Runder Tisch in Wolfsburg zum DFL-Konzeptpapier
geschrieben von Daniel Mertens in Stellungnahmen
Gestern Abend trafen sich in Wolfsburg Vertreter des VfL sowie der Fanszene und diskutierten an einem Runden Tisch über das DFL-Konzeptpapier „Sicheres Stadionerlebnis“.
Die Vertreter des Vereins stellen zunächst noch einmal ihre Stellungnahme vor und benannten ausgemachte Kritikpunkte. Dabei wurde noch einmal hervorgehoben, dass der VfL Wolfsburg die Vorgehensweise der Erarbeitung des Konzeptes kritisiert. Bei der Ausarbeitung seien weder die Fachexpertise der Vereine, noch die der Fans berücksichtigt worden. Das sei aber bei besagter Thematik nach VfL-Meinung unumgänglich.
Anschließend wurde über die weitere Vorgehensweise beraten. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage: Wie positionieren sich die Fans des VfL Wolfsburg zum Sicherheitskonzept der DFL? Als Kern wurde dabei herausgefiltert, dass auch die Fans mit den vom VfL formulierten Thesen übereinstimmen. Einzelne Punkte wie Pyrotechnik im Stadion, Nacktscanner und Verlängerung der Stadionverbote wurden ebenfalls thematisiert.
Um der DFL jedoch eine handfeste Stellungnahme von Seiten der Fans zu überreichen, hat man sich verständigt, dass diese bis zum 20. November von der Fanszene ausgearbeitet wird. Diese soll dann von VfL-Seite an die DFL herangetragen werden.
Aus diesem Grund bittet die Fanabteilung des VfL Wolfsburg alle Fanclubs darum, sich zu beteiligen und ihre Standpunkte zum Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ zusammenzutragen.
Neue Initiative 'Ich fühl' mich sicher' ist gestartet
geschrieben von Redaktion in Aktionen
Und weiter geht's: Im Rahmen der öffentlichen Debatte um die Sicherheit in deutschen Stadien hat das Online-Portal "Schwatzgelb" die Initiative "Ich fühl' mich sicher" gestartet. Auf der Homepage http://www.ich-fuehl-mich-sicher.de können sich alle Leute eintragen, die sich bei ihren Stadienbesuchen noch gut behütet fühlen und keine Angst vor Mord und Totschlag haben. Zu den Hintergründen heißt es auf der Seite:
"Am 1. November 2012 haben wir "Ich fühl‘ mich sicher!" ins Leben gerufen. Warum? Als regelmäßige Stadiongänger sind wir fest davon überzeugt, dass der Besuch eines Fußballspiels hierzulande nicht mit einem erheblichen Sicherheitsrisiko verbunden ist. Doch die vermehrten Diskussionen um Gewalt beim Fußball offenbaren eine große Diskrepanz zwischen der subjektiv empfundenen Sicherheit der Stadionbesucher und der in den Medien und von der Politik vermittelten Unsicherheit.
Um diesem Zerrbild entgegenzuwirken, möchten wir uns zusammenschließen und gemeinsam sagen: "Wir fühlen uns sicher!" Lasst uns die Deutungshoheit über uns Fans nicht jenen überlassen, die die Stadien nur von außen kennen. Jenen Politikern und (Polizei-)Lobbyisten, die mit ihren ständigen Rufen nach härteren Strafen vor allem Wahlkampf- und Eigeninteressen verfolgen. Dem möchten wir ein schlagkräftiges Argument entgegensetzen: Nämlich die große Masse, die Woche für Woche angstfrei in die hiesigen Stadien strömt, und deren Größe und Vielfalt wir auf "Ich fühl‘ mich sicher!" dokumentieren möchten.
Wir wollen ihr eine Stimme geben!
Keine Frage, Gewalt im Fußball existiert, wie sie in der Gesellschaft existiert. Sie hat aber bei weitem nicht den Stellenwert, der ihr in der öffentlichen Diskussion zugeschrieben wird. Und insbesondere IN den Stadien sind gewalttätige Auseinandersetzungen so gut wie kein Thema. Sie spielt sich hauptsächlich im Umfeld der Spielstätten ab.
Zur Versachlichung: Rund 17,6 Millionen Menschen haben in der Saison 2010/2011 die Spiele der ersten und zweiten Bundesliga besucht. Nach Statistiken der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) der Polizei wurden dabei 846 Personen verletzt, wobei die Statistik weder Verletzungsursache noch die Schwere explizit ausweist. Unter knapp 21.000 Besuchern findet sich damit ein einziger Verletzter, was wir zur Veranschaulichung auf dieser Seite einmal gekennzeichnet haben.
Wohl kein Volks- oder Straßenfest, kein Musikkonzert, kein Festival und keine andere Großveranstaltung in diesem Lande dürfte so sicher sein. Hunderttausende strömen Woche für Woche ins Stadion, ohne jemals mit Gewalt in Berührung zu kommen.
