Di23May2017

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Mein erster Stadionbesuch

Für Prominente und »normale« Fußballfans ist der erste Stadionbesuch ein unvergessliches Ereignis. Das »erste Mal« kann ein großes Spiel gewesen sein, aber auch ein Kick auf dem Dorfplatz nebenan. Dabei geht es nicht um statistische Spielberichte, sondern einzig und allein darum, die besondere Atmosphäre und Stimmung von damals noch einmal aufl eben zu lassen. Entstanden sind traurige und lustige, ernste und weniger ernste, aber immer sehr emotionale Erzählungen. Über das Internet und mit Unterstützung vieler großer Vereine haben die Herausgeber Fans dazu aufgerufen, ihre persönliche Geschichte einzusenden. Die besten Einsendungen bekannter wie unbekannter AutorInnen werden nun veröffentlicht. Zu den Prominenten gehören Horst Eckel aus dem Weltmeisterteam von 1954, Claudia Roth von den Grünen, die ihr erstes Spiel auf dem Sportplatz in Babenhausen erlebte, die Stadionsprecher vom 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach, Filmemacher Aljoscha Pause oder Journalisten wie Thomas Wark vom ZDF.

Mein erster Stadionbesuch, erschienen im Werkstatt-Verlag - 12,90€

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stadionbesuch teaserIm Rahmen eines Interviews zu den Höhepunkten seiner außergewöhnlichen Karriere befragt, erwähnte der seinerzeit als Rebell am Ball bezeichnete Superstar aus Mönchengladbach, Günter Netzer, eine Bundesligapartie seiner als Fohlenelf bekannten Borussen. Ein Spiel Anfang der Siebziger Jahre in der alten Radrennbahn zu Köln gegen den heimischen FC.

„Dieses Spiel gehört zu den unvergesslichen Höhepunkten meiner Karriere“, so Netzer heute. Ich kann mich, so wie Netzer auch, also über 40 Jahre später, gut an einzelne Gegebenheiten und unvergessliche Details erinnern. Denn  es war mein erster Stadionbesuch!

Das Bundesligaspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem gastgebenden Ersten Fußballclub aus Köln, fand am 02.10.1971 statt und ich zählte gerade mal 12 Lenze.

stadionbesuch teaserVor wenigen Tagen ist im Werkstatt-Verlag das Buch "Mein erster Stadionbesuch" von Jannis Linkelmann, Heidi Marinowa und Martin Thein erschienen. Zuletzt hatten wir an dieser Stelle bereits zwei Texte veröffentlicht, die es leider nicht in das Buch geschafft hatten. Heute präsentieren wir Euch als weiteren Appetithappen einen Text, den ihr auch im Buch wiederfindet. Aljoscha Pause, seines Zeichens Fan des FC Bayern, beschreibt, wie er trotz linksalternativer Erziehung zum Schrecken seiner Eltern seine Liebe zum FC Bayern entdeckte - und wie er das letzte Spiel des Kaisers live erlebte.

"Fan eines Clubs bleibt man – mehr oder weniger intensiv – bis ans Ende seiner Tage. Doch dafür, dass es sich bei der Vereinswahl um die erste große Lebensentscheidung handelt, hängt erschreckend viel vom Zufall ab. Insofern ist es nicht wirklich eine Entscheidung. Natürlich kann man in Magnetfelder hinein geboren werden, die kaum eine Wahl zulassen. Wird man allerdings, regional wie familiär, in der fußballerischen Diaspora sozialisiert, sind es oft Schlüsselerlebnisse, die einen lebenslänglich auf eine Lieblingsfarbe festnageln. Vielfach ist es – je nach Veranlagung – der aktuelle Deutsche Meister, der einen 6-, 7- oder 8-Jährigen für immer in seinen Bann zieht.

