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Samstag, 05 Januar 2013 17:39

Projekt Fanfreundliche DFL 2013

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dfl fanfreundlichZwei Dinge waren schon vor bekannt werden der Entscheidung der DFL Mitgliederversammlung zum Sicherheitspapier am 12.12. klar. Der vereinsübergreifende Protest gegen das Papier hat mächtig Druck auf die Vereine und den Verband ausgeübt. Ein Gegenwind, mit dem in der Form wohl niemand gerechnet hatte. An vorderster Front sicherlich die Kampagne 12doppelpunkt12 in der vornehmlich Ultras-Gruppen aus über 50 Vereinen sich gemeinsam organisierten. 

Am Ende wurde aus dem ersten Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ eine Version, die man durchaus als sehr weich gespült betrachten kann. Klar, gerade bei den Einlasskontrollen und der Kontingentreduzierung, muss man immer noch schlucken aber gerade was die Kontrollen angeht hat ja die Stuttgarter Polizei eindrucksvoll bewiesen, dass man dafür ein wie auch immer gelagertes Sicherheitspapier überhaupt nicht benötigt.
Jedenfalls waren die Vereine und die DFL in ihren Stellungnahmen sehr bemüht zu betonen, dass man mit den Beschlüssen eben keine Einschränkung von Fankultur vorgenommen habe und es sich im Großteil eben um Dinge handele die man im eigenen Verein eh schon praktiziere, den Status Quo eben nun in die „Statuten“ übernommen habe.

Und bei eben jenem Argument kann man hellhörig werden. Dinge die bisher in „Eigenregie“ in den Vereinen mal mehr, mal weniger zur Anwendung kommen gibt es doch nicht nur bei Sicherheit. Despektierlich als „Fanprivilegien“ bezeichnet, sind es eben diese „ungeschriebenen Gesetze“ die Dinge wie Kurvenchoreos, stimmgewaltige Fankurven, Fahnenmeer überhaupt ermöglichen und ein Stadionbesuch zu dem Erlebnis machen wie es die Fans lieben und wollen. Der designierte Geschäftsführer der DFL Andreas Rettig hat angekündigt nun den Dialog mit den Fans intensivieren – oder überhaupt erst mal beginnen zu wollen. Und die Fangruppen der Kampagne 12doppelpunkt12 erklären in ihrem Statement erst mal keine weiteren Proteste durchzuführen, sondern im Dialog mit der DFL auf Umsetzung von Punkten für ein „fanfreundliches Stadionerlebnis“ zu bestehen.

Wir wollen schauen, was wären den mögliche Dinge mit der die DFL ein klares Zeichen für Fans setzen könnte?

hauptsache fussballWir haben an dieser Stelle schon öfter auf den Film "Hauptsache Fußball" hingewiesen, nun wird die Fußball-Dokumentation dank Spiegel.TV im Rahmen des Online-Dokumentations-Festivals „Open Doku 2012“ erstmals öffentlich gesendet. Für die kommenden drei Monate, bis März 2013, ist die Doku unter Spiegel.TV abrufbar.

Der Film behandelt im Schwerpunkt Ruhrgebietsclubs wie den BVB,  Schalke 04, sowie dem VfL Bochum. Lars Ricken, Horst Heldt, BVB U-Trainer Hannes Wolf, VfL U-Trainer Dariusz Wosz und andere geben hoch interessante Einblicke in das Wirkungsumfeld ihres jeweiligen Vereines.

Wir hatten die Film-DVD im Jahr 2011 angeschaut und Martin Thein schrieb damals in seiner Rezension

Die Leidenschaft für den Fußball und in einigen Fällen leider auch nur für das schnelle Geld ist das verbindende Glied aller Filmakteure. Besonders beeindruckend wirkt die kompetente, selbstreflektierende Art des Spielervermittlers Jörg Neblung. Mit Tiefgang und Trennschärfe, leider aber nach wie vor gezeichnet von den Geschehnisse um seinen verstorbenen Freund Robert Enke, stellt er das Profigeschäft in einem ganzen anderen Licht dar.

