FREIBURG TOTAL INTERNATIONAL
geschrieben von Freiburger Fanblock in Freiburger Fanblock
Ähm ja, nee, jetzt wirklich? Doch, der Sport-Club Freiburg spielt nächste Saison europäisch! Zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte, aber diesmal ist die Story märchenhafter denn je. Allein der gehaltene Elfmeter von SCF-Goalie Oliver Baumann in der allerletzten Minute in Fürth ist eine Anekdote wert. Ohne diese Glanztat wäre es vielleicht nochmal eng geworden, sicher nicht einfacher. Und es wäre sehr ärgerlich gewesen, da wir uns den Einzug ins europäische Geschäft über 33. Spieltage hart verdient haben. Andere brauchen dafür bekanntlich die Hintertür.
Von ganz unten nach bis fast ganz oben kommt im Fußball öfter mal vor, umgekehrt gibt es das auch. Allerdings ist die Art und Weise wie der SCF die Sensation gestemmt hat mehr als beeindruckend und anscheinend nachhaltiger Natur, wenn man die familiär feiernden Jungs auf den Platz mit dem Trainerteam gesehen hat und bedenkt, wo wir vor einernhalb Jahren standen. Da wächst was weiter zusammen. Das lässt auch für die Zukunft hoffen.

Es ist sicher nicht alles Gold was glänzt, es liegt eine Menge Arbeit vor dem Klub und einige Zweifler mahnen schon vor Europa. Ein "gefährliches Abenteuer" sei es kommende Spielzeit international spielen zu dürfen. Doppelbelastung, Spielerkader, Budget und so weiter werden dann als Argumente gerne lanciert. Angesichts der Historie, worauf nach EL-Quali immer der direkte Abstieg folgte, kann man schon mal ins Grübeln kommen. Aus Fansicht sind sie solche Routinezweifler aber gerade nicht in Mode. Denn zu verlieren haben wir nichts. Sollten wir in die CL-Quali kommen ist die Statistik eh hinfällig.
Zur Zeit sollte das Motto lauten: "einfach nur freuen". Wir nehmen mit was geht und gut ist. Gefeiert wird sowieso. Gestern mit der Mannschaft und dem Trainergespann. Nachdem Oli Baumann das obligatorische "Humba" in XXL-Version vom Podest geschmettert hatte, verlangten die Fans den Trainer. Der kam dann auch — seiner Art entsprechend — mit dem kompletten Trainerteam Hand in Hand. Streich ließ es sich dann auch nicht nehmen mit im Takt schwingender Faust in die Fangesänge einzustimmen, nur auf das Podest wollte er nicht und schickte statt dessen Kult- Busfahrer Stefan Spohn vor , der seine Sache A5 gelöst hat. War schon legendär. Der Pogo der Trainerkombo bleibt indes ausbaufähig ;).

Wir haben mehr geschafft als gedacht. Am kommenden Samstag gibt es die Endspielparty. Ohne Druck – abgesehen von den Millionen um die es geht – kann der SCF befreit aufspielen. Total international sind wir schon, totaler wär halt noch geiler! Wollen mal schauen ob wir der grandiosen Saison nicht noch das Sahnehäubchen auf die ohnehin schon opulente Schwarzwälder Kirschtorte packen können.
Wenn „echte Liebe“ nichts mehr zählt
geschrieben von Daniel Mertens in Dortmund BlogJetzt sind die Würfel gefallen - die Karten für das Champions-League-Finale sind verteilt. Und die Borussia hat sich dabei wieder einmal nicht mit gerade mit Ruhm bekleckert. Eine Bestandsaufnahme.
Über 500.000 Anfragen hat es nach BVB-Angaben für das Vereinskontingent von rund 24.000 Karten gegeben. Das klingt beeindruckend. Leider hat es der BVB - analog zu den Vergaben aus den Jahren 2008 und 2012 - verpasst, die Karten gerecht und fair zu verteilen. „Echte Liebe“ - das schreibt sich der Verein gerne auf die Fahnen. Doch wenn seine Fans ebendiese echte Liebe an den Tag legen, dann zeigt ihnen der Verein mitunter am Ende eines nebulösen Losverfahrens zum Dank die kalte Schulter.
Seit Mitte vergangener Woche wurden die Zu- und Absagen nach der Verlosung an die Bewerber verschickt. Zu der Kartenverteilung verkündete der BVB im Vorfeld auf seiner Internetseite:
„Das gesamte BVB-Kartenkontingent verteilt sich wie folgt: 80 Prozent für Mitglieder, Fanclubs und Dauerkartenbesitzer, 5 Prozent frei zugänglich, 10 Prozent für Sponsoren und Partner sowie 5 Prozent Best-Travel und Mitarbeiter.“
Ein Hohn waren die fünf Prozent für jedermann, also auch für Leute, die absolut keine Bindung an den Verein haben. Es kam, wie es kommen musste: Es gibt mittlerweile zahlreiche eBay-Angebote mit Karten aus dem Dortmunder Kontingent - und auch zahlreiche Bazis konnten sich über den BVB mit Karten eindecken. Das war großes Kino von der Borussia.
