Thomas Pundrich
Formvollendetes Scheitern auf gewohnt hohem Niveau.
Der HSV nimmt nicht mehr den Fahrstuhl zum Schafott, warum auch, wenn man sich zum komplett Entblöden gleich aus dem Fenster stürzen kann.
Oliver Dittrich ist bekennender HSVer, einer der in Hamburg ansässigen Prominenten, der sich auch gerne und ausgiebig dazu bekennt, während es immer noch sog. Prominente gibt, die der paaadie-frömmelden Pseudo-Coolness im Wilhelm-Koch-Stadion hinterherhecheln.
Sein jüngstes Comedy-Projekt brachte eine Sportberichterstattung mit sich, die zwar zunächst ein echter Brüller vor dem Herren war, aber, dem geneigten HSV Anhänger blieb nach konkretem Nachdenken der Lacher irgendwie doch im Halse stecken. Dummerweise bin ich mittlerweile so negativ gestimmt, was das Handeln und Agieren des Vereines, der Organe und der um den Verein herumvagabundierenden Ex-Funktionäre und Möchtegerns betrifft, so dass man dem ruhmreichen HSV eine Verpflichtung des doppelbeinvergipsten und dauerverletzten Ex-Talents „Pipo“ ohne weiteres Achselzucken zutrauen würde.
Im übertragenen Sinne machen wir das ja auch schon tagtäglich und mit wachsender Begeisterung. Ich unterstelle Olli Dittrich einmal, dass sein „Pipo“-Sketch eine künstlerische Reflektion über den Gesamtzustand des HSV sein soll. Sollte es sich aber nur um blödmichelige Comedy handeln, möchte ich aber dennoch meine allerherzlichste Gratulation für diesen durchaus gelungenen Irrläufer aussprechen.
Es ist nicht nur der Umstand, dass wir dank der der Familie van der Vaart auf einmal in einer Hamburgisch-Niederländischen Trailerparktrash-Schmonzette wiederfanden, nein, die Ansammlung lieblos zusammengewürfelter Fußballarbeitnehmer, wusste uns HSV-Fans und das zunehmend ungläubig-staunende Fußballdeutschland, immer wieder zu überraschen, mit immer neu gearteten und kuriosen Leistungen auf dem Fußballplatz.
Neben den wirklich hanebüchenen Leistungen gegen die „unterklassigen“ Mannschaften aus dem sog. Tabellenkeller, wusste dieser sensationelle Auswärtskracher beim Deutschen Meister absolut zu begeistern. Es gibt für einen Fußballfan nichts, was für einen mehr beschämender ist, als wenn sein Team wie elf stoffelige Kamele über das Feld wankt, dabei aber wieder die sattsam bekannten große Rosinen im Gepäck hat und fröhlich mitwirkt, wie die Bayern vollkommen gerechtfertigt das Team vertrimmen.
Und wieder einmal mussten die Verantwortlichen beim HSV auf den vogelwilden Klepper des Grauens und des Irrsinns aufspringen. Grillen mit den Fans, als eine Art „Austausch“ und zur Wiedergutmachung. Ich kann mir nicht zusammenreimen, aus welchem Verließ in den Katakomben des Volksparkstadion die Idee für diese Aktion herausgekrochen gekommen ist. Was ich aber sicher weiß, ist, dass die Wach- und Schließgesellschaft besser auf die Schlüssel hätte achten sollen. Keiner fand dieses Grillfest im Vorwege erquickend. Was ist denn die mehr oder minder unverhohlene Message dahinter? Fans sind eine stumpfe Masse, die man mit Freibier, Fleischabfällen in Pelle und ein wenig Blabla abspeisen (sic!) kann. Natürlich kam es wie es kommen musste: es wurde eine getarnte Saisonabschlußfeier, bei der sich die notorischen Eventies natürlich das Recht einlösten, sich doch Autogramme der Spieler zu holen und sinnlose Fotos zu machen, mit „Stars“, die sowieso zum größten Teil zum 30.06 in die Fußnotenhistorie des HSV eingehen werden.
Das taten die Leute wissentlich entgegen der Verkündung von Verein und Mannschaft, folglich muss man annehmen, dass Trallala denen wichtiger ist, als ein respektabler Umgang im Verein und mit dem Verein.
Ich bin mir grundsätzlich nicht sicher, ob Fußballspieler überhaupt verstehen, worum es den Fans eigentlich geht. Wenn man einmal ganz unromantisch mitbekommt, was so Spieler von Fans halten, dass es sehr häufig so ist, dass sie die Fans für fette und versoffene Schweine halten, denen man nur das gehörige Maß an Industrieschauspielertum entgegenbringen muss, weil Fußballfans sind ja auch hohl, damit man selber in Ruhe seinem ausgefallenen Auto-, Frisuren, Tattoo- und Frauengeschmack frönen kann, hat man seine Zweifel, ob Themen wie „Auswärtsfahrt“, „Choreo basteln“ oder „Ehrenamt“ für Fußballspieler nicht unbekannte Wörter aus einer fremdsprachigen Galaxie sind.
Es gibt einige Standardfloskeln für den Fußballkommentator, die man in der Fibel „Gudnabendallerseits“ findet, die wohl jeder Volontär beim Dienstantritt in die Hand gedrückt bekommt. Der Routinier unter den Kommentatoren bewegt sich aber jenseits dieser Fibel und benutzt ungeheuer ausgefeilte und scheinbar selbst ausgedachte Floskeln. Die Leit-Floskel für den HSV war in dieser Saison die „Wundertüte“. Ich kann diesen Begriff „Wundertüte“ ganz gut nachvollziehen, ich bin mir aber nur nicht sicher, ob die Sportjournaille damit dasselbe meint, wie ich: möchte man landläufig en passant seine Verblüffung kundtun, bezüglich der wechselhaften sportlichen und spielerischen Fähigkeiten des zusammengetrommelten Spielermaterials, gehe ich in meiner Wundertütenbetrachtung doch etwas tiefer bzw. einfacher strukturiert.
Der gesamte Verein ist eine Wundertüte. Man bezahlt ein Heidengeld für einen verheißungsvollen Sack an gülden schimmernden Geschmeiden, bekommt aber am Ende nur eine Handvoll Glasperlen und Plastiktand heraus. Der Verein ist eine Spielwiese für Amateure, Politiker und Möchtegerns jeglicher Couleur und Qualifikation. Diese Saison neigt sich nun ihrem Ende entgegen und wir können nun fast zwei Jahre unter der Ägide Edgar Jarchow bilanzieren.
Da ich nun sowieso kein großer Freund unseres Vorstandvorsitzenden bin, ist es nicht überraschend, dass meine subjektive Bilanz komplett negativ ausfällt. Wir haben die Lizenz für die kommende Saison ohne Auflagen erhalten, dennoch ist man sich nicht so ganz schlüssig, wie groß denn nun das „Defizit“ bzw. der „Bilanzverlust“. Einstellig, zweistellig, Millionenbetrag, ja, schon klar, mal wird es bei den Senioren so gesagt, und ein anderes Mal wird es der Frau Kerhahn bei NDR 90,3 so zugeraunt.
Aber, alles erst einmal irgendwie „so“ in den Medien, bzw. bei Vereinsveranstaltungen, die ja per se (per Satzung), nicht dazu geeignet sind, die Mitgliedschaft über Ergebnisse solch qualitativ elementarer Art zu informieren.
Es ist also nicht nur eine gewisse Kommunikationsklippe zwischen den Fans und der Mannschaft vorhanden, nein, diese Kommunikationsklippe existiert auch quer durch die Mitgliedschaft und durch die Organe.
Der beste Beleg dafür war die flegelhafte Petitesse, die sich unser Sprecher des Aufsichtsrates, der Herr Ertel, geleistet hat. Umgangssprachlich firmiert der Sprecher des Aufsichtsrates seltsamerweise als „Boss“…Hier nun der „HSV-Boss“.
