Mo27Mar2017

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Blackpool 1 StadtEine große Anzahl von Fußballinteressierten neigt dazu, den Nordwesten Englands unbeachtet zu lassen und auch die Medien beschäftigen sich hauptsächlich mit den millionenschweren Clubs der Premier League. Es scheint zuweilen, als läge nördlich der Linie Liverpool-Manchester lediglich eine Art Niemandsland. Dabei gibt es zwischen den beiden Metropolen und dem rund 60 Kilometer nördlich der Mersey-Stadt gelegenen Blackpool mit Preston, Wigan, Bolton und Blackburn mehrere kleinere Städte, deren Vereine teilweise bedeutende Beiträge zur Entstehung des „Schönen Spiels“ lieferten. Da diese Orte zudem Einblicke in ein England abseits von Finanzindustrie, Shoppingzentren und global vermarkteten Fußballevents gewähren, bietet sich ein Besuch des Seebades und seines Blackpool Football Clubs an.

Blackpool 2 VereinswappenDie an der Irischen See gelegene, 140.000 Einwohner beheimatende Stadt ist ein Klassiker des britischen Küstentourismus. Sie hat jedoch die Besonderheit, dass sie seit der Industriellen Revolution auch finanziell schlechter gestellten Bürgern Freizeitmöglichkeiten offeriert. Mit drei Seebrücken, einer Strandpromenade, einer 158 Meter hohen Kopie des Eiffelturms, dem Vergnügungspark Peasure Beach sowie einer Vielzahl an Spielhallen, Clubs und Pubs zieht sie heute einerseits britische Familienurlauber und andererseits Teilnehmer von Jungensellenabschieden sowie sonstige Trinksportler an. Die zuletzt genannten Personengruppen sorgen dann auch an den Wochenenden regelmäßig für eine aufgeheizte Stimmung auf den Straßen und machen den Ort zu einer Art El Arenal in England (jedoch mit Teestunde und Bingo).

Blackpool 3 StadionDer 1887 gegründete Blackpool Football Club gehört zu den klassischen englischen Zweitligisten und ist ein typischer Regionalverein. Die als „Seasiders“ sowie aufgrund der orangen Vereinsfarbe auch als „Tangerines“ (Mandarinen) bekannten Spieler werden hauptsächlich von einem aus der Umgebung stammenden Publikum getragen. Der Pokalsieger des Jahres 1953 spielt in einer modernen Spielstätte, die mit den deutschen Hellmich-Stadien verglichen werden kann. Das innerstädtische Stadion an der Bloomfield Road befindet sich nur rund fünf Gehminuten vom Strand entfernt.

Am 10. August bot sich mit der Partie gegen den FC Barnsley die Gelegenheit, sich mit den Gegebenheiten der englischen Zweiten Liga, der Championship, vertraut zu machen. Deren Umfeld ist im Blackpool 4 SpielVergleich zur Situation in Deutschland stärker reguliert und dadurch - je nach Ansicht - deutlich ruhiger bzw. ereignisloser. So besteht nicht nur im Stadion sondern auch davor ein striktes Rauchverbot und der Bierkonsum ist auf die Bereiche rund um die innerhalb der Tribünen befindlichen Verkaufsstellen begrenzt. Dies, die Übersicht des All-Seaters sowie die Abwesenheit einer Ultra-Szene vereinfachten die Arbeit der Ordner, machten jedoch das Umfeld der von 14.000 Personen besuchten Partie zu einer ereignisarmen Zone. Zwar wandelten die rund 500 Gäste sowie der Kern der Heimfans ihre Sitz- in Stehplätze um und unterstützten ihre Teams durch anhaltende Gesänge, doch blieben sie, von einzelnen Zaunfahnen abgesehen, optisch unauffällig. Blockfahnen, Doppelhalter oder sonstiges Supportmaterial kamen nicht zum Einsatz.