Ich wurde im Januar 1972 in Bonn geboren. Alternativer Künstlerhaushalt. Während andere Väter ihre Jungs mit ins Stadion nahmen, verbrachte ich schon früh unzählige Stunden auf Friedens-Demos und auf den Klettersteigen der Dolomiten und der Zillertaler Alpen. Mein Vater stammt aus einer Münchner Bergsteiger- und Skifahrerfamilie. Fußball spielte bei uns keine Rolle.

In der Welt meiner Kindheit war Bonn Bundeshauptstadt. „Bonn!“ So begann fast jede Tagesschau. Aber nie die Sportnachrichten. Die einzige Saison in der 2. Bundesliga beendete der Bonner SC, für den ich später selber spielte, 1976/77 mit Lizenzentzug und Zwangsabstieg. Ende der 1970er Jahre sprach nicht viel dafür, dass aus mir einmal ein großer Fußballfan werden würde.

Doch dann trat jemand in mein Leben, der alles schlagartig verändern sollte. Sein Name war Karl-Heinz Rummenigge. In der Saison 1979/80 wurde der 24-jährige Außenstürmer des FC Bayern München Torschützenkönig. Mit 26 Treffern. In der darauf folgenden Spielzeit brachte er es sogar auf 29 Tore – und schoss den FC Bayern so zweimal in Folge zur Meisterschaft. Jeweils knapp vor dem Hamburger SV. Rummenigge wurde in beiden Jahren zu Europas Fußballer des Jahres gekürt. Der Strahlkraft dieser Erfolge konnte ich mich nicht entziehen. Von da an sah ich jede Sportsendung. Fußball sowieso. Das Fieber hatte mich gepackt. Zum Entsetzen meines links-intellektuellen Elternhauses pflasterte ich mein Kinderzimmer mit dem Spruch „Die Bullen kommen!“. Dem Werbeslogan des damaligen Bayern-Sponsors Magirus-Deutz.
Mein erster Stadionbesuch ließ weiter auf sich warten. Mit wem sollte ich auch gehen? Und wohin? Zwar lag das Müngersdorfer Stadion in nur 25 Kilometer Luftlinie von unserem Haus. Doch wurde dort weitaus weniger attraktiver Fußball gespielt als in München – der glorreiche Double-Gewinn des 1. FC Köln 1978 hatte freilich noch völlig jenseits meines sechsjährigen Horizonts stattgefunden. Ich kaufte mir also jeden Samstag gegenüber bei Aldi eine Tafel Schogetten und eine Tüte Chips. Und setzte mich vor das Radio in meinem Zimmer. Alleine. Heilige Zeit. Die Begeisterung dafür kam ganz aus mir selbst heraus.

Nach der Trennung meiner Eltern zog meine Mutter mit ihrem neuen Mann nach Hamburg, wo ich sie regelmäßig besuchte. Am Samstag, dem 17. Oktober 1981 war es dann soweit. Der Mann meiner Mutter nahm mich mit ins Volksparkstadion. HSV gegen Borussia Mönchengladbach. Auf Seiten der Hamburger spielte die legendäre Achse Stein-Kaltz-Magath-Hrubesch. Bei Borussia war der Generationswechsel in vollem Gange. Wolfgang Kleff stand noch im Tor – im Mittelfeld wirbelte der 20-jährige Lothar Matthäus. Doch diese Personalien nahm ich als Neunjähriger nicht wirklich wahr. Wir standen in einer der Kurven, und für mich war praktisch alles neu. Der Geruch, die Menschen, die Kommentare, die Gesänge. Der Mann meiner Mutter war ein gemütlicher Studienrat. Er drehte die Zigaretten selber, trank Bier und benutzte Formulierungen wie „um Sackhaaresbreite“. Das hinterließ bei mir bleibenden Eindruck. Das 1:1-Endergebnis an diesem Tag eigentlich weniger.

