der Süd kriegt. „Haut hier auch noch welche rein“, fordert man auf der Süd, auf die Arminia jetzt spielt. Doch das Spielgeschehen findet rund um den Mittelkreis plusminus 20 Meter statt. Ein paar der Hachinger Fans machen „Oberkörper frei“. Stehen ja auch in der Sonne. Am Spielstand liegt es nicht, am sicheren Auftreten der Mannschaft auch nicht, am Tabellenstand sowieso nicht (frei nach Berengar), aber die Alm scheint irgendwie auf größeres zu warten, das nichts mit dem heutigen Spiel zu tun hat. Schade drum, denn der DSC liefert einmal mehr ein souveränes Spiel. Selbst der SchiRi mag nicht negativ auffallen, obwohl er Jungglas eine etwas merkwürdige gelbe Karte  gibt. „Wat? Wieso denn? War doch nix...“. Das haben wir alle gesehen. Sowieso sei lobend erwähnt, daß auf Block 3 jede Menge geballtes fußballerisches Fachwissen unterwegs ist. Siehe folgender Dialog: „Da müssense elegant die Defensivreihen umschiffen...!“ – „Höhöhö, Du hast ‚Schiffen‘ gesagt, höhöhö...“. Der Mike-Tyson-vom-Dienst geht unter Applaus nach einem erneut starken Spiel und Koen van der Biezen kommt. Haching trifft den Pfosten.

 DSCUH8

Witzig sind die Briten hinten links, die auf Block 3 eine eigene Party feiern. Eigenes „No Limit“, „Who the h*ck is Faching?“ (oder war es „Who the h*ch is Fucking?“), und brüllendes Gelächter, als ihnen die Geschichte mit „Magic Dick“ erzählt wird. In der Schlußphase stimmen Block I und J ein „Schalala“ an. Und Arminia spielt noch einen schönen Angriff aus. Der GeburtstagsMü bedient van der Biezen und der macht sein erstes Tor für die Blauen. Der 12. Torschütze diese Saison. Über die Süd fliegt ein bißchen Bier und unabsichtlich ein paar Euromünzen. Anzahlung auf die nächste Bratwurst.

Wieder vier Buden in einem Heimspiel. Und der Gegner war dann doch nicht schwer und wurde doch im Vorbeigehen gepflückt. Oder vielmehr: Wahnsinn, wie toll Arminia gerade ist! Wir lesen uns nach dem Dortmund-Spiel...Halt, nee,...unter der Woche war ja was...

 DSCUH9

MC Lo-Bro feat. Uli Zweetz & The Mike Tyson Relegators present: „Hymne für Lohmann“. Geil, wa!? Klappt’s jetzt mit der Nummer?

Donnerstag, 26 Februar 2015 09:38

VfB Oldenburg gegen VfB Lübeck

geschrieben von

Was gibt es schöneres als einen sonnigen Sonntag im Stadion zu verbringen?! Nichts! Anstoß im Marschwegstation (15.200) war um angenehme 15 Uhr vor knapp 1200 Zuschauern. Die Karte auf der Haupttribüne war mit 8 Euronen (ermäßigt) durchaus erschwinglich. So blieb noch etwas Kohle für das eine oder andere Bierchen zum Preis von 2,40€ (+10 Cent Pfand für den Plastikbecher :D) und ne „Riesen Krakauer“ für 3€ übrig. Ach ja, ne Stadionzeitung gab es am Eingang noch umsonst dazu was absolut top war!

OL-HL1

Das Mittelfeldduell der RL-Nord begann und ich ahnte schon nach einigen Minuten, was da für ein Kick auf uns zukommen sollte. Oldenburg war die bessere Mannschaft. In der ersten HZ gab es drei/vier mehr oder weniger gute Chancen die am Tor vorbei gingen oder direkt auf den Torwart kamen. Insgesamt standen beide Mannschaften kompakt und versuchten keine Fehler zu machen. Dabei hat es Lübeck in der ersten Hälfte nicht geschafft ihre Konter zu fahren. Naja, Halbzeit. Keine lange Schlange auf Klo, keine lange Schlange am Bierstand und wegen der Sicherheit gleich zwei mitgenommen!

