Fr24May2013

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Christoph Burr

Christoph Burr

Projektleiter FANKULTUR.COM

Was für ein Wahnsinn gestern Abend im Westfalenstadion. Dortmund liegt zweimal gegen den FC Malaga zurück, schien in der 90+1 Minute schon ausgeschieden und dann kamen Reus und Santana und stürzten 60.000 Fans im Stadion in einen kollektiven Freudenrausch. Der BVB zieht damit vollkommen verdient in das Halbfinale der Championsleague ein und befindet sich somit unter den besten vier Clubs in Europa. Den Krimi hätte sich Till Schweiger nicht besser ausdenken können und daher sei der Verdacht erlaubt: Ist das alles nur geklaut?

Mittwoch, 27 Februar 2013 23:27

Himmelhoch jauzend, zum Tode betrübt

vfb-bochum dfbpokal

Jawohl! Der VfB im DFB-Pokal Halbfinale. Vor wenigen Wochen noch undenkbar, jetzt wahrlich Realität. Der Verein mit dem roten Brustring ist neben den Bayern aus München als letzter Club in allen drei Wettbewerben vertreten. Ok, an die Meisterschaft glaubt man nicht wirklich, aber wenn die Medien schon so genüsslich auf jeder torlosen Minuten eines Stürmer rumreiten, dann darf man das ruhig auch mal so sagen. Geschenkt, das es nun zum dritten Mal gegen einen Zweitligisten ging, sogar auch noch jeweils ein Heimspiel. Man steht nun mal im Halbfinale, und da darf man ja wohl mal jubeln. Den Preis für Schönspielerei und Zauberei werden wir in dieser Saison eh nicht mehr gewinnen, dann lieber effektiv zum Titel. Wir geh'n und hol'n den Cup. Apropos... da ist ja auch noch der Europapokal. Auch dort gab's in der Zwischenrunde wohl nur einen Verein der sich vom VfB hat schlagen lassen. Man sollte fast mal googeln wer diese Glücksfee war. Zum Gesamtbild würde passen, wenn's am Ende Platini oder Sepp Blatter höchstpersönlich war. Egal, Jubelstimmung!

Wäre da nicht die Nachricht, die vor Spielbeginn sich in der Fanszene verbreitete und während dem Spiel dann Gewissheit wurde. Beim hart erkämpften Achtelfinale im Europapokal sollen auswärts keine VfB Fans zugelassen sein. Genauer gesagt, Lazio Rom wurde von der UEFA zu zwei Geisterspielen auf europäischer Ebene verdonnert. Der Lazio-Anhang ist in der Vergangenheit mehrfach wegen verschiedener Vergehen auffällig geworden und Lazio spielte daher auf "Bewährung" Nach den erneuten rassistischen Vorfällen beim Spiel gegen Gladbach, hat die UEFA nun gehandelt. Umso bitter das es nun den eigenen Verein, die eigenen Fans trifft. Nicht wenige haben schon Flüge und Hotels gebucht, jetzt ist das Ganze hinfällig. Und sowieso war Rom eine Art Traumlos, nicht nur weil man die ewige Stadt der Kölner Vorprärie rund um Mönchengladbach deutlich vorgezogen hatte.

Auch wenn es dazu gehört als Schwabe, und als VfB erst recht, positive Ereignisse immer mit einem Bruddeln zu begleiten, wollen wir trotzdem den Abend nicht mit hängenden Köpfen beenden und uns über eine freudige Nachricht freuen. Der VfB Vorstand (richtig gelesen!) hat entschieden, die Wappenfrage auf der diesjährigen Mitgliederversammlung zu thematisieren. Damit könnte ein großes Anliegen vieler VfB Fans Realität werden. Seit 2010 setzt sich die Initiative "Pro altes VfB Wappen" dafür ein, das alte Wappen wieder auf der Brust zu sehen. 2012 war man damit noch gescheitert, jetzt hat der Vorstand mit einer Entscheidung Bewegung in die Sache gebracht. Laut Ankündigung soll die im Laufe des Jahres in eine Mitgliederbefragung zu den zur Wahl stehenden Wappen durchgeführt und rechtzeitig vor der Mitgliederversammlung veröffentlicht werden. Der letztliche Entschluss erfolgt dann durch Abstimmung auf der MV, wobei diesmal laut Plan die einfache Mehrheit ausreichen soll um eine Wappenentscheidung treffen zu können. Na das ist doch mal was!