Herr Ertel reklamiert für sich aufgrund seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Spiegel-Redakteur, nicht nur eine Expertise im Umgang mit den Medien, sondern auch eine nicht näher bestimmte Exzellenz. Als Spiegel-Redakteur ist das für mich als Laien sogar nachvollziehbar, da ich dieses Nachrichtenmagazin als ein Stück journalistische Leitkultur in diesem Land erachte. Es hätte mich aber schon misstrauisch machen müssen, dass eben dieses Nachrichtenmagazin, unter Mordio und Zeter in den letzten zwei Jahren, eine Printredaktion und Internetredaktion unterhalten hat. Zwei Redaktionen, die sich jeweils missgünstig und eifersüchtig in die Inhalte gespuckt hat, angeführt von Chefredakteuren, die wohl „nicht gut miteinander konnten“.
Kommt man aus so einem Hause, ist es nicht verwunderlich, dass man seinen eigentlich „privat“ gedachten Facebook Account offen wie ein Scheunentor hat und sich danach verwundert und auch noch verärgert die Äuglein reibt, dass es „Vereinskameraden“ gibt, die genüsslich einen Babykackesturm entfachen, wenn man mal einen steinalten und zusätzlich enddoofen Witz über den Herrn Hoeneß „teilt“.
Es steht keinesfalls zur Debatte, ob der besagte „Bayern-Boss“ nun ein Krimineller oder einfach nur ein heuchlerischer Saftarsch ist, nein, zwei Fragen muss man sich stellen:
Geziemt sich solch ein Witz für einen „HSV-Boss“ überhaupt, egal in welcher Form und in welchem Kreis?
Kann man als HSV Mitglied nicht einfach eine dem Amt angemessene Medienkompetenz erwarten, als dass man, wenn man in ein Fettnäpfchen getreten ist, nicht umgehend dafür sorgt, dass die Sprenkel aufgenommen werden?
Ich denke „Nein“ und „Ja“.
Um das Chaos perfekt zu machen, äußerten sich diverse Aufsichtsratsmitglieder über die Medien zu diesem Thema, der Marketingvorstand Herr Hilke erzählte etwas von ersten begeisterten Sponsoren und die Krönung der Entblödung war ein „offener Brief“ eines gewissen Interessenkreises in der Mitgliedschaft, den sog. „HSV-Realos“. Dass man sich bemüßigt fühlt, sein Missfallen bezüglich des Fauxpas von Herrn Ertel kundzutun, ja, das geht in Ordnung, mache ich hier ja auch.
Es ist aber keinesfalls nachvollziehbar, dass man dazu aber eine etwas schräge Form wählen muss. Zutiefst unterwürfig kriecht man dem FCB in den Allerwertesten, als hätte der Penälerwitz die Dimension von Vaterlandsverrat und Blasphemie gehabt. Und wäre das alles nicht schon peinlich und affig genug, hat man diesen „offenen Brief“ mit einer gewissen Spur von (unfreiwilliger?) Ironie angereichert: Auf Facebook veröffentlicht, hat man zum „Unterschreiben“ via „Gefällt mir“ aufgerufen. Mit der ulkigen Konsequenz, dass die 67 Personen, die dieses Pamphlet auf der FB Seite der HSV-Realos, nun wiederum von empörten „Fundamentalisten“ entfroindet wurden.
Was bleibt festzuhalten: Das Klima im Verein und in der Mitgliedschaft ist komplett versaut. Das geht sogar so weit, dass Vereinsbedienstete, die wegen des Abganges von Bernd Hoffmann und Katja Kraus frohlockt hatten, nun nach zwei Jahren komplett ernüchtert sind und den aktuellen Verhältnissen den Grad „schlimmer“ testieren.
In den letzten zwei Jahren hat sich Vieles verändert. Nichts hat sich verbessert, wenige Dinge sind anders, die Mehrzahl an Umständen hat sich deutlich verschlechtert.
Die Mitgliedschaft ist daher umso mehr gefordert, sich zu einen und sich dann konstruktiv einzubringen. Sonst gibt es doch irgendwann mal den „alternativlosen“ Vorschlag, dem man dann doch ohne eigene Überzeugung zustimmen muss.
Urlaubszeit ist gleich sorgenfreie Zeit!
Ich bin ja kein richtiger Fußballfan. Ich richte mein Leben nicht übermäßig nach den Launen und Absurditäten des Profifußballs aus. Warum auch, wenn es draußen im echten Leben nur minimale Zeitfenster gibt, die man nach Großvätersitte noch mit dem heutzutage unbekannten Begriff „Nebensaison“ bezeichnen mag.
Die irgendwie zugeteilte Fußballmannschaft ist einem aber dennoch nicht komplett scheißegal, es reicht immerhin noch dazu, dass einem beim Erreichen des ersten freien Wifi in der balearischen Zweitheimat, die Pimientos de Padron aus dem Gesicht fallen. Ja, nach einem 1-5 bei komplett ausgelaugten Hannoveranern stößt einem nicht nur kurzfristig das San Miguel sauer auf.
Während man dann die folgenden Tage tapfer auf einem virtuellen Beißhölzchen rumkaut, liest man erstaunliches in der Tagespresse. Dank modernster EDV Technik, ist man auch fern ab der Heimat zum Teil besser informiert, als einem lieb sein könnte. Der Australische Schwimmverband hat eine Studie in Auftrag gegeben. Es sollte analysiert werden, was der Grund gewesen sein könnte, für das überaus enttäuschende Abschneiden der Leistungskader bei den zurückliegenden Olympischen Spielen im vergangenen Jahr. Zur Belustigung des Schreiberlings des Berliner Tagesspiegels (einer durchaus herausragenden, überregionalen Tageszeitung, leider dürfen sich dort auch mindertalentierte Wesen versuchen, wie zum Beispiel auch der „Chefreporter“ eines Bezahlsenders, nämlich in Form einer Art „Fußballleitartikel“, so eine Art „Streiflicht“ für Bolzer…) identifizierte diese Studie ein ernstzunehmendes Übel: Die Betätigung der Sportler in sog. sozialen Netzwerken, wie beispielsweise Facebook und Twitter.
Es wurde nicht nur ein zeitfressender Ablenkungseffekt festgestellt, nein, die Studie ging so weit, dass dem Sportler durch die zumeist positive Interaktion mit den Fans, das nötige Quäntchen „Leistungswillen“ abhandenkommt, der nötig ist, um erstklassige Leistungen zu erbringen.
So bekam man vor dem Hannover-Spiel ein lustiges „Lümmel-von-der-letzten-Bank“-Foto gepostet und in dieser Woche jammerte Dennis Aogo via FB herum, dass die Fans doch bitteschön nicht pfeifen sollten, wenn das Spiel nicht so läuft, wie es von den Fans erwartet wird. Unterschwellig wurde man auch noch belehrt, dass wir Fans ja eigentlich zu blöde sind, Fußballtaktik zu verstehen. Man müsse einfach auch mal „hintenherum“ spielen. Da möchte man aber dem Trainer und den Spielern zurufen: ein Taktik die nicht funktioniert ist eine Scheiß-Taktik! Man muss schon wirklich ein Taktik-Afficinado sein, um eine solch brillante Analyse wie die Jungs von www.spielverlagerung.de hinzubekommen (http://spielverlagerung.de/2013/03/16/hamburger-sv-fc-augsburg-01/), aber leider, ist auf dem Platz meistens weniger spektakulär und nach einem derart vergeigten Auftritt, wie nach dem Spiel gegen Augsburg, darf man nicht ewig auf das gefährliche Werkzeug der „positiven Kritik“ aka „weichspülen“ setzen.
