Di27Jun2017

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landtag nrwIm Landtag von Nordrhein-Westfalen, fand am 7. März 2013 eine öffentliche Anhörung zum Thema “Gegen Randalierer im Zusammenhang mit Fußballspielen konsequent vorgehen” statt. Grundlage dieser Anhörung war der Antrag der Fraktion der FDP vom 30. Oktober 2012.

Interessant ist, dass diese Anhörung durch drei Ausschüsse durchgeführt wurde. Es waren der Innenausschuss, der Ausschuss für Familie, Kinder und Jugend sowie der Sportausschuss. Somit waren seitens der Landesregierung Nordrhein-Westfalen alle wesentlichen Ausschüsse für dieses Thema anwesend.

Sonntag, 20 Januar 2013 18:51

Fußballunwort des Jahres 2012 – Die Hitparade

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274 Postkarteneinsendungen in der Facebook-Umfrage, in Kommentaren, auf Twitter! Ihr habt gewählt! Hier ist das Internet! FANKULTUR.com präsentiert Ihnen die

Hitparade zum „Fußballunwort des Jahres 2012“

Auf Platz 10 mit 2 Stimmen: Beckmann und die Todesfürchtigen feat. King Rehakles mit „Platzsturm“

Es waren beklemmende Szenen, die der neutrale Fernsehgucker da aus Düsseldorf präsentiert bekam. Beklemmende Szenen sind für Populisten wie das Aas für Geier, und an diesem Relegationsabend stürzten die Geier vom Himmel. Reinhold Beckmann und Mehmet Scholl (nochmal: Mehmet. Scholl.) lieferten die Initialzündung für die grotesk übersteigerte Medienrhetorik der folgenden Wochen, in der „Live aus dem Stadion“ und „Live aus Kabul“ inhaltlich gleichgesetzt wurden. Hier begann die unsachliche Auseinandersetzung von großen Teilen der Medien mit einem ernsten und komplexen Thema.

Auf Platz 9  mit 3 Stimmen: The Police mit „V-Männer“

Heute in der „Gewalttäter Fußball“- Version. Weil es sonst auch immer so gut klappt.

Auf Platz 8 mit 4 Stimmen: Ministry mit „Stehplatzverbot“

Innenminister Hans-Peter Friedrich war auch mal Fußballfan. Er stand auf den Stehplätzen. Er sagt über eventuelle Stehplatzverbote: "Wenn wir keine Ruhe in die Stadien bekommen sollten, (...) dann wird man auch über diese strikteren Maßnahmen nachdenken müssen." (Zitat in der Rheinischen Post). - „Ich war auch mal Kind und hatte mein Lieblingsspielzeug auch lieb. Aber wenn Du jetzt nicht endlich leiser damit spielst, nehme ich’s Dir weg.“. Für eine wirkungsvolle Erziehung, aber mit Fingerspitzengefühl!

Auch auf Platz 8 mit 4 Stimmen: Jupp und die Enttäuschten mit „Finale dahoam“

Das „Finale dahoam“ (bairisch für „Endspiel im eigenen Stadion“) war toll! Arminia Bielefeld hat auf der heimischen Alm den Westfalenpokal gewonnen. Falls das nicht gemeint war: Über den Rest wurde genug gesagt. Von Fans. Von Medien. Von einer ganzen Stadt („Mia san rot-weiß, oba mia san ned Oberhausen“). Bis es uns zu den Ohren wieder rauskam. Mit bekanntem Ergebnis. Solskjaer und so. Oder so.

Auf Platz 7 mit 5 Stimmen: The Security Club Band mit „Nacktzelte“

Schon mal Kuttenträger gesehen? Mal auf deren Fettmähnen geguckt? Mal deren Zahnbelag gesehen? Mit denen zusammen in die Ganzkörperkontrolle stehen? Allein das Kopfkino macht „Nacktzelte“ zum Unwort.

