Marvin
KIND MUSS WEG!
Es war wahrlich keine schöne Woche für den Hannoverschen Sportverein, vielleicht war es die schlimmste seit Jahren.
Dass der "Fanladen Hannover", der von der Roten Kurve, dem Dachverband der Fans, betrieben wird, auf Druck des Vereins schließt, war schon länger bekannt.
Nun gab Angfang der Woche auch die Rote Kurve bekannt, dass sie nach Abstimmung der Mitglieder abgewickelt wird, von e.V. in IG ("Interessengemeinschaft").
Die genauen Gründe darüber sollen alle Mitglieder des Verbands in naher Zukunft per Newsletter erhalten, aufgrund der aktuellen Situation liegt der Grund aber eigentlich auf der Hand: Man will nicht mehr abhängig sein vom Kind-Regime.
Das hatte die RK nämlich in der vergangenen Zeit schon öfter unter Druck gesetzt,gedroht den Fanladen zu schließen, die Rote Kurve nicht mehr anzuerkennen, schließung des Supportersblock im Oberrang des Niedersachsenstadions.
Als dann schließlich die Forderung kam, die RK Mitglieder sollen als "Spitzel" eingesetzt werden, um mögliches "Fehlverhalten" zu unterbinden, brach die RK die Gespräche ab und gab bekannt auch keine mehr zu führen, solange Martin Kind Präsident in Hannover ist. Gleiches hatte vorher auch schon die Fanszene verlauten lassen.
Mitte der Woche folgte für viele die nächste die Hiobsbotschaft: Jörg Schmadkte verlässt den Verein!
Gekrieselt hatte es schon lange zwischen Schmadkte und Trainer Slomka, Schlichtungsversuche schlugen fehl.
Und ein weiterer Grund ist maßgeblich Verantwortlich: Mirko Slomkas guter Drat zur Bildzeitung. Die hatte immer wieder mit Berichten über seinen Rücktritt Spekulationen ausgelöst, Schmadke persönlich angegriffen. Nicht das erste mal, dass die Bild Hannover im Verein einen Konflikt auslöst, auch für den Haarmann-Streit war sie zum großen Teil verantwortlich.
Seriöser Journalismus wird bei der Bild eben ganz klein geschrieben....
Trotzdem gibt es leider genug Leute,die diesem Schundblatt glauben schenken, dass die Bild die Ultras genauso hasst wie jeden, der nicht ihre Meinung vertritt, ist bekannt.
Und so kam es am Samstag in Hannover zu dem, was scheinbar unausweichlich war.
Sportlich gesehen rundetete das Spiel gegen den Deutschen Meister aus München die katastrophale Woche perfekt ab, das 1:6 war eine wiederspiegelung der aktuellen Situation.
Aber auch in der gespaltenen Szene gab es den erwarteten großen Knall, Martin Kind hat erreicht, was er immer wollte: Die Szene ist nicht mehr eins.
Ein dutzend mal schallte es aus der Kurve lautstark KIND MUSS WEG, darauf folgten Pfife der West und Ostkurve, aber teilweise auch aus der eigenen Kurve.
Dass dann einige Leute meinten "Ultras raus" anstimmen zu müssen, nahmen die meisten Kurvenfans mit Humor und stiegen kurzerhand samt Capo mit in das Ultras raus ein.
Das wiederrum verärgerte einige aber so richtig, sodass 2 Leute versuchten mit Handgreiflichkeiten die Gesänge der Ultras zu unterbinden.
Doch, war das schon der "große Knall"? Oder kommt da noch mehr?
Auf jeden Fall stehen Hannover stürmische Zeiten bevor, soviel ist sicher.
Doch das Spiel zeigte auch, dass viele Leute sich gar nicht informieren, aber trotzdem pfeifen, zeigte, dass auch genau diese Leute bereits nach 65 Minuten nachhause gehen und auf einmal ihre pfeifwut gegen die eigene Mannschaft richten-"wahre" Fans eben...
3 mal tief durchatmen würde wahrscheinlich allen Beteiligten in Hannover sehr gut tun, solange es keine Gespräche gibt, wird es aber auch keine Lösungsansetze geben. Und weil keiner mehr lust hat, mit Martin Kind zu reden, der immer wieder sein verquertes verstehen von Recht ans Tageslicht bringt, wird es wohl in naher Zukunft keine Gespräche geben, und damit auch keine Lösungsansätze.
Zu bemerken ist auch, dass bei jedem Heimspiel die Gästefans mit in Sachen wie KIND MUSS WEG einstimmen, sodass der Sound des ganzen dann doch schon recht laut ist und von den Pfiffen einiger nicht mehr übertönt werden kann, weder im Stadion, noch im Fernsehen/Radio.
Ein solcher Kindergarten wie er gerade in Hannover abläuft, ist aber auch gefundenes Fressen für Zeitungen wie die Bild, die NP und die HAZ, alle drei glänzen nicht gerade mit objektiver Berichterstattung und scheinen eine Art " Nicht-angriffs-Pakt" mit dem Kind-Regime zu haben.
Was die Zukunft bringt kann man nicht sagen, rosig wird die nächste Zeit aber wohl kaum sein, weder Sportlich noch in der Szene.
Ziel Nummer 1 sollte es jetzt sein, die Szene Hannover wieder zu vereinen. Daran haben aber die, die im Stadion mit pfiffen glänzen, scheinbar kein großes Interesse.
Und so wird der wöchentliche Stadionbesuch teilweise zur echten Zerreißprobe.
Wenigstens kann man noch auf Auswärtsfahrten ein bisschen Spaß haben, denn dort fahren augenscheinlich nur Leute mit, die sich über die Situation im Bilde sind, soetwas wie Angriffe in den eigenen Reihen oder pfiffe gegen die eigene Szene bleiben gänzlich aus, und so sollte es auch sein.
Denn wie sieht es denn aus, wenn man als Szene nicht vereint, sondern gespalten dasteht.
Der "Scheißverein" vor dem großen Knall?