Das Spiel gegen Barnsley entwickelte sich routiniert, aber ereignisarm, womit das Geschehen auf dem Rasen dem auf den Rängen entsprach. Lokalkolorit ergab sich lediglich durch eine im Verlauf der Begegnung zunehmende Anzahl von Möwen, die ihre Kreise über dem Spielfeld zogen. Zu Höhepunkten kam es erst gegen Ende der Partie. Auf den Rängen unterbrach ein Gästefan in der 89. Minute die schiedliche Samstagnachmittagsstimmung, indem er beim Stand von 0:0 seine Vorfreude auf einen erwarteten Auswärtspunkt mit einem Rauchtopf ausdrückte. Blackpool 5 SpielendeAufgrund der beschriebenen Bedingungen und unter den elektronischen Augen zahlreicher Kameras (in einem generell an Überwachungskameras überreichen Land) entwickelte sich dies jedoch zu einem empfindlichen Rückschlag, denn das Ordnungspersonal benötigte weniger als eine Minute, um den Zündler zu identifizieren und aus dem Gästebereich zu ziehen. Auf dem Weg aus dem Block wurde er zudem Zeuge, wie der Blackpool Football Club in der 90. Minute den 1:0-Siegtreffer erzielte.Blackpool 6 Schlussbild

Nach dem Abpfiff bot sich dem Beobachter ein ebenso routiniertes Szenario wie während der beiden vorherigen Stunden. Die Mannschaft beschränkte sich auf einen kurzen Gruß an die Heimkurve, das Publikum packte seine Sachen und in weniger als fünf Minuten war das Stadion so gut wie menschenleer. Die Möwen hingegen stürzten sich auf die in den geleerten Sitzreihen zurückgelassenen Essenreste.

Sonntag, 22 September 2013 19:03

Powerfans und Pilsner in Prag

geschrieben von

Was macht man als erstes, wenn man nach Prag kommt? Geee...okay, was macht man als erstes NACHDEM man das erste echte Pilsner Urquell getrunken hat? Geeenau: man geht ins Stadion!

Dienstag, 10 September 2013 14:33

Leibchen-Action im Sportpark Höhenberg

geschrieben von

nadine köln1Vom Schulsport bis zum Training im Verein, bei allen Mannschaftssportarten hatte man schon immer einen gemeinsamen Feind, gegen den sich jeder sträubte, von dem man aber doch immer wieder eingeholt und besiegt wurde: das Leibchen.Leibchen nerven, sitzen nicht richtig, sind sowieso zu groß naja und wenn man ehrlich ist müffeln sich auch meistens. Leibchen scheinen auch immer etwas persönlich gegen einen selbst zu haben, egal ob in schickem Rot, Aufsehen erregendem Leuchtgelb oder gar trendigem Grün. Ein bisschen wie Ampeln.

Mittwoch, 04 September 2013 16:23

BSC Young Boys - Grasshopper Club Zürich 1:2

geschrieben von

bern1Praktischer weise waren in der Schweiz die Spieltage bis zur kommende Länderspielpause bereits Ende Juni fest terminiert, so konnte man sich gemütlich ein Spiel für einen Tagesausflug zum Hoppen aussuchen. Meine Wahl fiel auf die Partie BSC Young Boys gegen den Grasshopper Club Zürich, welches am Sonntag dem 25. August 2013 stattfand. Ein echter Klassiker, YB immerhin 11 mal Meister und einer der Traditionsvereine in der Schweiz überhaupt gegen den Schweizer Rekordmeister (27 Titel, zuletzt 2003) aus der teuersten Stadt der Welt, da braucht man nicht zweimal überlegen. Gespielt wurde natürlich im Stade de Suisse Wankdorf, an dessen Stelle bis 2001 das legendäre Wankdorfstadion stand, in dem Deutschland 1954 Weltmeister wurde.

Die Reise begann am Münchner Hbf. um 06:29 in der Früh und nach umsteigen in Ulm, Schaffhausen und Zürich kam ich schließlich gegen 12 in der Schweizer Bundesstadt an. Von Bahnhof schlenderte ich noch kurz in die Altstadt und hielt ein Expresssightseeing ab. Zumindest die Zytglogge, das Bundeshaus und ein paar der Figurenbrunnen sollte man doch mal gesehen haben. Nach dem der Part erledigt war, fuhr ich zurück zum Berner Hauptbahnhof von wo die S-Bahn nur wenige Minuten zur Station Wankdorf braucht. Der Fußweg beträgt dann nur noch knappe fünf Minute und schon steht man vor dem zweitgrößten Stadion der Confoederatio Helvetica. Knapp 32.000 Zuschauer fast das Stadion, welches scheinbar noch das größte Einkaufszentrum der Schweiz beinhaltet, so zumindest Wikipedia. 
Von außen war davon nicht viel zu sehen und ganz ehrlich, erkunden wollte ich die Shoppingmall im Stadion mit Sicherheit nicht, da stattete ich lieber der Longines-Stadion-Uhr einen Besuch ab.