Auf Platz 6 mit 13 Stimmen: The Talking Heads mit „Dialog auf Augenhöhe“

„Das böse A...-Wort“ sagt Kollegin BlondundBlau. Wann der „Dialog auf Augenhöhe“ kein böses A...-Unwort mehr ist? Sobald alle (!) Seiten sich so verhalten, daß sie sich gegenseitig ernst nehmen können. Also kurz nachdem Stuttgart einen Bahnhof und Berlin einen Flughafen hat.

Auf Platz 5 mit 18 Stimmen: The Derbygegners mit „Konspirative Anreise“

Die Konfliktstrategie war perfekt und praktisch nicht zu unterwandern. Die Verabredung war verschwörerisch. Die Anreise war verschwörerisch. Die Ausführung war verschwörerisch. Ist die Bielefeld-Verschwörung am Ende das Ergebnis einer konspirativen Völkerwanderung? Häh? Versteht einer noch was?

Auf Platz 4 mit 19 Stimmen: Bruno von Berlichingen mit „Am Arsch geleckt“

Eigentlich steckt eine Menge fortschrittliche Symbolik in Bruno Labbadias Wutrede nach dem 2:2 gegen Leverkusen: Ein Balltreter zitiert Goethe – Ist nicht unbedingt mit zu rechnen. Der Trainer des schwäbischen Vorzeigeclubs bringt den „schwäbischen Gruß“ – als Hesse. Ein Trainer begründet, warum Medien aufhetzen und ihm seine Arbeit zerreden – und hat wahrscheinlich recht. Warum ist das trotzdem ein Unwort? Bruno: „Trainer sind immer die Mülleimer. Ich muß mich fragen: Gehe ich den schweren Weg mit oder sage ich...“. Das Dilemma derer, die trotzdem schwere Wege gehen.

Auf Platz 3 mit 32 Stimmen: The Medias mit „Kriegsähnliche Zustände“

„Live aus dem Stadion“ und „Live aus Kabul“ gleichgesetzt, in vielen vor allem boulevardesken Medienberichten. Gut, man könnte sagen, das sind die, die ein paar Dschungel-Aussätzige für Stars und Heidi Klum für eine Moderatorin halten, also pfeif‘ drauf. Aber die unschönen Szenen aus dem Stadion mit dem Leid, dem Tod und der Aggression eines Krieges gleichzusetzen, das ist irgendwann auch kein Fall für Satire mehr. Das mediale Ausnutzen von Angst und Beklemmung, um Interesse zu bekommen ist nicht nur im Fußball eine bedenkliche Tendenz, nicht nur weil viele wirklich gute Berichte und Kommentare darin einfach untergehen.

Auf Platz 2 mit 57 Stimmen: Great D.F. and the Proficlubs mit „Sicheres Stadionerlebnis“

Habt Ihr eigentlich mitgekriegt, daß Alemannia Aachen pleite ist? Was war mit den Ticketpreisen? Ist Schwulenfeindlichkeit noch relevant? Habt Ihr mitgekriegt, daß der FCR 2001 Duisburg Insolvenzantrag stellen muß? Hat irgendein Funktionär darüber nachgedacht, warum reihenweise Drittligisten kurz davor sind, vor die Hunde zu gehen? Hat irgendwer da oben sich mal Gedanken gemacht, warum kaum noch eine Elfmeterentscheidung richtig ist? Warum nicht? Eben, gab was anderes. Alles rund um das „Sichere Stadionerlebnis“ geht mir inzwischen so auf die Klötze, daß ich ihm nicht mal mehr den Spitzenplatz gegönnt hätte.

Auf Platz 1 mit 116 Stimmen und damit Fußballunwort des Jahres 2012: Sandra M. mit „Taliban des Fußballs“

Stellt Euch folgende Szene vor: Ein Fanvertreter vergleicht in einer Fernsehtalkshow einen DFB-Funktionär mit Erich Mielke,  die Polizei mit dem KGB oder den Moderator der Sendung mit Karl-Eduard von Schnitzler. Und jetzt stellt Euch die Reaktionen vor. „Unverschämtheit!“ – „Unsachlich!“ – „Beleidigend!“. Andersrum war’s in Ordnung.

