Fr24May2013

Back Aktuelle Seite: 1. Bundesliga

Ich will mich gar nicht über das Spiel auslassen, bzw es kommentieren...Wir haben das Spiel alle gesehen und wer es nicht gesehen hat, kann sich irgendwo die Wiederholung anschauen...

Ich will mich auch nicht über die Spitzenleistung von unserer Mannschaft auslassen...Da ist jeder Kommentar überflüssig und Bilder sagen mehr als 1000 Worte...

Nein, ich möchte mich über die Emotionen auslassen, die dieses Wochenende transportiert hat...
Noch ehe es Karten gab, haben wir unsere Hotels gebucht und die Reise zu Neunt geplant...Dann kamen die Karten und mit jedem Tag, der letzen Woche, stieg die Vorfreude...Uns allen war klar, wir fahren in der Sicherheit nach München, schlappe 0 Punkte mit Heim zu bringen...Niemand hat im Vorfeld auch nur einen Pfifferling auf uns gewettet...
Meine Fuppesjungs haben sich dennoch getraut und tatsächlich gewettet...Die Quote auf Sieg Fortuna...?...Keine Ahnung, mit 10 Euro Einsatz haette man Millionär werden können...Mit 10 Euro Einsatz auf ein Tor von Lumpi, hätte man Mutlimillionaer werden können...;o)

Und dennoch...Wir fahren hin, ohne Wenn und Aber...Wir waren auch in Berlin und Burghausen, im letzten Jahr. Aber da waren wir zumindest mit einer Siegeshoffnung...Wisst ihr was...?...Wir HABEN auch gegen den FCB gewonnen...

f96fcb1

Ordner

  1. Die goldene Regel am Anfang: Nimm Dein Gegenüber bloß nicht ernst und lass es das auch weidlich spüren. Betone wortreich Deine Gesprächsbereitschaft und benutze unbedingt die Floskeln „konstruktiv“ und „auf Augenhöhe“, handele dann aber genau gegenteilig.
  2. Gehe möglichst ungerecht und willkürlich vor. Zwei Fangruppen haben sich in den Haaren? Dann nehme 160 von der einen und 7 von der anderen Gruppe in Gewahrsam und stelle das als sachlich gerechtfertigt dar, auch wenn alle bewegten Bilder das Gegenteil zeigen. Eine Gruppe wird am Flughafen angegriffen? Auf sie mit Gebrüll, was laufen die auch da rum.
  3. Werfe großzügig mit Stadionverboten um Dich. Rechtsstaat? Wird eh überschätzt. Viel hilft viel, weiß doch jeder.
  4. Dominanzgehabe ist wichtig, das schafft von Anfang an eine tolle Atmosphäre. Je herablassender Du auftrittst, desto besser. Wenn Du schon nicht zu einer demütigenden Ganzkörperuntersuchung greifen kannst, lasse den Fan Deine Verachtung anderweitig spüren.
  5. Schieße mit möglichst dicken Kanonen auf Spatzen. Ein paar Ultras wollen sich auf dem Vereinsgelände einsingen? Sofort verbieten, wo kämen wir denn da hin, wenn das alle täten. Und der Ersatztreffpunkt ist eh nur ein Vorwand für den Beginn des 3. Weltkriegs. Schade, dass neben den Wasserwerfern, Hubschraubern, Mannschaftswagen, Hundeführern und Reiterstaffeln kein Flugzeugträger mehr auf die Emscher passte. Und mal ehrlich, einen schwarzgelben Panzer hättet Ihr sicher auch noch irgendwo auftreiben können.

    Polizei4Poloizei2Provo
  6. Guck, dass einer möglichst großen Gruppe Fans durch eine vergleichsweise kleine Gruppe die größtmöglichen Unannehmlichkeiten entstehen. Ist doch nur fair, dass das halbe Vereinsgelände für Schalker gesperrt ist, damit unseren lieben Nachbarn der rote Teppich ausgerollt werden kann und sie zum Dank unsere Zäune mit ihren provozierenden Transparenten verschandeln können.  Reicht ja schließlich, wenn wir in der verbotenen Stadt  regelmäßig unter den Augen der Polizei durch den Flaschenhagel getrieben werden.
  7. Drücke dann bei den Sicherheitskontrollen und den für alle im Stadion ersichtlichen Vorbereitungen für eine Pyroshow (so schief bauen noch nicht einmal Lüdenscheider eine Choreo zusammen, wenn sie nicht lediglich der Tarnung dienen würde) nicht nur die Augen, sondern auch Hühneraugen und Ohren ganz feste zu. Das zeigt Deine weiche Seite nach dem harschen Vorgehen gegen die eigenen Fans.