OL-HL2

In der zweiten Halbzeit dann das gleiche Bild. Oldenburg die etwas bessere Mannschaft und von Lü-beck weiterhin fast nichts zu sehen. Und wie es dann halt im Fußball so ist, nutzten die Lübecker in der 75. Minute ihre Chance vor dem Tor eiskalt! Bei dem Ergebnis blieb es dann auch bis zum Ende. Zu dem Spiel kann man abschließend nur sagen, dass beide stets bemüht waren.

Etwas Interessantes an dem Spiel gab es dann doch noch. Die ca. 70 mitgereisten Lübecker gaben vor, nach und während des Spiels, den einen oder anderen stichelnden Sprechgesang in Richtung Oldenburg zum Besten. Dies sorgte bei dem einen oder anderen sportbegeisternden Menschen, die dort auch auf einem Sonntag rumlungerten, für ein Schmunzeln auf dem Gesicht. Die Oldenburger Antwort (richtig nur einmal) war durchaus dürftig. Deshalb nehmen die Lücker diese Punkte auch mit nach Hause.

OL-HL3

Am Ende ist vielleicht noch zu erwähnen, dass die Polizei nach Abpfiff mal wieder sehr konsequent in ihrem inkonsequenten Handeln hinter dem Gästeblock war. Während einige noch dabei waren zu gucken ob der richtige Schuh auch am richtigen Fuß ist, hatten andere den Hunden schon mal den Maulkorb abgenommen. Naja, vllt einfach mal die goldene Mitte finden.

Turin6

Turin - der Ausflug in das Piemont geriet zu einer touristisch größeren und sportlich kleineren Enttäuschung. Nun gebe ich zu, dass ich mich im Vorfeld nicht sonderlich mit der Stadt beschäftigt habe - aber dennoch hätte ich von der norditalienischen Metropole mehr erwartet, als sie letztlich zu bieten hatte. Auf dem Weg zum Treffpunkt am Corso Vittorio Emanuele II - die anreisenden Busse wurden vor den Toren der Stadt gesammelt und per Polizei-Eskorte in die Stadt geleitet - präsentierte sich die vorbeiziehende Stadt als eher unschöne Industrie-Siedlung, unterbrochen lediglich von einem kurzen ansehnlichen Stück, das den Eindruck einer historischen Altstadt erweckte.

Turin22Ob diese Impressionen nun Turin tatsächlich gerecht werden - ich vermag es nicht abschließend einzuschätzen, da sich unser Aktionsradius nach der Bus-Ankunft am Dienstagmittag weitgehend um den Corso Vittorio Emanuele II erstreckte. So wenig die Stadt dort touristisch zu bieten hatte, so sehr bot sie jedoch kulinarisch allerfeinste Spezialitäten auf die Gabel. Die Wahl fiel auf das „Masaniello e Turnat“ in der anliegenden Via Ormea, 1/B. Einige mögen behaupten, es habe sich doch lediglich um eine normale Pizza mit ein bisschen Salat gehandelt, ich entgegne dem: Es war der Traum einer Pizza und eines Salates. Entgegenkommen sollte uns zudem, dass die Betreiberin offenbar eine Anhängerin des mit Juve rivalisierenden FC Turin ist, sodass sie direkt zum Schaltausch bat. Die restliche Zeit bis zur Abfahrt der Shuttle-Busse zum Stadion ließ sich im Pub „Texas Ranger“ ganz gut totschlagen.

