Di27Jun2017

Back Aktuelle Seite: Fankurve Auf der Tribüne Groundhopping

Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Ende der DDR, nach Spielerabwanderungen, nach zwielichtigen Investoren und nach Finanzkrisen ist es einigen Vereinen im Osten Fußballdeutschlands gelungen, einen längerfristigen Aufbauprozess zu beschreiten und dabei gleichzeitig ihre Traditionen zu bewahren, Das macht sie derart interessant, dass sich auch für Anhänger anderer Vereine ein fußballtouristischer Besuch lohnt. Mit dem 1. FC Union Berlin und der SG Dynamo Dresden trugen zwei dieser Klubs am 12. April 2013 in der 2. Bundesliga ihr schon zu DDR-Zeiten buchstäblich heiß umkämpftes Ostderby aus. Wer nach der Modernisierung des Profifußballs mit seinen durchgeplanten Arenen und den Parkplatzlandschaften am Rande der Städte ein Fanleben mit weniger Komfort, aber mehr Authentizität schätzt, kam dabei auf seine Kosten.

Dienstag, 09 April 2013 22:31

Unterwegs in Südbayern

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Beim Hoppen habe ich für den deutschen insbesondere den bayerischen Amateurfußball ein gewisses Faible. Egal ob C-Klasse oder Bayernliga mir macht jeder Kick riesen Spaß. Letzte Woche war ich in Südbayern unterwegs, hier ein kleiner Bericht über die Besuche.

Montag 01. April 2013, Bayernliga Süd TSV Schwabmünchen – TSV Aindling 2:0

smfs0Am Ostermontag führte mich mein Weg nach bayerisch Schwaben in die 13500 Einwohner zählende Stadt Schwabmünchen im Landkreis Augsburg, welche zwischen Augsburg und Buchloe liegt. Der 1863 gegründete TSV Schwabmünchen hat neben dem Fußball noch eine große Vielfalt an anderen Sportarten zu bieten, wie u.a. Bogenschießen, Inline-Skaterhockey (zeitweise in der 1. Bundesliga) oder Volleyball. Die Fußballer hatten sich in den letzten Jahren in der Landesliga Süd etabliert und schafften in der Saison 11/12 als Dritter den Aufstieg in die neue Bayernliga Süd, der Regionalligareform sei es gedankt. Der Gast aus dem 20km nördlich von Augsburg gelegenen Aindling hingegen spielt bereits seit dem Jahre 1996 in der alten Bayernliga und schaffte es sogar sich zweimal für den DFB-Pokal zu qualifizieren wo man gegen Schalke (03/04) und die Hertha (04/05) das Nachsehen hatte. Letzte Saison wurden die Aindlinger nur Drittletzter und verpassten damit die Teilnahme an der Relegationsrunde für die RL-Bayern. Auch dieses Jahr sieht es für den TSV Aindling bitter aus, denn aktuell ziert er das Tabellenende der Bayernliga Süd. Auch der TSV Schwabmünchen befindet sich im Abstiegskampf, aber steht zurzeit mit einem kleinen Punktepolster auf einem Nichtabstiegsplatz.

Sein Heimspiel trägt Schwabmünchen im Ivo-Moll-Stadion aus, benannt nach bayerischen Verfassungsrichter und Präsidenten des Verwaltungsgerichtes Augsburg Ivo Moll. Gut 2000 Zuschauer finden im gerade auf Vordermann gebrachten Stadion Platz. Es handelt sich um einen reinen Fußballplatz welcher rundum von einer Begrenzungsbande umgeben ist an der fast überall Sitzbänke angebracht sind. Hinter der „Gegengerade“ befindet sich noch ein kleiner Naturstehwall, welcher allerdings doch einige Meter vom Platz entfernt ist. Zudem befinden sich auf der nördlichen Seite der Gegengerade die Vereinsgaststätte mit Terrasse sowie eine kleine hölzerne Würstchenbude.smfs1 Auf der Hauptseite steht eine kleine aber feine Holztribüne auf deren Dach der Stadionname verhältnismäßig übergroß angebracht ist, was schon fast eine Art Marktenzeichen ist. Die Tribüne bietet verteilt auf drei Sitzreihen ca. 100 Sitzplätze, alle samt auf schönen rustikalen Holzbänken. Holzbänke sind leider auch in den Amateurklassen nicht mehr selbstverständlich, immer mehr Vereine verunstalten Ihr Stadion mit irgendwelchen grellen Plastiksitzen was selten wirklich gut aussieht. Hinter der Südseite sind keinerlei Aufbauten, hinter der Nordgerade hingegen befindet sich das Funktionsgebäude mit Kabinen Toiletten etc. zudem werden hier bei Heimspielen regelmäßig Kaffee und Kuchen verkauft.

Vor gut 250 Zuschauern war der TSV Schwabmünchen von Anfang an die dominierende Mannschaft, ließ aber einige gute Chancen liegen. Zur letztendlich verdienten Führung benötigten die Gastgeber daher einen Strafstoß, welcher in der 38. Minute sicher verwandelt wurde. Zur zweiten Hälfte kam Aindling besser ins Spiel, erspielte sich aber kaum zwingenden Chancen. Besser machte es hingegen Schwabmünchen welche in der 64. Minute auf 2:0 erhöhten. In den letzten 25. Spielminuten hätte jede Mannschaft noch ein Tor erzielen müssen, aber Schwabmünchen verzog vor dem leeren Tor und Aindling trifft nur die Latte. So blieb es beim verdienten 2:0 Erfolg für die Gastgeber der damit wichtige Punkte gegen den Abstieg sammelte. Aindling hingegen hält nur noch ein Wunder in der Bayernliga.


Freitag 05. April 2013, Landesliga Süd-Ost, SC Eintracht Freising – FC Dingolfing 1:1

Freitagabend 19:30 Uhr, bei klirrender Kälte, eigentlich nicht das optimale Wetter ums sich im Münchner Umland aus Langeweile ein Spiel anzuschauen. Aber was soll´s, immer noch smfs3besser als daheim zu hocken und Sky zu gucken (manchmal frag ich mich echt warum ich es überhaupt habe). So ging es ab nach Freising, was von München gut 35 Kilometer Isarabwärts liegt. Überregional ist Freising wohl vor allem durch den Münchner Flughafen sowie durch den Ko-Sitz des Erzbistum München-Freising bekannt. Der Sportclub Eintracht Freising (entstand 1996 aus einer Fusion zwischen Eintracht und SC Freising), oft nur SE Freising genannt, holte sich letzte Saison den Meistertitel in der Bezirksoberliga Oberbayern und durfte zudem noch an der Relegation für die Bayernliga Süd teilnehmen. Dort scheiterte man jedoch an einer anderen Mannschaft aus dem Münchner S-Bahn-Bereich, nämlich am SC Fürstenfeldbruck und stieg somit „nur“ in die Landesliga auf. In dieser spielen die Freisinger eine sehr starke Saison und steht mit einem Spiel weniger nur vier Punkte hinter dem Relegationsplatz auf Rang 3. Für den Gast aus der BMW-Stadt Dingolfing (hier befindet sich die weltweit größte BMW-Produktionsstädte) sieht die Welt hingegen weniger rosig aus, denn Sie befinden sich auf einem direkten Abstiegsplatz. Zwar beträgt der Rückstand zum rettenden Ufer nur vier Punkte, zur Relegation gar nur zwei, aber die direkten Konkurrenten haben danke des langen Winters teilweise bis zu vier Spiele weniger als die Niederbayern.