    Pyro2
  8. Verbreite offensiv, dass alles außer Gewinnmaximierung überflüssiger Schmus für sentimentale Ewiggestrige ist. Raubtierkapitalismus und Schwarzmarkt rule, weiß doch jeder! Das führt dann zu so belebenden menschlichen Begegnungen wie gestern auf der Gegengeraden, wo ein feist grinsender Schwatzgelber meinte, „ich komme überall hin; ich habe die nötige Kohle, Euren ganzen Scheixxblock zu kaufen!“ Auch posende Flittchen mit rosa Mantel und fehlfarbenem Schal sehen wir gerne in unserem Wohnzimmer, Besuch macht schließlich Freude.
  9. Sorge dafür, dass neben den wahren Werten, die da lauten Kohle, Kies, Schotter und Zaster, nichts Überflüssiges wie freie Meinungsäußerung oder Wahrnehmung von Mitgliederrechten den schönen Schein trügt. Sei in der Wahl Deiner Mittel nicht zimperlich; wir wollen doch schließlich nicht, dass die schöne Hochglanzfassade plötzlich Risse bekommt.
  10. Datenschutz ist was für Weicheier. Egal, ob Du Mitgliedsdaten an dubiose Unternehmen verhökerst (in unseren kalten Zeiten freut sich ja jeder über etwas personalisierte Werbung im Briefkasten) oder Polizeivideos online stellst, in denen die aufgegriffenen Personen, ihre KFZ-Kennzeichen etc. einwandfrei zu erkennen sind: Lass Dir bloß nicht einreden, es gäbe so etwas wie Beschuldigtenrechte, Unschuldsvermutung oder das Recht auf informationelle Selbstbestimmung.
  11. Kriminalisiere, was eben geht. Bediene Dich dazu umfassend der Boulevardmedien. Je knalliger die Schlagzeile, desto besser. „Bürgerkriegsähnliche Zustände“ machen der Normalbevölkerung richtig schön Angst vor diesem widerlichen Mob, der sich Fußballfans nennt. Vielleicht bekommt Ihr noch restriktivere Sicherheitsvorschriften durch, wenn Ihr der DFL und der Öffentlichkeit verklickert, dass die aktive Fanszene auch an der Weltwirtschaftskrise, dem Papstrücktritt und dem beschissenen Wetter schuld ist? Kommt, da geht noch was.
  12. Bete, dass das nächste Derby verloren geht. Allein der GEILE Sieg hat nämlich gestern den von allen Seiten bereits seit dem Hinspiel künstlich aufgebauten Druck aus dem Schalker Kessel genommen.

Blau-weiße Grüße
Susanne Blondundblau, Doublederbysiegerin

Sonntag, 10 März 2013 14:09

Nur ein Lichtblick in GE

geschrieben von in Dortmund Blog

derby2013Auswärtsspiel im Feindesland - jahrelang habe ich mich aus Prinzip geweigert, in die Turnhalle zu fahren. Doch bereits in der Vorsaison habe ich mit diesem Vorsatz gebrochen - und sah prompt einen 2:1-Auswärtserfolg meiner Borussia. Beseelt von diesem Erlebnis hatte ich mich nun also auch in diesem Jahr dazu entschieden, mit meinem Fanclub - den Lennetal Supportern - nach Herne-West zu fahren.

Voller Vorfreude besteige ich um kurz nach 11 den Bus in Richtung Trinkhalle GE. Nach dem 3:0 gegen Donezk wird die Mannschaft ja sicher alles in die Waagschale werfen und den Derbysieg nach Hause holen. Nach dem Hinspiel ist da jedenfalls noch eine Rechnung offen!

So oft ich mich nun bereits an dieser Stelle auswärts über die mangelhafte Fantrennung aufgeregt habe, insbesondere bei Risikospielen, so muss ich in diesem Punkte die Blauen doch gegen mein Naturell hin loben. Wer dort am Gästeparkplatz ankommt, dem wird während der gesamten Spielzeit kein einziger Schlumpf unmittelbar begegnen. Durch einen tunnelartigen Aufgang nach dem Eingangsdrehkreuz ist eine strikte Fantrennung gewährleistet. Und im Vergleich zum Vorjahr, als an den Absperrgitterzäunen vor und nach dem Spiel am Blockein- und ausgang die Blauen zum Pöbeln auftauchten, wurden diese Bauzäune in diesem Jahr zusätzlich noch mit schwarzen Sichtschutzfolien ausgestattet. Hut ab, GE, so sieht eine hervorragende Fantrennung aus.

Diese Fantrennung war in den Augen der Medien sicherlich doppelt wichtig. Nach den Vorfällen am Flughafen in Dortmund einige Tage zuvor hatte ich den Eindruck, dass im Rahmen des Derbys die Frage nicht lauten muss, ob, sondern wie viele Tote es bei Massenkrawallen wohl geben wird. Ein derartiger medialer Müll hatte mich unheimlich aufgeregt, allen voran pseudo-besorgte Aussagen wie: „Hoffentlich rückt das Spiel jetzt nicht in den Hintergrund.“ Nee, ist klar, im Vorfeld beginnen diese unsäglichen Schreiberlinge ihre Artikel mit ellenlangen Aussagen über mögliche Krawalle - was zudem auch völlig an den Haaren herbeigezogen ist - und dann am Ende geht man noch kurz auf die Taktik etc. ein, um dann mit besagtem Appell zu schließen. Meine Güte, es ist ein Derby! Abgesehen von den durchaus unschönen, aber wohl zielgerichteten und im Vorfeld verabredeten Auseinandersetzungen im Hinspiel, verlaufen die Derbys seit Jahr(zehnt)en völlig friedlich. Dass es natürlich nicht zugeht wie im Kirchenchor, das ist wiederum normal und gehört dazu! Dieses mediale Schüren vor Angst, Krawallen, Toten und Verletzten geht mir jedoch mächtig auf den Zeiger, weil es jeglicher Grundlage entbehrt. Aber dumme, plakative Aussagen verkaufen sich in den Medien nun einmal immer noch am besten.

Einige Worte zur Pyrotechnik: Schon aus der Perspektive von hinten bot sich ein beeindruckendes Bild, und auch auf den später gesehenen Fotos von vorne wusste die Aktion zu gefallen. An die Pyrogegner: Mir ist kein einziger Verletzter bei dieser Aktion bekannt geworden, dafür bot sich aber ein tolles, stimmungsvolles Bild, das zudem die Vorfreude im Gästeblock noch einmal steigerte. Daher rufe ich an dieser Stelle auch dazu auf: Emotionen respektieren, Pyrotechnik legalisieren.

