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Montag, 13 März 2017 00:42

MINIRÖCKE - vielleicht frivol, aber erlaubt!

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Die heimstärkste Mannschaft der Bundesliga in dieser Saison - meine Hertha - konnte diese Bilanz auch gegen den Champions League-Teilnehmer Borussia Dortmund mit einem 2:1 Sieg fortsetzen!

So langsam verdienen wir uns das Rennen um die internationalen Plätze und haben endlich 2 Spiele Vorsprung auf den nächsten Verfolger. Der Sieg gegen den BVB war ohne wenn und aber verdient. Aber von dem Topspiel und unserer Leistung redet inzwischen niemand mehr und deshalb rede auch ich nicht davon - jetzt!

Die Medien stürzen sich mit aufwiegelnden Arschbomben auf unseren Spieler Mitchell Weiser. Was war passiert? Am Ende der 2. Halbzeit, der spätere Endstand war da schon längst eingestellt, kam es zu einem kleinen Scharmützel zwischen Dembélé und Weiser. Weiser schlägt den Ball weg und wird kurz darauf von hinten in die Innenseite der Wade getreten. Weiser fällt und rollt. Die Bewertung dieser Situation fällt folgendermaßen aus: Der Tritt vom Dortmunder Spieler ist ganz eindeutig eine Tätlichkeit und hätte gut und gerne mit glatt Rot geahndet werden können. Unser Spieler behält sein Bein und macht auch für meinen Geschmack eine Rolle zuviel. Aber halten wir fest: Er ist der Gefoulte. Letztlich bekommen beide Spieler Gelb.

Was mich, ehrlich gesagt, schockiert hat heute beim SPORT1-Doppelpass-Gucken, ist, daß dort im Fernsehen ganz öffentlich und schamlos zum Fegefeuer gegen Weiser aufgerufen wurde von den anwesenden Herren. Besonders hervorgetan haben sich da Carlo Wild vom Kicker, Ralf Rangnick von RB Leipzig, Marcel Reif von dieser Welt. Einspruch gab's von keinem. Was ich da gesehen habe, ist einfach nur obszön.

Sicherlich ist da seitens Weisers Theatralik drin, die gerne hätte ausbleiben können, aber wurscht bezüglich der Tätlichkeit Dembélés. Es spielt letztlich gar keine Rolle, wie heftig die Folgen sind, eine Tätlichkeit ist eben eine, wie auch ein Foul eins ist. Es wird nicht die Güte einer Verletzung geahndet.

Warum passieren solche Dinge? Es gibt viele Möglichkeiten: Wenn viel Adrenalin im Spiel ist, macht man schon mal Dummheiten, da streckt sich einem der Mittelfinger, da pöbelt man unbewußt mal in ein Außenmikro, der erste Schreck, Durchtriebenheit, Mißgunst, Unbedarftheit, Sorglosigkeit... Unser Weiser war lange verletzt, wir Herthaner sind alle froh, daß da weiter nichts passiert ist. Vielleicht auch eine Erklärung?!

