Der KFC Uerdingen 05, früher lange als Bayer 05 Uerdingen bekannt. Der Verein der 1985 den DFB-Pokal durch ein 2:1 über Udo Latteks Bayern gewann und in dem darauffolgenden Europapokal der Pokalsieger bis ins Halbfinale kam (u.a. dank des legendären 7:3 gegen Dynamo Dresden) war früher fester Bestandteil der Bundesligen und mir kommt es manchmal so vor als wären Sie noch gar nicht so lange von der Bildfläche verschwunden. Aber dennoch, mein letzter Besuch in der Grotenburg war am 29.10.1995, ist also auch schon 17 Jahre her (Gott wie die Zeit vergeht). Daher war ich sehr angetan als ein Freund von mir kurzfristig die Idee hatte am dritten Adventssamstag zum Spiel KFC Uerdigen gegen Schwarz-Weiß Essen zu fahren. Das Duell zweier Pokalsieger und Traditionsvereine.
Wie bereits gesagt, in der Bundesliga spielt der KFC schon lange nicht mehr und für viele Junge Fußballfans ist er wohl auch nur einer von vielen Name in der ewigen Bundesligatabelle die einfach nur noch Geschichte sind. Nach dem sich der Bayerkonzern nach der Saison 94/95 von der Profifußballabteilung des FC Bayer 05 Uerdingen trennte, traten diese ab der Folgesaison als KFC Uerdingen 05 an und stiegen prompt als Tabellenletzer ab. Die Trennung von Bayer verursachte starke finanzielle Probleme. Es folgte ein Absturz bis in die sechste Liga und drei Insolvenzanträge. Erst mit Agissilaos “Lakis“ Kourkoudialos als Präsident der mit seinem Unternehmen auch als Hauptsponsor fungiert, kamen die Uerdinger finanziell wieder in ruhiges Fahrwasser. Allerdings hat so ein „Mäzen“ auch den Nachteil, dass man wieder abhängig ist. Wie dem auch sei nun konnte man sich wieder rein auf den Sport konzentrieren und 2011 folgte mit dem Aufstieg in die NRW-Liga der erste große sportliche Erfolg seit 1994. 2012 erreichte man etwas glücklich sogar die Relegation zur Regionalliga wo man sich dem Essener Verein FC Kray geschlagen geben musste. Zurzeit führt der KFC jedoch die Tabelle der Oberliga Niederrhein souverän an, daher ist davon auszugehen das der Aufstieg in die Regionalliga am Ende dieser Saison klappen wird.
Das Grotenburg-Stadion, auch als Grotenburg-Kampfbahn bekannt. Es war wie eine Reise zurück in die 90er als ich an jenem Samstag zum ersten mal nach 17 Jahren vor dem Stadion stand. Denn es hatte sich am Stadion sichtlich nichts verändert. Es waren die gleichen Sitzschalen, die gleichen Wellenbrecher, es hat immer noch die geilen Flutlichtmasten (für mich ist ein Stadion ohne Flutlichtmasten einfach irgendwie unvollständig). Sogar der Grotifant das Maskottchen turnt noch fröhlich herum. Einzig lästig war das man auch in der Grotenburg nicht mehr mit Bargeld zahlen kann. Man muss sich Wertmarken kaufen, welche 2,50 pro Stück kosten. Daher macht die Currywurst mit Pommes nicht 5 € sondern zwei Werkmarken, dass Getränk eine Wertmarke. Sportlich gewann der KFC das Spiel gegen am Ende nur noch acht Essener (2 mal Gelb/Rot einmal Rot) verdient mit 1:0. Der ETB hielt zwar tapfer mit, aber Uerdingen hatte die klar besseren Chancen, vor allem auch zu dem Zeitpunkt als noch 11 gegen 11 spielten. Allerdings dauerte es bis zur 73. Minute bis der Ball endlich mal im Netz zappelte, Issa war der Torschütze. Ein Feuerwerk bekamen die Zuschauer an diesem Nachmittag nicht geboten, aber das war Fans und Spielern egal. Sie feierten gemeinsam die drei Punkte und jetzt steht der Weihnachtsurlaub an. Und den haben sich die Spieler des KFC auch redlich verdient, denn Sie führen die Tabelle mit sage und schreibe 19 Punkten Vorsprung an. 18 von 20 Spielen wurden gewonnen, zweimal spielte man Unentschieden. Als da dürfte doch in Sachen Aufstieg wirklich nichts mehr schief gehen oder? Die Gäste aus Essen hingegen haben ganz andere Probleme, vier Tage nach dem Spiel stellten Sie einen Antrag auf Insolvenz, sollte das Verfahren eröffnet werden, stünde der Pokalsieger von 1959 als erster Absteiger fest.
Fantechnisch hat mich Uerdingen angenehm überrascht. Früher hatten die Krefelder ja den Ruf des Fußballfriedhofs. Verhältnismäßig wenig Zuschauer und die etwas unterkühlte Stimmung waren der Hauptgrund dafür. Unser Präsident meinte nach einem Spiel im Oktober 93 sogar das bei uns bei einer Beerdigung mehr los sei als in Uerdingen bei einem Fußballspiel. Aber auch in Uerdingen hat sich trotz des sportlichen Niedergangs die Fanszene weiterentwickelt. Die Ultras und die meisten Supportwilligen haben Ihren festen Stimmungsblock seitlich auf der Haupttribüne und sorgten 90. Minuten lang für einen anständigen akustischen und optischen Support. Der Zuschauerschnitt von knapp 2200 ist für die fünfte Liga auch aller ehren Wert. Der harte Kern der Uerdinger Anhängerschaft der trotz der ganze Misere seit 1996 immer dabei geblieben ist, ist eh das höchste Gut das der Verein hat. Immer wieder haben Sie dem Verein in Zeiten von Insolvenzanträgen etc. mit Aktionen finanziell unter die Arme gegriffen damit Ihr KFC am Leben bleibt. Über die Fans der Gäste kann ich leider nichts schreiben, da ich keine bemerkt habe bzw. Sie sich nicht bemerkbar machten.
Zum Abschluss möchte ich nur noch sagen, wer noch nicht in der Grotenburg war sollte Sie auf jeden Fall auf seine Liste setzen. Wer weiß wie lange es das Stadion noch gibt. Es geistern immer wieder Gerücht von einem Investor der eine „moderne“ 08/15-Arena bauen möchte herum. Wenn diese Arena wirklich Realität werden würde, wären die Tage der Grotenburg wohl gezählt. Denn es gibt schon seit Jahren laute Stimmen für einen Abriss und einer anderweitigen Nutzung des Geländes.