Deutlich ausgesprochene Kritik scheint heutzutage verpönt. Allzu häufig fühle ich mich an einen philosophischen „Witz“ aus dem französischen Film „La Haine“ erinnert: Ein Mann springt aus dem X-ten Stock eines Hochhauses und fällt und sagt sich dabei, hmmm, bis jetzt ging alles gut…
Warum gelingt es einer Mannschaft aus dem unteren Tabellenviertel in ununterbrochener Abfolge, ca. 5 bis 7 Mal, bei Einwurf für den HSV, in der Hälfte des HSV, durch robustes „Zustellen“ den Ball zu erobern? Wir erinnern uns: Herr Aogo hat uns dahingehend belehrt, dass man den Gegner locken möchte. Nun stehen die Trubben laufend im eigenen Garten und besser wird es dadurch auch nicht.
Wonach ruft nun ein Spiel wie das am vergangenen Samstag? Meistens nur danach, dass einen die gestrenge Frau Saalfrank auf die stille Treppe stellt, oder, dass man Travis-Bickle-like die Hände über der Herdplatte „erwärmt“. Alle Selbstkasteiung nutzt aber nichts, wenn man wirklich noch den Ärger geschürt bekommt, wenn der Gesamtspieltag als für den HSV gemalt da liegt und vom Künstler wieder verworfen wird. Der Ärger wird dann noch potenziert, wenn dann noch das veranstaltende Organ den Spieler Beister für unglaubliche 5 Spiele sperrt. Wobei es mir fern liegt, das grobe Foulspiel des Spielers relativieren zu wollen, aber schlussendlich fußt dieses Urteil ja auch auf dem Bericht des Schiedsrichters. Und dass der Sportsfroi!nd eine etwas lässige und gewöhnungsbedürftige Form der Regelauslegung hatte, durfte wohl auch der blindesten Sky Moderationskonifere aufgefallen sein.
Noch ärgerlicher wird es dann, wenn der eigene Verein dem jungen Spieler nicht den Rücken stärkt und das Urteil abnickt und stumpf akzeptiert. Wie es funktioniert, hat der BVB gezeigt, als es um die Personalie Lewandowski ging. Aber, wahrscheinlich ist der BVB mittlerweile ähnlich systemrelevant wie Hypo Real Estate. Too big to fail. Und der HSV ist beim DFB so unbeliebt wie Arschjucken, die ungeliebte Bestandsdiva aus dem hohen Norden und dann noch gesegnet mit vorlauten Fans, die auch noch mitbestimmen wollen.
Zwei weitere kleinere bzw. mittelgroße Ärgernisse erreichten mich ebenfalls noch im Urlaubsdomizil. Das Geld ist mal wieder alle. Während man bei Schalke 04 die Pressefanfaren anschmeißt, wenn man im vergangenen Geschäftsjahr die Verbindlichkeiten um 10 Millionen Euro auf 141 Millionen Euro reduzieren konnte, fabuliert unser Aufsichtsrat in einer Verlautbarung von einer schwierigen finanziellen Lage, die natürlich zum Teil auf „auf Altlasten aus der Zeit des ehemaligen Vorstandes“ zurückzuführen. Mal ganz unabhängig von der Tatsache, dass ich persönlich diese Formulierung als ziemlich unangemessen und kaum eines ausgebildeten und erfahren Journalisten würdig erachte, finde ich dieses dummerhafte „da-läuft-der-Dieb-haltet-ihn“, nach zwei Jahren unter der Ägide Jarchow doch etwas mitgliederverarschend. Hinzu kommt auch noch, dass die Geschäftsordnung des Aufsichtsrates in Fragen der Öffentlichmachung von Berichten des Aufsichtsrates, es eigentlich nur vorsieht, dass diese Bericht auf der Mitgliederversammlung erfolgen. Ebenfalls besteht dann noch die Möglichkeit, einen Bericht in der „HSV Live“ (Stadion- UND Vereinszeitung) und auf hsv.de zu veröffentlichen. Es steht da nichts von der Homepage des HSV Supporters Clubs und schon gar nicht steht dort etwas davon, dass dieser Bericht des Aufsichtsrates auf Facebook geteilt werden soll.
Zur Erinnerung: interessierte Kreise im Verein sperren sich vehement gegen die Möglichkeit, nicht in Hamburg ansässige Mitglieder aktiv und ad hoc an Vereinsentscheidungen zu beteiligen („Fernwahl“).
Es klingt vielleicht kleinkariert, aber, man sollte sich vor Augen halten, dass in der Vergangenheit des Öfteren doch sehr begeistert auf „Verfahrensfehler“, insbesondere natürlich durch den Herrn Hoffmann mutwilligst verübt, rungeritten wurde, die man echten Leben nur als Killefiz bezeichnen würde.
Dann ist mir auch noch im San Miguel Rausch eine Satzungsänderung entgangen.
Die Ehrenpräsidentschaft…Ich habe auch dazu ein weiteres Statut des Vereines konsultiert und habe verblüfft feststellen müssen, dass eine solche Ehrenpräsidentschaft dort nicht vorgesehen ist.
Und wenn ich ehrlich bin, Stand 18.03.2013 erachte ich Uwe Seeler auch nicht als einen geeigneten Kandidaten dafür, sollte denn die Mitgliedschaft mal in Erwägung ziehen, ein solches „Ehrenamt“ in die Statuten aufnehmen zu wollen.
Ich möchte versöhnlich schließen, natürlich mit einem Songzitat:
Und jeder auf Erden ist wunderschön sogar Du
(sogar Du)
Und jeder auf Erden ist wunderschön sogar Du
(sogar Du)
Ein Menschheitstraum wird wahr
Ich fühl mich wunderbar
Lieber ein grauer Schleier vor Augen, als eine Praline in der Hand.
Was war denn das? Wirklich jetzt eine Überraschung, oder nur die Bestätigung der negativen Erwartung? Der HSV bleibt die Pralinenpackung im Sinne von Forrest Gump: Verarschung ist das halbe Leben! Nasser Arsch und kein Spaß dabei!
Was musste man schon alles in seinem Fitnessclub ertragen. Das Spielermaterial des Stadtteilvereines war zugegebener Weise die Krönung der Zumutung, aber, das Duschen mit Boll und Konsorten hatte ein Ende, als man beim Stadtteilverein auf den Trichter kam, ein anderes Sportstudio der Stadt zu nutzen.
Heute Morgen dann war ich früh an den Geräten, um mir den Frust und die Fassungslosigkeit über die gestrige Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt aus den müden Knochen zu hanteln. Trotz meines „ich-will-nicht-darüber-sprechen“ Gesichts, kam Klaus angewackelt, seines Zeichens ein Turnkumpel von meinem Vater und ehedem Oberliga-Torhüter bei Phönix Lübeck. Wir philosophierten über das gestrige Spiel, welches Klaus natürlich nicht gesehen hatte, aber dennoch eine eigentümlich kompetente Meinung darüber verfassen konnte.
Schnell erlangten wir Einigkeit darüber, dass der HSV ohne ein abgestimmtes System zu spielen scheint, wohingegen die Frankfurter ihre Angriffsbemühungen sehr fleißig strukturiert vorgetragen haben. Auch die Verteidigungsarbeit der Frankfurter konnte man als fleißig vorgetragen bezeichnen. Das klingt jetzt etwas herablassend, aber, wenn man solch schlichter Taktik nichts wirksames entgegenzusetzen hat, kann man der eigenen Leistung, ohne Wenn und Aber, eine schlichte „6 ohne Setzen“ testieren.