Inzwischen werden die Spieler neben und auf dem Platz in jeder Sekunde eingefangen und kontrolliert. Das wissen alle Spieler und verhalten sich häufig entsprechend, gerne wird im Fallen nach einem Foul schon die Kamera gesucht, um zu prüfen, ob auch ja jeder alles gesehen hat. Auch diese lausigen Torjubel sind ein Produkt des Wissens um die Replikation des Moments "Batman und Robin" (Aubameyang, Reus/ BVB), "Die Boy Band" (Holtby, Schürrle, Szalai/ M05), "Eckfahnenpinkler" (Mertens, SSC Napoli), "Babybauch" (Lewandowski/ FCB) usw. Die Liste kann beliebig fortgeführt werden, es betrifft nahezu alle Vereine überall auf der Welt. Oft ein Moment zum Fremdschämen. Das ist auch schon früh im Repertoire, neulich bei unserer U16 gesehen und da zeichnet niemand auf. Es reicht, daß die Fersehanstalten diese Bilder Wiederkäuen. Sei's drum. Theatralik kommt zunächst einmal auch ganz einfach technisch zustande: Um im Beispiel zu bleiben, sieht die Rolle von Weiser in Zeitlupe auch viel schlimmer aus, als das in Echtzeit und im Stadion der Fall war. Die Zeitlupe implantiert im Zuschauer aber den Eindruck bewußter Handlungen. Das trifft aber meist nicht zu, sondern ist in der Regel ein normaler Bewegungsablauf. Das schließt grundsätzlich nicht den Schurken auf dem Rasen aus. Die vermeintliche Theatralik sind die beiden Seiten einer Medaille: Mit Vorsatz den Gegenspieler anschwärzen zum eigenen Vorteil OHNE gefoult worden zu sein oder ein Foul überbetonen aus der Befürchtung heraus, es könne übersehen worden sein. Das mag fragwürdig und nicht so wirklich gelungen sein, ist aber auch Produkt und Erfahrungswert in einem Metier in dem TV-Bilder alles bestimmen. Sie bringen das Geld, sie sind das, was gewollt ist. Und je spektakulärer und dramatischer umso besser. Diese Welt ist bigott: Pyrobilder einfangen, aber Licht verteufeln; Schwalbenzeitlupen noch und nöcher, aber wer und daß verdammt wird, unterliegt unbekannten Gesetzen. Insgesamt wäre mir auch weniger Gestik und Mimik lieber, das ist bloß letztlich gar nicht erwünscht. Es wird ja geradezu auf die große Geste, einen Fehler gelauert, um sich darauf zu stürzen. Großkreutz und Kruse haben da sicher auch Erlebnisberichte. Ja, das passiert alles und ist menschlich. Seid einfach mal gnädig, wenn es andere nicht sein wollen. Vor allem, wenn jemand sonst nie dahingehend auffällig wurde.

Ralf Rangnick griff die zigfachen Zeitlupen der Weiserrolle mit Kußhand auf, um den Schandkübel seines Spielers nun erleichtert über unseren Spieler auszuschütten. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, diese Bilder wurden flehentlich herbeigesehnt, um den gescholtenen Timo Werner aus der Schußlinie zu bekommen und durch einen neuen Stein des Anstoßes zu ersetzen. Halt, Stopp! Wir erinnern uns: Timo Werner wurde NICHT gefoult, es war eine Schwalbe. Auch selbst da ist es nicht akzeptabel, wenn er dafür durch den Kakao gezogen wird und Schwalbenpäpste wie insbesondere Robben, aber auch Lewandowski, Suarez, Draxler noch bei WOB und wen jeder noch spontan parat hat, mit einem allgemeinen Achselzucken davonkommen. Es ist quasi allgemein geduldet und indirekt legitimiert. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, daß Rangnick auch noch gerne andere Bröckchen aufnahm und Konkurrenten denunzierte zum Thema, die 50+1-Regel sei doch schon längst ausgehebelt durch laut genannte Bundesligisten. Herrlich.

Ich finde es komplett verantwortungslos, daß im Doppelpass vom 12.03.2017 indirekt, aber öffentlich, zu einem Shitstorm gegen einen Spieler animiert wird. Und nach meinem Verständnis spielt es überhaupt keine Rolle, ob es einen Spieler meiner Mannschaft betrifft oder irgendeinen anderen. Es gibt inzwischen diverse Statements dazu in den sozialen Netzwerken, die dann viral gehen: stark gekürzte gifs, die das Foul ausblenden und also manipulativ sind, Shitstorm in den Kommentarspalten diverser Fußballseiten, negative Tweets und Posts, die alle komplett die vorangegangene Tätlichkeit unterschlagen, im Berliner Fenster (quasi Nachrichten-/ Werbe-Ticker in der U-Bahn) wird das Thema erwähnt. Meine Frage an die Leute, die sich am Shitstorm beteiligen, ist eigentlich, welches Rechtsempfinden da herrscht? Das mein Verein nicht sonderlich beliebt ist außerhalb seines Dunstkreises und im englischsprachigen Raum stört mich nicht weiter, geht mir umgekehrt nicht anders. ABER: Weil ein Spieler bei einem Drecksverein spielt, so wurde kommentiert, ist es in Ordnung, einen wesentlichen Teil dieser Situation zu unterschlagen und den kompletten Zorn auf den Gefoulten zu übertragen?