Sie kennen die Regeln der Hitparade: Jeder Titel darf dreimal antreten. Danach wird es zu blöd.

polizeiAm Samstag trifft die SpVgg Fürth erstmals in der Fußball-Bundesliga auf Bayern München. Für viele Fans ein Highlight, angesichts der Vorfälle beim Aufeinandertreffen im DFB Pokal Februar 2010 aber nicht ungetrübt. Beim letzten Gastspiel der Franken in der Landeshauptstadt sorgte ein überharter Polizeieinsatz gegen die Fans für negative Erinnerungen.

Die Initiative „Für eine transparente/bürgerfreundliche Polizei“ und ProFans München rufen daher für den Spieltag zu einer gemeinsamen Kundgebung auf dem Marienplatz in München und anschließendem Protestmarsch auf.

Die Münchner Polizei fällt immer wieder mit einer besonders restriktiven Linie gegenüber Fußball-Fans auf. Die Initiative führt hierzu exemplarisch das Amateurderby des FC Bayern München gegen 1860 München auf, als Fans der „Sechziger“ von USK-Beamten/-innen aufs übelste misshandelt sein sollen. Die beteiligten Polizisten/-innen konnten wegen der fehlenden individuellen Kennzeichnung nicht ermittelt werden

Durch eine satirische und karikaturistische Fußballspielaufführung wollen beide Fanlager aus München und Fürth die Notwendigkeit einer individuellen Kennzeichnungspflicht von Polizeibeamten verdeutlichen und auf den Missstand aufmerksam machen. Gefordert wird die Bundesweite Umsetzung einer Kennzeichnungspflicht von Polizeibeamten/-innen. Die Auftaktkundgebung auf dem Marienplatz beginnt um 10:30 Uhr.

Die Initiative „Für eine transparente/bürgerfreundliche Polizei“ wird von mehreren Institutionen sowie Privatpersonen unterstützt, unter anderem von Amnesty International, der Arbeitsgemeinschaft Fananwälte und Löwenfans gegen Rechts.

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polizeiDie Polizei klopft sich auf die Schultern. Nach ihrer eigenen Darstellung hat die Polizei Dortmund am Samstag ein geplantes aufeinander Treffen von Dortmund und Schalke Fans und damit eine „gewaltige“ Eskalation verhindert. Die rund 250 Schalker waren auf dem Weg nach Meschede um die zweite Mannschaft bei einem Turnier anzufeuern. Die Dortmunder warteten ihrerseits vor dem Bahnhof um sich auf dem Weg zum Testspiel der Dortmunder Amateur Mannschaft in Verl zu machen. So gegen 11 Uhr kam der Schalke Anhang in Dortmund an, wo Sie auf dem Vorplatz von schwarz-gelben Fans erwartet wurden. Die durchreisenden Schalker sollen nach Angaben der Polizei versucht haben, die Konfrontation zu suchen die durch den Einsatz der Polizei verhindert werden konnte.

 

Die Schalker setzen darauf hin die Fahrt nach Meschede fort, während die Dortmund sich in die Innenstand absetzten. Ein Teil soll sich dabei in eine Tiefgarage zurückgezogen haben. Die Durchsuchung der Polizei blieb dabei offensichtlich erfolglos. Im Laufe des Einsatzes am Samstag wurden fünf Personen vorläufig festgenommen. Es gab keine Verletzten, lediglich ein Sachschaden an einem Streifenwagen verursacht durch einen Verkehrsunfall.

Der FC Schalke 04 dementiert die Darstellung der Polizei: „Die heutige Pressemitteilung der Polizei Dortmund zu einer vermeintlichen Auseinandersetzung zwischen BVB- und S04-Fans am Dortmunder Hauptbahnhof deckt sich überhaupt nicht mit den Erkenntnisse unserer Fanabteilung", teilt der Verein mit. Augenzeugen aus dem Schalker Anhang bestätigen diese Angaben. So sei von beiden Fangruppen keine körperliche Auseinandersetzung gesucht worden sein und auch die Polizei habe nicht aktiv in eine Trennung eingreifen müssen.