Man sieht bei beiden Mannschaften geht es bei diesem „Isarderby“ um was, trotzdem lockte diese Paarung nur gute 60 Zuschauer ins „Stadion Savoyer Au“, darunter gut 10-15 Gäste. Alles normales Landesligapublikum, keine aktiven Fanszenen und keine Dorfjugend die auf Supporter macht. Dabei wäre im Stadion ja Platz genug, denn in das Leichtathletikstadion gehen knapp 5000 Zuschauern hinein. In den Kurven sowie auf der Gegengerade sind keine Aufbauten vorhanden, es gibt lediglich die Begrenzungsbande, welche direkt an den Stadionumlauf anschließt. Auf der Hauptseite befindet sich eine über die gesamte Spielfeldlänge gehende Sitzplatz Tribüne welche 1132 Plätze bietet. Der mittlere Teil der Tribüne schließt direkt an das großzügig wirkende Funktionsgebäude an und ist überdacht. Bei kleinen Landesligaspielen befindet sich hier auch der Verpflegungskiosk der vom Paar Wiener über die warme Leberkässemmel bis hin zur für Kinder lebenswichtige Süßigkeitentüte alles bietet, natürlich auch die Standartgetränke. Die Vereinsgaststätte befindet sich leider nicht im Stadion, Sie ist ein paar Meter außerhalb des Stadions gegenüber der Hauptkasse.

Der Favorit und Gastgeber kam nur schwer ins Spiel, Dingolfing stand sehr tief hinten drinnen und wurde vor allem durch direktabnahmen aus zweiter Reihe gefährlich.smfs4 Genau so ging der FCD dann in der 18. Minute überraschend in Führung, als Florian Büchner den Ball aus 25. Metern in den Winkel drosch. Freising fand den Faden bis zur Pause nicht mehr und hätte auf blöd sogar höher zurückliegen können. Die Halbzeitstandpauke schien jedoch gefruchtet zu haben, denn der SEF war nach der Pause wesentlich engagierter. Zunächst kam aber keine Chance zu standen, den die Defensivarbeit der aufopfernd kämpfenden Gäste machte dem Gastgeber das Leben schwer. Erst ein Kopfball nach einem Freistoß führte in der 53. Minute zum 1:1. Anschließend verflachte die Partie etwas bis ja bis zur Schlussviertelstunde. Nun vergaben die Gastgeber innerhalb von ein paar Minuten drei 1000% Torchancen. Zunächst hatte ein Freisinger Spieler den Torwart am Rande des Strafraums bereits ausgespielt und schoss auf das leere Tor, allerdings zu schwach, so konnte der Ball noch von der Linie gekratzt werden. Kurz darauf ließ der Gästekeeper den Ball ca. 12 Meter vor dem Tor aus der Hand direkt vor die Füße des Freisingers Bahe fallen. Dieser war allerdings zu hastig und hob den Ball knapp über das Tor. Zwei Minuten später war es wieder Bahe der den Ball vor dem leeren Kasten vor die Füße bekam und in anstatt in die Maschen an den Pfosten drosch. Riesen Pech für die Oberbayern und es hätte noch viel bittere kommen können, denn kurz vor dem Schlusspfiff hatten die Gäste noch eine richtig gute Konterchance. Aber auch die blieb ungenutzt und daher war 1:1 das finale Resultat. Ein Punkt der beiden nicht wirklich weiterhilft aber mit dem Dingolfing mit Sicherheit zufriedener als Freising ist.

50 Jahre Élysée -Vertrag, 50 Jahre deutsch-französische Freundschaft, ist zurzeit eines der Außenpolitischen Themen überhaupt. Zu diesem Jubiläum gibt es in beiden Ländern zahlreiche Veranstaltungen und natürlich darf ein Fußballländerspiel auch nicht fehlen. Da das Spiel im Stade de France, dem französischen Nationalstadion stattfand, war für mich klar, ich besuche mein erstes DFB-Auswärtsspiel seit fast genau fünf Jahren.

Von München aus ist Paris inzwischen bequem und direkt mit dem TGV zu erreichen. Die Fahrt von der bayerischen Landeshauptstadt in die Hauptstadt der „Grande Nation“ dauerte knappe sechs Stunden, da lohnt sich das Fliegen kaum noch.FRAGER2 Abfahrt war um halb sieben in der Früh, so ist man pünktlich zum Mittagessen am Gare de l´Est in Paris. Egal wie oft man schon dort war, Paris ist immer eine Reise wert, auch wenn es in Frankreich mit Sicherheit noch schönere Städte gibt! So konnte man die Zeit bis zum Anstoß am späten Abend noch mit etwas Sightseeing und einem Kneipenbesuch überbrücken, wobei die Bierpreise in den Lokalitäten mit bis zu 8 € für eine Hoibe sehr deftig sind. Diese Bierpreisepolitik ist einer der Gründe warum wir bei unseren Coupé-de-France-Touren das Bier Palettenweise selbst mitbringen. Von der Pariser Innenstadt ist das Stadion super mit der S-Bahn zu erreichen, die Fahrt dauert keine zehn Minuten. Allerdings muss man höllisch aufpassen, dass man in die Richtige Bahn steigt, denn die richtige Linie ist nicht gleich die richtige Bahn. In Paris halten nicht immer alle S-Bahnen der gleichen Linie an allen Bahnhöfen. Jeder Zug hält nur an bestimmten Haltestellen und so kann es passieren, dass man am Zielbahnhof durchfährt und unfreiwillig zwei Stationen weiter weg als geplant rauskommt. Wenn man jedoch mit oder ohne Umweg am richtigen Bahnhof aussteigt, muss man nur noch knapp 5-10 Minuten laufen und schon steht man vor dem französischen Nationalstadion.