Leider war dies jedoch auch schon der einzige Lichtblick im Spiel meiner Schwatzgelben. Über das Spiel selbst lege ich den Mantel des Schweigens. Aber seit gestern bin ich mir sicher, wen ich mir im Viertelfinale der Champions League wünsche: Die Blauen. Im Europapokal präsentiert sich mein Verein in diesem Jahr gänzlich anders als in der Bundesliga - und mit dem Duell könnte man die zwei Niederlagen in der Liga noch ausgleichen - und gefühlt mit einem Weiterkommen auf jeden Fall in Führung gehen.

In diesem Sinne: HEJA BVB!!!

Samstag, 09 März 2013 19:57

Geil, geiler Glubb! Westvorstadt ade!

geschrieben von in Alles für den Glubb

Der Frühling ist da - zumindest diese Woche. Das die Sonne uns nach all den finsteren Monaten enorm gut tut, brauch ich glaub ich nicht mehr erwähnen. Daher war der Freitagabend in Augsburg selbst für mich sehr angenehm. Ich kam nicht total steif gefroren zurück ins gelobte Land :-)

Ich bin ja absolut kein Fan von diesen extrem kurzen Auswärtsfahrten. Das ist einfach nicht mein Ding. Abfahrt um 16.30h. Sehr uncool irgendwie. Für mich hat das nichts mit auswärts zu tun. Allerdings für die Fraktion Dummsuff umso mehr... Ja, ihr konntet es ja ahnen, dass ich mich auch dieses Mal wieder über diese spezielle Klientel auslasse. Es will mir einfach nicht in meinen Kopf, wie man sich auf einer Fahrt, die gerade mal 2 Stunden dauert, so dermaßen zuschütten kann, dass man nichts mehr peilt! Ich verstehe es einfach nicht! Bleibt halt bitte einfach daheim, wenn euch nur das "Event" interessiert und euch der Glubb eigentlich scheißegal ist. Ich mein damit nicht diejenigen, die aweng was trinken, sondern wirklich diese Leute, die sich bis zum Ultimo die Kante geben, dann am Parkplatz damit prahlen, wie toll sie sind und sich dann wundern, wenn sie am Einlass blasen müssen... Egal, es kommen ja noch ein paar Kurzstrecken-Spiele, nach denen ich mich dann wieder über diese Trottel aufregen kann.

Der Gästeblock in Augsburg ist wie in vielen der neuen Betonschüsseln einfach nur unschön. Ich kann mich weder mit dem Stadion noch mit dem Block an sich anfreunden. Margret und ich waren bereits eine Stunde vor Anpfiff im Block, weil wir ja wussten, wie voll und eng es werden würde. Wir hatten auf jeden Fall einen optimalen Platz und waren von der Fraktion Dummsuff größtenteils verschont geblieben. Allerdings konnte man zu diesem Zeitpunkt schon erkennen, dass so mancher das Spiel wohl nicht direkt im Gästeblock beobachten würde, weil die Leute scheinbar noch immer nicht kapiert haben, dass man in Augsburg ewig viel Platz nach oben hat. Während im oberen Bereich des Blocks noch recht viel Platz war, quetschte man sich lieber unten am Mundloch zusammen. Das man dort nicht besonders viel vom Spiel mitbekommen würde, sollte jedem klar sein. Zu Spielbeginn kann ich das sogar verstehen aber wenn bis zum Anpfiff noch Zeit ist, sollte man sich halt doch den Weg nach oben bahnen... Ich hatte auf jeden Fall viel Spaß, die sich quetschende Meute zu beobachten. Einige haben dann begriffen, dass man sich durchaus im oberen Bereich des Gästeblocks platzieren kann. Pünktlich zum Anpfiff allerdings war es im Eingangsbereich schon wieder proppenvoll. Da braucht sich der geneigte Trunkenbold auch nicht wundern, wenn er mit 6 Bierbechern nicht wirklich durch die schiebende und drängende Menge hindurch kommt und seinen "Schatz" dann auf den Jacken anderer verteilen muss :-) Dumm gelaufen , würde ich mal dazu sagen.

Als irgendwann absehbar war, dass es nach oben kein Durchkommen mehr gab, durften die Glubberer sich auf dem angrenzenden Sitzplatz-Block verteilen. Daran kann sich der FSV Mainz mal ein Beispiel nehmen... Im alten Bruchwegstadion habe ich nur ein einziges Mal erlebt, dass man uns gnädigerweise auf die Sitzplätze ausweichen ließ.

Eigentlich hatte ich mal wieder mit einem Unentschieden gerechnet aber dass wir tatsächlich mit 3 Punkten nach Hause fahren würden, hätte ich wirklich nicht gedacht. Gleich 3 Spieler trafen für den Ruhmreichen. Kiyotake, Schäfer und Esswein. Ja richtig, Schäfer hat den Ball ins eigene Tor geknallt. Ein Herr Piblica hätte das wohl nicht "besser" machen können. Das war dann quasi der Ausgleich für Augsburg... Doch man mag es kaum glauben, irgendwo gibt es wohl doch einen Fußballgott und Esswein traf einwandfrei in den gegnerischen Kasten! Endergebnis: 1:2! Der mitgereiste Anhang befand sich wohl in einer Art Ekstase. Absolut brachial war das Liedgut der Nordkurve zu vernehmen. Stellenweise bekam ich sogar tatsächlich Gänsehaut. Einfach nur geil, was da gestern abging! Und - was nicht nur mich gewundert hat - es flogen keine Bierbecher durch die Gegend! Zumindest nicht in dem Bereich, in dem wir uns befanden. Könnte aber auch daran gelegen haben, dass man mit dem Gerstensaft nicht besonders weit kam. :-) Auf jeden Fall war die Stimmung in den letzten 20 Minuten wirklich absolut grandios. Selbst die Glubberer auf den Sitzplätzen links und rechts von uns waren mit uns im Einklang. Gut gelaunt und mit einem Dreier im Gepäck ging es wieder in die schönste Stadt der Welt, wo man sich dann am heutigen Samstag die Konferenz der 1. Liga angesehen hat. Schließlich will man ja wissen, was die Westvorstadt so treibt.

