Fr28Apr2017

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Dienstag, 30 September 2014 23:48

Letztens in Hauenhorst

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hhtp01Fünf Scheine ins Phrasenschwein: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Zum Beispiel: Die „Kleinen“ dürfen unter Wettkampfbedingungen gegen die „Großen“ antreten. So verschlug es Turbine Potsdam ins münsterländische Rheine zur Pokal-Pflichtaufgabe bei Germania Hauenhorst. Gute Gelegenheit, den flinken Turbinen mal wieder bei der Arbeit zuzuschauen, wenn sie schon mal in die Gegend kommen. Außerdem ist Germania Hauenhorst Tabellenzweiter der Westfalenliga und tritt nächstes Wochenende beim Tabellenführer zum Spitzenspiel an. Der wiederum heißt, wie könnte es anders sein, Arminia Bielefeld. Daher kann es auch nicht schaden, den nächsten Gegner mal unter die Lupe zu nehmen. Das versuche ich auch erfolglos einem Turbine-Fan zu vermitteln, der mit mir im Bus zum Stadion sitzt. „Hoffenheim! Dit is da nächste Jechner.“, und davon ist er nicht abzubringen. Na denn.

Donnerstag, 21 August 2014 18:37

Damals in Dänemark

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SE01Im Dezember 2009 verschlug es mich für zwei Wochen nach Kiel. Gute Gelegenheit, die Region zu erkunden, einschließlich Ballsportangebot. Nun gehört Dänemark nicht unbedingt zur näheren Umgebung von Kiel, aber wer weiß, wann man Dänemark das nächste Mal so nahe kommt. Also schaue ich mich im Spielplan der SAS Ligaen um. Im Idealfall bietet man mir ein Spiel im Süden des Landes. Und siehe da: 70 Kilometer nördlich der Grenze, in der Ortschaft Haderslev, spielt SønderjyskE gegen AalborgBK. Nix wie hin da!

Dienstag, 08 Juli 2014 09:18

Von Wundern, Kultur und einem Singvogel

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Die „Schmach von Córdoba“ ist wohl jedem deutschen Fußballfan mal zu Ohren gekommen. Damals im Jahre 1978 gewann die kleine Fußballnation Österreich gegen den amtierenden Weltmeister aus Deutschland in Argentinien mit 3:2. Torschützen für die BRD waren damals Karl-Heinz Rummenigge und Bernd Hölzenbein.

Im „Estadio Córdoba“, wie ich es aufgrund der traditionellen Herkunft bevorzuge zu nennen, trägt seither der Club Atlético Belgrano seine Heimspiele aus. Nunja, teilweise: weil der Rekordmeister River Plate am Sonntagabend des 6. Aprils zu Besuch war, wich man wie bei jedem Spiel gegen einen der „fünf Großen“ (Boca, Racing, Indenpendiente, San Lorenzo und eben River Plate) in die WM-Spielstätte aus.

Das Wetter war suboptimal, aber die Laune stieg bei jedem Meter, dem wir uns Cordoba’s Tempel näherten. Mein deutscher Mitbewohner Luca und mein bester Kumpel aus Deutschland Niko waren zu Besuch bei Luca’s Freundin Mica und meiner Romanze Mariene, aber Mane ist einfacher und klingt auch flotter für ne Latina. Die imaginären Spanischkenntnisse meines Kumpels kam des Öfteren zum Tragen der allgemeinen Stimmung. Da Englisch auch nur bedingt funktionierte, einigte man sich auf die wohl schlauste aller Sprachen: das Schweigen. Und da ich das ein oder andere mal das Vokabellernen geschwänzt habe, verstand ich ab und an Dinge auch erst beim zweiten Mal.

Wir stiegen langsam die Treppen zur Tribüne empor und eine intensive innere Freude überkam mich. Mane nahm mich an der Hand und wir nahmen zusammen einen tiefen Atemzug der Fußballdroge. Unsere Pupillen schrumpften aufs Minimale geblendet vom Flutlicht, ein neuer Himmel tat sich auf und die südamerikanischen Fangesänge erschienen wie Engelchöre. Es kribbelt im ganzen Körper, die Musik, die Gesänge wurden lauter, sogar die Schrift auf den Fahnen war jetzt deutlich zu lesen und beim Eintritt in „la cancha“ trat’s mich voll aus’m Leben:

Das satte Grün auf dem Spielfeld, ein Menschenmeer aus Hellblau und eine Hinchada, die sich sehen lassen konnte überwältigten mich und ich strahlte über das ganze Gesicht. Boah, geil!