Vor dem Spiel war schon alles klar. Alle Leute, die man traf und mit denen man sprach, übten sich in einer pessimistischen Perspektive. Die meisten mehr zum Ulk, die wenigen Wissenden aber mit einem toternsten Ton der Überzeugung. Jedes Mal, wenn der Spieltag für uns wie gemalt da liegt und wir alle Möglichkeiten haben, endlich mal wieder einen entscheidenden Schritt zur ernsthaften Manifestierung unserer eigenen Ansprüche zu machen, klatschen wir formidabel auf die Fresse.
Einem absolut durchschnittlichen Übungsleiter wie dem Herrn Veh gelingt es, eine ebenso durchschnittlich Ansammlung von Spielermaterial zu einer funktionierenden Mannschaft zu formen. Und Ei der Daus, ein Herr Lakic kann blöd rumstehen und den einen oder anderen Ball per Kopf in Richtung Tor dirigieren.
Ich gehe ja schon lange nicht mehr zum Fußball, um Spaß zu haben, oder um mich an den Freuden des sozialisierenden Gruppenerlebnisses zu ergötzen. Nein, man sucht ab und zu auch den Mehrwert in der Taktikanalyse, man zwingt sich also selber, das Spiel zu lesen. Beim HSV hat man leider in letzter Zeit zu häufig das Gefühl, dass man sich ein Stück großer Ferkelwemser Literatur à la Shades of Grey erhofft, am Ende steht man aber nur mit einer abgegriffenen 80er Jahre Ausgabe der Erotikzeitschrift „Praline“ da.
Normalerweise werden mein Vater und ich um unsere Sitzplätze von der Urlaubsvertretung beneidet. Die Reihe 10 im Block 22b, im Stadioneck, direkt über der Uhr bietet eine erstklassige Sicht auf das Spiel. Gerade die erste Halbzeit, in der der HSV traditionell auf die Südtribüne spielt, eröffnet einen dreidimensionalen Blick auf die Abwehrleistung unserer Truppe. Gestern wurde wieder deutlich, dass der Gast den allgemeinen Schnittmusterbogen der Gastmannschaften m Volkspark ausgepackt hatte.
Zum x-ten Male in dieser Saison, sah man einen Gegner, der seine Angriffsbemühungen auf seine linke Angriffsseite projizierte. Wir verlagerten willenlos auf unsere rechte Abwehrseite und dank der Hüftsteifheit unser linken Abwehrseite, war es für den Gegner ein Leichtes, auf seine rechte Angriffsseite zu verlagern, um dann unglaublich konfuse Verschiebungsbemühungen von uns zu sehen, die man ohne große Mühen ausnutzen konnte. Sporadisch rückte Aogo wieder ins linke Mittelfeld, um den Grand Canyon zwischen Jansen und Son zu schließen, was aber auch wiederum das Mittelfeld statischer und noch ausrechenbarer machte.
Ein zynischer Gedanke kam mir noch. Vielleicht ist das geschlossene Transferfenster eine teilweise Begründung für die kollektive Minderleistung der Truppe gestern. Jetzt müssen alle miteinander Ausharren, bis zum Ende der Saison. OK, Geld kommt, dann kann man sich ja mal umtun. Das Gefühl hatte ich zumindest ein wenig gestern Abend. Neben dem nassen Arsch, den ich hatte. Vaddern stellte fest, dass die Sitzkissen wohl nicht komplett durchgetrocknet waren, nachdem er meins von der Kakaoorgie der letzten Woche gereinigt hatte. Wenigstens hatte er auch sein Sitzkissen ebenfalls gereinigt und litt nun mit.
Mit Klaus und seiner Oberliga Karriere hat man nun auch eine direkte Analogie zu einem seiner damaligen Gegenspieler, Uwe Seeler. Sportidol, Vereinsikone und mittlerweile nicht mehr so gerne gesehener Dummschwafler.
In der heutigen Ausgabe der Hamburger Morgenpost „rechnet er mit seinem HSV ab“. Mal abgesehen davon, dass Herr Seeler froh sein kann, dass man beim HSV ihm nicht einmal eine (durchaus fällige) Rechnung präsentiert hat, sondern ihm lange Zeit Denkmäler gebaut hat, ist die (von Uwe Seeler) medial geführte Auseinandersetzung um die Vertragsverhandlungen des HSV mit seinen Enkel Levin Öztunali, für viele HSVer ein weiterer Negativaspekt im öffentlichen Auftreten von Uwe Seeler. Ebenso der Umstand, dass Herr Seeler seine Abrechnung über eine Hamburger Zeitung verkündet, die höflich ausgedrückt, dem Stadtteilverein mehr zugetan ist, passt sie in das Medienbild, dass Herr Seeler in den letzten Jahren vermittelt hat: in so manches Mikrofon wurde so mancher Mist unaufgefordert gesprochen. Auch in Geldfragen war sich Herr Seeler nicht zu schade, Werbung für ein Geldinstitut zu machen, welches zum Sponsorenkreis des Stadtteilvereines gehört. Das hat bestimmt dem konkurrierenden Geldinstitut gefallen, welches zum Sponsorenkreise seines HSV gehört. Ach ja, es ist ja nicht mehr Ihr HSV, Herr Seeler. Ich kann Ihnen aber im Gegenzug versichern, dass Sie auch schon lange nicht mehr „Uns Uwe“ sind.
Ich bin ja nun wirklich kein romantischer Fußballfan und habe schon verstanden, dass es auch für junge Spieler ums berufliche Fortkommen geht. Und jeder soll sich um die Perspektive bemühen, von der er überzeugt ist, dass sie die richtige für einen selbst ist. Ich verstehe in diesem Zusammenhang aber nicht, wie es angehen kann, dass der Vater von Levin Öztunali (OK, Erziehungsberechtigter hin oder her) gleichzeitig Berater und angestellter Jugendscout beim HSV sein kann.
Genauso verstehe ich es nicht, dass Uwe Seeler sich in der vorletzten Woche noch dahingehend geäußert hat, sich aus der Vertragsverhandlungsgeschichte rauszuhalten, im nächsten Atemzug aber in der Presse rumplärrt.
Und wieder einmal ist eindrucksvoll belegt worden, dass der HSV der dämlichste, aufregendste, coolste und geilste Verein der Welt ist.
Und nächsten Samstag sind wir wieder dran und schlagen Dortmund.
Man muss das Spiel nur lesen wollen!
Ausgerechnet schon wieder Werder...
Ausgerechnet schon wieder Bremen, Werder Bremen um genau zu sein. Die verbotene Stadt 108 km südwestlich der Stadt schlechthin, Heimstatt des bei uns HSVern etwas unbeliebten Vereines.
Ich stand am Fenster und schaute hinaus in den grizzeligen Regen, der sich zusehens in einen handfesten Schneeregen unangenehmster Ausprägung entwickelte. Ich haderte mit dem kommenden Heimspiel, ich dachte mir, dass das Wetter einfach so scheiße ist, dass das nicht unbedingt das Ultimo an Übel bedeuten musste. Gerne weide ich mich in der 1887 Kubikmeter Suhle des selbstmitleidigen HSV Fans, zu ungerne erinnere ich mich an die 18 Tage im Frühjahr 2009 und die vier elementaren Pflichtspiele gegen den Nordrivalen. Ekel und Brechreiz erfüllen mich, wenn ich auch nur einen Gedanken an den 01.05.2004 verschwende. Meinen damaligen Schwur, mir das Tuten nicht noch ein einziges Mal anzutun, kam ich darauf folgend fast nach. Jedenfalls war dieser eigentlich schöne Maifeiertag mein einziges und erstes Auswärtsspiel, bei dem ich zum Beginn der Sportschau wieder zu Hause gewesen bin. Zugegebener Weise lag Transportfrage nicht in meiner Hand.