Die Zeiten, in denen es in Hannover harmonisch war, sind lange vorbei, der sportliche Erfolg bleibt im Moment auch aus, Europa ist in weiter Ferne. Viel angespannter aber ist die Situation zwischen Fanszene und Martin "Maddin" Kind. Der ist ja irgendwie schon immer dafür bekannt, mal ordentlich über die Stränge zu schlagen und seine unqualifizierten Kommentare in alle Richtungen zu ballern.
Wie schon in einem älteren Blogeintrag erwähnt ist es ja nichts neues, dass es schon seit dem 2. Spieltag am brodeln ist und die Situation nach dem Pokalspiel gegen Dynamo Dresden eskalierte. Danach traf Kind sich mit "Teilen" der Fanszene (nicht mit den Ultras Hannover, die hatten schon vor längerem bekanntgegeben, unter Martin Kind keine Gespräche mehr führen zu wollen).
Kind entwarf einen Maßnamenkatalog, der einige Schläge gegen die Szene Hannover bereit hielt.Als erstes meldete er beim SV Werder Bremen an, den 96 Fans aufgrund der "angespannten" Situation beim Spiel im Weserstadion keine Fanutensilien zu genehmigen (soweit kam man ja am Ende eh nicht, Stichwort Achim...) Dazu gabs dann härtere Kontrollen, dem Fanladen der Roten Kurve, die bisher auch den "Supporters Block" im Oberrang verwaltete, wurde solange gedroht, bis die Vorsitzenden vor einigen Wochen die Schließung des Fanladens bekanntgaben. Na geil!
Dazu sind ja bekanntermaßen Vorbereitungen von Choreos seit dem Dresden Spiel verboten (wenn man nicht checkt, dass das ein Geschenk an Mannschaft und Verein ist, dann kann man dem auch nicht mehr helfen...) Außerdem wirbt 96 seit kurzem nicht nur mit Choreos für seine neue Dauerkarte, sondern hat auch den gesamten Fankatalog für alle Mitglieder und Dauerkarteninhaber voll mit Bildern von diesen - dann hat der bald eben ein paar Seiten mehr.
Der Treffpunkt "Zwinger" ist bekanntermaßen ja auch schon länger zu. Der Maßnamenkatalog enthält aber noch weit mehr Drohungen, die umgesetzt werden sollen, sollte es "Fehlverhalten" geben, hier ein Auszug:
Heimspiele:
- Absage sämtlicher Choreographien im Nord Oberrang
- Abbau der Fan-Beschallungsanlage im Nord Oberrang
- Räumung des UH-Fancontainers
- Räumung des UH-Lagers im Nord Oberrang
Auswärtsspiele:
- Antrag an den Heimatverein, keine Fanutensilien seitens der Fans von Hannover 96 zuzulassen
- Keine Berücksichtigung der Ultraszene bei der Auswärts-Ticketvergabe. U.a. bei weiteren Europa-League-Spielen
Allgemein:
- Schließung des Fanhauses am Eilenriedestadion
Ticketing:
- Platzgenaue Buchung der Dauerkarten
- Buchung ausschließlich durch Hannover 96 unter Vorlage des Personalausweises, nicht über die Rote Kurve
- Preiserhöhung im Block N16/N17
- Keine Übertragbarkeit der Tickets
- Ticketkontrolle im Block
Maßnahmenkatalog Fanszene Hannover 96
Festgestellte Vergehen:
- Wiederkehrende Pyrotechnik
- Diffamierende Gesänge bzw. Banner/Plakate
- Androhung von Gewalt
- Versuchtes Eindringen ohne Kartenkontrolle
Maßnahmen bereits umgesetzt:
- Das Einbringen oder Aufhängen von Fanutensilien vor Stadionöffnung ist nicht mehr gestattet.
- Der Arbeitskarteneingang steht der Fanszene nicht mehr zur Verfügung
- Die Vorbereitung von Choreographien auf dem Stadiongelände findet, auch ausserhalb der Spieltage, nicht mehr statt.
- Das Verkaufen eigener Fan-Produkte auf dem Stadiongelände ist untersagt.
- Die Container im sogenannten Zwingerclub werden geschlossen.
Maßnahmen nicht umgesetzt:
- sofortiges Stadionverbot/Hausverbot für die identifizierten Personen
- Absage sämtlicher Choreographien im Nord Oberrang bis Spieltag X
- Abbau der Beschallungsanlage im Nord Oberrang für die Blöcke N16/17
- Räumung des Fanhauses am Eilenriedestadion
- Kein Verkauf von Auswärtskarten Bundesliga und/oder Euroleague
- Erhöhung der Preise im Bereich N16/17
- Kündigung des Fanladens “Rote Kurve”, Clausewitzstraße 2
- Kein Ticketverkauf in der Saison 2013/2014, Auflösung des Blocks N16/17
Man sieht, was für ein Rechtsverständnis Herr Kind hat, Kollektivstrafen scheut er nicht, das ist bekannt.
Die Zeichen stehen also auf Sturm beim Hannoverschen Sportverein, denn klar ist: Zumindest in näherer Zukunft wird Martin Kind wohl nicht den Hut nehmen- und die Ultras Hannover werden auch nicht gehen. Wer aber die Meinung der eigenen Fans, oder im Fall Kind auch "Kunden" verbietet, der hat Angst.
Angst vor Kritik, Angst vor schlechter Presse. Die Lokale Presse im übrigen denkt gar nicht dran, das ganze von 2 Seiten zu beleuchten, vor allem die "Neue Presse" und die "Hannoversche Allgemeine" berichten ganz im stile der Bild und machen nur schlechte Stimmung gegen die Szene- über Kind fällt nichts negatives.
Zumal entspannt auch Kinds Aussage, Hannover sei vor seinem Antritt ein "Scheißverein" gewesen, nicht gerade die Situation, am Sonntag gab es seitens der Fanszene bereits Reaktionen in Form von Transparenten und Gesänge, von "Kind muss raus" bis "Scheiß Martin Kind."