FRAGER3Dort angekommen ging es sofort ins hinein, denn wir wollten noch ins DFB-Fanzelt um unsere Freigetränke abzustauben. Wir als unerfahrene Nationalelfauswärtsfahrer dachten es handle sich dabei tatsächlich um ein kleines Zelt mit ein paar Bierbänken oder Stehtischen oder so. Aber in Wirklichkeit war es nur ein Kiosk in DFB-Verkleidung, wo Fanbetreuer das offizielle Catering des Stade de France vertickten. Wenigstens war ein Getränk umsonst, allerdings gab es kein Bier (bzw. nur ohne Stoff was für mich nicht als Bier gilt), was die Freude über den Gutschein auch etwas trübte. Die Preise im Stadion waren sogar für französische Verhältnisse der Hammer! Für uns gab es ein echtes Spezialangebot (stand so auf dem Schild), eine Frankfurter für schlappe 6 €. Daher hieß es hungrig und durstig in den Block zu gehen um endlich den ersten Eindruck vom Stade de France zu bekommen. Das Stade wirkt mit seinen drei Rängen welche um eine Laufbahn geschwungen sind sehr mächtig und richtig beeindruckend. Richtig voll war das Stadion zu Beginn noch nicht, aber wie es in Frankreich halt so ist, kommen viele erst kurz vor knapp und daher zu spät im Stadion an. Aber bis zur 20. Spielminute war das Stadion proppenvoll, am Ende vermeldete man 75.000, ausverkauft.

„Los ging es um 21:00 Uhr und die DFB-Elf legte ein super Spiel hin und gewann das Match trotz Rückstandes noch verdient mit 2:1. Damit gewann Deutschland das erste mal seit dem 17. März 1935 auswärts gegen Frankreich, was für ein historischer Abend“ – Das ist das was ich von anderen Deutschlandfans mitbekommen habe und wie es die Medien gesehen haben. Es ich manchmal faszinierend wie unterschiedlich die Sichtweisen auf ein Spiel sein können. Während wie bereits erwähnt alle voll des Lobes für Jogis Team waren, fanden meine Mitfahrer und ich das Spiel langweilig und schlecht. Die ersten 25. Minuten waren so langweilig das wir uns mehr für die zahlreichen Versuche französischer Fans eine LAOLA-Welle zu starten interessierten (was dann irgendwann auch mal klappte). Nach einer guten halben Stunde wurde das Spiel etwas besser. Allerdings merkte man einfach, dass sich kein Spieler verletzten wollte daher war das Spiel relativ körperlos. Der Sieg für die DFB-Elf geht am Ende auf jeden Fall in Ordnung, besser war unsere Nationalelf auf jeden Fall. Dass es sich dabei um einen historischen Sieg handelte erfuhr ich erst am nächsten Tag als ich beim Mittagessen am Triumphbogen kurz im Internet stöberte. Ein etwas stolzer Moment war, als kurz vor Schluss Lars Bender für irgendeinen Roten eingewechselt wurde, so hatte ich auch mein Stück „Sechzig München“ in Paris.


Ja die Stimmung, Sie war die größte Enttäuschung überhaupt. Ich hab mich seit Wochen auf eine richtige Hammergeile Stimmung im Stade de France gefreut. Aber daraus wurde mal gar nichts. Es ging schon bei der Nationalhymne los. Ich erwartete eigentlich das alle Franzosen im Stadion in brünstig mitsingen, aber ich hörte mehr den Armeechor als die Fans. Auch der Support war sehr sporadisch. Nur ab und an ertönte das bekannte „Allez, le Bleu“ das war´s aber auch. Irgendwie ist es schwer bei den Franzosen überhaupt von Fankultur zu sprechen.FRAGER4 Ich glaube regelmäßige Stadiongänger waren die wenigsten Zuschauer. Viele Jugendgruppen und Eventis, wie bei Heimspielen unserer Nationalelf auch. Aber gut ich bin selber schuld. Ich habe aufgrund meiner TV-Erfahrungen mit dem Stade de France die Messlatte sehr hoch gelegt und jetzt wenn ich so nachdenke fällt mir schnell ein wo der Fehler liegt! Wann hatten wir in Deutschland schon TV-Erfahrung mit der Équipe Tricolore gemacht? Natürlich bei der WM vor 15 Jahren. Und klar, bei einer WM im eigenen Land ist die Euphorie und damit die Stimmung gigantisch. Auch im deutschen Fanblock war die Stimmung erbärmlich bis nicht vorhanden. Ein bisschen „Hurra hurra die Deutschen die sind da“, hier und da mal „Schlaaand, Deutschlaaaand“ und zweimal „Mexico“ mehr war es nicht. Dazu kommt, dass wenn mal supportet wurde nur ein Bruchteil des Sektors mitmachte. Bei den Toren war die Stimmung natürlich am besten, was mich schon so einem sarkastischen „Sing when your winning“ veranlasste. Vielleicht meint jetzt jemand, ich habe nur eine negative Sichtweise, könnte sein! Es war arschkalt, man war hundemüde, hatte Hunger und Durst, das trübt einem die Laune schon etwas. Nach dem Spiel hatten wir noch gute 10-15 Minuten Blocksperre, anschließend machten wir uns auf zur S-Bahn. Das Abfertigen der Zuschauer ging überraschend schnell, so war man zügig wieder in der Innenstadt und konnte sich dem Nachtprogramm widmen.

FRAGER5Auch wenn ich von ein paar Punkten etwas enttäuscht war, ist das Fazit trotzdem Positiv. Es war einfach ein geiles Erlebnis und endlich konnte ich den Ground „Stade de France“ abhaken und wieder mal ein bisschen Paris erleben. Das ist auch das einzige was mich an der Nationalmannschaft reizt! Stadion, Stadt, Land und Leute. Das Team selber kommt für mich erst an zweiter Stelle. Ich bin zwar Fan der Nationalmannschaft, aber Ihr jetzt aus Liebe hinterherzufahren, dass kommt für mich nicht in Frage, dass gibt es nur für Sechzig. Ansonsten freue ich mich schon auf meinen nächsten Besuch in Frankreich, egal ober Liga oder Pokal, es gibt viel zu sehen.