Bei der Bestellung der angeblich personengebundenen Karten konnte man sich für einen oder direkt zwei der begehrten Papierscheine bewerben. Hierbei mussten beide Personen mit Namen benannt werden, der Hauptbewerber konnte zusätzlich seine Dauerkarten- und Mitgliedsnummer mit angeben, um in den Pool der 80 Prozent zu rutschen. Das zweite große Kino der Borussia war der Punkt, dass in den Pool der 80 Prozent für Mitglieder und Dauerkartenbesitzer schließlich auch die mitbeworbenen Begleitpersonen eingeflossen sind, obwohl diese faktisch weder Mitglied noch Dauerkartenbesitzer sein mussten. Und so kamen zahlreiche Menschen in den Genuss einer Karte, die am 25. Mai teilweise zum ersten Mal ein Fußballstadion von innen sehen, während treue Auswärtsfahrer mitunter in die Röhre schauen. Ist das praktizierte echte Liebe? 500.000 Bewerber lassen sich von der Marketingabteilung des BVB natürlich erstklassig vermarkten, aber sollte es dem Verein, der sich stets auf seine Fans beruft, nicht ein Anliegen sein, dass diese auch für ihre Treue belohnt werden?
Für hoffentlich kommende Verlosungen von Finalkarten gibt es eine naheliegende faire Vergabepraxis, die nachfolgend für diese Saison spezifiziert dargestellt werden soll. Als besonderes Dankeschön für die Mühen sollten diejenigen, die den Verein nach Donezk (und daher auch nach Malaga) begleitet haben, mit einer Karte für das Finale belohnt werden. Auf der gleichen Stufe stehen die Inhaber von Auswärtsdauerkarten (ADK). In der Abstufung der nachfolgenden Vergabekriterien ist die Zahl der besuchten Champions-League-Auswärtsspiele von Relevanz: Von sechs Auswärtsspielen (wobei sich dies zu 99 % mit den ADK decken dürfte) bis herunter zu einem besuchten CL-Auswärtsspiel. Die Nachweise wären bei der Geschäftsstelle oder per E-Mail zu erbringen. Danach sollten Dauerkarten für das Westfalenstadion mit Champions-League-Option berücksichtigt werden, im Anschluss alle übrigen Dauerkarten und erst danach im vorletzten Schritt die Vereinsmitglieder. Erst danach wäre an einen freien Verkauf zu denken, wobei bis dahin vermutlich/hoffentlich schon alle Karten vergriffen sein dürften. Dies ist eine faire Vergabepraxis, mit der man zugleich den Schwarzmarkt weitgehend austrocknen könnte - zumindest was Karten aus dem BVB-Pool angeht. Denn welcher treue Auswärtsfahrer würde seine Finalkarte am Ende für 2.000 Euro verticken? Zu diskutieren wäre die Frage, ob es in der geschilderten Vergabe noch ein separates Kontingent für Fanclubs geben sollte. Eine abschließende Antwort kann ich an dieser Stelle darauf noch nicht geben.
Dieses Vorgehen wäre natürlich mit einem enormen Aufwand verbunden, aber wir sprechen hier andererseits auch nicht über Karten für das Finale im Westfalenpokal, sondern von einem Börsenunternehmen, das am wichtigsten Fußballspiel des Kontinents teilnehmen darf. Der gravierendste Nachteil dieses Plans ist jedoch: Man wird keine 500.000 Bewerbungen bekommen, die man - „Echte Liebe“ verachtend - medial prächtig verkaufen kann. Und das scheint dem BVB momentan - wie schon bei den DFB-Pokal-Endspielen 2008 und 2012 - einmal mehr wichtiger zu sein.
Formvollendetes Scheitern auf gewohnt hohem Niveau.
geschrieben von Thomas Pundrich in HONDO's WeltDer HSV nimmt nicht mehr den Fahrstuhl zum Schafott, warum auch, wenn man sich zum komplett Entblöden gleich aus dem Fenster stürzen kann.
Oliver Dittrich ist bekennender HSVer, einer der in Hamburg ansässigen Prominenten, der sich auch gerne und ausgiebig dazu bekennt, während es immer noch sog. Prominente gibt, die der paaadie-frömmelden Pseudo-Coolness im Wilhelm-Koch-Stadion hinterherhecheln.
Sein jüngstes Comedy-Projekt brachte eine Sportberichterstattung mit sich, die zwar zunächst ein echter Brüller vor dem Herren war, aber, dem geneigten HSV Anhänger blieb nach konkretem Nachdenken der Lacher irgendwie doch im Halse stecken. Dummerweise bin ich mittlerweile so negativ gestimmt, was das Handeln und Agieren des Vereines, der Organe und der um den Verein herumvagabundierenden Ex-Funktionäre und Möchtegerns betrifft, so dass man dem ruhmreichen HSV eine Verpflichtung des doppelbeinvergipsten und dauerverletzten Ex-Talents „Pipo“ ohne weiteres Achselzucken zutrauen würde.
Im übertragenen Sinne machen wir das ja auch schon tagtäglich und mit wachsender Begeisterung. Ich unterstelle Olli Dittrich einmal, dass sein „Pipo“-Sketch eine künstlerische Reflektion über den Gesamtzustand des HSV sein soll. Sollte es sich aber nur um blödmichelige Comedy handeln, möchte ich aber dennoch meine allerherzlichste Gratulation für diesen durchaus gelungenen Irrläufer aussprechen.