Turin1

Ab 17 Uhr sollten ebendiese Shuttle-Busse in Richtung Stadion rollen. Hier zeigten sich die Turiner aber zunächst weniger geschickt als beispielsweise die Istanbuler. Gab es seinerzeit im Herbst noch ausreichend Busse, sodass alle Borussen in einem einzigen Konvoi zum Stadion geleitet werden konnten, so fanden sich zunächst nur vier mickrige Busse am Treffpunkt ein. Entsprechend groß war das Gedränge. Nach und nach tröpfelte immer mal wieder ein Bus ein, sodass allmählich alle Borussen den Weg zum Juventus Stadium fanden.

Einmal einen Platz im Bus ergattert, so sollte sich auch zeigen, warum die Busse immer nur vereinzelt den Weg zum Fan-Treff fanden. Eskortiert von Moped- und Auto-Streifen bewegten sich die Busse unter Umgehung einer vermutlich auch in Turin geltenden Straßenverkehrsordnung in Richtung Stadion. Abrupte Abbiege-Manöver in letzter Sekunde auf Weisung des vorausfahrenden Moped-Cops gehörten dabei ebenso zur Routine für die Busfahrer wie ruckartiges Anfahren auf eine Kreuzung bei eigenem Rotzeichen. Die Beschreibung GTA-Style trifft die Anreise wohl ganz gut - auch wenn ich mir immer noch nicht sicher bin, ob die Cops zu jeder Zeit überhaupt noch wussten, wo man sich gerade eigentlich befand und wie der richtige Weg zum Stadion aussah.

Nach einer rund 45-minütigen dauernden Abenteuerfahrt durch den Turiner Feierabendverkehr - erstaunlich war übrigens, dass man, wie schon den gesamten Tag über, wesentlich mehr wohlwollende als ablehnende Gesten der Turiner erntete - ragte endlich das Juventus Stadium vor uns empor, das auf dem Grund des alten Stadio delle Alpi errichtet und im Jahr 2011 eröffnet wurde. Man kann nun jedoch wahrlich nicht behaupten, dass man dort mit offenen Armen empfangen worden wäre. Bei der Busankunft bildeten die Cops in voller Montur eine Kette, die einen zum Gästeeingang geleiten sollte. Etwas nervös konnte man im Bus werden, wenn man draußen vor der Ausstiegstür bereits die behelmten Cops betrachtete, wie wiederum sie nervös wirkend mit dem Schlagstock auf ihre Plastik-Schilde eintrommelten. Beim Verlassen des Busses gaben sie auch direkte Anweisungen, ein Warten auf den Rest der Gruppe wurde nicht gestattet, jeder musste sich auf direktem Wege zum Gästeeingang begeben. Hallo, Gastfreundlichkeit!

Turin4Turin5

Gesteigert werden sollte dies noch durch die Eingangskontrollen. Hier zeigten sich die Italiener von ihrer gründlichen Seite. Abgetastet wurde bis auf den Schlüpper - und leider auch weit darunter hinaus. Nicht alle, aber doch sehr viele Borussen durften zudem auch die Schuhe ausziehen. Der Cop übernahm dann die Aufgabe, den Straßendreck des Tages auf dem Asphalt abzuklopfen. Eine nette Geste.

Turin10Der Aufgang zum Gästeblock ist völlig steril gehalten und durch Metallgitter komplett vom Heimbereich abgegrenzt. Das Stadion selbst - charakteristisch sind die beiden in den Himmel ragenden Dachträger auf beiden Hintertor-Seiten - ist jedoch im Vergleich zu vielen anderen neugebauten Arenen auf dem ganzen Kontinent als eine der lebhafteren und charakteristischeren einzustufen. Die Juve-Anhänger zeigten insbesondere vor und zu Beginn des Spiels, was in dem Stadion für eine beeindruckende Stimmung herrschen kann, sofern alle mitziehen. Der Bedeutung des Spiels angemessen präsentierte der Juve-Anhang auch eine recht ansehnliche Choreo. Im Verlauf der zweiten Halbzeit ebbte der Support der Heimfans jedoch zusehends ab.