Als es dann aus der (fast) ganzen Kurve geschlossen die Forderung KIND RAUS gab, fing die an diesem Sonntag mal gut gefüllte Gegengerade auf einmal an zu pfeifen. Es sollte aber nicht das einzige mal sein, denn auch die eigene Mannschaft war vor den Besuchern im Westen und Osten nicht sicher, sie pfiffen die Mannschaft ab der 75. Minute aus und verließen 5 Minuten später größtenteils das Stadion. Die Frage aller Fragen: Ist das die Zukunft? Fans die nichts vom tollen Präsi hinterfragen, aber die Mannschaft beim kleinsten Fehler auspfeifen?
Man kann es nicht hoffen...
Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen, eine Entspannung würde aber wohl allen gut tun: Fans, Verein, Mannschaft und ja- auch denen, die nur 3,4 mal pro Saison kommen- die wollen ja schließlich auch Stimmung im Stadion.
90elf-Radio-Nummer 1 der letzten Jahre vor dem Aus
Die DFL hat es nun auch endlich geschafft, die Audio-Verwertungsrechte für die kommenden 4 Jahre zu vergeben. In der ersten Runde hatte es bekanntlich keine Entscheidung gegeben, die fiel dafür aber in der Zweiten. Als großer Gewinner gilt ganz klar die ARD bei den Audiorechten. Die Bundesligakonferenzen wird es auch bis 2017 weiter geben, Sport 1 wird ab der kommenden Spielzeit im Netz die kompletten Spiele der 1. und 2. Fußballbundesliga übertragen dürfen. Doch, letzteres bedeutet auch, dass ein anderer Radiosender wohl vor dem Aus steht: Das allseits beliebte Internetradio 90elf, das seit einigen Jahre Spiele der 1. und 2. Bundesliga, sowie Pokal und Europa und Championsleague via Netz überträgt musste den kürzeren ziehen. Das bedeutet wohl auch das aus.
Via(NO)go - Wenn Schwarzmarkt auf einmal ein "tolles Unternehmen" ist.
Uns Fans in Deutschland bewegt im Moment ja viel. Da haben wir die endlose Diskussion ums sogenannte "Sicherheitspapier" der DFL, welches den Fußball "sicherer machen soll". Meine Ansicht und die Ansicht aller Fans gehen da zwar teilweise auseinander, sollten im gröbsten aber doch die gleiche sein (siehe auch Bericht 12:12).
Dann gibt es da noch den Kommerz, gegen den sich gefühlt gerade erfreulicherweise noch mehr aufgelehnt wird als sonst. Und die Szenen bewegt ein ganz neues Thema seit einigen Monaten. Eine kleine Internetseite namens Viagogo erregt die Gemüter von Kurvenfans, Gelegenheitsbesuchern und anderen.
Auf den ersten Blick wirkt das Konzept erstmal gar nicht so schlecht: Es sollte allgemein bekannt sein, dass es verboten ist, gekaufte Karten teuer zu verhökern. Wenn man jetzt aber zum Beispiel krank ist, oder arbeiten muss, bleibt man drauf sitzen. Naja, das wahr eben schon immer so. Viagogo wirbt jetzt damit, dass man seine Karten verkaufen kann, so bleibt man nicht drauf sitzen und andere freuen sich. Und das vermeintlich tollste an der ganzen Sache: Das ganze ist voll legal, weil Viagogo offizieller Partner der Bulli-Vereine ist. Klingt doch eigentlich ganz geil.
Das ganze hat aber gleich mehrere Hacken, statt einen. Zum einen werden dir, wenn du die Karten verkaufen willst, nämlich größtenteil die Preise vorgeschrieben- und die liegen dann weit über der Schmerzgrenze! Außerdem steckt Viagogo sich den größten Teil des Preises in die eigene Tasche. Und: Viele beklagen, dass die angekommenen Tickets dann nicht mal gültig sind.
Immer wieder tauchen seit Monaten Spruchbänder in den Kurven auf, die Schriftzüge reichen von "Viagogo abschaffen" bis "ViaNOGO!" Der Ärger ist groß- und verständlich. Da wird einem seit Jahren vom Verein eingeflöst, man darf die Karten nicht teurer verkaufen, was auch völlig richtig ist, und dann sowas. Es sollte klar sein, dass man sich unter Fans nicht gegenseitig so dermaßen ausnimmt...
Am letzten Spieltag warb das Unternehmen mit einer äußerst brisanten Aktion. Wenn man seine Dauerkarte bei Viagogo registriert, dannn kriegt man am nächsten Spieltag eine Bratwurst gratis. Toll. Oder? Dazu müsse man seine Dauerkarte nicht mal abgeben, denn der Käufer kriegt ein Papierticket zugeschickt. Womit wir schon wieder beim obigen Punkt sind, ob die besagten Tickets dann überhaupt funktionieren, oder man nicht mit verdutztem Gesicht vorm Ordner steht...
Das ganze wollte ich mir genauer angucken. Eins vorweg: Meine Dauerkarte habe ich nicht registriert und werde ich auch nicht, denn diese Kartenmafia werde ich nicht auch noch mit meinen Daten füttern.
Trotzdem habe ich mir mal einen Account erstellt, um zu gucken, wie das ganze dann aussieht. Mein Ziel: Eine Karte für's HSV-Derby zwischen 96 und Hamburg, seit Wochen ausverkauft. Kaufen wollte ich eine Karte für den Nordoberrang im Niedersachsenstadion, der Normalpreis liegt bei 32 Euro für einen Erwachsenen, 10 Euro weniger ermäßigt. Also bei Viagogo angemeldet, und mal umgeguckt.
Angeboten werden die Tickets dort für 57 Euro. Also 57 Euro steht da am Anfang noch. Wenn man dann klickt, geht das ganze munter weiter, dann liegt man nämlich schon bei 67,17 Euro, für Versand und Gebühren. First: Von wo schicken die mir meine Karten bitte, normal kostet ein solcher Brief nicht mehr als 1,50. Und zweitens: Was für Gebühren? Aber naja, auf jeden Fall sind es jetzt schon fast 70 Euro für die Kurve.