Na ja, getrieben hat sie nicht wirklich viel. Der widerliche Retortenverein aus Sinsheim hat dem grünen Pack das Tor zur 2. Liga ganz weit geöffnet. 0:3 stand es am Ende aus Fürther Sicht. Ein Unentschieden wäre wohl jedem lieber gewesen. Dann könnten die zwei Arschloch-Vereine gemeinsam in Liga 2 herum dümpeln. Aber gut, die Saison ist noch nicht vorbei und noch besteht gute Hoffnung, diese Abarten der Liga nicht mehr wieder zu sehen.

Dem Spruchband der Fürther nach zu urteilen, haben sie nun auch endlich erkannt, dass sie einfach nur eine Lachnummer sind! Ist das nicht herrlich? Das Wochenende ist noch nicht mal vorbei und trotzdem hätte es nicht besser laufen können. Der Glubb gewinnt, die Westvorstadt versinkt in ihrem eigenen Dreck. Geil, geiler, Glubb!!! Ach und falls ich es heute noch nicht oft genug von mir gegeben habe, liebe Westvorstadt:

IHR HABT DEN DERBYSIEG, DER EUCH ZU KOPFE STIEG! UND NÄCHSTES JAHR - 2. LIGAAAA!!!

Freitag, 08 März 2013 04:31

Werder kontraproduktiv

geschrieben von in Osterdeich-Schnack

TitelbildIch besuche ungefähr zwei- bis dreimal im Monat das Training bei Werder Bremen, sehe dabei den Übungseinheiten der Herren Schaaf und Rolff zu und beobachte, was sich allgemein auf dem Trainingsplatz neben dem Weserstadion so tut. Dabei bin ich für gewöhnlich nicht alleine, stets sind eine Handvoll weiterer Fans und auch der eine oder andere Medienvertreter dabei. Bisher haben sich die Trainingszuschauer immer sehr ruhig und zurückhaltend benommen, zumindest bei den Gelegenheiten, bei denen ich anwesend war. Nie hatte ich das Gefühl, dass sich Werder-Spieler oder -Trainer von unserer Anwesenheit gestört fühlen könnten, ganz im Gegenteil: ab und zu kommt es schon mal zu kleinen Scherzen zwischen Spielern und Fans, nette Pläuschen mit Autogrammjägern, ein lockerer Spruch hier, ein Witz dort. Normalerweise.

Nun, die Lage bei Werder ist zur Zeit aber nicht normal. Bei meinen letzten zwei oder drei Trainingsbesuchen hatte ich ein wenig das Gefühl, der Ton wäre rauer und die Atmosphäre angespannter geworden. Die Leichtigkeit, die beispielsweise noch zu Beginn der Saison oder unmittelbar nach Rückkehr aus dem Wintertrainingslager in Belek zu spüren war, schien verloren gegangen zu sein. Und dazu passt auch ein Artikel, den Spiegel Online gestern (Do., 7. März) publizierte. Dort bezeichnete Schaaf die Anwesenheit der Fans beim Training als "kontraproduktiv", schickte aber sofort hinterher, er möchte diese Bemerkung nicht als Beschwerde verstanden wissen. Er wies darauf hin, dass es in Ländern wie England oder Spanien absolut nicht üblich sei, dass die Fans das Training beobachten könnten. Nur in Deutschland wären Zuschauer beim Training "Normalität, weil wir uns auch gerne unter den Fans bewegen und gerne den nahen Kontakt haben." Etwas verwundert war ich von Schaafs Wahrnehmung, er sprach von "300, 400 oder 500 Leuten, die draussen stehen und zusehen wie ein Spieler etwas übt, was er vielleicht nicht so gut kann." Von meinen Besuchen kann ich diese Zahlen nicht bestätigen, nur sehr selten sah ich mehr als 20 Zaungäste, inklusive mir selbst. Ich muss wohl ausschließlich besonders ruhige Tage erwischt haben.

Noch mehr verwundert mich aber, dass Schaaf zum aktuellen Zeitpunkt überhaupt solche Statements in die Öffentlichkeit entsendet. Ihm ist sehr wohl bewusst dass die Anzahl seiner Kritiker in den letzten Wochen stark gestiegen ist, da wäre es doch ein dickes Eigentor, die ohnehin schon angeheizte Stimmung noch mehr gegen sich aufzubringen. Denn seine Aussagen könnte man, überspitzt formuliert, auch in diese Richtung interpretieren: "Ihr Fans geht uns auf die Nerven, bitte bleibt dem Training fern!" Eine solche fanfeindliche Einstellung kann ich mir beim besten Willen weder bei Schaaf noch bei sonst jemanden bei Werder Bremen vorstellen, niemand im Verein wäre so dämlich.