Also jetzt mal im Ernst: Ich kann dich nicht leiden, du bist häßlich, deshalb ist es okay oder nicht so schlimm, wenn du z.B. Opfer eines Justizirrtums wirst oder ungerecht behandelt??! Leute, die Denke bewegt sich auf dem Niveau, mit dem man Frauen in Minirock begegnet, die sexuell belästigt oder gar vergewaltigt wurden: Naja, der Rock war aber schon sehr kurz und sehr aufreizend! HALT! STOPP!

NEIN! Weiser wurde mit einer Tätlichkeit gefoult - Punkt. Ja, die Rolle mußte nicht sein. Das ändert aber nach wie vor nichts an Dembélés Einlage.

Ich ergreife hier deutlich Partei für einen Spieler meiner Mannschaft, weil es momentan kaum einer tut, und gleichzeitig soll dies ein Plädoyer an alle sein: Beteiligt Euch nicht an einem Shitstorm gegen einzelne Fußballer, Menschen generell! Erst recht nicht, wenn Ihr nur Ausschnitte kennt und Euch gar nicht sicher sein könnt, ob die Einschätzung so überhaupt zutreffend ist. Es geht mir um einen generellen Umgang. Ein Bild, das einmal in die Welt gesetzt wurde, bleibt im Gedächtnis. Wir sind visuelle Wesen. Mir persönlich wären insgesamt auch weniger Gestik und Mimik lieber. Die TV-Vermarkter haben daran nur kein Interesse, im Gegenteil, man lauert auf die große Geste, den Fehltritt, die Schwäche. Großkreutz und Kruse können sicher auch Erlebnisberichte zu dieser Thematik beisteuern. Manchmal erfährt jemand ein Stigma, das er für den Rest seiner Laufbahn nicht ablegen kann. Schon innerhalb von 2 Tagen ist in der Presse aus einer Tätlichkeit, und dafür müssen keineswegs Gliedmaßen abgetrennt werden, ein Kontakt geworden und eine Schwalbe fliegt in Gänsefüßchen nebenher. Nochmal, nein, das ist eine Verunglimpfung! Bedenkt einfach nur, daß es ein anderes Mal einen Fußballer Eures Lieblingsvereins treffen könnte. Haßtiraden lassen sich ohne Nachzudenken zu leicht in die Tasten hauen und verbreiten. Macht das nicht! Zeitlupen sind Verstärker! Wie anders könnte sonst im Nachhinein eine Schiedsrichterentscheidung bestätigt oder widerlegt werden, die man mit bloßem Auge kaum erkennen kann.

Und der Doppelpassrunde im Besonderen und anderen Medien möchte ich sagen: Schämt Euch, Ihr tragt Verantwortung und habt eine Sorgfaltspflicht!

 

Donnerstag, 09 März 2017 15:22

Gemeinsam stark – Arminia feiert 150 Jahre Bethel

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Der Frust saß tief nach dem 2:2 von Arminia Bielefeld gegen den FC Erzgebirge Aue. So tief, dass ein wirklich positiver Aspekt des Spiels in den Nachbetrachtungen kaum Erwähnung fand: Der DSC feierte das 150. Jubiläum der von Bodelschwinghschen Stiftungen. Bevor das völlig untergeht, hier ein paar Zeilen dazu.

 

489186 web R by Benjamin Klack pixelio.deDer BVB an der Börse, ein Thema das mit viel Leid verbunden war und böse Erinnerungen weckt. Aber heute im Jahre 2017 stellen sich viele Fans immer noch so einige Fragen. Um diese Fragen beantworten zu können, habe ich mit Oliver Schoch einen Experten herangezogen, der verständlich und ohne fachsimpeln mal erklärt, wie das mit dem BVB und der Börse nun genau aussieht. Oliver Schoch teilt sein Expertenwissen auch mit renommierten Zeitungen. Für diesen Artikel hat er sich aber auch für uns einmal Zeit genommen und für die ein oder andere Erleuchtung gesorgt.