Der Film ist sehenswert und daher lohnt ein Blick auf Spiegel.TV

Donnerstag, 13 Dezember 2012 16:00

Erläuterungen zu den geänderten DFL Anträgen

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bundesligaDie DFL hat auf ihrer Mitgliederversammlung am 12. Dezember 2012 mit überwiegender Mehrheit Änderungen am Ligastatut verabschiedet. Daneben hat die Mitgliederversammlung der DFL deren Vorstand beauftragt, Änderungen an den „Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen“ zu beantragen, die dann auf dem nächsten DFB Bundestag (vorr. Im Oktober 2013) verabschiedet werden sollen.

Diese Maßnahmen, im allgemeinen als „DFL Sicherheitspapier“ deklariert, bestand aus 16 Anträgen. Dabei waren aus Sicht der Fans die Anträge 8, 11 und 14 am heftigsten umstritten. Bei der anschließenden Pressekonferenz am 12. Dezember 2012 sagte Dr. Rauball, dass es zu diesen Anträgen noch Änderungsanträge gegeben habe, die zum Teil aus eigenem Interesse der Klarstellung heraus oder aber auf Antrag von Vereinen (offensichtlich Werder Bremen und Eintracht Frankfurt) noch eingearbeitet wurden.

Die ursprünglichen 16 Anträge sind auf Bundesliga.de zu finden.

Gerade die Anträge 8, 11 und 14 wurden modifiziert. Um hier ein wenig mehr Klarheit gegenüber den bisherigen Diskussionen einzubringen, sollen hier einerseits die Anträge selbst noch einmal beschrieben und damit deren Tragweite erläutert werden, darüber hinaus auch die eingearbeiteten Änderungen der endgültigen Fassung der jeweiligen Anträge erläutert werden. Die Ergänzungsanträge, die zu den ursprünglichen Anträgen beschlossen wurden, gibt es hier einzusehen

Antrag 8 (Kontrollen)

Bei diesem Antrag handelt es sich um einen Antrag zur Änderung der DFB Richtlinie zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen. Dieser Antrag hatte eine einfache Mehrheit bedurft. Die DFB Richtlinie zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen findet sich in den Durchführungsbestimmungen des DFB ab Seite 101.

Zunächst einmal wird in der ursprünglichen Fassung die aktuell noch gültig ist, beschrieben, was und wo, wie kontrolliert wird. Jeder Besucher eines Bundesligaspiels (erste bis dritte Liga) unterliegt diesen Regelungen. Die aktuelle Regelung sieht Kontrollen an den Zu- und Abgängen, den Zufahrts- und Abfahrtswegen, sonstigen Zugängen zu Umfriedungen und nicht allgemein zugänglichen Bereichen vor. Dabei sollen die Zugangsberechtigung (Eintritts-, VIP-, Arbeitskarte) ebenso überprüft werden wie der Grad der Alkoholisierung des Besuchers. Darüber hinaus sollen Taschen, Kleider, Rucksäcke auf Waffen, gefährliche Gegenstände, Feuerwerkskörper etc. hin untersucht werden. Letztlich soll auch das Mitführen von alkoholischen Getränken oder andere berauschende Mittel hin untersucht werden.

Soweit die bisherige Fassung.

Die erste Version der Neufassung verschlimmerte die Grunddefinition der Begründung erheblich. So wird die Wortwahl „Zur Sicherstellung eines störungsfreien Spielablaufs, zur Verhinderung von Gefahren für die Zuschauer, Spieler und Schiedsrichter sind an ...“ eingefügt. Es wird hier also ein Bedrohungsszenario als Begründung für die Durchsuchung integriert, die letztlich aber erst mal unerheblich ist. Denn warum man durchsucht wird ist jedem Besucher einer Großveranstaltung heute durchaus bewusst. Im Grunde also eine überflüssige Beschreibung der Gründe.