Nur die halbe Wahrheit

Der Hintergrund dieses Spiegel-Artikels, der sich auf Meldungen der Nachrichtenagenturen DPA und SID bezieht und der am Ende natürlich nicht darauf verzichten konnte nochmals darauf hinzuweisen, dass Schaaf zuletzt verstärkt in der Kritik stand, ist in der Pressekonferenz zu suchen, die Schaaf und Eichin nach dem Training gaben. Neben den eingangs zitierten Passagen sagte Schaaf dabei nämlich auch, dass es ihm unter anderem auch daraum geht, dass durch das öffentliche Training seine Aufstellung schon weit früher bekannt wäre, als er das eigentlich will. Das Worum zitiert Schaaf wie folgt: "Unsere Aufstellung wird jeden Tag abgelichtet. Irgendwo eine Formation zu bieten, die vorher einer nicht weiß, das findet hier nicht statt, doch wir nehmen das hin und arbeiten weiter. In der Bundesliga nehmen wir Dinge wahr, die wir als Normalität wahrnehmen, doch das ist sie nicht. In Spanien, in England ist das anders. Wir machen das mit, weil wir gerne die Fans erleben. Aber für unsere Arbeit ist das kontraproduktiv. Wenn einer etwas üben muss, was er nicht so gut kann, das vor 400, 500 Leuten tun muss."

Auf die Frage von Björn Knips (Kreiszeitung Syke), warum er dann nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainieren lasse, antwortete Schaaf: "Weil Sie am nächsten Tag einen Aufschrei haben: jetzt trainieren sie geheim! Wenn ich einen Ihrer Artikel vorzeitig veröffentliche, wie stehen Sie dann da – das, was Sie vorbereitet haben, hat jemand schon gelesen. Trotzdem, wir haben eine Situation, die so ist – und wir machen das mit. Wenn Sie etwas einüben wollen und alle kriegen das mit – Ã¼ben heißt auch, dass gewisse Dinge nicht funktionieren. Wenn sie aber schon beim Üben die Rückmeldung bekommen: Das funktioniert nicht? Wir leben damit, setzen uns damit auseinander, arbeiten trotzdem damit."

Es geht Schaaf also keineswegs darum, dass die Fans ihn oder die Spieler beim Training nerven, ablenken oder stören würden, sondern um die Tatsache dass selbst Fehler, die im Training passieren (wozu ein Training aber doch wohl da ist) anschließend penibel seziert und als Versagen von Trainer und Spieler aufs Medienbrot geschmiert werden, sowie darum dass es unmöglich ist geheime Taktiken und/oder Aufstellungen zu erarbeiten. Für mich als Fan ist das eine durchaus nachvollziehbare und verständliche Haltung, die mit fanfeindlichen "Ihr seid schuld wenn wir versagen!"-Gedöns (ich übertreibe jetzt bewußt ein Stückchen) absolut nichts zu tun hat. Den Eindruck könnte man nach der Lektüre des Spiegel Online-Artikels aber leicht bekommen und ich unterstelle SPON jetzt einfach mal, dass das in deren Hamburger Redaktion durchaus gewollt ist. Sowas wäre ja ein Skandal und auf (vermeintliche) Skandale stürzt sich der Spiegel ja bekanntlich so gerne wie die Geier auf die gesammelten Innereien. Wenn hier etwas für Werder Bremen kontraproduktiv ist, dann ist das eher diese Form der skandalösen Berichterstattung, die die halbe Wahrheit einfach weglässt.

Kontraproduktive Anti-Stimmung

Mit dem Ausdruck "kontraproduktiv" hat Thomas Schaaf mir nicht nur den Titel für diesen Betrag geliefert, sondern auch eine Inspiration über andere Dinge nachzudenken, die beim SV Werder Bremen derzeit kontraproduktiv laufen. Und da war ich gelinde gesagt stark überrascht was für ein Ton derzeit im offiziellen Werder-Forum herrscht (der hochverehrte Kollege Arnd Zeigler hat mich netterweise darauf aufmerksam gemacht). In diesem Forum, in dem ich selbst schon seit längerer Zeit aus guten Grund nicht mehr aktiv bin, herrscht (grob zusammengefasst) die Meinung, man müsse nur eine genügend große "Anti-Stimmung" erzeugen, damit der Verein Schaaf feuert. Diese Einstellung ist in Bezug auf die Unterstützung der Mannschaft nicht nur extrem kontraproduktiv, sondern zeugt auch von einem ziemlich kranken Selbstbild. "Mein Lieblingsverein feuert den Trainer, wenn wir nur laut genug pfeifen" – mal ehrlich, hier ist wohl ein bißchen zuviel Selbstüberschätzung in die Tastatur getropft.

Um nicht falsch verstanden zu werden: ich gehöre zwar auch zu denjenigen, die mitterweile an Schaaf zweifeln, traue ihm die Wende aber prinzipiell immer noch zu. Thomas Schaaf wird zur Zeit oft als (ich übertreibe mal wieder ein wenig) nasenbohrender Volltrottel dargestellt, der scheinbar absichtlich Aufstellungen und Taktiken vermurkst, nur in der Absicht uns Fans zu ärgern. Das ist natürlich Blödsinn. Schaaf ist nicht weniger intelligent als wir Fans und im starken Gegensatz zu uns allen verfügt Schaaf über einen Trainerschein (Fußballlehrer-Lizenz) sowie über mehr als zweieinhalb Jahrzehnte an Trainer-Erfahrung. Wer von uns auf den Tribünen, die verächtlich über seine "veralteten Trainingsmethoden" schnauben und neunmalklug über Doppel-Sechsen oder Flügelzangen referieren, kann da mithalten? Sachliche Kritik ist legitim, aber vor allem in den letzten Wochen häufen sich vor Arroganz und Anmaßung triefende Kommentare von Leuten, die sich ernsthaft erdreisten zu behaupten ihre Kompetenz wäre größer als die von Schaaf und des restlichen Trainerstabes.