Die Winterpause, dass alte lästige Wimmerl. Millionen Fußballfans in Deutschland schauen um diese Jahreszeit neidisch nach Spanien, England oder Italien, wo der Ball nicht nur in den Ligen sondern auch in den diversen Pokalwettbewerben rollt. Auch in Frankreich rollte der Ball und immer am ersten Wochenende nach Neujahr findet das 32stelfinal des Coupe de France statt. Und ein Besuch dieser neunten Runde des französischen Pokals ist bei ein paar Freunden und mir liebgewonnene Tradition geworden. Der „Coupe de fkcdfticketFrance“ ist ein bisschen anders organisiert als der DFB-Pokal. Während sich die unterklassigen Mannschaften bei uns in der Vorsaison über die Verbandspokale qualifizieren müssen, geschieht dies beim CdF innerhalb der ersten acht Pokalrunden, in denen der Pokal auch noch nach regionalen Maßstäben ausgespielt wird. Die großen Clubs greifen erst spät in den Wettbewerb ein, die Drittligisten erst ab Runde 5 und die Zweitligisten erst ab Runde 7. Der Hauptwettbewerb beginnt dann mit dem Einstieg der Erstligisten im 32stelfinale (Runde 9), welches den gleichen Umfang hat wie die erste Hauptrunde im DFB-Pokal. Ein interessanter Aspekt des französischen Pokals ist, dass ab der 7. Runde auch die Pokalsieger der französischen Überseegebiete mitspielen. So spielte z.B. der Drittligist FC Mulhouse aus dem Elsass beim AS Lössi aus Neukaledonien in Neukaledonien. Wer nicht weiß wo das ist, Neukaledonien liegt ca. 1300 km vor der Nordostküste Australiens und feierte das neue Jahr bereits während wir beim Mittagessen sind. Dieses Jahr war Nordfrankreich das Ziel unserer Reise, genauer die Region Nord-Pas-de-Calais. Insgesamt standen drei Spiele auf unserem Programm, bei der Mannschaften aus der Ligue 1, Ligue 2 und CFA 2 (fünfte Liga) beteiligt waren.
Hier ein paar Berichte:

Match 1: 05.01.2013; 20:45 LOSC Lille (L1) - Nîmes Olympique (L2) 3:2, Grand Stade Lille Métropole, 10.800 Zuschauer

Der LOSC Lille, vielen vor allem als CL-League Gegner des FC Bayern bekannt. Er gehört zudem zu den erfolgreichsten Vereinen nach der Dekade Oly. Lyon und holte 2011 das Double in unserem Nachbarland. Seit August 2012 haben die Doggen auch einen neue Heimat, nämlich das 50.000 Personen fassende Grand Stade Lille Métropole, welches lillefankulturseit dem im Schnitt 40.000 Fans besuchen. Es ist eine typisch moderne Arena, welches stark an die Allianz –Arena erinnert. Von außen eine relativ ähnliche Form, zudem leuchte Sie in den Vereinsfarben. Innen hat es drei Ränge sowie ein schließbares Dach. Ein spezielles Feature ist das man die eine Spielfeldhälfte über die andere heben kann um eine halbe kleine Arena zu schaffen. Von innen ist das Stadion relativ Farblos, alles ist in Weiß gehalten, es wirkt alles andere als einladend. Natürlich ist dieser Bau auch Spielort der EM 2016. Zur Coupe de France-Premiere im Stade gegen den Zweitligisten Nimes kamen trotz relative günstiger Preise (Kurvensitzplatz 6 €) nur 10.800 Zuschauer, darunter befand sich eine gute Busladung Gästefans welche die knapp 950 km aus Südfrankreich auf sich nahmen. Die die da waren bekamen aber ein gutes Spiel zu sehen. Der Gastgeber dominierte das Spiel über weite Strecken klar und führte nach 52. Minuten verdient mit 3:0. Dann jedoch begann Lille sich auf dem Vorsprung auszuruhen, was die Gäste ausnutzen. So stand es nach 70. Minuten plötzlich nur noch 3:2 und wir bekamen eine richtig spannende Schlussphase zu sehen, in dem wir den Gästen die Sensation durchaus gegönnt hätten. Aber es blieb beim insgesamt verdienten Sieg des LOSC. Fantechnisch haben mich die Nordfranzosen etwas enttäuscht. Wenig Stimmung, selten sang der gesamte Supporter-Bereich mit, geschweige denn die ganze Hintertorgerade. Nur ein paar Wechselgesänge mit der gegenüberliegenden Kurve waren ganz ordentlich. Auch optisch war die Kurve sehr langweilig, ich konnte keine optischen Stilmittel wahrnehmen. Aber fairerweise muss man dazu sagen, dass so ein Pokalspiel gegen einen Zweitligisten auch nicht der beste Gradmesser ist um die Stimmung bei einem Verein wie Lille allgemein zu beurteilen, bei einem Ligaspiel schaut es ggf. viel besser aus.

Match 2: 06.01.2013; 14:15 RC Lens (L2) - Stade Rennais (L1) 2:1 Stade Bollaert-Delelis, 14.583 Zuschauer

Der „Racing Club de Lens“, der ärgste Rivale des LOSC Lille spielt zwar sportlich eine Liga unter Lille aber was das Stadion angeht spielt Lens einige Ligen über dem LOSC. Das Stade Stade Bollaert-Delelis ist wohl eines der schönsten Stadien Frankreichs. Gut 41.200 Zuschauer finden hier auf engstem Raum Platz, eine enge Bestuhlung sowie sehr hochgeschlossene Oberränge (vor allem hinter den Toren) machen es möglich. Abgerundet wird dieser Traum von einem Fußballstadion von offenen Ecken und vier Flutlichtmasten. In Fußballdeutschland erlangte dieses Stadion bzw. die Stadt leider eher traurige Berühmtheit, als im Rahmen des WM-Spiels Deutschland – Jugoslawien lensfankulturHooligans den Gendarm Daniel Nivel schwer verletzten. Der Favorit in diesem Spiel waren natürlich die Gäste, welche in der Ligue 1 um einen UEFA-Cup Platz kämpfen während der RC Lens, der seine große Zeit Ende der 90er hatte im Mittelfeld der Ligue 2 rumdümpelt. Allerdings war es der Zweitligist der in einer nicht hochklassigen aber kampfbetonten Partie die bessere Taktik hatte und nach 27. Minuten verdient in Führung ging. Im Verlauf der zweiten Hälfte verwalteten die Gastgeber das Ergebnis immer mehr, daher lag schon die ganze Zeit der Duft einer Verlängerung in der Luft. In der 81. war es dann passiert, der Verein aus der Bretagne erzielte den Ausgleich. Großer Jubel bei den gut 100-150 Gästen, welche dieses Tor mit einer Pyroeinlage feierten. Das Spiel war jetzt offen, beide Mannschaften wollten das Spiel bereits in der regulären Spielzeit für sich entscheiden. Es war die 87. Minuten, Lens flankt von links, ein Defensivspieler von Rennes versucht zu klären und hebt den Ball dabei sehenswert über den eigenen Torwart in den Kasten. 2:1 für den Zweitligisten. Jetzt brachen bei den „Sang et Or“ Fans unter den 14.583 Zuschauern alle Dämme. Damit war das Spiel entschieden und Rennes einer von sechs Erstligisten die bereits nach einer Runde draußen sind. Dabei sind  Sie in guter Gesellschaft, Titelverteidiger Lyon hat es sogar gegen einen Drittligisten erwischt. Die Stimmung im Stadion war nicht nur nach dem 2:1 richtig gut. Allgemein haben die Fans des RC einen guten Eindruck bei mir hinterlassen. Von Kopf bis Fuß waren Sie in den Farben Ihres Vereins eingehüllt. Trikots (auch schöne alte Trikots), Schals, Mützen, lustige Hüte und angemalte Gesichter, alles war zu sehen, so wie man sich eine bunte Fanszene vorstellt. Eine Besonderheit in Lens ist, dass sich die aktive Fanszene nicht hinter dem Tor befindet sondern auf dem Unterrang der Gegengerade, der Tribüne Xercès Louis. Dort wird die Masse von drei Vorsängerpodesten aus angeheizt. Der Support war das ganze Spiel über recht anständig, vom Ultras-sing-sang über Wechselgesänge bis hin zu klassischem Support war alles vertreten. Auch optisch machte die Xercès einiges her, die Doppelhalter und Schwenkfahnen begeisterten meine Mitfahrer und mich richtig.