Gehen wir also höchst zufrieden ins Bett, freuen uns auf das DFB-Pokal Halbfinale, träumen weiter von Amsterdam und sparen jetzt schon mal das Geld für ein Trikot mit alten Wappen auf der Brust und dem Stern im Brustring.

Bildquelle: cannstatter-kurve.de

narrenkappeKarneval, Fasnet, Fasching... die Zeit der organisierten Fröhlichkeit ist vorbei. Alltag, Fastenzeit und für manchen die harte Rückkehr in die Realität. Das Lachen der Fans des Verein für Bewegungsspiele ist schon länger eher gequält. Zur aktuellen sportlichen Krise kommt noch Kopfschütteln über die eigene Vereinsführung. VfB Fan Hoschi hat es in einer "Büttenrede" treffend auf den Punkt gebracht. Dialog, Viagogo und der Umgang mit Fans, vieles davon sind wohl nicht nur für Stuttgarter Anhänger bekannte Probleme.

Mit Narrenkappe auf'm Kopf lässt sich manches Thema leichter verarbeiten. So wie VfB Fan Hoschi in seiner "Büttenrede"

Es gab einst einen Sportverein,
der für Bewegungsspiele stand.
Er stiftete für Groß und Klein,
Identität im ganzen Land.

Erfolg, Legenden, starke Spiele,
gab es im Neckarstadion viele.
Doch denk ich heut an mein‘ Verein,
fällt mir nur noch Ärger ein.

Zweitausendelf: Ein neuer Präsident,
aus dem Porsche-Management.
Mit Marketing bestens vertraut,
tönt er von „Neuer Ära“, laut.

Kein Bisschen Fußballkompetenz,
doch Themen wie „mehr Transparenz“,
„Stuttgarter Weg“ und „Junge Wilde“,
fertig ist das Traumgebilde.

Was übrig bleibt aus diesen Phrasen,
sieht man heute auf dem Rasen:
Lustlos-müder Grottenkick,
wie immer „fehlt“ wohl nur „das Glück“.

Junge Wilde, Gott sei Dank,
sitzen auf der Wechselbank.
Sie halten sich im Training fit
und senken unsren Altersschnitt,

Politiker und die Verbände,
reiben sich erfreut die Hände,
als der Mäuser ungeniert,
DFL-Papiere akzeptiert.

Er sorgt sich halt um seine Fans,
auch in Sachen Transparenz:
VfB Direkt – genial,
copy, paste, wer will nochmal?

Bis fünf Minuten vor dem Spiel,
Stadionshow im großen Stil.
Endlich darf der Fan einmal!
Ach nein! Moment! Das war einmal!

Die Fans, die haben ausgesungen,
denn sofort kommt Gerd gesprungen,
wenn die Kundschaft kritisiert,
dass zu wenig Show passiert.

Bei Porsche lehrte man ihn schon:
die Kundschaft generiert den Lohn!
Die Kurve, die ist doch egal,
vergisst es bis zur nächsten Wahl!

Beim Ticketing, der Mäuser denkt,
wird Potenzial doch glatt verschenkt.
Gerds viagogo-Partnerschaft -
Schwarzmarktbekämpfung: mangelhaft!

Wer nun will ins Stadion gehen,
darf für fünfzig Euro stehen.
Wer wöchentlich in Logen sitzt,
von Preisen keinen Plan besitzt!

Das Thema „Wappen“, nach Belieben,
lässt sich auf später gut verschieben.
„Viel schöner ist“, hört man ihn planen,
„das Neue auf Sponsorenfahnen!“

Im TV hat sich’s bewährt,
Castings sind niemals verkehrt.
Almklausi und Karneval,
haben sicher Potenzial

Doch was das Marketing verkennt:
Ein Großteil schämt sich dafür fremd!
Im Stadion will ich Fußball seh’n,
für Schlagerhits zum Wasen geh‘n!

Stolz, Identifikation,
Leidenschaft und Tradition?
Hohle Phrasen und Zensur,
Scheindialog, Verarsche pur!