Nur einige Monate später gingen wir zum zweiten Mal zum HSV. Und ich durfte live dabei sein, als am 29. Mai 1982 deutsche Fußball-Geschichte geschrieben wurde. Es war der 34. Spieltag und die Hamburger brauchten als Tabellenführer gegen den KSC nur noch einen Punkt, um vor dem 1. FC Köln sicher Deutscher Meister zu werden. Doch vor dem Anstoß lag noch aus einem anderen Grund ein unbeschreibliches und für mich damals faszinierendes Knistern in der Luft des prall gefüllten Volksparkstadions. Nach längerer Verletzungspause stand ein gewisser Franz Beckenbauer in Ernst Happels Startelf. Zum 424. und letzten Mal in seiner ruhmreichen Bundesligalaufbahn. Seine Erfolge hatte ich genauestens studiert, und so verfolgte ich ehrfürchtig Beckenbauers letzte Ballkontakte. Der HSV ging früh mit 3:0 in Führung. Hrubesch, Kaltz, Hartwig. Die 50.000 Zuschauer waren wie elektrisiert. Dann kam der große Moment des Kaisers. In der 41. Minute wurde er unter tosendem Beifall ausgewechselt. Seine Welt-Karriere ging an diesem Nachmittag zu Ende. Mir erschloss sich die wirkliche Dimension dessen erst viele Jahre später. Der HSV leistete sich noch drei Gegentore. Und war nach 90 Minuten doch Deutscher Meister. Mit drei Punkten Vorsprung vor Köln. Fünf Punkte vor „meinem“ FC Bayern. Auch ich jubelte. Und sah als Zehnjähriger zum ersten Mal live die Meister-Schale. Die in den beiden Jahren zuvor noch Karl-Heinz Rummenigge in die Höhe gereckt hatte. Was wäre wohl gewesen, wenn ich all das vor meiner ersten Begegnung mit dem FC Bayern erlebt hätte? Ich konnte es mir nicht verkneifen, den Gassenhauer dieser Tage mitzusingen. „Wer wird Deutscher Meister? H-H-H-HSV.“ Doch ich blieb Bayern-Fan. Um Sackhaaresbreite."

Geschrieben von Aljoscha Pause, Fan des FC Bayern München

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stadionbesuch teaserGestern ist im Werkstatt-Verlag das Buch "Mein erster Stadionbesuch" von Jannis Linkelmann, Heidi Marinowa und Martin Thein erschienen. Wie die Herausgeber im Interview uns schon sagten, gab es mehrere hundert Zuschriften die leider unmöglich alle in einem Buch Platz gefunden haben und trotzdem ihren persönlichen Charme besitzen. Als Vorgeschmack auf das Buch veröffentlichen wir heute einen Auszug, in dem ein bekennender Fan des 1. FC Nürnberg, Klaus Peter Fink, beschreibt, wie der Bier-Schorsch bei seinem ersten Stadionbesuch einen bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen hat:

"Ich bin, als gebürtiger Nürnberger und immer noch Fan des traditionsreichen 1. FC Nürnberg, schon als Kind bei Spielen im damaligen Stadion im Nürnberger Ortsteil Zerzabelshof, genannt „Zabo“, gewesen. Im Jahr 1947 geboren, erlebte ich noch die Nachkriegsjahre. Mit dem Virus „Fußball“ wurde ich durch den Gewinn der Weltmeisterschaft 1954 so richtig infiziert. Denn da spielte ja auch unser Nürnberger Held, Max „Maxl“ Morlock, mit. Als ich elf Jahre alt war (1958), nahm mich mein Vater zum ersten Mal mit ins „Zabo“-Stadion, um seinen Club zu sehen. Was ich damals noch nicht wusste, dieser Verein sollte die erste Liebe meines Lebens werden!