Match 3: 06.01.2013; 20:45 Arras FA (CFA2)– Paris Saint-Germain FC 3:4 (L1), Stade de l'Épopée Calais, 12.000 Zuschauer

Unser drittes Spiel führte uns nach Calais, dem traditionellen Übergangsort zur britischen Insel. Dort empfing der Fünfligist Arras FA einen der populärsten und zugleich verhasstesten Vereine Frankreichs, Paris St. Germain, ein Verein in den ein Scheich gerade sehr viel Geld reinsteckt (130 Millionen allein in dieser Saison). Eigentlich liegt Arras keine 20 km südlich von Lens, aber da das Stadion mit seinen gut 1500 Plätzen von vorne bis hinten nicht reicht, zog man für dieses Spiel in die Heimat des Ligakonkurrenten calaisfankulturCalais RUFC. Das Stade de l'Épopée wurde 2008 eröffnet und bietet knapp 12.500 Zuschauern Platz. Das Stadion selber besteht aus ca. 21-25 Sitzreihen, welche mit Ausnahme der VIP-Plätze das ganze Stadion umfassen. Ein bisschen erinnert das Stadion an die Arena in Ingolstadt, allerdings wirkt es dank der gelbe-roten Bestuhlung in den Vereinsfarben von Calais recht einladend und warm. Eine Besonderheit dieses Stadions ist, dass die Hauptbeleuchtung nicht wie bei den meisten modernen Stadien unter das Dacht gepfercht wurde sondern tatsächlich noch vier Flutlichtmasten gebaut wurden. Gut 12.000 Zuschauer kamen zu diesem Spiel ins Stade. Offiziell war es voll, denn es wurden keine Tickets mehr an der Abendkasse verkauft, wir hatten Glück das wir jemanden gefunden hatten der sechs Stück übrig hatte. Der Großteil der Zuschauer, egal ob Sie tatsächlich aus Arras kamen oder aus der Umgebung von Calais drückte ganz klar dem „Gastgeber“ die Daumen. Den Gästen aus der Hauptstadt würde ich bestenfalls 1000 Zuschauer zurechnen, welche über das ganze Stadion verteilt waren. Der eigentliche Gästeblock hingegen war relativ spärlich gefüllt was mich etwas überraschte. Noch mehr überraschte mich, dass die einzig aktiven Fans von PSG unweit von uns hinter dem Tor auf der eigentlichen Heimseite standen. Viel waren es nicht, ich weiß nicht einmal ob es überhaupt richtige Szeneleute von PSG waren ich glaub es ehrlich gesagt nicht. Warum nur so wenig Anhänger von Paris an die Nordküste kann ich nur mutmaßen. Das Spiel begann standesgemäß, der Tabellenführer der Ligue 1 ging bereits innerhalb der ersten 10. Minuten mit 2:0 in Führung und jeder dachte das dies erst der Anfang war. Und damit sollten wir recht behalten, allerdings anders als man sich das vorgestellt hat. Auf einmal spielte Arras richtig auf und man sah kaum noch einen Klassenunterschied. In der 26. kamen die Gastgeber auf 1:2 ran. Kurz vor dem Pausentee jedoch wurde der alte Abstand wiederhergestellt, Camara war der Torschütze. Arras gab nicht auf, fightete immer weiter und kam in der 52. erneut  ran. Es war ein brutal spannendes Spiel und wie sich zeigte war das einzige in was PSG überlegen war die Chancenauswertung und so hieß es nach 68. Minuten 2:4. Die Gastgeber kämpften weiterhin aufopferungsvoll und sieben Minuten vor Schluss brachten Sie PSG mit dem dritten Treffer nochmal richtig ins Schwitzen. Das Publikum war nun am ausrasten. „Arras, Arras“ schallte es durch das ganze Stadion. Aber es half nichts mehr, die Mannschaft von Carlo Ancelotti brachte das knappe 3:4 gegen einen Fünftligisten über die Zeit. Aber trotz Niederlage gehörte der Abend ganz klar den Jungs von Arras. Sie wurden noch euphorisch von den Zuschauern gefeiert (Merci Arras, Merci Arras, Merci Merci) und verabschiedeten sich angemessen mit einer Ehrenrunde. Ich kann vor dieser Mannschaft einfach nur den Hut ziehen. Vom Flair her war dieses Spiel mit Sicherheit da Highlight der diesjährigen Tour. Das Publikum hat einfach eine richtig positive geile Atmosphäre erzeugt und die Mannschaft von Arras hat uns einfach mitgerissen.

coupe-de-franceZum Schluss, was ist hängen geblieben? Wie jede Hoppingtour hat sich jedes Spiel gelohnt, der Ground ist schließlich das Ziel. Angenehm aufgefallen ist, dass wir bei allen drei Spielen kaum Polizei zu sehen bekamen, meist nur nach dem Spiel zum Regeln des Verkehrs. Wobei es waren alles Spiele ohne Brisanz, nur PSG war für seine „bösen“ Fans bekannt, dementsprechend haben sich die Eingangskontrollen in Calais auch gezogen. Der größte Unterschied zum Stadionerlebnis in Deutschland ist neben der Sprache die Nüchternheit. Klingt blöd, ist aber so. Währen bei uns viele Zuschauer angeheitert mit der Bierflasche in der Hand in Richtung Stadion gehen, gibt es sowas in Frankreich so gut wie gar nicht. Um genauer zu werden, die einzigen die ich mit Bier in der Hand gesehen habe waren wir. Auch im Stadion trinken kaum Zuschauer Bier, wobei das auch an den gepfefferten Preisen liegen kann. Das Bier kostet im Schnitt so viel wie bei uns, jedoch ist meist nur die Hälfte drinnen. Das war meine kleine Tour durch Nordfrankreich. Es war ein geiler Ausflug, ein Dank an meine Mitfahrer und ein spezieller Danke an den Max der alles durchgeplant sowie den Van besorgt hat und dann die ganze Strecke durchgefahren ist. Nur noch 50 Wochen bis zum nächsten „Trente deuxièmes de finale“.


grotenburg2Der KFC Uerdingen 05, früher lange als Bayer 05 Uerdingen bekannt. Der Verein der 1985 den DFB-Pokal durch ein 2:1 über Udo Latteks Bayern gewann und in dem darauffolgenden Europapokal der Pokalsieger bis ins Halbfinale kam (u.a. dank des legendären 7:3 gegen Dynamo Dresden) war früher fester Bestandteil der Bundesligen und mir kommt es manchmal so vor als wären Sie noch gar nicht so lange von der Bildfläche verschwunden. Aber dennoch, mein letzter Besuch in der Grotenburg war am 29.10.1995, ist also auch schon 17 Jahre her (Gott wie die Zeit vergeht). Daher war ich sehr angetan als ein Freund von mir kurzfristig die Idee hatte am dritten Adventssamstag zum Spiel KFC Uerdigen gegen Schwarz-Weiß Essen zu fahren. Das Duell zweier Pokalsieger und Traditionsvereine.


