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Dienstag, 07 Januar 2014 21:10

Ode an Flutlichtmasten

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Lohrheide Wattenscheid 4Flutlichtmast du Monument,
Wer Dein selig Licht noch kennt,
Wer gar in deinem Scheine spielte,
Für dich sogleich hell mit dir brennt.

FCUM 1 Überschrift FriendsNur wenige Städte können ein fußballerisches Erbe vorweisen wie Manchester, das trotz seiner vielfach geringeren Größe einen nördlichen Gegenpol zur Hauptstadt London bildet. Die Metropole beheimatet mit „Manchester United“ und dem Stadtrivalen „Manchester City“ zwei sich weltweit vermarktende Schwergewichte des englischen Fußballs. Allerdings steht das einstige Zentrum der Industrialisierung heute auch für die Veränderung des Fußballs vom professionellen, aber dennoch von seinen Fans getragenen Sport zum Geschäftsfeld international operierender Investoren.

Im Gegensatz dazu entstand 2005 der „Football Club United of Manchester”. Seine Gründung war eine Reaktion auf die in diesem Jahr erfolgte Übernahme „Manchester Uniteds” durch den US-amerikanischen Milliardär Malcolm Glazer. Die damit verbundene Wandlung des Traditionsvereins zu einem rein auf Gewinnsteigerung ausgerichteten Unternehmen der Sportunterhaltungsindustrie ging mit einer rasanten Erhöhung der Ticketpreise und einer Verdrängung langjähriger Fans aus dem legendären „Old Trafford“-Stadion einher. Daraufhin wandte sich ein Teil seiner enttäuschten Anhänger von ihrer alten Liebe ab und gründete den FCUM bewusst als basisdemokratischen und nichtkommerziellen Club. Diese Haltung beinhaltet, dass ein Sponsoring generell akzeptiert, aber bislang auf eine Werbebotschaft auf dem Trikot verzichtet wird. FCUM 3 EckeAufgrund der ungewöhnlichen Gründungsgeschichte entstand damals mehr als nur ein Zusammenschluss vermeintlich nicht zukunftsfähiger Fußballnostalgiker. Es entstand im bescheidenen Rahmen ein Gegenentwurf zum modernen Fußball. Das erkannten nicht nur Anhänger verschiedener britischer Clubs, sondern auch Fans in anderen Ländern. Sie bringen dem „FC United“ seitdem weit über seine Heimat reichende Sympathien entgegen, die sich unter anderem in der Existenz einer in Krefeld beheimateten deutschen „Supporters Branch“ ausdrücken.

Gegenwärtig spielt der Verein in der siebthöchsten Spielklasse und wird von etwa 2.800 Mitgliedern getragen. Als Austragungsort nutzt er das über rund 12.000 Plätze verfügende „Gigg Lane“-Stadion des 1885 gegründeten „Bury Football Club“. Es befindet sich in der ca. 15 Kilometer nördlich von Manchester gelegenen Kleinstadt Bury, die auch die Endstation einer aus der Innenstadt der Metropole führenden Straßenbahnlinie beherbergt. Beim einstöckigen Stadion handelt es sich zwar um einen von Stehplätzen befreiten All-Seater, aber seine Anlage wie auch seine Umgebung heben sich von den modernen Bauten der obersten Ligen durch eine traditionelle Bodenständigkeit ab. Die Spielstätte befindet sich in einer aus typisch englischen Einfamilienhäusern gebildeten Straße mit einem in der Nähe gelegenen Pub. FCUM 2 BannerAuf dem vorliegenden Parkplatz erfolgen der Fanartikelverkauf aus einem Container heraus sowie die Anwerbung weiterer Mitglieder an einem improvisierten Stand. Einerseits ist innerhalb des Stadions, entsprechend der in England geltenden Vorschriften, der Bierkonsum auf den Bereich um die Ausschankstelle beschränkt und die Sicht wird durch Stützen der Überdachung leicht behindert. Andererseits sind jedoch entlang der Geraden freie Bewegungen möglich und die Mannschaft wird von einer hinter dem Heimtor stehenden Singing Crowd unterstützt, die ihre für 8 Pfund eingenommenen Sitzplätze teilweise als Stehplätze umfunktioniert. Auf den Rängen verdeutlicht sich eine kapitalismuskritische Grundhaltung auch durch Blockfahnen im Stil der Nationalflagge des sozialistischen Kubas und Banner mit Selbstbekenntnissen wie „Makin’ Friends not Millionaires“. Dabei herrscht eine dieser Haltung entsprechende Stimmung, die Zuschauer zur Mitgestaltung des Vereinslebens einlädt.