2013 überzeugt aber trotzdem mit komplett anderen Voraussetzungen und Randbedingungen, rede ich mir ein, während die Polizeidirektion West einiges an Fahrzeugen mit Pauken und vornehmlich Trompeten auf die Reise schickt, durch den Schneeregen, die Stresemannstraße hinunter, zum nahegelegenen Fanhouse an der Holstenstraße. Gewisse Fankreise aus Bremen hatten sich dazu entschlossen, die S-Bahn für einen spontanen Housebesuch zu verlassen, in der als natürlich erachteten Erwartung, dass die Househerren dafür das nötige Verständnis aufbringen würden, verbunden mit einem gastfreundlichen Entgegenkommen. Gut, man mag das in einem Anfall von romantisierender Soziologie als „Fankultur“ beschreiben wollen, herrjeh, ich empfinde das als minderspannenden Tribalismus, auf den man gut und gerne verzichten kann.
Nach Bahrenfeld im Bus dichtete Tocotronic vor einigen Jahren und jedes Mal, wenn ich mit meinem Vater von der Schützenstraße Richtung Stadionstraße im Bus stehe, summe ich dieses Lied vor mich her. Der nächste Gedanke ist auch immer derselbe, nämlich, dass ich bis heute nicht weiß, wie die neumodschen Metrobuslinien heißen, die auf den alten Nabelschnüren in die Welt verkehren. Für mich sind es immer noch der „188er“ und der „111er“. Und ich habe auch keine Lust diese neuen Nummern zu lernen, ich erinnere mich schließlich noch an die Straßenbahnen, die auf diesen Linien verkehrt haben.
Unser Weg führt dann am Friedhof am Volkspark vorbei, wo wir dann regelmäßig einen ungezwungenen Schwenk auf den Friedhof machen, um das Grab meiner Mutter aufzusuchen. Eine etwas eigenwillige Form des Gedenkens, ok, mag sein, aber warum denn eigentlich nicht. Nur sollte man sich nicht darin ergehen, sich von der Trauer leiten zu lassen bzw. als Selbstzweck auf einem Schild vor sich her zu tragen.
Dieser Gedanke kam mir dann nämlich, als die Bremer Fans die Choreo zum Gedenken an Adrian Maleika präsentierten. Grundsätzlich finde ich es positiv, dass so etwas möglich ist in unserem Stadion. Man hätte es sich ja auch einfach machen können und diese Choreo untersagen können. Der durch Menschenhand herbeigeführte Tod Adrian Maleikas ist ein wirklich sehr schlimmes Ereignis gewesen, ein Ereignis, dass keiner relativieren oder gar schönreden darf. Und leider ist Adrian Maleika ein Opfer eines Kapitalverbrechens geworden, welches nicht rechtsstaatlich gesühnt wurde. Inwieweit da nun Unvermögen oder Unwillen mit dazu beigetragen haben sollen, kann ich heute nicht mehr klärend nachvollziehen.
Trotzdem empfand ich die Gedenkchoreo im Gästeblock eindimensional. Wo war der Anknüpfungspunkt an eine Zukunft, die man als HSV Fans und Werder Anhänger eventuell auch gemeinsam gestalten könnte? Vielmehr kann man den Anschein gewinnen, dass der dümmlich „Tod & Hass“ Kult auf beiden Seiten in relativ großen Lagern zumindest mit klammheimlicher Freude kultiviert wird. Ich kann mir auch nicht wirklich schlüssig erklären, welche Funktion ein Erinnern an den 30sten Todestag von Adrian Maleika in dieser Gegenwart haben soll? Drei Fan-Generation sind mittlerweile ins Land gegangen und in den vergangenen Jahren war das „Thema“ eben ein unterschwelliges Tabu-Thema, welches man so oder so nicht unbedingt ansprechen musste, jedenfalls und schon gar nicht um dumpf zu provozieren.
Wir konnten diese Woche aber auch lernen, dass das Thema der stumpfen Fussballgewalt immer noch ein Thema ist und auch ein Thema bleiben wird. Die Verurteilungen der Gewaltverbrecher in Bielefeld sind ein Beleg dafür, dass es bei solchen Aspekten „gemeinter“ Fankultur weder Diskussion noch übermäßige Nachsicht geben darf, egal, ob da unsere Pseudofreunde unseren Pseudofeind angreifen.
Gerade in der Betrachtung der medialen Kommentierung der Verurteilungen der Bielefelder Gewalttäter, wurde mir klarer, dass mit der Gedenkchoreo für Adrian Maleika eine große Chance der Verständigung mal wieder vertan worden ist. Aber, vielleicht ist das auch so gewollt gewesen.
So lieferte dann der sportliche Verlauf den Schnittmusterbogen für die Dramaturgie, die dem Derby-Afficinado vor Erregung körperwarme Flüssigkeiten am Bein herunterlaufen lässt. Am Anfang dieses Artikels habe ich mit wiederkehrenden Bildern beschäftigt, auch heute erlebte ich ein Déjà -vu: wieder saßen irgendwelche fremden Menschen hinter mir und wieder ergoss sich beim Torjubel ein Getränk auf mein Sitzkissen (Ja! Winter! Kalt!). Bier ist man ja schon halbwegs gewohnt, bei einem weiteren Spiel gegen Werder war es dann ein ganz zauberhafter Glühwein und heute verpütscherte der stiernackige Fettklops seine heiße Schokolade auf mein geliebtes Rautensitzkissen. Warum ein Getränk, welches eigentlich Zehnjährigen vorbehalten sein sollte, den Weg in die wurstfingerigen Pranken des Sportsfroindes fand, ja, das deutete ich im Stadion mal als Laune des Herrn Fussballgott, vielleicht war es aber auch ein Zeichen dafür, dass nun nichts mehr schief gehen sollte.
Ich gehöre ja zu den HSV Fans, die an eines bestimmt glauben, nämlich an den Willen der jeweiligen Mannschaft, gegen Werder Bremen, jegliche Option des Versagens zu nutzen. Heute entblödeten sich aber mal die Spielermaterialdarsteller des Rivalen dazu, die Rolle der Blödmannsgehilfen anzunehmen. Der schon seit der ersten Halbzeit völlig freidrehende Spieler Fritz nahm dankbar alle bis zu diesem Zeitpunkt zu vergebenen gelben Karten heroisch auf sich, um schon mal das Duschwasser für die Kumpels auf Wohlfühltemperatur zu bringen. Der österreichische Superstar der Werderaner schickte sich an, beim big-cow-excrement-contest, der in irgendeinem imaginären Dschungelcamp ausgerufen worden ist, den ersten Platz belegen zu wollen. Jedenfalls bewies er eindrucksvoll, dass er zwar außen bunt bemalt ist, aber dennoch zur unterbelichteten Sorte Profifußballer gehört und es definitiv nicht ausreichend ist, auf Zlatan-Bettwäschen zu schlafen, um das Crazy Genie geben zu dürfen.
Der einzige Werder Anhänger im Kollegenkreis ist seit Montag krank. Noch so ein Zeichen…
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Andreas Dorau, Roberto Blanco und der HSV
Demokratie hat viele Gesichter, mal ist sie Schlichter, dann demonstriert sie, dann wieder schlägt sie zu und lässt keinen in Ruh.
Nie waren die Worte von Andreas Dorau treffender. Gerade aus Sicht eines Mitgliedes des Hamburger Sport-Verein e. V., nach diesem Sonntag, mit seiner durchaus interessanten ordentlichen Mitgliederversammlung. Wenn ich ganz ehrlich bin, war die Veranstaltung an sich natürlich sterbenslangweilig und ritualisierter Mummenschanz, das medial kolportierte Wahlergebnis zur personellen Auffrischung des Aufsichtsrates hingegen war die Pointe des Tages.