Und die Moral von der Geschicht‘?
Die Kurve täuscht man besser nicht!
Der Pöbel lebt, die Kurve bebt,
wenn Sie stolz ihr Wort erhebt:

„VfB Stuttgart, das sind WIR!“

Text by Hoschi

Claus Zewe  / pixelio.de

Samstag, 05 Januar 2013 17:39

Projekt Fanfreundliche DFL 2013

dfl fanfreundlichZwei Dinge waren schon vor bekannt werden der Entscheidung der DFL Mitgliederversammlung zum Sicherheitspapier am 12.12. klar. Der vereinsübergreifende Protest gegen das Papier hat mächtig Druck auf die Vereine und den Verband ausgeübt. Ein Gegenwind, mit dem in der Form wohl niemand gerechnet hatte. An vorderster Front sicherlich die Kampagne 12doppelpunkt12 in der vornehmlich Ultras-Gruppen aus über 50 Vereinen sich gemeinsam organisierten. 

Am Ende wurde aus dem ersten Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ eine Version, die man durchaus als sehr weich gespült betrachten kann. Klar, gerade bei den Einlasskontrollen und der Kontingentreduzierung, muss man immer noch schlucken aber gerade was die Kontrollen angeht hat ja die Stuttgarter Polizei eindrucksvoll bewiesen, dass man dafür ein wie auch immer gelagertes Sicherheitspapier überhaupt nicht benötigt.
Jedenfalls waren die Vereine und die DFL in ihren Stellungnahmen sehr bemüht zu betonen, dass man mit den Beschlüssen eben keine Einschränkung von Fankultur vorgenommen habe und es sich im Großteil eben um Dinge handele die man im eigenen Verein eh schon praktiziere, den Status Quo eben nun in die „Statuten“ übernommen habe.

Und bei eben jenem Argument kann man hellhörig werden. Dinge die bisher in „Eigenregie“ in den Vereinen mal mehr, mal weniger zur Anwendung kommen gibt es doch nicht nur bei Sicherheit. Despektierlich als „Fanprivilegien“ bezeichnet, sind es eben diese „ungeschriebenen Gesetze“ die Dinge wie Kurvenchoreos, stimmgewaltige Fankurven, Fahnenmeer überhaupt ermöglichen und ein Stadionbesuch zu dem Erlebnis machen wie es die Fans lieben und wollen. Der designierte Geschäftsführer der DFL Andreas Rettig hat angekündigt nun den Dialog mit den Fans intensivieren – oder überhaupt erst mal beginnen zu wollen. Und die Fangruppen der Kampagne 12doppelpunkt12 erklären in ihrem Statement erst mal keine weiteren Proteste durchzuführen, sondern im Dialog mit der DFL auf Umsetzung von Punkten für ein „fanfreundliches Stadionerlebnis“ zu bestehen.

Wir wollen schauen, was wären den mögliche Dinge mit der die DFL ein klares Zeichen für Fans setzen könnte?

post daBriefe schreiben hat bekanntlich Tradition, erst recht zur Weihnachtszeit. So gesehen hat die Deutsche Post eh schon genug zu tun und wird nun auch noch im Fußball von Briefen überhäuft: den offenen Briefen. Schon ordentlich am Schwitzen nach dem "Offenen Brief an Harald Strutz“ der in Mainz fast jeden Haushalt erreicht hat, wird nun auch in Dortmund der Briefkasten kontaktiert.

Los ging‘s gestern mit der Stellungnahme der BVB Fanbeauftragen zum DFL Sicherheitspapier. Das sorgte für eine „Express-Zustellung“ vom Dortmunder Sprecher der 12doppelpunkt12 Initiative. Im offenen Brief an die Fans werden die Hintergründe für den geplanten Protest beim Pokalspiel erklärt.

Brief? Können wir auch sagt sich der Ballspielverein Borussia 09 Dortmund und schickt umgehend ebenfalls die Briefzusteller los. Bezeichnenderweise sind die Briefkästen eh Gelb-Schwarz

Wir helfen gerne bei der Zustellung. Hurra, die Post ist da!

