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Sonntag, 20 Januar 2013 18:38

Bienvenue chez les Ch’tis! Zum Coupe de France zu Gast in Nordfrankreich

geschrieben von 

Die Winterpause, dass alte lästige Wimmerl. Millionen Fußballfans in Deutschland schauen um diese Jahreszeit neidisch nach Spanien, England oder Italien, wo der Ball nicht nur in den Ligen sondern auch in den diversen Pokalwettbewerben rollt. Auch in Frankreich rollte der Ball und immer am ersten Wochenende nach Neujahr findet das 32stelfinal des Coupe de France statt. Und ein Besuch dieser neunten Runde des französischen Pokals ist bei ein paar Freunden und mir liebgewonnene Tradition geworden. Der „Coupe de fkcdfticketFrance“ ist ein bisschen anders organisiert als der DFB-Pokal. Während sich die unterklassigen Mannschaften bei uns in der Vorsaison über die Verbandspokale qualifizieren müssen, geschieht dies beim CdF innerhalb der ersten acht Pokalrunden, in denen der Pokal auch noch nach regionalen Maßstäben ausgespielt wird. Die großen Clubs greifen erst spät in den Wettbewerb ein, die Drittligisten erst ab Runde 5 und die Zweitligisten erst ab Runde 7. Der Hauptwettbewerb beginnt dann mit dem Einstieg der Erstligisten im 32stelfinale (Runde 9), welches den gleichen Umfang hat wie die erste Hauptrunde im DFB-Pokal. Ein interessanter Aspekt des französischen Pokals ist, dass ab der 7. Runde auch die Pokalsieger der französischen Überseegebiete mitspielen. So spielte z.B. der Drittligist FC Mulhouse aus dem Elsass beim AS Lössi aus Neukaledonien in Neukaledonien. Wer nicht weiß wo das ist, Neukaledonien liegt ca. 1300 km vor der Nordostküste Australiens und feierte das neue Jahr bereits während wir beim Mittagessen sind. Dieses Jahr war Nordfrankreich das Ziel unserer Reise, genauer die Region Nord-Pas-de-Calais. Insgesamt standen drei Spiele auf unserem Programm, bei der Mannschaften aus der Ligue 1, Ligue 2 und CFA 2 (fünfte Liga) beteiligt waren.
Hier ein paar Berichte:

Match 1: 05.01.2013; 20:45 LOSC Lille (L1) - Nîmes Olympique (L2) 3:2, Grand Stade Lille Métropole, 10.800 Zuschauer

Der LOSC Lille, vielen vor allem als CL-League Gegner des FC Bayern bekannt. Er gehört zudem zu den erfolgreichsten Vereinen nach der Dekade Oly. Lyon und holte 2011 das Double in unserem Nachbarland. Seit August 2012 haben die Doggen auch einen neue Heimat, nämlich das 50.000 Personen fassende Grand Stade Lille Métropole, welches lillefankulturseit dem im Schnitt 40.000 Fans besuchen. Es ist eine typisch moderne Arena, welches stark an die Allianz –Arena erinnert. Von außen eine relativ ähnliche Form, zudem leuchte Sie in den Vereinsfarben. Innen hat es drei Ränge sowie ein schließbares Dach. Ein spezielles Feature ist das man die eine Spielfeldhälfte über die andere heben kann um eine halbe kleine Arena zu schaffen. Von innen ist das Stadion relativ Farblos, alles ist in Weiß gehalten, es wirkt alles andere als einladend. Natürlich ist dieser Bau auch Spielort der EM 2016. Zur Coupe de France-Premiere im Stade gegen den Zweitligisten Nimes kamen trotz relative günstiger Preise (Kurvensitzplatz 6 €) nur 10.800 Zuschauer, darunter befand sich eine gute Busladung Gästefans welche die knapp 950 km aus Südfrankreich auf sich nahmen. Die die da waren bekamen aber ein gutes Spiel zu sehen. Der Gastgeber dominierte das Spiel über weite Strecken klar und führte nach 52. Minuten verdient mit 3:0. Dann jedoch begann Lille sich auf dem Vorsprung auszuruhen, was die Gäste ausnutzen. So stand es nach 70. Minuten plötzlich nur noch 3:2 und wir bekamen eine richtig spannende Schlussphase zu sehen, in dem wir den Gästen die Sensation durchaus gegönnt hätten. Aber es blieb beim insgesamt verdienten Sieg des LOSC. Fantechnisch haben mich die Nordfranzosen etwas enttäuscht. Wenig Stimmung, selten sang der gesamte Supporter-Bereich mit, geschweige denn die ganze Hintertorgerade. Nur ein paar Wechselgesänge mit der gegenüberliegenden Kurve waren ganz ordentlich. Auch optisch war die Kurve sehr langweilig, ich konnte keine optischen Stilmittel wahrnehmen. Aber fairerweise muss man dazu sagen, dass so ein Pokalspiel gegen einen Zweitligisten auch nicht der beste Gradmesser ist um die Stimmung bei einem Verein wie Lille allgemein zu beurteilen, bei einem Ligaspiel schaut es ggf. viel besser aus.