1/ Borussia Dortmund ist als börsennotierter Club seinen Anlegern verpflichtet?!? Wie sehr hat das Einfluss auf die Transferpolitik des Vereins?

oliverschochTatsächlich ist Dortmund als börsennotierter Club nicht nur seinen Fans verpflichtet, denn die Anleger sind definitiv ebenfalls von nicht geringer Bedeutung. In welchem Umfang dies allerdings Einfluss auf die Transferpolitik des Vereins hat, kann man ohne eine konkrete Aussage der Vereinsführung natürlich nur vermuten. Meiner Auffassung nach dürfte bei der Transferpolitik ein besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, dass die getätigten Spielereinkäufe natürlich einerseits sportlich, aber auch wirtschaftlich möglichst effizient sind. Hier konnte der BVB in der Vergangenheit schon sehr positive Ergebnisse erzielen. Nimmt man zum Beispiel den aktuellen Superstar Aubameyang, so wurde dieser vor einigen Jahren für relativ kleines Geld gekauft, hat seinen Marktwert seitdem allerdings enorm gesteigert. Außerdem dürfte ein börsennotierter Club wie Borussia Dortmund bei der Transferpolitik im Hinterkopf haben, dass du solide Spielerkäufe echte wirtschaftliche Werte geschaffen werden. Damit ist vor allem der Wert der gesamten Mannschaft gemeint, der natürlich durch kluge Transfer nach und nach gesteigert werden kann. Dennoch denke ich, dass die Entscheidungen für oder gegen Transfers auch beim BVB in erster Linie nach sportlichen Gesichtspunkten getroffen werden.

 

361165 web R by Ulrich Kroes pixelio.de 1Es war Donnerstag der 23.02.2017. Nach einem sehr langen Arbeitstag entschied ich mich noch zu 2-3 Partien FIFA17 auf der Playstation 4. Ein guter Kumpel von mir lud mich in eine Party ein mit Leuten die ich nicht kannte oder deren Namen ich vielleicht mal bei Facebook gelesen habe. Plötzlich war ich mittendrin in einer virtuellen Vereinsgründung für eine Pro-Mannschaft. Pro-Mannschaften bestehen aus 11 einzelnen Spielern bei denen jeder eine Position besetzt.

Ich dachte mir, warum eigentlich nicht. Der Altersdurchschnitt lag hier bei circa 15 bis 18 Jahren. Ich fühlte mich mit meinen 30 Jahren auf jeden Fall direkt mal alt, da es aber um das Spielerlebnis geht, habe ich weiter mitgemacht.

Alles fing harmlos an

Ein HSV Fan in dieser Party mit dem Namen Marc war sehr auffällig. Für Ihn lustige Parolen „Petry for Präsident“ und sinnloses „Heil“ schreiben waren der Beginn.

In den Spielen selbst war es zunächst ruhig bis die Hemmungen langsam fielen. Der besagte HSV Fan fing dann plötzlich mit eindeutigen Parolen an „Alle Schwarzen sind Affen“ oder „Der schwarze Affe“ waren die gängigen Kommentare, die mit unterstützendem Gelächter der anderen Teilnehmer begleitet wurden. Natürlich dauerte es nicht lange bis auch andere Teilnehmer der Party mitmachten und gleiche Kommentare vortrugen oder eigene Ideen beigetragen haben.Natürlich verließ ich die Party und mein Kumpel folgte mir prompt. Wir waren uns sofort einig darüber, dass hier definitive Grenzen überschritten wurden, die mit Spaß nix mehr zu tun hatten.

Sonntag, 26 Februar 2017 14:03

RB Leipzig und der DFB – Hand in Hand für den Profit

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728773 web R by Susanne Richter pixelio.de„Anti-RB Banner – der DFB ermittelt“ jeden Tag liest man diese Meldung mittlerweile. Die neuesten Opfer der kritikresistenten Dosenmaschinerie sind Borussia Mönchengladbach und sogar Hansa Rostock.

Natürlich sind die Texte auf den jeweiligen Bannern respektlos und zeigen die mangelnde Kreativität der Ultras. Die Botschaft, gegen einen Red Bull geführten Verein zu sein ist ja nicht verkehrt meiner Ansicht nach, aber ich würde mir ein wenig mehr Kreativität, und weniger dummes Zeug wünschen. Sich negativ ins Rampenlicht zu bringen ist eine Masche, die schon lange langweilig und abgestumpft ist liebe Ultras. Es schadet am Ende auch den Verein, den man ja eigentlich nicht schaden möchte.

