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Donnerstag, 19 Mai 2016 15:01

Letztens in Meppen

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Regionalliga Nord, 33.Spieltag

Über Pfingsten soll das Wetter schlechter werden. Da gilt es, den letzten warmen Tag zu nutzen. Wenn man dann noch feststellt, daß Meppen nur eine Zugstunde weit weg ist und der dortige SV 1912 ein Heimspiel gegen Lübeck hat, ist die Freitagnachmittagsplanung relativ schnell abgeschlossen. Also: Eine Stunde Zug, Viertelstündchen laufen, und da ist sie, die Hänsch-Arena, bzw. da ist es, das Emslandstadion.

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Es gibt so viele altbekannte Groundhopper-Phrasen, um ein Oldschool-Stadion zu beschreiben: „Ein Träumchen“, „es atmet alten Charme“, „sehr klassisch“. Phrasen hin und her, auf das Emslandstadion treffen sie zu. Die letzten baulichen Veränderung wurden in den 1990er Jahren vorgenommen, als die Hütte zum reinen Fußballstadion umgebaut wurde. Die Gästetribüne ist noch immer in Kurvenform – Betonstiegen, stählerne Wellenbrecher und (vermutlich) immer noch die schon von den 11Freunden besungenen Dixieklos.

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Die Haupttribüne ist aufgeteilt: Sitzer oben, Steher unten. Schön flach und überdacht. Auf der Gegengeraden steht eine großzügige Sitzplatztribüne, mit klassischen Holzbänken und Raubvogel-Aufklebern an den Seitenwänden. Die Heim-Hintertortribüne mit Spielertunnel ist ein reiner Stehplatzbereich, mit „Auslauf nach hinten“. Die Flutlichtanlage hat dieses Jahr ihr Zwanzigjähriges. Das Emslandstadion ist in Zeiten der aussterbenden Stadionindividualität ein wunderbares, wenn auch nicht ganz uraltes Relikt.

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Der SV Meppen ist Tabellenfünfter der Regionalliga Nord. Für den emsländer Traditionsverein, der elf Zweitligajahre in der Chronik stehen hat und zuletzt im DFB-Pokal den 1.FC Köln empfing, geht es um nichts mehr. Der Gast von der Trave ist noch leicht abstiegsgefährdet – sehr leicht. Der VfB Lübeck spielte insgesamt vier Jahre in der Zweiten Bundesliga und machte, trainiert von einem gewissen Dieter Hecking, im Jahre 2004 als Halbfinalist im DFB-Pokal von sich reden. Der Club ist somit ein wichtiger Teil der ja leider nicht allzu üppigen Fußballerfolgsgeschichte Schleswig-Holsteins. Der andere wird mit Rücksicht auf Lübecker Leser nicht erwähnt.

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Es sei die nächste Hopperphrase bemüht: Auch in der Spielpaarung ist geballte Tradition unterwegs. Daß nur 968 Zuschauer im Stadion sind, ist daher schade, liegt aber sicher auch an der Anstoßzeit. Freitag 17 Uhr und Pfingsten vor der Tür, das ist für Heimfans und vor allem für die von der Trave anreisenden Gästefans unvorteilhaft. So beginnt das Match auch mit einer Viertelstunde Verzögerung, da die aktive Lübecker Fanszene noch im Stau steckt. Das Publikum an der Wurstbude übt entsprechend deutliche Kritik und thematisiert auch den Auftritt der Staatskostümkapelle: „100 Polizisten für zehn Gästefans...Da braucht jemand Auslauf“.

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Die „Szene Meppen“, auf dem Stehplatzbereich der Haupttribüne untergebracht, supportet mit drei Schwenkfahnen. Die etwa 40 Leute singen viel und haben ein ordentliches Repertoire an Chants. Sie zeigen den klassischen Style einer aktiven Fanszene. Erst zur 18. Spielminute trifft die aktive Fanszene aus Lübeck mit einem lauten „Auswärtssieg! Auswärtssieg!“ ein. Sehr kreativ ist, wie die Fans des VfB die an Symbolen (und Klischees) weiß Gott nicht arme lübische Tradition in die eigene Fansymbolik einbinden. Ein befreundeter Stuttgart-Fan meinte mal bei anderer Gelegenheit dazu: „Fehlt nur noch, daß sie ‚Buddenbrook‘ auf die Trikots flocken.“.

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Mit Eintreffen der staugeplagten Lübecker entwickelt sich ein ordentliches Supportduell. Trotz der geringen Zuschauerzahl herrscht ordentliche Fußballatmosphäre. Die Lübecker singen ausdauernd das ganze Spiel durch. Im Spiel ist der VfB Lübeck das engagiertere Team. Die in Grün spielenden Gäste holen einige Ecken heraus und ein paar Mal muß SVM-Keeper Gommert sein Können zeigen. Richtig gefährliche Torchancen springen aber nicht heraus. Der Gastgeber ist zwar gut eingespielt, entlastet aber kaum. Etwa Mitte der ersten Halbzeit schießt Meppen das erste Mal aufs Gästetor.

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Die Halbzeit gibt Gelegenheit, das „Interieur“ des Stadions zu begutachten. Hinter der Heimtortribüne ist der Fanshop und eine Stadionkneipe untergebracht. Die digitale Anzeigetafel ist zwar unaufdringlich integriert, wirkt aber trotzdem etwas protzig im Ensemble des Stadionbaus. Die Schweinedarm-Verpflegung ist klasse. Sowohl im Brot als auch in der Curryvariante. Positiv erwähnt sei auch der Getränke-Bringdienst auf der Tribüne.

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Die zweite Halbzeit wird von beiden Seiten intensiv geführt, sechs gelbe Karten sind am Ende verteilt. Insgesamt verflacht die Partie im zweiten Durchgang. Die dickste Chance hat der Lübecker Maletzki etwa in der 75.Minute, als er freistehend zu lang überlegt und schließlich über das Tor schießt. Meppener und Lübecker Fans sorgen weiterhin für eine gute Atmosphäre. Das Spiel, das aufgrund seiner Intensität durchaus Tore verdient gehabt hätte, endet 0:0. Die Lübecker, die um einiges mehr vom Spiel hatten, dürften sich über das Ergebnis vermutlich etwas mehr ärgern- wenn überhaupt. Die Mannschaft geht nachher in die Fankurve, schüttelt Hände und redet mit den Fans- schöne Sache!

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Einem unbeteiligten Gast macht auch ein 0:0 im Emslandstadion Spaß. Ordentlicher Regionalligafußball in einer schönen, alten Hütte mit guter Verpflegung und auch bei leerem Hause anständigem Roar. Unbedingte Besuchsempfehlung!

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