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Donnerstag, 31 Januar 2013 15:02

Kein Zwanni: Brief an die Bundesliga

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kein zwanniBrief von "Kein Zwanni für nen Steher" an die Bundesliga

Liebe Bundesliga

manchmal fragt man sich, was im Kopf einiger Verantwortlicher Deiner Mitgliedsvereine vorgeht. Du stehst sportlich so gut da wie lange nicht mehr. Alle deutschen Vereine sind noch im Europacup vertreten und Du knabberst in der "5-Jahres-Wertung" den Vorsprung der Premier League weg und - falls es Euch noch nicht aufgefallen sein sollte - Pep Guardiola wechselt zum FC Bayern München. Gratulation Bundesliga, Du stehst gut da. 

Wenn Du den Grund für Deinen Erfolg suchst, dann sei Dir ein Besuch im Ausland angeraten. Es gibt nämlich nur sehr wenige Fans, die von den tollen Fußballern in Deutschland schwärmen. Die meisten sprechen eher von der tollen Stimmung. Oder anders gesagt: Falls Du es nicht gemerkt hast: Du verdankst Deinen Erfolg auch den Fans. 

Und wie danken es einige Vereine den Fans? Mit massiven Preiserhöhungen. Dass der Hamburger Sport-Verein - nicht nur - zum Derby gegen Werder Preise aus der Hölle nimmt, ist ja bekannt. Und auch dass Borussia Mönchengladbach gerne mal einen Schluck aus der Pulle nimmt ist - leider - nichts Neues. Dafür reiht sich aber nun auch Bayer Leverkusen im Kreis der Unverschämten ein. Im Endergebnis waren weder die Gastspiele von Schalke bei Leverkusen, noch das von Werder beim HSV ausverkauft. Und beim Spiel der beiden Mannschaften vom Niederrhein blieben 3.000 Karten unverkauft. 

Eigentlich möchte man schreien, liebe Bundesliga, dass es sich - nach jahrelanger Abstinenz - 3000 Menschen nicht leisten konnten oder wollten, sich das Derby am Niederrhein anzuschauen. Aber irgendwie ist das auch ein Zeichen der Hoffnung. Ein Zeichen dafür, dass die Menschen nicht alles mitmachen. 

Aber liebe Bundesliga, müssen einige Deiner Mitgliedsvereine wirklich mit dem Arsch einreißen, was wir gemeinsam aufgebaut haben? Müssen wir wirklich beweisen, dass man eine Liga die Erfolg hat auch wieder ruinieren kann? Muss man wirklich den Volkssport mit Füßen treten? 

Lass uns drüber reden.

Quelle: http://kein-zwanni.de/

polizeiDer FC Augsburg hat heute auf seiner Webseite einen offenen Brief an den bayerischen Innenminister Joachim Hermann veröffentlicht, in der man die Geschehnisse rund um das Gastspiel in Fürth zur Sprache bringt. Walther Seinsch, Vorstandsvorsitzender des FC Augsburg, nimmt dabei nicht nur Bezug auf den Bericht des Fanbeauftragten, sondern lässt aus eigener Erfahrung kein gutes Haar an den USK-Einsätzen bei Fußballspielen. 

"Wenn ich unsere bisherigen Erfahrungen mit dem USK rekapituliere, dann komme ich zu der Erkenntnis, dass die Fußball-Fans und auch normale Zuschauer als Ausbildungsobjekte (Stichwort Terrorbekämpfung) für das USK herhalten müssen und dass die Konfrontationen provoziert werden, um einen Ausbildungseffekt zu erzielen" so Seinsch in seinem Brief.

Im Bericht des FCA Fanbeauftragten ist von massiver, unverhältnismäßiger Gewalt und Beleidigungen von Seiten des USK der Bereitschaftspolizei Nürnberg gegenüber Augsburger Anhänger beim Spiel in Fürth am 15.12.2012 die Rede. So erlitt durch den Einsatz unter anderem ein Fan ein Fingerbruch, auch der FCA-Sicherheitsbeauftragte soll durch körperliche Gewalt an seiner Arbeit gehindert worden sein. Erschreckend an dem Bericht ist vor allem die Tatsache, das offensichtlich nicht einmal der Einsatzleiter der Polizei Fürth, Roalnd Gradl, Einfluss auf die Einsatztaktik des USK aus Nürnberg hatte. Gradl selbst entschuldigte sich bei einem Treffen mit Fan- und Sicherheitsvertretern aus Fürth und Augsburg vergangene Woche für die übertriebene Einsatztaktik. Offensichtlich wurde im Anschluss an dieses Gespräch das Thema auch gegenüber der Einsatzleitung des USK angesprochen.


Stellungnahme zu den Vorfällen SpVgg Greuther Fürth gegen FC Augsburg

Am Samstag, 15.12.12 reisten ca. 1800 Fans des FC Augsburg zum Auswärtsspiel ihres Teams nach Fürth. Die meisten Anhänger trafen per Zug oder mit Fanbussen in der Stadt ein. Insgesamt eine ruhige, friedliche und auch mit der Polizei unproblematische Anreise auf allen Ebenen. 

Zu betonen ist dabei, dass die aktive Szene des FCA bereits morgens nach Fürth fuhr, um dort in einer Innenstadt-Kneipe etwas zu trinken. Dies wurde vom USK der Bereitschaftspolizei Nürnberg unterbunden und die Fans wurden zum Stadion begleitet. Dort warteten sie mehrere Stunden an ihren Bussen auf den Einlass. Dies geschah friedlich und ohne Probleme.

Auch während des Spiels gab es keine nennenswerten Vorfälle, die das spätere Handeln des USK rechtfertigte. 

Ca. 17.30 Uhr, also kurz nach Spielende, kam es zum ersten Einsatz des USK. Ca. 300 Personen bewegten sich 200 Meter Richtung Parkplatz der Shuttlebusse, die alle Zugfahrer zum Hauptbahnhof bringen sollten. Dabei überquerten sie eine Seitenstraße. Von dort wurden die Augsburger Fans von Fürther Anhänger angegriffen. Das USK, das hier absichern sollte, war nicht bzw. zu spät vor Ort um dies zu verhindern. Erst nach dem Angriff der Fürther Fans, griff das USK ein und zwar in dem Sinne, dass jetzt die Augsburger Fans mit Schlagstockeinsatz zusammengetrieben wurden. Unbeteiligte wurden getroffen, Personen wurden
beleidigt.

Hier stellt sich ganz klar die Frage, warum nach einem Angriff der Fürther Anhänger Augsburger die Opfer von einem massiven Einsatz des USK wurden?! Auch deeskalierendes Einwirken von Mitarbeitern des Fanprojekts und auch der Augsburger Fanbetreuung wurde bewusst unterbunden. Im Gegenteil, dies wurde mit harschen Worten und zum Teil mit Schlägen gegen den Körper beantwortet. Begründet wurde das Einsetzen von Schlagstöcken mit einer sogenannten „Einsatztaktik“, um die Personen gesammelt zu den Shuttlebussen zu treiben.

Gewalt von Augsburger Fans gegenüber der Polizei ging keine Sekunde aus.

Ca. 18.30 Uhr, nach der Abreise der zugreisenden Fans, eskalierte ein weiterer Einsatz des USK am Gästeparkplatz. Zwei Busse der aktiven Szene warteten auf einen Fan, der nach einem Sturz noch im Krankenhaus geröntgt wurde.