Davon gehen höchstwahrscheinlich nur dreiviertel an Verkäufer, wenn nicht noch weniger. Ich hätte sehr gerne getestet, wie viel Geld ich beim Verkauf tatsächlich kriegen würde, dafür müsste ich meine DK aber registrieren , was ich wie schon gesagt nicht machen werde. Das alles ist für mich ein legaler Schwarzmarkt, mehr nicht. Mit Hamburg hat bereits ein Bundesligaverein auf Druck der Fans die Zusammenarbeit gekündigt, das bleibt hoffentlich kein Einzefall. Das ganze Prinzip geht übrigens auch für Konzertkarten oder ähnliches, auch da sind die Preise eine Zumutung.
Also: Lieber ein Spiel ausfallen lassen, oder anders an eine Karte kommen, als sie beim Schwarzmarkthändler Viagogo verticken und damit das ganze noch zu unterstützen. Eine Frechtheit von den Vereinen, so eine Partnerschaft wahrscheinlich aus reiner Gier einzugehen.
Schluss ist schon auf halber Strecke: Polizeieinsatz in Achim aus Sicht eines Fans.
Viele haben sicherlich schon in der Presse mitgekriegt, dass Hannover 96 am Freitag in Bremen auf die Unterstützung vieler Fans verzichten musste.
Grund war, dass sie von der Polizei in Achim beim umsteigen abgefangen und zurückgeschickt wurden.
Ein sehr guter Kumpel von mir war dabei, und hat mal einen Text aus seiner Sicht verfasst.
Wer was glaubt, also das in der Presse, oder eben das, das ist eure Sache, hier aber auf jeden Fall einmal der Text von Tobi:
Ein schulfreier Freitag. Schon geil, aber noch besser ist für den treuen Fußballfan das anstehende Fußballspiel. Das Ticket rechtzeitig gesichert, alles geplant und seit Tagen pure Vorfreude. Man nimmt die ersten Kiliometer des Tages auf sich und trifft sich mit seinen Jungs. Nachmittags nimmt man den Weg nach Hannover um von dort aus mit hunderten anderen Fans das Auswärtsspiel in Angriff zu nehmen.
Am Bahnsteig trifft man also das erste mal auf 10-20 Polizisten. Die Lage ist noch entspannt. Der Bahnhof füllt sich und die Polizei ist zum ersten mal an diesem Abend überfordert. Die geplanten Abgrenzungen werden nicht mehr versucht durchzusetzen - wie denn auch, wenn 6-7 Polizisten auf sich gestellt eine Blockade stellen wollen !?
Jedoch tut das nichts zur Sache. Die Fans sind zu diesem Augenblick genaus so entspannt wie der "Freund und Helfer" und alles sieht nach einer reibungslosen Abfahrt aus.
Also quetschen sich alle in den Zug um irgendwie Richtung Bremen zu kommen. Klar wird auch Alkohol konsumiert, wie wohl bei jedem Fußballspiel. Kurz vor Bremen zum planmäßigen Stehen gekommen, und jetzt wird es erst so richtig brisant, steigen die ersten an dem Bahnhof "Achim" aus. Insgesamt waren es vielleicht 400-500 Fans. Also ist der halbe Zug leer und die andere Hälfte steht am Bahnsteig.
Doch warum macht man das ??
Ich für meinen Teil, kann behaupten lediglich umsteigen zu wollen. Ich denke Umsteigen ist jetzt kein Verbrechen . Umsteigen, weil in Bremen ein Haufen Polizisten nur darauf warteten uns einzukesseln und uns in Viehtrasport-ähnlichen "Shuttle-Servicen" zum Stadion "zu begleiten". Denn der aggressive Fußballfan der gerne auch mal mit Al Qaida oder Schwerverbrechern verwechselt wird könnte ja ansonsten die ganze schöne Stadt kurz und klein hauen Also fiel die Entscheidung nicht schwer die Einkesselung eines, wohl sehr großen, Polizeiaufgebots umgehen zu wollen.
Man stand am nicht allzu geräumigen Bahnsteig im Regen, trank gemütlich sein Bierchen und wartete auf die nächste Gelegeneit nach Bremen zu gelangen.
Die vereinzelten Polizisten waren auch mit von der Partie. Doch es dauerte nicht lange, da sah man ein Blaulicht nach dem anderen. Ehe man sich versah stand man da, mit 400-500 Menschen umzingelt von 100-150 Polizisten. Natürlich mit Protektoren ohne Ende, den Händen an den Schlagstöcken und das Pfefferspray in der Tasche. Man konnte nur hoffen, dass diese nicht zum Einsatz kommen müssen. Also gab es kein vor und zurück mehr. Auf Fragen bekam man nur patzige und provokante Aussagen von den Leuten, die eigentlich für deine Sicherheit sorgen sollten. Ein angerückter Manschaftswagen gut 60 Meter weiter entfernt, hinter den Gleisen, hatte ein Megaphon/ Lautsprrecheranlage dabei um uns zu "informieren". Jedoch hat man nur einen winzigen Bruchteil verstanden und wusste nicht was hier abgeht. Der nächste halbleere Zug fuhr an uns vorbei und nach und nach verbreitete sich die Info:
Wir haben EINREISEVERBOT nach Bremen !!
Man fragte sich warum und die Stimmung kippte immer mehr. Man solte auch die 2 lautstarken Böller nicht unterschlagen die gezündet worden. Jedoch genügte eine Durchsage und die Böllerei wurde sofort untersagt. Nichts desto trotz wurden wir nicht geduldet ! Also verharrte man gestern Abend 2 Stunden an einem Bahnhof namens Achim und warte darauf, dass was passiert. DIe Polizei phaselte irgendetwas von: "zu Gleis 1 begleiten" .. "Nordwestbahn" .. zum Schluss jedoch "wieder zurück nach Hannover".