bern3bern2

 Die alte Turmuhr mit der Anzeigetafel war das Wahrzeichen des alten Wankdorf Stadions und steht seit dem Neubau als Denkmal neben dem Stade de Suisse. Bis 2008 zeigte die Uhr das Endergebnis des WM-Finales von 1954, was auf verständlichen Wunsch der YB-Anhänger geändert wurde. Nun ziert das Ergebnis des letzten Spiels im alten Stadion (1:1 gegen Lugano) die Anzeigetafel. Auf der Rückseite des Denkmals wurde dafür eine Bild der Anzeigetafel des WM-Finales 54 angebracht und erinnert daran, dass Bern als Ausrichter des wichtigsten Fußballspieles der Welt auf einer Stufe mit Städten wie München, Yokohama, London und Los Angeles steht.

bern6Eine gute halbe Stunde vor Spielbeginn betrat ich schließlich das Stadion am Eingang zur Gegengerade für welche ich mir Wochen zuvor ein Ticket für schlappe 45 CHF bestellt hatte. Hier wurde man nur sporadisch kontrolliert, allerdings einen Blick in mein Säckli wollte der Ordner leider doch werfen und so musste ich mein 19 Cent Wasser draußen lassen. Ärgerlich wenn man an die Getränkepreise in Stadien denkt. Im Stadion fielen sofort die zahlreichen Verpflegungsständen auf, die wirklich alles boten. Pizza, Pasta, Burger, Chicken, die traditionelle Wurst und noch mehr konnte man dort erwerben. Als ich wenig später die Ränge betrat, war ich vom Stadion durchaus begeistert. Es besteht durchgehend aus zwei Rängen und ist mit schwarzgrauen Sitzen ausgestatten, dies gibt einen herrlichen Kontrast zu den meist gelb gekleideten Anhängern. Was einem im Vergleich zu modernen Arenen mit ähnlichem Fassungsvermögen in Deutschland angenehm auffällt, ist der Fakt das nicht die gesamte Haupttribüne mit Businesssitzen zugepflastert ist. Über 25.000 Zuschauer waren ins Stadion geströmt, denn es war nicht nur von den Vereinen ein echtes Spitzenspiel sondern auch sportlich. YB entschied bis dahin alle fünf Spiele für sich und führte souverän die Tabelle an und der GC Zürich lag auf Rang drei auf Lauerposition.


