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Sonntag, 03 November 2013 10:24

Trautmanns fesselnde Biografie als Mahnmal für die Untaten Hitlerdeutschlands

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TrautmannBert Trautmann - in England ein Held, in Deutschland dagegen vielen Fußballfans wohl eher unbekannt. Von 1949 bis 1964 hütete der gebürtige Bremer 15 Jahre lang das Tor von Manchester City. Mit dem Finale des FA-Cups zwischen seinen Citizens und Birmingham stieg Trautmann zur Legende auf: Beim 3:1-Erfolg zog sich der Keeper bei einem Zweikampf mit Peter Murphy einen Genickbruch zu - und spielte dennoch bis zum Schlusspfiff weiter. Die BBC-Journalistin Catrine Clay hat dem ehemaligen Torhüter nun ein angemessenes Denkmal zwischen zwei Buchdeckeln gesetzt. Unter dem Titel „Trautmanns Weg - Vom Hitlerjungen zur englischen Fußball-Legende“ ist das Buch vor Kurzem auch auf Deutsch im Verlag DIE WERKSTATT erschienen.

Doch wer hier nun eine typische Fußballer-Biografie erwartet, der muss zwangsläufig enttäuscht sein. Die Autorin zeichnet vielmehr den fesselnden Weg Trautmanns nach, den dieser von Bremen über viele Umwege aus bis nach England zog. Clay liefert jedoch weniger ein Buch ü b e r, sondern m i t Bert Trautmann ab. Hierfür traf sich die Journalistin mit der Torhüterlegende - was dem Buch eine besonders authentische Note verleiht. In fast zwei Dritteln des Buches gibt Clay die dunkle Vergangenheit Trautmanns wieder. Schnell macht sich eine beklemmende Grundstimmung breit, wenn man erkennt, wie der kleine Steppke Berni der nationalsozialistischen Propaganda verfällt und zum fanatischen Hitler-Anhänger wird - und sich damit gleichzeitig von seinem Bremer Elternhaus entfernt. Doch dieses beklemmende Gefühl ist keineswegs negativ zu verstehen - das Buch dient vielmehr als absolut lesenswertes Mahnmal für die Gräueltaten des Dritten Reiches. Wie konnte aus einem eigentlich umtriebigen kleinen Jungen mit dem Kopf voller Schabernack ein bedingungsloser Kämpfer für den Führerstaat werden - ein Werdegang, wie ihn in den Dreißigerjahren Millionen Deutsche durchlebten!?

Clay liefert am Einzelbeispiel Trautmann Einblicke in das Seelenleben der damaligen Zeit. Um die Stationen Trautmanns von der Hitlerjugend bis zum Soldaten an der Ost- und Westfront besser einordnen zu können, baut Clay stets einige kurze Exkurse ein, die den historischen Rahmen bilden. Langeweile kommt dabei aber nicht auf, zumal man sich stets fragt, wann Trautmann wohl zurück auf den Weg des Guten findet, der ihm die spätere Karriere erst ermöglichte. Erst im letzten Drittel des Buches wird Trautmanns Erfolg so richtig aufgegriffen. Die Autorin schildert, wie aus dem deutschen Kriegsgefangenen ein englisches Idol werden konnte. Dabei dürfen auch die mulmigen Gefühle des Keepers nicht fehlen, die diesen vor seinem ersten Heimspiel in Manchester beschlichen. Der Proteststurm war gewaltig, dass City mit einem Deutschen nun den Feind von gestern ins Tor stellen wollte. Clay stellt dabei auch den Gemeinderabbiner von Manchester hervor, der eine nicht unbeträchtliche Rolle spielte, dass sich die Stimmung zugunsten Trautmanns wendete. Und mit seinen überragenden Leistungen strafte er seine Kritiker schließlich auch schnell Lügen und gewann ihre Herzen für sich im Sturm.

Alles in allem liefert Catrine Clay ein hervorragendes Buch über einen Menschen, der in (Fußball-)Deutschland lange nicht den Status genießt, den er sich verdient hätte. Der DFB-Präsident Wolfgang Niersbach würdigt folgerichtig in seinem Vorwort den „vielleicht legendärsten Torhüter in der Geschichte des Fußballs“, der am 19. Juli 2013 im Alter von 89 Jahren verstarb.

  • Catrine Clay: Trautmanns Weg - Vom Hitlerjungen zur englischen Fußball-Legende, Verlag DIE WERKSTATT, 320 Seiten, ISBN: 978-3-7307-0045-7, 24,90 €.

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