6.061 Fußballfans (0,035 Prozent) wurden im Laufe der Saison vorläufig fest- oder in Gewahrsam genommen, gegen fast ebenso viele Stadionbesucher (5.818 bzw. 0,033 Prozent) wurden Strafverfahren eingeleitet. Wie auch die Anzahl der von der Polizei zu leistenden Einsatzstunden, die in den letzten zwei Jahren um mehr als 25 Prozent gesunken ist, sind auch diese beiden Zahlen rückläufig.
Interessante Vergleichs-Details am Rande: In Innenminister Friedrichs Heimat-Freistaat kam das Münchner Oktoberfest im vergangenen Jahr bei nur rund sieben Millionen Besuchern auf immerhin 10.322 Verletzte, das sind mehr als 600 verletzte Personen an jedem einzelnen "Spieltag". Und von rund 82 Millionen Bundesbürgern wurden im selben Jahr knapp 400.000 Menschen im Straßenverkehr verletzt, also 0,5 Prozent. Als Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer am Straßenverkehr teilzunehmen, ist damit etwa 100-mal gefährlicher als das Stadion unseres Lieblingsvereins zu besuchen. Und trotzdem fahren Familien immer noch unbesorgt gemeinsam in den Sommerurlaub.
Und die Kosten?
Auf mehr als 100 Millionen Euro sollen sich die Kosten belaufen, die dem Staat und damit uns allen durch Polizeieinsätze beim Fußball entstehen. Das ist zweifelsohne viel Geld. Laut einer Studie der Unternehmensberatung "McKinsey" aus dem Jahr 2010 stehen demgegenüber allerdings Steuereinnahmen von rund 1,5 Milliarden, die allein durch die deutschen Profiklubs geleistet werden."
Fanvertreter aus Dortmund mit Stellungnahme zu Gesprächen mit Verein
geschrieben von Redaktion in Stellungnahmen
Es ging hoch her in den Vereinen und Fansezenen der ersten und zweiten Bundesliga. Grund war und ist das DFL-Konzept sicheres Stadionerlebnis. Bis Anfang letzter Woche waren alle Vereine aufgerufen eine Stellungnahme gegenüber der DFL Kommision abzugeben. Der Umgang mit dem Konzept war dabei sehr unterschiedlich. Einige Vereine veranstalteten Informationsveranstaltungen für Fans, andere haben die Fanvertreter in die Ausarbeitung der Stellungnahme eingebunden und andere wiederrum hielten sich mit Aussagen bedeckt. Auch Borussia Dortmund, immerhin mit zwei Vereinsvertretern bei der DFL involviert, hielt sich bisher zurück. Man wußte nicht so recht: Gab es nun Gespräche mit Fans und wenn ja, zu welchem Ergebnis war man gekommen? Öffentlich wurde nach Aussagen von Rauball gemutmaßt, Dortmund habe dem Papier der DFL umfänglich zugestimmt. Der Verein selbst macht jedoch zu den Ergebnissen und den aktuellen Entwicklungen keine Aussage, nun haben sich aber immerhin die beteiligten Fanvertreter in einer gemeinsamen Stellungnahme zu den Gesprächen vor fast einem Monat geäußert.
Um Krawalle zu vermeiden: Neuer Anreisebogen für Heimspiele von Borussia Dortmund
geschrieben von Daniel Mertens in StellungnahmenErst wenige Tage ist es her, dass sich „Schwatzgelb“ - das Online-Fanzine des BVB - mit harscher Kritik am Polizeieinsatz rund um das Derby am 20. Oktober zu Wort meldete. Die mangelnde Fantrennung wurde in der Stellungnahme ebenso kritisiert wie die Strecke, die für die Eskortierung der Gästefans an Südtribüne und Flora vorbei in den Gästeblock ausgewählt wurde. Negativ wurde auch der Einsatz von Pfefferspray während des Spiels unter der Südtribüne kommentiert.
Doch nun will sich das Fanzine offenbar nicht im ewigen Rumnörgeln ergeben, sondern holt aus zum Gegenschlag. Auf seiner Homepage bietet Schwatzgelb ab sofort ein Formular zum Download an, das in Zukunft alle Besucher des Westfalenstadions rechtzeitig ausfüllen und an das Polizeipräsidium Dortmund zuleiten sollen. Neben der Angabe der Grunddaten - wie beispielsweise Name, Block- und Dauerkartennummer - sollen die Zuschauer insbesondere angeben, ob sie normal oder konspirativ anzureisen gedenken. Bei konspirativer Anreise können alle Besucher des Westfalenstadions wählen, ob sie am Hauptbahnhof, dem Stadionvorplatz oder der Uni anreisen und ob Polizeibegleitung erwünscht ist.
