Fr28Apr2017

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Natalie Keil

Natalie Keil

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Die heimstärkste Mannschaft der Bundesliga in dieser Saison - meine Hertha - konnte diese Bilanz auch gegen den Champions League-Teilnehmer Borussia Dortmund mit einem 2:1 Sieg fortsetzen!

So langsam verdienen wir uns das Rennen um die internationalen Plätze und haben endlich 2 Spiele Vorsprung auf den nächsten Verfolger. Der Sieg gegen den BVB war ohne wenn und aber verdient. Aber von dem Topspiel und unserer Leistung redet inzwischen niemand mehr und deshalb rede auch ich nicht davon - jetzt!

Die Medien stürzen sich mit aufwiegelnden Arschbomben auf unseren Spieler Mitchell Weiser. Was war passiert? Am Ende der 2. Halbzeit, der spätere Endstand war da schon längst eingestellt, kam es zu einem kleinen Scharmützel zwischen Dembélé und Weiser. Weiser schlägt den Ball weg und wird kurz darauf von hinten in die Innenseite der Wade getreten. Weiser fällt und rollt. Die Bewertung dieser Situation fällt folgendermaßen aus: Der Tritt vom Dortmunder Spieler ist ganz eindeutig eine Tätlichkeit und hätte gut und gerne mit glatt Rot geahndet werden können. Unser Spieler behält sein Bein und macht auch für meinen Geschmack eine Rolle zuviel. Aber halten wir fest: Er ist der Gefoulte. Letztlich bekommen beide Spieler Gelb.

Was mich, ehrlich gesagt, schockiert hat heute beim SPORT1-Doppelpass-Gucken, ist, daß dort im Fernsehen ganz öffentlich und schamlos zum Fegefeuer gegen Weiser aufgerufen wurde von den anwesenden Herren. Besonders hervorgetan haben sich da Carlo Wild vom Kicker, Ralf Rangnick von RB Leipzig, Marcel Reif von dieser Welt. Einspruch gab's von keinem. Was ich da gesehen habe, ist einfach nur obszön.

Sicherlich ist da seitens Weisers Theatralik drin, die gerne hätte ausbleiben können, aber wurscht bezüglich der Tätlichkeit Dembélés. Es spielt letztlich gar keine Rolle, wie heftig die Folgen sind, eine Tätlichkeit ist eben eine, wie auch ein Foul eins ist. Es wird nicht die Güte einer Verletzung geahndet.

Warum passieren solche Dinge? Es gibt viele Möglichkeiten: Wenn viel Adrenalin im Spiel ist, macht man schon mal Dummheiten, da streckt sich einem der Mittelfinger, da pöbelt man unbewußt mal in ein Außenmikro, der erste Schreck, Durchtriebenheit, Mißgunst, Unbedarftheit, Sorglosigkeit... Unser Weiser war lange verletzt, wir Herthaner sind alle froh, daß da weiter nichts passiert ist. Vielleicht auch eine Erklärung?!

Inzwischen werden die Spieler neben und auf dem Platz in jeder Sekunde eingefangen und kontrolliert. Das wissen alle Spieler und verhalten sich häufig entsprechend, gerne wird im Fallen nach einem Foul schon die Kamera gesucht, um zu prüfen, ob auch ja jeder alles gesehen hat. Auch diese lausigen Torjubel sind ein Produkt des Wissens um die Replikation des Moments "Batman und Robin" (Aubameyang, Reus/ BVB), "Die Boy Band" (Holtby, Schürrle, Szalai/ M05), "Eckfahnenpinkler" (Mertens, SSC Napoli), "Babybauch" (Lewandowski/ FCB) usw. Die Liste kann beliebig fortgeführt werden, es betrifft nahezu alle Vereine überall auf der Welt. Oft ein Moment zum Fremdschämen. Das ist auch schon früh im Repertoire, neulich bei unserer U16 gesehen und da zeichnet niemand auf. Es reicht, daß die Fersehanstalten diese Bilder Wiederkäuen. Sei's drum. Theatralik kommt zunächst einmal auch ganz einfach technisch zustande: Um im Beispiel zu bleiben, sieht die Rolle von Weiser in Zeitlupe auch viel schlimmer aus, als das in Echtzeit und im Stadion der Fall war. Die Zeitlupe implantiert im Zuschauer aber den Eindruck bewußter Handlungen. Das trifft aber meist nicht zu, sondern ist in der Regel ein normaler Bewegungsablauf. Das schließt grundsätzlich nicht den Schurken auf dem Rasen aus. Die vermeintliche Theatralik sind die beiden Seiten einer Medaille: Mit Vorsatz den Gegenspieler anschwärzen zum eigenen Vorteil OHNE gefoult worden zu sein oder ein Foul überbetonen aus der Befürchtung heraus, es könne übersehen worden sein. Das mag fragwürdig und nicht so wirklich gelungen sein, ist aber auch Produkt und Erfahrungswert in einem Metier in dem TV-Bilder alles bestimmen. Sie bringen das Geld, sie sind das, was gewollt ist. Und je spektakulärer und dramatischer umso besser. Diese Welt ist bigott: Pyrobilder einfangen, aber Licht verteufeln; Schwalbenzeitlupen noch und nöcher, aber wer und daß verdammt wird, unterliegt unbekannten Gesetzen. Insgesamt wäre mir auch weniger Gestik und Mimik lieber, das ist bloß letztlich gar nicht erwünscht. Es wird ja geradezu auf die große Geste, einen Fehler gelauert, um sich darauf zu stürzen. Großkreutz und Kruse haben da sicher auch Erlebnisberichte. Ja, das passiert alles und ist menschlich. Seid einfach mal gnädig, wenn es andere nicht sein wollen. Vor allem, wenn jemand sonst nie dahingehend auffällig wurde.

Ralf Rangnick griff die zigfachen Zeitlupen der Weiserrolle mit Kußhand auf, um den Schandkübel seines Spielers nun erleichtert über unseren Spieler auszuschütten. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, diese Bilder wurden flehentlich herbeigesehnt, um den gescholtenen Timo Werner aus der Schußlinie zu bekommen und durch einen neuen Stein des Anstoßes zu ersetzen. Halt, Stopp! Wir erinnern uns: Timo Werner wurde NICHT gefoult, es war eine Schwalbe. Auch selbst da ist es nicht akzeptabel, wenn er dafür durch den Kakao gezogen wird und Schwalbenpäpste wie insbesondere Robben, aber auch Lewandowski, Suarez, Draxler noch bei WOB und wen jeder noch spontan parat hat, mit einem allgemeinen Achselzucken davonkommen. Es ist quasi allgemein geduldet und indirekt legitimiert. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, daß Rangnick auch noch gerne andere Bröckchen aufnahm und Konkurrenten denunzierte zum Thema, die 50+1-Regel sei doch schon längst ausgehebelt durch laut genannte Bundesligisten. Herrlich.

Ich finde es komplett verantwortungslos, daß im Doppelpass vom 12.03.2017 indirekt, aber öffentlich, zu einem Shitstorm gegen einen Spieler animiert wird. Und nach meinem Verständnis spielt es überhaupt keine Rolle, ob es einen Spieler meiner Mannschaft betrifft oder irgendeinen anderen. Es gibt inzwischen diverse Statements dazu in den sozialen Netzwerken, die dann viral gehen: stark gekürzte gifs, die das Foul ausblenden und also manipulativ sind, Shitstorm in den Kommentarspalten diverser Fußballseiten, negative Tweets und Posts, die alle komplett die vorangegangene Tätlichkeit unterschlagen, im Berliner Fenster (quasi Nachrichten-/ Werbe-Ticker in der U-Bahn) wird das Thema erwähnt. Meine Frage an die Leute, die sich am Shitstorm beteiligen, ist eigentlich, welches Rechtsempfinden da herrscht? Das mein Verein nicht sonderlich beliebt ist außerhalb seines Dunstkreises und im englischsprachigen Raum stört mich nicht weiter, geht mir umgekehrt nicht anders. ABER: Weil ein Spieler bei einem Drecksverein spielt, so wurde kommentiert, ist es in Ordnung, einen wesentlichen Teil dieser Situation zu unterschlagen und den kompletten Zorn auf den Gefoulten zu übertragen?

Also jetzt mal im Ernst: Ich kann dich nicht leiden, du bist häßlich, deshalb ist es okay oder nicht so schlimm, wenn du z.B. Opfer eines Justizirrtums wirst oder ungerecht behandelt??! Leute, die Denke bewegt sich auf dem Niveau, mit dem man Frauen in Minirock begegnet, die sexuell belästigt oder gar vergewaltigt wurden: Naja, der Rock war aber schon sehr kurz und sehr aufreizend! HALT! STOPP!

NEIN! Weiser wurde mit einer Tätlichkeit gefoult - Punkt. Ja, die Rolle mußte nicht sein. Das ändert aber nach wie vor nichts an Dembélés Einlage.

Ich ergreife hier deutlich Partei für einen Spieler meiner Mannschaft, weil es momentan kaum einer tut, und gleichzeitig soll dies ein Plädoyer an alle sein: Beteiligt Euch nicht an einem Shitstorm gegen einzelne Fußballer, Menschen generell! Erst recht nicht, wenn Ihr nur Ausschnitte kennt und Euch gar nicht sicher sein könnt, ob die Einschätzung so überhaupt zutreffend ist. Es geht mir um einen generellen Umgang. Ein Bild, das einmal in die Welt gesetzt wurde, bleibt im Gedächtnis. Wir sind visuelle Wesen. Mir persönlich wären insgesamt auch weniger Gestik und Mimik lieber. Die TV-Vermarkter haben daran nur kein Interesse, im Gegenteil, man lauert auf die große Geste, den Fehltritt, die Schwäche. Großkreutz und Kruse können sicher auch Erlebnisberichte zu dieser Thematik beisteuern. Manchmal erfährt jemand ein Stigma, das er für den Rest seiner Laufbahn nicht ablegen kann. Schon innerhalb von 2 Tagen ist in der Presse aus einer Tätlichkeit, und dafür müssen keineswegs Gliedmaßen abgetrennt werden, ein Kontakt geworden und eine Schwalbe fliegt in Gänsefüßchen nebenher. Nochmal, nein, das ist eine Verunglimpfung! Bedenkt einfach nur, daß es ein anderes Mal einen Fußballer Eures Lieblingsvereins treffen könnte. Haßtiraden lassen sich ohne Nachzudenken zu leicht in die Tasten hauen und verbreiten. Macht das nicht! Zeitlupen sind Verstärker! Wie anders könnte sonst im Nachhinein eine Schiedsrichterentscheidung bestätigt oder widerlegt werden, die man mit bloßem Auge kaum erkennen kann.

Und der Doppelpassrunde im Besonderen und anderen Medien möchte ich sagen: Schämt Euch, Ihr tragt Verantwortung und habt eine Sorgfaltspflicht!

 

Dienstag, 21 Februar 2017 13:08

Knigge und Bonus

Screenshot 2017-02-21 15.35.54Screenshot 2017-02-21 15.28.25Wenn man nach langer, sehr langer Zeit beschließt, an die Tasten zu gehen und auf dem kurzen Weg dahin nicht mehr weiß, womit anfangen, weil sich die Themenangebote nun geradezu überschlagen. Von meinem eigentlichen Aufhänger kann ich aber im Verlauf dieses Textes einen schönen Bogen schlagen, das ist meinen Freunden vom DFB geschuldet. Die, ich gebe es zu, sehr häufig Antrieb meiner Auseinandersetzungen sind, wenn auch nicht schriftlich, wie die letzten Jahre belegen.

Ich habe die Debatten um Fanreaktionen auf RB Leipzig selbstverständlich verfolgt als interessierter, aber noch unbehelligter Fan. Ganz recht, unbehelligt, denn ich frage mich, was uns allen noch blüht. Mir ist nicht ganz klar, warum plötzlich diese Benimmpolizei und der Etikette-Schwindel schon geradezu groteske Formen annimmt. Jeder Stadiongänger weiß, daß Transparente seit Jahrzehnten Mittel der Meinungsäußerung in den Kurven sind. Und auch sind seit Jahrzehnten die Meinungsäußerungen mehr oder weniger gelungen. Ich persönlich bin großer Freund humorvoll gesetzter Stiche. Das gelingt nicht immer und manchmal sorgt der Ärger über dies und das dafür, daß andere Synapsen aktiv werden. Das qualitative Spektrum reicht von sehr oft witzigen Pointen bis zu tatsächlichen Sinkflügen. Immer aber ist so ein Plakat auch Ausdruck von Kreativität, in Stenoform muß ein komplexer Inhalt in knackiger, griffiger Kürze zu Papier gebracht werden. Nicht alle schaffen es ins MOMA. Und so manches Kunstwerk offenbart seine Doppelbödigkeit nur den Kennern.