In dieser Phase warteten wiederum rund 100 Fürther Fans in der Nähe, um Augsburger Fans abzufangen. Dies alarmierte das USK. Aber mit folgendem und nicht nachvollziehbarem Ergebnis: Obwohl zu diesem Zeitpunkt der Gästeparkplatz leer war, die Fans ruhig an den Fahrzeugen standen, kesselten die Beamten des USK die Busse ein, drängten die Fans in die Busse, ebenfalls mit Schlagstöcken in den Händen. Dies geschah mit massiven Beleidigungen gegenüber den Personen, auch Frauen wurden bewusst beleidigt und intensivem Körpereinsatz ausgesetzt. Ein Fan des FC Augsburg erlitt einen Fingerbruch, nachdem ihn ein USK-Beamter geschlagen hatte. Hier wurde Anzeige erstattet.

Der FCA-Sicherheitsbeauftragte Edgar Schweininger, der deeskalierend mit den Fans und den Beamten sprechen wollte, wurde ebenfalls mit körperlicher Gewalt an seiner Arbeit gehindert. Zeugen der Vorfälle waren sowohl der Fanbeauftragte und Sicherheitsbeauftragte aus Fürth, als auch der Fürther Polizei-Einsatzleiter, der, was zu betonen ist, hier keine Einflussnahme-Möglichkeit auf das USK und dessen eigenen Einsatzleiter hatte. 

Insgesamt ist von massiver körperlicher Gewalt gegen Augsburger Fans und Offiziellen die Rede. Von Seiten der Augsburger ging keine Gewalt aus, so dass hier ein absolut unverhältnismäßiges Eingreifen des USK der Bereitschaftspolizei Nürnberg vor sich ging.

Der FC Augsburg hat mit Bestürzung diese Vorfälle wahrgenommen. Gleichzeitig war allen Beteiligten klar, dass diese nicht ohne weiteres hingenommen werden können. Daher wurde umgehend das Gespräch mit der Polizei gesucht. 

Positiv ist zu vermerken, dass Herr Roland Gradl, Einsatzleiter der Polizei Fürth, sofort ein Gespräch anbot. Zusammen mit dem Fan- und Sicherheitsbeauftragten aus Fürth trafen sich die Fanbetreuung und der Sicherheitsbeauftragte des FCA in Fürth, um die Vorfälle aufzuarbeiten. 

Am Gesprächstermin, der am 16.1.13 in der Trolli-Arena stattfand, entschuldigte sich Polizeioberrat Gradl für die übertriebene Einsatztaktik des USK und vor allem für die Beleidigungen gegenüber den Augsburger Fans. Gleichzeitig versprach er, dies mit der Einsatzleitung des USK klar anzusprechen und die Dinge aufzuarbeiten.

Alle Beteiligten des Gesprächs waren beeindruckt von der Reaktion Herr Gradls und seinem Bemühen, die Vorfälle nicht zu vertuschen, sondern offen zu klären. Dies soll positiv erwähnt werden.

Kurze Zeit später erhielten wir die Meldung aus Fürth, dass Polizeioberrat Gradl das Gespräch mit der Einsatzleitung des USK tatsächlich suchte und dort diese Vorfälle deutlich thematisierte. Offensichtlich gab es auch Fehlereingeständnisse von Seiten des USK. Der Hundertschaftsführer des USK wird hier mit seinen Mitarbeitern ein klärendes Gespräch führen.

Der FC Augsburg hat sich trotzdem entschieden, diese Stellungnahme öffentlich zu machen, um einige Dinge deutlich zu machen:

    1. Es lag an diesem Spieltag eine objektive Unverhältnismäßigkeit des USKEinsatzes gegenüber Augsburger Anhängern vor, die weder gewaltbereit noch gewaltsuchend waren
    2. Es wurden Personen grundlos geschlagen, verletzt und beleidigt
    3. Deeskalierendes Einwirken von Fanbetreuern und Sicherheitsbeauftragten wurde verhindert
    4. In Zeiten, in denen von Fangewalt inflationär gesprochen wird, muss es auch erlaubt sein, Fehlverhalten von Seiten der Polizei aufzuzeigen
    5. Ebenfalls ist aber hervorzuheben, dass die Fürther Polizei diese Fälle nicht vertuschen will, sondern sehr offen aufzuarbeiten versucht. Dies ist nicht der Normalfall
    6. Der FCA bedankt sich für das offene Gespräch mit der Polizei und deren Einsatz, die Vorfälle mit dem USK zu klären.
    7. Gleichzeitig hoffen der FC Augsburg und seine Anhänger, dass sich ein derartiges Verhalten eines USK nicht mehr wiederholt. Die Polizei ist für die Sicherheit zuständig, diese darf sie aber nicht selbst gefährden und zur Eskalation beitragen.

Den gesamten Brief inklusive Anschreiben an Innenminister Hermann gibt es auf der FCA Homepage

Wirft man einen Blick in die Chroniken vieler Bundesliga-Vereine, finden sich dort zwar viele Informationen zu sportlichen (Miss-)Erfolgen und schillernden Fußballstars vergangener Tage, jedoch kaum Aussagen über das Wirken des jeweiligen Vereins zwischen 1933 und 1945. Die Vereinschronik des TSV 1860 München aus dem Jahre 1997 sagt über den Nationalsozialismus nur, dass dem Spieler Pledl wegen einer Behinderung – er hatte nur einen Arm – eine Karriere als Nationalspieler versagt blieb, wird der Chronik Glauben geschenkt, ist sonst aber scheinbar nicht viel passiert, außer das der Verein um einen Meistertitel betrogen und das Stadion durch den Krieg zerstört wurde.

Geschichte und Millieu der Vereine vor 1933 – Der TSV 1860 München

Entgegen der nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzenden Stilisierung zum angeblichen Arbeiterverein Münchens, war der Turnverein München von 1860 seit seiner Gründung und auch zum Zeitpunkt der Herausbildung seiner Fußballabteilung im Jahr 1899 ein bürgerlicher, zum Teil sogar aristokratisch geprägter Verein. 1908 bestand die Führungsriege des Vereins vornehmlich aus Angehörigen bürgerlicher Berufe und Schichten, wie Kaufleuten, Handwerksmeistern und Fabrikanten. Ein Alleinstellungsmerkmal des Vereins im bayrischen Raum ist die Unterstützung und Protektion durch den damaligen Prinzen Rupprecht von Bayern, der ab 1905 für ein gutes Verhältnis zwischen Vereinsführung und Königshaus, bzw. der Regierung sorgte. Ein weiterer Aspekt, der für die Beurteilung des Vereinsumfelds zu beachten ist, ist die Einbindung auch der Fußballriege des Vereins in die Deutsche Turnerschaft. Diese Einbindung hatte zwei Konsequenzen: Auf der einen Seite bot der Verein – der ja mehr als nur ein Klub zur Leibesertüchtigung, nämlich auch ein Raum zum Knüpfen sozialer Kontakte und beruflicher Chancen war – seinen Mitgliedern viele Aufstiegsmöglichkeiten, auf der anderen Seite bedingte dies eine gewisse Integration in das nationalistischkonservative Milieu der Turnvereine. Wenn auch nicht mit der nationalsozialistischen Ideologie gleichzusetzen, war diese Grundstimmung im Verein ein Nährboden, auf dem völkische und nationalistische Anschauungen gedeihen und sich radikalisieren konnten. Derartige Anschauungen gab es zwar auch in anderen Vereinen, die Turnerschaft war jedoch in erheblichem Maße ideologischer orientiert als die Fußballvereine. Dem Fußballbetrieb stand sie als „Fußlümmelei“ anfangs sogar ausgesprochen feindlich gegenüber.

