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Dienstag, 30 Dezember 2014 10:24

Damals in OER! OER! ERKENSCHWICK!

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Schwicker01Fußball ist Sensation. Fußball ist Event. Fußball sieht so aus wie „FIFA 15“ und fühlt sich so an wie FIFA. Zumindest gibt es Zeitgenossen, die genau das toll finden. Ihnen ist, allein aus therapeutischen Gründen, ein Besuch in der vermeintlichen Unterklasse zu empfehlen. Dort, wo Stallgeruch ausgeschwitzt wird. Dort, wo man ein perfektes Grillsteak serviert kriegt. Dort, wo man die Spieler vor Anstoß abklatschen kann. Dort, wo auf alten Betontribünen Gras zwischen angerosteten Wellenbrechern wächst. Fußballgottseidank gibt es noch eine Menge solcher Kurorte. Einer davon ist das Stimbergstadion in Oer-Erkenschwick.

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Die schwarz-rote Spielvereinigung Erkenschwick wurde 1916 gegründet. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielte man meist in der jeweils höchsten Spielklasse. Die Spieler, die in den 1940er Jahren einige Zeit von Ernst Kuzzorra seine Frau ihr Mann trainiert wurden, waren vor allem Bergarbeiter der Zeche Ewald. In der Saison 1980/81 spielte die Spielvereinigung in der Zweiten Bundesliga Nord. Im Kader: Ein gewisser Sönke Wortmann, lange vor seinem Heelturn zum „Sommermärchen“. Heute spielt der Verein in der Oberliga Westfalen.

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Das 1934 eröffnete Stimbergstadion faßt 14.380 Zuschauer. An den Außenmauern rund um den Haupteingang finden sich stylische Graffitis, die Kassenhäuschen sind in den Vereinsfarben gestrichen. „Wollt Ihr schon rein? Na, dann kommt mal, Wurst ist aber noch nicht fertig...“. Das Stadion vermittelt ein leichtes Bundesjugendspiele-Feeling. Rund um den weltbedeutenden Rasen verläuft eine Tartanbahn, ebenso finden sich Weitsprunggruben sowie ein Wurfkäfig für Kugelstoßen und Hammerwurf. In einer Kurve liegen Hürden. Die Haupttribüne ist überdacht, links und rechts sind Steher, in der Mitte finden sich die klassischen Langbänke. Auf der Gegengerade ist ein eingezäunter Bereich, offenbar für Gästefans gedacht. Direkt darunter liegt das etwas enge Marathontor. Ein Masseneinlauf dürfte zu blauen Flecken führen. Spielen die „Schwicker“, wird es als Spielereingang zum Feld genutzt. In den Kurven wächst Gras zwischen den Stufen. Herrlich kitschig sind außerdem die scheppernden Lautsprecheranlagen und die langen Wellenbrecher.

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Das Wunderbare am unterklassigen Fußball ist die Nähe zum Sport und zum Verein. Dieses besondere „Backstage-Feeling“ vermittelt auch die Spvg. Erkenschwick. Hinter der Gegengeraden liegen die Kabinen, natürlich mit Schuhputz-Rost davor. Nebenan liegt das Vereinsheim. Pokale stehen im Fenster. An der Holztäfelung hängen Wimpel, alte Mannschaftsposter (mit Sönke Wortmann) und Zeitungsausschnitte. An der Theke gibt es Kaffee, Kuchen und Bier, den einen oder anderen Fanartikel und natürlich den neuesten Klatsch aus dem Verein. Kulinarisch ist man sowieso aufs allerbeste versorgt. Sei es die Grillwurst auf der Gegengerade, sei es das Steak von der „etwas anderen Ballerbude“ auf der Haupttribüne- Besser geht es kaum!

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Einige Spiele habe ich in Erkenschwick schon verfolgt. Einmal haben ein Kumpel und ich ein grauenhaftes Spiel in Wattenscheid verlassen, kamen zur 88.Minute ins Stimbergstadion um zu erfahren, daß es 5:1 steht. „Wahnsinnsspiel, Wahnsinnsspiel!“. *boing*. Erwähnenswert auch die 1:2-Heimniederlage gegen den ASC 09 Dortmund, bei der die Fotos hier gemacht wurden. Kampf gegen Spiel – Der ASC kombinierte die „Schwicker“ aus und führte bis zur 85.Minute mit 2:0, ehe die Spielvereinigung einen Eckball reinwuchtete und in den letzten irre spannenden Minuten wie wild (und vergeblich) anrannte. Auf dem Stehbereich rechts von der Sprecherkabine stehen einige Supporter mit mehreren Zaun- und Schwenkfahnen. „Schwicker olé!“ – „Schi-Scha-Schung – Spielvereinigung!“. Und natürlich „Oer! Oer! Erkenschwick!“, nicht nur vor Ort ein Kult-Chant. Auf der Haupttribüne sitzt außerdem die obligatorische Meckeropa-Gang, ein paar Ableger stehen auch einsam in den Kurven. Ein paar Kinderwagen werden durch die Gegend geschoben, ein paar Fanhunde verfolgen andächtig das Spiel.

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Es ist ja neuester Chick, dem Profifußball den Rücken zu kehren und niederklassige Vereine zu besuchen. Wer das ernsthaft (und nicht nur aus Trotz) vorhat, ist in Erkenschwick hervorragend aufgehoben. Und diejenigen, bei denen Fußball erst mit dem Primera-Division-Abo und Luis Suarez beginnt, sollten ihre Krankenkassen fragen, ob es eine Rückrundendauerkarte der Spielvereinigung Erkenschwick auf Rezept gibt. Akuter Bedarf!

OER! OER! ERKENSCHWICK!

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Website Spielvereinigung Erkenschwick

 

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