Wie bereits gesagt, in der Bundesliga spielt der KFC schon lange nicht mehr und für viele Junge Fußballfans ist er wohl auch nur einer von vielen Name in der ewigen Bundesligatabelle die einfach nur noch Geschichte sind. Nach dem sich der Bayerkonzern nach der Saison 94/95 von der Profifußballabteilung des FC Bayer 05 Uerdingen trennte, traten diese ab der Folgesaison als KFC Uerdingen 05 an und stiegen prompt als Tabellenletzer ab. Die Trennung von Bayer verursachte starke finanzielle Probleme. Es folgte ein Absturz bis in die sechste Liga und drei Insolvenzanträge. Erst mit Agissilaos “Lakis“ Kourkoudialos als Präsident der mit seinem Unternehmen auch als Hauptsponsor fungiert, kamen die Uerdinger finanziell wieder in ruhiges Fahrwasser. Allerdings hat so ein „Mäzen“ auch den Nachteil, dass man wieder abhängig ist. Wie dem auch sei nun konnte man sich wieder rein auf den Sport konzentrieren und 2011 folgte mit dem Aufstieg in die NRW-Liga der erste große sportliche Erfolg seit 1994. 2012 erreichte man etwas glücklich sogar die Relegation zur Regionalliga wo man sich dem Essener Verein FC Kray geschlagen geben musste. Zurzeit führt der KFC jedoch die Tabelle der Oberliga Niederrhein souverän an, daher ist davon auszugehen das der Aufstieg in die Regionalliga am Ende dieser Saison klappen wird.


grotenburg1Das Grotenburg-Stadion, auch als Grotenburg-Kampfbahn bekannt. Es war wie eine Reise zurück in die 90er als ich an jenem Samstag zum ersten mal nach 17 Jahren vor dem Stadion stand. Denn es hatte sich am Stadion sichtlich nichts verändert. Es waren die gleichen Sitzschalen, die gleichen Wellenbrecher, es hat immer noch die geilen Flutlichtmasten (für mich ist ein Stadion ohne Flutlichtmasten einfach irgendwie unvollständig). Sogar der Grotifant das Maskottchen turnt noch fröhlich herum. Einzig lästig war das man auch in der Grotenburg nicht mehr mit Bargeld zahlen kann. Man muss sich Wertmarken kaufen, welche 2,50 pro Stück kosten. Daher macht die Currywurst mit Pommes nicht 5 € sondern zwei Werkmarken, dass Getränk eine Wertmarke. Sportlich gewann der KFC das Spiel gegen am Ende nur noch acht Essener (2 mal Gelb/Rot einmal Rot) verdient mit 1:0. Der ETB hielt zwar tapfer mit, aber Uerdingen hatte die klar besseren Chancen, vor allem auch zu dem Zeitpunkt als noch 11 gegen 11 spielten. Allerdings dauerte es bis zur 73. Minute bis der Ball endlich mal im Netz zappelte, Issa war der Torschütze. Ein Feuerwerk bekamen die Zuschauer an diesem Nachmittag nicht geboten, aber das war Fans und Spielern egal. Sie feierten gemeinsam die drei Punkte und jetzt steht der Weihnachtsurlaub an. Und den haben sich die Spieler des KFC auch redlich verdient, denn Sie führen die Tabelle mit sage und schreibe 19 Punkten Vorsprung an. 18 von 20 Spielen wurden gewonnen, zweimal spielte man Unentschieden. Als da dürfte doch in Sachen Aufstieg wirklich nichts mehr schief gehen oder? Die Gäste aus Essen hingegen haben ganz andere Probleme, vier Tage nach dem Spiel stellten Sie einen Antrag auf Insolvenz, sollte das Verfahren eröffnet werden, stünde der Pokalsieger von 1959 als erster Absteiger fest.



uerdingenblockFantechnisch hat mich Uerdingen angenehm überrascht. Früher hatten die Krefelder ja den Ruf des Fußballfriedhofs. Verhältnismäßig wenig Zuschauer und die etwas unterkühlte Stimmung waren der Hauptgrund dafür. Unser Präsident meinte nach einem Spiel im Oktober 93 sogar das bei uns bei einer Beerdigung mehr los sei als in Uerdingen bei einem Fußballspiel. Aber auch in Uerdingen hat sich trotz des sportlichen Niedergangs die Fanszene weiterentwickelt. Die Ultras und die meisten Supportwilligen haben Ihren festen Stimmungsblock seitlich auf der Haupttribüne und sorgten 90. Minuten lang für einen anständigen akustischen und optischen Support. Der Zuschauerschnitt von knapp 2200 ist für die fünfte Liga auch aller ehren Wert. Der harte Kern der Uerdinger Anhängerschaft der trotz der ganze Misere seit 1996 immer dabei geblieben ist, ist eh das höchste Gut das der Verein hat. Immer wieder haben Sie dem Verein in Zeiten von Insolvenzanträgen etc. mit Aktionen finanziell unter die Arme gegriffen damit Ihr KFC am Leben bleibt. Über die Fans der Gäste kann ich leider nichts schreiben, da ich keine bemerkt habe bzw. Sie sich nicht bemerkbar machten.


Zum Abschluss möchte ich nur noch sagen, wer noch nicht in der Grotenburg war sollte Sie auf jeden Fall auf seine Liste setzen. Wer weiß wie lange es das Stadion noch gibt. Es geistern immer wieder Gerücht von einem Investor der eine „moderne“ 08/15-Arena bauen möchte herum. Wenn diese Arena wirklich Realität werden würde, wären die Tage der Grotenburg wohl gezählt. Denn es gibt schon seit Jahren laute Stimmen für einen Abriss und einer anderweitigen Nutzung des Geländes.