FCUM 4 TorAuch wenn es sich beim FCUM um ein sportliches Leichtgewicht handelt, stellt er aus fankultureller Sicht eine Alternative zu den von US-amerikanischen Investoren, arabischen Ölscheichs und russischen Oligarchen übernommenen englischen Spitzenklubs und der damit verbundenen Art des Fußballs dar. Bislang funktioniert sein unkommerzielles und mitgliederorientiertes Konzept. Allerdings spielt der Club im Amateurfußball noch in einer Spielklasse, in der die Einnahmen aus Ticketverkäufen, Fanartikelvertrieb und Mitgliedsbeiträgen nicht im Schatten von Sponsorengeldern stehen. In dieser Ebene befindet sich der FCUM aber gegenüber seinen direkten Ligakonkurrenten aufgrund der vergleichsweise hohen Anzahl von Vereinsangehörigen und Stadionbesuchern in einer begünstigten Lage. Dies würde sich jedoch ändern, falls dem Club der Aufstieg in die oberen Spielklassen gelänge. Dann könnte er irgendwann den Punkt erreichen, an dem sich die Frage stellt, wie viel Sponsoring für wie viel sportlichen Erfolg hinnehmbar ist. An genau diesem Punkt würde sich dann nicht nur zeigen, inwieweit der Verein seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden kann, sondern auch wie tragfähig basisdemokratische Verfassungen im Fußball in einer kritischen Situation sein können.

 

vfb ckVergangene Woche bestätigte der DFB eine Neufassung der Stadionrichtlinien. Auch wir hatten uns mit den Richtlinien beschäfftigt und nicht nur negative Änderungen gesehen. Die Ultras-Gruppe "Commando Cannstatt" sieht in der Novellierung die Position von betroffenen Fans weiter geschwächt.

Die Stellungnahme des Commando Cannstatt von diesem Freitag:

 

Stellungnahme zur Novellierung der SV-Richtlinien

In den letzten Tagen konnte man verschiedenen Medien entnehmen, dass eine Änderung der "Richtlinien zur einheitlichen Behandlung von Stadionverboten" geplant oder bereits vollzogen sei. Uns liegt dieses Dokument vor und wir sind erschüttert über das Selbstbild des DFB und der Sicherheitsbeauftragten der in seinem Ligaverband organisierten Vereine. Von Fußballverbänden ist man an Anmaßung und Selbstherrlichkeit ja schon einiges gewohnt, aber diese Neuerungen können jeden Fußballfan nur noch sprachlos zurücklassen. Um unsere Argumente nachvollziehbar zu machen und eine fundierte kritische Auseinandersetzung mit der Rolle des DFB zu ermöglichen sind diese, inklusive der mitgelieferten Hinweise und Erläuterungen, im Anhang an unsere Stellungnahme zum Download bereitgestellt. Wir wollen im Folgenden nur auf die gravierendsten Auswüchse dieser Novellierung eingehen um deutlich zu machen was die Stunde geschlagen hat. Für eine grundsätzliche Kritik am System der Stadionverbote, die sowohl wir als Ultras, als auch Interessengruppen, wie beispielsweise die AG Fananwälte, bereits mehrfach formuliert haben bleibt hier nur teilweise Platz.