Viele Gladbachfans die sich bei fast jedem Heimspiel anhören dürfen, wie Gästefans ihre Hymne umtexten „Wir werfen Stein auf Stein, auf die Elf vom Niederrhein…“ sind erstaunt über die DFB Ermittlungen. Immerhin müssen auch Sie Woche für Woche derartige Parolen in tausendfacher Ausführung hören, und das ohne das der gegnerische Verein Sanktionen verhängt bekommt. Aber der DFB folgt hier dem üblichen „Bilder sagen mehr als Worte“ Prinzip. Es sind ja auch Bilder die in der Presse landen und nicht das gesprochene Wort oder der feindselige Gesang.

Die Fans malen viele Plakate bis runter in die 5ten und 6ten Ligen. Oft sind dabei vergleichbare Transparente wie gegen Leipzig, oft wird nicht ermittelt. Aber warum ist das so?

Dienstag, 21 Februar 2017 13:08

Knigge und Bonus

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Screenshot 2017-02-21 15.35.54Screenshot 2017-02-21 15.28.25Wenn man nach langer, sehr langer Zeit beschließt, an die Tasten zu gehen und auf dem kurzen Weg dahin nicht mehr weiß, womit anfangen, weil sich die Themenangebote nun geradezu überschlagen. Von meinem eigentlichen Aufhänger kann ich aber im Verlauf dieses Textes einen schönen Bogen schlagen, das ist meinen Freunden vom DFB geschuldet. Die, ich gebe es zu, sehr häufig Antrieb meiner Auseinandersetzungen sind, wenn auch nicht schriftlich, wie die letzten Jahre belegen.

Ich habe die Debatten um Fanreaktionen auf RB Leipzig selbstverständlich verfolgt als interessierter, aber noch unbehelligter Fan. Ganz recht, unbehelligt, denn ich frage mich, was uns allen noch blüht. Mir ist nicht ganz klar, warum plötzlich diese Benimmpolizei und der Etikette-Schwindel schon geradezu groteske Formen annimmt. Jeder Stadiongänger weiß, daß Transparente seit Jahrzehnten Mittel der Meinungsäußerung in den Kurven sind. Und auch sind seit Jahrzehnten die Meinungsäußerungen mehr oder weniger gelungen. Ich persönlich bin großer Freund humorvoll gesetzter Stiche. Das gelingt nicht immer und manchmal sorgt der Ärger über dies und das dafür, daß andere Synapsen aktiv werden. Das qualitative Spektrum reicht von sehr oft witzigen Pointen bis zu tatsächlichen Sinkflügen. Immer aber ist so ein Plakat auch Ausdruck von Kreativität, in Stenoform muß ein komplexer Inhalt in knackiger, griffiger Kürze zu Papier gebracht werden. Nicht alle schaffen es ins MOMA. Und so manches Kunstwerk offenbart seine Doppelbödigkeit nur den Kennern.

