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Samstag, 09 Februar 2013 14:19

Ein Tag im Mai 2013 - Folge 3/21

geschrieben von in 360°-Pass

Ein Tag im Mai 2013 Folge 3 von 21Und so nahm die Geschichte ihren Lauf. Dynamo Dresden hieß der Gegner im nächsten Spiel. Kein Aufeinandertreffen, das in die Geschichte eingehen sollte, aber Balsam auf das strapazierte FCK-Nervenkostüm. Nach 45 Minuten führten wir schon mit 5:0 – alle Abseitstore mitgezählt. Ohne leider nur 2:0. Baumjohann hatte Bock, das ist allgemein nicht die schlechteste Voraussetzung. Nur seine Vorlage zum 2:0 war schon das Eintrittsgeld wert. Idrissou vollendete, nachdem er zuvor auf dem besten Weg zum alleinigen Weltrekordhalter war: für die meisten Abseitsstellungen in einem Spiel.

Aber von vorne:

Karl sorgte für das zwischenzeitliche 1:0. Der eiserne Karl. Er bringt all das mit, was man als Identifikationsfigur auf dem Betzenberg braucht. Der Harry Koch der Neuzeit. Nur ohne Locken und mit mehr fußballerischem Talent ausgestattet. Kultfigur nach 2 Spielen, so schnell geht das. Heute braucht es nicht mehr viel, um ein Held zu werden. Ebenso schnell geht es in die andere Richtung. Idrissou stand gerade genau auf dieser Kippe: zwischen Held und Sündenbock. Das laute Stöhnen nach jedem vertändelten Ball und jeder unnötigen Abseitsstellung auf der einen, der unbändige Einsatz für die Mannschaft und die Torjägerqualitäten auf der anderen Seite.

Jimmy Hoffer ist noch einer von denen, die auf der Heldenseite standen. Ich hätte mein Leben darauf gewettet, dass er noch trifft. Die langgezogenen Jimmy-Rufe nach jeder Ballberührung müssen einen Dopamin-Rausch in ihm auslösen, die wie die Kohle für eine Dampflok wirken. Das wusste er in der 81. Minute zu nutzen. 3:0 durch Jimmy Hoffer.

Es ist müßig, zu viele Worte über das Spiel zu verlieren. Dresden war kein Gegner auf Augenhöhe. Man hatte vor dem Spiel schon so ein Gefühl, dass da nichts schief gehen kann. Flutlichtspiel, erstes Heimspiel im Jahr und viele kleine Dinge ließen ein Gefühl entstehen: Siegesgewissheit. Das kennt vermutlich jeder von sich selbst. Ich bilde mir zumindest ein, ein untrügerisches Gefühl dafür zu haben, wie die Spiele ausgehen. Ich spüre, wenn ein gutes Spiel bevorsteht. Rationale Argumente dafür? Man hat’s einfach im Urin – zumindest dieses Mal behielt ich mal Recht.

Na gut, wir haben sie nicht gnadenlos abgeschossen, aber so ein 3:0 ist ein gefühltes 6:0. Die Zeichen standen einfach passend. Wie die richtige Konstellation von Planeten, die für Sonnenfinsternis sorgen. Damals 2010 gegen Bayern war das zum Beispiel der Fall. Es war klar, dass es eine Sonnenfinsternis geben würde – für die Bayern.

Nun war das Spiel gegen Dresden keins vom Ausmaß einer Sonnenfinsternis. Das einzige, was mit absoluter Sicherheit als finster bezeichnet werden konnte, waren die Köpfe einiger Dresden-Anhänger. Viel Schatten, wenig Licht: Sonnenfinsternis im Kopf. Was soll man sonst dazu sagen, wenn wild gewordene Zombies Busse überfallen, Scheiben einschlagen und Menschen herauszerren?