Die Radikalisierung trat ein, als München nach der Niederschlagung der Räterepublik 1919 zu einer „Ordnungszelle des Reichs“ wurde. Der TSV 1860 München stellte zuerst den Freikorpsverbänden und später der SA entgegen den Bestimmungen des Versailler Vertrags sein Vereinsgelände für Wehrsportübungen zur Verfügung und war zum Teil auch personell mit diesen Organisationen verflochten. Juden, die beim FC Bayern auch Posten in der Führungsriege des Vereins einnahmen, machten bei den Löwen keine vergleichbare Karriere. Im Gegenteil waren es nicht wenige Teilnehmer am Hitler-Ludendorff-Putsch von 1923 – so genannte „Blutzeugen“ - die immer mehr in Führungspositionen bei den Löwen drängten und den Verein von 1934 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs führen sollten. Schon vor der eigentlichen Machtübernahme der NSDAP gab es im Verein und dem Umfeld von 1860 München also eine nationalsozialistische Fraktion, die über erheblichen Einfluss im Verein verfügte.

Die Konzentration an „Blutzeugen“ im Vereinsumfeld führte dazu, dass sich der Verein dem NS-Regime schon früh in Wort und Tat in Dienst stellte.

Geschichte und Milieu der Vereine vor 1933 – Hertha BSC Berlin

Die Hertha, in den zwanziger und dreißiger Jahren der dominierende Fußballverein der Hauptstadt, entstammt ursprünglich dem „Roten Wedding“, einem ehemaligen Arbeiterbezirk, der auch heute noch als sozialer Brennpunkt gilt und durch die Weltwirschaftskrise Ende der zwanziger Jahre besonders hart getroffen wurde. Im Wedding kämpften SPD, KPD und die NSDAP um die Vorherrschaft, vor allem für Kommunisten war der Wedding bis ins Jahr 1933 eine Hochburg. Im Gegensatz zu anderen Städten im Reich wurde den Nazis in Berlin und besonders im Wedding regelmäßig gewaltsam Widerstand geleistet: So kam es über Jahre hinweg wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen SA- und KPD-Verbänden.

War der Wedding selbst ein Arbeiterbezirk, so entstammte die Vereinsführung der Hertha – wie auch die des TSV 1860 München – dem bürgerlichen Milieu. Seit 1908 wurde der Verein von dem Sozialdemokraten Wilhelm Wernicke geführt, der sich die Vereinsleitung ab 1918 mit Emil Schlag und Wilhelm Bliesenick teilte. Vor 1933 gab es kaum Nazis im Verein, im Gegenteil wurde der Sozialdemokrat Wernicke nach 1933 zwar offiziell seiner Ämter enthoben, dies diente jedoch seinem persönlichen Schitz. Im Hintergrund blieb er eine Identifikationsfigur des Vereins, die sich nach Kriegsende um den Wiederaufbau des Klubs bemühte. Obwohl sich zum Zeitpunkt der Machtübernahme keine etablierten Nazis in der Führungsriege befanden, gab es dennoch einen Personenkreis, der den Regierungswechsel als Aufbruch und Chance wahrnahm. Dazu gehörten u.a. der stellvertretende Vorsitzende und der Kassenwart des Vereins. Die Hertha-Führung veröffentlichte kurz nach der Machtübernahme eine DFB-Erklärung, die sie an befreundete Vereine im Ausland sendete und in der es hieß, die Lage in Deutschland sei ruhiger als je zuvor und Berichte über Verfolgungen politischer Gegner seien unwahr. Die Voraussetzungen für die Integration in das NS-System waren also auch bei der Hertha gegeben, aber andere als beim TSV 1860 München.

Die Integration in das NS-Regime – Finanzprobleme als Ursache der

Regimebindung?

Die Behauptung, die Vereine hätten sich aus Gesinnungsgründen kurz nach der NSMachtübernahme einfach in den Dienst des neuen Regimes gestellt, ohne das es punktuell zu Reibungen gekommen wäre, ist eine verkürzte und grob schematische Darstellung der Ereignisse und Motive. Sowohl bei 1860 München, als auch bei der Hertha gab es konkrete Anlasse für die Anbiederung an das Regime. Das Umfeld der Löwen war schon vor 1933 massiv von Nazis durchsetzt, diese warteten nur auf eine Chance, die Vereinsführung zu übernehmen. Die Führung der Hertha stand vor dem Problem, dass ihnen durch das neue Regime eine immense Gefahr drohte, da mit Wilhelm Wernicke ein bekannter Sozialdemokrat und Gewerkschafter an der Spitze des Vereins stand und nicht ausgeschlossen werden konnte, dass die neue Regierung dem eine andere Führung aufzwingen würde.

Hinzu kommt, dass in beiden Fällen Finanzprobleme der Klubs als Motiv für die Integration in das System beachtet werden müssen. Im Fall der Löwen führten der Stadionbau an der Grünwalder Straße Mitte der zwanziger Jahre, sowie die Folgen der Wirtschaftskrise ab 1929 dazu, dass die Existenz des Münchener Klubs mehrfach gefährdet war und der Verein seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte. Gerettet wurde der Verein in den dreißiger Jahren durch die traditionell eng mit dem Verein verbundene Stadtspitze, die diesem Steuerfreiheiten gewährte, Kredite zu günstigen Konditionen verschaffte und das Vereinsgelände schließlich sogar kaufte, um es Jahre später für einen Bruchteil des Kaufpreises wieder an die Löwen zu verkaufen.

Auch bei der dem verarmten Wedding entstammenden Hertha gab es seit den zwanziger Jahren ähnliche Finanzprobleme. Reagiert wurde auch hier mit eine engen Bindung an das Regime, die sich u.a. in der Personalpolitik des Vereins und dem Bau eines Kriegerdenkmals für Gefallene des Ersten Weltkriegs niederschlug. Stärker als noch zu Beginn der dreißiger Jahre schwenkte der Verein ab etwa 1936 auf das Regime ein und suchte die Nähe von NS-Amtsträgern. Dies war vorher allerdings nur bedingt der Fall.

Der Umgang mit NS-Reformen – Führerprinzip, Dietwarte und die Ausgliederung des Jugendsports in die Hitlerjugend

Kurz nach der Machtübernahme begann die NS-Regierung mit der Reorganisation wichtiger gesellschaftlicher Bereiche nach dem „Führerprinzip“. Demokratische Strukturen in Betrieben und Vereinen wurden eingeebnet, um der Volksgemeinschaftsideologie entsprechend Betriebs-, bzw. Vereinsführer an die Spitze dieser Organisationen zu stellen.

Die Vereinsführer waren dem Reichssportführer von Tschammer und Osten unterstellt und konnten von diesem jederzeit abgesetzt werden. Bis auf die Wahl dieser Führer wurden die Kompetenzen von Mitgliederversammlungen und Hauptversammlungen massiv eingeschränkt, es kam zu einer Machtkonzentration in den Vorstandsetagen und bei den Vereinsführern. Wie lief diese Restrukturierung bei der Hertha und 1860 ab? Bei der Hertha wurde das Führerprinzip am 27. Juni 1933 auf einer Generalversammlung beschlossen, ohne das um diese Zäsur viel Aufsehen  gemacht wurde. Die Amtszeit des Vereinsführers wurde auf ein Jahr – bei einer späteren Versammlung wurde sie auf zwei Jahre verlängert – bemessen, um Vereinsführer wurde der langjährige Stellvertreter Wernickes, Hans W. Pfeiffer, gewählt. Pfeiffer war seit Januar 1933 NSDAP-Mitglied, jedoch nicht unbedingt linientreu und arbeitete weiterhin mit dem Sozialdemokraten Wernicke zusammen. Es ist zu vermuten, dass Pfeiffer vor allem deshalb gewählt wurde, um die relativ unabhängige Fortexistenz des Vereins garantieren zu können. Man übertrug das Amt des Vereinsführers einem vom Regime akzeptierten Parteimitglied und passte sich an, ohne zugleich jeden Freiraum zu verlieren und sich vollständig der NS-Kontrolle zu unterwerfen – Ziel war die Verhinderung einer völligen Gleichschaltung oder gar Übernahme durch Vereinsexterne. Pfeiffer führte den Verein jedoch nicht in Eigenregie, sondern ließ Wernicke und andere Vertraute, die sich um den Verein bemühten, weiter an Entscheidungen teilhaben.