In Hamburg war der geneigte Fußballanhänger an diesem Wochenende vor die Wahl gestellt, seine mehr oder minder wertvolle Lebenszeit mit möglicherweise zwei sinnlosen Großveranstaltungen zu verplempern. Hinzu kam auch noch der samstägliche Testkick der HSV-Profis gegen Austria Wien. Als man noch zehn Jahre jünger war, war es zumindest nicht komplett unwahrscheinlich, dass man in der Winterpause Sonntagsmorgens, verkatert und mit mäßig motorisierten Kraftfahrzeugen den Weg auf die A7 fand, um nach Kropp bei Rendsburg zu fahren, um dort einer surrealen Veranstaltung wie dem „legendären“ Kurzturnier von -äähhm- Kropp beizuwohnen. Man fror sich den Arsch ab und fühlte sich schon fast bedeutend, weil man einer Dauerwerbesendungskulisse vom DSF auch noch einen sportlichen Wert abgewinnen konnte. Da mir nicht nach Winterkirschen zumute war, musste ich mir eine optionale Veranstaltung suchen.
Wir hatten die Wahl, aber in der Nachbetrachtung zeigt es sich, dass wir nicht wirklich Alternativen besaßen. Momentan empfinde ich Vereinspolitik genauso spannend wie Tannennadeln vom Teppich aufsaugen. Somit entschied ich mich, den Verschwendungstag am Wochenende, mit den Hamburger Hallenmeisterschaften der Amateure in den Sand zu setzen. Und das gelang mir an diesem Samstag formvollendet.
Zur frühen Mittagszeit machten wir uns auf den Weg zur Alsterdorfer Sporthalle. Ich komme ja selten bis ungerne raus aus meinem Bahrenfeld, das ja bekanntlich zu Altona gehört. Deswegen genieße ich auch die Hochbahnfahrt in den etwas besser situierten Norden der Stadt. Man kann bei Sonnenschein seinen Blick über fast schon herrschaftliche Stadtvillen schweifen lassen, bis man dann am Bestimmungsort ankommt. Links heraus sieht man das iranische Generalkonsulat und die polizeilichen Sicherungsmaßnahmen und rechts, ja, da sieht man nun das dem Fußballfan zugetane Empfangskomitee der Ordnungsmacht. Wir erinnern uns: der Schweinske Cup 2012. Bereitwillig schließen wir im Spazierschritt auf den etwas morbiden Mob des AFC auf, welcher von lustloser Polizeibegleitung die wenigen 100 Meter zur Sporthalle begleitet wird. Junge Männer mit Bremer Bier am Hals und seltsam gewandet in bunten Ballonseidenjacken, schreiten diesem Tross voran. Es wird ein Knallkörper geworfen, der das Niveau eines Piepmanscher nicht übersteigt. Der Truppführer meldet durch, muss die Einsatzleitung dann aber enttäuschen, es war nur ein „handelsüblicher“ Böller, ein kleiner noch dazu. Wir erreichen dann die Halle, meine Begleitung und ich machen die Biege um hintenherum nach vorne zu gelangen. Einlass ohne diese Aushilfshooligans und Blödfansgehilfen.
Die Alsterdorfer Sporthalle verströmt umgehend ihren kaum reproduzierbaren Charme der 70er Jahre. Warum ich unwillkürlich an Roberto Blanco denken muss, tja, darüber breite ich den Mantel des Schweigens, nur so viel sei gesagt: ich trug kurze Hosen und meine Großmutter hatte für mich immer schöne Süßigkeiten parat. Ich muss aber auch an wirklich gewalttätige Auseinandersetzungen während diverser Ratsherren Cups denken, zwischen Anhängern des Stadtteilvereines und denen des HSV. Keine von Politikern herfabulierte und virtuelle Gewalt.
Während ich mich abmühe, die bunten Winkhände eines Sponsors aufzublasen, nimmt die unselige Veranstaltung ihren Verlauf. In jeder Ecke der Halle ist eine größere Fangruppe der stimmungsaktiven Amateurmannschaften platziert worden. Altona, Elmshorn, die zwote Herren des Stadtteilvereins und Vicky. Der ruhmreiche AFC bemüht sich wirklich nach Kräften, das Turnier mit einer Leistung des Komplettversagens an die Wand zu fahren: man erzielt ein Eigentor und ein echtes für sich selbst und erlöst damit in allen Spielen nur einen Punkt. Es findet sich sogar noch eine Mannschaft die schlechter ist, was nicht wirklich tröstlich ist, denn Germania Schnelsen macht nicht wirklich den schlechteren Eindruck.
Es ist nun nicht wirklich ungewöhnlich, dass Amateurspielstätten, auf die die vergnügungssüchtige Fan-Horde des AFC einfällt, schon mal komplett leergezecht werden. Der Veranstalter meldete aber nach schon nach wenigen Stunden das Cateringangebot teilweise als „Ausverkauft“. Gab es vorher eine Bratwurst, eine zur Currywurst umgeschulte Bratwurst, eine Bockwurst, eine zum Hotdog umgeschulte Bockwurst und für die Mädels Crêpes, streamlinte man das Angebot auf die Bockwurst und Crêpes. Aus dem Volkspark wurden dann noch arschkalte Backwaren rangekarrt.
Der Gewährsmann aus Curslack war voll der Euphorie ob der Leistung seiner Spitzenmannschaft, aber am Ende gewannen doch die zweiten Herren vom Stadtteilverein.
11€ Eintritt, Cateringpreise wie auf einem Roberto Blanco Konzert, aber dennoch 1234 zahlende Zuschauer.
Gerade letztere Zahl sollte mir nachträglich für den darauf folgenden Sonntag zu denken geben.
Flashback Sonntag. Mitgliederversammlungen des HSV waren mal an sich ein spaßige Angelegenheit. Sie fanden ausnahmslos montags statt, weil dort ja alle Sporttreibenden kein Punktspiel haben (Ja! Amateure! Ja! Universalsportverein!). Und natürlich abends, weil es komplett scheißegal ist, dass man die Wahlen zu den Organen und sonstige Entlastungen, zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang stattfinden lässt. Das HSV Mitglied kommt natürlich aus Hamburg und bringt professionell Zeit mit. Wem das nicht so passt, der kann ja gerne Abhauen. Ich will nicht übermäßig klagen, boten die Veranstaltungen doch auch Entertainment. Heutzutage lamentieren die Verfechter der Präsenzwahl darüber, dass es nicht unverfälschteres und „sichereres“ gibt, als die Wahl mit Bleistift und Zettel. Bei der Diskussion um die Fernwahl wird aber dann gerne ausgeblendet, dass gerade in den jolly old times Tor und Tür zur Manipulation weit offen standen, was dem einen oder anderen Aspiranten bei der Wahl zum Vorstand für Mitgliederbelange, eine Art Achtungserfolg gegen den Platzhirschen im Amt bescherte.
Heutzutage wird wenigsten elektronisch gevoted.
Es rief also ein genossenschaftliches Unternehmen des Hamburger Mittelstandes zur Mitgliederversammlung. Mir war natürlich nicht danach, meinen Sonntag mit einer Veranstaltung zu verschwenden, die nun wirklich gar nichts bietet. Irgendwie wählt die Mitgliedschaft ja mittlerweile andauernd irgendetwas, begleitet von dem schier immerwährenden Rabatz des Hamburger Boulevard, gekrönt von der einen oder anderen Spitze aus überregionalen Blättern. Ich habe die MV beim Hausputz via Twitter verfolgt. Und ich muss sagen, dass dieses Maß an Partizipation völlig ausreichend ist.
Zu Beginn der Veranstaltung sind bummelige 700 Mitglieder anwesend, vor Beginn der Wahlgänge wird ein weiteres Mal die Anwesenheit festgestellt: ca. 1000 Mitglieder sind da. Zum einen ist es erschreckend, dass es dem Verein und den verantwortlichen Vereinsorganen nicht gelingt, mehr als diese verschwindend geringe Anzahl von Mitgliedern zu mobilisieren. Wir sprechen hier von 1,4% der Mitgliedschaft!