Wir nahmen unsere Plätze ein und Mane streifte sich das Trikot des Club Atlético Belgrano über - sexy, dachte ich mir, ist halt nur der falsche Verein. Während „la Pirata“ wie sich die Fangruppe Belgrano’s nennt, auf das Spiel einstimmte, gab es noch Zeit für ein, zwei Momente mit ihr. Die Langeweile bis zum Anpfiff war ihr deutlich anzumerken, sie war aber glücklich mit mir dieses Spiel zu sehen. Immer wieder blickte sie verträumt in die Leere und lehnte ihren Kopf an meine Schulter. Auf dem Boden spiegelte sich das Flutlicht in einer Pfütze, es muss am Vortag wohl geregnet haben. Ich gab ihr einen leichten Kuss auf den Kopf und begann leicht mit meinem Daumen über ihre Hand zu streicheln.

Der Einlauf der Teams riss uns aus unseren Tagträumen und wir waren den Geschehnissen näher als je zuvor - eigentlich waren wir ja das Geschehen. Wir erhoben uns von den Sitzen. „Du musst sie beleidigen“, rief Mica mir zu und deutete auf die Herren in rot-weiß, die in diesem Augenblick das Spielfeld betraten. Putos, dachte ich mir ohne weitere Aufmerksamkeit erregen zu wollen. Mit dem Einlauf Belgranos stieg der Lautstärkepegel und das Weite Rund verschmolz so einer einzigen Stimmgewalt, der wir uns anschlossen. So wir gaben unser Bestes die hellblau gekleideten Córdobosen zum Sieg zu singen. Für einen Moment lang hielt ich inne, als ich bemerkte, dass Mane mit ihrer sonst so leichtrauchigen Stimme berieselnde Töne von sich gab. Ein echter Singvogel, dachte ich mir und lächelte. Als erprobter Stadiongänger in Argentinien war es mir ein Leichtes mich an die Gesänge und eventuelle Abwandlungen zu gewöhnen, so dass ich Klassiker wie „Dale la Be“ aus Voller Kehle mitsingen konnte.

Nach einem ansehnlichen Angriff über die linke Seite, konnte Belgrano sogar die 1:0 Führung erzielen und ein lautes „Goooooool“ war aus 48.000 Kehlen zu vernehmen. Mica und Mane sprangen auf vor Glück und fielen sich in die Arme. Ein paar Stufen weiter unten ließ ein Fan ein paar Tränen und küsste daraufhin seine Herzdame sowie seinen wohl kaum ein Jahr alten Nachwuchs. Man muss sich das mal vorstellen: gerade war klein Córdoba gegen den Rekordmeister Argentiniens (33 nationale Meisterschaften) in Führung gegangen. Man wurde gerade Zeuge es Wunders, so erschien es mir.
Mein kleiner Singvogel umarmte mich, bevor wir uns mit einem Lächeln im Gesicht küssten - solche Momente bewahrst du im Herzen auf.

Das Glück war nur von kurzer Dauer, wussten die „Porteños“ (Hafenstädter) nur wenige Minute später eine Chance in Zählbares zu verwerten, 1:1. Die Stimmung wurde somit etwas getrübt und spätestens als der Halbzeitpfiff ertönte, machte sich die Ernüchterung breit. Wieder starrte ich in die Pfütze auf dem Boden und Mane legte ihren Kopf an meine Schulter. Ich liebte es, wenn sie das tat.

In Halbzeit zwei war River komplett abgemeldet und Belgrano machte seinem Namen als Heimmannschaft alle Ehre. Mit etwas Glück, aber keineswegs unverdient gelang die erneute Führung und nun brachen alle Dämme. Zum zweiten mal konnte das gallische Dorf aus Córdoba dem römischen Heer River Plate empfindlich zusetzen. Dale la Be!