Offener Brief an alle BVB-Fans

Liebe BVB-Fans,

Borussia Dortmund blickt auf das vielleicht erfolgreichste Jahr der 103-jährigen Klubgeschichte zurück. Gemeinsam haben wir als große  BVB-Familie das Double aus Deutscher Meisterschaft und DFB-Pokal gefeiert. Wenige Monate später haben wir die  Vorrundengruppe der Königsklasse mit dem spanischen Meister Real Madrid und dem englischen Champion Manchester City souverän als Sieger abgeschlossen. Das alles, ohne einen Euro Schulden zu  machen. Darauf können wir stolz sein!

Zwischen unsere junge Mannschaft und Euch Fans passte im Jahr 2012 kein Blatt Papier. Ganz Europa hat bewundert, welches WirGefühl in Dortmund gewachsen ist. Wie respektvoll wir alle miteinander umgehen. Wie intensiv und echt das Miteinander in unserem ganz besonderen Fußballverein ist, der immer  – und übrigens auch auf dem Weg zum DFL-Sicherheitspaket  – den Austausch mit seinen Anhängern gesucht, gefunden und aktiv dafür gesorgt hat, dass Fanbedenken nicht nur gehört, sondern berücksichtigt werden. Eure Ängste und Sorgen sowie den daraus entstandenen Protest der vergangenen Wochen haben wir akzeptiert und respektiert. Es ist uns nicht leicht gefallen, unter  diesen ungewohnten Bedingungen Fußball zu spielen. Wir wissen, dass auch für das Pokalspiel gegen Hannover Teile der Fanszene einen Protest planen. Wir wissen aber auch, dass uns viele Fans schon von Beginn an unterstützen möchten und werden. Wir bitten Euch alle, keine Gräben innerhalb der Fan-Gemeinschaft und zwischen uns und Euch entstehen zu lassen.

Morgen wird im SIGNAL IDUNA PARK vor 80.000 Zuschauern und vor Millionen Menschen an den Fernsehern der Schlussakkord dieses atemberaubenden BVB-Jahres gespielt. Einmal noch geht es um alles oder nichts. Um die schwere Partie gegen Hannover 96. Um unser Weiterkommen im DFB-Pokal. Und am Ende vor allem auch darum, den Traum von einem weiteren Abend für die Ewigkeit im Berliner Olympiastadion nach wie vor träumen zu dürfen. Es geht um Tage wie diese, damals im Mai 2012. Euch, die BVB-Fans, möchten wir deshalb bitten, uns morgen Abend wieder zu unterstützen. Lautstark. Bedingungslos. Geduldig. So, wie wir Euch kennen. Und falls nötig 120 Minuten lang.Ihr Fans habt es zweifellos verdient, dass der DFB-Pokal über den Sommer hinaus in Dortmund bleibt! Wenn Ihr wiederum glaubt, dass wir nach diesem unfassbar erfolgreichen Jahr Eure Unterstützung verdient haben, dann wünschen wir uns von Euch nur eines: Verwehrt uns diese nicht.

Unterschrieben von

Hans-Joachim Watzke (Vorsitzender Geschäftsführung)
Michael Zork (Sportdirektor)
Jürgen Klopp (Cheftrainer)
Sebastian Kehl (Kapitän)

Quelle: BVB.de

Donnerstag, 13 Dezember 2012 00:12

Wer ist der Verlierer?

Nun ist es also durch, das Sicherheitskonzept der DFL. 36 Profi-Vereine haben bei der DFL Mitgliederversammlung in Frankfurt den 16 Anträgen zugestimmt. Was die DFL als geschlossene Entscheidung feiert, wird noch einen langen Schatten auf den weiteren Verlauf der Debatte zwischen Fans und Vereinen werfen. Unabhängig von den Inhalten der Anträge geht aus Frankfurt das Signal aus: Wenn die Politik nur laut genug Schreit wird gehandelt, protestiert der Fan nimmt man es zur Kenntnis.

Fußball ist so ein einfaches Spiel. Zwei Teams treten gegen einen Lederball und am Ende gibt es ein Gewinner, ein Verlierer und wenn’s sein muss ab und an auch ein Unentschieden.