  1. Stadionverbote werden in Zukunft auch bei einer Verletzung der Menschenwürde verhängt.
    Die aktuellen Richtlinien erwähnen diese Möglichkeit in §5 Abs.4 Nr. 18 zwar bereits, allerdings ist uns kein Fall bekannt in dem mit dieser Begründung ein Stadionverbot ausgesprochen wurde. Nach unserem Kenntnisstand zieht eine Beleidigung allenfalls dann ein Stadionverbot nach sich, wenn sie aus rassistischen oder fremdenfeindlichen Motiven erfolgt. Dies ist auch insofern sinnvoll, als dass eine simple Beleidigung kein Indiz für zukünftiges sicherheitsbeeinträchtigendes Verhalten sein kann, was nach der bisherigen Fassung der Stadionverbotsrichtlinien jedoch erforderlich ist. In der Präambel der Neufassung bricht der DFB mit diesem Grundprinzip. Nunmehr soll für die Verhängung eines Stadionverbots entweder ein sicherheitsbeeinträchtigendes Verhalten ausreichen oder ein Verhalten, welches "in einer die Menschenwürde verletzenden Art und Weise“ begangen wird. Dabei muss das Eine das Andere nicht einschließen. In der Zielsetzung ist dann allerdings ganz klar festgehalten, dass Stadionverbote ein zukünftiges sicherheitsbeeinträchtigendes Verhalten verhindern sollen. Sprich wer heute in irgendeiner Form die Menschenwürde eines anderen verletzt, verhält sich morgen sicherheitsbeeinträchtigend. Die Gretchenfrage in dieser Diskussion ist die Definition der Menschenwürde. Der DFB kreiert hier willkürlich die Kategorien "Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion, Geschlecht und Herkunft", in denen eine Verletzung der Menschenwürde erfolgen kann, die dann auch ein Stadionverbot nach sich zieht. Wir müssen an dieser Stelle die Frage stellen, ob ein Fußballverband allen Ernstes für sich in Anspruch nehmen kann, konsistent und allgemeingültig zu definieren, wann eine Verletzung der Menschenwürde beispielsweise aufgrund der Herkunft erfolgt. Ist ein skandiertes "XYZ-Stadt Arschlöcher" schon genug? Wie wird mit den im Fußballkontext üblichen Abwertungen des Gegners umgegangen? Wie soll sichergestellt werden, dass an allen Fußballstandorten nach dem selben Prinzip die selben Äußerungen geahndet werden? Und zwar alle? Wer leitet ein Stadionverbotsverfahren ein? Eine Richtlinie, die so allgemein ist, kann nur in Willkür, Intransparenz und Wahnsinn enden. In Italien werden Kurven geschlossen, weil die Süditaliener aus Neapel im Norden mit "Wir sind keine Neapolitaner" begrüßt wurden. Das Stichwort hier heißt territoriale Diskriminierung. Wollen wir solche Szenarien in der Zukunft haben? Mit diesen Richtlinien sind wir auf dem besten Weg dazu und zu einem allmächtigen DFB der sich eine Definitionshoheit weit über geltendes Recht hinaus anmaßt. An dieser Stelle sei auch eine kleine Anmerkung zu den definierten Kategorien erlaubt. Sexuelle Orientierung beispielsweise und die damit einhergehende Homophobie soll offensichtlich keine Verletzung der Menschenwürde darstellen. Auch Anspielungen auf den sozialen Status "schlaft unter Brücken oder in der Bahnhofsmission" oder das Auspfeifen von schlechten sportlichen Leistungen könnten hier genannt werden. Dies komplettiert allerdings keinesfalls die Liste, sondern demonstriert nur nochmal den Irrsinn und die Anmaßung, eine solche abseits des geltenden Rechts erstellen zu wollen.