Da hatten wir die Gewissheit: Heute wird es nicht das geplante Auswärtsspiel mit lautem Support in der Gästekurve für uns geben. Jedoch war genau so klar: Zurück nach Hannover klingt auch nicht gerade verlockend. Als der Zug der uns nach Hannover zurück bringen sollte einfuhr, stieg vielleicht die Hälfte der am Bahnhof stehenden Fans ohne Widerstand ein. Jedoch leistete die andere Hälfte zugegebener Maßen ein wenig Widerstand. Man attackierte dabei jedoch NICHT die Polizei und schlug auf sie ein. Nein, man stieg lediglich nicht in den Zug ein und verschanzte sich davor. Doch da hatte man die Rechnung leider ohne die Polizei die natürlich sämtliche Geschehnisse (u.a. auch auf die Bahnschienen urinierenden Fans) mit 3-4 Kameras aufnahm gemacht. Diese kesselten einen immer weiter ein sodass man gar keinen großen Freiraum mehr hatte. Aber freiwillig in den Zug ging es immer noch nicht. Die Fans die immer noch dort standen wurden von den dick vermummten, mit Rüstung alá Ninja Turtles ausgetatteten und dabei jedoch annonymen Polizisten "attackiert". Man schupste diese durch die Gegen, packte diese am Nacken und schupste sie mit mehreren Polizisten zum nächsten Eingang um so zum Einsteigen gezwungen zu werden.
Als der Bahnhof leer geräumt war, lag plötzlich einen guten halben Meter neben mir ein Mann, mit schmerzverzerrtem Gesicht, einem Gesicht, in dem man den Hass und die Verzweiflung fast schon so um es mal ein wenig deutlich zu machen.
Er setzte sich dann wieder hin und kam dann langsam wieder richtig zu sich. Doch die Polzei machte keinen halt. Sie wollten ja in den Zug um denjenigen "zu behandeln" den sie ein paar Minuten vorher noch schlugen. Ihm ging es aber den Umständen entsprechen gut und auf die Polizei hatte man auch nicht so wirklich Lust. Schlimm genug das man zurück musste, aber mit Polizisten, die schwere Ausrüstung trugen neben einem musste ja nicht sein. Doch die wussten sich (und ich übertreibe jetzt nicht) einen Weg in den Zug zu prügeln !!
Mit ihrer dicken Ausrüstung und ihren Handschuhen fanden die sich ganz toll. Da waren sie "ganz groß." Als hunderte solcher Polizisten einen einkesselten waren sie "groß und stark" -> sie waren ja auch bewaffnet.
Nach Startschwierigkeiten und Verzögerung durch gezogener Notbremse (was jedoch leider auch nichts besser machte). Ging in dann also in Richtung Niedersachsens Hauptstadt zurück. Es wurden teils provokante Gespräche mit Polizisten geführt die jedoch nicht wirklich gesprächig waren. Man versuchte diese zur Besinnung zu bringen und zu erklären das man sein ganzen Geld in den Verein investiert und dann so eine Scheiße passiert. Doch alels nützte nichts. Also, zusammengepresst wie in einer Sardinenbüchse mit schlechter Luft gings los. Doch die Überraschungen waren noch lange nicht zu Ende.
Wir kamen an dem Gleis an und wieder hörte man Sirenen ohen Ende und die Verwunderung + Verblüffung trat wieder ienmal ein. Man wurde von 150-200 Polizisten erwartet, doch raus ging es noch lange nicht. Nach einer halben Stunde des Wartens erfuhr man: Es gibt Personenkontrollen durchgeführt und die Personalien verfasst. Es tat sich jedoch gar nichts. Bis zu 15 Personen wurden von 10 Polizisten nach unten für weitere Strapatzen begleitet, doch bei knapp 400,500 Passagieren zog sich das hin. Gegen 23 Uhr durften dann die unter 18jährigen raus um diese erstmal kontrollieren zu lassen (ansonsten wären die wohl mit dem Gesetz kollidiert, welches besagt, das die U18 Jährigen nach 24 Uhr sich ja nicht mehr draußen aufhalten sollte). Doch das rafften nicht alle Polizisten und ließen sogar U18 Jährige teilweise im Zug. Nach spöttischen und abfälligenden Bemerkungen uns gegenüber gings raus aus dem Zug.
Nach eine weiteren halben Stunde Wartezeit wurde man dann nach unten begleitet. Die Personalien wurden verfasst und das ganze Prozedere. Natürlich wurden bei uns "Straftätern" auch noch Fotos gemacht. Nach dem man das alles druchlaufen hatte und die gut 60-70 Polizisten im Tunnel hinter sich lassen konnte war man endlich frei. DENKSTE !
Dann kamen noch absurde und schwammige Regelungen: Die einen Beamten behaupteten, dass man bis 8 Uhr in der Früh aufenthaltsverbot am HBF hätte - andere wiederrum meinten, dass wir bis 8 Uhr komplett die Stadt verlassen sollten. Also sollte man aus seiner eigenen Stadt verbannt werden !? Absurd wie ich finde !!
Nach langen Wartezeiten, Streitigkeiten mit der Polizei war man also gegen Mitternacht befreit. Doch die Letzten Fans mussten mit Sicherheit noch mindestens noch eine Stunde warten.
Also gabs an diesem negativen Abend statt Support in der Kurve und einem Fußballspiel für das man so viel Gled ausgegeben hat ein Einreiseverbot nach Bremen und ein Platzverbot in Hannover. Der einzige Gesang der an diesem Abend Gehör verschaffte war "Fußballfans sind KEINE Verbrecher". Dabei wollte man lediglich sein Team zum Sieg schreien und nicht bei "Achim" klarstellen, dass man ja kein Verbrecher ist. Bei so vielen Strapatzen war man dann echt zu Hause froh, die mit Helmen und Mundschutz bekleideten Beamten nicht mehr sehen zu müssen und seinen nach Hause Weg antreten zu können.
Und dann muss man nächsten Tag noch in den Medien lesen, wie ein Journalist falsche Informationen vom Nächsten kopiert, diese noch ein wenig mehr gegen uns Fans auslegt und veröffentlicht und wie ein Präsident UNS kritisiert ohne vorher Gespräche geführt zu haben..
Kollektivstrafen für die Ultras - oder: Aufschlag für die treuesten Fans!