Es ist nicht nur der Umstand, dass wir dank der der Familie van der Vaart auf einmal in einer Hamburgisch-Niederländischen Trailerparktrash-Schmonzette wiederfanden, nein, die Ansammlung lieblos zusammengewürfelter Fußballarbeitnehmer, wusste uns HSV-Fans und das zunehmend ungläubig-staunende Fußballdeutschland, immer wieder zu überraschen, mit immer neu gearteten und kuriosen Leistungen auf dem Fußballplatz.
Neben den wirklich hanebüchenen Leistungen gegen die „unterklassigen“ Mannschaften aus dem sog. Tabellenkeller, wusste dieser sensationelle Auswärtskracher beim Deutschen Meister absolut zu begeistern. Es gibt für einen Fußballfan nichts, was für einen mehr beschämender ist, als wenn sein Team wie elf stoffelige Kamele über das Feld wankt, dabei aber wieder die sattsam bekannten große Rosinen im Gepäck hat und fröhlich mitwirkt, wie die Bayern vollkommen gerechtfertigt das Team vertrimmen.
Und wieder einmal mussten die Verantwortlichen beim HSV auf den vogelwilden Klepper des Grauens und des Irrsinns aufspringen. Grillen mit den Fans, als eine Art „Austausch“ und zur Wiedergutmachung. Ich kann mir nicht zusammenreimen, aus welchem Verließ in den Katakomben des Volksparkstadion die Idee für diese Aktion herausgekrochen gekommen ist. Was ich aber sicher weiß, ist, dass die Wach- und Schließgesellschaft besser auf die Schlüssel hätte achten sollen. Keiner fand dieses Grillfest im Vorwege erquickend. Was ist denn die mehr oder minder unverhohlene Message dahinter? Fans sind eine stumpfe Masse, die man mit Freibier, Fleischabfällen in Pelle und ein wenig Blabla abspeisen (sic!) kann. Natürlich kam es wie es kommen musste: es wurde eine getarnte Saisonabschlußfeier, bei der sich die notorischen Eventies natürlich das Recht einlösten, sich doch Autogramme der Spieler zu holen und sinnlose Fotos zu machen, mit „Stars“, die sowieso zum größten Teil zum 30.06 in die Fußnotenhistorie des HSV eingehen werden.
Das taten die Leute wissentlich entgegen der Verkündung von Verein und Mannschaft, folglich muss man annehmen, dass Trallala denen wichtiger ist, als ein respektabler Umgang im Verein und mit dem Verein.
Ich bin mir grundsätzlich nicht sicher, ob Fußballspieler überhaupt verstehen, worum es den Fans eigentlich geht. Wenn man einmal ganz unromantisch mitbekommt, was so Spieler von Fans halten, dass es sehr häufig so ist, dass sie die Fans für fette und versoffene Schweine halten, denen man nur das gehörige Maß an Industrieschauspielertum entgegenbringen muss, weil Fußballfans sind ja auch hohl, damit man selber in Ruhe seinem ausgefallenen Auto-, Frisuren, Tattoo- und Frauengeschmack frönen kann, hat man seine Zweifel, ob Themen wie „Auswärtsfahrt“, „Choreo basteln“ oder „Ehrenamt“ für Fußballspieler nicht unbekannte Wörter aus einer fremdsprachigen Galaxie sind.
Es gibt einige Standardfloskeln für den Fußballkommentator, die man in der Fibel „Gudnabendallerseits“ findet, die wohl jeder Volontär beim Dienstantritt in die Hand gedrückt bekommt. Der Routinier unter den Kommentatoren bewegt sich aber jenseits dieser Fibel und benutzt ungeheuer ausgefeilte und scheinbar selbst ausgedachte Floskeln. Die Leit-Floskel für den HSV war in dieser Saison die „Wundertüte“. Ich kann diesen Begriff „Wundertüte“ ganz gut nachvollziehen, ich bin mir aber nur nicht sicher, ob die Sportjournaille damit dasselbe meint, wie ich: möchte man landläufig en passant seine Verblüffung kundtun, bezüglich der wechselhaften sportlichen und spielerischen Fähigkeiten des zusammengetrommelten Spielermaterials, gehe ich in meiner Wundertütenbetrachtung doch etwas tiefer bzw. einfacher strukturiert.
Der gesamte Verein ist eine Wundertüte. Man bezahlt ein Heidengeld für einen verheißungsvollen Sack an gülden schimmernden Geschmeiden, bekommt aber am Ende nur eine Handvoll Glasperlen und Plastiktand heraus. Der Verein ist eine Spielwiese für Amateure, Politiker und Möchtegerns jeglicher Couleur und Qualifikation. Diese Saison neigt sich nun ihrem Ende entgegen und wir können nun fast zwei Jahre unter der Ägide Edgar Jarchow bilanzieren.
Da ich nun sowieso kein großer Freund unseres Vorstandvorsitzenden bin, ist es nicht überraschend, dass meine subjektive Bilanz komplett negativ ausfällt. Wir haben die Lizenz für die kommende Saison ohne Auflagen erhalten, dennoch ist man sich nicht so ganz schlüssig, wie groß denn nun das „Defizit“ bzw. der „Bilanzverlust“. Einstellig, zweistellig, Millionenbetrag, ja, schon klar, mal wird es bei den Senioren so gesagt, und ein anderes Mal wird es der Frau Kerhahn bei NDR 90,3 so zugeraunt.
Aber, alles erst einmal irgendwie „so“ in den Medien, bzw. bei Vereinsveranstaltungen, die ja per se (per Satzung), nicht dazu geeignet sind, die Mitgliedschaft über Ergebnisse solch qualitativ elementarer Art zu informieren.