Bei 1860 München wurde das Führerprinzip einige Monate später, am 26. September 1933 auf einer außerordentlichen Hauptversammlung eingeführt. Einstimmig wurde Wilhelm Hacker zum Vereinsführer gewählt, der dieses Amt nur ein Jahr später an den Sturmbannführer und „Blutsordenträger“ Fritz Ebenböck abtrat. Trotz aller Durchsetzung des Vereinsumfelds mit Nazi-Ideologie und überzeugten Parteimitgliedern in der Vereinsführung versuchten diese, dem Verein eine gewisse Selbstständigkeit zu bewahren. Auf einer Hauptversammlung 1935 beschloss man, den Vereinsführer nicht wie angeordnet auf unbegrenzte Zeit, sondern einmal jährlich zu wählen. Nichtsdetrotrotz war der Verein mit der Wahl Ebenböcks fest in der Hand der „Blutsordenträger“ und sollte dies bis Kriegsende auch bleiben. Ebenböck schaffte es, alte Kämpfer und SA-Mitglieder in Vereinspositionen zu bringen und das Verhältnis des Vereins zum Regime noch enger zu gestalten.

Um den Sportbetrieb nicht nur organisatorisch nach faschistischem Muster zu strukturieren, sondern dazu auch die NS-Ideologie stärker in die Vereine zu tragen, wurde 1934 auf Anordnung des Reichssportführers von Tschammer und Osten das „Dietwesen“ in den Vereinen eingeführt. Ziel war die Schaffung eines Amts zur „Pflege der deutschen Volkstumswerte und die Verbreitung der Rassenlehre“. Zu seinen Aufgaben gehörte u.a. die Ausrichtung von Dietabenden, an denen jedes Vereinsmitglied verpflichtend teilnehmen sollte, um so in Berührung mit der NS-Ideologie zu kommen. Die Arbeit der Dietwarte war nicht von Erfolg gekrönt, viele Vereine zögerten die Einführung des Amts über Jahre hinaus und ließen nur selten Dietabende stattfinden.

Auch bei der Hertha und den Löwen waren die Dietwarte Karl Neumann, bzw. Erwin Puchala nicht erfolgreich. Selbst bei den dem Regime eng verbundenen Löwen wurde die Einführung des Dietwarts – trotz aller Linientreue – als Zwang betrachtet. Um die Teilnahme an den Dietabenden dennoch zu garantieren, wurden die ideologisch aufgeladenen Schulungen ab 1936 mit Kneipenabenden zusammengelegt. Bei der Hertha entschied man sich für Neumann als Dietwart, da dieser ein für das Vereinsumfeld relativ überzeugter Nationalsozialist war und man so eine gute Verbindung zum Regime zu halten hoffte. Auch sein Wirken war nicht erfolgreich, es fanden kaum Dietabende statt und wenn doch, wurden sie von einigen Spielern boykottiert. Neumann fand sich damit früh ab.

Nach 1936 und der Olympiade änderten die Nazis ihre Sportpolitik und gliederten den Jugendsport aus den Vereinen aus, bzw. in die Hitlerjugend ein. Damit war den Vereinen ihre wichtigste Nachwuchsquelle entrissen, was sie – zusammen mit der wieder eingeführten allgemeinen Wehrpflicht – vor große Probleme stellte, die Klubs zukunftsorientiert zu führen. Auch finanziell war diese Reform ein Problem, fehlten durch sie doch Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen. Diese und andere Zwangsmaßnahmen stießen in beiden Vereinen zum Teil auf Ablehnung, ihnen konnte letztlich aber nichts entgegengesetzt werden. Es gibt jedoch auch Beispiele von Vereinsrepräsentanten, die auf verschiedenen Ebenen gegen das Regime und seine Politik arbeiteten, ohne dieses zwangsläufig völlig abzulehnen.

Unangepasstheit und Widersetzung

In beiden Vereinen gab s außer dem Unmut gegen einzelne Reformen und Schritte der Regierung weitere Fälle, anhand derer nachgewiesen werden kann, dass sich beide Vereine zwar unterschiedlich stark in das System integrierten, dies jedoch nicht ohne Reibungen ablief. Die Hertha-Ikone Hanne Sobek, der sich durchaus vom Regimeinstrumentalisieren ließ, hielt trotz der antisemitischen Politik Kontakte zu Juden und „unliebsamen Personen“ wie dem Dichter Joachim Ringelnatz aufrecht. Wernicke, bis 1933 Vorsitzender der Hertha, unterstütze u.a. die Organisation illegaler Treffen von Sozialdemokraten und half Verfolgten bei der Flucht. Auch sein Nachfolger als Vereinsführer Hans Pfeiffer nahm es trotz Parteimitgliedschaft mit dem Antisemitismus nicht so genau und ließ sich weiter von einem jüdischen Arzt behandeln. Allgemein war der Antisemitismus bei der Hertha nicht wirklich ausgeprägt. Der niederländische Zwangsarbeiter und Hertha-Spieler Bram Appel erklärte folgerichtig, er habe nicht bei einem Nazi-Verein gespielt.

Bei den Löwen waren derartige Fälle weniger verbreitet, allerdings war auch der Münchener Verein mehr als nur eine ideologisch aufgeladene Sportgemeinschaft. Auch bei 1860 wurden einzelne Befehle nicht befolgt und die Dietarbeit im Verein weitgehend boykottiert. Im Fall des Turnwarts und späteren Olympiatrainers des Vereins, Heinrich Eichinger, kann festgestellt werden, dass sich dieser für Verfolgte einsetzte und die Rückkehr eines von der Gestapo verhafteten Kommunisten an seinen Arbeitsplatz erreichte, eventuell sogar einer harten Verurteilung bis hin zu KZ-Haft entgegenwirkte.

Fußball fast bis zur Kapitulation – die Vereine im Krieg: Kontakt zu Spielern im Feld und der Anschein von Normalität

Wie während des Ersten Weltkriegs auch, hielt der TSV 1860 München die Verbindung zu seinen Spielern an der Front aufrecht und blieb mittels der Vereinsnachrichten „Mitteilungen für unsere Kameraden an der Front“ mit ihnen in Kontakt. In diesen Nachrichten wurden sowohl Grüße an die Spieler übersandt, als auch die Namen der im Krieg gefallenen Vereinsmitglieder aufgelistet. Die Beitragszahlungen für Soldaten wurden ausgesetzt.

Auch bei der Hertha wurde sowohl auf Drängen Wernickes, als auch den Willend es Regimes hin ein intensiver Feldpost-Briefwechsel mit Mitgliedern an der Front organisiert. So weit es ging, versuchte man den Standort und den Zustand jedes Mitglieds zu erfassen und in regelmäßigem Kontakt zu bleiben. Außerdem wurden die Soldaten vom Verein mit Mangelwaren aus der Heimat versorgt, die ihnen zugeschickt wurden. Der Verein sah es als seine vornehmste Aufgabe an, seinen Soldaten „die Abwesenheit von der Heimat, den Angehörigen, dem Verein und dem Sport zu erleichtern.“ (Hertha-Nachrichten) Anhand dieses Ausschnitts wird deutlich, dass sie weiterhin als Mitglieder der Vereinsfamilie betrachtet wurden. Zudem sollte der regelmäßige Postverkehr zwischen Verein und Soldaten sowohl an der „Heimatfront“ als auch im Feld den Anschein von Normalität in einer von Krieg geprägten Gesellschaft erwecken und aufrechterhalten.