Match 2: 06.01.2013; 14:15 RC Lens (L2) - Stade Rennais (L1) 2:1 Stade Bollaert-Delelis, 14.583 Zuschauer

Der „Racing Club de Lens“, der ärgste Rivale des LOSC Lille spielt zwar sportlich eine Liga unter Lille aber was das Stadion angeht spielt Lens einige Ligen über dem LOSC. Das Stade Stade Bollaert-Delelis ist wohl eines der schönsten Stadien Frankreichs. Gut 41.200 Zuschauer finden hier auf engstem Raum Platz, eine enge Bestuhlung sowie sehr hochgeschlossene Oberränge (vor allem hinter den Toren) machen es möglich. Abgerundet wird dieser Traum von einem Fußballstadion von offenen Ecken und vier Flutlichtmasten. In Fußballdeutschland erlangte dieses Stadion bzw. die Stadt leider eher traurige Berühmtheit, als im Rahmen des WM-Spiels Deutschland – Jugoslawien lensfankulturHooligans den Gendarm Daniel Nivel schwer verletzten. Der Favorit in diesem Spiel waren natürlich die Gäste, welche in der Ligue 1 um einen UEFA-Cup Platz kämpfen während der RC Lens, der seine große Zeit Ende der 90er hatte im Mittelfeld der Ligue 2 rumdümpelt. Allerdings war es der Zweitligist der in einer nicht hochklassigen aber kampfbetonten Partie die bessere Taktik hatte und nach 27. Minuten verdient in Führung ging. Im Verlauf der zweiten Hälfte verwalteten die Gastgeber das Ergebnis immer mehr, daher lag schon die ganze Zeit der Duft einer Verlängerung in der Luft. In der 81. war es dann passiert, der Verein aus der Bretagne erzielte den Ausgleich. Großer Jubel bei den gut 100-150 Gästen, welche dieses Tor mit einer Pyroeinlage feierten. Das Spiel war jetzt offen, beide Mannschaften wollten das Spiel bereits in der regulären Spielzeit für sich entscheiden. Es war die 87. Minuten, Lens flankt von links, ein Defensivspieler von Rennes versucht zu klären und hebt den Ball dabei sehenswert über den eigenen Torwart in den Kasten. 2:1 für den Zweitligisten. Jetzt brachen bei den „Sang et Or“ Fans unter den 14.583 Zuschauern alle Dämme. Damit war das Spiel entschieden und Rennes einer von sechs Erstligisten die bereits nach einer Runde draußen sind. Dabei sind  Sie in guter Gesellschaft, Titelverteidiger Lyon hat es sogar gegen einen Drittligisten erwischt. Die Stimmung im Stadion war nicht nur nach dem 2:1 richtig gut. Allgemein haben die Fans des RC einen guten Eindruck bei mir hinterlassen. Von Kopf bis Fuß waren Sie in den Farben Ihres Vereins eingehüllt. Trikots (auch schöne alte Trikots), Schals, Mützen, lustige Hüte und angemalte Gesichter, alles war zu sehen, so wie man sich eine bunte Fanszene vorstellt. Eine Besonderheit in Lens ist, dass sich die aktive Fanszene nicht hinter dem Tor befindet sondern auf dem Unterrang der Gegengerade, der Tribüne Xercès Louis. Dort wird die Masse von drei Vorsängerpodesten aus angeheizt. Der Support war das ganze Spiel über recht anständig, vom Ultras-sing-sang über Wechselgesänge bis hin zu klassischem Support war alles vertreten. Auch optisch machte die Xercès einiges her, die Doppelhalter und Schwenkfahnen begeisterten meine Mitfahrer und mich richtig.

Match 3: 06.01.2013; 20:45 Arras FA (CFA2)– Paris Saint-Germain FC 3:4 (L1), Stade de l'Épopée Calais, 12.000 Zuschauer