bern4Kurz vor 13:45 Uhr war es soweit, die Mannschaften betraten das Feld. Die Ostkurve Bern präsentierte zum Intro dichtes Meer in Gelb und Schwarz, bestehend aus einer Schalparade und zahlreichen Fahnen. Der Anhang der Gäste welcher sich mit ein paar Hundert Schlachtenbummlern im Oberrang des Gästesektors versammelte eröffnete die Partie mit ein paar Doppelhaltern, Schwenkfahnen, etwas weißem Rauch und einem Regen aus Konfetti und Luftschlangen in den Vereinsfarben, ein klasse Bild kann man nur sagen. Auf dem Rasen waren zu Beginn ganz klar die Gastgeber am Drücker, bereits in der ersten Minute trafen Sie den Innenpfosten und auch im Anschluss waren die Hoppers den Young Boys klar unterlegen, wie der GCZ auf seiner Homepage einräumt. Aber beim Fußball kommt es nun mal nicht darauf an wer am häufigsten am Tor vorbei schießt sondern wer den Ball zwischen den Pfosten versenkt und dieser Punkt ging an die Grasshoppers.bern5 Es ist die 29. Minute, der Züricher Vilotic köpft den Ball nach einem Freistoß zunächst an den Pfosten, setzte nach und brachte den Ball zur überraschenden Gästeführung im Tor unter. Knappe vier Minuten später stand SR Studer im Mittelpunkt, als er dem BSC YB einen Penalty zusprach den keiner so wirklich nachvollziehen konnte. Aber den Bernern war das egal, Morenzo Costanzo verwandelte den Strafstoß sicher zum 1:1. So blieb es bis zur Pause und ich gönnte mir in der Halbzeit eine Apfelschorle und eine Original YB-Wurst für zusammen 11,50 ChF zur Stärkung. In der zweiten Halbzeit war das Spiel ausgeglichener, beide Teams hatte nun die ein oder andere gute Möglichkeit einen Treffer zu erzielen. Es dauerte schließlich bis zur 85. Minute bis das Spiel schließlich entschieden wurde und das zu Gunsten der Gäste. Nach einer Ecke für den GC Zürich wird Caio im Strafraum überhaupt nicht bedrängt und kann den Ball in Seelenruhe annehmen und den Ball  unter die Latte hämmern. Goooal für den GC Zürich! Der Gästeblock war jetzt vollends in Ektase, während sich Entsetzen auf der heimischen Seite breit machte. Aber weder die Mannschaft noch Fans von YB gaben auf, jedoch reichte es am Ende nicht mehr zum Ausgleich. Mit diesem Auswärtssieg rückten die Züricher auf Platz zwei der Tabelle vor, Bern hat immer noch drei Punkte Vorsprung.


bern7Supporttechnisch wussten beide Fanlager zu überzeugen. Ich muss aber gestehen, dass ich so nah am Gästeblock gesessen bin, dass ich die Gesänge der Ostkurve nur schwer verstehen konnte. Ich konnte nur hören und sehen, dass Sie Ihr Team permanent nach vorne Peitschen. Die Anhänger der Grasshopper gefielen mir vom Auftreten sehr gut, es war eine super Symbiose aus Ultra-Melodien und klassischem Support über die gesamt Spieldauer. Am Ende hatten Sie sogar etwas die Stimmenhoheit im Stadion, was aber aufgrund des späten Siegtrefferst nicht sonderlich verwunderlich ist. Insgesamt war es ein toller Ausflug, eine schöne Stadt, ein tolles Stadion, zwei Traditionsverne mit super Fanlagern und ein gute Fußballspiel. Fußballherz was willst du mehr! Einzig bedrückend war der mobile Trennzaun, welcher vom Gästeblock bis zum Bahnhof führte. Dieser wirkte mit seinen Posten irgendwie wie ein Lager oder ein Grenzzaun zum Ostblock früher. Auch in der Schweiz wird zurzeit leider viel über Repressionsmaßnahmen diskutiert, man kann nur hoffen dass sich weder die Szenen noch die Fans im Allgemeinen davon unterkriegen lassen. Ich bin großer Fan des Fußballs in der Eidgenossenschaft und hoffe dass es keinen Grund geben wird dies zu ändern.

 

Die AG Fanwälte richtet sich mit einem Offenen Brief an den nordrhein-westfälischen Landesinnenminister Ralf Jäger und bezieht Stellung zu den Vorkommnissen beim CL-Qualifikationsspiel in Gelsenkirchen und ihrem Nachhall. Wir veröffentlichen den Offenen Brief im Wortlaut:

profans grossZur Kündigung der Dialogbereitschaft mit Rainer Wendt gibt ProFans die folgende, hier im Wortlaut wiedergegebene Pressemitteilung heraus:

profans grossDie Faninitative ProFans warnt vor einer zunehemenden Vereinnahmung der Fankultur durch Rechtsextreme. Schuld daran sei mitunter auch die Schwächung  der aktiven Fans und Ultrasgruppen durch Stadionverbote. Dieses Machtvakuum in den Kurven werde inzwischen verstärkt durch rechte Gruppen gefüllt. Der Slogan "Politik raus aus der Kurve" sei dabei Mittel zum Zweck. Alex Schulz von ProFans dazu: „Die extreme Rechte ist nicht Teil der kreativen, vielfältigen, bunten und lauten Fankultur in unseren Stadien.“

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Bolzplatz

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