Spielbetrieb bis Kriegsende und versuchter Neuanfang

In dem Umstand, dass der Fußball als Zuschauersport einen riesigen Unterhaltungswert innehatte und zudem eine Ablenkung vom Kriegsalltag bot, ist der Grund dafür zu sehen, dass in Deutschland bis in die letzten Kriegstage hinein Fußball gespielt wurde. Zwar unterlagen die Vereine schon früh kriegsbedingten Einschränkungen – der Ligabetrieb wurde nach Einmarsch alliierter Truppen eingestellt – allerdings spielten die Vereine in anderen, kleinen Wettbewerben oder Freundschaftsspielen weiter Fußball. In München wurde der Spielbetrieb fast unmittelbar vor dem Einmarsch amerikanischer Soldaten am 30. April 1945 abgebrochen, in Berlin spielten Menschen bis zur Belagerung durch die Rote Armee Fußball, während der offizielle Spielbetrieb im Februar 1945 ausgesetzt wurde.

Mit der Nazi-Herrschaft endete auch der professionelle Fußballbetrieb in Deutschland. Sowohl die Hertha, als auch der TSV 1860 München hatten nach dem Krieg Probleme bei der Neugründung. Bei den Löwen verhinderte die enge persönliche Verstrickung in das System und die Verbrechen des Nationalsozialismus eine baldige Neugründung, in der Sowjetischen Besatzungszone standen die neuen Herrscher dem bürgerlichen Vereinsfußball ablehnend gegenüber und versuchten ein Wiederaufleben der Hertha zu verhindern.

Gute Hertha – böse Löwen?

Inwieweit kann also von einer Integration der Löwen und der Hertha in das NS-System gesprochen werden? Den Löwen kommt unter den Vereinen zur Zeit des Nationalsozialismus sicher eine Sonderrolle zu, die zum einen mit dem besonderen Status im Kaiserreich, zum anderen mit dem hohen Anteil an NS-Funktionären zu erklären ist. Die sogenannten „Blutzeugen“ hatten es leicht, den Verein auf dem Höhepunkt seiner Finanzprobleme zu übernehmen und bis zum Kriegsende zu  führen. Trotz dieser Sonderstellung gab es auch in den Reihen des Vereins Fälle von Unangepasstheit und Befehlsmissachtung, wie u.a. das Beispiel der Dietarbeit zeigt. Nach dem Krieg wollte bei den Löwen allerdings niemand über die Jahre von 1933 bis 1945 sprechen.

Die Hertha war weit weniger in das System verstrickt. Zwar wurde 1933 die Vereinsführung ausgetauscht, dies diente aber vor allem dem Erhalt des Vereins nach möglichst altem Muster. Dies gelang ihnen zum Preis der Anbiederung an das Regime. Es erscheint nur auf den ersten Blick als Paradoxon, dass eine enge Regimebindung einen relativ großen Spielraum ermöglichte.

Im Herbst 2012 erschien im Werkstatt-Verlag eine neue Vereinsgeschichte der Löwen, die auch die NS-Vergangenheit des Vereins thematisiert. Es bleibt zu hoffen, dass weitere Vereine dem Vorbild vieler andere folgen und ihre Verstrickung in das Regime aufarbeiten.

Die Winterpause, dass alte lästige Wimmerl. Millionen Fußballfans in Deutschland schauen um diese Jahreszeit neidisch nach Spanien, England oder Italien, wo der Ball nicht nur in den Ligen sondern auch in den diversen Pokalwettbewerben rollt. Auch in Frankreich rollte der Ball und immer am ersten Wochenende nach Neujahr findet das 32stelfinal des Coupe de France statt. Und ein Besuch dieser neunten Runde des französischen Pokals ist bei ein paar Freunden und mir liebgewonnene Tradition geworden. Der „Coupe de fkcdfticketFrance“ ist ein bisschen anders organisiert als der DFB-Pokal. Während sich die unterklassigen Mannschaften bei uns in der Vorsaison über die Verbandspokale qualifizieren müssen, geschieht dies beim CdF innerhalb der ersten acht Pokalrunden, in denen der Pokal auch noch nach regionalen Maßstäben ausgespielt wird. Die großen Clubs greifen erst spät in den Wettbewerb ein, die Drittligisten erst ab Runde 5 und die Zweitligisten erst ab Runde 7. Der Hauptwettbewerb beginnt dann mit dem Einstieg der Erstligisten im 32stelfinale (Runde 9), welches den gleichen Umfang hat wie die erste Hauptrunde im DFB-Pokal. Ein interessanter Aspekt des französischen Pokals ist, dass ab der 7. Runde auch die Pokalsieger der französischen Überseegebiete mitspielen. So spielte z.B. der Drittligist FC Mulhouse aus dem Elsass beim AS Lössi aus Neukaledonien in Neukaledonien. Wer nicht weiß wo das ist, Neukaledonien liegt ca. 1300 km vor der Nordostküste Australiens und feierte das neue Jahr bereits während wir beim Mittagessen sind. Dieses Jahr war Nordfrankreich das Ziel unserer Reise, genauer die Region Nord-Pas-de-Calais. Insgesamt standen drei Spiele auf unserem Programm, bei der Mannschaften aus der Ligue 1, Ligue 2 und CFA 2 (fünfte Liga) beteiligt waren.
Hier ein paar Berichte:

Match 1: 05.01.2013; 20:45 LOSC Lille (L1) - Nîmes Olympique (L2) 3:2, Grand Stade Lille Métropole, 10.800 Zuschauer

Der LOSC Lille, vielen vor allem als CL-League Gegner des FC Bayern bekannt. Er gehört zudem zu den erfolgreichsten Vereinen nach der Dekade Oly. Lyon und holte 2011 das Double in unserem Nachbarland. Seit August 2012 haben die Doggen auch einen neue Heimat, nämlich das 50.000 Personen fassende Grand Stade Lille Métropole, welches lillefankulturseit dem im Schnitt 40.000 Fans besuchen. Es ist eine typisch moderne Arena, welches stark an die Allianz –Arena erinnert. Von außen eine relativ ähnliche Form, zudem leuchte Sie in den Vereinsfarben. Innen hat es drei Ränge sowie ein schließbares Dach. Ein spezielles Feature ist das man die eine Spielfeldhälfte über die andere heben kann um eine halbe kleine Arena zu schaffen. Von innen ist das Stadion relativ Farblos, alles ist in Weiß gehalten, es wirkt alles andere als einladend. Natürlich ist dieser Bau auch Spielort der EM 2016. Zur Coupe de France-Premiere im Stade gegen den Zweitligisten Nimes kamen trotz relative günstiger Preise (Kurvensitzplatz 6 €) nur 10.800 Zuschauer, darunter befand sich eine gute Busladung Gästefans welche die knapp 950 km aus Südfrankreich auf sich nahmen. Die die da waren bekamen aber ein gutes Spiel zu sehen. Der Gastgeber dominierte das Spiel über weite Strecken klar und führte nach 52. Minuten verdient mit 3:0. Dann jedoch begann Lille sich auf dem Vorsprung auszuruhen, was die Gäste ausnutzen. So stand es nach 70. Minuten plötzlich nur noch 3:2 und wir bekamen eine richtig spannende Schlussphase zu sehen, in dem wir den Gästen die Sensation durchaus gegönnt hätten. Aber es blieb beim insgesamt verdienten Sieg des LOSC. Fantechnisch haben mich die Nordfranzosen etwas enttäuscht. Wenig Stimmung, selten sang der gesamte Supporter-Bereich mit, geschweige denn die ganze Hintertorgerade. Nur ein paar Wechselgesänge mit der gegenüberliegenden Kurve waren ganz ordentlich. Auch optisch war die Kurve sehr langweilig, ich konnte keine optischen Stilmittel wahrnehmen. Aber fairerweise muss man dazu sagen, dass so ein Pokalspiel gegen einen Zweitligisten auch nicht der beste Gradmesser ist um die Stimmung bei einem Verein wie Lille allgemein zu beurteilen, bei einem Ligaspiel schaut es ggf. viel besser aus.