Nach der Partie sprach man vom besten Spiel der Saison. Das war es tatsächlich, doch war da noch eine Menge Luft nach oben. Trotz der hohen Qualität war es doch stellenweise eine hohe Fehlpassquote, die vielen die Nerven raubte. Hingegen schonte Chris Löwe hinten links viele dieser Nerven - im Vergleich zu seinem Vorgänger. Dominique Heintz, unser Lucio aus der Pfalz, das Bollwerk in der Abwehr. Torrejon spielte Dresdens Sturm mit spanischen Pirrouetten schwindlig. Weiser hatte noch Probleme mit der Effizienz: Gerade Spielertypen mit seinen (vermeintlich) hohen spielerischen Veranlagungen haben es in der Pfalz oft schwer, wenn die Realität nicht mit der Erwartung übereinstimmt. Einem Christopher Drazan merkte man an, dass ihm noch Selbstvertrauen fehlte. Ein Junge, der Streicheleinheiten braucht, um sein volles Potenzial abrufen zu können – so zumindest mein Eindruck. Zu Markus Karl muss man nicht viel sagen. Noch mehr solcher Spiele von ihm und wir spielen vielleicht bald schon im Markus-Karl Stadion. Bunjaku unermüdlich. Ihm hätte man ein Erfolgserlebnis gegönnt. Und auch sonst fiel leistungsmäßig kein Spieler aus dieser kompakten Elf ab.

Der Abstand zu Platz 2 sollte allmählich kleiner werden. Noch war kein Zittern in Berlin oder Braunschweig zu vernehmen, aber es wurde doch langsam deutlich, dass sich die Spitzenreiter zu früh auf der Ziellinie wähnten. Siegesgewissheit kann halt auch manchmal täuschen.

In Duisburg sollte das nächste Kapitel geschrieben werden. Der Ort, an dem noch eine Rechnung offen war. Hatte sich der FCK doch im Viertelfinale des DFB Pokals 2011 mit 2:0 düpieren lassen und sich somit der realistischen Chance auf einen Durchmarsch bis zum Finale selbst beraubt – in dem eben dieser MSV Duisburg schließlich landete.

Ein optimistisches Gefühl machte sich langsam breit. Die ersten beiden Plätze sollten noch lange nicht vergeben sein, denn spätestens seit 2008 wussten wir: Wenn eine Mannschaft prädestiniert für Aufholjagden ist, dann der FCK.


Fortsetzung wie immer hier: 
Dreihundertsechzig

Dienstag, 05 Februar 2013 12:15

Ein Tag im Mai 2013 - Folge 2/21

geschrieben von in 360°-Pass

Ein Tag im Mai 2013 Folge 2 von 21

 

Zugegeben: Ich bin einer von denen, die faul auf dem Sofa sitzen, statt die Mannschaft im Stadion zu unterstützen – zumindest an diesem Montagabend. Montagsspiele sind grausam. Das Wochenende ist der heilige Rahmen des Fußballs. Der Montag das gefühlte Nachsitzen, weil man es letztes Jahr verbockt hat. Der FCK genießt immer noch hohes Ansehen in Fußballdeutschland, und so erwischt uns das Schicksal des Montagsspiels umso häufiger. Masochistisch angehaucht, wie man als FCK-Fan nun mal sein muss, ziehe ich mir den halbstündigen Vorbericht auf Sport1 rein. Schließlich ist ja heute „Fußballexperte“ Peter Neururer zu Gast. Ich überlege kurz, ob ich den Ton ausschalte, komme aber dann schnell zu einem Entschluss: Wenn schon leiden, dann die volle Dröhnung. Der Ton bleibt an.

Diese Montagsspiele haben ja auch ihr Gutes. Man sitzt am Samstagabend mit Kollegen zusammen, macht sich über Schalkes Niederlage gegen Fürth lustig, spottet über alle anderen Klubs und muss außer ein: „Guckt lieber auf Euch“ nicht mit viel Gegenwind rechnen. Unser Spiel ist ja erst am Montag. Es ist so, als wenn man auf eine Geburtstagsfeier kommt, alle Getränke leer sind, die ersten schon gehen und Rausschmeißer-Musik läuft  – dieses elende Montagsspiel; mit Peter Neururer an den Turntables.