Tasmania Berlin vs.SC Gatow 2:0 02.12.2012, Werner-Seelenbinder-Sportplatz, Verbandsliga Berlin

von Ansgar Spiertz

Der SV Tasmania Berlin wurde am 3. Februar 1973 als SV Tasmania 1973 Neukölln gegründet, bevor man über SV Tasmania Gropiusstadt (1999) zum Namen SV Tasmania Berlin (2010) kam. Damit nimmt man die Tradition des SC Tasmania Berlin auf, der von 1900 bis 1973 in Neukölln gespielt hatte und in dessen Nachfolge die heutige Tasmania in gewisser Weise auch steht, hat sie doch nach - oder, um genau zu sein, eigentlich sogar ein halbes Jahr vor - der Pleite des alten Vereins diverse Jugendmannschaften des alten Clubs in ihre Obhut genommen. Der hatte über lange Jahre zum besten gezählt, was der Berliner Fußball zu bieten hatte und insgesamt sechs Mal an der Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft teilgenommen - unter anderem in den Jahren 1960 und 1962. Umso enttäuschter waren die Tasmanen, als sie 1962 bei der Gründung der Bundesliga tasmania1übergangen wurden und stattdessen Hertha BSC in die Eliteliga kam. Nachdem Hertha wegen zu hoher Prämienzahlungen und Bilanzfälschung 1965 aus der Liga ausgeschlossen und die von 16 auf 18 Mannschaften vergrößert wurde, wovon auch der eigentliche Absteiger Schalke 04 profitierte, sollte ein neuer Verein die Stadt Berlin in der Bundesliga repräsentieren. Da der Sieger der Regionalliga - Tennis Borussia - bereits in der Aufstiegsrunde gescheitert war, sollte der zweite ran, doch der Spandauer SV lehnte ab. Damit war die Stunde Tasmanias gekommen, das nicht so klug war, ebenfalls zu verzichten. Man startete mit einem Sieg gegen den Karlsruher SC, aber dennoch folgte eine Spielzeit, nach der man mit nur zwei Siegen und vier Unentschieden dastand und bis heute der schwächste Bundesligist aller Zeiten ist - ebenso wie der einzige Verein, der kein einziges Auswärtsspiel in der Liga gewinnen konnte sowie der ebenso einzige, der ein Heimspiel mit unter 1000 Zuschauern (827 gegen Mitaufsteiger Borussia Mönchengladbach) ausgetragen hat. Nach der Saison spielte man erst einmal wieder in der Spitzengruppe der Berlin-Liga mit, ging dann jedoch 1973 Pleite und brachte seinen Nachfolgerclub hervor. Der ist inzwischen wieder in der Berlin-Liga vertreten, die allerdings nicht mehr wie 1973 zweitklassig ist, sondern inzwischen Stufe sechs in der Ligapyramide repräsentiert. Hier geht es heute gegen den SC Gatow, dessen größte Erfolge darin bestehen, ein Jahr lang an eben dieser zweitklassigen Regionalliga teilgenommen zu haben, und zwar exakt die Spielzeit 1965/66, in der Tasmania das Abenteuer Bundesliga wagte.

Zunächst dominieren die Gäste die Partie, und das Geschehen spielt sich zum größten Teil in der Hälfte von Tasmania statt, doch die großen Torchancen bleiben aus. Die Hausherren lassen den Gegner erst einmal kommen und begnügen sich damit, hinten dichtzumachen, was ihnen auch effektiv gelingt, und nach und nach beginnt man, auch selbst den Weg nach vorne zu suchen. Ein fast von der Eckposition geschossener Freistoß von Arber Shuleta findet schließlich den Weg ins Tor des SC Gatow, der zeigt sich von dem Treffer sichtlich geschockt und droht auseinanderzubrechen, als Tasmania sofort nachsetzt und versucht, weitere Treffer zu erzielen. Dennoch bleibt es beim 1:0, bis die Seiten gewechselt werden, wobei Tasmania zweimal sehr dicht am zweiten Tor ist, einmal als ein Feldspieler für den geschlagenen Gatow-Goalie Maximilian Stein retten muß und einmal, als der Ball nach einem Kopfball vom Pfosten ins Feld zurückspringt. Nach der Pause findet der SC Gatow seine Ordnung wieder, und die Hausherren ziehen sich erneut zurück, so daß das Spiel ähnlich läuft wie zu Beginn des ersten Abschitts. Auch diesmal ist es schließlich der SV Tasmania, der den Treffer macht, und nach dem 2:0 durch den eingewechselten Jack Grubert ist das Spiel eine Viertelstunde vor Schluß entschieden, denn nach dem zweiten Gegentor findet der SC Gatow nicht mehr die Kraft, sich noch einmal gegen die herannahende Niederlage anzustemmen.

Der Werner-Seelenbinder-Sportpark ist im Berliner Bezirk Neukölln zu finden, wo heute auf dem Hauptplatz gespielt wird, der mit einer Hintertorseite dicht an das Gelände des tasmania2früheren Flughafens Tempelhof grenzt. Dieser Bereich ist mit sechs Stufen augebaut, auch beide Längsseiten verfügen über Ausbau, so daß nur die zweite Hintertorseite, von der man aus die Anlage betritt, ohne solchen bleibt - stattdessen ist hier das Gebäude mit Umkleiden und Toiletten untergebracht, in dem es allerdings kein Vereinsheim gibt, so daß die Zuschauer mit beim heutigen naßkalten Wetter mit gelgentlichem Schneefall eher unangenehmerweise mit einem Ladenverkauf vorlieb nehmen müssen. Die Längsseiten übertreffen den ausgebauten Hintertorbereich noch an der Zahl der Stufen, denn hier gibt es es insgesamt zehn davon, auf denen man sich niederlassen kann, und die verfügen im Gegensatz zu den Stufen hinter dem Tor auch über Wellenbrecher sowie im zentralen Bereich über allerdings nicht überdachte Sitzplätze, da hier jede zweite Stufe mit orangenen Sitzschalen bestückt ist. In den 1970er Jahren fanden hier einmal 20000 Zuschauer Platz, aber dann wurde das Stadion deutlich zurückgebaut und in seine heutige Form gebracht. In dieser finden sich hier noch zwei weitere Fußballfelder mit Kunstrasen - zu beiden Seiten längsseits parallel zum Hauptplatz sowie ein etwas ab liegender weiterer Platz mit Laufbahn sowie das Eisstadion Neukölln. Der Sportpark war bereits zwischen 1945 und 1950 nach dem früheren Ringer und Olympiateilnehmer Werner Seelenbinder benannt gewesen, dessen Grabstätte sich auch auf dem Gelände befindet. Danach war der Name wegen der Angehörigkeit Seelenbinders zur kommmunistischen Partei wieder getilgt worden und nur noch von Sportpark Neukölln die Rede, bevor die Anlage am 24. Oktober 2004 erneut zu seinen Ehren umbenannt wurde - im Rahmen der Gedenkfeiern zum 60. Todestages Seelenbinders, der 1944 als Mitglied einer Widerstandszelle im Zuchthaus Brandenburg enthauptet worden war.

