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Samstag, 14 Februar 2015 13:39

Dänemark: Fanvereinigung startet Kampagne gegen personalisierte Auswärtstickets

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Die Sicherheitskonzepte von Fußball- und Ligaverbänden führen nicht nur in Deutschland zu Diskussionen und Protesten. In Dänemark hat Danske Fodbold Fanklubber (DFF), die Dachorganisation dänischer Fanclubs und landesweite Vertretung der dänischen Fußballfans, eine Kampagne gegen eine Neuregelung für Auswärtstickets ins Leben gerufen.

frihedforfansZur Saison 2015/2016 sollen personalisierte Karten für die Gästeblocks der Stadien ausgestellt werden, so die Planungen des dänischen Ligaverbandes Divisionsforeningen. Hierzu soll der Ticketkäufer neben einem Bild persönliche Daten angeben: Name, Geburtsdatum, Adresse, sogar die Körpergröße. Die Daten werden abgeglichen mit dem bereits bestehenden zentralen Register, in dem jeder erfaßt ist, der wegen eines Vergehens im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen von einem ordentlichen Gericht verurteilt wurde. Vor dem Gästeblock wird die Karte gescannt. Gewalttäter werden so identifiziert und der Zutritt wird verweigert. Divisionsforeningen erhofft sich dadurch eine höhere Stadionsicherheit.

Danske Fodbold Fanklubber entgegnet, daß dies nur eine Alibitat des Verbandes im Rahmen der auch in Dänemark geführten „Sicherheitsdebatte“ sei. So sei durch die neue Auswärtskarte keinesfalls eine Sicherheitserhöhung zu erwarten, da die Karte nur für Gästebereiche gelte und man für neutrale Stadionbereiche immer noch auf herkömmlichem Weg ein Ticket bekomme. Das Problem werde nicht gelöst, sondern nur verlagert. Ausschreitungen außerhalb der Stadien könne man so auch nicht verhindern. Als Beispiel führt man den FC Kopenhagen an. Der Verein habe seit 2008 eine vergleichbare Auswärtskartenregelung, die Ausschreitungen im März 2012 beim Auswärtsspiel in Aalborg seien trotzdem passiert. Neben der Kollektivbestrafung aller Auswärtsfahrer führt DFF auch an, daß spontane Auswärtsfahrten aufgrund der langen Bestellfrist nun nicht mehr möglich seien. Darüber hinaus befürchtet die Fanvereinigung, daß die neue Regelung nicht nur „Allesfahrer“ sondern auch Fannachwuchs abschrecken könne, da ein überzogenes Schreckbild vom „Fußballfahren“ erzeugt werde.

In Gesprächen mit Claus Thomsen, Direktor der Divisionsforeningen, legte DFF internationale Beispiele (u.a. Belgien, Italien, Polen) für die geringen Erfolgsaussichten personalisierter Tickets vor. Außerdem berief man sich auf entsprechende europäische Studien. Darüber hinaus argumentierte man durchaus geschickt, daß die personalisierte Auswärtskarte zu einem Rückgang der Zuschauerzahlen und damit zu finanziellen Einbußen und Attraktivitätsverlust der Ligen führe. Auch führte man die seit Jahren rückläufigen Straftaten im dänischen Fußball an.

Die Gespräche mit dem Verbandsdirektor verliefen ergebnislos. Thomsen merkte an, daß man Dänemark nicht mit anderen Ländern vergleichen könne. Auf die vorgelegten Zahlen und Argumente ging er nicht ein. Vielmehr betonte er, daß der Verband lediglich die Beschlüsse des 2012 ins Leben gerufenen ständigen Dialogs zwischen Fans, Ligaverband, Fußballverband, Vereinen und Polizei in die Tat umsetze. Dort war für die Zukunft eine einheitliche Regelung für die Vergabe von Auswärtstickets ins Auge gefaßt worden, zunächst ohne konkrete Inhalte.

Umfragen zufolge haben vier Prozent der dänischen Fußballzuschauer ein Gefühl von Unsicherheit im Stadion. Demgegenüber gaben sechs Prozent an, bei einer personalisierten Eintrittskarte nicht mehr ins Stadion zu gehen. DFF stellt nun die Frage, ob Thomsen auf sechs Prozent der Zuschauer verzichten wolle, damit vier Prozent sich sicherer fühlten.

Da Intention und Erfolg der personalisierten Auswärtskarte mehr als fraglich sind, startete Danske Fodbold Fanklubber die Kampagne „Nej til away kort“ – „Nein zur Auswärtskarte“.

 nejtilawaykort

(Logo der Kampagne, mit freundlicher Genehmigung von www.nejtilawaykort.dk, www.fairfans.dk)

 

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