Der Wahrsagerguru

Sicher, ich könnte auch Sky gucken, doch macht es das wirklich besser? Pest oder Cholera. Sky oder Sport1? Ich beginne bei Sport1 (gibt es jemanden der das wirklich so nennt? Für mich bleibt es DSF). Der Vorbericht dreht sich um das Chaos bei 1860. Das Leid des Einen ist doch auch irgendwie die Freude des Anderen. Besser als jede Soap. Die folgende Szene hätte Potenzial für den Jahresrückblick 2013. Der Aufsichtsratschef von 1860 kommt zu Wort und erläutert: Man sei nicht der ruhigste Klub Deutschlands, aber das wolle man auch gar nicht werden. Es ginge nur darum, das „Chaos zu kultivieren“. Bravo. Ich versuche an seinem Gesichtsausdruck abzulesen, ob er das auch selber glaubt, was er da gerade von sich gibt – ja, offensichtlich. Es geht zurück zu Peter Neururer – in Fachkreisen auch der Wahrsagerguru genannt. Seine Vermutung: Es ist ein Endspiel für 1860. In jedem Fall bekämen wir ein torreiches Spiel zu sehen.

Fürs erste reicht es mit DSF – ich zappe auf Sky. Ein prüfender Blick auf die Zahl am Receiver. Nein, es muss tatsächlich Sky sein. Zuletzt hat man immer mehr die Vermutung, auf RTL Now gelandet zu sein. Moderatoren sind ja jetzt ja out – hübsche Moderatorinnen geben mehr her, auch wenn es von Sky offiziell als Emanzipation verkauft wird, nehme ich doch irgendwie genau das Gegenteil davon wahr. Na gut, immerhin ist es optisch ansprechender als das Moderatoren-Team auf DSF (Achtung, war das jetzt etwa schon Sexismus??), aber der tiefste Fußballsachverstand ist hier auch nicht zu Hause.

Batman – bist du es?

Irgendwann fing tatsächlich noch das Spiel an. Lautern startete mit vier neuen in der Startelf, 1860 mit drei neuen. Offensichtlich unter anderem mit Batman als Kapitän bei der Seitenwahl – Irrtum, es ist doch nur Daniel Bierofka mit Doppel-Carbonmaske. Ich entschied mich ab Minute 6 wieder für DSF, der Masochismus hat sich durchgesetzt. Das Spiel plätschert so vor sich hin, der größte Aufreger bis zur 10. Minute? Der Kommentar behauptet, Markus Karl wäre vom FC Ingolstadt gekommen. Unterdessen erblicke ich ein 1860-Three Lions Banner hinter dem Tor der 60er. Sven-Göran du alter Fuchs.

In der 15. Minute rettet uns Sippel vor dem sicheren Gegentor. In der 24. tut es die Latte und in der 31. Minute ist es ein überirrdisches Wunder, dass uns davor beschützt mit nur noch 10 Mann auf dem Platz zu stehen. In der Wiederholung des Ellbogenchecks von Idrissou meine ich den fliegenden Zahn erkennen zu können. Die Zweikampfstatistik weist 65% gewonnene Zweikämpfe für 1860 München aus. Ich wünsche mir zwischenzeitlich die Winterpause zurück. Neues Leben vermag mir nur Peter Neururer mit seinem scharfsinnigen Kommentar in der 42. Minute einzuhauchen: „Die Spieler machen sich nun bereit, um sich neue Instruktionen einzuholen.“ Und wie sie das machen…

Schneider vs. Sedlaczek

Die Halbzeitpause ist wieder Sky gewidmet. 1860-Präsident Schneider wolle sich nun vermehrt auf das sportliche Geschehen konzentrieren, so sagt er im Interview. Er beginnt damit, sich 10 Minuten von Esther Sedlaczek nach dem Hik-Hak um Ismaik ausquetschen zu lassen. 1:0 für Esther. Einen kleinen Punktsieg erzielt Schneider dann doch noch, als er drauf hinweist, dass Dubai nicht mit Abu Dhabi zu verwechseln ist. Er wirkt so zufrieden, wie lange nicht mehr.

