Frühjahr 2010. Der DSC Arminia Bielefeld begann, sich sportlich allmählich aus dem Kampf um die Spitzenplätze der Zweiten Liga zu verabschieden. Doch geriet die sportliche Flaute immer mehr in den Hintergrund, als langsam aber sicher deutlich wurde, daß der Verein in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten steckte. Im Februar 2010 gründeten Fanvertreter des Vereins, und Fanclubs die Initiative „WIR sind ARMINIA!“. Ziel der Kampagne war es, Ideen und Ansätze aus dem Umfeld des Vereins zu bündeln und so nicht nur aktive Beiträge zur Konsolidierung des Vereins zu ermöglichen, sondern auch das Gefühl von „Zusammenhalt in schweren Zeiten“ zu stärken.
Die „WIR sind ARMINIA!“-Kampagne lief bis zum Ende der Saison 2009/2010. Man schuf eine eigene Fanartikelkollektion im Design der Kampagne. Der Erlös aus dem Verkauf ging an den Verein. Falls man während der Kampagne ein Arminia-Trikot kaufte, stand der eigene Name – in kleiner Schrift – auf jedem Trikot der Mannschaft im letzten Saisonspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen, 806 Namen wurden es insgesamt. Auch die Bielefelder Kaufleute beteiligten sich. In 100 der 180 Geschäfte der Bielefelder Altstadt wurde auf Plakaten für die Kampagne geworben, 25 Geschäfte verkauften außerdem die Fanartikel der Aktion. Der Verein selbst rief eine „SMS-Spendenaktion“ ins Leben und veranstaltete eine Auktion, bei der der Meistbietende den vereinseigenen Live-Ticker beim „Derby“ gegen den SC Paderborn übernehmen durfte.
Die Arminia-Gruppe des sozialen Netzwerks XING sammelte vor Heimspielen Spenden. Vom Erlös kaufte man Eintrittskarten auf der neuen Haupttribüne und verschenkte diese an karitative Einrichtungen. So wurde Personengruppen, denen Stadionbesuche aufgrund ihrer persönlichen Situation nicht möglich waren ein Besuch auf der Alm ermöglicht. Neben der Jugendhilfe „Wohngemeinschaften e.V.“ und dem ambulanten Pflegedienst „Mofa e.V.“ wurden auch der „Neuen Schmiede“ in Bielefeld-Bethel zur Verfügung gestellt. Der Behindertentreffpunkt ist Stammlokal des Behindertenfanclubs „Arminenschmiede“, der so in „voller Mannesstärke“ zum Heimspiel gegen Karlsruhe auf die Alm gehen konnte.
Der Fanclub „Totale Offensive“ versteigerte gesammelte Fanartikel auf einer eigenen Ebay-Auktion. Mit dem Erlös kaufte der Fanclub Eintrittskarten und lud Kinder und Jugendliche der Familienbetreuung „Bielefelder Tisch e.V.“ zu einem gemeinsamen Stadionbesuch.
„WIR sind ARMINIA!“ zeigt die Bedeutung der Fans nicht nur für den DSC: Die Fans bringen sich in den Verein ein und sind bereit, nicht nur ihre Stimme im Stadion zu lassen. Sie unterstützen sich gegenseitig, indem sie auch „sozial schwächeren“ Fans zumindest für einen Nachmittag zeigen, daß auch siezur Arminia-Familie gehören. Der damalige Vizepräsident des Vereins Frank Kottmann sah ein „neues Wir-Gefühl“ entstehen. Geschäftsführer Heinz Anders gab an, das Engagement der Fans sei „nicht hoch genug zu bewerten“, oder wie es der Gesamtverein in offizieller Stellungnahme formulierte: „Soviel ist klar: Das WIR in ‚WIR sind ARMINIA‘ seid IHR!“.
Rückblickend kam die Kampagne zu früh. Sie kam zu einem Zeitpunkt, als noch nicht klar war, wie schwer die Zeiten tatsächlich werden würden. So ist es schade, daß die Kampagne nicht weitergeführt wurde. Daß eine Faninitiative bei über 20 Millionen Euro Schulden noch nicht mal ein Molekül auf den finanziell heißen Stein ist, ist klar. Eine erneute Betonung des „Wir-Gefühls“ wäre ebenso positiv wie die das Füllen der Alm durch verschenkte Eintrittskarten.
Da Capo!