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Die Ausstellung bei Borussia Dortmund zeigte nun in ihrer Anzahl eine eher seltene Menge an Objekten und natürlich waren da auch echt schwache, sehr derbe Meinungen vertreten. Aber, so what? Ein Bundesligaspiel (ein Fußballspiel allgemein) ist immer Rivalität und manchmal sogar sehr große, es sei denn, befreundete Teams und Bene Fizz treffen aufeinander. Beschimpfungen und Schmähungen muß man aushalten, das gehört dazu. Manche Auswärtsfahrten sind Gänge nach Canossa, habe ich alles schon erlebt, auch, daß man seine Vereinszugehörigkeit besser nicht zeigen sollte. Ich mag diese Form der Gastfreundschaft nicht besonders, man sollte seinen Schal tragen können und ist schließlich aus Gründen unterwegs. Da sind wir auch schon beim Thema, und natürlich darf man wegen seiner Vereinzugehörigkeit nicht körperlich angegriffen werden. Keine Diskussion! Ausnahme sind verabredete Schlägereien, aber davon bekommen nicht Involvierte nix mit, kann uns egal sein. Es wurde ja schon x-Mal durchgekaut, für die Vorfälle außerhalb des Stadions ist der DFB gar nicht zuständig und im Stadion ging es nach meinem Kenntnisstand nur schriftlich und mündlich zur Sache. Als nächtes wird sich Borussia Mönchengladbach zu verantworten haben. Es werden sicher noch mehr Delinquenten bis zum Ende der Saison, gegen die der DFB ermitteln wird, weil einfach jeder Gegner, selbst z.B. die Hoffenheimer (auch gerne Adresse von Schmähäußerungen) ihr Hühnchen mit RB Leipzig rupfen werden. Aber auch der FC St. Pauli zeigte gg Dresden ein makabres Plakat. Es gibt unzählige solcher Plakate, die kann man hier gar nicht alle nennen. Aber haben wir diese Ermittlungsarbeit in diesen Fällen so massiv gehabt? Ich habe langsam den Eindruck unser Fußballverband ist eine Detektei. Wer bestimmt, welche Meinungen gegen wen geäußert werden dürfen und vor allem wie drastisch? Die Kritik an RB Leipzig ist in Teilen durchaus berechtigt (Financial Unfairplay für einen Aufsteiger, die Ersatzbank in Salzburg, aggressives Jugendscouting, Satzung/ Mitgliedschaft)! Allerdings sind sie nicht der einzige "Firmentrupp", der in der Bundesliga aktiv ist und die Doreens und Ricos sind wirklich das allerletzte Glied in dieser Kette. Denen kann man nicht vorwerfen, daß sie Fußball sehen wollen. Daher ist mein Wunsch, sämtlicher Protest wendet sich ausschließlich an den eigentlichen Verursacher DFB und an Mateschitz/ Clubvorstand.

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Ich habe eher den Verdacht, der DFB reagiert gerade in diesem Zusammenhang so empfindlich, weil er einerseits selbst (in)direkt Adresse der Wut oder Empörung der Fans ist. Er selbst hat die lächerliche Red Bull Logoänderung als Vereinswappen durchgewunken und damit den Spielbetrieb ermöglicht. Man kann nicht ausschließen, daß der Verband die durchaus erfolgreiche "Entwicklung" der Leipziger in dieser Region protegiert. Nachdem zunächst nach der Wende der Fußballosten abgewickelt wurde, macht es Sinn, dort einen finanziell sprudelden Quell für Nachwuchsarbeit zu etablieren. Frischfleisch für die Nationalmannschaft. Spätzle-Connection läßt grüßen.

Es ist für einen Außenstehenden einfach nicht einsichtig, nach welchen Kriterien der DFB Ermittlungen einleitet und Strafen verhängt. Und damit ist noch nicht mal die Frage geklärt, ob überhaupt Strafen verhängt werden müssen, solange es bei Wortgefechten bleibt. Da mag manchen vielleicht mal die Spucke wegbleiben, aber in der Regel konnten Vereine untereinander mit einer Stellungnahme reagieren und das Ding war vergessen. Inzwischen meint man es aber analog den "strengsten Eltern der Welt" mit dem strengsten Verband der Welt zu tun zu haben, der die aufmüpfigen Fans zur Raison rufen will. Das wird so jedenfalls nicht gelingen, da bin ich mir sicher. Und es ist auch richtig. Der DFB darf kritische Stimmen nicht wegdrängen, sondern muß sich auch den Vorwurf gefallen lassen, manch Entgleisung selbst zu provozieren. Aber ganz Lotusoberfläche perlt das ab. Stattdessen befinden sich die Fans in Stellvertreterauseinandersetzungen mit anderen Vereinen. Über den Sinn und Unsinn von Sippenhaft hat man sich schon den Mund fusselig geredet. Schießt am Ziel komplett vorbei. Es wird sich ereifert und "gereinigt", wo es nur geht. Jüngst wurde ein BVB-Fan beim Fantalk auf Sport1 in der 11Freunde-Bar in Essen vor laufenden Kameras von Neururer, Helmer und vor allem Basler rund gemacht. Der Fan hatte den von Aubameyang verschossenen Elfmeter im letzten CL-Spiel mit einem authentisch verärgerten "Idiot" quittiert. Nix großes. Auf Facebook wurden die kritischen Kommentare der User zu diesem Vorfall gelöscht. Zum Schreien natürlich, daß gerade Basler, selbst gerne ausfallend und beleidigend, hier ganz Hofdame war.

Für rassistische oder diskriminierende Äußerungen sind zweifelsohne Sanktionen Pflicht und selbstverständlich für Parolen, die unter §130StGb fallen.

Aber nicht nur das, für das kommende Rückspiel gegen PAOK in der EL wird den Schalker Fans von Vereinsseite ein Verhaltenskodex nahegelegt, um "nicht unnötig zu provozieren". Gegenstand der Kontroverse ist die Mazedonische Flagge "Stern von Vergina". Die Griechen erklären beharrlich Mazedonien zur Chefsache und rein griechischen Angelegenheit. Nun gibt es aber auch ein jugoslawisches Mazedonien. Und deren Flagge ist nun Störenfried im Auge der Gästefans. Schon bei einer letzten Begegnung kam es deshalb zu Ausschreitungen der eigenen Polizei gegen die Gelsenkirchener. Man hatte blind den Behauptungen der griech. Funktionäre vertraut und fand höchst unangemessene Methoden um gegen den dt. Anhang vorzugehen. UGE verbindet eine Freunschaft mit den Ultras von Varga Skopje. Nun haben aber Gerichte eindeutig geklärt, daß die Flagge absolut legal und nicht verfassungsfeindlich o.ä. ist. Auch da fragt man sich, wessen Befindlichkeiten Vorrang haben und wieso. Laut Augenzeugen war das Hinspiel für die Gästefans äußerst unerquicklich.

Aber es geht in die in diesem Blog nicht nur um Transparente. Inzwischen wird nach dem Spiel meiner Hertha gegen die Säbener NUR noch gegen meinen Verein ermittelt, wie der DFB heute mitteilte. Hier liegt der Fall etwas komplizierter. Hertha BSC hat in der regulären Spielzeit die Bayern durch ein Tor von Ibisevic 1:0 besiegt. Es gab bereits ein großes Raunen, als die Nachspielzeit (NSZ) von 5 Minuten angezeigt wurde. In der 2. HZ ist nichts vorgefallen, das diese ungewöhnlich lange NSZ rechtfertigt. Schon gar nicht, wenn man viele, viele Partien gesehen hat und hier nicht den üblichen Sitten und Gepflogenheiten entsprochen wurde. Ich weiß von zig Spielen, in deren 2. Durchgang Tore fielen und gewechselt wurde, am Ende standen die typischen trüben 2 Minuten. Immerhin da kam es zu einer "Verbesserung", heute werden in der Bundesliga 3-4 Minuten draufgeschlagen. Was den jungen Ittrich geritten hat, weiß niemand. Ich muß die ganze Zeit an einen engagierten Ausbildungsabsolventen denken, der dann in einen Betrieb kommt, der alltagstaugliche und pragmatische Nachbesserungen zur allseitigen Zufriedenheit getroffen hat und nun von einem hypergenauen Musterschüler heimgesucht wird, besonders temporär, wenn der Chef auftaucht. Nachspielzeit ist individuell und muß einen Bezug zu den Vorkommnissen in den 90 Minuten haben. Sie kann also nicht einheitlich sein, fragen wir unsere Freunde zur Vorwendezeit - EinheitsMielkeZeit bis der Favorit trifft. Am Samstag konnten wir von Glück reden, daß Lewandowski relativ zügig in der NACHnachspielzeit zum Ausgleich traf, sonst hätten wir womöglich unvorbereitet noch den Sonntag dort verbracht. Das Spiel wurde in der 97. Minute abgepfiffen. Der längsten NSZ seit detaillierter Aufzeichnung. Danach soll es zu Vorfällen gekommen sein, die nun den DFB veranlassen zu ermitteln. Frist für eine Stellungnahme von Vereinsseite gilt bis Montag.

Screenshot 2017-02-21 18.47.30Was war passiert? Große Aufregung natürlich. Zunächst hieß es, es werde gegen Ancelotti wegen eines gezeigten Stinkefingers ermittelt angeblich nach einer Spuckattacke. Und gegen Jarstein wegen eines Ballschusses, der (mutmaßlich unabsichtlich) Alonso traf. Die Gemüter und Medien kochten hoch, es gab hoch unsportliche Bemerkungen von den 2 bayerischen Oberkrämpfen Neuer und Müller. Beiden rate ich dringend, sich mit folgender Statistik zu beschäftigen statt weiter Säbener Fake News zu verbreiten. Dieses Duell wies die höchste Nettospielzeit aller Partien auf, der geballte Unsinn ist also obsolet und zeugt nur ein weiteres Mal von der natürlich hohen Geburt und Stellung des Rekordmeisters. Wie peinlich wäre da eine Niederlage gegen die Berliner Sorgenkinder gewesen, man erinnere, wie Neuer in der Schlußphase wie in einem Weltmeisterschaftsfinale mit nach vorne kam. Die Niederlage mußte verhindert werden. Auch sagt es einiges aus, wenn es zu dieser Nachspielzeit viele ironische Reaktionen gibt. Die des Postillon empfinde ich geradezu als Ritterschlag:

 

Screenshot 2017-02-21 18.40.18Screenshot 2017-02-21 18.41.03Stand heute ist nun, daß der DFB das Verfahren gegen Ancelotti eingestellt hat. Dafür reichte eine Stellungnahme und eine Spende von 5000€ an eine DFB-Stiftung. Interessant in diesem Zusammenhang ist allerdings folgendes: Bereitwillig wurde von der Presse und den TV-Medien Anecelottis Behauptung, er sei angespuckt worden übernommen. Dafür lagen und liegen bis dato keine Beweise vor, für den Stinkefinger schon. Bis die Vorfälle lückenlos aufgeklärt sind, haben die Medien mit entsprechender Sorgfalt zu berichten. Die Stimmung kochte hoch, denkbar wäre doch auch, daß Ancelotti arg beleidigt wurde, den Finger hob und im Affekt zu dieser Schutzbehauptung griff (ich erinnere an Nobert Meiers Gehirnerschütterung).

Ein erregter Fan kann auch Bier verkleckert haben. Ich sage explizit nicht Bierdusche. Wir reden von der Haupttribüne!, da sitzen auch Bayernfunktionäre neben unseren Anzugträgern. Soviel Emotion hätte ich denen gar nicht zugetraut. Und bis hierhin, um den Bogen zu schlagen, ist das für mich alles kein Drama: Es kocht hoch, man reagiert sich ab, gut ist! Man entschuldigt sich hinterher, packt was in die Vereinskasse. Fertig.

Aber was haben wir jetzt? Ein fragwürdiges Unentschieden und Ermittlungen nur gegen Hertha. Jarstein sollte wegen des Ballschusses aussagen, wurde aber schon Gelb verwarnt. Tatsachenentscheidung. Ermittelt wird also wegen angeblicher Spuckerei auf Ancelotti, den Schiedsrichter und "unsportliche Äußerungen" von Herthafunktionären gegen das Schiedsrichtergespann. Die können froh sein, daß sie mich nicht gehört haben. Wir haben also wieder ein #Schirigate 2.0!