Das Spiel geht weiter. Die lautstarke Unterstützung der Lauterer Anhänger wird unterbrochen von einem weiteren scharfsinnigen Kommentar des „Fußballexperten“ Peter Neururer. Idrissou’s Stärke sei vor allem, dass er sich keine Gedanken mache, egal ob er trifft oder nicht trifft – ähnliches vermutet man auch bei Peter Neururer selbst.

Das Spiel wird fahrig. Vier neue in der Startelf wirken sich merklich auf die Eingespielheit aus: Markus Karl, der inzwischen auch vom Moderator korrigiert, von Union Berlin kam, ist unser bester Mann. Robust, passsicher, präsent. Benny Köhler merkt man die fehlende Spielpraxis an, Löwe macht seine Sache hinten links souverän und Mitchell Weiser versucht sich zu oft als Robben-Double. Leben kommt auf einmal in die Bude, als Jimmy „die Dampflok“ Hoffer eingewechselt wird. Die langgezogenen Jimmyyy-Rufe bringen ein wenig Feuer in die abgeflachte Partie.

Wir schreiben die 68. Minute. Der Moderator erinnert noch einmal wortwörtlich an den „Wahrsagerguru Peter Neururer“, dessen Prognose eines torreichen Spiels sich bislang ins Gegenteil umkehrte. Das ist für Peter aber kein Grund, seine These noch einmal auszubauen: „Es bleibt auf keinen Fall 0:0.“ Und als ob es nicht genug wäre, betont er den Satz ein zweites Mal: „auf keinen Fall 0:0.“ Der Moderator huldigt seinen Worten: „Wir wissen das es kein Unentschieden gibt, weil Peter das Gegenteil behauptet“. Sei gepriesen, du heiliger Peter.

Das Tor steht in der Mitte.

In der 84. Minuten entdeckt Neururer nun endlich den Grund für das torlose Spiel: Er stellt fest, dass das Tor in der Mitte steht und man deswegen auch durch die Mitte spielen muss. Hätten die Spieler das doch nur vorher gewusst. Der FCK bereitet seinen letzten Wechsel vor. Franco Foda scheint einen emotionalen Wutausbruch zu erleiden, als dies nicht auf Anhieb klappt. Ohnehin wirkt unser Trainer heute mit Baumwollstrickschal statt Seidenumhängsel deutlich mehr FCK-like.

Und das Wunder sollte geschehen. Idrissou stand noch auf dem Platz und folgende Szenerie ereignete sich in Minute 87: Flanke Drazan, verunglückte Abwehr von Kiraly, erster Ballkontakt Florian Riedel und drin ist das Ding. Umarmungen, wilder Jubel, frenetisches Gehüpfe – bei Peter Neururer, der endlich sein prognostiziertes Tor bekommt. Florian Riedel freut sich auch.

Abpfiff.

Die Erleichterung ist bis ins Wohnzimmer zu spüren – vor allem bei Franco Foda, auch wenn seine Aussagen etwas vom Siegtreffer überstrahlt klingen. Florian Riedel spricht danach aus, was alle gesehen haben: „80 Minuten Grottenkick, aber trotzdem gewonnen“. Sein Geheimrezept gibt er auch noch preis: „Pfälzer Saumagen.“ Peter Neururer ist zwar nicht mehr zu hören, aber diesen Geheimtipp hat er sich notiert. Pfälzer Saumagen – hätten wir das doch nur vorher gewusst.