 

Mittwoch, 09 Januar 2013 20:01

FIFA verurteilt Bulgarien und Ungarn zu Geisterspielen

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380px-FIFA Logo2010.svgWeitere Sanktionen gegen rassistische Vorfälle im Fußball: Die FIFA hat Bulgarien und Ungarn jeweils zu einem Geisterspiel in der laufenden WM-Qualifikation verurteilt.

Am 22. März wird Bulgarien sein Heimspiel gegen Malta ohne Zuschauer austragen. Dazu verurteilte die FIFA den bulgarischen Verband, nachdem am 12. Oktober des vergangenen Jahres der dunkelhäutige Däne Patrick Mtiliga beim Qualifikationsspiel in Sofia (1:1) rassistisch beleidigt worden war. Zudem sind damals auch Feuerwerkskörper auf das Feld geworfen worden. Der bulgarische Fußballverband wurde zudem zu einer Geldstrafe von umgerechnet etwa 29.000 Euro verurteilt.

Auch Ungarn muss sein nächstes Heimspiel in der WM-Quali am 22. März gegen Rumänien vor leeren Rängen austragen. Der Grund für diese Strafe waren antisemitische Gesänge und abwertende Symbole von Teilen der ungarischen Fans während des Freundschaftsspiels am 15. August des zurückliegenden Jahres (1:1). Die Geldstrafe für den ungarischen Verband liegt bei umgerechnet etwa 33.000 Euro.

Donnerstag, 03 Januar 2013 20:25

Borussia Dortmund, der Rechtsextremismus und die Medien

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bis in den tod

Zukünftige Fans des BVB werden bei der Betrachtung der Vergangenheit das Jahr 2012 als ein sportlich ruhmreiches Jahr der Vereinsgeschichte bewerten. Der Gewinn einer zweiten Meisterschaft in Folge, die Demontage des FC Bayern München im Pokalfinale sowie eine überzeugende Gruppenphase in der Champions League zeigten eine wieder gewonnene Stärke, nach einem nur wenige Jahre zuvor knapp abgewendeten wirtschaftlichen Zusammenbruch. Andererseits wird sich der ein oder andere Anhänger an die kurveninternen Querelen über den Protest gegen das DFL-Sicherheitskonzept sowie an eine weitere Eintrübung erinnern: Der Entfaltung rechtsextremistischer Aktivitäten sowie deren Thematisierung durch die Medien.

Von der Borussenfront nach Dorstfeld

Rechtsextremismus in Dortmund und beim BVB ist kein neues Thema. Die Ruhrgebietsstadt ist seit Jahren das Zentrum der rechtsextremistischen Aktivitäten in Nordrhein-Westfalen. Obwohl sich in ihr schwerste Straftaten bis hin zu Morden ereigneten, war das Ausmaß dieses Problems dem Großteil der überregionalen Öffentlichkeit nicht bewusst. Zu diesen Verbrechen gehörten, dass ein Neonazi im Jahr 2000 drei Polizisten erschoss, einer seiner Gesinnungsgenossen 2005 einen Punker erstach und die Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) 2006 einen türkischstämmigen Kioskbetreiber ermordete.

Wer meint, dass es sich bei diesen Taten nur um eine Aneinanderreihung von tragischen Zufällen handelt, übersieht die Existenz einer traditionell bestehenden rechtextremistischen Szene in der Stadt. Bereits in den 1980er Jahren war in ihr die 1995 verbotene neonazistische „Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei“ (FAP) aktiv, die über den die örtliche NS-Szene prägenden Siegfried Borchardt Kontakte zur Anhängerschaft des BVB unterhielt. Diese bestanden insbesondere zu der von Borchardt geleiteten Hooligan-Truppe „Borussenfront“, die durch eine Kombination von extremistischer Ausrichtung und schlagkräftigen Auftritten bei Auswärtsspielen bundesweit Aufmerksamkeit erregte. Der unter dem bezeichnenden Spitznamen „SS-Siggi“ bekannte Neonazi ist bis heute aktiv und mitverantwortlich dafür, dass sich die rechtsextremistische Szene in der Ruhrgebietsstadt verfestigte. Deren Mitglieder treten seit einigen Jahren als „Autonome Nationalisten“ (AN) in Erscheinung und haben sich im Stadtteil Dorstfeld unter anderem durch die Bildung von Wohngemeinschaften eine Gegend geschaffen, in der sie ungewöhnlich handlungsfähig sind.

