Christin Heidmann
Aus Berlin, Jahrgang 1986. Fan des 1.FFC Turbine Potsdam und interessierter Beobachter des Frauenfußballs im Allgemeinen.
Wirklich eine Wachablösung?
Mit dem VfL Wolfsburg wird erst der zweite „Männerverein“ im Frauenfussball deutscher Meister. 1976 war es der FC Bayern München, dem dies zum ersten Mal gelang. 2009 hätten sie dies fast wiederholt, erst am letzten Spieltag wurden sie abgefangen.
In der FAZ sprach man jetzt von Wachablösung, von klangvollen Namen, die Titel holen. Ob der VfL ein klangvoller Name ist, dass sei dahin gestellt. Im Frauenfussball sind es eher die beiden FFCs, die Esprit versprühen. Und doch kann dies der Anfang einer neuen Ära werden, einer, in der nicht mehr die reinen Frauenclubs die Geschehnisse bestimmen, sondern die Männervereine mit Frauenabteilungen.
Die verlorene Unschuld
Wir schreiben den 4. Spieltag der Frauenfussballbundesliga. Dieser 30.09.2012 sollte vielen in Erinnerung bleiben, wenn auch nicht in guter. Nach dem Abpfiff schrieben die Zeitungen von Skandal, von der verlorenen Unschuld des Frauenfussballs.
Hinter dem eigenen Anspruch
Eben noch freute man sich über die Punkte die Frankfurt hatte liegen lassen, jetzt steht man selbst wieder mit dem Rücken zur Wand. Denn dank der Niederlage gegen die SGS Essen muss am Mittwoch gegen den FFC schon fast ein Sieg her.
Doch wie soll das gelingen? Ich habe so meine Zweifel wie das werden soll. Nicht das ich der Meinung bin, dass man nicht auch mal ein Spiel verlieren kann. Nein, dass ist es wahrlich nicht. Die SGS ist ein gutes Team, zu Hause durchaus eine Macht. Aber die Art und Weise der Niederlage war doch erschreckend. In den 90 Minuten sah ich ein Team in blau, dass gegen elf Spielerinnen in rot spielte. An diesem Tag der entscheidende Unterschied.
Turbine gegen Jena- oder wenn der Gegner die Tore einfach selbst schießt
Nach der Niederlage in München und der Länderspielpause, durfte mal also gespannt sein, wie die Mannschaft auftreten würde. Schließlich sind Niederlage schon fast verboten, will man im nächsten Jahr wieder in der Champions League spielen.
Am Pranger
„Wir sind sehr froh über den sehr guten Auftritt unserer Mannschaft in Bad Neuenahr. Jedoch bedauern wir in gleichem Zusammenhang die vereinzelten unnötigen Rufe und Äußerungen bezüglich der Leistung der Nummer 2 der Nationalmannschaft Almuth Schult, die während des Spiels aus unserem Fanblock gekommen sind. Wir distanzieren uns von derartigen Äußerungen auf das Schärfste“
Bernd Schröder in einem offiziellen Statement
Als ich diese Zeilen las, hatte ich schlimme Dinge im Sinn, die da wohl geäußert worden waren. Man kennt halt seine „Pappenheimer“. Deshalb war ich auch sehr gespannt auf die Kommentare im Internet zu diesem Thema. Was ich dann da las, ließ mich zweifeln, ob das ganze wirklich eine offizielle Pressemitteilung verdient hatte. Denn der Satz der gefallen war, „Almuth hat den Ball“ und etwas Gelächter über ihre Fehler, war der Anstoss für diese Aussage.
Mit Glück ins Endspiel
3 Monate, 3 lange Monate ohne sonntäglichen Fußballbesuch. Der Winter machte es möglich das im Jahr 2013 bisher nur ein Pflichtspiel auswärts gegen den SC Freiburg stattfand. Am 3. März sollte aber endlich wieder der Ball im KarLi rollen.
Als Gegner hatte man keinen geringeren als den aktuellen Pokalsieger FC Bayern München zu Gast. Schon im Oktober waren die Roten zum Punktspiel in der Bundesliga hier. Das Ergebnis damals, ein knappes 2:1.
Die NWSL- des Traumes dritter Versuch
Am Anfang stand die WUSA, ihr folgte WPS und jetzt soll es die NWSL richten. Diese drei Abkürzungen sind nicht weniger als der Inbegriff des Traumes, dass auch Frauen auf Profiniveau Fussball spielen können. Und zwar nicht nur in Punkto Umfeld, sondern auch bei der Bezahlung.