Fortsetzung wie immer hier: Dreihundertsechzig

Montag, 04 Februar 2013 16:43

"Meet the champions" in Potsdam

geschrieben von in Frauengeschichten

Am letzten Wochenende stand das letzte Hallenturnier der Saison auf dem Plan. Nach den Turnieren in Jöllenbeck und Magdeburg ging die Reise dieses Mal nach Potsdam, also quasi vor der eigenen Haustür. Turbine Potsdam lud zum 1. Internationalen Hallenturnier oder auf neu deutsch „Meet the champions“- Cup. Eingeladen hatte der deutsche Meister Mannschaften, mit denen man ein freundschaftliches Verhältnis pflegt und gegen die man in der Vergangenheit interessante Spiele ausgetragen hatte. Im Vorfeld ließ der Verein verlauten, dass es nicht nur um den Sport ginge, sondern um sich auch auf solch einer Ebene mit anderen Mannschaften zu treffen und die Freundschaften zu pflegen.

Insgesamt traten acht Mannschaften im Kampf um den Pokal an. Es waren der dänische Meister Bröndby IF, der tschechische Meister Sparta Prag, der Meister aus Österreich NöSV Neulengbach und Schottlands Meister Glasgow City FC verteten. Dazu noch der ehemalige polnische Meister KS AZS Wroclaw, sowie der ehemalige schwedische Meister Djurgardens IF und Finnlands Meister FC Honka Espoo.

Teil.2 des Interviews mit Martin Gerster. Wer Teil.1 verpasst hat, sollte sich über folgenden Link noch einmal kurz einlesen.

Teil.1 des Interviews mit Martin Gerster

Und hier wie angekündigt der 2.Teil des großen Interviews.

5. Was halten Sie generell von der Berichterstattung der Medien, von Taliban bis Kriegszustand in Stadien waren schon alle Extreme dabei?

Ich halte das – wie gesagt – für überzogen. Vorhandene Probleme sollten nicht kleingeredet werden, aber Hysterie hilft in der Sache nicht weiter. Leider ist genau das von einigen Seiten herbeigeführt worden: Wer behauptet, dass ein Stadionbesuch in Deutschland lebensgefährlich sei, ist doch nur an der Provokation interessiert. Und das greifen dann natürlich auch die Medien auf.

mg pressefoto 4Ich habe ein sehr umfassendes Interview mit Martin Gerster geführt. Martin Gerster (41) ist Politikwissenschaftler und seit 2005 Mitglied des Bundestages.

Herr Gerster ist sportpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und somit SPD-Obmann im Sportausschuss des Bundestages.

Ich konnte mit Ihm einen kompetenten Ansprechpartner finden für den Sportpolitischen Bereich.

Da dieses Interview sehr umfangreich ist, habe ich das Interview in 2.Teile aufgeteilt. Der 2.Teil wird morgen um 14Uhr erscheinen.

1. Herr Gerster, der Fußball hat 2012 einiges an Ereignissen zu bieten gehabt. Wenn Sie jetzt auf das Fußballjahr als Politiker zurückblicken, was ist Ihnen positiv in Erinnerung geblieben und was nicht?

Ich denke bei einem Rückblick auf das Fußball-Jahr 2012 sollte man – gerade als Sportpolitiker – zwischen den sportlichen Ereignissen und den Ereignissen mehr oder weniger fernab des Spielgeschehens trennen.
Auf der sportlichen Seite stand auf der internationalen Ebene die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine im Vordergrund. Die EM war spannend, auch wenn sie für die deutsche Nationalmannschaft leider mit der Niederlage gegen Italien im Halbfinale endete. Noch weitaus unglücklicher verlief aus deutscher Sicht das Finale der Champions League zwischen Bayern München und Chelsea. Der FC Bayern hätte den Sieg sicherlich verdient gehabt. In der zweiten Jahreshälfte haben die deutschen Starter in Champions League und Europa League stark aufgespielt und allesamt in ihren Wettbewerben überwintert. Ein toller Erfolg für die Bundesliga. Als Einzelspieler ist Lionel Messi besonders hervorzuheben, der wettbewerbsübergreifend 91 Pflichtspieltore erzielte und damit den alten Rekord von Gerd Müller mit 85 Toren aus dem Jahr 1972 übertroffen hat. Messi ist meiner Meinung zu Recht erneut zum Weltfußballer gewählt worden.