Zum anderen ist noch erschreckender, dass die Mitgliederversammlung des HSV ca. 200 Personen weniger „zieht“, als ein totödes Amateur-Hallenfußball turnier. Vielleicht sollte man einfach Eintritt nehmen.
Der Wahlgang gestaltet sich zu Glück kurzweilig und durchaus interessant im Ausgang. Was hatte der Boulevard rumtrompetet wie die Elefantenherde bei Hagenbeck, dass nun die „Fans“ den Verein übernehmen und Rubbeldikatz nun alles so richtig in die Grütze fährt. Ein solch toller Verein wie der HSV, mit diesem Potential, aber, mit diesen hinderlichen Strukturen. Gut, der Aufsichtsrat muss nicht aus 12 bzw. nun 11 Personen bestehen, und ab und an möchte man der Mitgliedschaft ein glücklicheres Händchen bei der Bestückung wünschen, aber grundsätzlich ist das Vereinsgefüge bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht explizit hinderlich bei der 125 Jährigen Ein-Sterne-Kreuzfahrt des Vergnügungsdampfer HSV gewesen.
Wenn man sich aber aus der trauten und liebgewonnenen Muggeligkeit der Vereinsgemütlichkeit herausbegibt, muss man ohne den sonst Hamburg üblichen Selbstbetrug feststellen, dass das Vereinsgefüge bzw. die Vereinsstrukturen eben aber auch nicht explizit förderlich gewesen sind.
98,6% der Mitglieder sind also nicht interessiert an der aktuell dargebotenen Form der Partizipation. Wir haben aktuell 71.557 Mitglieder. Die sind auch nicht alle „wegen Karten da“. Es sind 5.700 Sportler (wo sind eigentlich bei der Mitgliederversammlung?) und ca. 8.000 Mitglieder im sog. Kids Club. Die desinteressierte Macht im Verein sind aber die 66.000 sog „fördernden Mitglieder“, von denen sich aber die Minderheit bewusst dazu entschieden hat, aus dem Supportersclub auszutreten und bewusst eine Amateursport-Abteilung zu fördern. Geld, welches sonst relativ unreflektiert in die Kasse des SC fließt.
Vielerorts wurde auch noch kritisch angemerkt, dass sich nach den Wahlen der Saal spontan leerte und die Berichte der Abteilungsorgane (Amateure und Senioren) nicht wirklich auf interessierte Resonanz gestoßen sind. Ein absolutes Bekenntnis der Mitgliedschaft zum Universalsportverein. Man verzeihe mir diese Häme, aber, möchte man beim HSV ein gewähltes Amt übernehmen, muss man sich vor den Abteilungen schon fast zwanghaft zum Universalsportverein bekennen, man muss sich quasi in diesem Bekenntnis suhlen.
Ich frage mich auch zu dieser Veranstaltung, wie man die Wahlergebnisse aufgrund der geringen Wahlbeteiligung ernstnehmen kann. Mein Demokrativerständnis tut sich da wirklich sehr schwer. Wäre der HSV ein Staat, würde man uns wahrscheinlich als pseudo-demokratischer Golfstaat einordnen, aber, herrjeh, was soll’s, der Trend geht ja eindeutig zum Scheich.
Wieder mal ist der Verein gefordert, sich selbstkritisch zu hinterfragen.
Halbzeit! Und Fußballdeutschland ächzt und stöhnt…Zwischen den Jahren und vor der MV.
Es sind in der Regel nicht die minderweihnachtlichen Wetterbedingungen, die Fußballdeutschland bis ins letzte Gebälk und Geäst knirschen und krachen lassen. Nein, es sind interne Gebaren von Vereinsführungen und Kommunikationsdesaster rund um die kuriose Geschichte des mittlerweile berühmt-berüchtigten DFL Grundlagenpapier „Sicheres Stadionerlebnis“ und dem daraus resultierenden Roll-back in der Kurve. Ultras sind per se scheiße und an allem Schuld. Ihr Singsang nervt, alles Selbstdarsteller, die kein Leben haben, etc., blablabla, you name it. Auf der anderen Seite, sind ja alle, die nicht zum jeweiligen Ultra-Stamm gehören, sowie nur Event-Fans, Klatschpappen-Fans, Cherry-Picker oder gar „sektschlürfende VIP’s“ (sic!).
Hinzu kommen Trainerentlassungen, Managerwechsel, kommerzielle Fehlentwicklungen und negative Betriebsergebnisse, wie zum Beispiel beim Hamburger Sport-Verein e.V..
Hundert Zeilen Hass zum Thema des Tages
Ich erzähle hier die Geschichte des Jahres zweitausendundzwölf. Heute ist Donnerstag, der dreizehnte Dezember, kurz nach zwölf, nein, null Uhr zwei. Ich korrigiere, heute ist Donnerstag, der dreizehnte zwölfte, null Uhr drei, eben ist das dunkle Silberglimmen der Ziffern meiner Uhr von zwei auf drei gesprungen, gewisser Zitatenwahn, um mich Nacht.
Ein kontrollierender Zitatenwahn, Tocotronic sang schon vor Jahren nicht nur darüber, mit dem Bus nach Bahrenfeld zu fahren, nein, auch dort erfuhren wird früh, dass der schönste Tag im Leben des Sängers, ein Donnerstag gewesen ist, wohl aber nicht der Donnerstag, an dem ich Dirk von Lowtzow während meiner studentischen Schaffenstätigkeit in der lokalen Supermarktfiliale, beinahe mit einer Europalette Haushaltsmehl überfahren hätte. Im Moment des Schreckens nannte er mich „großer Gott“.
Ich bin ja nicht zu Unrecht verschrien als Hassprediger von Altona, aber, was uns Fußballfans am gestrigen Mittwoch als Kunde von der Fußball-Ferengi-Zusammenkunft aus Frankfurt ereilte, war genauso folgekonsequent wie nicht überraschend.
Ich reime mir auch gerne wirre Zusammenhänge zusammen (hahaaaa) und schreibe heute auch noch zu viel „Ich“, eine rhetorische Stilblüte, die dem Journalisten, Kritiker und Rezensenten gerne mal das Hasskäppchen hochtreibt, wie ich heute Nachmittag in einer Literaturrezension im DLF lernen durfte.
Was haben der sogenannte „Arabische Frühling“, der Spielbetrieb der iranischen Liga und der 12.12.2012 gemeinsam.
Ursächlich erst einmal wenig.
Vor einiger Zeit konnte man in interessierten Medien lesen, dass der iranische Staat den Spielbetrieb der iranischen Fußballiga dahingehend umgesteuert hat, dass die Teheraner Clubs keine Heimspiele mehr in der Stadt austragen. Die Menschenmassen waren sogar für ein höchst-totalitäres Regime nicht mehr im gewünschten Sinne handhabbar.
Als Folge der revolutionären Ereignisse in Ägypten, sprach es sich sogar bis in die letzte Mainstream Presse-Publikation herum, dass besonders aktive Menschen rund um den Tahrir Platz, sich aus den Kreisen der Ultras der Kairoer Fußball Clubs rekrutierten, vornehmlich von Al Ahly. Wie nun dieses Engagement tatsächlich in einen historischen Kontext eingeordnet werden kann, wird der weitere Verlauf der gesellschaftlichen Entwicklung in Ägypten zeigen. Den Preis dafür haben die „Ultras Ahlawy“ aber bereits in Port Said bezahlt.