Mein kleiner Singvogel drückte mich an sich und küsste mich vor Glück. Meine beiden Begleiter, ebenfalls Besucherdebütanten im Estadio Córdoba, freuten sich ebenfalls für den Underdog und auch Mica brachte ihre Interpretation der „Pasión Latina“ an Luca’s Mund zum Ausdruck - das ist doch diese Romantik oder nicht? Vielleicht verstehen Frauen unsere Liebe und Leidenschaft für dieses Spiel so ein bisschen besser.

Nach 90 Minuten stand das Ergebnis und wir konnten zufrieden unsere Heimreise antreten. Im Auto tauschten wir uns über die Geschenisse aus, wobei uns klar wurde, dass wir letztendlich doch eine Sprache gefunden haben, die wir alle verstehen.Mica, ihres Zeichens Mitglied und auch Dauerkarteninhaberin, grinste über beide Ohren, nicht zuletzt deshalb, weil sie auch eine heimliche Liebe für Boca hegte, dem Erzrivalen River Plate’s, das zu ihrem Bedauern das „Superclásico“ eine Woche zuvor verlor. Die Revanche war also mehr als geglückt.

Mane sah mir nochmal in die Augen und grinste mich etwas müde und erleichtert an. Sie sah glücklich aus. Scheiß River, dachte ich mir und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Wir verabschiedeten uns und machten uns auf den Weg ins Hostel. So verbringt man gerne seine Sonntage, dachte ich. Diese Kombination aus Fußball und Mädchen war bisher für mich undenkbar gewesen. Das passte einfach nicht. Aber hier in Argentinien ist der Fußball eben fester Bestandteil der Kultur. „La pasón latina“ lässt Frauen beim Fußball irgendwie sexy wirken. Oder einfach authentisch.

Jedes Mal, wenn ich an dieses Erlebnis zurück denke, sehe ich das Flutlicht, das sich in der Pfütze spiegelt, fühle ich den Mane’s Kopf an meiner Schulter und wenn ich die Augen schließe, kann ich mit etwas Mühe auch noch die Stimme meines Singvogels aus dem Stadion hören: „Dale la Be, dale la Be…“

 

Trotz der 2012 ausgetragenen Europameisterschaft ist das Interesse am Fußballland Polen in Deutschland gering. Dabei bietet der noch nicht von den Mechanismen der modernen Sportwirtschaft geprägte Spielbetrieb einige beachtenswerte Besonderheiten. So existiert in der Hauptstadt mit „KPS Polonia Warschau“ ein Klub, dessen Stadion an das der Nation im Zweiten Weltkrieg zugefügte Leid erinnert und dessen Anhänger sportkulturelle Charakteristika des Nachbarlandes aufzeigen.

Während die polnische Hauptstadt fußballerisch mit dem international bekannten Verein „Legia Warschau“ und dem am östlichen Weichselufer gelegenen „Nationalstadion“ bekannt ist, spielt „Polonia“ infolge von Finanz- und Lizenzproblemen lediglich in der vierten Liga. Dort empfing der Klub am 5. April 2014 den Provinzverein „Blekitni Raciaz“, wobei der Gastgeber das Spiel von Beginn an dominierte. Zwar kam es weder zu technischen Finessen noch zu überraschenden Spielzügen, doch bestritten beide Mannschaften eine von Engagement und sicheren Kombinationen geprägte Partie, die „Polonia“ kurz vor dem Abpfiff mit 2:1 für sich entschied. Bemerkenswerter als der Spielverlauf waren hingegen die Ausgestaltung des Stadions sowie einige Eigenarten der Zuschauer und Ordnungskräfte.

Polonia Stadion Name

Flutlichtmasten, Säulen und Bilder der Vernichtung

Das 7.000 Plätze umfassende „Polonia-Warschau-Stadion“ ist auf den ersten Blick eine klassische Spielstätte mit Flutlichtmasten, einer schmalen Laufbahn, Haupt- und Gegentribüne sowie Stehplätzen in nicht überdachten Kurven. Dabei fällt die Haupttribüne durch ihre mit Säulen versehene Fassade auf, da sie sich stilistisch an die Straßenfronten der stuckverzierten Bürgerhäuser der ersten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts anlehnt.