Darüber hinaus wird nun eine „lageabhängige“ Kontrolle der Besucher „und der von Ihnen mitgeführten Gegenstände“ eingeführt. Die Bedeutung des Worts „lageabhängig“ ist sehr schwammig und somit zunächst nicht greifbar. Darüber hinaus können jetzt alle mitgeführten Gegenstände kontrolliert werden. Wie sich das in der Praxis umsetzen wird, darauf darf man gespannt sein. Gerade Rollstühle, Gehhilfen etc. werden wohl zukünftig sehr genau unter die Lupe genommen „lageabhängig“ natürlich.

Erweitert wird die aktuelle Version dann um den Satz „Die Kontrolleinrichtungen müssen so beschaffen sein, dass Kontrollen sicher, zügig und angemessen durchgeführt werden können“. So war die erste Fassung. Ein Änderungsantrag veränderte diesen Satz dann noch auf „Die Kontrolleinrichtungen müssen so beschaffen sein, dass Kontrollen sicher, zügig und angemessen, insbesondere verhältnismäßig und sorgfältig durchgeführt werden können.

Was heisst das nun konkret? Es werden Kontrolleinrichtungen gefordert. Sind das die berühmten Container oder Zelte? Warum muss eine Kontrolleinrichtung eine Beschaffenheit aufweisen, die es ermöglicht eine Kontrolle zügig, angemessen und sorgfältig auszuführen? Keinen Sinn ergibt im Zusammenhang mit der Kontrolleinrichtung das Wort „verhältnismäßig“. Hier wurde offenbar mit einer heißen Nadel etwas eingefügt, was die Fans beruhigen sollte. Ein verhältnismäßige Kontrolleinrichtung ist genau was?

Zumindest ein Änderungsantrag von Eintracht Frankfurt wurde berücksichtigt, wonach auf Verlangen des Gastvereins die Untersuchungen in umschlossenen Räumen durch einen Vertreter der Gastmannschaft kontrolliert werden können

Bei Einzel-Kontrollmaßnahmen gegenüber Gästeanhängern, die in umschlossenen Räumen oder auf nicht einsehbaren, umschlossenen Flächen durchgeführt werden, muss der Heimverein auf Verlangen des Sicherheitsbeauftragten des Gastvereins die Möglichkeit einräumen, dass entweder dieser selbst oder ein durch ihn zu benennender offizieller Vertreter des Gastvereins den jeweiligen Kontrollen als Beobachter beiwohnen kann, sofern die zu kontrollierende Person ihr Einverständnis hierzu erklärt.

Neben dieser Änderung wurde der Umfang der Kontrollen erweitert. Neu hinzugekommen ist die Durchsuchung von Personen (Kleider/Taschen/Rucksäcke etc) um den Punkt „Gegenstände, die dazu bestimmt sind, die Feststellung der Identität einer Person zu verhindern“. Im Antragspaket wird erläutert, dass es sich hierbei zum Beispiel um „Sturmhauben, Skimasken, Motorradhelme“ handelt. Wann Schals hierzu zählen werden ist wohl nur noch eine Frage der Zeit.

Zusammenfassend ist dieser Antrag 8 um Worte wie „verhältnismäßig und sorgfältig“ erweitert worden. Dieser Antrag soll dazu beitragen, dass es Kontrolleinrichtung (Container/Zelte) geben wird, die dann „lageabhängig“ zum Einsatz gelangen. Die Lage kann, schaut man in die zweite Präsentation der DFL zum Thema „sicheres Stadionerlebnis“ durchaus eine, vom DFB-Schiedsgericht angeordnete, Maßnahme sein die unter den Begriff „Vollkontrolle“ in dieser Präsentation zu finden ist.

Es wird mit diesem Antrag also die Voraussetzung für die Möglichkeit geschaffen, Kontrollen sehr viel intensiver zu betreiben, als dies bislang durchgeführt wird. Darüber hinaus werden zusätzliche Gegenstände durchsucht und untersucht und dem Verbot unterworfen. Skimasken, Sturmhauben (wie sie durchaus auch in den Fanshops der Vereine angeboten werden) sind demnach ebenso verboten, wie Motorradhelme.

Antrag Nr 11 (Risikospiele)

Auch dieser Antrag ist die Aufforderung an den DFL Vorstand, die Richtlinie zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen durch das DFB Präsidium auf dem nächste DFB Bundestag ändern zu lassen. Hierbei ist der §32 Nr. 1 und Nr. 2 betroffen.