  2. Stadionverbote können vermehrt ohne Einleitung eines Ermittlungsverfahrens ausgesprochen werden.
    Zusätzlich zu vermeintlichen Verletzungen der Menschenwürde sollen weitere Graubereiche geschaffen werden. So wird in Zukunft die "aktive Unterstützung" des Abbrennens von Pyrotechnik ebenfalls mit Stadionverbot bedacht. In den Erläuterungen wird als eine mögliche aktive Unterstützungshandlung das Hochhalten eines Doppelhalters genannt, hinter dem Pyrotechnik gezündet wird. Ob der Doppelhalter aus diesem Grund hochgehalten wurde oder ob das Hochhalten des Doppelhalters als normaler Stadionvorgang gesehen wird, dürfte dabei von der Laune des Sicherheitsbeauftragten abhängen. Da keine strafbare Handlung vorliegt, ist dem Betroffenen der Rechtsweg verbaut. Zumindest an dieser Stelle zeigt der DFB so etwas wie Unrechtsbewusstsein, heißt es doch in den Erläuterungen zu § 4: "Das Hochziehen / Hochhalten einer Blockfahne sollte nicht automatisch zu Stadionverboten für den gesamten Block führen, wenn z.B. in einer Ecke unter der Blockfahne pyrotechnische Gegenstände gezündet werden." Darüber hinaus wird mit dem § 4 Abs. 4 Nr. 20 ein weiterer Gummiparagraph eingeführt, der es ermöglichen soll, sicherheitsbeeinträchtigendes Verhalten auch abseits einer strafbaren Handlung, einer Verletzung der Menschenwürde oder einem schweren Verstoß gegen die Stadionordnung herbei zu definieren. Auf welcher Grundlage der Nachweis dafür erbracht werden soll, bleibt unklar.

  3. Vor Verhängung eines Stadionverbotes soll der Betroffene eine schriftliche Stellungnahme abgeben.
    Dem Betroffenen wird innerhalb einer Frist von zwei Wochen das Recht auf eine schriftliche Stellungnahme zugebilligt. Dies klingt erst mal gut, ist aber nicht unproblematisch. Sollte dem Stadionverbot ein Strafverfahren zu Grunde liegen, wird in vielen Fällen der anwaltliche Rat lauten, keine Angaben zur Sache zu machen und erst recht keine schriftliche Stellungnahme zu verfassen, die dann dem Verein vorgelegt wird und zu der die Polizei ebenfalls Stellung nehmen darf. Auf diese Weise wird das ureigenste Recht von Beschuldigten, nämlich zu einem Tatvorwurf zu schweigen, perfide durch die Hintertür ausgehebelt. Selbstverständlich könnten Sicherheitsbeauftragte auch einfach als Zeugen geladen werden und müssten dann in einem etwaigen Gerichtsverfahren die Stellungnahme des Betroffenen wiedergeben. Da der fristgerechte Eingang einer Stellungnahme positiv berücksichtigt werden soll liegt im Umkehrschluss nahe, dass die Wahrung des eigenen Rechts auf Schweigen einen Nachteil bedeuten könnte.

  4. Die Maximaldauer von Stadionverboten wird auf 5 Jahre erhöht.
    Dieser Punkt ist sicher die plakativste Verschärfung der Richtlinien und wird von den allgegenwärtigen Sicherheitsfanatikern unverständlicherweise immer noch als zu milde dargestellt. Wer wird sich, selbst im schwersten denkbaren, Fall anmaßen, das Verhalten eines Menschen für die nächsten 5 Jahren zu prognostizieren? Sozialpädagogen oder Psychologen könnten aufgrund jahrelanger Berufserfahrung und persönlichen Gesprächen mit der Person eventuell eine Aussage treffen, ein Sicherheitsbeauftragter, der nur die schriftliche Stellungnahme des Betroffenen und die der Polizei kennt, sollte etwas dezenter mit solchen Prognosen sein. Selbstredend wird durch die größere Spannweite der Dauer die Transparenz und Konsistenz in den Entscheidungen nicht erhöht.

  5. Der DFB leitet Daten über Stadionverbote an UEFA, FIFA oder andere Landesverbände weiter.
    In der aktuellen Vergabepraxis von Stadionverboten ist die Weitergabe von Daten seitens der Polizei an Vereine und Verbände schon äußerst umstritten. Eine Grundlage für die Übermittlung von Daten an die UEFA, FIFA oder andere Landesverbände ist schlicht nicht gegeben und diese wäre daher illegal.

Fazit:

  • Mit der Neufassung der Stadionverbotsrichtlinien wird die Position der betroffenen Fans gegenüber dem DFB und den Vereinen weiter geschwächt.
  • Der DFB und seine Vereine beanspruchen die Definitionshoheit über den Komplex der Menschenwürde für sich.
  • Die Sicherheitsbeauftragten des DFB und der Vereine wollen Kläger, Richter, Staatsanwalt und psychologischer Gutachter in Personalunion sein.
  • Der DFB manifestiert sich als Staat im Staate und entkoppelt sich zunehmend von geltendem Recht.