Von dem Spiel habe ich nicht so viel gesehen, da die Erwachsenen nicht zu „überschauen“ waren und es ja nur Stehplätze gab. Aber ein Erlebnis werde ich nie vergessen. Es war der „Bier-Schorsch“ mit seinem sogenannten Bauchladen: Ich sehe ihn noch heute vor mir. Schütteres, graues Haar, leichter Bauchansatz, auf dem rechten Auge hat er geschielt. Zu Spielbeginn war er immer mit einem blütenweißen Verkaufsmantel bekleidet. In einer Hand trug er einen hölzernen Träger, in dem sich zwölf 0,5-Liter-Bügel-Bierflaschen befanden, und vor dem Bauch den trefflich passend bezeichneten „Bauchladen“. In der anderen Hand ein Tablett mit belegten Fisch- und Lachs(ersatz)-Brötchen. So ging er dann immer vor den Zuschauerrängen umher. Damit sein Umsatz angekurbelt wurde, rief er mit lauter Stimme: „Zigarren, Zigaretten, Drops, Vivil, Kaugummi, das 1:0-Bier!“ Er rief das eigentlich immer, auch wenn der Club gerade hinten lag oder das Spiel schon 2:0 stand. Und dann gab es noch ein „Fischweckla“ (Anmerkung: Weckla ist die Nürnberger Dialektbezeichnung von Brötchen/Semmeln/Schrippen) obendrauf. Der „Bier-Schorsch" gehörte quasi zum Inventar des „Zabo“. Er war überall und jeder kannte ihn. Die Männer, Frauen gab es zu jener Zeit im Stadion nicht, auf den Zuschauerrängen signalisierten dem „Bier-Schorsch“ dann immer durch Handzeichen, dass sie was kaufen wollten, indem sie ihm ihren Wunsch zuriefen.

Ob er wirklich Georg hieß, weiß ich nicht, aber er wurde halt eben „Bier-Schorsch“ genannt. Wenn einer Mal weiter weg war vom „Bier-Schorsch“, und trotzdem eine Bestellung aufgeben wollte, wanderte das Geld oft über viele Reihen nach unten oder oben. Im Gegenzug gelangte die bestellte Ware und das Wechselgeld auf dem gleichen Weg wieder zum Kunden zurück. Und schon war das Geschäft getätigt. So war das halt damals, familiär und ehrlich. Da gab es keine Unregelmäßigkeiten oder ein Fremder behielt etwas für sich. Nein, alles lief ganz korrekt ab. Dann ging der „Bier-Schorsch“ einige Schritte weiter, sein legendärer Ruf: „Zigarren, Zigaretten, Drops, Vivil, Kaugummi, das 1:0-Bier“ erschallte aufs Neue und die gleiche Prozedur begann von vorne."

Geschrieben von Klaus Peter Fink, Fan des 1. FC Nürnberg

FANKULTUR.COM veröffentlicht Texte die im Rahmen des Buches "Mein erster Stadionbesuch" geschrieben wurden, jedoch nicht im Buch zu finden sind.

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stadionbesuch teaserMorgen erscheint im Werkstatt-Verlag das Buch "Mein erster Stadionbesuch" von Jannis Linkelmann, Heidi Marinowa und Martin Thein. Wie die Herausgeber im Interview uns schon sagten, gab es mehrere hundert Zuschriften die leider unmöglich alle in einem Buch Platz gefunden haben und trotzdem ihren persönlichen Charme besitzen. Als Vorgeschmack auf das Buch veröffentlichen wir heute einen Auszug, in dem ein bekennender Fan von Werder Bremen, Arne Langhann, beschreibt, wie ihn Mario Basler in den 90er-Jahren zu den Grün-Weißen führte:

