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Samstag, 02 Mai 2015 13:45

Fluch-Fußball am friedlichsten Ort der Welt

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Sports Bar Disney Village (Quelle: Wikipedia)Jeder hat seinen Lieblingsort auf dieser Welt. Aber es gibt diese „andere Welt“ Orte, an denen es nichts Böses gibt, sich niemand weh tut und alles gut ist. Das Disneyland Paris ist der friedlichste und fröhlichste Ort. Zwischen Micky Maus und Cinderella wird selbst die letzte Eisprinzessin automatisch von Musik, Blumen und Magie fröhlich gestimmt.

Wie ein Riss in dieser heilen Welt ist es daher, wenn am Abend die Champions League ansteht. Und zwar nicht irgendein Spiel, sondern Paris St. Germain gegen den FC Barcelona. Das Rückspiel. Nach einer Hinspielniederlage – es geht um ALLES. Zeitgleich Bayern München gegen den FC Porto, nach einem überraschenden Hinspielsieg der Portugiesen könnte auch hier ein spannendes Spiel drin sein. Das ist jetzt schon was her, ja, aber es geht hier auch mehr um die Erfahrung als um die Spiele an sich.

Eine einzige Sportsbar bietet das Disneyland. Gefühlt Tausend Pariser wollen nur wegen Micky aber nicht auf Fußball verzichten und ihr St. Germain siegen sehen. Ich selbst bin mit einem gut gelaunten, erwartungsfreudigen Portofan unterwegs. Nur eine Handvoll Zuschauer ist für Barca und – natürlich – auch gleich für Bayern.

Natürlich weiß jeder halbwegs versierte Fußballfan, wie die Spiele ausgegangen sind. Auf zwei Leinwänden und ein paar weiteren Bildschirmen mussten sich viele eigentlich sehr fröhlich gestimmte Franzosen ansehen, wie Ibrakadabra & Co. einfach weggespielt wurden. Lange Gesichter, viele französische Schimpfworte, das sah man. Die Art Schimpfwörter, die man beim ersten Schüleraustausch mit Franzosen als erstes lernt weil das ja voll witzig ist (danke dafür, ich hab alle verstanden ;) ). Am friedlichsten Ort der Welt stehen rund 300 fluchende Menschen und sind…naja…gar nicht mehr friedlich.

Den paar Portofans dagegen fiel das Gesicht gleich ganz herunter. Mit Vorsprung und Selbstvertrauen, aber ohne Flügel in dieses Viertelfinale gegangen, wurden sie einfach abgeschlachtet. Dort sah man aber eher stilles Entsetzen.

Am Ende war das treffendste Bild des Abends der aus Versehen los gelassene Minnie-Maus Luftballon, der oben am Dach mit sich selbst und seiner ausweglosen Lage kämpfte. Ein weinendes Kind, das seinen Ballon zurück haben wollte. Der Vater, der sein Team in der Champions League zurück haben wollte. Und die Mutter, die gern wieder die Idylle vom sonnigen Mittag auf der Wiese vor dem Disneyschloss haben wollte.

Mein Schwager, verlassen von jeglicher Hoffnung, der witzigerweise am nächsten Tag Geburtstag hatte und um 12 einige Geschenke mit dem Portowappen bekommen würde, wollte nach einigen Flüchen eilig aus der Sportbar verschwinden. Beim Gehen fiel mein Blick noch einmal auf Micky Maus, die einen am Parkeingangsschild begrüßt. Sie lächelte milde, als würde sie wissen, dass am nächsten Morgen, wenn all die Paris- und Portofans wieder durch das Tor gehen, in die bunten Straßen des Disneylands mit der „Magic everywhere“- Musik – dann wäre alles wieder gut und die Flüche des Vorabends am eigentlich friedlichsten Ort wären vergessen. Vielleicht ist das der Geheimtipp für schwere Spiele des Lieblingsvereins…

Und Micky hat immer Recht.

Eure Nadine

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