Quelle: cc97.de

Mittwoch, 20 November 2013 21:05

Fankultur.com goes Kleeblatt

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Nach über einem Jahr sollte es am vergangenen Samstag soweit sein: die Scheiberlinge hinter den Artikeln von fankultur.com lernten sich kennen. Was gibt es da für einen besseren Anlass als den Traditionsknaller der Regionalliga West – Rot Weiß Oberhausen gegen KFC Uerdingen!

Mittwoch, 30 Oktober 2013 22:35

Schalker und Dortmunder Fanprojekte mit gemeinsamer Erklärung

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derby bvb-s04Die Fanprojekte von Schalke 04 und Borussia Dortmund veröffentlichen eine gemeinsame Presseerklärung zu den Vorfällen am letzten Samstag. Die Presseerklärung im Wortlaut:

Dortmund/Gelsenkirchen 30.Oktober 2013
Das Fan-Projekt Dortmund und das Schalker Fanprojekt mahnen zur Besinnung

Als Fanprojekte haben wir den Auftrag nach dem Nationalen Konzept für Sport und Sicherheit (NKSS) präventiv und kriseninterventiv mit Jugendlichen und jungen erwachsenen Fußballfans gegen Gewalt, Diskriminierung und Rassismus zu arbeiten. Gemeinsam mit den Fußballfans wollen wir zu einer positiven Fankultur beitragen.

In ihrer Funktion als unabhängige Drehpunkteinrichtungen werden die Fanprojekte durch die DFL, das Land NRW und die Kommunen finanziert.

Nach den Vorkommnissen am vergangenen Samstag möchten nun auch wir als Fan-Projekt Dortmund und Schalker Fanprojekt gemeinsam Stellung beziehen – für einen respektvollen Umgang, gegen Gewalt und für eine Rivalität beider Vereine mit ihren Fanszenen, die sich auf den Sport beschränkt.

Natürlich ist auch uns die über Jahrzehnte gewachsene Rivalität der beiden Vereine und ihrer Anhänger bewusst. Auch deswegen ist das Ruhrgebietsderby immer ein ganz besonderes Spiel und soll es auch weiterhin bleiben.

Nichtsdestotrotz möchten wir klarstellen, dass aus unserer Sicht an diesem Spieltag, vor allem aber auch in den letzten Wochen und Monaten Grenzen von beiden Seiten überschritten wurden, die nicht akzeptabel sind. Es kann und darf nicht sein, dass gegenseitige Gewaltandrohungen und -anwendungen mit der Rivalität und dem Satz „das war beim Derby schon immer so“ gerechtfertigt und somit als legitim angesehen werden.

Der Anwendung von Pyrotechnik und den mutwillig ausgeübten gewalttätigen Auseinandersetzungen muss an dieser Stelle ganz deutlich Einhalt geboten werden: Das gezielte Einsetzen von „Leuchtspurmunition“ und Werfen anderer Feuerwerkskörper auf Personen ist mindestens eine in Kauf genommene, möglicherweise gar schwere Körperverletzung, die nicht tolerierbar und entschieden abzulehnen ist. Solcherlei Handlungen erfüllen derzeit, trotz aller Diskussionen um Pyrotechnik, Straftatbestände, die eine Reihe polizeilicher Ermittlungen nach sich ziehen und der Fankultur die Luft zu atmen nehmen werden. Diese Vorkommnisse spielen jenen Personen in die Karten, die von jeher auf Verbote setzen. Die Einforderung von Fanrechten und Freiräumen wird so kaum noch möglich sein, Faninteressen so kaum noch ernst genommen werden. Hier muss ein Umdenken in den Köpfen der Beteiligten einsetzen.

Unabhängig davon gibt es uns als Pädagogen zu denken, dass insbesondere Teile der jungen Generationen von BVB- und Schalke-Fans gewalttätige Auseinandersetzungen heroisieren und sich selbst (wie auch das Ultradasein) zunehmend über derartige Handlungen zu definieren scheinen. Es ist mittlerweile zu einem Kreislauf von Aktionen und Reaktionen gekommen, der immer wieder mit inakzeptablen Handlungen der jeweils anderen Seite gerechtfertigt und somit am Leben gehalten wird. An dieser Stelle sind zunächst die Ultras gefordert, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden und dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen. Aber auch alle anderen Stadionbesucher sowie alle professionell am Fußballgeschehen Beteiligten stehen in der Verantwortung für eine friedliche und positive Fankultur.