Ich kann mir in etwa ausmalen wie die Ermittlungsergebnisse aussehen. Die strukturelle Vorgehensweise jetzt ähnelt sehr denen nach der Relegation. 1 Woche Zeit, sich für uns etwas zu überlegen. Und ob wir jemals Beweise sehen werden? Ancelotti ist jetzt in der Wahrnehmung der spendenfreudige Saubermann. Ich verlasse vorübergehend den Planeten! Auch, bis Menschen wieder bereit sind sich Auseinanderzusetzen und Anfeindungen auszuhalten. Der cleane Lieblingssport wird sonst auch die einholen, die meinen als Unberührbare im Stadion zu sitzen. Haben denn alle vergessen, wie hitzig das in vergangenen Jahrzehnten zuging? Und, es ging weiter.

Ha Ho He!

 

Apfel

Der Apfel ist eine köstliche, heimische Frucht mit starker Symbolkraft. Ich liebe Äpfel sehr und es hat gute 20 Jahre gebraucht, bis ich trotz einer Allergie im Jahr 2014 endlich wieder welche essen konnte - alte Sorten aus dem Umland! Wie habe ich die vermißt. Es war ein Highlight des vergangenen Jahres. Normalerweise ist mein Lieblingsverein für solche Akzente im Alltag zuständig. Davon kann hier aber nicht die Rede sein.

Sportlich war 2014 ein unterirdisches Jahr für jeden Hertha-Fan. In diversen Foren mögen es einige nicht, wenn man die Rückrunde der Saison 13/14 mit der Hinrunde 14/15 in einen Erlebnistopf wirft. Ich verstehe das, gehöre aber selbst zu den Vertretern, die beide Halbserien in einen Zusammenhang setzen wollen. Nach einer hervorragenden Aufsteigerhinrunde folgte eine ernüchternde Rückrunde. Keine Frage, wir haben zu Beginn einen erfrischenden, flinken Fußball geboten, der sicherlich kräftezehrend sein würde und dann tatsächlich durch verletzungsbedingte Ausfälle unserer Kreativabteilung abgewürgt wurde (Baumjohann verletzte sich schon früh erneut sehr schwer, es folgte Cigerci, der gerade Fahrt aufnahm und sein Potential zeigte). Von einem veritablen 6. Platz der Hinrundentabelle ging es im freien Fall auf den 17. Platz in der Rückrundentabelle. Wir waren Aufsteiger und haben unser Saisonziel erreicht - Klassenerhalt! Natürlich ist es legitim, sich zunächst damit zufriedenzugeben, wenn nicht gar zu freuen. Es ist aber auch legitim, darin schon gewisse Vorboten für die Folgesaison auszumachen. Und erst recht ist es legitim, in der Rückschau zu erkennen, daß es in der Winterpause 13/14 interne Vorfälle gegeben haben muß, die dem starken Mannschaftsgefüge Schaden bereitet haben. Inwieweit die Lolitageschichte und Ausmusterung einzelner Spieler zu Saisonbeginn noch nachhallten und in die Rückrunde reinstrahlten mag eine Frage sein. Vielleicht hat die Mannschaft wirklich nur zuviel Aufwand in der Hinrunde betrieben und das Schicksal aller Aufsteiger geteilt, den Tribut dafür in der Rückrunde zu zahlen. Vielleicht auch nicht. Ich kann mir nicht helfen, ich hatte immer das Gefühl, dieser Absturz sei mit Aufwand und Verletzungspech allein nicht zu erklären. Es ist zumeist die Art und Weise, wie Niederlagen zustande kommen, die einen stutzig machen. Nun ja, Fühlen heißt Nicht-Wissen.

In der Sommerpause haben wir das Transferfenster weit geöffnet und mächtig gelüftet. Viele Spieler gingen, viele Spieler kamen neu zur Mannschaft - darunter einige Knaller. Preetz schaffte es unter anderem große Namen nach Berlin zu lotsen. Stocker, Heitinga, Kalou... Es wurde damit auf die Defizite und Verletzungssorgen reagiert. Der Kader war breit aufgestellt und nominell absolut konkurrenzfähig, um die Saison im gesicherten Mittelfeld zu bestehen und gut 5, 6, 7 Mannschaften hinter sich lassen zu können. Natürlich weiß jeder Fanprofi, daß die 2. Saison nach Aufstieg die härtere ist und die neuen Mitspieler erst in die Mannschaft integriert werden müssen. Die Verletzungssorgen blieben uns treu und gewiß war es manchmal nicht einfach, eine geeignete Startelf zu finden. Aber wurde sie auch wirklich gesucht?

Ich komme zurück auf die Äpfel. Den bekanntesten Apfel - dem, vom sogenannten biblischen Baum der Erkenntnis. Meiner ganz persönlichen Erkenntnis - es hat keinen Sinn mehr mit Luhukay! In meinem letzten Blog habe ich schon für mich herausgefunden, daß ich mit diesem Trainer keine Erwartungen und Träume bezüglich Hertha mehr haben kann. Inzwischen hat sich nach meiner Einschätzung die Lage sogar noch verschlechtert. Ich habe jegliches Vertrauen in die Arbeit und Entscheidungen des Trainers verloren. Trotz unserer Verletzungsmisere finde ich, daß wir dennoch eine recht passable Mannschaft auf den Platz stellen könnten. Aber es passiert nicht. Im Gegenteil, ich könnte einige Beispiele aufzählen, in denen ich die Spiele regelrecht vercoacht finde (SGE!!, DSC, S04, TSG) oder mich frage, worin genau die Vorgaben des Trainers bestehen. Wir müssen auswärts nicht das Spiel machen. Die Frage Schieber oder Kalou stellt sich mir nicht - beide, denn er kann sowohl auf den Flügel oder die 10. Welches Konzept und welche Taktik soll eine bestimmte Startelf umsetzen, um den Gegner in die Knie zu zwingen? Wir haben Spieler verpflichtet, die mehr mit dem Konzept Bankdrücken vertraut sind, als gut sein kann. Ich gehe noch weiter, es gibt Spieler, die regelrecht mit Nichtwürdigung gedemütigt werden. Wenn man sich zu einem Pralinchenposten durchringen kann, dann MUSS man erst recht einen Kalou bringen. Dieser Mann hat quasi auf der Bank sitzend 5 Tore geschossen! Stocker ist ein anderes Beispiel, bis zur Zermürbung hat er die Grashalme des Amateurstadions kennengelernt. Und und und, stets werden Trainingsrückstände geltend gemacht oder gar keine Gründe. In unserer größten 10er-Not wurde stur und stoisch Hany Mukhtar nicht beachtet. Daß es trotz größter Personalsorgen mit bestimmten Spielern nicht einmal versucht wird, erschließt sich mir nicht. Es werden Spieler auf ungeliebte Positionen verbannt, obwohl eine alternative Aufteilung möglich wäre, bei der sie eben genau ihre Stärken haben und ausspielen könnten. Unterläuft einem jungen Spieler ein Fehler, findet er sich auf der Motivationsbank wieder oder wird gar öffentlich demontiert. Welche Signale werden da an die Spieler selbst, die Kollegen oder Fans gesendet? Es erschließt sich mir aber, wenn diese Spieler unzufrieden sind und dies nach außen transportieren. Es erschließt sich mir, wenn ich eine verunsicherte Mannschaft auf dem Platz sehe. Es erschließt sich mir, wenn ideenlose Individuen über den Platz streifen. Was ich da sehe, sind keine Fußballsöldnermillionäre die mal kämpfen und siegen sollten. Was ich da sehe sind glattgebürstete, zurechtgestutzte Buben. Keine Entgleisungen, kein Risiko. Weder persönliche Entgleisungen bei den Spielern, noch auf dem Rasen. Das einmal gewählte taktische Konzept wird durchgezogen, wo man sich auf den Rängen Risikobereitschaft wünscht. Der Hindukusch wird immer noch am gegnerischen Strafraum verteidigt.

Das bringt mich wieder zur alten Apfelsorte "Der Fisch stinkt immer vom Kopf".

Ich habe nach großer, sehr großer, Skepsis mich dahingearbeitet, Preetz' Arbeit zuweilen sogar gut zu finden. Was er wirklich, wirklich gut macht, sind seine absoluten Stillschweigen-Transfers. Und in der Babbel-Nummer war er einwandfrei - Respekt Langer! Jetzt kommen die Aber. Zunächst einmal, muß ich zugeben, daß der erste Fehler bereits bei mir lag: Nach all dem Tohuwabohu habe ich sehnsüchtig die Brille der Ruhe und Kontinuität aufgesetzt. Ich bin auf diesen JLu-Zug aufgesprungen, bereitwillig und habe das Glas immer sehr halbvoll gefunden. Nüchtern betrachtet hätte man schon damals sagen und sehen können, daß jeder Trainer mit dieser Mannschaft aufgestiegen wäre. Solide Arbeit einfach, nicht hervorragende. Der Ruhestifter ist dem Provinzcalvinisten gewichen. Ich habe also selbst viele Sehnsüchte hineininterpretiert und diese Entwicklung Preetz zugeschrieben. Nun bin ich allerdings der Meinung, er managte von einem Extrem ins andere. Nach dem massiven Trainerverschleiß in der letzten Abstiegssaison, scheint er nun ebenso vehement am Trainer festzuhalten, obwohl wir geradewegs dem Abstieg zusteuern (die Konkurrenz befindet sich tendenziell im Aufwind im Gegensatz zu uns). Jaja, JLu ist ein hervorragender Zweitligatrainer mit dem wir direkt wieder einen Rekordaufstieg hinlegen. Ich möchte weinen. Zurück zum Apfel. Schon viele haben mehr Kompetenz in der Vereinsführung gefordert. Ehemalige, Hinz und Kuntz, Miesepeter, Fans. Und da ist was dran, das muß man so erkennen. Vom Management erwarte ich adäquate Maßnahmen, keine Korrekturschaukel, gute Kommunikation und Mediation, gute Personalpolitik. Vom Trainer erwarte ich auch Kommunikation, Taktik, Konzept, Weiterentwicklung der Mannschaft. Dieses alte Problem der Hanns-Braun-Straße ist offensichtlich nicht behoben worden. Anscheinend wird den Spielern nicht transparent kommuniziert, was man von ihnen konkret erwartet und welche nachvollziehbaren Gedankengänge bestimmten Entscheidungen zugrunde liegen. Das gilt gleichermaßen für die Medizinabteilung (Kompetenz! und Kommunikation). Die muß übrigens mal gewaltig hinterfragt werden. Hier wie dort erreichen den Fan verschwurbelte Meldungen, bei denen man ständig das Gefühl hat, nur die halbe Wahrheit zu hören. Wie ist es möglich, daß mit der finanziellen (geborgten) Entspannung und diesem Kader unser Verein derart strauchelt und stümpert?!? Fürwahr, ich denke, es kommt wirklich nicht oft vor, daß die Mannschaft besser als ihr Trainer ist. Wenn man das Potenzial allerdings nicht auf dem Rasen zu sehen bekommt, dann liegt es am Übungsleiter. Darin sehe ich die Ursache. Aufsichtsrat, werden sie aktiv, wenn Preetz es nicht wird!

Auch ist der Berliner Blätterwald seltsam still. So still, daß ich es geradezu faul finde. Die gleiche sportliche Situation hätte seinerzeit orkanhafte Artikel zur Folge gehabt. Und manche Auslassungen lesen sich, als wären sie direkt von der Pressestille diktiert. Der Boulevard ist oft anstregend, die aktuelle Ruhe finde ich gefährlich. Es werden keine Fragen gestellt, wo hinterfragt werden müßte. Jeder deckelt hier jeden. Die Presse Hertha, MP und JLu sich gegenseitig. Wenn Gründe für die sportliche Misere gesucht werden, spart man MP und JLu verdächtig aus. Der Schwarze Peter wird ausschließlich Spielern oder einzelnen Mannschaftsteilen zugeschoben. Seriös finde ich das nicht und wenn man wirklich beabsichtigt, die Fehler zu beheben, dann gehören alle Aspekte auf den Prüfstand. Die Verletzungen, Schiris, der starke Gegner oder was man sonst so nennen könnte, mögen ja gerne offiziell als Alibi bemüht werden, für mich taugen sie schon lange nicht mehr als Argument. Gefährliche Ausreden im Wettlauf gegen den Spielplan, denn nun sind wir mitten im Abstiegskampf, der so nicht nötig gewesen wäre. Wenn die Presse weiterhin so nett bleibt, werde ich sie am Ende der Saison fragen, ob sie die Tabelle etwas schönen könnte.

Wo bleibt die Berliner Chuzpe? Wo ist einer, der Roller umschubst? Die Fans machen es vor: "Kniet nieder, Ihr Bauern, die Hauptstadt ist zu Gast"! Warum? Darum!