Match 2: 06.01.2013; 14:15 RC Lens (L2) - Stade Rennais (L1) 2:1 Stade Bollaert-Delelis, 14.583 Zuschauer

Der „Racing Club de Lens“, der ärgste Rivale des LOSC Lille spielt zwar sportlich eine Liga unter Lille aber was das Stadion angeht spielt Lens einige Ligen über dem LOSC. Das Stade Stade Bollaert-Delelis ist wohl eines der schönsten Stadien Frankreichs. Gut 41.200 Zuschauer finden hier auf engstem Raum Platz, eine enge Bestuhlung sowie sehr hochgeschlossene Oberränge (vor allem hinter den Toren) machen es möglich. Abgerundet wird dieser Traum von einem Fußballstadion von offenen Ecken und vier Flutlichtmasten. In Fußballdeutschland erlangte dieses Stadion bzw. die Stadt leider eher traurige Berühmtheit, als im Rahmen des WM-Spiels Deutschland – Jugoslawien lensfankulturHooligans den Gendarm Daniel Nivel schwer verletzten. Der Favorit in diesem Spiel waren natürlich die Gäste, welche in der Ligue 1 um einen UEFA-Cup Platz kämpfen während der RC Lens, der seine große Zeit Ende der 90er hatte im Mittelfeld der Ligue 2 rumdümpelt. Allerdings war es der Zweitligist der in einer nicht hochklassigen aber kampfbetonten Partie die bessere Taktik hatte und nach 27. Minuten verdient in Führung ging. Im Verlauf der zweiten Hälfte verwalteten die Gastgeber das Ergebnis immer mehr, daher lag schon die ganze Zeit der Duft einer Verlängerung in der Luft. In der 81. war es dann passiert, der Verein aus der Bretagne erzielte den Ausgleich. Großer Jubel bei den gut 100-150 Gästen, welche dieses Tor mit einer Pyroeinlage feierten. Das Spiel war jetzt offen, beide Mannschaften wollten das Spiel bereits in der regulären Spielzeit für sich entscheiden. Es war die 87. Minuten, Lens flankt von links, ein Defensivspieler von Rennes versucht zu klären und hebt den Ball dabei sehenswert über den eigenen Torwart in den Kasten. 2:1 für den Zweitligisten. Jetzt brachen bei den „Sang et Or“ Fans unter den 14.583 Zuschauern alle Dämme. Damit war das Spiel entschieden und Rennes einer von sechs Erstligisten die bereits nach einer Runde draußen sind. Dabei sind  Sie in guter Gesellschaft, Titelverteidiger Lyon hat es sogar gegen einen Drittligisten erwischt. Die Stimmung im Stadion war nicht nur nach dem 2:1 richtig gut. Allgemein haben die Fans des RC einen guten Eindruck bei mir hinterlassen. Von Kopf bis Fuß waren Sie in den Farben Ihres Vereins eingehüllt. Trikots (auch schöne alte Trikots), Schals, Mützen, lustige Hüte und angemalte Gesichter, alles war zu sehen, so wie man sich eine bunte Fanszene vorstellt. Eine Besonderheit in Lens ist, dass sich die aktive Fanszene nicht hinter dem Tor befindet sondern auf dem Unterrang der Gegengerade, der Tribüne Xercès Louis. Dort wird die Masse von drei Vorsängerpodesten aus angeheizt. Der Support war das ganze Spiel über recht anständig, vom Ultras-sing-sang über Wechselgesänge bis hin zu klassischem Support war alles vertreten. Auch optisch machte die Xercès einiges her, die Doppelhalter und Schwenkfahnen begeisterten meine Mitfahrer und mich richtig.

Match 3: 06.01.2013; 20:45 Arras FA (CFA2)– Paris Saint-Germain FC 3:4 (L1), Stade de l'Épopée Calais, 12.000 Zuschauer

Unser drittes Spiel führte uns nach Calais, dem traditionellen Übergangsort zur britischen Insel. Dort empfing der Fünfligist Arras FA einen der populärsten und zugleich verhasstesten Vereine Frankreichs, Paris St. Germain, ein Verein in den ein Scheich gerade sehr viel Geld reinsteckt (130 Millionen allein in dieser Saison). Eigentlich liegt Arras keine 20 km südlich von Lens, aber da das Stadion mit seinen gut 1500 Plätzen von vorne bis hinten nicht reicht, zog man für dieses Spiel in die Heimat des Ligakonkurrenten calaisfankulturCalais RUFC. Das Stade de l'Épopée wurde 2008 eröffnet und bietet knapp 12.500 Zuschauern Platz. Das Stadion selber besteht aus ca. 21-25 Sitzreihen, welche mit Ausnahme der VIP-Plätze das ganze Stadion umfassen. Ein bisschen erinnert das Stadion an die Arena in Ingolstadt, allerdings wirkt es dank der gelbe-roten Bestuhlung in den Vereinsfarben von Calais recht einladend und warm. Eine Besonderheit dieses Stadions ist, dass die Hauptbeleuchtung nicht wie bei den meisten modernen Stadien unter das Dacht gepfercht wurde sondern tatsächlich noch vier Flutlichtmasten gebaut wurden. Gut 12.000 Zuschauer kamen zu diesem Spiel ins Stade. Offiziell war es voll, denn es wurden keine Tickets mehr an der Abendkasse verkauft, wir hatten Glück das wir jemanden gefunden hatten der sechs Stück übrig hatte. Der Großteil der Zuschauer, egal ob Sie tatsächlich aus Arras kamen oder aus der Umgebung von Calais drückte ganz klar dem „Gastgeber“ die Daumen. Den Gästen aus der Hauptstadt würde ich bestenfalls 1000 Zuschauer zurechnen, welche über das ganze Stadion verteilt waren. Der eigentliche Gästeblock hingegen war relativ spärlich gefüllt was mich etwas überraschte. Noch mehr überraschte mich, dass die einzig aktiven Fans von PSG unweit von uns hinter dem Tor auf der eigentlichen Heimseite standen. Viel waren es nicht, ich weiß nicht einmal ob es überhaupt richtige Szeneleute von PSG waren ich glaub es ehrlich gesagt nicht. Warum nur so wenig Anhänger von Paris an die Nordküste kann ich nur mutmaßen. Das Spiel begann standesgemäß, der Tabellenführer der Ligue 1 ging bereits innerhalb der ersten 10. Minuten mit 2:0 in Führung und jeder dachte das dies erst der Anfang war. Und damit sollten wir recht behalten, allerdings anders als man sich das vorgestellt hat. Auf einmal spielte Arras richtig auf und man sah kaum noch einen Klassenunterschied. In der 26. kamen die Gastgeber auf 1:2 ran. Kurz vor dem Pausentee jedoch wurde der alte Abstand wiederhergestellt, Camara war der Torschütze. Arras gab nicht auf, fightete immer weiter und kam in der 52. erneut  ran. Es war ein brutal spannendes Spiel und wie sich zeigte war das einzige in was PSG überlegen war die Chancenauswertung und so hieß es nach 68. Minuten 2:4. Die Gastgeber kämpften weiterhin aufopferungsvoll und sieben Minuten vor Schluss brachten Sie PSG mit dem dritten Treffer nochmal richtig ins Schwitzen. Das Publikum war nun am ausrasten. „Arras, Arras“ schallte es durch das ganze Stadion. Aber es half nichts mehr, die Mannschaft von Carlo Ancelotti brachte das knappe 3:4 gegen einen Fünftligisten über die Zeit. Aber trotz Niederlage gehörte der Abend ganz klar den Jungs von Arras. Sie wurden noch euphorisch von den Zuschauern gefeiert (Merci Arras, Merci Arras, Merci Merci) und verabschiedeten sich angemessen mit einer Ehrenrunde. Ich kann vor dieser Mannschaft einfach nur den Hut ziehen. Vom Flair her war dieses Spiel mit Sicherheit da Highlight der diesjährigen Tour. Das Publikum hat einfach eine richtig positive geile Atmosphäre erzeugt und die Mannschaft von Arras hat uns einfach mitgerissen.