„Ich glaube, dass unterm Strich der professionelle Fußball als Gewinner hervorgegangen ist“ sagte Rauball auf der Pressekonferenz. Und er sagte, es sei „kein Beschluss gegen die Fans, sondern für die Zukunft des Fußballs.“ Es gibt also einen Gewinner, aber wer ist dann der Verlierer?  Ich hab bei dem Spiel nicht mitspielen dürfen, daher sagen sie es mir, Herr Rauball.

fankulturMan ist es ja inzwischen fast gewohnt, wenn in Zusammenhang mit Fußballspielen von „kriegsänlichen Zuständen“ gesprochen wird. Seit Sandra Maischbergers „Taliban der Fußballfans“ ist der Terrorismus auch in den deutschen Stadien medial angekommen. In der neuen Spiegel-Printausgabe wird ein Kommentar das Thema erneut anheizen. Jörg Kramer stellt dabei nicht weniger als den Wunsch nach Dialog in Frage: Er stellt den völlig sachfremden und indiskutablen Vergleich auf, dass man die "Terroristen" auch nicht nach Verbesserungsmöglichkeiten bei der Sicherheit fragen würde.

Aufhänger sind einmal mehr Ultras und deren Position zum Einsatz von Bengalos. Nun ist Pyrotechnik schon längst ein Politikum geworden, ein Thema, das wie kein anderes den Konflikt zwischen Fans und Verbänden widerspiegelt. Die Rückschlüsse, die Kramer daraus zieht, zeigen aber das eigentliche Dilemma. Solang die Debatte nicht auf eine sachliche Ebene zurückkehrt, wird es keine Beruhigung geben. Und dazu, lieber Herr Kramer, gehört nun mal auch das Gespräch miteinander. Gleiches gilt im Übrigen auch für Polizeigewerkschafter Wendt, der nicht müde wird zu betonen, wie sehr er es doch bedauere, dass Ultras nicht mit der Polizei reden. Um dann im gleichen Atemzug klarzustellen, dass es einen Dialog auf Augenhöhe nicht geben könne. Dieser Teufelskreis, die Quadratur des Kreises, wird weiter gehen, wenn sich beide Parteien weiter gegenseitig Radikalisierung vorwerfen.

Natürlich sind laut ZIS-Statistik (Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze) die Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz um 77% gestiegen. Zur Ursache freilich sagt Kramer nichts, denn (und das stellt die ZIS in ihrem Bericht ja selbst fest) nicht zuletzt die beendeten Gespräche mit den Fans haben dazu beigetragen: „Im Anschluss daran hatte der Vorsitzende des Nationalen Ausschusses Sport und Sicherheit, (… ) gebeten, dass die einsatzführenden Polizeibehörden keine Zweifel an der klaren Absage aufkommen lassen und jeglichen Versuchen, Pyrotechnik im Stadion zuzulassen, konsequent entgegenwirken. Dieser Hinweis dürfte zu einer weiteren Intensivierung der Strafverfolgungsmaßnahmen mit der Folge eines außerordentlichen Anstieges der eingeleiteten Ermittlungsverfahren geführt haben.“ Oder kurz gesagt: Wer sucht, der findet.

Diese angebliche „Geisterdiskussion“, die im Kommentar wieder angesprochen wird („Angeblich soll ein früherer Verbandsfunktionier mal einen Kompromiss zur Pyro Frage in Aussicht gestellt haben…“) war nicht dergleichen, was sich eigentlich inzwischen auch in die Redaktionsstuben des "Spiegels" herum gesprochen haben dürfte. Wer noch nicht Bescheid weiß, darf sich gern das auf dieser Seite veröffentlichte Interview mit Helmut Spahn durchlesen. „Ich denke wir waren auf einem guten Weg“ – Solche pragmatische, an der sachlichen Auseinandersetzung orientierte Einschätzungen wären in der aktuellen Debatte sehr hilfreich, anstatt die Terror-Keule auszupacken.