Die Aktion „12:12 – Ohne Stimme keine Stimmung“ hat gezeigt, welchen Einfluss und welches Veränderungspotenzial Fankurven haben können, die sich an den positiven Werten der Fankultur orientieren!

Wir fordern alle Fans auf, sich einzumischen – gegen Hass, Gewalt und Diskriminierungen und für eine Fankultur, die ihre Rivalitäten kreativ, witzig und von gegenseitigem Respekt getragen, auslebt.

Fan-Projekt Dortmund e.V. Schalker Fanprojekt

Newcastle 1 ÜberschriftAls vor mehr als 100 Jahren der Fußball seinen Kinderschuhen entwuchs und sich von Erdwällen umgebene Spielwiesen zu Stadien entwickelten, erfolgte dies in der Regel in der Nähe der sie bespielenden Vereine. Da sich diese in damals räumlich überschaubaren Kommunen befanden, wurden die Stadien integrale Bestandteile vieler europäischer Innenstädte. In den letzten beiden Jahrzehnten bewirkte jedoch der Boom des Profifußballs eine flächendeckende Modernisierung, die zum Abriss vieler alter Spielstätten und dem Neubau hochfunktionaler Arenen an den Rändern der mittlerweile in die Fläche gewachsenen Städte führte. Newcastle 2 GasseDadurch verbesserten viele Vereine zwar ihre wirtschaftlichen und infrastrukturellen Möglichkeiten, erfuhren aber eine Art architektonischer Entwurzelung. Umso erfreulicher ist es, dass einigen Klubs eine Gratwanderung gelungen ist, bei der eine erfolgreiche Modernisierung nicht den Verlust der Verbindung aus Stadt, Verein und Stadion mit sich brachte. Zu ihnen gehört „Newcastle United“ mit seinem „St. James’ Park“.

Newcastle 3 SpielfeldDeren Heimatstadt Newcastle-upon-Tyne wurde zur Sicherung Nordostenglands vor schottischen Einfällen am steilen Nordufer des Tyne gegründet. Heute ist sie trotz ihrer nur rund 278.000 Bürger zusammen mit dem am Südufer gelegenen Gateshead das den Landesteil prägende Zentrum. Dessen „Geordies“ genannte Einwohner pflegen eine besonders starke Regionalidentität, die sich nicht nur in einem schwer verständlichen Dialekt, sondern auch in einer tiefen Verbundenheit mit ihrem Verein ausdrückt. Das einst durch den Kohleabbau wohlhabend gewordene Newcastle erhielt während der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts eine von viktorianischen Gebäuden bestimmte Innenstadt. Da sie im Zweiten Weltkrieg weitgehend von deutschen Luftangriffen verschont geblieben war, hat sie heute kein von der funktionalen Architektur der Nachkriegszeit geformtes Stadtbild. Nach dem industriellen Niedergang der 1970er und 1980er Jahre erneuerte sich die Metropole als Handels- und Kulturstadt und präsentiert sich heute mit einer attraktiven Kombination aus restaurierten Straßenzügen sowie einigen eindrucksvollen Gebäuden der neueren Architektur, etwa der kippbaren Millennium-Brücke oder der futuristischen Veranstaltungshalle in Gateshead. Newcastle 4 GästeblickDer dadurch entstandene Kontrast ist ein positiver Kontrast, da die unterschiedlichen Gebäude nicht gegeneinander stehen, sondern miteinander harmonieren. Die Verbindung zweier verschiedener Bereiche zeigt sich auch im Alltag, denn obwohl die Stadt mittlerweile eine lebendige Hochschul- und Kunstszene hat, verfügt sie weiterhin über ein Klima, das aufgrund des rauen Charmes ihrer Einwohner an das gesellschaftliche Leben des Ruhrgebiets erinnert. Dies äußert sich unter anderem darin, dass Newcastle eine in Teilen sehr trinkfreudige Einwohnerschaft aufweist und das Ausgehzentrum des englischen Nordostens ist.