Zwischendurch brachte Juves Heimkurve ihre Ablehnung gegenüber dem BVB sowie den mit Teilen der Dortmunder Ultras befreundeten Lagern aus Catania und Napoli zum Ausdruck. Auf den auf Deutsch gehaltenen Transparenten hieß es: „Der Freund meines Feindes ist mein Feind - Dortmund Scheiße - Catania Merda - Napoli Colera“.

Turin7In den direkt angrenzenden Bereichen unseres Gästeblockes auf der „Tribuna Ospiti 1^ Anello“ waren beide denkbaren Reaktionen der Turiner Fans zu beobachten. Einige kamen an die Trennscheibe und signalisierten ihren Willen zum Schaltausch, andere wiederum zogen ihre Daseinsberechtigung an diesem Abend aus penetrant-nervigen Dauer-Provokationen, aus denen sich heraus das eine oder andere amüsante Wortgefecht entwickelte. Die Ordner mussten zudem mehrmals in den angrenzenden Blöcken eingreifen und zumeist dort sitzende Dortmunder Fans sicherheitshalber hinausbegleiten.

Von schwarzgelber Seite entwickelte sich hingegen unterm Strich kein überbordender Support, von dem man noch in einigen Jahren sprechen wird. Als nachteilig entpuppten sich hier insbesondere die fehlenden Trommeln und Megafone, die im Vorfeld bereits verboten worden waren. Zwar versuchte sich der vordere Bereich des Unterranges, der vornehmlich von TU bevölkert wurde, redlich, doch der Funke wollte nie wirklich und dauerhaft auf den Rest überspringen.

Turin8Ein Vorbild an dem Juventus Stadium kann sich übrigens insbesondere Werder Bremen nehmen. Blockiert einem an der Weser die extrem dämlich angebrachte Anzeigetafel nicht nur die Sicht auf das Spielfeld, sondern natürlich auch die Sicht auf die genau gegenüber angebrachte Anzeigetafel, so wurde zumindest der letztgenannte Aspekt in Turin dadurch gelöst, dass auf der Hinterseite der Anzeigetafel eine kleine weitere Leinwand eingebaut wurde, sodass man auch hinter dem Tor einen Blick auf die Spielzeit werfen kann.

 

Nach dem Schlusspfiff garantierte eine doppelte Ordnerreihe sowie die dahinter postierte und sich lässig unterhaltende Polizei die international übliche Blocksperre, die sich nach rund 40 Minuten endlich aufzulösen begann - scheinbar. Die Polizisten zogen plötzlich völlig deeskalierend ihre Helme auf und brachten Schilde und Schlagstöcke in Position - und zogen sich zurück. Zwar konnte man nun den Block verlassen, doch unten vor dem Stadion zogen die Cops nun an den Eingangsdrehkreuzen eine neue Sperre auf, diesmal ohne entspannte Dialoge untereinander, dafür in kompletter Montur und vorne postierten Schutzschilden. Abermals tat sich minutenlang nichts - eine Info, was nun genau weiter passieren wird und wann wir zu unseren Bussen - die zwischenzeitlich aus der Stadt vor das Stadion geleitet wurden - durften, gab es nicht.

Turin9Das Gelände rundherum war weit jenseits der 23-Uhr-Grenze bereits menschenleer - und wenn die Cops einen Angriff seitens italienischer Gruppen befürchtet haben, so waren sie mit ihrer Verteidigungshaltung in unsere Richtung falsch postiert. Seitens des Dortmunder Lagers gab es jedenfalls nicht die geringste Lust auf Aktionen, wie sie beispielsweise Feyenoord Rotterdam in der vergangenen Woche in Rom zeigte, sondern wir wollten einfach nur in die Busse und nach Hause. Irgendwann, aus heiterem Himmel, lösten die Cops ihre Sperre auf und gaben den Weg endlich frei. Die mittlerweile aufgestaute Wut brach sich nun in dem einen oder anderen hitzigen Wortgefecht Bahn und wieder einmal gab es ein Parade-Beispiel dafür, wie eine völlig verfehlte Polizeitaktik bei einer friedlich eingestellten Masse erst zu aufkommenden Emotionen führt.