Es ist also nicht nur eine gewisse Kommunikationsklippe zwischen den Fans und der Mannschaft vorhanden, nein, diese Kommunikationsklippe existiert auch quer durch die Mitgliedschaft und durch die Organe.
Der beste Beleg dafür war die flegelhafte Petitesse, die sich unser Sprecher des Aufsichtsrates, der Herr Ertel, geleistet hat. Umgangssprachlich firmiert der Sprecher des Aufsichtsrates seltsamerweise als „Boss“…Hier nun der „HSV-Boss“.
Herr Ertel reklamiert für sich aufgrund seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Spiegel-Redakteur, nicht nur eine Expertise im Umgang mit den Medien, sondern auch eine nicht näher bestimmte Exzellenz. Als Spiegel-Redakteur ist das für mich als Laien sogar nachvollziehbar, da ich dieses Nachrichtenmagazin als ein Stück journalistische Leitkultur in diesem Land erachte. Es hätte mich aber schon misstrauisch machen müssen, dass eben dieses Nachrichtenmagazin, unter Mordio und Zeter in den letzten zwei Jahren, eine Printredaktion und Internetredaktion unterhalten hat. Zwei Redaktionen, die sich jeweils missgünstig und eifersüchtig in die Inhalte gespuckt hat, angeführt von Chefredakteuren, die wohl „nicht gut miteinander konnten“.
Kommt man aus so einem Hause, ist es nicht verwunderlich, dass man seinen eigentlich „privat“ gedachten Facebook Account offen wie ein Scheunentor hat und sich danach verwundert und auch noch verärgert die Äuglein reibt, dass es „Vereinskameraden“ gibt, die genüsslich einen Babykackesturm entfachen, wenn man mal einen steinalten und zusätzlich enddoofen Witz über den Herrn Hoeneß „teilt“.
Es steht keinesfalls zur Debatte, ob der besagte „Bayern-Boss“ nun ein Krimineller oder einfach nur ein heuchlerischer Saftarsch ist, nein, zwei Fragen muss man sich stellen:
Geziemt sich solch ein Witz für einen „HSV-Boss“ überhaupt, egal in welcher Form und in welchem Kreis?
Kann man als HSV Mitglied nicht einfach eine dem Amt angemessene Medienkompetenz erwarten, als dass man, wenn man in ein Fettnäpfchen getreten ist, nicht umgehend dafür sorgt, dass die Sprenkel aufgenommen werden?
Ich denke „Nein“ und „Ja“.
Um das Chaos perfekt zu machen, äußerten sich diverse Aufsichtsratsmitglieder über die Medien zu diesem Thema, der Marketingvorstand Herr Hilke erzählte etwas von ersten begeisterten Sponsoren und die Krönung der Entblödung war ein „offener Brief“ eines gewissen Interessenkreises in der Mitgliedschaft, den sog. „HSV-Realos“. Dass man sich bemüßigt fühlt, sein Missfallen bezüglich des Fauxpas von Herrn Ertel kundzutun, ja, das geht in Ordnung, mache ich hier ja auch.
Es ist aber keinesfalls nachvollziehbar, dass man dazu aber eine etwas schräge Form wählen muss. Zutiefst unterwürfig kriecht man dem FCB in den Allerwertesten, als hätte der Penälerwitz die Dimension von Vaterlandsverrat und Blasphemie gehabt. Und wäre das alles nicht schon peinlich und affig genug, hat man diesen „offenen Brief“ mit einer gewissen Spur von (unfreiwilliger?) Ironie angereichert: Auf Facebook veröffentlicht, hat man zum „Unterschreiben“ via „Gefällt mir“ aufgerufen. Mit der ulkigen Konsequenz, dass die 67 Personen, die dieses Pamphlet auf der FB Seite der HSV-Realos, nun wiederum von empörten „Fundamentalisten“ entfroindet wurden.
Was bleibt festzuhalten: Das Klima im Verein und in der Mitgliedschaft ist komplett versaut. Das geht sogar so weit, dass Vereinsbedienstete, die wegen des Abganges von Bernd Hoffmann und Katja Kraus frohlockt hatten, nun nach zwei Jahren komplett ernüchtert sind und den aktuellen Verhältnissen den Grad „schlimmer“ testieren.
In den letzten zwei Jahren hat sich Vieles verändert. Nichts hat sich verbessert, wenige Dinge sind anders, die Mehrzahl an Umständen hat sich deutlich verschlechtert.
Die Mitgliedschaft ist daher umso mehr gefordert, sich zu einen und sich dann konstruktiv einzubringen. Sonst gibt es doch irgendwann mal den „alternativlosen“ Vorschlag, dem man dann doch ohne eigene Überzeugung zustimmen muss.
Es folgt… ein grundschulaufsatzmäßiger Blick in die Zukunft, oder mindestens der Versuch. Vor 15 Jahren hätte ich für eine erfolgreiche Sieben-Jahres-Prognose schreiben müssen, dass wir Stadion, Trainer und Status als Fahrstuhlmannschaft behalten würden. Heute sieht das ein wenig anders aus.