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Die Ausstellung bei Borussia Dortmund zeigte nun in ihrer Anzahl eine eher seltene Menge an Objekten und natürlich waren da auch echt schwache, sehr derbe Meinungen vertreten. Aber, so what? Ein Bundesligaspiel (ein Fußballspiel allgemein) ist immer Rivalität und manchmal sogar sehr große, es sei denn, befreundete Teams und Bene Fizz treffen aufeinander. Beschimpfungen und Schmähungen muß man aushalten, das gehört dazu. Manche Auswärtsfahrten sind Gänge nach Canossa, habe ich alles schon erlebt, auch, daß man seine Vereinszugehörigkeit besser nicht zeigen sollte. Ich mag diese Form der Gastfreundschaft nicht besonders, man sollte seinen Schal tragen können und ist schließlich aus Gründen unterwegs. Da sind wir auch schon beim Thema, und natürlich darf man wegen seiner Vereinzugehörigkeit nicht körperlich angegriffen werden. Keine Diskussion! Ausnahme sind verabredete Schlägereien, aber davon bekommen nicht Involvierte nix mit, kann uns egal sein. Es wurde ja schon x-Mal durchgekaut, für die Vorfälle außerhalb des Stadions ist der DFB gar nicht zuständig und im Stadion ging es nach meinem Kenntnisstand nur schriftlich und mündlich zur Sache. Als nächtes wird sich Borussia Mönchengladbach zu verantworten haben. Es werden sicher noch mehr Delinquenten bis zum Ende der Saison, gegen die der DFB ermitteln wird, weil einfach jeder Gegner, selbst z.B. die Hoffenheimer (auch gerne Adresse von Schmähäußerungen) ihr Hühnchen mit RB Leipzig rupfen werden. Aber auch der FC St. Pauli zeigte gg Dresden ein makabres Plakat. Es gibt unzählige solcher Plakate, die kann man hier gar nicht alle nennen. Aber haben wir diese Ermittlungsarbeit in diesen Fällen so massiv gehabt? Ich habe langsam den Eindruck unser Fußballverband ist eine Detektei. Wer bestimmt, welche Meinungen gegen wen geäußert werden dürfen und vor allem wie drastisch? Die Kritik an RB Leipzig ist in Teilen durchaus berechtigt (Financial Unfairplay für einen Aufsteiger, die Ersatzbank in Salzburg, aggressives Jugendscouting, Satzung/ Mitgliedschaft)! Allerdings sind sie nicht der einzige "Firmentrupp", der in der Bundesliga aktiv ist und die Doreens und Ricos sind wirklich das allerletzte Glied in dieser Kette. Denen kann man nicht vorwerfen, daß sie Fußball sehen wollen. Daher ist mein Wunsch, sämtlicher Protest wendet sich ausschließlich an den eigentlichen Verursacher DFB und an Mateschitz/ Clubvorstand.

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Ich habe eher den Verdacht, der DFB reagiert gerade in diesem Zusammenhang so empfindlich, weil er einerseits selbst (in)direkt Adresse der Wut oder Empörung der Fans ist. Er selbst hat die lächerliche Red Bull Logoänderung als Vereinswappen durchgewunken und damit den Spielbetrieb ermöglicht. Man kann nicht ausschließen, daß der Verband die durchaus erfolgreiche "Entwicklung" der Leipziger in dieser Region protegiert. Nachdem zunächst nach der Wende der Fußballosten abgewickelt wurde, macht es Sinn, dort einen finanziell sprudelden Quell für Nachwuchsarbeit zu etablieren. Frischfleisch für die Nationalmannschaft. Spätzle-Connection läßt grüßen.

Es ist für einen Außenstehenden einfach nicht einsichtig, nach welchen Kriterien der DFB Ermittlungen einleitet und Strafen verhängt. Und damit ist noch nicht mal die Frage geklärt, ob überhaupt Strafen verhängt werden müssen, solange es bei Wortgefechten bleibt. Da mag manchen vielleicht mal die Spucke wegbleiben, aber in der Regel konnten Vereine untereinander mit einer Stellungnahme reagieren und das Ding war vergessen. Inzwischen meint man es aber analog den "strengsten Eltern der Welt" mit dem strengsten Verband der Welt zu tun zu haben, der die aufmüpfigen Fans zur Raison rufen will. Das wird so jedenfalls nicht gelingen, da bin ich mir sicher. Und es ist auch richtig. Der DFB darf kritische Stimmen nicht wegdrängen, sondern muß sich auch den Vorwurf gefallen lassen, manch Entgleisung selbst zu provozieren. Aber ganz Lotusoberfläche perlt das ab. Stattdessen befinden sich die Fans in Stellvertreterauseinandersetzungen mit anderen Vereinen. Über den Sinn und Unsinn von Sippenhaft hat man sich schon den Mund fusselig geredet. Schießt am Ziel komplett vorbei. Es wird sich ereifert und "gereinigt", wo es nur geht. Jüngst wurde ein BVB-Fan beim Fantalk auf Sport1 in der 11Freunde-Bar in Essen vor laufenden Kameras von Neururer, Helmer und vor allem Basler rund gemacht. Der Fan hatte den von Aubameyang verschossenen Elfmeter im letzten CL-Spiel mit einem authentisch verärgerten "Idiot" quittiert. Nix großes. Auf Facebook wurden die kritischen Kommentare der User zu diesem Vorfall gelöscht. Zum Schreien natürlich, daß gerade Basler, selbst gerne ausfallend und beleidigend, hier ganz Hofdame war.