Das Spiel als solches ging zwar leider verloren, doch mit dem 1:2 kann man wohl dennoch nicht ohne Zuversicht in das Rückspiel am 18. März gehen. Es bleibt also zu hoffen, dass der Ausflug nach Turin auf absehbare Zeit noch nicht der letzte Trip durch Europa gewesen ist. 

 

 

 

Mittwoch, 25 Februar 2015 17:22

Nachlese zur "Derby-Schande"

geschrieben von

fc koeln graffiti

Eines vorweg: Die Vorkommnisse beim Derby waren in vielerlei Hinsicht enttäuschend. Der FC hat mal wieder ein Spiel in der Schlussminute verloren gegeben, und das auch noch gegen Gladbach. Bei den Pyroshows zu Spielbeginn und zu Beginn der zweiten Halbzeit wurden auch Böller geworfen und Bengalos als Wurfgeschosse genutzt.
Dies verstößt nicht nur gegen die Stadionordnung, es entspricht auch nicht dem Selbstverständnis der Kampagne „Pyrotechnik legalisieren Köln“, die für ein kontrolliertes Abbrennen von Pyrotechnik wirbt – und der Platzsturm nach Spielende hat endgültig dafür gesorgt, dass nach dem Spiel von der „Derby-Schande“ geschrieben wird, und damit ist nicht etwa die bittere Niederlage gemeint, sondern das Verhalten der Kölner Fans.

"Ich jedenfalls liebe Fans, wenn sie Choreografien machen oder Gesänge anstimmen. Bloß zerstören ein paar wenige Chaoten diese schöne Stimmung oft." So lässt sich z.B. Jan F. Orth zitieren, seines Zeichens Beisitzer im DFB-Bundesgericht. Er vergisst dabei wie so viele, dass die Fans, die Choreografien machen und Gesänge anstimmen, meist genau die „Chaoten“ sind, die z.B. auch Pyrotechnik zünden. Orth schlägt vor, das Strafgesetzbuch um den Paragraphen § 123a zu erweitern, wonach schon der Versuch, Eingangskontrollen zu umgehen, Absperrungen zu überklettern oder den Innenraum zu betreten, strafbar sein soll. In diesen Tagen äußern sich vor allem die üblichen Verdächtigen wie der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DpolG), Rainer Wendt, der die Polizei-Aufgaben auf die Stadion-Innenräume erweitern will, oder der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große-Lefert, der so weit geht, ein Gästefanverbot bei Derbys zu fordern. 

Der FC befürchtet derweil harte Sanktionen seitens des DFB. So sagte Manager Jörg Schmadtke: „Wir gehen von einer vehementen und heftigen Strafe aus. Die Vorfälle im Derby können für den 1. FC Köln existenzbedrohend sein.“
Angeblich soll sogar ein Geisterspiel oder ein Punktabzug möglich sein. Womöglich erhofft sich der Verein, durch seine Reaktion auf die Vorfälle, den DFB milde zu stimmen. Allerdings kann man den Verantwortlichen durchaus Aktionismus vorwerfen: Auf der FC-Homepage sind z.B. unzensierte Bilder vom Fanblock veröffentlicht worden, auf denen auch unbeteiligte Fans zu sehen waren.
In der Stellungnahme des Fan-Projekts heißt es: "Wir hoffen, dass die Verbände (...) anerkennen, dass die Uhren in Köln nicht auf Mai 2012 zurückgestellt wurden. Der 1. FC Köln ist in den zurückliegenden Monaten als vorbildlich in seiner Fanarbeit wahrgenommen worden."
Dazu muss man nur einen Blick zurück auf Mai 2012 werfen: Der größten Kölner Ultra-Gruppe, der Wilden Horde, war damals, ähnlich wie heute den Boyz, der Fanclub-Status entzogen worden. Trotzdem kam es am letzten Spieltag zu einem Platzsturm, als der fünfte Abstieg in der Vereinsgeschichte feststand.
Der FC hält jedoch weiterhin daran fest, Gruppen, die unangenehm auffallen, den Fanclub-Status zu entziehen, obwohl das schon damals nichts gebracht hat. Die vorbildliche Fanarbeit, die das Fan-Projekt in seiner Stellungnahme erwähnt, begann nämlich erst nach dem Abstieg und deren Erfolg bestand nicht darin, möglichst hart gegen einzelne Gruppen durchzugreifen, sondern den Dialog mit den Fans zu suchen.