Ich will einen Trainer der in seiner Mannschaft Ecken und Kanten wünscht. Ich will einen Trainer, der eine Mannschaft aus Individualisten formt, nicht nur aus Individuen. Ich will eine Vereinsführung, die sich in obigem Sinn eine Scheibe von den Fans abschneidet. Wer soll denn sonst für Hertha in die Bresche springen? Die Konkurrenz wohl kaum.

Wir haben 12 Monate in saure Fußballäpfel gebissen: Ganze 31 Punkte bei 8/7/19! Das wirkt abführend, auf den Trainer hoffentlich!

Wenn man erste Schlüsse aus den Trainingseinheiten 2015 zieht, werden defensiv lieber wieder 4 von 6 Positionen verändert statt nur 2. Auch in der Vorbereitung spricht das erste Testspielergebnis Bände. Das ist einfach zu wenig und verheißt nichts Gutes. Für mich gibt es einfach keinen Anlaß aufzuatmen. Die Linie des letzten Jahres setzt sich irgendwie fort. Wieder werden einige sagen, das läßt sich nicht vergleichen. Vielleicht, aber eine Trendwende sieht anders aus. Währenddessen schießt Kalou Elfenbeinküste zum Sieg. Mann, der wird froh sein, wenn er sich nach dem Africa Cup auf der Bank ausruhen kann. Es wäre nicht auszudenken, was für eine nachhaltig schlechte Außendarstellung es für Hertha bedeuten würde, wenn Kalou den Verein wieder verläßt, sollte sich an seiner Situation nichts ändern. Und bis jetzt besteht kein Anlaß, das zu hoffen.

Wessen Kapitel beendet 2015?

2014 hat für mich persönlich das Kapitel Luhukay ein für alle Mal beendet!

Montag, 10 November 2014 20:52

Über Größenwahn

PeanutsGrößenwahn wird im Wesentlichen in die beiden Ausprägungen Gigantomanie und Megalomanie unterschieden. Letzteres bezeichnet ein psychiatrisches Krankheitsbild und soll nicht weiter Gegenstand sein. In den einschlägigen Suchportalen findet man beispielsweise bei Wikipedia einen Eintrag, der unter der Gigantomanie weniger das krankhafte sondern vielmehr überzeichnete, maßlose Streben Einzelner bezeichnet, ihre Mitmenschen durch herausragende, übersteigerte Leistungen zu übertreffen.

Größenwahn ist negativ konnotiert. Er weckt in der Realität Assoziationen an Diktaroren und Despoten. In den Religionen und der Mythlogie ist der in seinem Streben grenzenlose Mensch häufig zum Scheitern verurteilt. Der Versuch gottfordernd oder gar gottgleich zu sein, muß in die Katastrophe münden. Dennoch war es in der Geschichte der Menschheit immer der Größenwahn Einzelner, der natürlich auch Leid heraufbeschwor, aber gleichzeitig Werke von zeitloser Bedeutung schuf. Ohne Ziele verkümmert der Mensch und stagniert in seiner Entwicklung. Träume und Visionen sind der Motor für Fortschritt, Größenwahn ist der Treibstoff. Erst der Wille das Unmögliche zu wollen, läßt das Mögliche Realität werden. Noch heute macht uns das Schaffen Vieler staunend und zu Pilgern ihrer Leistung. Weil sie "Größeres wähnten".

Es war der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Chinese Hongwu, der sich im 14. Jhd gegen die mongolische Herrschaft auflehnte. Durch die Erfindung einer Schußwaffe mit dem schon lange bekannten Schießpulver gelang ihm der Sieg gegen die übermächtigen Feinde. Er sollte Chinas 1. Kaiser werden und ist Urvater der Ming-Dynastie, deren Herrschaft 400 Jahre anhielt. Seine Ahnen setzten den Bau der Chinesischen Mauer fort. Ein Bauwerk, das noch aus dem All sichtbar ist. // Ein mittelloser, italienischer Seefahrer ließ sich von den Reiseberichten "De Mirabilibus Mundi" Marco Polos inspirieren und träumte von einer Westpassage nach China. Daß die Erde keine Scheibe sei, wußte man schon damals. Nach vielen Rückschlägen war es das spanische Königspaar, das sein Unterfangen finanzierte. Als Entdecker Amerikas ging Christopher Columbus in die Geschichte ein. // Gegen sämtliche Widerstände der katholischen und protestantischen Kirche postulierte Kopernikus das heliozentristische Weltbild, was Kepler später belegen sollte. Nicht ungefährlich, wenn man den Mühlen der Inquisition entgehen wollte. Fortan hatte das Ptolemäische Weltbild, nämlich alles kreise um die Erde, ausgedient. // Die Sixtinische Kapelle ist ein Meisterwerk des Freskos und in seiner Schönheit unerreicht. Es zeigt an Decken und Wänden, das Jüngste Gericht, Szenen und Heldentaten aus dem Alten Testament, Propheten und Sybillen, um nur einige zu nennen. Mit übermenschlicher Anstrengung vollbrachte Michelangelo in nur 4 Jahren diese unglaubliche Leistung - 520qm waren über Kopf zu bemalen. Immer wieder verwarf er Entwürfe, dann mußte der Putz abgeschlagen, neu aufgebracht und in noch feuchtem Zustand mit den Farbpigmenten versehen werden. Man möchte kaum glauben, daß der Bildhauer Michelangelo diesen Auftrag ursprünglich ablehnen wollte, weil er sich nicht für einen guten Maler hielt. Der nicht minder geniale Johann Wolfgang von Goethe sagte über die Fresken:

„[O]hne die Sixtinische Kapelle gesehen zu haben, kann man sich keinen anschauenden Begriff machen, was ein Mensch vermag.“

Es ließen sich noch etliche Beispiele nennen wie die 7 Weltwunder der Antike und Moderne oder die Pyramiden. Erbaut im Auftrag der Pharaonen als Begräbnisstätten. Tausende von Arbeitern schufen diese genauestens berechneten Bauwerke, die immer noch Touristenströme magisch anziehen. Aber was sind das wohl für Charaktere, die solche Leistungen, Bauten oder Kunstwerke vollbringen oder vollbringen lassen? Es werden unbeugsame, kompromißlose, kreative, einsame, divenhafte, selbstherrliche, hartnäckige, willenstarke, risikofreudige, dominante, akribische, herrsüchtige, waghalsige, ausdauernde, geltungssüchtige, perfektionistische, neugierige, eitle, fantasievolle, mutige Menschen gewesen sein. Für ihre Zeitgenossen sicherlich schwierige bis unangenehme Mitmenschen, nur machen diese Eigenschaften aus einfachen herausragende Wissenschaftler, Draufgänger, Eroberer, Künstler, Abenteurer, Baumeister oder Herrscher. Es braucht ein gewisses Maß an Rücksichtslosigkeit, um die eigenen Grenzen oder die anderer zu überwinden, um eine Idee voranzutreiben. Selten bis gar nicht sind es die vielleicht eher bodenständigen, vernünftigen, vertrauenswürdige, genügsamen, ängstlichen, väterlichen, freundlichen, rationalen, sachlichen, umsichtigen, rücksichtsvollen oder "protestantischen" Geister.

So ein Mensch ist unser Trainer Jos Luhukay, ich mag ihn sehr gerne. Ein grundsympathischer, solider Mann mit starken Prinzipien. Ein schlicht und ergreifend netter Mensch. Ich kann mir denken, daß man mit solch einem Zeitgenossen im Alltag gut auskommen kann. Kann. Für mich gehört Luhukay in die Kategorie des väterlichen Trainertyps. Er ist ein ausgezeichneter Zweitligatrainer, der es versteht, eine verunsicherte, gestrauchelte Mannschaft wieder aufzurichten. Es gibt klare Anweisungen und Zuspruch, also Regeln und liebevolle Strenge, um in der Analogie zu bleiben, bis die Schützlinge auf eigenen Füßen stehen. Menschen mit strengen Prinzipien sind zweifelsohne überwiegend moralisch integre Personen, aber sie machen es anderen auch sehr schwer, neben ihnen zu existieren. Im Brennglas moraliner Ansprüche ist es für fehlbare Charaktere einfach schwer, sich überhaupt zu verhalten, vielleicht fühlt man sich gar gelähmt. Keine Voraussetzungen, um die Welt aus den Angeln zu heben.

Ich träume. Wie jeder Fan träume ich davon, daß mein Verein noch zu meinen Lebzeiten einen Titel gewinnt. Ich habe Zeit. Aber ich habe inzwischen begriffen, daß mir unser Trainer diesen Traum nie erfüllen wird, nie erfüllen kann. Leider, es liegt schlicht und einfach daran, was für ein Typ Mensch er ist. In mir hat sich die Erkenntnis herauskristallisiert, daß es eigentlich gar keine Rolle spielt, was und wer auf dem Rasen stattfindet, das ist nicht das eigentliche Problem. Das sind Symptome. Worauf ich hinabziele ist nichts Konkretes oder Akutes, sondern einfach der Versuch, für mich größere Zusammenhänge zu erkennen als "ihr sollt kämpfen und siegen" und mir zu erklären, was momentan Woche für Woche zu beobachten ist. Ich habe auch überhaupt kein Problem mit der bodenständigen Zielsetzung Konsolidierung und Etablierung in der 1. Bundesliga. Nur, das reicht mir nicht. Ich möchte einen Trainer mit Visionen, einen Trainer, der mich begeistert, der mich aus dem Sitz reißt (ich stehe!), der mich mit attraktivem Konterfußball fesselt. Einen Trainer, der mir das Gefühl gibt, mein Traum könnte irgendwann mal Realität werden. Das Unmögliche ist denkbar, allein das reicht.

Ich hatte es schon längst wieder vergessen. Aber ich weiß, daß es geht. Ich habe es 08/09 einmal erlebt. Am Ende stand die Enttäuschung, aber es war meine schönste Saison.

In diesem Sinne: Gesucht wird ein größenwahnsinniger Visionär!

Sonntag, 04 Mai 2014 20:53

Eigentlich

 

hatte ich nicht vor, noch mal zu bloggen diese Saison. Spielberichte kann man auch auf anderen Kanälen lesen. Die Auswärtsfahrt nach Bremen hat jetzt aber doch so ihre Spuren hinterlassen und Gedanken aufkommen lassen.
Zum Spiel selbst möchte ich nur so viel sagen: Das Duell gegen Werder war einziger Fußball-Limbo. Daß wir uns nach der ersten Halbzeit biederen Bremern unterzuordnen wußten, kann man fast schon als Kunst bezeichnen. Einzig Langkamp dürfte da als Spielverderber genannt werden - aber der verrichtet seine Arbeit da hinten in der Mitte seit eh und je gewohntkonnt humorlos.
Als Koch weiß ich, daß bei einem 3(oder x)-Gänge-Menü das Dessert stets der wichtigste Gang ist. Ein bester letzter Eindruck läßt eine schlechte Vorspeise, einen mauen Zwischengang oder ein umspektakuläres Hauptgericht fast in Vergessenheit geraten und das ganze Menü bleibt in verklärter Erinnerung. Mögen die ersten Gänge noch so hervorragend gewesen sein, ein mittelmäßiges oder missglücktes Dessert zieht den Gesamteindruck in den Abgrund. Blödes Kurzzeitgedächtnis. Was das mit Hertha zu tun hat? Tja.
Der Klassenerhalt war Gottseidank nie in Frage gestellt und 3 Tage vor Schluß sicher. Heissa Juchhe!
Große Baustelle bleiben die Außen und der Sturm. Und ohne Lustenberger, Baumjohann und Cigerci ist es irgendwie die altbekannte Hertha der Rückrunde, mit ihnen die zukünftige der Hinrunde.

Apropos Baustelle: Es war diesmal mein 3. Bremenbesuch und auch der Grund für diesen Blog. Sportlich hat sich keine der Fahrten gelohnt. Mein erstes Mal war ich noch im Weserstadion während des Umbaus. Selbst an diese Auswärtsfahrt habe ich keine guten Erinnerungen. Damals reiste ich auf eigene Faust an. In Bremen waren Shuttle vom Hbf zum Stadion vorgesehen. Im Bahnhofsbereich war durch die Polizei alles so abgesperrt, daß niemand von uns die Möglichkeit hatte, WCs oder anderes aufzusuchen. Besonders ätzend für die Jungs im Sonderzug. Wir saßen dann bereits alle im Shuttle - abfahrbereit. Die Polizei ließ uns wieder aussteigen, dann ging es stattdessen zu Fuß bei eisigen Temperaturen im Februar über den gefrorenen Deich. Statt 10min eine geschlagene Stunde zum Stadion. Uns fror der Hintern ab, den Jungs platzte die Blase und die Polizei-Eskorte stand so dicht, daß es kein leichtes war, diese Kette zu durchbrechen, um den nächsten Baum aufzusuchen.
Aber wenigstens war der Gästebereich in dieser Umbauphase wie bei unserem Stadtrivalen oder den Schwarz-gelben am Spielfeldrand zwischen Eckfahne und Tor. Ich konnte das Weiße in Pizarros Augen sehen als er einnickte. Und ich hielt ein Bier in der Hand… Die Einlaßkontrollen waren schon damals penibel.

