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Donnerstag, 21 Januar 2016 12:57

Systemversagen

geschrieben von  MeinSCP

Schon seit Jahren ist in Münster das Verhältnis zwischen Fans, Verein und "Obrigkeit" problematisch. Jetzt fand eine Hausdurchsuchung beim Sicherheitsbeauftragten statt, weil dieser vielleicht "Pyro-Zündler" nicht verpetzen wollte - hat die "Obrigkeit" keine anderen Sorgen?! Ein Gastbeitrag von MeinSCP

Preußen Münster etabliert sich mehr und mehr zum Experimentierfeld politischer und polizeilicher Maßnahmen in der deutschen Fußballszene. Solche Abstrusitäten findet man sonst nur ganz selten im uns bekannten Flemmuniversum: Präventive Gästeverbote, ungewählte Aufsichtsratsvorsitzende und unerklärliche Kassenlöcher sind nur kurzfristig zurückliegende Ereignisse, die uns immer wieder ins Bewusstsein rufen, wie einmalig dieser Club wohl sein muss. und dann das:

Hausdurchsuchung bei Rolo Böckmann! Bäämm!
(Edit für mitlesende Nichtpreußen: KLICK HIER)

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Wie stolz waren unsere Offiziellen noch vor Jahresfrist, als dem SCP vom DFB ein Sicherheitsprädikat verliehen wurde. Schließlich tut man hier auch etwas für das Wohlfühlen der Besucher des Volkssportes Nummer eins: Wir haben einen zertifizierten Sicherheitsbeauftragten, 4 vom DFB anerkannte Fanbeauftragte, einen ehemaligen Polizeieinsatzleiter als Veranstaltungsleiter, einen bundesweit erfahrenen externen Sicherheitsdienst, ein sozialpädagogisches Fanprojekt, vereinseigenes Sicherheitspersonal, modernste Videosysteme, Staatsanwälte auf der Tribüne, eine Rotte ungezählter SKBer und diverse Einsatzhundertschaften mit sportlich ambitionierten Helm- und Reizgasträgern. Dazu forensische Untersuchungen an Pyroresten, Gesichtserkennungssoftware und geheime Polizeidatenbanken. In Verbindung mit Wasserwerfern, Sprengstoffspürhunden und Fummelzelten also ein beispielhaftes sicherheitstechnisches Rundumsorglospaket.

Wenn man sich das so durchliest, dann müsste es eigentlich unmöglich sein in diesem Stadion ungestraft zu popeln. Dennoch gab es beim Heimspiel gegen Rostock seitens der Ultras verbotene Südländischeatmosphärenerzeuger erster Güte und obendrein noch eine drastische Aufforderung zum Geschlechtsverkehr. Hoppala, wie konnte das denn bei all dem Aufwand, den man betreibt um solche „Ausschreitungen“ zu unterbinden, passieren? Hat vielleicht das komplette System versagt?

Es kann aber nicht sein was nicht sein darf, folglich sucht man verzweifelt nach irgendwem, dem man etwas anhängen kann. Wenn man trotz intensivster Ermittlungen (Kameras, SKBs) nicht in der Lage ist Täter zu überführen, dann muss halt jemand dafür büßen. Apropos SKBs: Wenn die nicht in der Lage sind, für entsprechende Aufklärung zu sorgen, wofür braucht man die dann eigentlich? Die Münsteraner Kollegen jedenfalls fallen weniger durch ihre Kenntnis der Szene auf, als durch ihren festen Standort in der Westkurve um von dort gemütlich dem Spiel zu frönen.

Die Konsequenzen daraus sind klar: Rolo wird durch die Ermittlungen nicht mehr tragbar. Der Hardliner Kramer, pensionierter Polizist, bekannt für seine Unkenntnis der Ultrasubkultur und entschiedener Verfechter einer harten Hand gegenüber den Ultras wird den Posten übernehmen. Eine Entwicklung, die sich nach der Kampfansage vom Aufsichtsratsvorsitzendem Thomas Bäumer an bestimmte Fangruppen für mich nicht überraschend kommt. Hatte Böckmann noch ein eher ambivalentes Verhältnis zu den aktiven Fans bestehend aus einer Mischung von gegenseitigem Verständnis und Abneigung, so ist jetzt die Möglichkeit Sicherheitsaspekte mit relevanten Gruppen zu kommunizieren gestorben: Kein Ultra wird sich ernsthaft mit einem (Ex-) Polizisten auseinandersetzen. Im Gegenteil, allein die Benennung Kramers könnte sogar von manchen Fans als Provokation empfunden werden.

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Wenn die Medienberichte stimmen sollten, und Rolo deswegen verfolgt wird, weil er gegenüber den Beamten vorsätzlich nicht denunzieren wollte, dann ist Böckmann selbst der beste Beleg für einen von den Ultras propagierten Grundsatz: „rede nicht mit Bullen!“ Vertrauensvolle Zusammenarbeit sieht halt anders aus! Für alle anderen um die Sicherheit im Stadion bemühten Protagonisten ist jetzt auch klar, dass der Verein nicht die geringste Zusage machen kann, was einen bei seiner Arbeit vor möglicher Strafverfolgung schützt. Weder Zeugnisverweigerungsrecht noch Schweigepflicht existieren hier als Mindestmaß an Sicherheit um seinen Job vernünftig machen zu können. Ein verheerendes Signal! Wer wird zukünftig einen solchen Job machen wollen, wenn er mit einem Fuß im Knast steht?

Polizei und Staatsanwaltschaft haben nun endgültig die Kontrolle im Stadion übernommen. Rolo Böckmann ist für mich Opfer in dem Spiel. Manche werden jetzt mit breitem Grinsen sagen: „Siehste, das hatter nu davon, dass er Ultras deckt!“ Ich sehe das völlig anders. Nach fast 15 anstrengenden Jahren zwischen allen Stühlen wird er ernüchtert feststellen, dass es ein Fehler war, der Polizei zu vertrauen!

Dieser Text erschien zuerst auf: MeinSCP

Fotos: Susanne BlondundBlau

 

 

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