Das hat dazu geführt, dass die letzten zweieinhalb Jahre im Großen und Ganzen ziemlich ruhig waren, und nun macht der FC wegen eines einzigen Vorkommnisses die Kehrtwende: Den Boyz ist nämlich nicht nur der Fanclub-Status entzogen worden, sie sind auch aus der AG Fankultur rausgeworfen und somit vom Dialog mit dem Verein ausgeschlossen worden.
Doch als ob das nicht genug wäre, sprach der FC auch unbefristete lokale Stadionverbote gegen die Boyz und deren Umfeld aus, unabhängig davon, ob die Betroffenen sich am Platzsturm beteiligt haben oder überhaupt beim Derby anwesend waren.
Sicher, die Boyz sind nicht zum ersten Mal negativ aufgefallen. Jedoch macht es sich der FC zu einfach, wenn er glaubt, eine Gruppe ausschließen zu können, ohne den Dialog mit den anderen Gruppen zu belasten. Schließlich könnten diese Maßnahmen jederzeit auch gegen andere Gruppen angewendet werden.

„Der DFB hat die Maxime: Strafen. Und wenn noch mal was passiert: Höhere Strafen. Das heißt, die Spirale geht immer weiter. Das ist keine Lösung des Problems.“ Diese Worte stammen nicht von irgendeinem Fanvertreter, sondern von FC-Präsident Werner Spinner.
Dass Vereinsvertreter angesichts der Vorfälle in Gladbach enttäuscht und verärgert sind, kann ich durchaus nachvollziehen. Aber vor dem Spiel eine solche Aussage zu tätigen und nach dem Spiel Stadionverbote gegen eine ganze Gruppe und deren Umfeld auszusprechen, das passt nicht zusammen. Erst recht, wenn man ältere Aussagen Spinners beim Wort nimmt, wie das auch bereits Teile der Südkurve getan haben, als sie mit Spruchbändern beim Spiel gegen Hannover daran erinnerten.
“Wir sind gegen Kollektivstrafen von Fanclubs und Ganzkörperkontrollen in Containern” Werner Spinner

Auch die Desperados aus Dortmund solidarisierten sich mit den Boyz, indem sie ein Banner mit der Aufschrift „Je suis Boyz Köln“ beim Spiel in Stuttgart präsentierten. Stilvoll ist das nicht. Dass BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke aber gleich mit Stadionverbot droht, zeugt nicht gerade von Demokratieverständnis. Man muss auch unbequeme Meinungen ertragen, auch wenn diese in einer Art und Weise geäußert werden, die man zurecht als geschmacklos bezeichnen kann.

Schade ist auch, dass die Boyz nicht zu einer selbstkritischen Stellungnahme bereit waren. So bleiben die Fronten verhärtet: Auf der einen Seite die Hardliner, die härtere Strafen und Gesetze fordern, auf der anderen Seite Hardcore-Fans, die sich in die Opferrolle reindrängen lassen.