Meine Liebe zu Werder Bremen begann mit Mario Basler. Ich war selber ein begeisterter Fußballspieler und als mir jemand erzählte, dass Mario Basler es geschafft hat, ein Tor von dem Eckpunkt zu erzielen, war es um geschehen. Ich empfand Basler immer als präsentesten Spieler des SV Werder mit seiner eigenen Art Fußball zu spielen. Dazu kam die Tatsache, dass für mich als gebürtigen Kieler im Norden eigentlich sonst alle HSV-Fans sind. Aber ich konnte mich mit den Leuten und der dazugehörigen Attitüde nicht anfreunden. Also entschied ich mich für Werder Bremen und Mario Basler. Mein Großvater ist in Hamburg aufgewachsen und Anhänger des FC St. Pauli. So konnten wir alle mit unseren Vereinen leben und unser Großvater nahm uns auch oft mit ans Millerntor, wo mein großer Bruder und ich schon früh mit den Punkern auf die Flutlichmasten kletterten. Das war damals noch Zweitligafußball. Als die Kiezkicker Mitte der Neunziger den Aufstieg in die erste Bundesliga schafften kam es wie es kommen musste. Mein Großvater lud mich zum Spiel Werder Bremen gegen den FC St. Pauli ein. Wie aufregend! Das Stadion wirkte so unfassbar riesig auf mich und ich hatte noch nie so viele Leute mit Werder-Trikots, Fahnen und anderen Verkleidungen gesehen. Ich war restlos begeistert. In meiner kindlichen Naivität war ich auch sehr erstaunt, wie viele Leute hier gleichzeitig auf Toilette gehen konnten! Das Spiel gegen die Hamburger war eher mittelmäßig, aber als Mario Basler mit dem Ball vom eigenen Sechzehner bis zum gegnerischen Strafraum sprintete, hielt es mich kaum noch auf meinen Sitz. Ganz Bremen jubelte! Und ich mittendrin. Auffällig war auch, wie schön diese Stadt ist und wie nett die Menschen sind. Die Lage dieses schönen Stadions ist einmalig. Ich liebe es, vor dem Spiel das Wasser der Weser zu beobachten und danach in aller Ruhe in den Block zu gehen. Die ganze Stadt steht hinter diesem Verein und seitdem bin ich regelmäßig in Bremen zu Gast und begleite die Mannschaft auch auswärts. Unter anderem hatte ich auch das Vergnügen, die historische Pleite in Heidenheim mit anzusehen zu müssen.

Werder Bremen ist ein fester Teil meines Lebens und ich hoffe für die Mannschaft, die Stadt, die Fans und mich, dass wir diese Saison wieder unseren geliebten Offensivfußball sehen können und dazu "LEBENSLANG GRÜN-WEISS" singen werden. Nur Mario Basler habe ich schnell abgeschworen. Als ich nach seinem Wechsel zu den Bayern weinend auf unserer Treppe saß, wusste ich, dass Spieler kommen und gehen, der SV Werder aber immer in meinem Herzen bleibt.

Geschrieben von Arne Langhann, Werder Bremen Fan

FANKULTUR.COM veröffentlicht Texte die im Rahmen des Buches "Mein erster Stadionbesuch" geschrieben wurden, jedoch nicht im Buch zu finden sind.

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"Mein erster Stadionbesuch" - unter diesem Titel erscheint am Donnerstag ein neues Buch der Autoren Martin Thein, Heidi Marinowa und Jannis Linkelmann im Werkstatt-Verlag. Die Redaktion von FANKULTUR.com sprach mit den Autoren über die Idee und den Inhalt des Buches.

Stadionbesuch CoverWas erwartet den Leser bei diesem Buch?

Den Leser erwartet ein bunter Strauß aus unterschiedlichsten Erlebnissen von fast 60 Autoren. Egal, ob diese prominente oder "normale" Fußballfans sind, sie alle schreiben und beschreiben ihren ersten Stadionbesuch als ein ganz individuelles und hochemotionales Erlebnis. Oft war es ein großes Spiel, manchmal aber auch ein Kick auf dem Dorfplatz nebenan. Entstanden sind traurige und lustige, ernste und weniger ernste, aber immer sehr emotionale Erzählungen. Wir haben die ganze Bandbreite des Internets dafür genutzt, um möglichst viele Vereine und deren Fans in das Projekt zu integrieren. Die besten Einsendungen haben wir ausgesucht.

 

Wie kamt Ihr überhaupt auf die Idee, gerade dieses Buch zu machen? Was war die leitende Motivation?