Im ursprünglichen Antrag 11 wird aus dem Paragraphen 32 Nr. 1 bis Nr. 4 die Nummern 1a bis 1d.

Im ersten Bereich sind nur geringfügige Änderungen vorgesehen. So wird aus dem Wort „Platzverein“ das Wort „Heimverein“. Wesentlicher wird es dann in der ehemaligen Nr. 4 – Neufassung Nr. 1d. Hier wird zunächst einmal die Einschränkung des Verkaufs von Eintrittskarten, die bislang nur für Stehplätze vorgesehen war, auch auf die Sitzplätze ausgedehnt. Neu eingefügt wird die neue Maßnahme der „Durchführung von verstärkten Personenkontrollen“. Man beachte hier die geplante Änderung im Antrag 8 und die dort definierten Kontrolleinrichtungen.

Dieser §32 Nr 1 wird dann noch erweitert um den Absatz „Der Heimverein hat gegenüber DFB und DFL rechtzeitig vor dem Spiel schriftlich darzulegen, aus welchen Gründen Maßnahmen durchgeführt bzw. nicht durchgeführt werden sollen. Der Gastverein ist über die Maßnahmen unverzüglich zu informieren. Diese Darlegung soll grundsätzlich im Rahmen der Niederschriften zu den Sicherheitsbesprechungen erfolgen und dokumentiert werden".

Im Änderungsantrag vom 12. Dezember wird der Passus „bzw. nicht durchgeführt“ aus diesem Absatz gestrichen. Dies soll den Aufwand der Vereine verringern, könnte aber auch bedeuten das alle im §32 Nr 1. aufgeführten Maßnahmen auch umzusetzen sind.

Neu eingefügt wird die Definition der Nummer 2 als „Spiele unter Beobachtung“.

Diese Spiele werden als Spiele beschrieben, bei denen die Voraussetzungen für ein Spiel mit erhöhtem Risiko nicht vorliegen, aber aufgrund „allgemeiner“ Erkenntnisse sowie Verhaltensweisen der Zuschauer in der Vergangenheit, Sicherheitsbeeinträchtigungen nicht auszuschliessen sind.

Hierzu kann die DFB-Zentralverwaltung eine Sicherheitsaufsicht anordnen. Dieser ist den Vereinen rechtzeitig bekanntzugeben und es muss durch den Verein sichergestellt sein, dass der Beobachter Zutritt zu allen Bereichen und sicherheitsrelevante Besprechungen hat.

Dieser Antrag legt nun also fest, dass der Heimverein ein Risikospiel erklärt, dass hierdurch verstärkte Sicherheitskontrollen durchgeführt werden und darüber hinaus die Möglichkeit besteht, die Kartenkontingente sowohl im Steh- als auch im Sitzplatzbereich einzuschränken.

Zusammenfassend kann hier davon ausgegangen werden, dass es nahezu regelmäßig zu Risikospielen kommen wird. Dadurch werden zum einen die verstärkten Durchsuchungen der Gästefans ermöglicht ebenso können durch Reduzierungen der Kartenkontingente für den Gastverein mehr eigene Zuschauer ins Stadion zu bekommen.

Antrag 14 (Kartenkontingente)

Dieser Antrag wurde zur Änderung der Richtlinie zur Spielordnung der DFL gestellt und erforderte eine 2/3 Mehrheit. Die Richtlinie dazu findet sich ab Seite 20. Der von der Änderung betroffene Paragraph 3 Nr. 4 findet sich auf Seite 27.

Bislang heisst es hier:

Dem Gastverein steht ein Ticket-Kontingent zu, das mindestens 10 % der jeweils verfügbaren Stadionkapazität umfasst. Dem Gastverein überlassene Ehren- und Freikarten können auf dieses Kontingent angerechnet werden.