2014-05-03 14.31.552014-05-03 14.32.17Bei meinen letzten beiden Besuchen war der Umbau bereits vollzogen. Inzwischen werden die Gästefans also unterm Dach eingepfercht. Geschätze 80% der Plätze - und zwar egal ob Steh oder Sitz - unterliegen massiver Sichtbehinderung durch Stützen, Zaun, Anzeigetafel. (Die Bilder zeigen noch mit die beste Sicht zwischen Anzeigetafel oben, Zaun unten und den Stützen links und rechts. Die Anzeigetafel ggü ist komplett verdeckt.) Dafür, daß man sich das im Sitzen antun möchte, muß man auch noch 42€ berappen, mit gestreckten Bein reichen 13€. Das nenne ich mal Käfighaltung vom feinsten! Nicht nur dort, schon die Zuwegung und Untergliederung zu den jeweiligen Blöcken erinnert an Gefängnistrakte. 90 Minuten Hofgang im schlichten Betonambiente. Getränke im Block für Gäste unerlaubt - anders bei den Heimfans! Das ist einfach noch schlimmer als bei den abonnierten Biederclubs Wolfsburg und Leverkusen, dort ist der Gästeblock immerhin am bierseligen Spielfeldrand. Bei den Münchnern wird man zwar auch unters Dach verbannt und darf im Block nicht verzehren, aber dennoch hat man gute und nirgends eingeschränkte Sicht.


Was ist da in Bremen los??? Ich bin von jeher kein Freund dieser Möchtegern-Besserclubs  und den Fans mit entsprechender Attitüde. Dazu gehören für mich Union, Pauli und eben auch Bremen. Auf der Sollseite stehen Politische Korrektheit, Toleranz, Queerness, Anti-Kommerz, Tradition usw - dabei stehen auf der Habenseite ganz andere Dinge. Ich kenne kaum einen Verein, den ich kommerzieller finde als gerade Pauli, die es nicht sein wollen, und Union ist nicht sooo links und freaky, wie die Folklore (insbesondere der Nicht-Berliner) das gerne will. Toleranz ist bei beiden auch so eine Sache. Ja, und nun Bremen. In der Halbzeitpause wurden die Double-Gewinner von 2004 auf’s Feld geholt. Was genau damit bezweckt wurde, weiß ich nicht. Für einen Bremenfan muß das wie eine unwirkliche Reise in eine vergangene Zeit gewesen sein - als die Welt noch in Ordnung war. Mit Micoud und Schaaf. Tosender Applaus und ich muß sagen, daß mich das auch berührt hat. Will man da mit dem Nostalgieschwamm über die Saison hinwegwischen? Ich kann Dutt nicht leiden, aber ich empfand das als zweite Demütigung für ihn, wie sehr doch alle an Schaaf hängen.


2014-05-03 15.08.41bUnd heute? Heute ist Bremen ein Verein, der die Gäste getränkefrei in Käfigen hält, und sich die Brust sponsorn läßt von Wiesenhof, deren Hühner ebenfalls in Käfigen wohnen und dazu gibt’s auf den Rängen Klatschpappen! Ich frage mich aktuell, ob das nicht eigentlich das wahre Gesicht des SVW ist und nicht das, des bundesweiten/ internationalen Sympathieträgers von damals? Sehr, sehr vorsichtig wurde kolportiert, Schaaf habe damals Prämien kassiert für bestimmte Spielereinsätze. Vielleicht ein Gerücht, vielleicht erklärt das aber auch manch dubiose Aufstellung von damals. Und Allofs nun bei Wolfsburg. Gut, das bewegt sich im Bereich des Spekulativen und/ oder Legitimen. Dennoch rundet es ein Bild (vielleicht auch Vorurteil) ab, daß ich mittlerweile von Bremen habe und ich bin abgefrühstückt. Sicherlich bin ich meinem Trugbild auch durch den Wunsch nach Fußballromantik aufgesessen. Um es noch einmal deutlich zu machen, es ist alles absolut legitim, was oben genannte Vereine tun, ich bezweifle bloß, ob das eben der Wahrheit entspricht oder dem Bild, daß sie von sich haben (wollen) und andere haben (sollen). Ich tue hier selbstverständlich auch bloß meine „Wahrheit“ kund. Mir ist in diesem Sinn ein Verein wie Bayern oder HSV dann tatsächlich lieber, sei es, weil ich entweder erst gar keine Erwartungen an hehre Ansprüche habe oder mir diese gar nicht erst vorgegaukelt werden. Da muß ich direkt sagen, daß der HSV auswärts für mich immer eine gute Adresse ist. Die haben andere Probleme: Ihre Kaschmirpullifans, die ich hier in Berlin erlebe und ihre Chefetage. Grundsätzlich sind die Kurven, Ultras und Kutten aller Vereine selten deren und schon gar nicht mein Problem.

Umso bedauerlicher finde ich meinen dritten Eindruck von einer Auswärtsfahrt nach Bremen, denn eigentlich könnte man dort eine schöne Zeit haben: Das Stadion liegt sehr idyllisch an der Weser. Im Sommer kann man vorm Spiel auf dem Deich lümmeln - auch danach. Oder mit den Bremern in den Kneipen im angrenzenden Kiez trinken. So wie früher. Es ist wirklich hübsch dort.

Eigentlich.

2014-05-03 17.31.47Wäre da nicht der Gästeblock! Und wäre dort nicht die Polizei. Auch diesmal gingen die Robocops ziemlich aggressiv zu Werke (ich spreche nur von dem, was ich gesehen habe). Fans werden nach dem Spiel grundlos im „Treppenhaus" angerempelt. Unsere Vorsänger nebst Trommler (ggf weitere Fans) kamen erst etwa Mitte der 2. HZ in den Gästeblock (sicherlich unfreiwillig)… "Ganz Berlin haßt die Polizei!" deutet an, daß da was vorgefallen sein muß. Ähnlich wie bei "Irgendwann, irgendwann, zünden wir die Bullen an" muß ich leider sagen, daß man damit nicht alle Fans ins Boot holt. Oft gibt es genug Grund, sich über das Verhalten der Polizei zu ärgern, aber solche Gesänge gefallen mir nicht. Doof!

Es kam noch Feuerwehr nach Abpfiff und wohl zu Verletzten auf Seiten der Polizei und zu Festsetzungen von Hertha-Fans. Naja... Wenn ich mehr Infos habe, werde ich das hier nachtragen.

Bremen ist auswärts für mich keine Reise mehr wert und ich kann es auch nicht empfehlen!

Aller Dank gilt meinen Mitfahrern, mit denen ich großen Spaß hatte!

Mittwoch, 22 Januar 2014 13:30

Zum Fankongreß 2014 in Berlin

2014-01-18 12.21.41Es war das erste Mal, daß ich am Fankongreß teilnahm. Im Prinzip eine logische Folge der Tatsache, daß selbiger quasi vor meiner Haustür standfand und sich im Laufe vieler Jahre neben dem Fußball selbst und meinem Verein natürlich vor allem die Fanseite mit all ihren Facetten immer mehr in meinen Blickwinkel schob.

Ich sage es gleich vorweg: Ich bin kein aktiver, organisierter Fan!

Ich bin Kurvensteher, Auswärtsfahrer so oft wie möglich, Hertha-Mitglied, DK-Inhaber, Ultra-Sympathisant, pro Pyro, für eine bunte Anhängerschaft, gegen stumpfe Doktrinäre.

Schon allein durch meine zahlreichen Auswärtsfahrten bin selbst ich mit Problemen in Berührung gekommen, obwohl ich meist auf eigene Faust anreise und die viele andere noch deutlich drastischer erlebt haben - gerade, wenn sie im Konvoi unterwegs sind. Ich möchte mir das nicht länger untätig zumuten und mich künftig mehr engagieren, damit wir Fans beschwerdefrei unserer Leidenschaft nachgehen können.

 

Die diesjährige Zusammenkunft darf als Erfolg gewertet werden - statt der eingeplanten 500 Teilnehmer kamen mehr als 700 „Vertreter“, die sage und schreibe 80 Vereine repräsentierten!
Das war sicherlich auch Verdienst des breiten und attraktiven Programms. In 2 großen Blöcken am Vor- und Nachmittag haben die Organisatoren mehrere Themenstränge vorbereitet, zu denen Vorträge/ Workshops angeboten wurden, die die Teilnehmer nach Gusto besuchen konnten: Mitsprachemöglichkeiten im Verein, Umgang mit Medien und Rechtsfragen, Fußballwerte, Dilemma der Amateurvereine, Wohnzimmer „Stadion“, Fanarbeit. Eingerahmt und unterbrochen von Stärkungspausen mit Schrippe, Curry, Erbsensuppe und vielem mehr. Alles Nachzulesen bei ProFans im Programm.
Ich habe mich für das Gebiet Verein und Mitglieder entschieden. Schon länger beschäftigen mich die Fragen, inwieweit die von DFL und DFB aufgestellten Statuten überhaupt noch eingehalten werden und vor allem, was genau bedeutet eigentlich die Satzung meines Vereins für mich als Mitglied?

Ich habe viel gelernt und kann nur sagen: Leute, lest Eure Satzung, Ihr habt Einfluß, wenn Ihr wollt und nicht vergessen, wir Mitglieder bevollmächtigen das Präsidium - nicht umgekehrt!
Unsere Kurve hält zahlreiches Material zum Download bereit.

Abschluß des 1. Tages bildete die große Podiumsdiskussion Fußballfans & die Polizei: Getrennt in den Farben, getrennt in der Sache? Der 2. Tag diskutiert die Selbstregulierung innerhalb der Kurven.

Erster Aufreger im Vorfeld war die Absage vom nordrhein-westfälischen Innenminister Jäger per Brief u.a. mit kolportierten Äußerungen wie etwa «Straftäter reisen quer durch Deutschland, provozieren auf dem Weg zum Stadion Krawalle und Ausschreitungen».
Behauptungen, die herzlich wenig geeignet sind, den tiefer gewordenen Graben zwischen Ordnungshütern und Fußballanhängerschaft auch nur stückweit zuzuschütten.
Auch hier stellt sich erneut die Frage, ob dies überhaupt erwünscht ist.

Vor dem gesamten Teilnehmerfeld fanden sich doch würdige Podiumsdebattanten:
Christian Bieberstein (Fanvertreter, Unsere Kurve), Hendrik Große-Lefert (Sicherheitsbeauftragter DFB), Prof. Dr. Albert Scherr (Soziologe, Freiburg), Prof. Dr, Thomas Feltes (Kriminologe, Bochum), Donato Melillo (unser Fanbeauftragter) und mit netterweise kurzfristiger Zusage Bernd Heinen (Vorsitzender Nationaler Ausschuss Sport und Sicherheit NASS, NRW) und Hans-Ullrich Hauck (Leiter Polizeidirektion 2, Berlin).
Moderiert wurde das ganze von unserem Stadionsprecher Fabian von Wachsmann - Heimspiel, natürlich waren auch die Berliner Fans speziell Herthaner zahlenmäßig am meisten vertreten. Wir hatten’s ja nicht weit.