Aber von Anfang an. 2001 wurde mit der Women‘s United Soccer Association (WUSA) die erste echte Profiliga für Frauen ins Leben gerufen. Acht Mannschaften kämpften um den Titel. So etwas hatte es noch nie gegeben. Die Spielerinnen waren Vollprofis, ein echter Luxus. Viele Stars folgten dem verlockenden Ruf in die USA. Steffi Jones, Bettina Wiegmann und Birgit Prinz waren nur ein paar dieser Stars. Nur leider kosteten diese Weltstars einiges an Geld. Geld, was nicht da war. 2003 stand es auf Messerschneide. Die Investoren wollten nicht mehr, nur ein WM-Titel hätte die Liga noch retten können. Im Halbfinale war gegen Deutschland aber schon Schluss für die USA. Was folgte war absehbar. Keine Titel, keine Liga.
"Meet the champions" in Potsdam
Am letzten Wochenende stand das letzte Hallenturnier der Saison auf dem Plan. Nach den Turnieren in Jöllenbeck und Magdeburg ging die Reise dieses Mal nach Potsdam, also quasi vor der eigenen Haustür. Turbine Potsdam lud zum 1. Internationalen Hallenturnier oder auf neu deutsch „Meet the champions“- Cup. Eingeladen hatte der deutsche Meister Mannschaften, mit denen man ein freundschaftliches Verhältnis pflegt und gegen die man in der Vergangenheit interessante Spiele ausgetragen hatte. Im Vorfeld ließ der Verein verlauten, dass es nicht nur um den Sport ginge, sondern um sich auch auf solch einer Ebene mit anderen Mannschaften zu treffen und die Freundschaften zu pflegen.
Insgesamt traten acht Mannschaften im Kampf um den Pokal an. Es waren der dänische Meister Bröndby IF, der tschechische Meister Sparta Prag, der Meister aus Österreich NöSV Neulengbach und Schottlands Meister Glasgow City FC verteten. Dazu noch der ehemalige polnische Meister KS AZS Wroclaw, sowie der ehemalige schwedische Meister Djurgardens IF und Finnlands Meister FC Honka Espoo.
Schwere Zeiten in Duisburg
Eigentlich sollte der Hallenpokal des DFBs ein Fest der Frauenbundesliga werden. Alle 12 Bundesligisten treffen sich alle Jahre wieder um den inoffiziellen Hallenmeister zu küren. Aber am Freitag vor dem Turnier ging eine Nachricht durch die Medien, die dem ein oder anderen die Stimmung heftig verhagelte. Der FCR 2001 Duisburg muss Insolvenz anmelden. Eine Nachricht, die wenn man die Szene kennt, nicht überrascht, aber doch betroffen macht.
Der FCR ist schließlich nicht irgendein Verein. Spielerinnen wie Martina Voss, Inka Grings, Linda Bresonik, Alex Popp, Annike Krahn, Lira Bajramaj oder aktuell Ashlyn Harris schnürten die Schuhe für die Löwinnen. 2000 konnte man mit 60 Punkten Meister werden, ein Traum. Im Jahr 2009 dann wohl das erfolgreichste. Im letzten Frauen-Pokalfinale in Berlin wurde Turbine Potsdam mit 7:0 vorgeführt. Nur eine Woche später gewann man den UEFA-Cup der Frauen vor einer Rekordkulisse in der MSV Arena. Ein Jahr später folgte noch ein Pokalerfolg. Insgesamt kann man auf drei Pokalsiege, eine Meisterschaft, sieben Vizemeisterschaften und einen UEFA Cup Sieg zurückblicken. Nur drei Jahre später steht man recht dicht am Abgrund.
Der Ball rollt wieder...
Am Wochenende stiegen die ersten Hallenturniere des Jahres. Der Kader von Turbine gab es wieder her, dass ein Teil der Mannschaft am Samstag und Sonntag in Jöllenbeck, der andere am Sonntag in Kiel teilnahm. Zudem spielte die U17 in Gütersloh ein Hallenmaster aus.
Tja, da man sich nun mal schlecht dreiteilen kann, musste man sich entscheiden welches Turnier denn sein soll. Ich entschied mich am Ende für Jöllenbeck, in der Nähe von Bielefeld. Zwei Tage Hallenfußball vom Prädikat Weltklasse wurden vom Veranstalter versprochen. Das Teilnehmerfeld las sich schon mal gut. Neben Potsdam waren Wolfsburg, Gütersloh und Neuenahr aus der Bundesliga vertreten. Als europäische Vertreter waren Skovbakken, Hjörring (beide Dänemark), Prag und Zürich mit dabei.