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Mittwoch, 26 Februar 2014 23:11

Coloniacs sprechen sich gegen BVB-Schals in der Kölner Südkurve aus

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KölnschalDas vermehrte Auftauchen schwarzgelber Fan-Artikel im Müngersdorfer Stadion und auch in dessen Herzen, der Südkurve, ist der Kölner Ultra-Gruppierung „Coloniacs“ ein Dorn im Auge. Unter der Überschrift „Respekt und Toleranz“ wendet sich die Gruppe daher nun auf ihrer Homepage mit einem Appell gegen eine angebliche Freundschaft zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund zu Wort.

Einleitend legen die „Coloniacs“ in dem Text dar, was Freundschaft grundsätzlich für sie bedeutet - und dass sie die Kurve behutsam mit bestehenden Fan-Freundschaften vertraut machen. „Freundschaft [ist] etwas Besonderes. Ein unschätzbar hohes Gut, das durch Taten und nicht durch Worte gepflegt wird. [...] Es wird darauf geachtet, dass sich andere FC-Fans nicht überrumpelt fühlen durch die Anwesenheit unserer Freunde.“ Genannt werden im Text in diesem Zusammenhang die Städte Paris und Florenz. Weiter heißt es: „Seit Jahren klären wir aktiv über diese Freundschaften auf. Etliche Besuche und Reisen dokumentieren diese. Es ist einfach ein Niveau erreicht worden, auf dem diese Freundschaft offen im Stadion gelebt werden kann.“

Vor diesem Hintergrund langjährig aufgebauter Freundschaften stören sich die „Coloniacs“ nun daran, dass in letzter Zeit vermehrt Fan-Utensilien des Revierclubs Borussia Dortmund im Müngersdorfer Stadion zu sehen waren - als Sympathiebekundung für den BVB, teils sogar in der Südkurve, dem Heiligtum des FC.

Im Blick haben die Ultras dabei eine Interessenseite in dem sozialen Netzwerk „Facebook“ mit dem Titel „1. FC Köln & BVB 09 - Fanfreundschaft“, die aktuell über mehr als 42.000 „Gefällt mir“-Angaben verfügt - Tendenz steigend. Diese „Facebook“-Seite verbindet User, die sowohl Sympathien für den 1. FC Köln als auch für den BVB hegen. Es werden unter anderem Fotos gesammelt und veröffentlicht, die diese Verbindung belegen, etwa durch das Tragen von Fanutensilien des einen Vereins im Stadion des anderen. Zugleich wurden über diese Seite bereits zwei Fantreffen organisiert. Das erste fand im Jahr 2012 statt, das zweite erst kürzlich am 18. Januar 2014 in einer Gaststätte in unmittelbarer Nähe des Kölner Doms.

Köln FBDie Organisatoren der Seite ließen zudem einen rotweiß-schwarzgelben Schal mit den Aufschriften „Köln“, „Dortmund“ sowie auf der Rückseite „Tradition verbindet“ produzieren und boten diesen zum Kauf an. Insbesondere diesen Schal sieht man bei Heimspielen des FC häufiger im Müngersdorfer Stadion - und vereinzelt auch im Dortmunder Westfalenstadion. Dies stößt bei den „Coloniacs“ jedoch auf Unverständnis, „wenn Menschen ohne jeglichen Bezug BVB-Schals in der Südkurve tragen. Gleiches gilt für die unsäglichen ,Freundschafts‘-Schals“. Diese dienen in ihren Augen nur dazu, „windigen Geschäftsleuten die Taschen zu füllen“; sie sprechen in diesem Kontext von der „Ware Freundschaft“. Die „Facebook“-Seite wird durch die „Coloniacs“ abgelehnt: „Ein Aufruf bei Facebook macht noch keine Freundschaft [...] und das Tragen eines Freundschaftsschals lässt keine Freundschaft entstehen.“

Auch die in den beiden Vereinen weit verbreitete Abneigung gegenüber dem FC Schalke 04 lassen die Kölner Ultras nicht als Argument gelten: „ein gemeinsamer Gegner macht den anderen nicht zum Freund“. Die Gruppe kommt daher in ihrem Text zu dem finalen Aufruf: „Wir lehnen diese Entwicklung ab und positionieren uns im Stadion auch klar in diese Richtung. Tut euch selber einen Gefallen und lasst diese Scheiße zuhause.“