Polonia Stadion Waggon

Das Besondere der Spielstätte ergibt sich weniger aufgrund ihrer Architektur, sondern vor allem wegen ihrer Lage am nordwestlichen Rand der rekonstruierten Altstadt. Damit liegt sie im geografischen Zentrum der Polen im Zweiten Weltkrieg zugefügten und bis in die Gegenwart traumatisch nachwirkenden Verbrechen. Im Stadtzentrum erinnern diverse Mahnmale an den unter sowjetischer Beteiligung erfolgten deutschen Überfall, die Bombardierung Warschaus durch die Luftwaffe, die fünfjährige Besatzung, die Ermordung der jüdischen Bürger sowie die 200.000 Menschenleben fordernde vollständige Vernichtung Warschaus nach dem erfolglosen Aufstand seiner Bevölkerung. Eines der Mahnmale befindet sich auf der vor dem Stadion gelegenen Kreuzung. Dort erinnert die Skulptur eines mit Kreuzen gefüllten Eisengahnwaggons an das Schicksal der im sowjetischen Besatzungsgebiet oder nach ihrer Deportation in die UdSSR getöteten Polen. In der Nähe thematisiert an einer der Stadionmauern eine Reihe von Wandbildern den 1944 niedergeschlagenen Warschauer Aufstand. Die Malereinen zeigen sich erhebende Bürger, deutsche Soldaten mit der Parole „Achtung! Achtung!  Achtung!“, deren vorrückende Panzer sowie die niederbrennende Stadt.

Polonia Stadion Achtung

„Hallelujah, Hallelujah, Hallelujah … Polonia“

Zu den weiteren Besonderheiten des Vereins gehört der Ticketkauf, der sich bei der Partie gegen „Blekitni Raciaz“ aufgrund des erheblichen Risikopotenzials des polnischen Hooliganismus äußerst zäh gestaltete. So hatte sich jeder Besucher auszuweisen und erhielt die Eintrittkarte erst nach einer namentlichen Registrierung. Diese Zugangsregelung diente zwar der Verbesserung der Sicherheitslage, führte aber auch dazu, dass noch nach Spielbeginn etliche Fans vor den Kartenhäuschen anstanden. Diese verhielten sich jedoch ebenso entspannt, wie der Rest der etwa 2.000 Stadionbesucher. So kam es auch nicht zu aggressiven Handlungen gegenüber den nur etwa zwei dutzend Auswärtsfahrern, die ihr Team in die Hauptstadt begleitet hatten. Nichtsdestotrotz deutete das Erscheinungsbild einiger Heimfans an, dass bei dem Klub durchaus ein gewisses erlebnisbereites Potenzial existiert. So erschienen einige Personen mit einer Kombination aus rasierter Glatze, Stiernacken, Kunstfaserjogginganzug und einem Gesichtsausdruck, als wären sie gerade aus ihrer Boxbude herausgeflogen. Deren sportmodischem Auftreten entsprach dann auch dem von den Ordnern gepflegte Stil unter Einschluss von Flecktarnhosen und Einsatzstiefeln.

Eine weitere Eigenart bestand in einem kinderfreundlichen Klima. Dazu gehörte, dass der Nachwuchs der Stadionbesucher in einer in die Haupttribüne integrierten Sporthalle betreut wurde. Ungewöhnlich war auch der Umstand, dass zwei junge Mütter ihre Säuglinge nicht nur im Kinderwagen ins Stadion brachten, sondern sich mit den Gefährten unbeanstandet im zentralen Block aufhielten.