Unser drittes Spiel führte uns nach Calais, dem traditionellen Übergangsort zur britischen Insel. Dort empfing der Fünfligist Arras FA einen der populärsten und zugleich verhasstesten Vereine Frankreichs, Paris St. Germain, ein Verein in den ein Scheich gerade sehr viel Geld reinsteckt (130 Millionen allein in dieser Saison). Eigentlich liegt Arras keine 20 km südlich von Lens, aber da das Stadion mit seinen gut 1500 Plätzen von vorne bis hinten nicht reicht, zog man für dieses Spiel in die Heimat des Ligakonkurrenten calaisfankulturCalais RUFC. Das Stade de l'Épopée wurde 2008 eröffnet und bietet knapp 12.500 Zuschauern Platz. Das Stadion selber besteht aus ca. 21-25 Sitzreihen, welche mit Ausnahme der VIP-Plätze das ganze Stadion umfassen. Ein bisschen erinnert das Stadion an die Arena in Ingolstadt, allerdings wirkt es dank der gelbe-roten Bestuhlung in den Vereinsfarben von Calais recht einladend und warm. Eine Besonderheit dieses Stadions ist, dass die Hauptbeleuchtung nicht wie bei den meisten modernen Stadien unter das Dacht gepfercht wurde sondern tatsächlich noch vier Flutlichtmasten gebaut wurden. Gut 12.000 Zuschauer kamen zu diesem Spiel ins Stade. Offiziell war es voll, denn es wurden keine Tickets mehr an der Abendkasse verkauft, wir hatten Glück das wir jemanden gefunden hatten der sechs Stück übrig hatte. Der Großteil der Zuschauer, egal ob Sie tatsächlich aus Arras kamen oder aus der Umgebung von Calais drückte ganz klar dem „Gastgeber“ die Daumen. Den Gästen aus der Hauptstadt würde ich bestenfalls 1000 Zuschauer zurechnen, welche über das ganze Stadion verteilt waren. Der eigentliche Gästeblock hingegen war relativ spärlich gefüllt was mich etwas überraschte. Noch mehr überraschte mich, dass die einzig aktiven Fans von PSG unweit von uns hinter dem Tor auf der eigentlichen Heimseite standen. Viel waren es nicht, ich weiß nicht einmal ob es überhaupt richtige Szeneleute von PSG waren ich glaub es ehrlich gesagt nicht. Warum nur so wenig Anhänger von Paris an die Nordküste kann ich nur mutmaßen. Das Spiel begann standesgemäß, der Tabellenführer der Ligue 1 ging bereits innerhalb der ersten 10. Minuten mit 2:0 in Führung und jeder dachte das dies erst der Anfang war. Und damit sollten wir recht behalten, allerdings anders als man sich das vorgestellt hat. Auf einmal spielte Arras richtig auf und man sah kaum noch einen Klassenunterschied. In der 26. kamen die Gastgeber auf 1:2 ran. Kurz vor dem Pausentee jedoch wurde der alte Abstand wiederhergestellt, Camara war der Torschütze. Arras gab nicht auf, fightete immer weiter und kam in der 52. erneut  ran. Es war ein brutal spannendes Spiel und wie sich zeigte war das einzige in was PSG überlegen war die Chancenauswertung und so hieß es nach 68. Minuten 2:4. Die Gastgeber kämpften weiterhin aufopferungsvoll und sieben Minuten vor Schluss brachten Sie PSG mit dem dritten Treffer nochmal richtig ins Schwitzen. Das Publikum war nun am ausrasten. „Arras, Arras“ schallte es durch das ganze Stadion. Aber es half nichts mehr, die Mannschaft von Carlo Ancelotti brachte das knappe 3:4 gegen einen Fünftligisten über die Zeit. Aber trotz Niederlage gehörte der Abend ganz klar den Jungs von Arras. Sie wurden noch euphorisch von den Zuschauern gefeiert (Merci Arras, Merci Arras, Merci Merci) und verabschiedeten sich angemessen mit einer Ehrenrunde. Ich kann vor dieser Mannschaft einfach nur den Hut ziehen. Vom Flair her war dieses Spiel mit Sicherheit da Highlight der diesjährigen Tour. Das Publikum hat einfach eine richtig positive geile Atmosphäre erzeugt und die Mannschaft von Arras hat uns einfach mitgerissen.

coupe-de-franceZum Schluss, was ist hängen geblieben? Wie jede Hoppingtour hat sich jedes Spiel gelohnt, der Ground ist schließlich das Ziel. Angenehm aufgefallen ist, dass wir bei allen drei Spielen kaum Polizei zu sehen bekamen, meist nur nach dem Spiel zum Regeln des Verkehrs. Wobei es waren alles Spiele ohne Brisanz, nur PSG war für seine „bösen“ Fans bekannt, dementsprechend haben sich die Eingangskontrollen in Calais auch gezogen. Der größte Unterschied zum Stadionerlebnis in Deutschland ist neben der Sprache die Nüchternheit. Klingt blöd, ist aber so. Währen bei uns viele Zuschauer angeheitert mit der Bierflasche in der Hand in Richtung Stadion gehen, gibt es sowas in Frankreich so gut wie gar nicht. Um genauer zu werden, die einzigen die ich mit Bier in der Hand gesehen habe waren wir. Auch im Stadion trinken kaum Zuschauer Bier, wobei das auch an den gepfefferten Preisen liegen kann. Das Bier kostet im Schnitt so viel wie bei uns, jedoch ist meist nur die Hälfte drinnen. Das war meine kleine Tour durch Nordfrankreich. Es war ein geiler Ausflug, ein Dank an meine Mitfahrer und ein spezieller Danke an den Max der alles durchgeplant sowie den Van besorgt hat und dann die ganze Strecke durchgefahren ist. Nur noch 50 Wochen bis zum nächsten „Trente deuxièmes de finale“.

1 Kommentar

  • Kommentar-Link Heiner Hamer Sonntag, 03 Februar 2013 08:49 gepostet von Heiner Hamer

    Mercy
    freue mich jemanden zu treffen der sich für den französischen Fussball interessiert. Bin selbst Schwarz - gelb aber meine 2. Heimat ist der Norden Frankreichs.
    Mercy et encore sil vous plait

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