Ultras sind immer dabei. Egal, ob bei den Heimspielen im Regen oder Schnee, egal ob Auswärts zum Derby, oder aber am anderen Ende von Deutschland. Sie stehen immer zu ihrem Verein, und tragen mit ihren Gesängen, Choreos und anderem auch unbestreitbar zum Erfolg der Mannschaft bei. Natürlich gibt es auch durchaus Vorstände, die das respektrieren, ja sogar dankbar sind. Es gibt aber auch so Vorstände wie die von Hannover 96.
Die denken sich nämlich einfach: " Wenn wir die schon nicht loswerden, dann hauen wir jetzt richtig auf die Ticketpreise". Klar, warum auch nicht, sind ja nur die bösen Brandstifter! Und so lässt der Vorstand also wirklich für das Euro-League Sechzehntelfinale im Block der Ultras 5 Euro mehr zahlen - man kommt auf 36 Euro. Zudem wurden auch so einfach mal 6 Euro im Gegensatz zur Gruppenphase draufgehauen, da zahlte man für einen Platz im Unterrang der Nordkurve noch 15 Euro, jetzt sind es 21. Ermäßigt, wohlgemerkt!
Dazu kommt noch, dass man auch die Leute, die zwar im Block sitzen, aber gar nicht zu den Ultras gehören, mit den Preisen trifft. Als Hintergrund wird die Pyroaktion im Pokal genannt- ist ja nicht so, dass bereits die Vorbereitung von Choreos verboten, der Treffpunkt dicht gemacht wurde, und das verkaufen eigener Artikel untersagt wurde.
Schlimm, was sich da der Vorstand gerade leistet. Immerhin muss man ja bedenken, dass es manche Einnahmen gar nicht gäbe ohne die Ultras, wer fährt denn sonst auf die weitesten Auswärtsfahrten mit? Man kann nur hoffen, dass die Kollektifstrafen, und die "5 Euro Zuschlag" in Hannover nicht zum Trend werden, denn gerade jetzt, wo Deutschlandweit die Gespräche zwischen Fans und Verantwortlichen langsam ins rollen kommen, und die DFL sich eben von so etwas wie Kollektifstrafen distanziert, tritt Martin Kind in Hannover wieder zu.
5 Euro mehr, weil man seine Liebe lebt?
Na dann, Prost!
Die Fans - Die Ultras - Der Herr Kind
Zugegeben, dass die Fans von Hannover 96 und Präsident Martin Kind keine Freunde sind, das ist wohl bald Deutschlandweit bekannt. Doch der Konflikt hat sich in letzter Zeit extrem zugespitzt, nicht nur die Ultras sind verärgert über das Handeln Kinds. Durch seine Äußerungen zur 50+1 Regel, die Kind seit Jahren versucht, abzuschaffen, hat er sich wahrlich keine Freude gemacht, immerhin ist es sein Ziel zu erreichen, dass in Deutschland Vereine komplett von Investoren gekauft werden dürften ( Red Bull Hannover oder ähnliches wäre dann wohl der erste Verein, der daraus entstünde.)
Gott sei Dank steht Kind in Deutschland damit so gut wie alleine da und hat einige Probleme, seinen Standpunkt immer wieder zu vertreten. Doch auch der Umgang mit den eigenen Fans ist, auf Deutsch gesagt, Dreck. Dabei denkt der gute Mann gar nicht daran, sich einmal selbst an die Nase zu fassen und zu hinterfragen, ob auch er seinen Teil zu bestimmten Situationen beigetragen hat.
Die erste "kleine" Eskalation gab es bereits am 2. Spieltag der laufenden Saison, 96 zu Gast beim Rivalen aus Wolfsburg, 4000 Fans waren mitgereist um in der Arena in Wolfsburg ein Heimspiel draus zu machen. Die Stimmung war einzigartig, doch anstatt sich einfach mal darüber zu freuen, dass so viele Hannoveraner mitgefahren waren, dass sie von 10 Minuten vor bis 10 Minuten nach Spielbeginn das Stadion von der Stimmung her sowas von beherrschten und dass die Wolfsburg Fans auch im TV kein einziges mal zu hören waren, stellte sich Martin Kind nach dem Spiel vor die Kamera, um wieder mal seinen meist doch sehr unqualifizierten Mist an die Öffentlichkeit zu bringen. Mit Fußball hat das eigentlich nie was zu tun, viel mehr redet er entweder über das gute Geld, oder aber über den Verein als unternehmen. Oder, genau, er macht mal wieder die ganz bööösen Ultras fertig.
Rückblende: Während der Partie war es ca. 3 mal zu einem Fangesang mit 5 Worten gekommen, der im Fußball nicht das erste mal zu hören war, er variiert nur in den Namen: Pogatetz du Sohn einer Hure. Der besagte Pogatetz war quasi über Nacht zum Rivalen gewechselt weil es dort mehr Knete gab, damit war zu rechnen, das kann passieren. Für Martin Kind, Oh mein Gott, ein Skandal! Und für Martin Kind ein Grund, eine Forderung zu stellen, über die später ganz Deutschland lachte. Denn Kind forderte (und ich erzähle hier keine WItze), Stadionverbote zu verteilen, OHNE dabei einen einzigen Beweis zu haben. Sprich, Kind wollte 4000 Leuten, die mit in Wolfsburg waren, ohne Beweisgrundlage für einen Fangesang, der vielleicht ein bisschen überzogen, aber trotzdem kein Weltuntergang war, Stadionverbote geben. Momente, in denen man sich fragt, was dieser Mann noch im Vorstand eines Fußballvereins zu suchen hat.