Polonia Raciaz 5 4 2014 Spielfeld

Während die Gegengerade nicht genutzt wurde, unterteilten die Fans ihre Haupttribüne in drei Teile. Den linken Bereich belegte eine 500 Personen umfassende Singing Crowd. Deren Angehörige verzichteten auf Ausschmückungen und Pyrotechnik und unterstützten ihre Mannschaft stattdessen unter Einsatz eines Vorsängers mit einer Kombination aus Sprechchören und Liedern. Das Zentrum belegten zwar eher unauffällige Tribünengeher, sie beteiligten sich jedoch mehrfach an der akustischen Unterstützung. Den rechten Bereich nahm unter anderem eine weitere, rund 200 Personen umfassende Supporter-Gruppe ein, die mit zwei dutzend gleichartigen Fahnen in den schwarz-weiß-roten Vereinsfarben optische Akzente setzen. Insgesamt zeigte sich der „Polonia“-Anhang ebenso engagiert wie sangesfreudig, wobei ein Schlachtruf wie „Halleluja, Hallelujah, Hallelujah  … Polonia“ auch den sprachunkundigen Gast darauf hinwies, dass er sich in einem katholisch geprägten Land befand.

Ausblick: EM-Qualifikation

Aufgrund ihrer geringen internationalen Wettbewerbesfähigkeit werden in absehbarer Zeit weder der polnische Fußball noch „Polonia Warschau“ das Interesse der deutschen Fanszene wecken. Allerdings wird Warschau zumindest am 11. Oktober 2014 in deren zeitweiliges Blickfeld geraten, da für diesen Tag das EM-Qualifikationsspiel zwischen Polen und Deutschland im „Nationalstadion“ angesetzt ist. Diese Begegnung wird ein hohes Sicherheitsrisiko bergen. Ursächlich dafür ist einerseits der Umstand, dass in Osteuropa ausgetragene Spiele der deutschen Nationalmannschaft wiederholt von rechtsextremistisch motivierten Hooligans und „Wir sind wieder einmarschiert!“ singenden Provokateuren begleitet wurden. Andererseits dürfte die Erwartung eines derartigen Gegners auch die ohnehin schon überdurchschnittlich gewaltbereiten polnischen Hooligans entsprechend motivieren.

Samstag, 08 März 2014 21:36

Torwandschießen am Autobahnkreuz

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Nadine Lotte 2Ein schnöder Dienstag im März. Die Champions League hat letzte Woche beherrscht, diese Woche ist da Pause. Was macht man also mit dem Abend? Man nimmt, was die Prime-Time (verdienterweise) zu bieten hat:

FCUM 1 Überschrift FriendsNur wenige Städte können ein fußballerisches Erbe vorweisen wie Manchester, das trotz seiner vielfach geringeren Größe einen nördlichen Gegenpol zur Hauptstadt London bildet. Die Metropole beheimatet mit „Manchester United“ und dem Stadtrivalen „Manchester City“ zwei sich weltweit vermarktende Schwergewichte des englischen Fußballs. Allerdings steht das einstige Zentrum der Industrialisierung heute auch für die Veränderung des Fußballs vom professionellen, aber dennoch von seinen Fans getragenen Sport zum Geschäftsfeld international operierender Investoren.

Im Gegensatz dazu entstand 2005 der „Football Club United of Manchester”. Seine Gründung war eine Reaktion auf die in diesem Jahr erfolgte Übernahme „Manchester Uniteds” durch den US-amerikanischen Milliardär Malcolm Glazer. Die damit verbundene Wandlung des Traditionsvereins zu einem rein auf Gewinnsteigerung ausgerichteten Unternehmen der Sportunterhaltungsindustrie ging mit einer rasanten Erhöhung der Ticketpreise und einer Verdrängung langjähriger Fans aus dem legendären „Old Trafford“-Stadion einher. Daraufhin wandte sich ein Teil seiner enttäuschten Anhänger von ihrer alten Liebe ab und gründete den FCUM bewusst als basisdemokratischen und nichtkommerziellen Club. Diese Haltung beinhaltet, dass ein Sponsoring generell akzeptiert, aber bislang auf eine Werbebotschaft auf dem Trikot verzichtet wird. FCUM 3 EckeAufgrund der ungewöhnlichen Gründungsgeschichte entstand damals mehr als nur ein Zusammenschluss vermeintlich nicht zukunftsfähiger Fußballnostalgiker. Es entstand im bescheidenen Rahmen ein Gegenentwurf zum modernen Fußball. Das erkannten nicht nur Anhänger verschiedener britischer Clubs, sondern auch Fans in anderen Ländern. Sie bringen dem „FC United“ seitdem weit über seine Heimat reichende Sympathien entgegen, die sich unter anderem in der Existenz einer in Krefeld beheimateten deutschen „Supporters Branch“ ausdrücken.