Gerade (aber nicht ausschließlich) die Fans der jüngeren Generation halten es scheinbar für selbstverständlich, dass sich der SV Werder nur auf den Tabellenplätzen eins bis sechs aufhält. Dabei ist das für einen Verein wie Werder, der in Bezug auf die Wirtschaftskraft bestenfalls in der unteren Hälfte des Mittelfeldes der Bundesliga anzusiedeln ist, absolut keine Selbstverständlichkeit, sondern eine verdammt große Ausnahme. Die Jahre 2004 bis 2009, in denen Werder dauerhaft in der Champions League vertreten war, sind keine Normalität, sondern eine bemerkenswerte und außergewöhnliche Spitzenleistung, von der viele Fans wohl noch sehr stark verwöhnt sind (ich gestehe, zeitweise zählte ich mich auch dazu). Überaus treffend hat das mal Trainer Hans Meyer ausgedrückt, als er sagte "In Bremen sollten sie recht bald kapieren dass nicht Platz 13 das Wunder ist, sondern die sechs Champions League-Teilnahmen." Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

Links zum Thema:

  • Artikel auf Spiegel Online "Schaaf nennt Fans beim Training 'kontraproduktiv'": [klick mich!]
  • Mitschrift der Werder-Pressekonferenz auf worum.org[klick mich!]

 

Links zum Blog:

 

Dienstag, 05 März 2013 14:56

Via-no-go

geschrieben von in Freiburger Fanblock

thumbs img 9517

Vielen von euch wird aufgefallen sein, dass in den letzten Wochen vermehrt Banner und Plakate in deutschen Stadien zu sehen waren, die sich gegen die Online-Ticketbörse viagogo gerichtet haben. viagogo ist eine Internet-Plattform, auf der Tickets von Sport- und Kulturereignissen von Menschen, die irgendwann merken, dass sie am betreffenden Datum verhindert sind, an andere Menschen verkauft werden, die noch kein Ticket haben. Soweit die Theorie. In der Praxis wird viagogo allerdings, zumindest bei Fußballspielen, in erster Linie von Ticketspekulanten genutzt, die ihre Tickets zu einem Vielfachen des Originalpreises verkaufen möchten. Einzelne Nordtribünentickets für das Spiel gegen Wolfsburg waren am vergangenen Montagabend ab 39,73€ erhältlich, für das Spiel gegen Schalke gingen die Preise bei 158,91€ los. 15% Buchungsgebühr plus Versandkosten und Mehrwertsteuer kommen jeweils noch dazu. Auch der Verkäufer muss 10% des Nettopreises an viagogo abtreten.

In den AGB des Online-Ticketverkaufs des SC Freiburg ist der Weiterverkauf von Heimspieltickets zur Erzielung eines Gewinns von mehr als 10% untersagt. Ein Verkauf von Tickets über viagogo, bei welchem der Verkäufer mehr als 10% Gewinn erzielt, ist daher unrechtmäßig. Dies sieht auch der SC Freiburg so, wie Pressesprecher Rudi Raschke bestätigte, der explizit davor warnt, Tickets bei viagogo zu erwerben. Wer bspw. vom Verkäufer als verloren gemeldete und damit ungültige Tickets kauft, steht am Spieltag mit leeren Händen da und kann sich nicht an den Verkäufer der Tickets wenden, da viagogo lediglich den Verkauf abwickelt, ohne, wie bspw. eBay, einen Kontakt zwischen Verkäufer und Käufer herzustellen. Der Sportclub geht hin und wieder gegen solche Verkäufe mit Aufschlag vor, allerdings mangels personeller Mittel lediglich stichprobenartig.


Im Gegensatz zum SCF gehen einige Bundesligavereine nicht gegen viagogo vor, sondern schließen sogar im Gegenteil Partnerschaften mit dem Unternehmen, wie erst vor wenigen Tagen der FC Schalke 04, wo nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen scheint (die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung sowie eine Unterschriftenaktion zu diesem Thema wurden per Dekret von oben unterbunden) aber auch bspw. der FC Bayern München. Diese Partnerschaften funktionieren so, dass viagogo den Clubs hohe Beträge für Sponsorenverträge bezahlt und im Gegenzug nicht nur Werbung schalten darf, sondern teilweise sogar gegen Bezahlung ein eigenes Kartenkontingent zur Verfügung gestellt bekommt, welches das Unternehmen selbst verkauft, oder zumindest als offizieller Exklusivpartner für den Weiterverkauf von Tickets auftritt. Auch der SC Freiburg wurde bereits von viagogo mit dem Ziel kontaktiert, eine Partnerschaft einzugehen, ein Angebot, das vom Sportclub glücklicherweise abgelehnt wurde. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön und Hut ab an unsere Verantwortlichen!