coupe-de-franceZum Schluss, was ist hängen geblieben? Wie jede Hoppingtour hat sich jedes Spiel gelohnt, der Ground ist schließlich das Ziel. Angenehm aufgefallen ist, dass wir bei allen drei Spielen kaum Polizei zu sehen bekamen, meist nur nach dem Spiel zum Regeln des Verkehrs. Wobei es waren alles Spiele ohne Brisanz, nur PSG war für seine „bösen“ Fans bekannt, dementsprechend haben sich die Eingangskontrollen in Calais auch gezogen. Der größte Unterschied zum Stadionerlebnis in Deutschland ist neben der Sprache die Nüchternheit. Klingt blöd, ist aber so. Währen bei uns viele Zuschauer angeheitert mit der Bierflasche in der Hand in Richtung Stadion gehen, gibt es sowas in Frankreich so gut wie gar nicht. Um genauer zu werden, die einzigen die ich mit Bier in der Hand gesehen habe waren wir. Auch im Stadion trinken kaum Zuschauer Bier, wobei das auch an den gepfefferten Preisen liegen kann. Das Bier kostet im Schnitt so viel wie bei uns, jedoch ist meist nur die Hälfte drinnen. Das war meine kleine Tour durch Nordfrankreich. Es war ein geiler Ausflug, ein Dank an meine Mitfahrer und ein spezieller Danke an den Max der alles durchgeplant sowie den Van besorgt hat und dann die ganze Strecke durchgefahren ist. Nur noch 50 Wochen bis zum nächsten „Trente deuxièmes de finale“.

Samstag, 05 Januar 2013 11:13

Lübeck für den VfB

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Im November 2012 wurde die Initiative „Lübeck für den VfB“ von Mitgliedern und treuen Fans des Vereins ins Leben gerufen. Die Initiative hat sich gegründet, um den Negativentwicklung im Verein in den letzten Jahren entgegen zu wirken. Dazu ist es sicherlich hilfreich, einen kurzen Überblick über die letzten Jahre beim VfB Lübeck zu geben.

2x Insolvent innerhalb weniger Jahre

Dass es finanziell beim VfB Lübeck  gar nicht gut aussieht, ist schon seit einiger Zeit kein Geheimnis mehr. Bereits im Jahr 2008 musste erstmals Insolvenz angemeldet werden, da den Verein mehrere Millionen Euro Schulden drückten. Glücklicherweise fand das Verfahren 2010 einen positiven Ausgang.

Dennoch konnte sich der Verein auch nach dem Insolvenzverfahren finanziell nie wirklich erholen. Nach einem kurzen sportlichen Hoch und einem 3. Platz in der Saison 2010/2011 ging es in der darauffolgenden Spielzeit wieder bergab. Auch aufgrund der sportlichen Bedeutungslosigkeit 2011/2012 (nur ein Aufsteiger- keine Absteiger) kehrten immer mehr Zuschauer dem VfB den Rücken.

Auch in der jetzigen Spielzeit 2012/2013 wurde es nicht besser -  im Gegenteil. Der Saisonstart verlief schwach, zudem konnte sich kaum noch jemand mit den Spielern auf dem Platz identifizieren. Zu allem Überfluss gab es bereits im Oktober wieder erhebliche finanzielle Probleme. Viele Mitglieder hatten daraufhin genug und wählten bei der Jahreshauptversammlung Ende Oktober den Aufsichtsrat ab. Ebenso wurde Aufsichtsrat und Vorstand die Entlastung verweigert. Nur wenige Tage nach der JHV musste der Vorstand wenig überraschend erneut Insolvenz anmelden.

Gründung Initiative „Lübeck für den VfB“

Anfang November gründete sich dann die Initiative „Lübeck für den VfB“. Denn schließlich war klar, dass es viele Anhänger gibt, die sich für den VfB einbringen und ihm nicht tatenlos beim Sterben zusehen wollen.

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Die Lage schien zunächst relativ aussichtslos. Durch die im Nachhinein vollkommen richtige Entscheidung, den Aufsichtsrat abzuwählen, stand der Verein nun zunächst ohne dieses Gremium dar. Ein erster Schritt konnte mit der Wahl eines neuen Aufsichtsrates gemacht werden. Hierfür konnten kompetente und dem VfB nahestehende Personen gefunden werden, welche sich seit ihrer Wahl mit großem Engagement für die Rettung des Vereins einsetzen.

Aktionen zur Unterstützung des Vereins

Die Initiative steht dem Aufsichtsrat bei diesem schwierigen Unterfangen jederzeit zur Seite und hat seit Gründung schon viele Aktionen zugunsten des VfB gestartet.

So gab es anstelle des ausgefallenen Heimspiels gegen Cloppenburg ein Soli-Suppen- Essen und Winterpausenkartenverkauf zugunsten des VfB sowie einen Glühweinstand auf dem Lübecker Weihnachtsmarkt am letzten Adventswochenende. Sämtliche Erlöse hieraus gingen auf ein Retterkonto, welches von der Initiative ins Leben gerufen wurde. Weiterhin wurde von vielen VfB- Anhängern fleißig auf dieses Konto gespendet, sodass sich aktuell ein Betrag von über 30.000€ auf dem Konto befindet.

Neben dem finanziellen Erfolg konnte aber auch ein neues „Wir-Gefühl“ unter allen VfBern erreicht werden. Allen ist klar, dass nur gemeinsam die Rettung des Vereins erreicht werden kann. Dies zeigt auch der Umstand, dass viele Aufsichtsratsmitglieder und weitere Vereinsvertreter sich an beiden Aktionen beteiligten. Zudem konnte gerade durch den Glühweinstand das Image des Vereins in der Stadt wieder etwas aufgewertet werden. Viele Lübecker interessierten sich für die Initiative und unterstützten den VfB gerne.

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Durch weitere zugesagte 150.000€ zur Deckung der Kosten für den Spielbetrieb ab Januar 2013 durch Sponsoren bzw. Spender konnte nun zunächst die Löschung aus dem Vereinsregister vermieden werden.

Aussichten für die Zukunft

Zunächst wird weiterhin Geld benötigt, um den Spielbetrieb bis zum Saisonende zu sichern. Somit wird auch die Initiative im Jahr 2013 weiterhin Aktionen starten, um den Verein finanziell zu unterstützen.

Mittelfristig gilt es dann, das Image des Vereins in der Stadt wieder zu verbessern. Denn viele Lübecker haben durch die jahrelangen Enttäuschungen das Vertrauen in den Verein verloren. In der kommenden Saison wird der Verein aufgrund des Insolvenzverfahrens und dem damit verbundenen Zwangsabstieg nur noch in der 5. Liga spielen. Es wird momentan an einem neuen Kader mit regionalen Talenten und Identifikationsfiguren gearbeitet. Ziel und Aufgabe der Kampagne wird es sein, die Lübecker für die neuen Werte des Vereins zu begeistern.

https://soundcloud.com/fuerdenvfb/lgm-kannst-du-die-pappeln

Alle weiteren Informationen zur Initiative gibt es auch unter www.luebeck-fuer-den-vfb.de

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Mittwoch, 02 Januar 2013 14:13

Statt Boykott soll nun Gestaltet werden

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1212Der Dezember 2012 hatte für die Fußball-Bundesliga und die Fans wenige besinnliches übrig. Nach dem beindruckenden Protest der 12doppelpunkt12 Kampagne mit 12 Minuten und 12 Sekunden Schweigen zum Beginn von drei Spieltage, ging es nach der Verabschiedung des Sicherheitskonzepts durch die Vereine am letzten Spieltag in der Fanszene hoch her. Während einige Ultras-Gruppen und aktive Fansezenen als Reaktion auf die Entscheidung weiter - mehr schlecht als recht - schwiegen, wurde der Protest in einigen Stadien von den übrigen Zuschauern mit Pfiffen und Unverständnis begleitet, teilweise ziehen sich tiefe Gräben durch die Fans eines Vereins.