Der „Newcastle United Football Club“ (NUFC) entstand 1892 als Zusammenschluss zweier lokaler Vereine und errang in den 1990er Jahren durch eine offensive Spielanlage internationale Bekanntheit. Dazu trugen Persönlichkeiten wie der Stürmer Alan Shearer, der Trainer Kevin Keegan oder dessen Nachfolger Bobby Robson bei, der die Mannschaft während des sich um die Jahrtausendwende beschleunigenden Veränderungsprozesses des englischen Fußballs führte. Teil dieser Entwicklung war die Ungestaltung des nur fünf Gehminuten vom zentralen Platz Newcastles auf einer Erhebung gelegenen „St. James’ Park“. Newcastle 5 DachDabei entschied sich der Verein gegen einen Umzug in Grüne und betrieb den Ausbau der bereits seit 1892 bestehenden Spielstätte. Entstanden ist ein zeitgemäßes, etwa 52.000 Plätze umfassendes Stadion, das dem Verein unter anderem mit mehreren Veranstaltungsräumen und einem großzügigen Fanshop vielfältige Nutzungsmöglichkeiten bietet. Gleichzeitig sorgte die Nähe zu den benachbarten Gebäuden dafür, dass kein reißbrettartiger Nutzbau, sondern ein unsymmetrisches Stadion mit charakteristischen Eigenarten errichtet wurde. Der Grund dafür lag darin, dass sich die alte Gegengerade an einer schmalen Gasse befand, hinter der sich mehrere Zeilen denkmalgeschützter Häuser aufreihten. Das Stadion konnte deshalb nicht in die Breite wachsen, sodass die Tribünen in die Höhe getrieben wurden. Da dies mit Ausnahme der Gegengerade geschehen musste, präsentiert sich den Zuschauern heute ein ungewöhnlich steiles Stadion. In ihm können die sich hinter den Toren und auf der Haupttribüne befindenden Zuschauer über die Gegengerade hinweg einen Blick auf die tiefer gelegene Stadt werfen, während eine freitragende und durchsichtige Dachkonstruktion das Gefühl eines zum Himmel strebenden Gebäudes verstärkt. Dessen Lage am traditionellen Ort führt zu weiteren Kontrasten. So grenzt das Stadion einerseits an die historischen Häuserreihen, während sich hinter der Haupttribüne moderne Bürogebäude befinden. Ebenso unterschiedlich ist das gastronomische Angebot, denn während sich die Südtribüne zur Straße hin mit einer durchkonzipierten Sports-Bar präsentiert, findet sich an der schräg gegenübergelegenen Straßenecke mit dem „Strawberry“ ein klassischer Pub als eingesessene Fankneipe.

Newcastle SpuckverbotSomit ist der „St. James’ Park“ ein Kontrast aus Alt und Neu. Er ergibt sich aus dem Wechselspiel zwischen der erdigen Gegengeraden und der lichten Dachkonstruktion, der historischen Gasse und den verglasten Büros sowie dem „Strawberry“-Pub und der Sports-Bar. Dadurch spiegelt das Stadion den für die gesamte Stadt bestehenden Kontrast wieder. Und auch in seinem Fall ist es ein positiver Kontrast, in dem Tradition und Moderne eine stimmige, sich gegenseitig bereichernde Einheit bilden. In Kombination mit seiner erhöhten Lage in der Innenstadt ist der „St. James’ Park“ mehr als eine Spielstätte. Er ist ein zentraler Ort, an dem die Entwicklung und der Charakter der Stadt Newcastle deutlich werden  … und an dem natürlich auch Fußball gespielt wird.