Wer sich mit wirtschaftlichen Zusammenhängen auskennt, dem dürfte sich in Anbetracht dieser Umstände relativ schnell die Frage aufdrängen, weshalb die betreffenden Vereine, anstatt eine Partnerschaft mit viagogo abzuschließen, nicht einfach die Ticketpreise erhöhen. Da es offensichtlich eine größere Anzahl Personen gibt, die auf regulärem Weg keine Tickets bekommen und daher bereit sind, stark überhöhte Preise zu bezahlen, gibt es augenscheinlich eine Nachfrage, die das Angebot übersteigt oder anders ausgedrückt einen rationierten Markt. Es ist davon auszugehen, dass die Vereine mit einer sinnvoll ausgestalteten Preiserhöhung größere Gewinne erzielen könnten als mit einer Partnerschaft mit viagogo, da sie auf diese Weise viagogos Gewinne aus der Zusammenarbeit, bzw. je nach Partnerschaftsmodell diejenigen der einzelnen Ticketverkäufer, selbst verbuchen könnten.

Wieso werden diese Partnerschaften dann abgeschlossen? Fußballticketpreise werden in Deutschland von einer kritischen Öffentlichkeit beobachtet. Vertreter der Initiative „Kein Zwanni für nen Steher" hatten schon Auftritte bei verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen, auch bei Fernseh-Talkshows. Vereine, die ihre Ticketpreise in einer Weise erhöhen, die zwar wirtschaftlich sinnvoll, sozial aber inakzeptabel ist, sehen sich mittlerweile einem massiven Druck ausgesetzt, der sich bisher in Fanprotesten und Boykotten von Auswärtsfahrern geäußert hat. Bei drastischeren Preiserhöhungen könnten aber auch rigorose Konsequenzen wie das Fernbleiben ganzer Fanszenen aus den Blöcken eintreten. Der Rückhalt beim Rest des Publikums dürfte in solchen Fällen quasi unumschränkt sein, da das Thema Ticketpreise auch die Zuschauer auf den Sitzplätzen betrifft. Durch das Modell einer Kooperation mit viagogo können die eigenen Ticketpreise moderat und damit unangreifbar gehalten werden, während am Zweitmarkt im Internet kräftig mitverdient wird.
Es ist daher erfreulich zu sehen, dass in dieser Sache Fans und Massenmedien wie z.B. Die Welt und die Süddeutsche Zeitung ausnahmsweise eine Einheit bilden und das System viagogo gleichermaßen verurteilen. Der Hamburger SV hat sich dem öffentlichen Druck bereits gebeugt und wird die Kooperation mit dem Unternehmen zum Ende der laufenden Saison beenden. Protest kann also auch in dieser Sache etwas bewegen! Wenn Fußballfandeutschland in dieser Angelegenheit weiterhin an einem Strang zieht und dafür sorgt, dass dieses Thema in der öffentlichen Wahrnehmung bleibt, bestehen berechtigte Hoffnungen, dass das Phänomen viagogo bald wieder dahin verschwindet, wo es hingehört: in der Bedeutungslosigkeit.

Unsere Meinung zu der Sache: Profifußball muss zwar wirtschaftlich sein, um bestehen zu können, diese Wirtschaftlichkeit darf aber nie zum Selbstzweck werden. Faire Ticketpreise sind wichtiger als kurzfristiger Erfolg. Diese moralischen Standards dürfen wir aber nicht nur an die Vereine anlegen, in der Sache sind auch wir Fans gefragt. Für uns muss jetzt zumindest eines gelten: Boykottieren wir viagogo! Wenn es beim SC keine Tickets mehr gibt, dann fragt eure Freunde nach Karten, fragt bei Auswärtsspielen uns von der SCFR, fragt die Fanclubs der FG oder schaut das Spiel in der Kneipe, falls es gar nicht anders geht. Aber viagogo ist ein No-go!

Montag, 04 März 2013 16:08

Werder: Ohne Worte.

geschrieben von in Osterdeich-Schnack

Werderlogo erschüttertExakt 48 Stunden nach der 0:1-Niederlage gegen den FC Augsburg sitze ich an meinem Laptop und tippe diesen Text. Ich habe mir absichtlich diese zwei Tage Zeit gelassen, weil ich meine Gedanken und Gefühle erstmal sortieren und die erste derbe Enttäuschung und Erregung nach der erneuten Pleite abklingen lassen wollte. Doch nun merke ich, dass es mir immer noch sehr schwer fällt in Worte zu fassen, was da gerade mit meinem geliebten SV Werder passiert. Ich spüre in mir eine schon fast perverse Mischung aus Enttäuschung, Frustration, Wut, Letzter-Strohhalm-Hoffnung, dunkel-öligem Pessimismus, vorsichtig-hartnäckigem Optimismus und Trotz allem möglichen gegenüber. Ein wildes, unstrukturiertes und chaotisches Gefühls-Mischmasch, ja das ist da, aber keine Worte. Letzte Woche noch beklagten wir Bremer eine besonders deftige Niederlage beim FC Bayern. Okay, die Bayern spielen zur Zeit in einer eigenen Liga, fast schon außerirdisch dominant. Gegen so einen FC Bayern zu verlieren ist sicher keine Schande, auch wenn das Spiel für meinen Geschmack ein wenig zu hoch in den Sand gesetzt wurde. Aber egal ob 0:2 oder 1:6, die Punkte sind sowieso futsch und Torverhältnisse und -differenzen sind ohnehin völlig bedeutungslos, wenn schon die Punkte fehlen.