Und dann einige Monate später folgte der große Knall. In der 2. Runde des DFB-Pokals kündigte sich Dynamo Dresden an, ein Verein, der bekannt dafür ist, einige gewaltbereite Fans zu haben. Kind wusste das, gab aber trotzdem, in meinen Augen aus Gier, die gesamte Südtribüne für Dresdener frei, das entspricht knapp Zehntausend Karten. Wie erwartet wurde dann ein bisschen randaliert, allerdings nicht so viel wie erwartet. Der viel schlimmere Punkt waren für Kind mal wieder die eigenen Fans, die während des Einlaufens der Teams einige Bengalos zündeten. Grund genug für ihn, alle Gespräche abzubrechen, und den Fans zu verbieten, auf dem Stadiongelände weiter eigene Sachen zu verkaufen und ihnen den "Zwinger" zu nehmen, der war bisher Treffpunkt aller Fans, nicht nur der Ultras, zudem konnte man dort das Gespräch mit den Ultras suchen und Sachen von ihnen erwerben.
Das Kind aber selbst Schuld an der ganzen Lage ist, daran denkt er nicht ein einziges mal. In den Medien plappert er fröhlich weiter, wie schlecht die bösen Ultras doch sind, er macht aber immer alles richtig, und ein Verein sei ja nun mal ein Wirtschaftsunternehmen und Fankultur sei nicht wichtig, blah blah blah. Martin Kind ist ein Mann, dessen vorhaben für den Fußball gefährlich sind, er ist ein Mann, für den nur die Geschäfte zählen.
Finanziell hat er viel für den Verein getan, das steht fest, Menschlich gesehen ist er aber einfach daneben. Ein großer Selbstdarsteller.
Maddin, geh doch bitte einfach wieder Hörgeräte verkaufen, das liegt dir besser. Viel besser.
Der Rote Jahresrückblick
Ja, auch ich wage mich jetzt mal an einen Jahresrückblick 2012.
Für Hannover 96 und seine Fans war dieses Jahr, um es in einem Wort zu beschreiben wahrscheinlich nur eins: GEIL!
Zum einen ist da natürlich die zweimalige Teilnahme am Europäischen Geschäft. Für manche Vereine vielleicht normal, für uns Hannoveraner nach diesen schweren Jahren, die hinter uns liegen etwas unglaubliches.
Denn immerhin muss man bedenken, dass 96 2009 nach dem Tod von Kapitän Robert Enke am Boden war, Auge in Auge mit Liga 2 stand.
Erst am letzten Spieltag in Bochum konnte man sich retten.
Doch trotz aller feierlichkeiten war klar: Jetzt steht eine schwere Zeit bevor, denn den Klassenerhalt muss man möglichst auch die folgenden Jahre halten.
Ein Trainerwechsel jagte den anderen, bis ein Mann mit schon leicht grauem Haar und einen beruhigenden Lächeln aus Gelsenkirchen kam: Mirko Slomka alias: Der 96 Retter schlichthin!
Denn plötzlich gewann 96 ein Spiel, dann das nächste, und wieder das nächste und langsam musste man sich doch fragen, ob man nicht unbewusst den Verein gewechselt hatte, auf einmal sah man im Niedersachsenstadion wieder richtig anspruchsvollen Fußball- und nein, nicht nur von der Gastmannschaft.
Irgendwann wurde auch dem letzten wohl klar, dass Mirko Slomka 96 wiederbelebt hat. Eine Mannschaft., die schon lange am Boden lag hatte neues Selbstvertrauen, neue Kraft und wieder sowas wie eine Struktur.
Als es dann am Ende nicht nur hieß Klassenerhalt, sondern sogar Teilnahme an der Euro-League, musste ich mich nicht nur ein einziges mal kneifen.
Was denn bitte hier los?!
Das wurde dann, trotz einer ziemlichen auswärtsschwäche, auch fortgesetzt, 96 zuhause eine Macht. Der deutsche Meister aus Dortmund?
Kein Problem! Die Bayern aus München? Lächerlich! Werder Bremen? Ein Kinderspiel!
So kam es Schlag auf Schlag, Zuhause Hui , Auswärts Pfui, aber am Ende immer ein ordentlicher Tabellenplatz zwischen 4 und 8.
Und wenn man die Vorgeschichte nicht kennen würde, würden manche wohl denken, Hannover wäre in der Bundesliga schon lange eine feste Größe.
Die Heimfestung Niedersachsenstadion wurde dann aber doch geknackt, gegen Borussia Mönchengladbach gab es in einem verrückten Fußballspiel nach 2:0 Führung noch ein ganz bitteres 2:3. Motto des Spieltags: Alles hat ein Ende- nur die Wurst hat Zwei...
Dann folgte gegen Freiburg noch eine Heimniederlage, dafür aber manchmal den ein oder anderen schönen Auswärtssieg, wie das 4:0 in Wolfsburg oder aber das 4:2 in Stuttgart, in dem eigentlich schon alles verloren war.
In der Euro-League steht man ebenfalls gut da, die Gruppenphase mit Levante UD, Helsingborg und Enschede konnte man souverän als Gruppensieger abschließen, jetzt wartet im Sechzehntelfinale der nächste Gegner, diesmal aus Russland.
im DFB Pokal hingegen ist wie zu erwarten war, Schluss. Nach dem Sieg nach Elfmeterschießen gegen Dynamo Dresden musste man nach Dortmund, dass das kein gutes Ende nehmen würde, war klar.
Dass es am Ende aber 1:5 heißen würde, damit hatte auch ich nicht gerechnet.
Aber, shit happens, am Ende ist 96 noch in 2 Wettbewerben vertreten, und auch voll im Lot.
In der Bundesliga ist das Europäische Geschäft locker noch drin und in der Euro-League darf man auch weiterhin von einem ähnlichen Märchen hoffen wie letztes Jahr, als nach überragenden Spielen erst im Viertelfinale gegen den späteren Sieger Atletico Madrid Schluss war (1:2, 1:2.)
Deutsche Fanszenen beginnen sich zu spalten- haben DFB und DFL es jetzt endgültig geschafft?!
Am Wochenende war kein normaler Spieltag in der Fußball Bundesliga. Es war der Spieltag nach 12:12. Wochenlang hatten alle Fans gemeinsam durch Schweigen zum Ausdruck gebracht, was ohne uns Fehlen würde. Nämlich das was das Stadionerlebnis so besonders macht-die Stimmung!
Dazu wurde auf die Straße gegangen.