Schon unmittelbar nachdem wir beide unsere Fanplattform www.fankultur.com ins Leben gerufen haben, fiel uns auf, dass für die meisten Fans das "erste Mal" in einem Fußballstadion ein besonders prägendes Ereignis darstellt. Es hat quasi auf der Längsachse sowohl eine sozialisierende als auch prägende Wirkung. Das hat uns interessiert und wir wollten mehr darüber wissen.

So kam uns die Idee, einen Aufruf zum Einsenden von den „ersten Stadionbesuchen“ zu starten. Zu unserer großen Überraschung haben uns viele Vereine dabei aktiv unterstützt und den Aufruf auf ihre Webseiten gestellt oder in die Newsletter aufgenommen. Dadurch bekamen wir eine unglaubliche Resonanz von mehreren hundert Zuschriften. Von einer halben Seite bis zu zehn Seiten war alles dabei.

In den individuellen Fußballgeschichten von so vielen Fans zu lesen, war für uns unglaublich spannend. Man hat förmlich gespürt, wie die Schreiber die damaligen Ereignisse häufig wieder vor Augen hatten. So anstrengend das Projekt auch war, jede Minute war es wert. Am liebsten würden wir direkt das Nächste beginnen.

 

Ihr spracht auch von Prominenten?

Ja, es macht uns schon ein Stück weit stolz, dass sich so viele bekannte Persönlichkeiten dazu bereit erklärt haben, an diesem Projekt mitzuwirken. Zu den Prominenten gehören Horst Eckel aus dem Weltmeisterteam von 1954, Claudia Roth von den Grünen, die ihr erstes Spiel auf dem Sportplatz in Babenhausen erlebte, die Stadionsprecher vom 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach, Filmemacher Aljoscha Pause oder Journalisten wie Thomas Wark vom ZDF.

Gleichzeitig haben die Geschichten dieser Persönlichkeiten aber vor allem eines gezeigt: Welch großes verbindendes Element der Fußball sein kann. Leider geht dies in der öffentlichen Diskussion häufig unter und Fans werden zu sehr auf Gewalt reduziert.

 

Ist das Buch denn was für alle Fans oder nur für Fachleute?

Das Buch ist eindeutig von Fans für Fans. Wir sind uns absolut sicher, dass sich viele Fußballfans in den Geschichten wiederfinden werden. Und an dieser Stelle sind die Fans doch die besten Fachleute, die wir uns vorstellen können. Über Fans wird häufig geschrieben, aber wann kommen sie denn mal wirklich zu Wort?! Nicht jeder mag ein Buch schreiben, würde aber gerne mal über seine Erlebnisse berichten.

Die Umsetzung des Buchs hat unzählige Stunden gekostet, aber jede Minute hat uns Freude gemacht. Aus weit mehr als 400 Einsendungen eine bunte Mischung aus Geschichten auszuwählen, ist uns nicht leicht gefallen. Deshalb wollen wir uns hier unbedingt noch mal bei allen Einsendern bedanken!

Ohne schon zu viel zu verraten: Was waren die emotionalsten Geschichten in diesem Buch?

Ach, das ist jetzt eine ganz schwierige Frage. Jede dieser Geschichten hat ihren individuellen Charme. Wichtig bei der Auslese waren uns Emotion und Authentizität, denn beides steht sinnbildhaft für Fußball und Fankultur.

Inhaltlich zeichnen die eingesandten Geschichten ein Abbild des täglichen Lebens eines Fußballfans. Von Liebe, über Krankheit bis hin zu einem ausgeprägten Zusammengehörigkeitsgefühl und Ekstase bei Erfolgen.

Hervorheben möchten wir hier keinen, die Artikel sind zu unterschiedlich, um sie zu vergleichen und in ein Ranking stellen zu können. Viele erste Stadionbesuche sind für die Fans mit so intensiven Gefühlen verbunden, dass ein Hervorheben kaum möglich ist. Vielmehr hoffen wir, dass die Leser sich in die Geschichten hineinversetzen können.