Mittwoch, 30 Januar 2013 10:46

Kapverden - kein Geld schießt auch Tore

geschrieben von in 360°-Pass

kapverden„Geld schießt Tore“ – häufig genug bestätigt die Realität diesen Satz: Wer das meiste Geld zahlt, bekommt die besten Spieler und gewinnt die meisten Spiele. Der objektive Zuschauer erfreut sich, wenn Ausnahmen diese Regel zu durchbrechen scheinen. In der aktuellen Bundesligasaison zeigen Frankfurt, Freiburg und Mainz, wie eben auch kein Geld Tore schießt. Die wirklich großen Ausnahmen scheinen allerdings schon lange her zu sein: Dänemark Europameister 1992; Kaiserslautern Meister als Aufsteiger 1998; Griechenland Europameister 2004.

Diese Momente, die das Herz eines jeden Fußballromantikers hochschlagen lassen, werden von einem Wunder getoppt, das sich gerade in Afrika abspielt. Vielleicht gab es niemals zuvor in der Geschichte des Fußballs ein besseres Beispiel dafür, dass Leidenschaft, Fleiß, Disziplin und Siegeswille mehr wert sind, als der Gehaltscheck.

Von wem wir sprechen?

Die Kapverdischen Inseln! Möchte man einen Vergleich anstellen, nehme man Luxemburg, die sich überraschend für die Endrunde einer Europameisterschaft qualifizieren. Nicht genug der Überraschung, würde Luxemburg die Gruppenphase überstehen und bis in Viertelfinale vorrücken. Illusorisch? Die Kapverdischen Inseln haben eben dieses Kunststück beim aktuell laufenden Afrika-Cup erreicht – eine kleine Inselgruppe mit 500.000 Einwohnern schlug in der Relegation die Übermacht aus Kamerun, qualifizierte sich damit erstmals für den Afrika-Cup und zog ungeschlagen ins Viertelfinale ein. Der Vergleich mit Luxemburg ist noch untertrieben, besitzt das mit 8.000 Plätzen größte Stadion der Kapverden doch nicht mal einen Rasenplatz. Ein Land, geprägt vom Überlebenskampf; drei Viertel der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt - Auswirkungen einer Hungerskatastrophe, denen beinah eine ganze Generation zum Opfer fiel.

Eine Ansammlung von No-Name Spielern, die vornehmlich ihr Geld in der zweiten portugiesischen Liga verdienen, mischt den Afrika-Cup auf. Beschränkt in den Mitteln, aber mit der Durchschlagskraft eines Blauhais – so werden sie nämlich genannt: „Blue Sharks“. 0:0 gegen den Gastgeber Südafrika, 1:1 gegen Marokko und das entscheidende Spiel gegen Angola, in dem Héldon mit seinem Siegtreffer in der 90. Minute der Geschichte die Krone aufsetzte – das Märchen fand seine Fortsetzung.

Das halbvolle Glas

Die Kapverden stehen Kopf und feiern sich selbst. Ein Land, in dem das Glas öfter halbvoll statt halbleer zu sein scheint. Die Kapverden haben weder nachgefragte Ressourcen abzubauen, noch begünstigt das Klima den Anbau begehrter Waren. 90% der Güter müssen importiert werden; die Wachstumschancen sind stark begrenzt. Es ist ein Volk voll von Lebenskünstlern: Malerei, Musik, Literatur spielen eine große Rolle auf den Kapverden - und eben der Fußball; die Nationalsportart Nummer 1, die sie zum jetzigen Zeitpunkt vielleicht zum glücklichsten Volk der Welt macht.