Zwischen dem ursprünglichen Antrag und der letztlich verabschiedeten Fassung sind erhebliche Unterschiede festzustellen. Die verabschiedete Fassung wird nach dem ersten Satz eingefügt und lautet nun:

Dies gilt vorbehaltlich einer anderslautenden rechtskräftigen Entscheidung eines DFB-Rechtsorgans und vorbehaltlich einer nur bei besonderer Gefahrenlage im Einvernehmen mit den Sicherheitsinstitutionen und nach Anhörung des Gastvereins zu treffenden anderslautenden Festlegung des Heimvereins bei Spielen mit erhöhtem Risiko gemäß §32 der Richtlinie zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen. Sofern und soweit der Heimverein eine Begrenzung des Ticket-Kontingents des Gastvereins erwägt, sind gegenüber DFB und DFL rechtzeitig vor einer entsprechenden Festlegung die Gründe hierfür schriftlich darzulegen.

Was bedeutet das?

Die Reduzierung des Kartenkontingents in der ersten und zweiten Bundesliga (nur hier gilt die Spielordnung der DFL) ist an Maßnahmen gebunden wie die Entscheidung durch ein DFB-Rechtsorgan. Hier wird eine nachträgliche Legitimierung der Reduzierung von Kartenkontingenten ermöglicht, da die bisherige Handhabung der DFB-Schiedsgerichte im krassen Widerspruch zu dem §3 Nr. 1 stand. Wenn also ein Schiedsgericht die Reduzierung von 10% auf 5% beschliesst, ist diese Maßnahme ab sofort durch diese Änderung möglich. Natürlich unter der Voraussetzung, dass es sich um ein Risikospiel handelt, dass jedoch durch den Heimverein definiert wird, und unter Anhörung des Gastvereins. Ein Mitspracherecht, wie auf der Pressekonferenz von Dr. Rauball gesagt, besteht definitiv nicht. Die Reduzierung des Kartenkontingents ist schriftlich dem DFB und der DFL anzuzeigen. Das dient nur der Dokumentation und ist keineswegs als zusätzliche Blockadeinstanz zu werten.

Somit wird es nun auch rechtlich möglich, die Gästekarten zu reduzieren. Bislang wurde hier gegen die eigene Spielordnung verstossen.

Fazit:

Wer glaubt, die Änderungen auf der DFL Mitgliederversammlung wären lediglich die Festschreibung von bislang schon gelebter Maßnahmen, der irrt ein wenig. Es gibt bei alldem jedoch noch die Hoffnung, dass der DFB Bundestag die Änderungen der „Richtlinie zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen“ ablehnt. Dann wären die Kontrolleinrichtungen, die verstärkte Durchsuchung, die Neudefinition des Risikospiels im Sande verlaufen. Es stellt sich jedoch auch die Frage, wer von den Funktionären den Mut aufbringt, der mächtigen DFL zu widersprechen.

Natürlich gibt es nicht „das DFL Sicherheitspapier“. Es wurden aus zahlreichen Maßnahmen, Änderungsanträge definiert, die wesentliche Punkte der bestehenden Spielordnung und der Sicherheitsrichtlinien ändern. Ändern einerseits um Klarheit zu schaffen, andererseits aber auch um mehr Maßnahmen gerade gegen Gästefans zu besitzen.

Sonntag, 09 Dezember 2012 17:49

Terror in der Kurve - Kommentar zum Spiegel Kommentar

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fankulturMan ist es ja inzwischen fast gewohnt, wenn in Zusammenhang mit Fußballspielen von „kriegsänlichen Zuständen“ gesprochen wird. Seit Sandra Maischbergers „Taliban der Fußballfans“ ist der Terrorismus auch in den deutschen Stadien medial angekommen. In der neuen Spiegel-Printausgabe wird ein Kommentar das Thema erneut anheizen. Jörg Kramer stellt dabei nicht weniger als den Wunsch nach Dialog in Frage: Er stellt den völlig sachfremden und indiskutablen Vergleich auf, dass man die "Terroristen" auch nicht nach Verbesserungsmöglichkeiten bei der Sicherheit fragen würde.