Wo wird der Sportclub in sieben Jahren seine Heimspiele austragen? Für die Antwort auf diese Frage braucht es nicht viel Fantasie, man muss nur Zeitung lesen. Aller Voraussicht nach werden wir in einem neuen Stadion am Rande des Freiburger Stadtflugplatzes spielen, mit zwei Zuschauerrängen und bis zu 35.000 Plätzen, wovon etwa 10.000 Stehplätze sein sollen. Die zwei spannendsten Fragen zum Stadion sind: Wird es eine bis unters Dach reichende Heim-Stehplatztribüne oder -kurve geben? Und wie wird das neue Stadion heißen? Ehrmann-Arena? Opel-Park? Oder vielleicht doch Achim-Stocker-Stadion? Mein Vorschlag an dieser Stelle: Nennt das Stadion doch mindestens für das erste Testspiel so, danach tut es von mir aus auch ein Sponsorenname. Hauptsache, wir Fans nennen das Stadion so, in den Medien kann dann gerne der offizielle Name zirkulieren. Der Name Achim-Stocker-Stadion wäre eine Würdigung der wichtigsten Persönlichkeit in der Geschichte unseres Sportclub. Dass sich Sponsorennamen bei den aktiven Fans sowieso nicht etablieren, sieht man am Beispiel Mainz, wo viele Fans anstelle von Coface-Arena lieber Stadion am Europakreisel sagen, obwohl es nie offiziell so hieß. Ein ganz anderer, sehr interessanter Vorschlag zur Namensgebung kommt übrigens von meinem Blogger-Kollegen Patrick.
Lieber Basset als Tiger - Trainersuche auf Schalke
geschrieben von Susanne Blondundblau in Kurvenstar 04Babbel, Benitez, Büskens, di Matteo, Favre, Heynckes, Jol, Labbadia, Moyes, Olsen, Schuster, Streich, Tuchel, Veh und Wenger sind in alphabethischer Reihenfolge und ohne Anspruch auf Vollständigkeit die Trainer, die im letzten halben Jahr bereits von den Medien mehr oder minder lautstark und fix mit Schalke in Verbindung gebracht wurden. Insofern dürfte uns der derzeitige Hype um die angebliche Verpflichtung des „Tigers“ Stefan Effenberg eigentlich nicht mehr erschrecken. Mir läuft es trotzdem eisig kalt den Rücken runter, wenn ich von unseren Verantwortlichen Aussagen wie „Ich wünsche mir das Bayern-Gen für Schalke“ (Heldt) lese.
Auch das nahezu augenblicklich einsetzende Lob-Gejaller ehemaliger bayrischer Weggefährten von Effenberg (von Kahn über Rummenigge bis hin zu Beckenbauer meldeten sich alle zu Wort) macht mich eher misstrauisch: Wenn der liebe Stefan doch so ein supidupigeiler Winnertyp ist, warum behaltet Ihr ihn dann nicht selber?! Schalke ist KEIN Idiotenhügel für ausgediente Bayernstars! Und wenn der Tiger doch so auf einen Trainerjob brennt und jederzeit bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, warum hat er dann nach dem Ende seiner aktiven Karriere fast ein Jahrzehnt verstreichen lassen, bis er den Trainerschein machte und sich stattdessen lieber damit beschäftigt, möglichst publicitywirksam seiner Ische die Zunge in den Hals zu stecken und ein bisschen den Sky-Cokommentator zu mimen?!

Nun kann es uns zwar grundsätzlich egal sein, welche privaten Vorlieben ein Trainer pflegt, aber ich persönlich muss neben dem ganzen „Skandal“-geschrei, das uns eh zuverlässig an den Hacken klebt, nicht noch einen Trainer haben, der regelmäßig in den Klatschspalten auftaucht. Sehr viel wichtiger ist aber die fehlende sportliche Qualifikation:
Effenberg. Hat. KEINE. Erfahrung. Als. Trainer. Nichts, null, nada, niente. Und da reicht es für einen Club mit CL-Ambitionen eben nicht aus, wenn man vor mehr als einem Jahrzehnt unbestritten ein sehr guter Fußballer war und mit einigen hervorragenden Trainern zusammengearbeitet hat. Erfolg als Spieler garantiert noch lange keinen Erfolg als Trainer (Loddar wird es bestätigen können, auch Olaf Thon hat da sicher eine Meinung zu) und umgekehrt. Mit Jürgen Klopp war der derzeit wohl beste Trainer der Liga zu seinen aktiven Zeiten bestenfalls Zweitligadurchschnitt.
Alle, die jetzt Effenberg pushen wollen, verweisen auf seine Leaderqualitäten – daher meine Frage: Wo bitteschön hat er die denn außerhalb des Platzes jemals bewiesen? Die „Initiative Borussia“ ist jedenfalls kläglich gescheitert und anstelle von Nehmerqualitäten kam beim Abgang eine Menge beleidigte Leberwurst durch.