Von Dorstfeld zur Südtribüne

2012 kam es beim BVB im Jahresverlauf zu mehreren Vorfällen, die sich im Herbst bündelten. So zeigten Fans am 18. August während des DFB-Pokalspiels beim FC Oberneuland ein an einen verstorbenen Chemnitzer Rechtsextremisten erinnerndes Banner. Eine Woche später wurde am 23. August die rechtsextremistische Vereinigung „Nationaler Widerstand Dortmund“ (NWDO) verboten, begleitet von Hausdurchsuchungen, insbesondere im Stadtteil Dorstfeld. Bereits einen Tag später erfolgte eine Reaktion in der noch immer unter dem Traditionsnamen „Westfalenstadion“ bekannten Spielstätte. Auf ihrer den Kern der BVB-Fans beheimatenden, ca. 25.000 Personen fassenden Südtribühne erschien während des Spiels gegen Werder Bremen ein Banner mit der Aufschrift „Solidarität mit dem NWDO“. Wiederum nur eine Woche später präsentierten BVB-Anhänger in der 3. Liga während des Auswärtsspiels der zweiten Mannschaft bei Rot-Weiß Erfurt schwarz-weiß-rote Reichsfahnen, die Rechtsextremisten auch als Ersatz für die verbotene Hakenkreuzfahne einsetzen.

Von der Südtribühne in die Medien

Dortmund 1 5 2007Die wiederholten Vorfälle erregten ein gesteigertes Interesse der Öffentlichkeit. Nach der Präsentation des NWDO-Solidaritätstransparents berichteten zunächst regionale Medien. Diese thematisierten unter anderem die Ultra-Gruppe „Desperados“ sowie die Hooligan-Gruppe „Northside“ und bezifferten das auf der Südtribühne vorhandene rechtsextremistische Potential auf 60-80 Personen. Darüber hinaus bezeichnete der Rechtsextremismusexperte Olaf Sundermeyer die nun im Blickpunkt stehende „Süd“ in einem WDR-Fernsehbericht als „Rekrutierungsfläche“. Ein von ihm und dem ebenfalls durch Veröffentlichungen zum Rechtsextremismus bekannten Christoph Ruf mitverfasster Artikel im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ sorgte in der Folge für eine bundesweite Aufmerksamkeit. Den Höhepunkt erreichte die Berichterstattung mit einem in der ZDF-Sportreportage vom 16. Dezember gesendeten Beitrag des Sportjournalisten Thomas Wark. In dem ausgewogenen Bericht äußerten sich unterschiedliche Personen - vom Rechtsextremismusexperten bis zum Fanbeauftragten, vom Szene-Aussteiger bis zum Bürgermeister und von der Mitarbeiterin einer Opferberatungsstelle bis zum Vereinspräsidenten. Spätestens mit diesem Film gelangte das Thema in ganz Deutschland in das Bewusstsein vieler Fußballfans, Dafür sorgte dann auch die Januar-Ausgabe des Fußballmagazins „11 Freunde“ mit einem ausführlichen Artikel des Autorenteams Sundermeyer/Ruf.