Für rassistische oder diskriminierende Äußerungen sind zweifelsohne Sanktionen Pflicht und selbstverständlich für Parolen, die unter §130StGb fallen.

Aber nicht nur das, für das kommende Rückspiel gegen PAOK in der EL wird den Schalker Fans von Vereinsseite ein Verhaltenskodex nahegelegt, um "nicht unnötig zu provozieren". Gegenstand der Kontroverse ist die Mazedonische Flagge "Stern von Vergina". Die Griechen erklären beharrlich Mazedonien zur Chefsache und rein griechischen Angelegenheit. Nun gibt es aber auch ein jugoslawisches Mazedonien. Und deren Flagge ist nun Störenfried im Auge der Gästefans. Schon bei einer letzten Begegnung kam es deshalb zu Ausschreitungen der eigenen Polizei gegen die Gelsenkirchener. Man hatte blind den Behauptungen der griech. Funktionäre vertraut und fand höchst unangemessene Methoden um gegen den dt. Anhang vorzugehen. UGE verbindet eine Freunschaft mit den Ultras von Varga Skopje. Nun haben aber Gerichte eindeutig geklärt, daß die Flagge absolut legal und nicht verfassungsfeindlich o.ä. ist. Auch da fragt man sich, wessen Befindlichkeiten Vorrang haben und wieso. Laut Augenzeugen war das Hinspiel für die Gästefans äußerst unerquicklich.

Aber es geht in die in diesem Blog nicht nur um Transparente. Inzwischen wird nach dem Spiel meiner Hertha gegen die Säbener NUR noch gegen meinen Verein ermittelt, wie der DFB heute mitteilte. Hier liegt der Fall etwas komplizierter. Hertha BSC hat in der regulären Spielzeit die Bayern durch ein Tor von Ibisevic 1:0 besiegt. Es gab bereits ein großes Raunen, als die Nachspielzeit (NSZ) von 5 Minuten angezeigt wurde. In der 2. HZ ist nichts vorgefallen, das diese ungewöhnlich lange NSZ rechtfertigt. Schon gar nicht, wenn man viele, viele Partien gesehen hat und hier nicht den üblichen Sitten und Gepflogenheiten entsprochen wurde. Ich weiß von zig Spielen, in deren 2. Durchgang Tore fielen und gewechselt wurde, am Ende standen die typischen trüben 2 Minuten. Immerhin da kam es zu einer "Verbesserung", heute werden in der Bundesliga 3-4 Minuten draufgeschlagen. Was den jungen Ittrich geritten hat, weiß niemand. Ich muß die ganze Zeit an einen engagierten Ausbildungsabsolventen denken, der dann in einen Betrieb kommt, der alltagstaugliche und pragmatische Nachbesserungen zur allseitigen Zufriedenheit getroffen hat und nun von einem hypergenauen Musterschüler heimgesucht wird, besonders temporär, wenn der Chef auftaucht. Nachspielzeit ist individuell und muß einen Bezug zu den Vorkommnissen in den 90 Minuten haben. Sie kann also nicht einheitlich sein, fragen wir unsere Freunde zur Vorwendezeit - EinheitsMielkeZeit bis der Favorit trifft. Am Samstag konnten wir von Glück reden, daß Lewandowski relativ zügig in der NACHnachspielzeit zum Ausgleich traf, sonst hätten wir womöglich unvorbereitet noch den Sonntag dort verbracht. Das Spiel wurde in der 97. Minute abgepfiffen. Der längsten NSZ seit detaillierter Aufzeichnung. Danach soll es zu Vorfällen gekommen sein, die nun den DFB veranlassen zu ermitteln. Frist für eine Stellungnahme von Vereinsseite gilt bis Montag.