Foto 3Am 4. Oktober 2013 organisierte eine von Dortmunder Fans getragene Initiative einen Konzertabend im Familienblock des weiterhin unter seinem alten Namen bekannten Westfalenstadions. Die Veranstaltung war Teil der Bemühungen, die Produktionskosten für den geplanten Film „Am Borsigplatz geboren“ aufzubringen, der die Entstehungsgeschichte des BVB darstellen soll. Bemerkenswert ist dabei nicht nur das begrüßenswerte Ansinnen, die Verdienste des Gründungsmitglieds Franz Jacobi in Erinnerung zu rufen, sondern auch das außergewöhnliche Engagement der Fanszene. Treibende Kräfte des Projekts sind mit Gregor Schnittker, Marc Mauricius Quambusch und Jan-Henrik Gruszecki drei Borussen mit journalistischem Hintergrund, die auf eine Finanzierung durch ein Crowdfunding der Klubanhänger sowie Sponsorenspenden setzen.

Der in Vergessenheit geratene Hüttenbeamte Franz Jacobi (1888-1979) gründete 1909 den BVB mit 17 weiteren Personen in der am Dortmunder Borsigplatz gelegenen Gaststätte „Zum Wildschütz“. In der Folgezeit wurde er zur wichtigsten Person für die ersten Jahre des Vereins, dem er von 1910 bis 1923 als Präsident vorstand. Mit der Überzeugung, das „der Stolz auf die Geschichte … das wichtigste Gut eines Traditionsvereins (ist)“, machte die Initiative historische Quellen ausfindig und konnte sowohl die Unterstützung des Vereins als auch der Nachfahren Jacobis gewinnen.

Die von mehreren hundert Fans besuchte Finanzierungsveranstaltung hatte das Motto „Tanz für Franz“ und bestand aus Interviews sowie mehreren Bandauftritten. Den musikalischen Rahmen bildeten hauptsächlich die Hip Hop-Crew „SBK Basement“ sowie die Rock-Bands „Dortmunder Jungs“ und „Pommes Schwarz Gelb“. Diese schufen, trotz erheblicher Schwächen der Soundanlage, mit konsequent fanspezifischen Texten eine sehr angeregte Stimmung. Einen Anteil daran hatte auch der von „SBK Basement“ vorgetragene und vom Publikum engagiert mitgesungene Sprechchor: „Stadionverbotler, Ihr seid unsere Brüder! Stadionverbotler haltet durch!“

Foto 1Die Bands teilten die Bühne im Wechsel mit Gesprächsgästen. Unter diesen war mit Gerrit Jacobi ein Nachfahre des Vereinsmitbegründers, der über die positive Reaktion seiner Familie sowie deren Zustimmung zur bereits erfolgten Verlegung des Jacobi-Grabes von Salzgitter nach Dortmund berichtete. Einen emotionellen Höhepunkt bildete das Erscheinen des einst aus der Stadt vertriebenen Altfans Peter „Erbse“ Erdmann, der seinen BVB-Walzer intonierte. Für einen weiteren Höhepunkt sorgte Hans Tilkowski, der 1966 während des Endspiels der Weltmeisterschaft das Tor der Nationalmannschaft hütete (und das Wembley-Tor hinnehmen musste) sowie im gleichen Jahr mit dem BVB den Europapokal der Pokalsieger errang. Seine Sympathiebekundungen für die Stehplatzkultur und die Fantradition verdeutlichten, dass die heute innerhalb der Fanszene aktiven Personen nicht im luftleeren Raum agieren.

Nur einen Tag nachdem der „Westdeutsche Rundfunk“ (WDR) mit „Wir die Wand“ einen missglückten Wohlfühlfilm über die Dortmunder „Südtribüne“ ausgestrahlt hatte, zeigten die Fans des BVB eine bemerkenswerte Handlungsfähigkeit aus eigener Kraft. Die Initiative hatte als Finanzierungsbedarf ein Minimalziel von 120.000 Euro für eine einfache Dokumentation anvisiert, jedoch im Sinne einer verbesserten Ausstattung auf höhere Erlose gehofft. Im Verlauf der die Finanzierungskampagne krönenden „Tanzveranstaltung“ gaben die Organisatoren an, bis zum Abend insgesamt 258.000 Euro aufgebracht zu haben. Damit sind die Vorraussetzungen für den Start einer gut ausgestatteten Filmproduktion gelegt. Es bleibt nun zu hoffen, dass der Film dem Erbe Jacobis qualitativ gerecht wird.

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