Dabei standen trotz der sportlichen Qualifikation für das Turnier nicht wenige Hürden im Weg. Das Projekt Afrika Cup war finanziell kaum zu stemmen, doch Not macht bekanntlich erfinderisch: die ohnehin nicht mit finanziellem Reichtum bescherte Bevölkerung sammelte in der Stiftung „Operation Afrika-Cup“ die benötigten Mittel ein; Teile der Einnahmen aus dem Verkauf einer Sonder-Briefmarke (kein Witz) und ein Benefiz-Konzert generierten weitere Einnahmen, um das Projekt möglich zu machen.Trainer Antunes absolvierte vor Beginn des Afrika-Cups ein Kurzpraktikum bei „The Special One“ Jose Mourinho. Der spürbare Einfluss dieser Erfahrung ist seinen Aussagen jetzt schon zu entnehmen: „Meine Spieler könnten bei Real, Barcelona, Manchester United, Chelsea oder Mailand spielen, sie können viel erreichen" wird Trainer Aruntes zitert - der Glaube zählt.

Es ist ein Märchen, das noch nicht zu Ende sein muss, aber jetzt schon Symbolcharakter besitzt. Denn, wie titelte die kapverdische Tageszeitung „O Liberal“  am Tag nach dem Viertelfinaleinzug: "Die Spieler haben bewiesen, dass man auch ohne jegliche Mittel Großes erreichen kann." Kein Geld schießt eben auch Tore - und das ist Gold wert. Oder an Anlehnung an die Mastercard-Werbung:

Marktwert der Nationalmannschaft Kameruns: 132.000.000 €
Bruttoinlandsprodukt pro Kopf auf den Kapverden: 2891 $
Viertelfinaleinzug der Kapverden: Unbezahlbar

Am Samstag, dem 2. Februar geht das Märchen weiter - Ghana wartet im Viertelfinale. Auf den Kapverden denkt man gar nicht daran, die Segel zu streichen: „Jetzt ist alles drin“, glaubt nicht nur  die „O Liberal“. Es wäre ihnen zu gönnen.

Bild: Julien Christ  / pixelio.de

Dienstag, 29 Januar 2013 14:11

Du bist ein Junghool - Du darfst hier nicht rein

geschrieben von in Jochen G

Uneingeschraenkte Rechte auch fuer FansUm es gleich von Anfang an deutlich zu machen, ich lehne Gewalt ab und dieser Blog ist kein Freibrief für Gewalt zwischen und gegen Fans anderer Vereine.
Dennoch bin ich der Ansicht, auch ein solches Thema mal der breiten Öffentlichkeit vorzustellen und aufzuzeigen, was so im Zuge eines Ermittlungsverfahrens gegen einen Fußballanhänger - OK, nennen wir ihn Fan - passieren kann. Es wäre sicherlich einmal interessant eine Statistik zu erhalten, in dem das nachfolgende einmal zwischen Fußballfans und “Nicht-Fußballfans” aufgeschlüsselt ist - rein aufgrund eines laufenden Ermittlungsverfahrens.

Worum geht es?
Es geht um das so genannte “Betretungs- und Aufenthaltsverbot nach dem Polizei- und Ordnungsbehördengesetz Rheinland-Pfalz (POG)” wie es sicherlich jedes Wochenende, nicht nur in Rheinland-Pfalz sondern auch in nahezu allen Bundesländern in Deutschland ausgesprochen wird. Mir wurde nun ein solches Betretungs- und Aufenthaltsverbot einmal zugänglich gemacht, da es mich schon interessiert, wie mit Fußballfans so umgegangen wird.
Das Überraschende dabei ist, dass es ein Betretungsverbot für den gesamten Stadtbereich von Mainz inklusive seiner Vororte ist und das für ein Spiel des 1. FSV Mainz 05 gegen den VfB Stuttgart am 15. Dezember. Ausgesprochen gegen zahlreiche Mitglieder von Ultragruppierungen des 1. FC Kaiserslautern.