Wie sehr das Verhältnis gelitten hat, wurde auf dem Podium deutlich und durch Wortmeldungen aus dem Plenum. Die Äußerungen des DFB-Abgesandten fand ich schwammig nichtssagend, es ist nichts hängen geblieben, das ich hier zitieren könnte. Mir ist einfach etwas anderes bei dieser Diskussion aufgefallen, die vom Kicker als „…mehr Monolog…“ bezeichnet wurde. Es ist wichtig WER die Standpunkte an den Mann bringt. Herrn Heinen vom NASS fand ich unerträglich eitel in seinem Auftreten, sicherlich hat er recht, wenn er sagt, er könne ebenso viele Beispiele aufzählen wie der Fanvertreter Bieberstein, wenn es um Fehlverhalten der Gegenseite geht und würde entsprechend Applaus ernten vor einem Polizei-Auditorium. Ja. Wäre da nicht dieser herablassende, trotzige Unterton. Dialog kann nur stattfinden, wenn beide Seiten aufeinander zugehen. Am sachdienlichsten fand ich die Beiträge von Feltes, Hauck und Scherr und den Wortbeitrag eines Fürther Fans sowie eines Engländers. Es gibt Handlungsbedarf bezüglich der Gewalttäterdatei, auch vom DFB, und es muß ganz klar betont werden, daß das Verhältnis zwischen Polizei und Bürger, denn das sind wir Fans, grundsätzlich asymmetrisch ist! Ein Fakt, den Heinen durchgehend unterschlagen hat. Im Gegensatz dazu hat Hauck von der Berliner Polizei zuständig u.a. für’s Oly mehrmals das Gespräch angeboten für eine Nachbereitung von Vorfällen an Spieltagen und sich kritisch über das Vorgehen mancher Kollegen geäußert. Ich kann mir nicht helfen, ich habe ihm das abgekauft. Das Vertrauen der Fans ist nachhaltig gestört (zerstört?), durch den DFB in der Pyro-Debatte und erst recht durch die letzten unverhältnismäßigen Polizeieinsätze.
TNT - kommt der Fan in die Stadt heißt es beinah „lock up your daughter, lock up your wife“, versucht der Fan einen alten Status quo seiner Rechte wieder herzustellen, wird ein real marginales Entgegenkommen (Polizei/ DFB) als Wahnsinnszugeständnis gedeutet. Wenn ich das Taschengeld um 10€ kürze und später wieder 2€ mehr gebe, dann habe ich nichts erhöht sondern immer noch 8€ weniger als vorher. Knick knack!
Mir ist die Problematik total klar, dennoch fand ich Bieberstein dort keinen glücklichen Vertreter für die Fanbelange. Mir hat er zu sehr gemauert und etwas mehr Eloquenz wäre der Sache sicherlich dienlicher gewesen. Ich glaube, es können nur Leute vom Schlag des  Berliner Polizeivertreters und des Fürther Fans die Sache voranbringen - locker, Prise Humor, gut reden und trotzdem feste Standpunkte haben! Man muß seine Interessen gut verpacken! Wenn man miteinander in Dialog kommt, veräußert man nicht gleich Latifundien eigener Belange und Werte. Es wird nicht anders gehen, lamentieren hilft nicht, verkapseln auch nicht und es wird so bleiben: Wir Fans sitzen IMMER am kürzeren Hebel!
Mir wurde deutlich, in welchem Dilemma auch die Fanbetreuer stecken als Mediator im Spannungsfeld zwischen Ordnungsmacht und eigenem Anhang. Ihre Position und Arbeit muß gestärkt werden, sie müssen unbedingt unabhängig arbeiten können und gefördert werden. Es müßte eine Regelung her, die das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Fanbetreuer und Fan in rechtsrelevanten Fällen nicht belastet. Für jeden Verein sollte eine Fanhilfe aufgebaut werden, die konkret vor Ort Rechtsbeistand leistet. Polizei sollte wie bereits in Berlin gekennzeichnet sein - und bitte auch von vorne! Die Robocop-Uniform nur in Notfällen einsetzen und sich ein Beispiel am britischen Bobby nehmen: unbewaffnet, freundlich, direkt ansprechbar - per se die menschlichste Form der Deeskalation. Hin zu einem Klima, daß das Gegenüber ursprünglich Artgenosse und nicht Avatar ist.

Während der Podiumsdiskussion erhielten wir Kenntnis von den Vorfällen in Köln, die leider - wie auch von DFL-Geschäftsführer Rettig (auch einer, mit dem sich reden läßt) betont - Schatten werfen auf den Fankongreß. Bedauerlicherweise haben auch hier die Medien wieder auf die unsägliche, aufmerksamkeitsheischende Mesalliance gesetzt. Selbst die Zeit verquickt in einem online-Beitrag Köln-Schlägerei, Foto vom Relegationsspiel F95:HBSC und Fankongreß. Ein Heer Ahnungsloser fühlte sich wieder mit sachfernen Kommentaren auf den Plan gerufen. Daran läßt sich gut erkennen, welch realitätsfernes Bild in der medialen Berichterstattung von „den Fans“ schon längst in der Vergangenheit gezeichnet wurde. Die Herrschaften in der Kölner Innenstadt haben rein gar nichts mit jenen beim Fankongreß zu tun! Nicht wahr, Herr Heinen?

Im Fokus sollte stehen, wieviele engagierte, aktive Fußballfans verschiedenster Farben (!) friedlich (!) solch ein Unterfangen wie beschrieben auf die Beine stellen - ehrenamtlich (!!!). Den Ausrichtern Unsere Kurve & ProFans, den Gästen und allen Teilnehmern gebührt Dank. Ich kann nur an alle appellieren: Informiert Euch, werdet aktiv, seid Teil des Ganzen, leistet Euren Beitrag zu einem Fußballerlebnis wie Ihr es wollt!

Die Webseiten von Unsere Kurve & ProFans bieten mannigfaltiges Informationsmaterial!

2014-01-22 14.00.41

Ich mag nicht länger tatenlos sein. Freunde und ich gründen eine Fußballpartei FPD, es wird der Versuch sein, uns Fans mehr Gehör und Einfluß zu verschaffen. Wir Fans in Deutschland sind eine riesige, heterogene Gruppe mit unglaublicher monetärer Kraft, die aber mit ihren Forderungen zumeist auf der Strecke bleibt. Die Politik sucht gerne die Nähe zum Fußball und wir suchen jetzt stellvertretend für alle die Nähe zur Politik!

Ha Ho He!

Das ist nur mein persönlicher Ausschnitt vom Fankongreß, ich kann nicht allen gerecht werden und hoffe sehr, daß andere Blogger Themen aufgreifen, die hier vermisst werden.

 

Donnerstag, 26 September 2013 17:41

Slide Show

Die Auswärtsfahrt zur 2.DFB-Pokalrunde habe ich mit einem Kurztrip nach Frankfurt verbunden, denn von dort wollte ich gemeinsam mit einem Freund nach Kaiserslautern. Das letzte Mal „Betze“ war extrem stürmisch, kalt und naß, aber mit einer schönen Pyro-Performance von uns. Zu Hause hängen Fotos davon.
Diesmal war das Wetter milde und ich war gespannt, wie wir mit unseren großen Verletzungssorgen und mit welcher Aufstellung gedachten, das Duell ein weiteres Mal für uns zu entscheiden.
Vor dem Erklimmen der Betzewand stand der obligatorische Halt an der ersten Bude nach dem Bahnhof. Diesmal war die Bratwurst Trumpf, letztes Mal ist mir die Feuerwurst nicht bekommen - nach 8h Arbeit, Nachtzugfahrt und keinem Schlaf.
Der Anstieg ist die erste Herausforderung, jedwede Anflüge von Felljuckerei werden so im Keim erstickt. Zack rein, schnell Getränke geholt, ab in den Stehblock.2013-09-25 18.16.38Die Spielansetzung war für uns Herthaner natürlich ungünstig, also war auch nicht mit einem vollen Block zu rechnen. Kurz vor Anpfiff rauschte noch eine stattliche Menge der Freunde aus Karlsruhe durch das Mundloch. Der besoffenste Spacko mit seiner Perle und Bierduschvorstellung fand‘s neben uns schön. Daß aber die Lauterer ihr Stadion nicht vollmachten, war schon sehr befremdlich für ein Pokalspiel. Offensichtlich sind nach der schweren Saison 07/ 08 die Unstimmigkeiten zwischen Ultras, Sitzgruppen und Stefan Kuntz und und und noch nicht aus der Welt.

IMG 2359Schon beim Aufwärmen konnten wir erahnen, wen JLu für die Startelf ausgewählt hat. Im Grunde kamen die Bankdrücker zum Zug. Pfeife des Spiels war der Thorsten (Kinhöfer). Ich hab jetzt nicht extra drauf geachtet, aber bin der Meinung, daß der lange nicht mehr gepfiffen hat - zu recht. Der mit Abstand mieseste Schiri, wen das interessiert, der guckt mal bei „Wahre Tabelle“. Wenn Thorsten 100x entscheidet, tut er dies in etwa 60x falsch und gute 30x sehr strittig. Ick freu mir! Die erste Halbzeit gestaltete sich noch relativ ausgeglichen, wobei die Pfälzer von Anfang an sehr druckvoll auftraten und unsere Bankdrücker zuweilen schon große Probleme mit deren Geschwindigkeit hatten, vielleicht waren sie aber auch nur besonders langsam.
Ich habe keine Ahnung, was der Greenkeeper gemacht hat, wurde da vorsätzlich Schmierseife auf‘s Feld verbracht?? Möglicherweise wäre das ganze Spiel technisch hochklassiger verlaufen, wären nicht beinah im Minutentakt Spieler beider Mannschaften in Ausübung ihres Berufes zu Rasen gebracht worden. So wohnte dem Ganzen etwas von Zufall, Slapstick und Unglück bei.
Irgendwann fand dann nach schöner Kombination Niemeyer die Lücke. TOR!
Es hätte auch noch mehr TOR! sein können, wenn nach einer Spitzenhereingabe von Ben-Sahar (Ben-Hatiri! mußte draußen bleiben, Neumünster läßt grüßen) Allagui (Tor-Allergie für manche) den Ball mal einfach reingedrückt hätte. Vor meinem geistigen Auge sehe ich Ramos, wie er in den Ball reinrutscht - Treffer versenkt.
Mit der knappen Führung geht es also in die Pause.
Die Pfälzer haben sich für die 2. Halbzeit was vorgenommen und folgerichtig erzielen sie keine 10 Minuten nach Wiederanpfiff den Ausgleich. Nicht nur das. Mit großer Entschlossenheit gehen sie zu Werke und belohnen sich dafür mit zwei weiteren Toren. Einmal nur sehen wir noch, wie Niemeyer mit Willen vorprescht, einen schönen Steilpaß spielt auf Allagui, der Ben-Sahar bedient, der Abnehmer läßt verpuffen. Daß der Anästhesist und Franz sich liebhaben konnte man ja schon öfter bewundern, zuletzt die Schulterauskugelei, das sind halt zwei vom gleichen Schlag und deshalb gab‘s auch ein Handshake nach dem Spiel. Franz blieb bis zum Schluß auf‘m Platz und legte ein Tor auf.
Fahrradkette.
Warum JLU kurz vor Schluß noch Ramos und Ronny einwechselte, weiß ich nicht.
Hoppla????
Ja, oberflächlich betrachtet hat JLu viel zu spät gewechselt. Er hätte direkt nach dem Ausgleich eingreifen müssen, um das Blatt zu wenden. Das ist sicherlich die Meinung der meisten, die das Spiel gesehen haben und das war auch vor Ort zu vernehmen.
Das hätte er machen müssen, wenn er unbedingt auf Sieg und dem damit einhergehenden Weiterkommen spielen wollte.
Ich bezweifel aber, daß es die oberste Priorität im Kalkül des Trainers war. Wir alle haben die Arbeit von JLu bisher verfolgen können und wissen um sein taktisches Verständnis, sein gutes Einstellen auf den Gegner und seine menschlichen Qualitäten im Umgang mit allen Spielern. Das hat er ja nicht mit einem Mal verlernt. Was hat den Trainer also zu solch einer Maßnahme bewegt?
Meine Vermutung ist folgende:
Mit der kompletten Hereinnahme der Bankdrücker hat er sicherlich kalkulierbares Risiko gewählt. Ich möchte fast meine Hand dafür ins Feuer legen, daß dies in Absprache bzw. mit Kenntnis des Vereins geschah.
OBERSTE PRIORITÄT HAT FÜR UNS DER KLASSENERHALT!
Aufgrund unserer großen Verletzungssorgen, war das Pokalspiel quasi die einzige Möglichkeit ohne Punktverlust in der Meisterschaft ein Testspiel mit den Ersatzspielern unter Wettkampfbedingungen abzuhalten. Darüberhinaus hat JLu im Vorfeld ganz klar formuliert, es sei egal wer im Pokal spielt, der Ansporn muß für jeden groß genug sein.
Schon gegen Stuttgart war ganz deutlich zu sehen - bei aller Überlegenheit Herthas - Ronny ist kein Baumjohann! (Nein, die bessere Mannschaft hat nicht verloren! Es geht um Tore und wir haben keins erzielt. Kommt vor.) Ronny wurde auch immer als der technisch versiertere gesehen, verglichen mit Raffael. Das bezweifel ich inzwischen. Gegen Freiburg schon seltsame Auslegung seiner Aufgabe, heute schlimme Ecken und Freistöße. Eigentlich ist Ronny die große Enttäuschung der Saison bisher. Ich lege mich heute fest: nicht erstligatauglich!
Niemeyer hat immerhin noch einiges versucht, bei seinem einen Antritt hat man gemerkt, daß er das Spiel nicht herschenken will. Er bleibt einfach unser Niemeyer und ist immer eine Alternative.
Schulz und Ben-Sahar haben mir mit ihrem Tempo gut gefallen, da sehe ich bei beiden hier und da Einsatzmöglichkeiten. Ben-Sahar hat 2x sehr schön aufgelegt, leider nur ein Tor und die Riesenchance nicht genutzt. Schulz ist viel gelaufen, sich auch fest, aber er war sehr bemüht, was man von anderen nicht sagen kann.
Irgendwann wirkte Allagui nur noch lustlos, wirkliche Totalausfälle waren Cigerci und Wagner. Bei jedem Ballkontakt erntete Sandra von den Pfälzern Pfiffe und man mochte beinah einstimmen, wenn man sah, was einem da an Ballannahme und anderen Unzulänglichkeiten vorgestellt wurde. Er ist wirklich der einzige Spieler, bei dem ich nicht zu erkennen vermag, was JLu in ihm vermutet. Wo Skjellbred auf Anhieb zu gefallen wußte, möchte ich beim neuen Cigerci die Gleichung aufmachen Fußbruch=Formloch. Kein weiterer Kommentar.
Ein wenig vermisse ich inzwischen sichtbare Ergebnisse beim Torwarttraining. Von der Rückkehr Richies habe ich mir irgendwie mehr versprochen. Ich möchte hoffen, es ist nur die Baustelle mitten in der Umbauarbeit. Kraft wirkt für mich unsicherer denn je und unterstreicht das mit seinen brandgefährlichen, sinnlosen Ausflügen, die jüngst Gegentore für uns zur Folge hatten. Abschläge und die Zeit, bis es dazu kommt, tun ein Übriges. Wenn das so weitergeht möchte ich lieber Burchert oder Gersbeck sehen.
Herrje, gestern hat so vieles nicht gestimmt und jeder konnte das sehen. Jeder zweite Ball ist beim Pfälzer gelandet, schlimme Ballbehandlung an sich selbst und dem Mitspieler gegenüber, schlechtes Zweikampfverhalten (Lufthoheit) bei zu vielen, keine Ideen, viel Quergeschiebe und Hintenrumgespiele.
Ich glaube, Meister JLu wollte eine Lektion erteilen, und die ist geglückt oder zumindest sehr aufschlußreich.
Wäre es gut ausgegangen, hätten wir alle gewußt, daß unser Kader in der Not doch sehr breit ist und genügend Optionen bietet. Die Stimmungslage ist mit solchen Bonbons hoch.
Es ist aber etwas anderes passiert und das hat der Trainer pädagogisch wertvoll inszeniert. Es haben nämlich (bis auf wenige Ausnahmen?) alle Bankdrücker gezeigt, daß sie aus gutem Grund dieses Sitzmöbel das ihre nennen. Der Trainer ist nicht dumm und weiß, weshalb er wie aufstellt (???Wagner???). Offenbar verstehen das aber manche Spieler nicht bzw. schätzen ihre Fähigkeiten anders ein. Ich würde auch nicht sagen, JLu habe sie vorgeführt, ich denke, er wollte einfach nochmal selber sehen, auf wen er setzen kann. Und keiner konnte sich hinter Startelf-Mitspielern verstecken und das war entscheidend. Die Motivation Pokal hat eben nicht gereicht, über den Kampf wollten die Bankdrücker die Aufgabe jedenfalls nicht lösen und haben die Chance tüchtig versemmelt!
Meiner Meinung nach mußte der Trainer das tun, damit er für die nächsten Saisonspiele weiß, woran er ist. Schade um die Reisekosten, der Pokal ist mir diese Saison wirklich latte.
Was mich viel mehr traurig stimmt, sind die Verletzungsausfälle und daß wir mit unserer A-Mannschaft nun nicht mehr zeigen können, daß der Saisonstart keine Eintagsfliege war.
Das ist wirklich traurig!