Von den Medien in die Diskussion

Die Berichterstattung fiel durch einen im Grundsatz sachlichen Stil auf und regte nicht nur die bereits innerhalb der BVB-Anhängerschaft bestehende Diskussion an, sondern erzeugte einen großen Druck auf die Vereinsverantwortlichen. Diese stehen vor dem Problem, dass die Existenz rechtsextremistischer Fans eine nun weithin beachtete Tatsache ist. Andererseits ist der Rechtsextremismus ein gesellschaftliches Problem und es ist deshalb nicht verwunderlich, dass in einem ca. 80.000 Menschen beherbergenden Stadion auch Rechtsextremisten ihre Freizeit verbringen, wie sie es auch bei anderen Massenveranstaltungen tun, etwa bei Popkonzerten oder Volksfesten. Die Brisanz für Borussia Dortmund besteht jedoch darin, dass diese Personen im Stadion aktiv sind und der Verein aufgrund der jüngsten Vorfälle nicht den Eindruck erwecken kann, als täte er nichts. Dabei stellt sich für die Verantwortlichen die Frage nach einem angemessenen Umgang mit rechtsextremistischen Anhängern, denn sofern diese das Stadion lediglich als Fans besuchen, dürften nur begrenzte Handlungsmöglichkeiten bestehen. Zudem besteht die Gefahr, dass man Personen aus dem rechtsextremistischen Umfeld durch äußeren Druck in dem Glauben bestätigen könnte, allein aufgrund einer abweichenden Haltung bestraft zu werden und man dadurch deren feste Einbindung in die Szene fördern könnte. Andererseits muss sich der BVB um sein Ansehen sorgen, da die Gefahr einer dauerhaften Rufschädigung und damit des Werbewerts der „Marke“ Borussia Dortmund besteht. Zudem könnte es innerhalb der Fanszene zu Spannungen über einen angemessenen Umgang kommen, bis hin zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen Rechtsextremisten und politischen Gegnern.

Von der Diskussion zu …

Das Ausmaß des auf dem Verein lastenden Drucks zeigt sich dadurch, dass er bereits am 21. Dezember, also nur fünf Tage nach der Ausstrahlung des Sportreportage-Beitrags, eine umfassende Pressemitteilung veröffentlichte. Dabei ist der BVB nicht erst seit den Presseberichten aktiv, sondern hatte sich zuvor schon grundsätzlich gegen Rechtsextremismus gestellt, was sich auch in einer seit Jahren bestehenden Stadionordnung zeigt, die etwa das Tragen von bei Rechtsextremisten beliebten Kleidungsmarken untersagt. Vor diesem Hintergrund hatte der Verein bereits Anfang Oktober Stadionverbote gegen Personen ausgesprochen, die in Erfurt aufgefallen waren und ein bundesweites Stadionverbot gegen den für das NWDO-Spruchband verantwortlichen Rechtsextremisten erwirkt. Darüber hinaus kooperiert er in einem „Runden Tisch“ mit der Stadtverwaltung sowie mit der Polizei und beabsichtigt eine Erhöhung der Anzahl der auf der Südtribühne eingesetzten Ordner.

Der Umgang mit dieser Herausforderung verdient eine anhaltende Aufmerksamkeit, denn aufgrund der Stärke der rechtextremistischen Szene in Dortmund und ihren öffentlichkeitswirksamen Auftritten beim Fußball ist der BVB längerfristig gefordert. Dabei dürfte das bei den Medien geweckte Interesse, insbesondere bei weiteren Vorfällen, dafür sorgen, dass die Problematik so schnell nicht in den Hintergrund treten wird.

fragezeichenNun ist es also beschlossene Sache, das „Sichere Stadionerlebnis“. Die Vollversammlung der DFL hat über 16 Änderungen der eigenen Satzung abgestimmt. Wir haben gefragt: Wie geht es nun weiter mit der deutschen Fankultur? Hier ist eine kurze Zusammenfassung der geäußerten Meinungen und ein Ausblick.

In vielen Posts, Kommentaren und Forenbeiträgen wird Kritik an den Inhalten der Satzungsänderungen geäußert. Jetzt, wo diese beschlossen sind, bezieht sich die Kritik vor allem auf die Punkte, die uns Fans direkt betreffen. Das sind die Kartenkontingente für Auswärtsfans und hauptsächlich die Option für verschärfte Einlaßkontrollen. Auch wird auch das Zustandekommen der Entscheidung kritisiert. Sie sei „top down“ von der DFL geführt, bringe die Vereine durch die Verknüpfung von Sicherheitsaspekten mit der Lizenzordnung in ein Abhängigkeitsverhältnis und habe die Fans komplett übergangen. Stark in der Kritik ist auch die „Kurzschlußreaktion“ der DFL auf Äußerungen seitens der Politik. Viele Fans sind darüber hinaus enttäuscht über das Verhalten ihrer Vereine, die mit der Zustimmung die eigenen Fans übergangen hätten. Vielfach äußert sich Ärger über die Präsentation der Inhalte auf der Pressekonferenz und in den Medien. Insbesondere der  angesprochene Fandialog sei – diplomatisch formuliert – zynisch, den Fans würden lediglich die nun geltenden Repressalien mitgeteilt, das sei kein Dialog.