Screenshot 2017-02-21 18.47.30Was war passiert? Große Aufregung natürlich. Zunächst hieß es, es werde gegen Ancelotti wegen eines gezeigten Stinkefingers ermittelt angeblich nach einer Spuckattacke. Und gegen Jarstein wegen eines Ballschusses, der (mutmaßlich unabsichtlich) Alonso traf. Die Gemüter und Medien kochten hoch, es gab hoch unsportliche Bemerkungen von den 2 bayerischen Oberkrämpfen Neuer und Müller. Beiden rate ich dringend, sich mit folgender Statistik zu beschäftigen statt weiter Säbener Fake News zu verbreiten. Dieses Duell wies die höchste Nettospielzeit aller Partien auf, der geballte Unsinn ist also obsolet und zeugt nur ein weiteres Mal von der natürlich hohen Geburt und Stellung des Rekordmeisters. Wie peinlich wäre da eine Niederlage gegen die Berliner Sorgenkinder gewesen, man erinnere, wie Neuer in der Schlußphase wie in einem Weltmeisterschaftsfinale mit nach vorne kam. Die Niederlage mußte verhindert werden. Auch sagt es einiges aus, wenn es zu dieser Nachspielzeit viele ironische Reaktionen gibt. Die des Postillon empfinde ich geradezu als Ritterschlag:

 

Screenshot 2017-02-21 18.40.18Screenshot 2017-02-21 18.41.03Stand heute ist nun, daß der DFB das Verfahren gegen Ancelotti eingestellt hat. Dafür reichte eine Stellungnahme und eine Spende von 5000€ an eine DFB-Stiftung. Interessant in diesem Zusammenhang ist allerdings folgendes: Bereitwillig wurde von der Presse und den TV-Medien Anecelottis Behauptung, er sei angespuckt worden übernommen. Dafür lagen und liegen bis dato keine Beweise vor, für den Stinkefinger schon. Bis die Vorfälle lückenlos aufgeklärt sind, haben die Medien mit entsprechender Sorgfalt zu berichten. Die Stimmung kochte hoch, denkbar wäre doch auch, daß Ancelotti arg beleidigt wurde, den Finger hob und im Affekt zu dieser Schutzbehauptung griff (ich erinnere an Nobert Meiers Gehirnerschütterung).

Ein erregter Fan kann auch Bier verkleckert haben. Ich sage explizit nicht Bierdusche. Wir reden von der Haupttribüne!, da sitzen auch Bayernfunktionäre neben unseren Anzugträgern. Soviel Emotion hätte ich denen gar nicht zugetraut. Und bis hierhin, um den Bogen zu schlagen, ist das für mich alles kein Drama: Es kocht hoch, man reagiert sich ab, gut ist! Man entschuldigt sich hinterher, packt was in die Vereinskasse. Fertig.

Aber was haben wir jetzt? Ein fragwürdiges Unentschieden und Ermittlungen nur gegen Hertha. Jarstein sollte wegen des Ballschusses aussagen, wurde aber schon Gelb verwarnt. Tatsachenentscheidung. Ermittelt wird also wegen angeblicher Spuckerei auf Ancelotti, den Schiedsrichter und "unsportliche Äußerungen" von Herthafunktionären gegen das Schiedsrichtergespann. Die können froh sein, daß sie mich nicht gehört haben. Wir haben also wieder ein #Schirigate 2.0!

Ich kann mir in etwa ausmalen wie die Ermittlungsergebnisse aussehen. Die strukturelle Vorgehensweise jetzt ähnelt sehr denen nach der Relegation. 1 Woche Zeit, sich für uns etwas zu überlegen. Und ob wir jemals Beweise sehen werden? Ancelotti ist jetzt in der Wahrnehmung der spendenfreudige Saubermann. Ich verlasse vorübergehend den Planeten! Auch, bis Menschen wieder bereit sind sich Auseinanderzusetzen und Anfeindungen auszuhalten. Der cleane Lieblingssport wird sonst auch die einholen, die meinen als Unberührbare im Stadion zu sitzen. Haben denn alle vergessen, wie hitzig das in vergangenen Jahrzehnten zuging? Und, es ging weiter.

Ha Ho He!

 

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