Di23May2017

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Fußball, deine Fans - Ein Jahrhundert deutsche Fankultur

Fußballfans gibt es in Deutschland seit ungefähr einem Jahrhundert. Von ihrer Rolle als kleine Minderheit haben sie sich in den gesellschaftlichen Mainstream vorgearbeitet: Heutzutage fühlt sich fast jeder in Deutschland als Fan einer Mannschaft. Dieser Sammelband ist als »Zeitreise« konzipiert, beginnend mit dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Alle relevanten Entwicklungen sowie phänomenbezogenen Aspekte werden thematisiert: Kuttenfans, Hooligans, Ultras, Papa mit Sohn, Fanklubs, Frauen etc. Autoren wie Michael Horeni, Thomas Wark oder Hardy Grüne nähern sich diesen Themen nicht streng wissenschaftlich, sondern geben »normalen« Fußballanhängern die Möglichkeit, das letzte Jahrhundert Fangeschichte Revue passieren zu lassen. Deren eigene Kultur wird porträtiert – in all ihren wunderbaren und auch ihren weniger schönen Facetten.

Fußball, deine Fans - Ein Jahrhundert deutsche Fankultur , erschienen im Werkstatt-Verlag - 14,90€

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Fussballfans TeaserFußballfans sind derzeit ständig in den Medien präsent, meistens aber leider nur, wenn es um Randale und Ausschreitungen oder Pyrotechnik geht. Doch Fankultur in Deutschland ist wesentlich mehr. Das beweist das neue von Martin Thein herausgegebene und im Verlag Die Werkstatt  rschienene Buch „Deutschland, deine Fans. Ein Jahrhundert deutsche Fankultur“. Erstmals wird das spannende Phänomen umfassend dargestellt. In diesem als Zeitreise konzipierten Sammelband, der mit dem Anfang des 20. Jahrhunderts beginnt, werden alle relevanten Entwicklungen der Fanszenen sowie phänomenbezogene Aspekte thematisiert. Dazu gehören Kuttenfans, Hooligans, Ultras, Groundhopper, Fanklubs, Frauen und viele mehr. Bekannte Journalisten wie Jörg Jakob vom Kicker, Michael Horeni von der FAZ, Thomas Wark vom ZDF oder Hardy Grüne, aber auch Autoren aus der  Fußballfanszene nähern sich diesen Themen nicht streng wissenschaftlich, sondern in sehr gut lesbaren Beiträgen aus verschiedensten Perspektiven. So wird allen Fußballanhängern die Möglichkeit gegeben, die letzten 100 Jahre Fankultur in Deutschland Revue passieren zu lassen – in all ihren wunderbaren und natürlich auch weniger schönen Facetten. Von FANKULTUR.com haben einige Blogger Beiträge zum Buch beigesteuert. Grund Genug mit Martin ein kurzes Interview zu führen.

Martin, um was geht es in "Fußball - Deine Fans"?

"Fußball - Deine Fans" ist der Versuch, die Geschichte der Fans seit etwa 1900 chronologisch darzustellen und dabei wichtige Phänomene umfassend und spannend, aber vor allem authentisch darzustellen. In diesem als Zeitreise konzipierten Sammelband werden alle relevanten Entwicklungen der Fanszenen thematisiert. Dazu gehört das Fansein im Kaiserreich und Nationalsozialismus, aber auch die Kuttenfans, Hooligans, Ultras, Groundhopper, Fanklubs, Frauen und vieles mehr. Dafür habe ich mir Experten ausgesucht, die entweder diese Entwicklungen selber durchlebt haben oder Experten auf dem jeweiligen Gebiet sind. Bekannte Journalisten wie Jörg Jakob vom Kicker, Michael Horeni von der FAZ oder Thomas Wark vom ZDF aber auch Autoren aus der Fußballfanszene nähern sich diesen Themen nicht streng wissenschaftlich, sondern in sehr gut lesbaren Beiträgen aus verschiedensten Perspektiven. Neben diesen "Prominenten" sind auch viele tolle Artikel von "normalen" Fans dabei, die etwa aus der Hooligan- oder Ultraszene berichten.

Ist das Buch denn was für alle Fans oder nur für Fachleute?

Das Buch ist eindeutig für alle Fans. Ich bin mir absolut sicher, dass sich viele Fußballfans in den Geschichten wiederfinden werden. Wenn nicht, dann gibt das Buch Aufklärung über eine verborgene Welt, von der man immer nur aus den Medien erfährt. An dieser Stelle sind die Fans doch die besten Fachleute, die wir uns vorstellen können. Über Fans wird häufig geschrieben, aber wann kommen sie denn mal wirklich zu Wort!

Nach welchen Kriterien hast Du Deine Autoren ausgewählt?