Aus vielen Äußerungen spricht eine große Unsicherheit. Der Rahmen des „Sicheren Stadionerlebnisses“ sei dehnbar, die Vorgaben seien wenig konkret. So stellen einige Fans fest, daß die Beschlüsse überflüssig und inhaltlich leer seien und somit kaum Auswirkungen hätten. Dennoch überwiegt ein mulmiges Gefühl. Man könne nicht sicher sein, was nun aus dem dehnbaren Rahmen gemacht wird. Er sei auf jeden Fall eine „offene Tür“ für Sicherheits-Hardliner und für restriktive Maßnahmen den Fans gegenüber. Die Unsicherheit zeigt sich in den Gedanken, die sich die Fans hinsichtlich der Zukunft der Fankultur machen. Sie gehen vom Fatalismus – „Das war der Tod der Fankultur“ – über ein unpräzises „Jetzt erst recht!“ bis hin zum Krawallaufruf.

In den Reaktionen zeigt sich die Pluralität der deutschen Fankultur, ein wesentliches und eigentlich positives Merkmal der Szene. Doch hat „Spieltag eins nach 12/12/12“ gezeigt, daß eben die Pluralität nun zum Stolperstein werden kann. Die Düsseldorfer Supporter verlassen ihren Block und werden dafür ausgepfiffen und angefeindet. Auf Schalke kommt es zu wüsten Beleidigungen und sogar Tribünenschlägereien. Vielerorts wird eine „Spaltung der Fanszene“ befürchtet. Die Reaktionen auf „12/12/12“ sind somit auch ein Spiegelbild dieser symbolischen Grundsatzdebatte, die in Fankreisen immer wieder geführt wurde und wird: Wer ist der „wahre“ Fan, wessen Support ist „der richtige“. Die Differenzierung zwischen – mal ganz grob – „Zuschauern“, „Normalos“ und „Supportern“ hat es immer schon gegeben und wird es immer geben. Es ist ebenso bezeichnend wie überflüssig, daß nun, nach einem Beschluß, dessen Konsequenzen noch nicht einmal klar sind, sowohl „Zuschauer“, „Normalos“ und „Supporter“ meinen, in der Sache allein recht zu haben. Und das ist eine gefährliche Sache, die tatsächlich zur „Spaltung“ führen kann.

In den letzen Monaten hat die Fanszene durch Pyrodebatten, Medienberichte, Statements aus der Politik und dem „Sicheren Stadionerlebnis“ eine starke Politisierung erfahren. Bei allem berechtigten Diskussionsbedarf, bei aller erfahrenen und empfundenen Ungerechtigkeit, bei aller Kritik sollten wir Fans nicht vergessen, was unser eigentlicher Zweck ist: Unser Club! Ihn zu lieben, ihn zu leben, ihn zu unterstützen und für ihn da zu sein. Wir sagen nicht umsonst „In den Farben getrennt, in der Sache vereint“. Der aktuelle Spieltag zeigte uns weder in der Sache noch in den Farben vereint. Sollte sich das fortsetzen, hat der Fußball nicht gewonnen, wie Rauball am 12.12. festzustellen meinte. Dann hat auch die DFL nicht gewonnen. Dann hat lediglich die Fankultur verloren.

Ein wörtliches Zitat aus einem Kommentar: „Die Fankultur ist tot, wenn die Fans dafür sorgen“. Und das ist kein Sicherheitskonzept wert. Es ist durch, es wird nicht zurückgenommen werden. Vielleicht ist es sogar eine Chance für uns Fans. Die Chance, sich neu aufzustellen. Unsere Leidenschaft weiterzuleben und zu zeigen, daß kein noch so restriktives Konzept die Fankultur beseitigen kann. Eine besondere Chance, gemeinsam (!) Reife und Stärke zu beweisen.

In diesem Sinne: Die Kurve uns, trotz alledem!