Als leidenschaftlicher Dortmund-Fan und mittlerweile seit einigen Jahren auch FC-Sympathisant stimme ich den „Coloniacs“ in einem Punkt zu: Das Tragen von Fanartikeln des jeweils anderen Vereins im Herzen des Stadions - der Südkurve in Müngersdorf und der Südtribüne in Dortmund - halte ich für ein hochsensibles Thema. Zwar dulde ich selbst etwaige Köln-Schals auf der Gelben Wand im Westfalenstadion aufgrund meiner Sympathie zum FC, würde aber selbst nicht auf die Idee kommen, bei Besuchen in Müngersdorf einen BVB-Schal in der Südkurve zu tragen. Sympathie ist hier der eine Aspekt, Respekt jedoch der andere.

Da ich mir der Ablehnung des BVB bzw. einer engen Bindung zwischen dem BVB und dem FC Köln von Teilen der Südkurve bewusst bin, würde ich das Tragen schwarzgelber Fan-Utensilien als respektlos gegenüber dem FC und seiner Fankurve ansehen. Als unproblematisch erachte ich hingegen das Tragen des bereits angesprochenen Freundschaftsschals - den ich selbst übrigens ebenso wenig besitze wie grundsätzliche FC-Fanartikel - im Rest des Stadions außerhalb der Heimkurve, in Köln wie in Dortmund.

Widersprechen muss ich den „Coloniacs“ jedoch in einem anderen, zentralen Punkt, scheinen mir hierbei doch Ursache und Wirkung vertauscht worden zu sein. So haben sich die „Coloniacs“ in ihrem Appell anscheinend auf die „Facebook“-Seite eingeschossen und suggerieren, dass ein entsprechender Aufruf im Internet die Verbindungen zwischen beiden Vereinen erst begründen bzw. eine Basis dafür legen würde. Richtig erscheint mir jedoch eher eine andere Wechselwirkung zu sein, nämlich die, dass die „Facebook“-Seite bereits vorhandene Sympathien lediglich reflektiert und kanalisiert.

Um hier falschen Ansichten vorzubeugen, möchte ich betonen, dass ich mit der „Facebook“-Seite über mein „Gefällt mir“ hinausgehend nichts zu tun habe, also auch hier nicht Gefahr laufe, Eigenwerbung zu betreiben.

Kritisch zu hinterfragen ist auch, warum die „Coloniacs“ - eine Gruppe, deren Engagement ich grundsätzlich durchaus wohlwollend verfolge - für sich in Anspruch nimmt, der gesamten Fan-Szene des FC Köln vorschreiben zu können oder zumindest zu wollen, für welchen Verein man individuell Sympathie empfindet und diese mitunter auch optisch zum Ausdruck bringt. Als Außenstehender scheint sich dies mit den eigentlich erfrischend offenherzigen Worten auf der Website der „Coloniacs“ zu widersprechen, heißt es doch dort, dass der „Austausch mit Gleichgesinnten extrem wichtig“ sei, „da alle davon profitieren können“. Man versuche daher, „einen entspannten Umgang mit allen zu pflegen, die nicht explizit unsere Feinde sind. Solange wir ein neutrales Verhältnis zu anderen Gruppen haben, werden wir dieses von uns aus nicht ändern, da dies nicht unserer Vorstellung von einer funktionierenden Subkultur entspricht.“

Es erscheint daher falsch, die Existenz einer - zumindest rudimentären - Freundschaft oder mindestens wechselseitigen Sympathie bei einem Teil beider Fanszenen zu negieren. Dem widerspricht auch die freundschaftliche Beziehung zwischen der Kölner Ultra-Gruppierung „Boyz“ und den Dortmunder „Desperados“, wenngleich diese völlig losgelöst von der auf Supporter-Ebene anzusiedelnden „Facebook“-Seite zu betrachten ist.

Im Sinne einer „funktionierenden Subkultur“ ist daher festzuhalten: Schwarzgelbe Schals in der Südkurve müssen tatsächlich nicht sein; sich in eine „Facebook“-Seite mit über 40.000 „Likes“ zu verbeißen und dieser und der allgemeinen Beziehung zwischen manchen Kölnern und manchen Dortmundern das Entwicklungspotenzial abzusprechen, halte ich für falsch - auch die Freundschaften nach Paris und Florenz haben einmal klein angefangen.

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