Aber alles brachte nichts, das mehr als umstrittene DFL-Papier wurde am Mittwoch gegen die Erwartungen tatsächlich genehmigt. Gut, es war abgespeckt und lange nicht so schlimm, wie die erste Variante des Papiers, trotzdem aber immer noch schlimm genug. Denn die Vereine können nun entscheiden, ob ein Risikospiel vorliegt oder nicht, sollten sie dies so empfinden, so können sie nicht nur Ticket Kontingente für Gäste reduzieren, sondern auch Nacktzelte aufstellen.
Um zu zeigen, wie sauer man ist, wurden am Wochenende in fast jedem Stadion die Proteste massiv erweitert. Von 12:12 auf 90:00.
Heißt: Alle Ultra-Gruppen schwiegen 90 Minuten, manche verließen nach 12 Minuten und 12 Sekunden sogar das Stadion, in Düsseldorf zum Beispiel hingen über dem leeren Block nur noch die Worte "SCHÄMT EUCH", Berlin reagierte mit "DFL-Vor lauter Dialogbereitschaft habt ihr vergessen, mit uns zu reden."
Man könnte meinen, alle Fans ziehen da an einem Strang, doch das ist nicht so. Die Ultras mussten sich am Wochenende auspfeifen lassen, in einem Stadion machte sogar "Ultras raus" die Runde.
Jetzt haben es DFL/DFB und die Politiker, die meinen, weil sie die NSU-Affäre verpatzt haben, sie müssten jetzt zeigen, dass sie sich in völlig lächerlicher Weise durchsetzen können, geschafft.
Die Fanszenen, die bisher so gut zueinander hielten, sind gespalten. Zwischen normalos, und Ultras.
Auch die Bildzeitung hat in der ganzen Sache total toll mitgewirkt, indem sie durch ihr Verhalten teilweise erst das ganze ins Rollen brachte- wenn man nichts mehr zum Füllen der Seiten hat, nimmt mal halt mal die bösen Fußballfans.
Doch der Protest der Ultras ist klar berechtigt. Nacktzelte, wahrlose Reduzierung der Kontingente, längere Stadionverbote , und und und.
Soll man das so auf sich sitzen lassen?
Zum anderen erwarten die "normalen" Kurvenfans oftmals von den Ultras, dass sie wie Maschinen funktionieren und immer Stimmung machen, während sie selbst aber still sind. Warum machen sie dann nicht mal was? Und auch ausreden wie "Warum soll ich Boykottieren, es betrifft mich doch eh nicht.." sind völliger schwachsinn.
Denn wenn dann erstmal die Nacktzelte aufgeschlagen werden, wird sich zeigen, wer noch bereit ist, das Stadion zu betreten, und wer nicht.
Man kann nur hoffen, dass alles ein gutes Ende nimmt und die Fanszenen endlich wieder zu dem werden können, was sie mal waren: Eins!
Auch 96 Fans demonstrieren gegen DFL-Papier
In vielen deutschen Städten wurde am vergangenen Spieltag zum Abschluss der Aktion ' Ohne Stimme 12:12 keine Stimmung' auf die Straße gegangen. Hintergrund ist das DFL Papier zum Thema Sicheres Stadionerlebnis, das am Mittwoch 12.12. von den 36 Profiklubs der Bundesliga unterzeichnet werden soll. Die Proteste streuten sich über ganz Deutschland, von Düsseldorf, über Berlin, Dresden und auch Hannover. Die 96er gingen zusammen mit den Gästen aus Leverkusen auf die Straße um für den Erhalt der Fankultur zu stimmen. Knapp 1000 Leute versammelten sich am Opernplatz in Hannover und gingen dann zusammen zum Niedersachsenstadion. Wer das Papier am Mittwoch unterzeichnen wird, und wer nicht, ist noch unklar. Als 96er hoffe ich aber, dass Martin Kind dagegen stimmen wird, alles andere wäre für die Fanszene ein Schlag ins Gesicht.
Das Martin Kind und die Fans in Hannover aber keine Freunde sind, ist bekannt. Nach der Pyroaktion im Pokalspiel gegen Dynamo Dresden nahm man den Fans ihren "Zwinger" im Stadion, den Ort, an dem man sich immer vor dem Spiel traf...
Das DFL-Papier darf nicht unterschrieben werden, denn sonst haben wir bald englische Verhältnisse: Leere Stadien, keine Stimmung, keine Stehplätze! Warum wollen DFB und DFL das unbedingt? Deutschland hat eine Fanszene für die man auf der ganzen Welt gelobt wird. Dieses Einzigartige soll uns jetzt genommen werden. Warum?
Die Aktion 12:12 hat auf sich aufmerksam gemacht, viele Spieler, Trainer und andere stellten sich auf die Seite der Fans und Sprachen sich dazu aus, sie mit in die Gespräche einzubinden. Anders geht es auch nicht, denn wir, die Fans, sind die, die es betrifft, was da hinter verschlossenen Türen besprochen wird. Und deswegen muss das Papier morgen abgelehnt werden. Denn wir in Hannover haben eine tolle Szene, ganz Deutschland hat tolle Szenen, die nie zerstört werden dürfen. Eine Reduzierung der Kontingente oder gar Nacktkontrollen sowie Materialverbot wären nur schwer zu verkraften.
Vereine, lasst eure Kurven nicht im Stich, zeigt, dass ihr die Fankultur respektiert. Denn wir sind keine Schläger, so wie uns die deutsche Presse, insbesondere die deutsche Zeitung mit den 4 großen Buchstaben darstellt. Fans sind viel mehr. Und auch wenn DFL/DFB es nicht wahr haben wollen, die Ultras sind das Herz der Szene. Wie soll eine Kurve ohne Vorsänger funktionieren? Die Boykotts haben es gezeigt: Gar nicht! Am Beispiel Hannover hat man die Folgen gesehen: Stille, ab und zu mal ein paar Fangesänge, dann singen aber alle durcheinander. So darf und wird die Zukunft des Fußballs nicht aussehen.
Denn dann wäre auch die Fankultur schon bald nur noch ein Stück Geschichte...