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Sonntag, 20 Januar 2013 18:51

Fußballunwort des Jahres 2012 – Die Hitparade

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Hitparade zum „Fußballunwort des Jahres 2012“

Auf Platz 10 mit 2 Stimmen: Beckmann und die Todesfürchtigen feat. King Rehakles mit „Platzsturm“

Es waren beklemmende Szenen, die der neutrale Fernsehgucker da aus Düsseldorf präsentiert bekam. Beklemmende Szenen sind für Populisten wie das Aas für Geier, und an diesem Relegationsabend stürzten die Geier vom Himmel. Reinhold Beckmann und Mehmet Scholl (nochmal: Mehmet. Scholl.) lieferten die Initialzündung für die grotesk übersteigerte Medienrhetorik der folgenden Wochen, in der „Live aus dem Stadion“ und „Live aus Kabul“ inhaltlich gleichgesetzt wurden. Hier begann die unsachliche Auseinandersetzung von großen Teilen der Medien mit einem ernsten und komplexen Thema.

Auf Platz 9  mit 3 Stimmen: The Police mit „V-Männer“

Heute in der „Gewalttäter Fußball“- Version. Weil es sonst auch immer so gut klappt.

Auf Platz 8 mit 4 Stimmen: Ministry mit „Stehplatzverbot“

Innenminister Hans-Peter Friedrich war auch mal Fußballfan. Er stand auf den Stehplätzen. Er sagt über eventuelle Stehplatzverbote: "Wenn wir keine Ruhe in die Stadien bekommen sollten, (...) dann wird man auch über diese strikteren Maßnahmen nachdenken müssen." (Zitat in der Rheinischen Post). - „Ich war auch mal Kind und hatte mein Lieblingsspielzeug auch lieb. Aber wenn Du jetzt nicht endlich leiser damit spielst, nehme ich’s Dir weg.“. Für eine wirkungsvolle Erziehung, aber mit Fingerspitzengefühl!

Auch auf Platz 8 mit 4 Stimmen: Jupp und die Enttäuschten mit „Finale dahoam“

Das „Finale dahoam“ (bairisch für „Endspiel im eigenen Stadion“) war toll! Arminia Bielefeld hat auf der heimischen Alm den Westfalenpokal gewonnen. Falls das nicht gemeint war: Über den Rest wurde genug gesagt. Von Fans. Von Medien. Von einer ganzen Stadt („Mia san rot-weiß, oba mia san ned Oberhausen“). Bis es uns zu den Ohren wieder rauskam. Mit bekanntem Ergebnis. Solskjaer und so. Oder so.

Auf Platz 7 mit 5 Stimmen: The Security Club Band mit „Nacktzelte“

Schon mal Kuttenträger gesehen? Mal auf deren Fettmähnen geguckt? Mal deren Zahnbelag gesehen? Mit denen zusammen in die Ganzkörperkontrolle stehen? Allein das Kopfkino macht „Nacktzelte“ zum Unwort.

Auf Platz 6 mit 13 Stimmen: The Talking Heads mit „Dialog auf Augenhöhe“

„Das böse A...-Wort“ sagt Kollegin BlondundBlau. Wann der „Dialog auf Augenhöhe“ kein böses A...-Unwort mehr ist? Sobald alle (!) Seiten sich so verhalten, daß sie sich gegenseitig ernst nehmen können. Also kurz nachdem Stuttgart einen Bahnhof und Berlin einen Flughafen hat.

Auf Platz 5 mit 18 Stimmen: The Derbygegners mit „Konspirative Anreise“

Die Konfliktstrategie war perfekt und praktisch nicht zu unterwandern. Die Verabredung war verschwörerisch. Die Anreise war verschwörerisch. Die Ausführung war verschwörerisch. Ist die Bielefeld-Verschwörung am Ende das Ergebnis einer konspirativen Völkerwanderung? Häh? Versteht einer noch was?

Auf Platz 4 mit 19 Stimmen: Bruno von Berlichingen mit „Am Arsch geleckt“

Eigentlich steckt eine Menge fortschrittliche Symbolik in Bruno Labbadias Wutrede nach dem 2:2 gegen Leverkusen: Ein Balltreter zitiert Goethe – Ist nicht unbedingt mit zu rechnen. Der Trainer des schwäbischen Vorzeigeclubs bringt den „schwäbischen Gruß“ – als Hesse. Ein Trainer begründet, warum Medien aufhetzen und ihm seine Arbeit zerreden – und hat wahrscheinlich recht. Warum ist das trotzdem ein Unwort? Bruno: „Trainer sind immer die Mülleimer. Ich muß mich fragen: Gehe ich den schweren Weg mit oder sage ich...“. Das Dilemma derer, die trotzdem schwere Wege gehen.

Auf Platz 3 mit 32 Stimmen: The Medias mit „Kriegsähnliche Zustände“

„Live aus dem Stadion“ und „Live aus Kabul“ gleichgesetzt, in vielen vor allem boulevardesken Medienberichten. Gut, man könnte sagen, das sind die, die ein paar Dschungel-Aussätzige für Stars und Heidi Klum für eine Moderatorin halten, also pfeif‘ drauf. Aber die unschönen Szenen aus dem Stadion mit dem Leid, dem Tod und der Aggression eines Krieges gleichzusetzen, das ist irgendwann auch kein Fall für Satire mehr. Das mediale Ausnutzen von Angst und Beklemmung, um Interesse zu bekommen ist nicht nur im Fußball eine bedenkliche Tendenz, nicht nur weil viele wirklich gute Berichte und Kommentare darin einfach untergehen.

Auf Platz 2 mit 57 Stimmen: Great D.F. and the Proficlubs mit „Sicheres Stadionerlebnis“

Habt Ihr eigentlich mitgekriegt, daß Alemannia Aachen pleite ist? Was war mit den Ticketpreisen? Ist Schwulenfeindlichkeit noch relevant? Habt Ihr mitgekriegt, daß der FCR 2001 Duisburg Insolvenzantrag stellen muß? Hat irgendein Funktionär darüber nachgedacht, warum reihenweise Drittligisten kurz davor sind, vor die Hunde zu gehen? Hat irgendwer da oben sich mal Gedanken gemacht, warum kaum noch eine Elfmeterentscheidung richtig ist? Warum nicht? Eben, gab was anderes. Alles rund um das „Sichere Stadionerlebnis“ geht mir inzwischen so auf die Klötze, daß ich ihm nicht mal mehr den Spitzenplatz gegönnt hätte.

Auf Platz 1 mit 116 Stimmen und damit Fußballunwort des Jahres 2012: Sandra M. mit „Taliban des Fußballs“

Stellt Euch folgende Szene vor: Ein Fanvertreter vergleicht in einer Fernsehtalkshow einen DFB-Funktionär mit Erich Mielke,  die Polizei mit dem KGB oder den Moderator der Sendung mit Karl-Eduard von Schnitzler. Und jetzt stellt Euch die Reaktionen vor. „Unverschämtheit!“ – „Unsachlich!“ – „Beleidigend!“. Andersrum war’s in Ordnung.

Sie kennen die Regeln der Hitparade: Jeder Titel darf dreimal antreten. Danach wird es zu blöd.

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