Wie schon erwähnt war es mir sehr wichtig, die ganze Bandbreite der Meinungsvielfalt über das Thema "Fans" und "Fankultur" einzuholen. Dabei habe ich mir alle Autoren gezielt ausgesucht. Zum einen, weil sie Experten (Ultras, Fanprojektler, Forscher, renommierte Journalisten etc.) waren, zum anderen weil sie diejenigen sind, worüber ich schreibe, eben Fußballfans. Bei manchen Autoren und Mitwirkenden war es ein langer Weg, sie für das Projekt zu gewinnen. Ich war stolz, Sie doch noch von dem Buchprojekt überzeugen zu können. Aber es hat sich gelohnt und ich bin allen Mitwirkenden sehr dankbar.

 

Warum gerade jetzt dieses Buch?

Betrachtet man die medialen Darstellungen der letzten Jahre, so werden Fußballfans allzu oft unreflektiert als Chaoten oder Gewalttäter klassifiziert. Oft wir in diesem Zusammenhang behauptet, dass es gefährlich sei, ein Fußballstadion zu besuchen, was natürlich Blödsinn ist. Ich will mit diesem Buch aufzeigen, dass Fans und Fankultur wesentlich mehr ist.

Hat der Fußball und das Fansein heute eine wichtigere gesellschaftliche Bedeutung?

Fußball war während der zurückliegenden Jahrzehnte, spätestens seit der WM 54 in der Schweiz, gesellschaftspolitisch wichtig. Hatte Fußball in der Nachkriegszeit primär eine identitätsstiftende Funktion zur  Wiedererlangung von Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl, speziell als Folge der  der vielen zerrütteten und gebrochenen Lebensentwürfe, so hat sich dies seit mehr als zehn Jahren fundamental verändert. Der Sport wird heute vielfach zunächst als Freizeitgestaltung und Event angesehen, als ein Konsumgut unter vielen anderen. Dadurch ist  der Fußball aber einer viel breiteren Öffentlichkeit zugänglich geworden, sozusagen vom "Proletensport" der 1970er und 1980er Jahre zum "Allesbediener-Sport" der Gegenwart mutiert. Jeder spricht heutzutage gerne über Fußball, vom Busfahrer bis zum Manager. Diese enorme Ausweitung lässt den Fußball, aber auch die Gespräche über Fußball zu einem gesellschaftlichen Kernthema erscheinen.

Gegen Ende ist der Schwerpunkt des Buches auf das augenblickliche "Fanproblem" ausgerichtet. Haben wir im deutschen Fußball ein Gewaltproblem?

Die deutschen Stadien sind mit die sichersten der Welt. Über 90 Prozent der "normalen" Fans hat aber überhaupt keine Gewaltaffinität, ist auch nicht subkulturell geprägt, wie beispielsweise die Ultras. Entscheidend ist letztlich, dass diese Differenzen nicht in körperliche Gewalt umschlagen. Denn die wollen wir im Fußball natürlich alle nicht sehen. Die Zuschauerzahlen sind in den vergangenen Jahren explodiert. Wenn man diese Zahlen in Relation zu der Anzahl der Vorfälle setzt, hat die Gewalt nicht zugenommen.

Wenn wir von Gewalt in Stadien sprechen, müssen wir vorsichtig sein: Pyrotechnik ist nicht gleich Gewalt. Wenn es zu Vorfällen kommt, verlagert sich das meist in den Vorraum, auf umliegende Gelände oder Autobahnraststätten. Aber eines ist sicher: Der Vater kann mit seinem Sohn ganz genüsslich und ohne Bedenken ins Stadion gehen. Und so soll es auch bleiben.

Ist Fußball gewaltlos vorstellbar?

Fußball gewaltlos - das ist sicherlich ein schöner wenngleich utopischer Gedanke. Hass und Gewalt haben selbstverständlich im Fußball nichts zu suchen. Gleichwohl gehören gewisse verbale Feindschaften seit Jahrzehnten dazu. Da sind über Jahre gewachsene Feindschaften entstanden, das kann nicht auf Ultras beschränkt werden. Auch unter „normalen Fans“ herrscht an diesen Spieltagen häufig eine deutlich aggressivere Stimmung. Aber dies ist kein Phänomen der vergangenen Jahre, das gab es schon in den 1920er und 1930er Jahren. In "Fußball - Deine Fans gewinnt der Leser einen Eindruck davon, wie sich auch der Gewaltaspekt über die letzten 100 Jahre im Fußball entwickelt hat.

Ohne schon zu viel zu verraten: Was waren für dich die emotionalsten Geschichten in diesem Buch?

Ach, das ist jetzt eine ganz schwierige Frage. Jede dieser Geschichten hat ihren individuellen Charme. Wichtig bei der Auslese waren uns Emotion und Authentizität, denn beides steht sinnbildhaft für Fußball und Fankultur.


Das Buch "Fußball, deine Fan - Ein Jahhundert deutsche Fankultur" 

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