An den letzten drei Spieltagen haben die Fans jeweils 12 Minuten und 12 Sekunden geschwiegen. Ein Schweigen, das bei jedem, der Fußball so liebt wie wir ihn kennen und schätzen gelernt haben, grübeln auslöst. Spieler, Funktionäre, Trainer, Medien haben erkannt: Ein solches Szenario kann man nicht wollen.
Kramer behauptet zudem: „Ultras beanspruchen für sich, die einzigen echten Fans zu sein, und halten sich für unverzichtbar“. Es sind aber, und genau deswegen wird dieser Protest der Kampagne „Ohne Stimme keine Stimmung“ auch von einer breiten Masse unterstützt, nicht nur die Ultras, welche von den Sicherheitsmaßnahmen betroffen sind. UItras alleine bringen kein Stadion mit 80.000 Zuschauern zum Schweigen. In Stuttgart wurde der Protest von der Kurve „gefordert“, obwohl es keine Vorgabe von den „Stimmungskanonen“ – den einzig wahren Fans – gab. Ein FC Bayern München, und vielleicht noch ein oder zwei weitere Vereine, werden ihr Stadion auch ohne „aktive Fanszene“ füllen und für jede Stehplatzkarte drei Sitzplatz-Interessenten finden. Bei allen anderen Clubs werden die jetzt schon sichersten Stadien der Welt womöglich leer bleiben. Im Kommentar heißt es "Keiner würde sie vermissen" Die Wahrheit ist aber, ob mit oder ohne Ultras: Ohne Stimme wird man die Stimmung vermissen.

In der arabischen Welt wird der Wunsch nach Mitsprache von den westlichen Medien als streben nach Demokratie gefeiert. Wo, wenn nicht in einer Demokratie selbst, sollte es möglich sein gemeinsam an einem Tisch über Lösungen zu sprechen. In vielen Vereinen wird das vor Ort mit der Fanszene – auch mit Ultras – gemacht. Mit Erfolg. „Natürlich sind Fans keine Terroristen“ – Was soll dann bitte dieser Kommentar, Herr Kramer?

Sonntag, 02 Dezember 2012 14:33

Eine Bitte

fuerth

Liebe SpVgg Greuther Fürth,

der VfB Stuttgart war am Samstag zum ersten Mal in der Bundesliga bei euch zu Gast und damit auch mein erster Besuch bei euch im Ronhof. Und vorne weg: Es hat mir Spaß gemacht.

Nun könnte man natürlich sagen, dass es generell sehr höflich ist, wenn ihr die Gästemannschaften mit Punkten beschenkt, aber es gibt auch andere Dinge die einfach sympathisch anders sind als bei anderen Auswärtsspielen.

Das liegt vor allem an eurem Stadion – dem Rrrronhof. Man vergisst nach 10 Minuten, dass es offiziell die „Trolli-Arena“ sein soll.  Eure traditionelle Heimspielstätte hat einen gewissen Charme, auch wenn Stahlrohrtribünen und Container-VIP-Logen man nicht unbedingt mit Tradition in Verbindung bringt. Allein die Flutlichtmasten und die Haupttribüne sind Alleinstellungsmerkmal was euch von Konstrukten wie der „Britta-Arena“ in Wiesbaden oder Einheits-Neubauten in Hoffenheim, Wolfsburg & Co unterscheidet. Bis 2040 wollt ihr die Heimspiele im Sportpark Ronhof austragen. Glückwunsch dazu. Ein Stadion, das fünf Tribünen besitzt, muss einfach erhalten bleiben.  Und auch der Gästeparkplatz mit IKEA Catering ist einfach top! Aber nicht nur das Stadion selbst, sondern auch der Standort gefällt. Bökelberg-Feeling kommt auf, wenn man auf dem Weg Richtung Stadion durch das Wohngebiet schlappt. Kein Vergleich zu Wald- und Wiesen-Spielstätten wie in München oder Gladbach. Nach dem Spiel schaut man einfach gern zurück auf die lichtflutenden Masten in Mitten der Häuser.

Aber eine Bitte habe ich dann doch. So sehr „witzig“ die Folklore-Show durch euern authentisch-fränkischen Stadionsprecher sein mag, überlegt euch doch bitte ob die Vollgas-Beschallung auch im Gästeblock sein muss… Das ist einmal ok, aber solltet ihr die Klasse halten, wird’s penetrant. Und ich denke auch schon an die Vereine in der zweiten Liga im Falle eines Abstiegs. Das eine Jahr Pause war sicher nicht genug für die Regeneration.