 

Die Karlsruher werden von Hostessen zum Bahnhof begleitet.

2013-09-25 21.15.33

 

Donnerstag, 12 September 2013 17:04

AUA!

AUA!

Schon wieder Länderspielpause. Diesmal ein wenig mit gemischten Gefühlen.
Was die Nationalmannschaft betrifft, leide ich an einem Ermüdungsbruch. Ich kann mit dem Nutella-Image nichts anfangen, mir fehlen echte Typen, von Männern ganz zu schweigen und nun ja, im laufenden Wettbewerb - Bundesliga - bin ich eher in dem Modus 34 Spieltage lang alle Spieler, außer jene meines Vereins, mehr oder weniger schlecht (sch****!) zu finden. Aktuell stellen wir in Jogis Truppe keinen Spieler ab, wodurch mein Interesse noch geringer ausfällt. Mit viel gutem Willen gucke ich auf J. Boateng, dem einzigen Berliner bajuwarischen Beschäftigungsverhältnisses, den viele nicht mögen. Das könnte mir schon wieder gefallen. Den Spielern der Hertha wünsche ich natürlich gute Erfahrungen mit ihren Nationalmannschaften und ich habe auch während eines Turniers stets ein Auge auf sie gerichtet.
Wie sollte es auch anders sein - diese Spieler sind mir vertraut, ich beschäftige mich täglich mit ihnen. Sicherlich hat man auch die anderen Spieler auf dem Radar, aber bei weitem nicht mit dieser Intensität und diesem Wohlwollen - das sind Feinde! Der nächste Schmähgesang wartet bloß darauf, entgegengeschmettert zu werden.
In den Quali-Spielen geht es um was, und für mich um Nichts. Erst wenn die Endrunden laufen, mag auch ich wieder Nutella. Aber nie so wie Hertha!
Diesmal jedoch kommt die Länderspielpause gelegen - die jüngsten Verletzungssorgen erforder(te)n personelle Entscheidungen und Umstellungen, da ist es nur gut, wenn unser Trainer ein wenig mehr Zeit findet, zu justieren. Obwohl ich den Eindruck nicht los werde, daß er vielleicht doch schon recht schnell eine Alternative in seinem Kopf parat hat. Im Grunde brauchen eigentlich die Spieler selbst diese Zeit am ehesten - namentlich die Neuzugänge „Schellbrett“ und „Serdji“. Testspiel gegen Aua.

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Der Nachmittag ist frei, das Wetter vielversprechend, Hertha spielt - die Sache ist schnell entschieden.

Als ich den Schenkendorffplatz kurz vor Anpfiff erreiche, sehe ich bereits sehr viele Kiebitze und die Chance gen Null schwinden, einen Premiumplatz an der Reling zu ergattern. Ich tiger hin und her und stelle mich schließlich auf einen Baumstumpf, um überhaupt etwas zu sehen. Für die Öffentlichkeit sind nur 2 Seiten des Spielfelds zugänglich, an die anderen grenzen weitere Trainingsplätze.
Wir spielen in Blau-weiß, Aue in Orange. Ich bin hauptsächlich aus dem Grund gekommen, um die beiden Neuen zu sehen. Skjelbred spielt tatsächlich von Beginn an, Cigerci nicht. Für uns stehen quasi die Bankdrücker auf dem Platz, es fehlen selbstredend die Verletzten und Nationalspieler. Kobi wird die 90 Minuten voll machen!!!
Ich mach‘s kurz: Hertha verliert 1:3. Irgendwie egal, es ist ein kleinerer Aue-Anhang dabei, der den Wismut-Gassenhauer intoniert: “Zwei gekreuzte Hämmer und ein großes W, das ist Wismut Aue, unsere BSG. Wir kommen aus der Tiefe, wir kommen aus dem Schacht, das ist Wismut Aue, die neue Fußballmacht.”
Ich vermag schwer zu sagen, ob oder was für eine Aussagekraft so ein Testspiel hat und speziell dieses. Bundesligaersatztruppe gegen ZweiteLigastammelf.

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Muß man das gewinnen?? Mich haben andere Sachen viel mehr interessiert. Kaum steht man wortwörtlich auf Grasnarbe mit den Spielern, erscheint alles sehr, sehr normal. Ich dachte nicht, daß dort Spieler auf dem Platz stehen, die 5-7stellige Gehälter beziehen.
Das spielerische Niveau erschien mir auch gleich viel niedriger.
„Peter! Hier! Rüber,rüber! Weiter, weiter! Schnell! Gut! Hey! Peter! Komm, komm! Zurück!“
Unglaublich wieviel auf dem Platz gequatscht wird, im Stadion hat man dazu überhaupt keinen Bezug mehr. Franz rief viel, Niemeyer lobte Kobi und und und...
Skjelbred muß mit muskulären Problemen vorsichtshalber eher raus, wir spielen vorübergehend in Unterzahl bis dann Lustenberger kommt. Kluge hat auf den Knöchel bekommen. Sprint klopst beim Gegentreffer, Ronny sticht nicht soooo heraus, Wagner dümpelt da so rum (die Kiebitze nörgeln), wenn Ramos mal ausfallen sollte, haben wir ein Problem, Ben-Sahar trifft, Franz in seinem Element, Jancker mit den gefühlt meisten Ballkontakten - wahrscheinlich auch in echt. Skjelbred war ganz ordentlich, aber nix zum Zungeschnalzen, Cigerci dann ähnlich, ab und an mal ein kurzes Aha.
Zum Zungeschnalzen war das Wetter mit prächtigstem Sonnenschein, die Herthabude mit lecker Bier und mit die beste Currywurst Berlins von der Currybaude (am Gesundbrunnen)!

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Überhaupt die ganze Atmosphäre hatte etwas sehr Familiäres, Gemütliches im Grünen - Hoppegarten mit Ball.
Vom Präsidium Manske, von der Geschäftsstelle Schiller, bestimmt noch andere. Ante Covic. Dazwischen schlendern Perdedaj und Ndjeng, der mit seiner Sprunggelenksorthese heftiger verletzt aussieht, als es das operierte Knochenmarksödem am Zeh vermuten läßt. Von wegen 3 Wochen - ich finde, es ist nicht in Sicht, wann mit ihm wieder zu rechnen ist. In der momentan Situation wäre es beruhigender, wenn sich das Lazarett lichten könnte. Ndjeng spricht länger mit Manske, Perdedaj hockt sich irgendwann zu einem anderen Spieler (U23?), nach seiner Auswechslung gesellt sich Holland dazu. Insgesamt entsteht für mich der Eindruck guter Stimmung

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Für die vielleicht an die 1000 Zuschauer wäre das Amateurstadion möglicherweise auch ‘ne Option gewesen. Aber dann wäre es nicht ganz so familiär geworden. Zur Idylle paßte es geradezu, daß hinter der Torseite ein alter Baum die Sicht zwischen Tor und Eckfahne versperrte, wenn sich das Geschehen in den Strafraum verlagerte.

Ein kurzer Ausflug bevor der Ernst der Lage uns am Freitag wieder einholt.
Wie stehen die Weichen? Können Ben-Hatira und Allagui, die nicht mal für Tunesien eingesetzt wurden, die riesige Enttäuschung über das Ausscheiden in einen produktiven Ehrgeiz Marke jetzt erst recht für Hertha ummünzen oder verknoten sich die Beine? Kann Langkamp, wenn überhaupt, verantwortungsvoll eingesetzt werden? Falls nicht möchte ich lieber Lustenberger in der IV sehen, Karten-Aytekin pfeift und Franz hat gegen VfB schon mal ordentlich Betriebstemperatur gezeigt (Mimosen-Interview von Gomez sei hier erinnert!). Fragen über Fragen, die Liste könnte noch weitergehen.
Ich glaube, der Trainer hat bereits die Antworten.

Ha Ho He!

Donnerstag, 05 September 2013 01:20

Schwere See

Erstklassig seit 1892

Am 3. Spieltag mußte Hertha gegen den HSV zeigen, wie gefestigt die Mannschaft ist - B.itte Z.erreißen torpedierte mit einer unsäglichen „journalistischen“ Arbeit die bisherige sensationelle Leistung des Aufsteigers.
Für uns Fans nicht zu akzeptieren und besonders enttäuschend, daß der Fokus nun nicht mehr auf die gute bis sehr gute Arbeit gerichtet war, die hier aber inzwischen verrichtet wird. Mit JLu konnten wir als Aufsteiger den bisher besten Saisonstart unserer Bundesligageschichte verzeichnen.

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Ich war stolz auf die Mannschaft, daß sie die richtige Antwort auf dem Platz zu geben wußte. Gegen deutlich gesteigerte Hanseaten machten wir nach einer Traumkombination über Schulz den Sack zu. Verdient schloß Ramos zum 1:0 ab. In den Schlußminuten überstanden wir auch das Eckengewitter unbeschadet. 3 Punkte und jut!