Auf dem Tahrir Platz gab es so mitten in der Revolution eine „Goethe Lounge“. Eine quasi mobile Dependance des lokal ansässigen Goethe Instituts, welches ja die Aufgabe hat, deutsche Leitkultur im Ausland populär zu machen. Die Goethe Lounge auf dem Tahrir Platz bot davon aber wenig. Dafür aber viel „Infrastruktur“, wie Internetzugänge und Lademöglichkeiten für die Handys, um die „Facebook“-Revolution im Sinne des Erfinders am Kochen zu halten. Das Ganze ist bestimmt auch nicht ohne die gebührende „Aufklärung“ durch dafür verantwortlichen Stellen im bundesdeutschen Geheimdienstapparat geblieben.
Daran musste ich bereits im Herbst denken, als mir unser Vorstandsvorsitzender Carl Edgar Jarchow bei der ersten Informationsveranstaltung des Hamburger Sport-Verein e.V., einige Meter entfernt, schräg gegenüber saß. Mein erster Eindruck war, dass unser großer Vorsitzender keine große Lust hatte, dieses ursprüngliche Konzept des „sicheren Stadionerlebnisses“ zu thematisieren und zu verdiskutieren. Als die Diskussion in Fahrt kam entfuhr es ihm halbwegs tuschelnd unverhohlen, dass es ja Stunden dauern würde, wenn das so weitergeht.
Carl Edgar Jarchow ist neben seiner Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender des Hamburger Sport-Verein e.V., hinterbänkelnder Freizeitpolitiker als gewähltes Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Dort fungiert er für die Minderheiten- und Randgruppenpartei FDP ironischerweise als innenpolitischer Sprecher der Bürgerschaftsfraktion. Aus dieser politischen Tätigkeit resultiert wohl das globale Verständnis darüber, dass wahrscheinlich laut seinem Parteikumpel im Auswärtigen Amt, die Gefährlichkeit von Fußball Fans -gerade im Ausland- nicht zu unterschätzen ist, wobei man sich aber gerne der juvenilen Naivität der Fußball Fans bedienen darf, aber, Obacht, die Dose der Pandora muss schnell wieder zugemacht werden. Oder, bei nicht vorhandenem Bedarf komplett und dauerhaft geschlossen gehalten werden.
Was das nun für Deutschland bedeutet, haben wir in den letzten Wochen und Monaten erleben dürfen. In einem Land, in dem es für jugendliche Menschen eigentlich vorgesehen ist, in einem wohldosierten Spannungsfeld aus billigem Alkohol, erschwinglicher Unterhaltungselektronik und dem gesunden Maße an prekären Arbeitsverhältnissen vor sich hin zu vegetieren, kann es nicht angehen, dass sich eine flächendeckende Jugendkultur aus den Nischen der Subkultur, hin zu einer ernstzunehmenden bundesweiten Bewegung entwickelt. Gerade auch unter dem globalpolitischen Aspekt, dass man sich die vorhandene paramilitärische Struktur „der Ultras“ für den einen oder anderen öffentlichen Aufruhr zu nutzen gemacht hat.
Diese Erkenntnis ist common sense bei unserer politischen Herrscherkaste. Folglich bedient man sich auch aller Handwerkszeuge der Kriegsführung. Politische Lobbyisten der Polizei bekommen unentwegt ein Mikrofon hingehalten, um Ihre zum Teil hanebüchenen Argumentationen solange vorzutragen, bis der letzte Deutschlandradio Kultur Hörer glaubt, dass das unentwegt und unwidersprochen Vorgetragene, auch der Realität bzw. der Wahrheit entspricht.
Im weiteren Verlauf beglückte uns ein in München ansässiges Nachrichtenmagazin zu allererst mit den komplett wirren und statistisch fadenscheinigen Erkenntnissen der ZIS, scheinbar Fakten!, Fakten!, Fakten!, die willenlos und unreflektiert im Twitter-Tempo vom Medien Mainstream ge-copy&pasted wurden. Ist es ein weiterer gehässiger Zufall, oder einfach nur eine Laune des „großen Gottes“, dass es sich bei dem ehemaligen Chefradakteuer und Herausgeber dieses Nachrichtenmagazins um ein Mitglied des Verwaltungsrates eines größeren Fußbalbetriebes in der bayrischen Landeshauptstadt handelt, in erschwerender Tateinheit mit einer Mitgliedschaft in der -ja, jetzt alle raten!-, ja, richtig, der FDP…
Ich glaube nicht an solche Zufälle…
Der Tag, an dem wir uns von der schlichten Anwesenheit des kleinen Engels zu lösen wussten…
Es sollte eine englische Woche werden, die es in sich haben sollte. Nicht nur für den Hamburger Sport-Verein e.V., sondern auch für andere Mitstreiter im Ligabetrieb. Eine Mannschaft, wie beispielsweise Fortuna Düsseldorf erfährt am eigenen Leibe, die mitunter wundersamen Heilkräfte des HSV, während die Blau-Weißen Sportsfreunde aus Gelsenkirchen ausgerechnet in Hamburg aufgezeigt bekommen, dass sie niemals nimmer nicht oben dazugehören werde, geschweige denn zu etwas mehr taugen, als zu einem belächelten „Meister der Herzen“.
Altersgerechtes Hoppen mit Vaddern. Oder: High the cups!
Eine Exkursion mit fremden Federn und unter falscher Flagge. Unser sicherstes Stadionerlebnis seit langem, bei Millwall im New Den. Eine reiseberichtende Tellerrandgeschichte, mal jenseits der alltäglichen Bundesliga Hausmannskost, frei nach dem Motto: Appetit holt man sich wo anders, gegessen wird dann abends beim Inder um die Ecke.
Einmal im Jahr reise ich mit meinem Vater nach London. Wir waren im letzten Jahr im November das letzte Mal dort und hatten uns das gleiche Wochenende im November für dieses Jahr vorgenommen. Der Kater der vergangenen Olympischen Spiele und des ebenfalls verwelkten Kronjubiläum der Frau Windsor sollten dann bereits verflogen sein.
Es bleibt beim Katzentisch, oder: It’s grim up in the North.
Der Süden zu Gast in Hamburg, das tut uns irgendwie nicht gut. Ein weiteres Mal sind die mehr oder minder wackeren Gesellen aus der Freien und Hansastadt Hamburg unter die Räder geraten. Und ein weiteres Mal ist die Enttäuschung groß und der routinierte HSV-Gänger reibt sich verwundert die Augen, wie denn die mindererfahrene Anhängerschaft von Spieltag zu Spieltag eine riesengroße Tüte Hoffnung mit ins Stadion bringen kann, ohne sich dabei allzu blöd vorzukommen.
Der letzte Heimspielsonntag begann nicht nur für mich mit dem in Hamburg durchaus beliebten „Popcorn Double Feature“, nämlich einem „Vorspiel“ an der ruhmreichen Adolf-Jäger-Kampfbahn und einem anschließenden Bundesligakick im Volksparkstadion. Auch dort herrschte unter den bekannten Gesichtern die Gewissheit vor, dass es nur eine Frage der Höhe des Sieges sei. Beim Spiel HSV-VfB Stuttgart wohlgemerkt. Bruno Labbadia ist in unserer schönen Stadt etwas unwohl gelitten, auch und gerade wegen der etwas uncharmanten Gerüchteküche, die die Spätphase seiner damaligen Tätigkeit beim HSV e.V. umwabert hat. Getragen von dieser Augenzwinkerei, war es nur eine Frage der 90 Minuten, in wieweit man den „schönen Bruno“ zum Mars schießen möchte. Die Reiseleiter der Europapokal-Fraktion hatten auch schon insgeheim ein neues Oktavheft beim lokalen Schreibwarenhändler in Auftrag gegeben, sah man doch einen Sieg nicht nur deshalb vor, um Bruno Labbadia das Leben so schwer wie möglich zu machen, nein, es sollte sogar quasi schon mal ein Ticket für die Europapokalteilnahme gelöst werden und wenn man schon mal dabei ist, eine Hand an die Schale legen, ja, das wäre auch angemessen, oder?!?