Gegenwärtig spielt der Verein in der siebthöchsten Spielklasse und wird von etwa 2.800 Mitgliedern getragen. Als Austragungsort nutzt er das über rund 12.000 Plätze verfügende „Gigg Lane“-Stadion des 1885 gegründeten „Bury Football Club“. Es befindet sich in der ca. 15 Kilometer nördlich von Manchester gelegenen Kleinstadt Bury, die auch die Endstation einer aus der Innenstadt der Metropole führenden Straßenbahnlinie beherbergt. Beim einstöckigen Stadion handelt es sich zwar um einen von Stehplätzen befreiten All-Seater, aber seine Anlage wie auch seine Umgebung heben sich von den modernen Bauten der obersten Ligen durch eine traditionelle Bodenständigkeit ab. Die Spielstätte befindet sich in einer aus typisch englischen Einfamilienhäusern gebildeten Straße mit einem in der Nähe gelegenen Pub. FCUM 2 BannerAuf dem vorliegenden Parkplatz erfolgen der Fanartikelverkauf aus einem Container heraus sowie die Anwerbung weiterer Mitglieder an einem improvisierten Stand. Einerseits ist innerhalb des Stadions, entsprechend der in England geltenden Vorschriften, der Bierkonsum auf den Bereich um die Ausschankstelle beschränkt und die Sicht wird durch Stützen der Überdachung leicht behindert. Andererseits sind jedoch entlang der Geraden freie Bewegungen möglich und die Mannschaft wird von einer hinter dem Heimtor stehenden Singing Crowd unterstützt, die ihre für 8 Pfund eingenommenen Sitzplätze teilweise als Stehplätze umfunktioniert. Auf den Rängen verdeutlicht sich eine kapitalismuskritische Grundhaltung auch durch Blockfahnen im Stil der Nationalflagge des sozialistischen Kubas und Banner mit Selbstbekenntnissen wie „Makin’ Friends not Millionaires“. Dabei herrscht eine dieser Haltung entsprechende Stimmung, die Zuschauer zur Mitgestaltung des Vereinslebens einlädt.

FCUM 4 TorAuch wenn es sich beim FCUM um ein sportliches Leichtgewicht handelt, stellt er aus fankultureller Sicht eine Alternative zu den von US-amerikanischen Investoren, arabischen Ölscheichs und russischen Oligarchen übernommenen englischen Spitzenklubs und der damit verbundenen Art des Fußballs dar. Bislang funktioniert sein unkommerzielles und mitgliederorientiertes Konzept. Allerdings spielt der Club im Amateurfußball noch in einer Spielklasse, in der die Einnahmen aus Ticketverkäufen, Fanartikelvertrieb und Mitgliedsbeiträgen nicht im Schatten von Sponsorengeldern stehen. In dieser Ebene befindet sich der FCUM aber gegenüber seinen direkten Ligakonkurrenten aufgrund der vergleichsweise hohen Anzahl von Vereinsangehörigen und Stadionbesuchern in einer begünstigten Lage. Dies würde sich jedoch ändern, falls dem Club der Aufstieg in die oberen Spielklassen gelänge. Dann könnte er irgendwann den Punkt erreichen, an dem sich die Frage stellt, wie viel Sponsoring für wie viel sportlichen Erfolg hinnehmbar ist. An genau diesem Punkt würde sich dann nicht nur zeigen, inwieweit der Verein seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden kann, sondern auch wie tragfähig basisdemokratische Verfassungen im Fußball in einer kritischen Situation sein können.

 

Mittwoch, 20 November 2013 21:05

Fankultur.com goes Kleeblatt

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Nach über einem Jahr sollte es am vergangenen Samstag soweit sein: die Scheiberlinge hinter den Artikeln von fankultur.com lernten sich kennen. Was gibt es da für einen besseren Anlass als den Traditionsknaller der Regionalliga West – Rot Weiß Oberhausen gegen KFC Uerdingen!

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