2013-08-24 hertha 1Die Hamburger kamen wie erwartet mit reichlich Anhang und präsentierten eine Choreo zu Ihrer 50jährigen Ligazugehörigkeit - der Dino, das Urgestein.
Naja, es gibt keine Dinos, nur Fossilien...
Aber insgesamt ein ordentlicher Gästeauftritt.
Mir hat unsere Choreo als Statement zum 50jährigen Bestehen der Bundesliga deshalb gut gefallen, weil sie eine ironische Antwort zu dem Termin und in Richtung der Gäste gefunden hat: „Erstklassig seit 1892!“ 7/ 40!

 

 

 

 


Die Reise nach Wolfsburg stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Viel zu spät erreichten wir den Baumarkt in der Autostadt, in der scheinbar nur die NPD Wahlplakate hängt. Das Spiel war ausverkauft, traditionell zeigen die Herthaner starke Präsenz und deshalb ist es auch quasi unser Heimspiel in der Fremde.

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Die graue Wolkendecke sollte sich symbolisch noch über diesen Spieltag legen. Ich habe damit gerechnet, daß es ein schweres Spiel wird, weil die Golfer auch nicht so ganz gestartet sind, wie sie wohl wollten und sich in der Zwischenzeit auch gut aufgestellt haben.
Mit ihrem Finanzdoping haben sie beste Chancen am Ende der Saison die Weichen Richtung Europa zu stellen.

2013-08-31 hertha 7In der 1. Halbzeit gestaltete sich das Spiel relativ ausgeglichen und die beiden ersten Torchancen vergaben Allagui und Ramos, bis wir uns dann 2 dämliche Tore kurz vor der Pause gefangen haben. Olic und Elfer.
Hartmanns Gepfeife mußte man nicht immer verstehen und zuweilen kam schon die Frage auf, wer eigentlich den DFB sponsort. Ach ja, und Diego... auch so eine putzige Nervensäge. Ich denke, da hat der junge Brooks Lehrgeld bezahlt, wenn er erfahrener gewesen wäre, hätte er gewußt, daß Diego jede Gelegenheit nutzt, sich langzumachen.
Sei‘s drum, im Grunde war das ein geschenkter Tag und auch, wenn man die kleinen Aufreger abzieht, bleibt einfach die Erkenntnis, daß WOB keine Fehler gemacht hat und bei uns einfach nichts zusammenlief. Es gibt so Tage und das muß man akzeptieren. Die erste Niederlage würde irgendwann kommen. Da war sie also.
Das wirklich bemerkenswerte waren aber WIR. Wir haben noch nach Abpfiff gesungen, da war irgendwann niemand mehr im Stadion. Um 18:00 oder später war ich dann am Parkplatz und selbst von dort konnten wir die anderen noch singen hören. Traumhaft!
Da kam selbst die Mannschaft nach dem Duschen noch einmal zum Gästeblock.

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Wolfsburg hat einen ähnlichen Plastikfaktor wie Leverkusen, aber stellt ihn noch besser zur Schau. Dieser Ort muß so öde sein... an jeder Ecke ein Überangebot an Freizeitaktivitäten, aber alles wirkt sehr steril. Der Konzern wirbt eifrig um Schul- und Hochschulabsolventen. Coorporate Design oder so ähnlich. Hießen die Kinder Jetta oder Touran würde mich das nicht wundern.
Aber das schlimmste sollte ja noch kommen: Kurz vor Schluß wurde Baumjohann gegen Kluge ausgewechselt, der ziemlich auf die Socken bekommen hatte.
Zu diesem Zeitpunkt wußte noch niemand, daß in seinem Knie beinah alles kaputt ist.
SCHOCK! Ich denke, er wird mindestens ein halbes Jahr ausfallen, vielleicht sehen wir ihn sogar nicht mehr diese Saison. Das ist ein sehr, sehr herber Verlust und heftiger Rückschlag in der Mission Klassenerhalt. Baumjohann hat sich schnell eingefügt und ich hätte mir sehr für ihn gewünscht, daß er endlich den entscheidenden Schritt in seiner Karriere macht - bei uns. Ich hoffe, er verkraftet das gut und hat die mentale Stärke, sich da rauszukämpfen. Zusätzlich hat Langkamp einen Muskelfaserriss und fällt auch aus.


Muß man beinah noch von Glück reden, daß das Transferfenster noch offen war??!

Eigentlich haben wir eine gute Tiefe in unserem Kader und gerade im Mittelfeld so einige Möglichkeiten eine Formation auf den Platz zu stellen - der Mannschaftsgeist ist unser Pfand für diese Saison. Das kann allerdings ein fragiles Gebilde sein, wenn nun neue Spieler dazukommen. Aber ich denke, es ist eine Notwendigkeit. Mit der Ausleihe Lasagnes zum HSV bin ich absolut einverstanden, damit er Spielpraxis bekommt und die Mutter dort ihr Unwesen treibt, denn bei uns führte kein Weg an Allagui und Ramos vorbei.  PML kann nun zeigen, was er noch drauf hat. Noch vor ein paar Tagen fragte ich mich , was wir mit einem weiteren MF wollen - so schnell gab‘s die Antwort. Herzlich willkommen, Sjkelbred!
Im Gegensatz dazu ist die Leihe von Cigerci direkt der Verletzung Baumjohanns geschuldet. Der VfL ist ja nicht ganz unschuldig daran, ich hoffe damit konnte Preetz den Preis nochmal ordentlich drücken. Cigerci, ein großgehandeltes Talent mit höchsten Weihen durch Magath und Favre seinerzeit, das war vor seinem Fußbruch, danach scheiden sich die Geister. Ich hoffe, er kann an alte Leistung anknüpfen. Herzlich willkommen, Cigerci!

Der Kapitän in dieser stürmischen See ist JLu und es ist allein seiner Person und seiner Arbeit zuzuschreiben, daß hier nicht die pure Verzweiflung ausbricht. Und sicherlich schlägt jetzt auch Preetz‘ große Stunde, er wird viel für seine Reputation tun können. Es war gar nicht so einfach für beide, auf die neue Notlage zu reagieren, schließlich können wir nicht einfach das Portemonnaie öffnen. Viel Zeit einen geeigneten Spieler auf Leihbasis zu finden hatten sie nicht! Am Ende der Saison werden wir sehen, wie gut sie gearbeitet haben und der Zusammenhalt in der Mannschaft ist.

Und so ist aus dem unerwarteten Rekordsaisonstart in der Nachschau eine überlebenswichtige Notwendigkeit geworden, wenn wir die Klasse halten wollen.

Hertha Schiff

 Quelle: joerg-bennewitz.de/ Hauptsache Fußball

Mast- & Schotbruch, der Käpt‘n wird das Schiff schon schaukeln!

Ha Ho He

Dienstag, 20 August 2013 21:16

4/ 40

Dieser Blog ist schwer für mich!
Ich muß mit mir, meiner Erziehung, der Höflichkeit, dem Karma ringen.
Am liebsten hätte ich den Blog mit „Schäfer, Du F****!“ (Flöte) überschrieben, aber auf dieser Plattform vergreife ich mich damit im Ton - es entspricht nur leider zu 100% meiner Meinung.
Dieses Duell ist für mich immer mehr als nur ein Punktspiel, solange der Unsägliche das Tor hütet. Es ist immer auch ein Blick zurück. Ein Blick mit viel Wut und Schmerz.

Nach unserer sensationellen Saison 08/ 09 haben wir das gesamte Rückgrat, die entscheidende Achse abgeben müssen: Simunic (der heimliche Kapitän), Voronin, Pantelic. Am Ende sogar noch den Trainer. Eine diffuse Gemengelage, mit teils undurchsichtigen Befindlichkeiten und Unfähigkeiten. Es lag in der Natur der Sache, was dann folgerichtig kommen mußte: Der Abstieg!

Seit dem 6. Spieltag hielten wir die rote Laterne, am 7. mußte Favre gehen und ab dem 9. durfte Funkel uns da sicher festsetzen mit Altherrengekicke - Gott, wie habe ich das gehaßt. Am 14. Spieltag (Heimspiel gegen die Eintracht) habe ich das erste Mal in der Kurve geweint, denn ich wußte da, daß wir absteigen werden. 23 Spieltage unter FF und wir haben nicht einmal den letzten Platz verlassen!

5 Siege - 9 Remis - 20 Niederlagen!

Aber die Kurve war in dieser Saison sensationell!

Für mich die Beste, ich habe noch heute Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie die gesamte Kurve zum Beispiel vor dem Heimspiel gegen Leverkusen (16. Spieltag) eine halbe Stunde vor Anpfiff wie ein Mantra „ Hertha BSC heißt unser Verein, Hertha BSC wird es immer sein“ sang. Flutlicht. Ich mußte an Shakespeare denken „Heinrich V.“. Vor der Schlacht von Azincourt beschwört er in einer flammenden Rede seine zahlenmäßig hoffnungslos unterlegenen Soldaten: 12.000 erschöpfte Männer stehen einer Armee 60.000 ausgeruhter Franzosen gegenüber.
Zurück zum Thema: Dann also am 26. Spieltag Mitte März besagtes Duell gegen eine Nürnberger Truppe, die irgendwie selbst in den Abstiegskampf verwickelt war. Wir liefern ein gutes Spiel, nicht gegebener Elfmeter (Schäfer foult im 16er), vergeben einiges, gehen in Führung. Hoffnung. Dann kommt Nürnberg mit einem Foulspiel zum Ausgleich. Am Ende steht der Siegtreffer der Nürnberger - ein Abseitstor.
Und ein Raphael Schäfer, der sich vor unsere Kurve dreht und äußert unsportlich gestikuliert.

Schafer Du FotzeSchafer Du Fotze2

(Quelle: bz-berlin.de/ hertha-rafael-scha_19865418.jpg und hertha-rafael-scha_19865218.jpg)

Wie gelähmt stehe ich in der Kurve und beobachte, was dann folgt. In den Medien ist damals viel dazu geschrieben worden. Ich habe absolut verstanden, was in den Jungs da unten vorging. Es war das erste Mal, daß ich nach einem Spiel vor der Polizei wegrennen mußte um mich hinter einer Stele vor dem Osttor zu verstecken. Ich wollte aber als Zeuge bleiben. Das Ergebnis war, daß alle, die den Innenraum betreten hatten und identifiziert wurden, Stadionverbot für 3 Jahre bekamen. Ich muß nicht erwähnen, daß sich unsere gesamte Vereinsführung hübsch distanziert hat von den Jungs, die doch immer so toll und treu unterstützten! Darunter auch unser damaliger Vorsänger! Ein herber Verlust für jede Kurve. Auch wenn seine Nachfolger inzwischen ihre Sache ganz gut machen und manchmal richtig top (z.B. letzte Saison die Ausflüge in Block P).

Besser als dieser namenlose, ältere Herr könnte ich Euch nicht erklären, wie sich das anfühlte. Sein BRIEF kursierte damals in unseren Fan-Foren.

Erst am vorigen Spieltag hat Schäfer wieder gezeigt, wes Geistes Kind er in Sachen Fairplay ist.
Und heute ist heute!
JLu hat eine gute Mannschaft aufgebaut, die die Ausfälle in der Abwehr einigermaßen kompensieren konnte. Viel erinnerte mich an derben Zweitliga-Fußball. Das Spiel war überwiegend sehr physisch, weil auch der FCN ordentlich in die Zweikämpfe und auf die Socken ging. Ja, ich habe solch ein Spiel erwartet - Nürnberg ist nicht Frankfurt, die uns mit ihrem eigenen Offensivspiel den Raum für unsere Konter gegeben haben und uns auch nicht so in die Initiative gezwungen haben. Im Nachhinein zeigte sich nochmal, daß die Eintracht nicht leicht zu besiegen ist - Bayern ist dies nur unparteiisch gelungen.
Wir haben ein gutes Spiel gegen die Franken gemacht und unglücklich 2 Punkte zum Sieg verloren (weil sooo kurz vor Schluß). Jaja, die Nummer mit Baumjohann - eijeijei. Der Elfer wiederum berechtigt, Pinola spielt nicht den Ball. Obwohl da auch die Meinungen auseinandergehen. Darin sind sich wenigstens beide Trainer Wiesinger und JLu einig.
Der gepfiffene Freistoß war echt ein Witz, aber sehr gut geschossen. Kraft muß sich auch entscheiden, welche Ecke seine ist. Richie, sag doch auch mal was!
Ich will nicht hadern, tu‘s aber dennoch ein wenig. Der Saisonauftakt ist grundsätzlich gelungen (4/ 40) und darauf kommt es an. Was wir bisher gezeigt haben, läßt mich für unser Saisonziel hoffen!

Auf den Klassenerhalt, Prost!

2013-08-18 17.46.33

Ha Ho He

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