Apropos Nehmerqualitäten: Wir haben einen Trainer, der genau diese bereits bewiesen hat. Jens Keller hatte eigentlich bei Medien wie Fans keine Chance, aber die hat er genutzt, obwohl direkt kübelweise Häme über ihm ausgegossen wurde. „Mit Keller in den Keller“ und „Das Gesicht der Krise“ waren nur einige der Schlagzeilen, mit denen er bedacht wurde – er hat sich davon nicht beirren lassen und kontinuierlich Punkte gesammelt, die Schalke zur drittbesten Mannschaft der Rückrunde machten (mehr war angesichts der Form der beiden Unaussprechlichen und unseres Verletzungspechs nicht drin) und gute Chancen auf den wichtigen CL-Quali-Platz lassen. Ja, er guckt immer wie ein trauriger Basset, dem man gerade sein Futter geklaut hat, und ich hätte auch nichts gegen eine etwas mitreißendere Mimik einzuwenden. Aber er ist bereits deutlich lebhafter am Spielfeldrand geworden – und sämtliche Signale aus der Mannschaft und von Trainingskiebitzen weisen darauf hin, dass er die Mannschaft vernünftig anspricht und erreicht und das sollte wichtiger sein als ein möglichst großspuriges Auftreten vor den Kameras dieser Welt. Wir haben bereits genug verbal Inkontinente in unseren Reihen, wie man bei der Trainersuche „wir wissen, mit wem wir zusammenarbeiten“ – „ach was, es ist noch nichts entschieden“ wieder einmal beispielhaft sehen konnte. Dann lieber die zurückhaltenden, aber durchaus witzigen Antworten von Keller, der die Journalisten bei der Frage nach Effenberg cool beschied „er kann sich ja dann neben Veh setzen!“ Bei den teilweise grotesken Spekulationen um seinen Job und den wenig zielführenden Aussagen von Heldt und Tönnies wäre längst nicht jeder so relaxt geblieben. Und der preisgekrönte Film „Schiffbruch mit Tiger“ ist erst einige Monate alt, da muss Schalke noch kein Remake drehen.
Keller hat sich durch sein beharrliches Arbeiten in den letzten Monaten den Respekt vieler Schalkefans erworben, er kennt die Mannschaft, die hochtalentierte B-Jugend und das Umfeld – und zu Guter Letzt dürfte er trotz seiner Trainererfahrung deutlich billiger sein als Stefan Effenberg, Geld, das Schalke gut gebrauchen kann. Zudem garantieren auch andere, größere Trainernamen keinen Erfolg im Schalker Biotop. Die Frage, ob Jens Keller der Richtige ist, ob man ihm zutraut, Schalke zu trainieren, kann nicht von Platz 4 oder 5 abhängen. Und es wäre wirklich einmal an der Zeit, einen Trainer, der bereits ansatzweise beweisen konnte, dass er „Schalke kann“ einmal kontinuierlich arbeiten zu lassen und nicht wieder beim kleinsten Gegenwind oder bereits vorauseilend einzuknicken, um mit vermeintlich „großen Lösungen“ spektakulär und teuer auf die Schnauze zu fliegen. Ein Basset brüllt vielleicht nicht so furchteinflößend wie ein Tiger, dafür ist er ausdauernder und familientauglicher – und endet seltener als Bettvorleger.
PRO JENS KELLER AUF SCHALKE!
Blau-weiße Grüße
Susanne Blondundblau
Der Glubb ist nun mal der Glubb
geschrieben von Tamara Braunegger in Alles für den GlubbAm 04.05.1900 erblickte der Glubb das Licht der Welt. Morgen vor 113 Jahren wurde unser Ruhmreicher geboren.
Während dieser 113 Jahre ist viel geschehen beim 1. FC Nürnberg e.V. Die glorreichen Zeiten hat der Glubb hinter sich. Ob wir je wieder eine Deutsche Meisterschaft miterleben werden, steht in den Sternen. Für mich persönlich wäre das natürlich der allergrößte Wunsch, die 10. Meisterschaft feiern zu dürfen. Dazu müsste man allerdings einige Vereine aus der Liga verbannen, um diesen Traum verwirklichen zu können... Also träumen wir weiter und wer weiß - eines Tages - stehen wir mit der Schale am Hauptmarkt und lassen es so richtig krachen. Es wäre auch wirklich toll, wenn an diesem Tag keine einzige Sendung über Luchse ausgestrahlt werden würde ;-)
Bis es aber soweit ist, sollten wir erstmal versuchen, die laufende Saison gut hinter uns zu bringen. Morgen ist die Mannschaft aus Leverkusen zu Gast im Max Morlock Stadion. Das bereitet nicht nur mir Bauchschmerzen. Nach den desolaten Leistungen gegen die Westvorstadt und den Retortenverein des Dietmar Hopp wird mir ganz übel, wenn ich an morgen denke. Der Glubb ist nun mal der Glubb und der Glubb schafft oft das Unmögliche. Leider im negativen Sinne... Wir sind noch nicht ganz durch und die Relegation könnte auf blöd noch winken. Klar, in den letzten Jahren haben wir uns in der Relegation gut geschlagen aber jede Serie hat einmal ein Ende... Und wie schon erwähnt, der Glubb ist nun mal der Glubb...
113 Jahre Glubb - da sollten sich alle Akteure auf dem Rasen zusammen reißen und uns allen das schönste Geschenk bescheren. 3 Punkte zum Geburtstag wären schon grandios. Also Arsch aufreißen und Kampfgeist und Siegeswillen beweisen! Hier ein Zitat von Michael Wiesinger (den kompletten Text könnt ihr auf der Glubb-Homepage nachlesen):
"Wille, Leidenschaft, Handlungsschnelligkeit, Situationen erfassen können. Wir sind jetzt gefordert. Dem müssen wir uns stellen. Jeder muss jetzt Farbe bekennen", so der Club-Trainer. "Wir als Mannschaft müssen das Gefühl vermitteln, dass wir diese Niederlagen vergessen machen wollen. Wir wollen wieder eine positive Serie starten."
Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube...
Wobei vielleicht doch noch Hoffnung besteht. Unsere Freunde vom FC Everton sind momentan zu Besuch. Beim Hinspiel in Hamburg haben sie uns Glück gebracht :-) War aber glaub ich auch, das erste Mal, dass wir mit den Jungs im Stadion nicht verloren haben *g* Ich freu mich auf jeden Fall, dass sie erneut den Weg von meiner Lieblings-Insel zu uns nach Nürnberg angetreten sind. Wenn wir morgen wahrscheinlich eh nix zu Feiern haben, ziehen wir das einfach auf heute vor!
EFC and FCN! Welcome back, guys!
Lassen wir uns überraschen, welches Geschenk der Glubb uns und auch sich selbst am morgigen Geburtstag macht...
Im Übrigen feiert auch das Ya Basta Team Geburtstag. 6 Jahre lang begleitet uns das Heft nun schon durch den Glubb-Alltag. Beim morgigen Heimspiel könnt ihr Ausgabe 36 bei den üblichen Verdächtigen erstehen. Hier ein kleiner Vorgeschmack auf die aktuelle Ausgabe:
★ 6 Jahre Ya Basta! Teil 6: 2012/2013
★ Titelthema: Zaunfahnenkultur
★ Spielberichte
★ Szene News
★ Lesestoff & Flimmerkiste (Fanzine- und Buchbesprechungen, Sky-Doku)
★ RSH
★ Staatsfeinde (Texte: Wir machen auch Hausbesuche // Absicht oder Zufall – Die Rolle der Polizei in München)
★ Sicherheit kostet Menschenleben
★ Förderkreis Choreographien – Bilder Making of
★ Meine Stadt Spezial (Der Nürnberger Trichter – Mythos oder Realität)
★ Amici (Neues von unseren Freunden, 10 Jahre UN + UGE, Rückblick: Hugos sind nicht auszulöschen, Tourbericht Larissa, Spielberichte Schalke – Dortmund, Galatasaray – Schalke, Nyköpings – Göteborg)
★ Seitenblick („Blut muss fließen" – Ein Journalist wagt sich in die Neonazi-Szene)
★ Auswärtsblock
Und wer noch nicht genug Lektüre hat, kann sich beim Hefdla-Hannes oder bei mir im Fanprojekt-Container die restlichen Ausgaben des aktuellen Daggl holen. First come, first serve.
Das war´s für heute. In diesem Sinne: schönen Gruß an alle Gegner - Tradition kann man nicht kaufen!
Reisereport, Teil 3: Das große Zittern hoch über dem Rasen
geschrieben von Daniel Mertens in Dortmund BlogEndlich ist es soweit. Schier endlos kam mir die Woche seit dem Hinspiel vor. Doch nun, endlich, ist er da, der Tag der Entscheidung: Einzug ins Finale oder das Ende einer ohnehin schon überaus erfolgreichen Champions-League-Saison? Zunächst schlendern wir noch ein wenig durch Madrid. Festzuhalten bleibt dabei: Der Madrilene an sich kennt kaum Berührungsängste, überall werden wir ob unserer schwarz-gelben Kluft angesprochen. Dabei gibt man uns oftmals per Finger deutlich zu verstehen, dass Real uns am Abend wahlweise mit drei oder vier zu null schlagen wird. Aha, wenn die hier alle so überzeugt sind, wieso wetten die Leute dann nicht darauf? Doch so sehr uns die Madrilenen auf der Straße schließlich auch unser Ausscheiden weis machen wollen, so treten sie uns gegenüber doch stets freundlich auf, nie die Grenze des Anstandes überschreitend. Ja, sie sind gute Gastgeber, diese Hauptstädter. Und hier und da wird uns auch ein nach oben zeigender Daumen entgegen gestreckt - selbst von ein, zwei Polizisten. Die Atletico-Fans sind also auf unserer Seite.
Der Spieltag soll nun aber erst einmal mit einem typisch spanischen Frühstück beginnen - mit hamburguesa con queso, einem Cheeseburger bei McDonald's. Danach treffen wir uns mit den letzten Nachzüglern unseres Fanclubs, ehe wir uns dann alle vereint im mit Dortmundern bevölkerten Irish Pub „Dubliners“ (Calle de Espoz y Mina, 7, Madrid) auf das Spiel am Abend einstimmen. Irgendwann werden die alten Charts aus den Lautsprechern verdrängt und es ertönen schwarz-gelbe Fanlieder - dem Wirt war zuvor eine CD zugesteckt worden.
Um kurz vor 5 machen wir uns endlich auf den Weg zum Stadion. Es ist wirklich unglaublich, wie ein solch beeindruckendes Bauwerk einfach mal mitten in der Stadt liegen kann, quasi mitten an einer Kreuzung. Nach intensiven, aber gut organisierten Eingangskontrollen geht es per Rolltreppe hoch in den Gästeblock - unserer befand sich im fünften(!) Rang unter dem Dach, gefühlte 150 Meter über dem Spielfeld. Ich bin zum ersten Mal in diesem Stadion, und ich muss sagen: Wenn das Stadion von außen beeindruckend ist, so verschlägt es einem innendrin regelrecht die Sprache. Dachte ich bis dahin, die Ränge im Westfalenstadion wären steil, so werde ich hier eines Besseren belehrt. Das Bernabeu-Stadion lässt sich kaum in Worten erklären, es ist einfach ein sehr geiles Stadion.