Dann kam das Heimspiel gegen den FC Augsburg. 1999, als Thomas Schaaf (ja, auf den Trainer werde ich später noch näher eingehen) in Bremen den Posten des Cheftrainers übernahm, spielte der FCA in der damals drittklassigen Regionalliga Süd, ein Jahr später mussten die Augsburger per Lizenzentzug sogar runter in die viertklassige Bayernliga und spielten dort gegen Mannschaften wie den SV Lohhof (quasi der Vorort eines Vorortes von München), den FC Starnberg (mein Geburtsort) oder dem FC Memmingen. 2002 kehrte der FCA in die Regionalliga zurück und gehörte ihr noch bis 2006 an. Während Werder Bremen in der Champions League gegen Teams wie Inter Mailand, dem FC Valencia oder Olympique Lyon nach europäischen Sternen griff, trug der Alltag des FC Augsburg Namen wie SC Pfullendorf, Sportfreunde Siegen oder 1. SC Feucht. Mittlerweile ist der FC Augsburg bekanntlich in der Bundesliga angekommen und in vier Versuchen gelang Werder Bremen gegen die Fuggerstädter kein einziger Sieg. Der Vergleich dieser letzten paar Jahre zeigt deutlich, welcher dieser beiden Vereine sich in der jüngeren Vergangenheit weiter entwickelt hat und welcher Klub im Sumpf der Stagnation festsitzt. Ohne Worte.

Und wieder brennt ein Name durch die Gazetten und sozialen Plattformen: Thomas Schaaf. Ich kann mich an keinen Zeitpunkt seiner Amtszeit erinnern, an dem sein Name mehr polarisierte als aktuell. Liest man sich durch die einschlägigen Foren, Facebook-Postings und Tweets wird deutlich, dass die Werder-Anhängerschaft in zwei Lager gespalten ist: zum einen die Pro-Schaaf-Fraktion, auf der anderen Seite die Schaaf-Raus!-Partei. Die Fronten zwischen diesen beiden Lagern haben sich in den letzten zehn Tagen deutlich in Richtung der Anti-Schaafer verschoben, ob diese aber auch schon die absolute Mehrheit stellen kann ich nicht abschätzen. Beide Seiten hauen sich ihre jeweiligen Argumente um die Ohren, beanspruchen die einzige Wahrheit für sich und werfen der jeweils anderen Seite vor, keine "echten" Werder-Fans zu sein. Ich erdreiste mich hier nun, zumindest den letzten Punkt als völligen Blödsinn zu bezeichnen, denn einem "unechten" Werder-Fan dürfte es schlicht egal sein, ob Werder in der 2. Liga oder im Europapokal gegen den Ball tritt.

Mittelfeldspieler Zlatko Junuzović gestand unlängst, dass auch im Training die Stimmung zuletzt eher mies gewesen war. Man mag jetzt vielleicht fragen ob diese schlechte Stimmung von den Zuschauerrängen auf den Trainingsplatz übergeschwappt ist oder umgekehrt, für mich spielt das allerdings keine Rolle. Fakt ist, die Stimmung ist am Osterdeich verdammt übel. Ist die Besserung der Stimmung tatsächlich abhängig davon, ob Thomas Schaaf Trainer bleibt oder nicht? Ich weiß es nicht. Ich habe zuletzt immer zu Schaaf gehalten, doch mir ist inzwischen klar geworden dass ich das in der jüngeren Vergangenheit vor allem deshalb getan habe, weil ich keinen Trainer auf dem Markt sah, der Werder wirklich weiterentwickeln kann und dessen Verpflichtung auch realistisch wäre. Die (oft gehörten) Namen Tuchel und Klopp fallen schon mal aus dem Raster, weil diese beiden Herren bei ihren Vereinen noch vertraglich gebunden sind und eine Ablöse im Wolfsburg-Stil die finanziellen Möglichkeiten des SV Werder Bremen wohl übersteigen dürfte. Mir sind sogar schon die Namen Basler, Neururer und Matthäus als Vorschläge über den Weg gelaufen... wer sich tatsächlich einen dieser drei als neuen Übungsleiter in Bremen wünscht, den möchte ich bitten meinen Blog nie mehr zu lesen.

Kürzlich wurde ich aber auf Twitter auf einen Trainer aufmerksam gemacht, der durchaus vielversprechend sein könnte. Ich spreche von Heiko Vogel, 37 Jahre alt, ehemaliger Chef-Trainer des schweizer Spitzenklubs FC Basel. Vogel begann seine Trainerkarriere beim FC Bayern München, dort betreute er diverse Juniorenteams und war dabei unter anderem mitverantwortlich für die Ausbildung von Spielern wie Philipp Lahm, Mehmet Ekici, Mats Hummels, Diego Contento oder Thomas Müller. Im Juli 2009 heuerte er beim FC Basel an, zunächst als Co-Trainer unter Thorsten Fink, ab Oktober 2011 ein Jahr lang als Chef-Trainer. In dieser Zeit gewann Vogel mit dem FC Basel je einmal die schweizer Meisterschaft und den schweizer Pokal, zudem erreichte er mit den Baslern das Achtelfinale in der Champions League. Vogel hat den Ruf, seinen Teams vor allem eine stabile Defensive zu verpassen, eine Eigenschaft die Werder Bremen seit mehreren Jahren schmerzlich abgeht. Und: Heiko Vogel wäre ablösefrei, weil derzeit vereinslos.

Das man mich bitte nicht falsch versteht: der Name Heiko Vogel ist nichts weiter als ein zwangloser Vorschlag von mir. Sollte es Thomas Schaaf schaffen, Werder Bremen wieder auf Kurs zu bringen und wieder weiterzuentwickeln, so wie er es schon mal getan hat, würde mich das auch sehr freuen. Nur mittlerweile fehlt mir der Glaube daran.

 

Bist Du ein Pro- oder Contra-Schaafer? Sagt es mir...

Dort gibt's auch jeden Tag noch mehr Osterdeich-Schnack von mir.