Fans von über 50 Vereinen haben sich nun zwischen den Feiertagen in Kassel getroffen und über das weitere Vorgehen in der Rückrunde beraten. Rückblickend betrachtet man die Aktion als großen Erfolg und möchte die nun entstandenen Strukturen weiter nutzen um in einen ernsthaften Dialog mit der DFL einzusteigen.


grotenburg2Der KFC Uerdingen 05, früher lange als Bayer 05 Uerdingen bekannt. Der Verein der 1985 den DFB-Pokal durch ein 2:1 über Udo Latteks Bayern gewann und in dem darauffolgenden Europapokal der Pokalsieger bis ins Halbfinale kam (u.a. dank des legendären 7:3 gegen Dynamo Dresden) war früher fester Bestandteil der Bundesligen und mir kommt es manchmal so vor als wären Sie noch gar nicht so lange von der Bildfläche verschwunden. Aber dennoch, mein letzter Besuch in der Grotenburg war am 29.10.1995, ist also auch schon 17 Jahre her (Gott wie die Zeit vergeht). Daher war ich sehr angetan als ein Freund von mir kurzfristig die Idee hatte am dritten Adventssamstag zum Spiel KFC Uerdigen gegen Schwarz-Weiß Essen zu fahren. Das Duell zweier Pokalsieger und Traditionsvereine.


Wie bereits gesagt, in der Bundesliga spielt der KFC schon lange nicht mehr und für viele Junge Fußballfans ist er wohl auch nur einer von vielen Name in der ewigen Bundesligatabelle die einfach nur noch Geschichte sind. Nach dem sich der Bayerkonzern nach der Saison 94/95 von der Profifußballabteilung des FC Bayer 05 Uerdingen trennte, traten diese ab der Folgesaison als KFC Uerdingen 05 an und stiegen prompt als Tabellenletzer ab. Die Trennung von Bayer verursachte starke finanzielle Probleme. Es folgte ein Absturz bis in die sechste Liga und drei Insolvenzanträge. Erst mit Agissilaos “Lakis“ Kourkoudialos als Präsident der mit seinem Unternehmen auch als Hauptsponsor fungiert, kamen die Uerdinger finanziell wieder in ruhiges Fahrwasser. Allerdings hat so ein „Mäzen“ auch den Nachteil, dass man wieder abhängig ist. Wie dem auch sei nun konnte man sich wieder rein auf den Sport konzentrieren und 2011 folgte mit dem Aufstieg in die NRW-Liga der erste große sportliche Erfolg seit 1994. 2012 erreichte man etwas glücklich sogar die Relegation zur Regionalliga wo man sich dem Essener Verein FC Kray geschlagen geben musste. Zurzeit führt der KFC jedoch die Tabelle der Oberliga Niederrhein souverän an, daher ist davon auszugehen das der Aufstieg in die Regionalliga am Ende dieser Saison klappen wird.


grotenburg1Das Grotenburg-Stadion, auch als Grotenburg-Kampfbahn bekannt. Es war wie eine Reise zurück in die 90er als ich an jenem Samstag zum ersten mal nach 17 Jahren vor dem Stadion stand. Denn es hatte sich am Stadion sichtlich nichts verändert. Es waren die gleichen Sitzschalen, die gleichen Wellenbrecher, es hat immer noch die geilen Flutlichtmasten (für mich ist ein Stadion ohne Flutlichtmasten einfach irgendwie unvollständig). Sogar der Grotifant das Maskottchen turnt noch fröhlich herum. Einzig lästig war das man auch in der Grotenburg nicht mehr mit Bargeld zahlen kann. Man muss sich Wertmarken kaufen, welche 2,50 pro Stück kosten. Daher macht die Currywurst mit Pommes nicht 5 € sondern zwei Werkmarken, dass Getränk eine Wertmarke. Sportlich gewann der KFC das Spiel gegen am Ende nur noch acht Essener (2 mal Gelb/Rot einmal Rot) verdient mit 1:0. Der ETB hielt zwar tapfer mit, aber Uerdingen hatte die klar besseren Chancen, vor allem auch zu dem Zeitpunkt als noch 11 gegen 11 spielten. Allerdings dauerte es bis zur 73. Minute bis der Ball endlich mal im Netz zappelte, Issa war der Torschütze. Ein Feuerwerk bekamen die Zuschauer an diesem Nachmittag nicht geboten, aber das war Fans und Spielern egal. Sie feierten gemeinsam die drei Punkte und jetzt steht der Weihnachtsurlaub an. Und den haben sich die Spieler des KFC auch redlich verdient, denn Sie führen die Tabelle mit sage und schreibe 19 Punkten Vorsprung an. 18 von 20 Spielen wurden gewonnen, zweimal spielte man Unentschieden. Als da dürfte doch in Sachen Aufstieg wirklich nichts mehr schief gehen oder? Die Gäste aus Essen hingegen haben ganz andere Probleme, vier Tage nach dem Spiel stellten Sie einen Antrag auf Insolvenz, sollte das Verfahren eröffnet werden, stünde der Pokalsieger von 1959 als erster Absteiger fest.



uerdingenblockFantechnisch hat mich Uerdingen angenehm überrascht. Früher hatten die Krefelder ja den Ruf des Fußballfriedhofs. Verhältnismäßig wenig Zuschauer und die etwas unterkühlte Stimmung waren der Hauptgrund dafür. Unser Präsident meinte nach einem Spiel im Oktober 93 sogar das bei uns bei einer Beerdigung mehr los sei als in Uerdingen bei einem Fußballspiel. Aber auch in Uerdingen hat sich trotz des sportlichen Niedergangs die Fanszene weiterentwickelt. Die Ultras und die meisten Supportwilligen haben Ihren festen Stimmungsblock seitlich auf der Haupttribüne und sorgten 90. Minuten lang für einen anständigen akustischen und optischen Support. Der Zuschauerschnitt von knapp 2200 ist für die fünfte Liga auch aller ehren Wert. Der harte Kern der Uerdinger Anhängerschaft der trotz der ganze Misere seit 1996 immer dabei geblieben ist, ist eh das höchste Gut das der Verein hat. Immer wieder haben Sie dem Verein in Zeiten von Insolvenzanträgen etc. mit Aktionen finanziell unter die Arme gegriffen damit Ihr KFC am Leben bleibt. Über die Fans der Gäste kann ich leider nichts schreiben, da ich keine bemerkt habe bzw. Sie sich nicht bemerkbar machten.


Zum Abschluss möchte ich nur noch sagen, wer noch nicht in der Grotenburg war sollte Sie auf jeden Fall auf seine Liste setzen. Wer weiß wie lange es das Stadion noch gibt. Es geistern immer wieder Gerücht von einem Investor der eine „moderne“ 08/15-Arena bauen möchte herum. Wenn diese Arena wirklich Realität werden würde, wären die Tage der Grotenburg wohl gezählt. Denn es gibt schon seit Jahren laute Stimmen für einen Abriss und einer anderweitigen Nutzung des Geländes.

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