Euer schwäbischer Besucher aus Köln
Christoph

Samstag, 24 November 2012 16:22

Pyrotechnik ist kein Vebrechen, aber...

pyro hsvAuch gestern hallte es zu Spielbeginn durch das Stadion. Düsseldorfer Fans erwiderten mit „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“ Sprechchören die Pyro-Aktion der Gäste aus Hamburg. Wenige Minuten später blieb dieser Satz dann wohl manchem im Hals stecken. Plötzlich brannten nicht nur die Fackeln sondern ein Plakat sowie die am Zaun angebrachten Zaunfahnen der HSV-Ultras.

Auch wenn es  leichte Verletzte gab, angesichts eines vollen Gästeblocks nochmal Glück gehabt. Folgenlos wird die Aktion so oder so nicht bleiben. Neben den üblichen Strafen für den Hamburger Sportverein wird die Debatte um Stadionsicherheit seit gestern durch einen neuen Fakt befeuert: Das Pyrotechnik unter den gegebenen Umständen eben nicht risikofrei eingesetzt werden kann. Was Sicherheitsbehörden, Verbände und Politik schon lange sagen, müssen auch die Anhänger der Feuerkunst eingestehen. Nun kann man sagen: Seit dem Vorfall Anfang 2010 in Bochum, wo durch den Einsatz von Pyrotechnik ein Nürnberger Fan im Gästeblock durch Pyrotechnik schwer verletzt wurde, ist bisher nichts mehr passiert. Seit gestern ziemlich schwaches Argument.

Was als Argument bleibt: Wenn ein legaler, kontrollierter Einsatz möglich wäre, kann so etwas wie in Nürnberg oder nun in Düsseldorf nicht passiert. Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre…. Vom Anliegen der Kampagne „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“ ist man wohl noch nie so weit weg gewesen wie dieser Tage.  So legitim das Bestreben der Kampagne ist, die Erfolgsaussichten gehen nicht erst seit gestern gegen null. Als Fan muss man fast froh sein, wenn der aktuelle Status in deutschen Stadien erhalten bleibt und nicht weiter beschränkt wird. Weniger Stehplätze, weiter steigende Kartenpreise und verringertes Gästekontingent wären erste Auswirkungen die alle Zuschauer zu spüren bekommen würden. Vielleicht ganz gut das die aktive Fan bzw. Ultrasszene eine neue gemeinsame Kampagne initiiert hat. 12:12 – Ohne Stimme keine Stimmung. Man möchte Druck ausüben und Einigkeit zeigen wenn es darum geht das Ansinnen von Politik und DFL zu verhindern, unter dem Deckmantel „Stadionsicherheit“ weitere Beschränkungen für die aktive Fanszene durchzusetzen. Bis zum 12. Dezember möchte man in und um die deutsche Stadien Aufklärungsarbeit leisten und in verschiedenen lokalen Aktionsformen für die eigenen Anliegen werben. „DFL Papier ablehnen“ prangte groß an der Brüstung des Oberrangs über dem Gästeblock. So gesehen war die Pyro-Aktion in Düsseldorf wohl auch als  Protestaktion gegen das DFL-Papier zu verstehen.  An diesem Wochenende startet die Aktion offiziell: Die Hamburger Szene hat dazu direkt einen negativen Beitrag beigesteuert.

Womöglich haben die Hamburger Pyro-Aktivisten bewusst versucht, ihr Anliegen mit einigen roten Fackeln zu untermauern. Vermutlich in der sicheren Annahme, das nichts schief geht. Nun muss man sich mit den Konsequenzen auseinander setzen. Das die Zaunfahne der Chosen Few mit in Rauch aufging und von den Düsseldorfern hämisch besungen wurde, darf dabei nur Nebensache sein.
Pyrotechnik ist kein Verbrechen, aber verboten. Und wer unter dieser Voraussetzung nicht für einen verantwortungsvollen Einsatz sorgen kann, der muss darauf verzichten. Diese Konsequenz sollten die beteiligten Gruppen aus Hamburg ziehen - und nicht nur in Hamburg.

Im Übrigen: Auf dem Plakat vor dem Block stand „Lasst uns ein Spiel spielen“ Das Spiel dauerte wenige Sekunden und ging verloren. Selten dämlich.

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