Mit diesem Formular möchte Schwatzgelb seinen Beitrag dazu leisten, dass sich Szenen wie die beim Derby - die ein führendes Hamburger Nachrichtenmagazin in einem Interview mit dem NRW-Innenminister Ralf Jäger als „schlimmste Ausschreitungen der deutschen Fußballgeschichte“ bezeichnet hatte - niemals wiederholen werden. Das Formular steht hier zum Download bereit.
P.S.: Wer Ironie findet, der darf sie behalten.
Außerordentlicher Fangipfel in Berlin
geschrieben von Redaktion in Fanorganisation
Gestern gab es erneut eine Reihe von Absagen von Fußball-Bundesligisten gegenüber dem aktuellen Entwurf des DFL Konzepts "Sicheres Stadionerlebnis" Die Begründungen sind dabei in Umfang und Deutlichkeit unterschiedlich, jedoch haben alle Forderungen der Vereine eines gemeinsam: Es wird der Dialog mit den Fans gefordert. Am Deutlichsten hat sich bisher Union Berlin gegen das Papier gewandt und dies in einer neunseitigen Positionierung auch umfangreich begründet. Die Fan- und Mitgliederverwaltung Union Berlin und Eisernen V.I.R.U.S. e.V. laden nun zu einem außerordentlichen Fangipfel am 1. November nach Berlin ein um damit den Dialog mit und zwischen den Fans weiter zu stärken. Vereinsübergreifend soll eine gemeinsame Fan-Position erarbeitet und die nächsten Schritte diskutiert werden. Eingeladen sind Vertreter von Fanclubs sowie Faninitiativen und Projekte von Vereinen der 1. bis 3. Liga
VfL Wolfsburg stimmt DFL Konzept nicht zu
geschrieben von Redaktion in Stellungnahmen
Der VfL Wolfsburg wird dem Sicherheitskonzept der DFL in der vorliegenden Fassung nicht zustimmen. Das teilte der Verein heute in einer Stellungnahme gegenüber den Fanclubs mit. Zwar konnte aus zeitlichen Gründen noch kein Austausch mit den Fans erfolgen, jedoch wurde das Papier intern ausführlich diskutiert. In der vierseitigen Stellungnahme wird vor allem die Idee eine zentrale Zertifizierung von Vereinen als starrer Mechanismus, der zur Überregulierung und Behinderung des lokalen Dialogs und lokaler Lösungsansätze. Zudem wird die fehlende Einbindung von Fanvertretern bei der Ausarbeitung des Konzepts kritisiert.
Das Fazit des VfL Wolfsburg:
Der VfL Wolfsburg wird dem Konzept in der vorliegenden Fassung aus den genannten Gründen nicht zustimmen können. Es bedarf aus unserer Sicht einer deutlichen Überarbeitung des Konzeptentwurfs, weg vom Aktionismus, hin zu deutlich mehr Pragmatismus, einer spürbar erhöhten Transparenz der Vorgehensweise, sinnvollen Zuständigkeiten und insbesondere der Einbindung repräsentativer Fanvertreter. Nach unserem Dafürhalten steht und fällt der Erfolg des Konzepts mit der Akzeptanz der Fans, welche allerdings ohne deren inhaltliche Einbindung und die rechtzeitige und vertrauensvolle Kommunikation unmöglich herbeizuführen ist.
Unterzeichnet wurde die Stellungnahme von
Geschäftsführung der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH
Veranstaltungsleiter der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH
Fanbeauftragte der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH
Sicherheitsbeauftragter der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH
* Update * Der VfL hat nun auf seiner Webseite die vollständige Stellungnahme zum Download bereit gestellt.
BVB Fanclub-Vorsitzender tritt als Reaktion auf DFL Pläne zurück
geschrieben von Redaktion in Fanorganisation
Mitten hinein ins Derby-Fieber im Ruhrpott platzt die Nachricht vom Rücktritt des 1. Vorsitzenden des Fanclub BVB Freunde. Auf der Fanclub-Webseite teilt Matthias Saathoff mit, dass er "die Verantwortung abgeben möchte, die in der Zukunft auf die Fanclubs in ganz Deutschland zu kommt." Gemeint sind damit die Maßnahmen, die aktuell unter dem Konzeptpapier "Sicheres Stadionerlebnis" von Seiten der DFL drohen. Was sich auf den ersten Blick wie eine unerwartete, unbedachte Reaktion anhört hat sich Matthias gut überlegt und vorab auch die Vorstandskollegen informiert. Er bleibt dem Fanclub im Vorstand erhalten, jedoch nicht mehr in der Verantwortung als 1. Vorsitzender. Zudem besteht Kontakt zu anderen Fanclubs aus Dortmund und dort wird über weitaus drastischere Maßnahmen nachgedacht, bis hin zur Auflösung.