Und dann prallen im Gästeblock zwei Welten aufeinander: Die Supporter-Fans auf der einen Seite und die erlebnisorientierten Tagesfahrer auf der anderen Seite. 500 Euro haben die Letztgenannten im BVB-eigenen Reisebüro (BEST) auf den Tisch gelegt, um ihrer Mannschaft für einen Tagesausflug all inclusive nach Madrid im Charterflieger folgen zu können. Leider hat es sich entweder bis zu ihnen nicht durchgesprochen oder - was ich aufgrund der Gespräche eher annehme - es ist ihnen egal, dass im Auswärtsblock faktisch Anarchie herrscht. Jeder sitzt oder steht dort, wo er will - trotz fest zugewiesenen Platzes. Leider bestanden die Damen und Herren jedoch, als sie den Block erreichten, zunächst oftmals penetrant darauf, auch den Platz zu bekommen, der auf ihrer Eintrittskarte ausgewiesen ist. Durch gutes Zureden verstanden oder zumindest akzeptierten letztlich auch unsere BESTler die herrschende Anarchie, dass der Block von den Ultras ausgehend rechts und links nach dem Zeitpunkt des Eintreffens aufgefüllt wird.
Abzüge in der B-Note gibt es für das Stadion übrigens für die Akustik: Die Stadionlautsprecher dröhnen mit gefühlten 17.000 Dezibel über unseren Köpfen und dazu wird Musik gespielt, die einen eher eine Disko- als eine Fußballkugel erwarten lässt. Sei’s drum. Scheißegal, Borussia Dortmund international! Zu Spielbeginn nehmen auch die Heizstrahler unter dem Tribünendach ihre Arbeit auf und heizen dem Gästeblock ordentlich ein. Dem Support tut dies jedoch keinen Abbruch. Real legt auf dem Rasen los wie die Feuerwehr, wir tun es auf den Rängen. Roman Weidenfeller wächst über sich hinaus, blankes Entsetzen jedoch bei unseren wenigen vergebenen Chancen.
Die Anspannung wächst. Jede Minute des Spiels vergeht wie in Zeitlupe. Noch 89 Minuten. Noch 75. Noch 65. Noch 50. Halbzeit. Noch 44. Noch 39. Noch 25. Noch 15. Noch 10. Dann plötzlich die Explosion. Als ich selbst mich bereits bei dem Gedanken ertappe, dass der Finaleinzug wohl eingetütet ist, trifft Benzema in der 82. Minute doch noch zum 1:0. Das Stadion verwandelt sich in einen Hexenkessel und ich denke sofort: Fällt hier noch ein Tor, dann war es das wohl, dann wird auch das dritte fallen - und wir sind doch noch raus! Dagegenhalten! Borussia! Borussia! Es bleibt beim 1:0, irgendwie. Doch dann trifft Ramos zum 2:0. Ich kann es nicht fassen - und in dieser Sekunde bin ich mir sicher: So wie das hier läuft, wird auch das dritte Tor noch fallen! Das scheinen auch viele, wenn nicht gar alle, der mitgereisten 8.000 Dortmunder zu denken. Ich schaue mich um - und blicke in erstarrte Gesichter. Support scheint nur noch sporadisch möglich, alle sind wie gelähmt. Zum ersten Mal überlege ich, den Block vor dem Spielende zu verlassen. Der Spielverlauf zehrt einfach zu sehr an meinen Nerven. Der große Traum von Wembley - zerplatzt er hier? Er zerplatzt! Sekunden vergehen wie Stunden, die Zeit spielt für Real. Nur noch irgendwie die letzten Minuten überstehen. Ballverlust Real, ab zur Eckfahne, Zeitgewinn. Fünf Minuten Nachspielzeit. Die weggedroschenen Bälle kommen schneller zurück als erwünscht. Noch einmal auswechseln. Verdammt, es muss doch gleich rum sein. Mein Vordermann reckt mir die mittlerweile handgestoppte Nachspielzeit entgegen, 4:38 Minuten. Noch 20 Sekunden. Los jetzt, keinen Fehler mehr machen. Und dann, Aus! Schlusspfiff! Es ist vollbracht. Ich kann zunächst nicht jubeln, mein Körper scheint nur aus Adrenalin zu bestehen. Erst nach und nach beginne ich zu realisieren, dass meine Borussia im Finale der Champions League steht. FINAAAALEE, OHOOO. Ich stimme mit ein. Auch ich beginne zu feiern. Und schließlich bringen mich unsere BESTler auch noch zum Schmunzeln, als sie ob der üblichen Blocksperre ganz nervös fragen, ob denn die bereitstehenden Busse auch auf sie warten würden.
Völlig erleichtern ziehe ich mit meinen Leuten zurück ins Hostel. Nach einer kurzen Nacht machen wir uns am Mittwochfrüh um fünf Uhr auf den Rückweg zurück in die Heimat. Um 1 Uhr am Donnerstagfrüh kommen wir schließlich zwar erschöpft, aber überglücklich an.
Am 25. Mai geht es nun nach Wembley - und wenn wir wirklich den Titel holen, dann wartet im Dezember die Klub-Weltmeisterschaft in Marokko. Das sind von Dortmund aus über 3000 Kilometer. Die kann man im Auto zurücklegen. Noch ist es nur eine Schnapsidee...
Ende der Serie.