Quelle: Groundhopping.de

Montag, 17 Dezember 2012 00:07

Bomber mach´s guad! Zu Besuch in der Steiermark

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So künftig werde ich neben den Spielen und Ereignissen bei den Löwen auch noch häufiger über das Hoppen berichten. Zum Teil werde ich von meinen eigenen Touren schreiben und zum anderen auch von anderen (bekannten) Hoppern Berichte veröffentlichen. Den Anfang mache ich mit meinem Österreichausflug am ersten Adventwochenende. Österreich gehört nämlich zu meinen absoluten Lieblingsländern und das nicht nur Fußballtechnisch.


Graz die zweitgrößte Stadt Österreichs sollt das erste Ziel der Reise sein, ein Ziel welches ich mir bereits seit Jahren immer wieder vornahm aber immer kam was dazwischen. Von München aus war Graz binnen sechs Stunden bequem direkt zur erreichen, so kam ich gegen halb fünf in der steirischen Landeshauptstadt an. Zunächst checkte ich noch schnell in meinem Hotel unweit des Bahnhofes ein, bevor ich mit der BIM (Trambahn) in Richtung Stadion fuhr. Übrigens ist das benutzen der öffentlichen Verkehrsmittel in Graz an Adventsamstagen umsonst, nur so am Rande, in Deutschland kenne ich das in keiner Großstadt. Und damit auch keiner auf die Idee kommt versehentlich zu Stempeln, sind alle Automaten überklebt worden.

20121201 183048Am Stadion angekommen besorgte ich mir erst mal eine Eintrittskarte. Ich nahm einen Sitzplatz in einer Ecke gegenüber der heimischen Nord. Das Ticket kostete 18 Euro, für einen Sitzplatz ok. Allerdings kosten Stehplätze ebenfalls 18 Euro während der teuerste Sitzplatz gerade mal 25 Euro kostet. Bei Topspielen müssen die Fans in der Kurve sogar 23 Euro für einen Steher berappen. Diese extreme Preispolitik gibt es bei einigen Bundesligisten in Österreich und sorgt für relativ viel Unmut und auch für Proteste. Für die Fans des SK
Sturm war das Spiel gegen die Niederösterreicher nicht irgendein Spiel. Es war das Abschiedsmatch für Sturmlegende Mario Haas. Mit acht Jahren kam der gebürtige Grazer 1982 zum SK Sturm und spielte seit dem fast ausschließlich bei den Schwarzen. Mit bis dahin 450 Bundesligaspieler ist er damit der Rekordspieler bei SKS. Da er unter dem aktuellen Trainer nicht mehr so wirklich zum Zug kam entschloss er sich an diesem Tag seinen Hut zu nehmen. Ein zugegeben etwas seltsamer Zeitpunkt so mitten in der Saison, zwei Wochen vor der Winterpause. Aber egal, aufgrund dieses Abschieds drehte es sich bei den Fans logischerweise fast ausschließlich um Ihn. So gab es zum Intro eine Choreo, welche aus fünf Blockfahnen bestand. Die größte Fahne kam in die Mitte und zeigte das Porträt des Spielers, während auf jede andere Blockfahne jeweils einen Letter des Namens aufgezeichnet wurde.

12.268 Zuschauer kamen zu diesem Match in die UPC-Arena und der Support begrenzte sich in den ersten zwölf Minuten ausschließlich auf Mario Haas. Anschließend wurde auch das Team im Allgemeinen angefeuert, allerdings schwenkte man immer wieder auf Mario Haas um. Dadurch kam der normale Support natürlich etwas zu kurz, aber so eine Identifikationsfigur hat mit Sicherheit so viel Anerkennung verdient und da darf dass Supporten ruhig mal zu kurz kommen. Spannend war das Spiel ohne hin nicht, die Steirer waren von Anfang an überlegen und führten zur Pause mit 2:0. Zwar kamen die Gäste nochmal auf 2:1 ran (das war auch das einzige Mal das die gut 25 Fans im Gästesektor zu hören waren) aber das schockte niemanden. In der 62. Minute entschied Sturm die Partie mit dem 3:1 und jetzt forderten die Fans nur noch eins! „WIR WOLLN DEN MARIO SEHN“ oder „WIR WOLLN DEN BOMBER SEHN“ skandierten die Fans in Richtung Trainer, welcher den Mario in dieser Saison noch nie einsetzte. In der 77. Minute war es endlich soweit. Er wurde vom Aufwärmen zur Bank beordert und die Fans waren nur noch am jubeln. „MARIO HAAS MARIO HAAS MARIO HAAS“ schallte es von allen vier Tribünen als er das Spielfeld in Liebenau zum letzten mal als betrat. Die Mannschaft versuchte Ihm jetzt als krönenden Abschluss noch ein Tor zu ermöglichen und setzte Ihn entsprechend ein, aber leider spielten die Gäste nicht mit und so blieb es beim 3:1 für Sturm.


pyrohaasNach dem Spiel wurde es schließlich richtig emotional. Zunächst noch eine Ehrenrunde durch das Stadion, bevor er sich von der Grazer Nordkurve verabschiedete. Diese wiederum verabschiedete sich mit einer hammergeilen Pyroshow von Ihrem „Bomber“. Auch Mario Haas hatte eine Fackel in der Hand während die Fans „Es gibt nur eine Legende“ sangen. In Deutschland hätte es für Verein und Spieler dafür wohl Geldstrafen und mehr gehagelt und die Fans wären mit Repressionen bedacht worden, in Österreich ist das halt anders, da wird sowas genehmigt. Warum es dort in einer proppenvollen kurve funktioniert und es das bei uns nicht soll ist mir einfach nur ein Rätsel.


Alles in allem hat sich der Besuch im ehemaligen „Arnold-Schwarzenegger-Stadion“ gelohnt. Das mit Wr. Neustadt ein eher wenig interessanter Gegner kam wurde durch den Abschied weg gemacht. Für jeden der zum Hoppen nach Österreich fährt, ist Graz auf jeden Fall ein Pflichtground. Natürlich sind die Duelle gegen die Wiener Vereine normal die Stimmungsvollsten, da es einen Lokalrivalen jetzt leider entgültig nicht mehr gibt zumindest nicht bis ein Nachfolgeverein für den GAK gegründet worden ist.. Für jeden der das Stadion mal besucht, kann ich als Snack nur das Bratenbrot um 2,50 € empfehlen. Lecker dünn geschnittener Schweinebraten mit ein bisschen Soße zwischen zwei leckeren Scheiben Schwarzbrot.

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