Aufhänger sind einmal mehr Ultras und deren Position zum Einsatz von Bengalos. Nun ist Pyrotechnik schon längst ein Politikum geworden, ein Thema, das wie kein anderes den Konflikt zwischen Fans und Verbänden widerspiegelt. Die Rückschlüsse, die Kramer daraus zieht, zeigen aber das eigentliche Dilemma. Solang die Debatte nicht auf eine sachliche Ebene zurückkehrt, wird es keine Beruhigung geben. Und dazu, lieber Herr Kramer, gehört nun mal auch das Gespräch miteinander. Gleiches gilt im Übrigen auch für Polizeigewerkschafter Wendt, der nicht müde wird zu betonen, wie sehr er es doch bedauere, dass Ultras nicht mit der Polizei reden. Um dann im gleichen Atemzug klarzustellen, dass es einen Dialog auf Augenhöhe nicht geben könne. Dieser Teufelskreis, die Quadratur des Kreises, wird weiter gehen, wenn sich beide Parteien weiter gegenseitig Radikalisierung vorwerfen.

Natürlich sind laut ZIS-Statistik (Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze) die Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz um 77% gestiegen. Zur Ursache freilich sagt Kramer nichts, denn (und das stellt die ZIS in ihrem Bericht ja selbst fest) nicht zuletzt die beendeten Gespräche mit den Fans haben dazu beigetragen: „Im Anschluss daran hatte der Vorsitzende des Nationalen Ausschusses Sport und Sicherheit, (… ) gebeten, dass die einsatzführenden Polizeibehörden keine Zweifel an der klaren Absage aufkommen lassen und jeglichen Versuchen, Pyrotechnik im Stadion zuzulassen, konsequent entgegenwirken. Dieser Hinweis dürfte zu einer weiteren Intensivierung der Strafverfolgungsmaßnahmen mit der Folge eines außerordentlichen Anstieges der eingeleiteten Ermittlungsverfahren geführt haben.“ Oder kurz gesagt: Wer sucht, der findet.

Diese angebliche „Geisterdiskussion“, die im Kommentar wieder angesprochen wird („Angeblich soll ein früherer Verbandsfunktionier mal einen Kompromiss zur Pyro Frage in Aussicht gestellt haben…“) war nicht dergleichen, was sich eigentlich inzwischen auch in die Redaktionsstuben des "Spiegels" herum gesprochen haben dürfte. Wer noch nicht Bescheid weiß, darf sich gern das auf dieser Seite veröffentlichte Interview mit Helmut Spahn durchlesen. „Ich denke wir waren auf einem guten Weg“ – Solche pragmatische, an der sachlichen Auseinandersetzung orientierte Einschätzungen wären in der aktuellen Debatte sehr hilfreich, anstatt die Terror-Keule auszupacken.

An den letzten drei Spieltagen haben die Fans jeweils 12 Minuten und 12 Sekunden geschwiegen. Ein Schweigen, das bei jedem, der Fußball so liebt wie wir ihn kennen und schätzen gelernt haben, grübeln auslöst. Spieler, Funktionäre, Trainer, Medien haben erkannt: Ein solches Szenario kann man nicht wollen.
Kramer behauptet zudem: „Ultras beanspruchen für sich, die einzigen echten Fans zu sein, und halten sich für unverzichtbar“. Es sind aber, und genau deswegen wird dieser Protest der Kampagne „Ohne Stimme keine Stimmung“ auch von einer breiten Masse unterstützt, nicht nur die Ultras, welche von den Sicherheitsmaßnahmen betroffen sind. UItras alleine bringen kein Stadion mit 80.000 Zuschauern zum Schweigen. In Stuttgart wurde der Protest von der Kurve „gefordert“, obwohl es keine Vorgabe von den „Stimmungskanonen“ – den einzig wahren Fans – gab. Ein FC Bayern München, und vielleicht noch ein oder zwei weitere Vereine, werden ihr Stadion auch ohne „aktive Fanszene“ füllen und für jede Stehplatzkarte drei Sitzplatz-Interessenten finden. Bei allen anderen Clubs werden die jetzt schon sichersten Stadien der Welt womöglich leer bleiben. Im Kommentar heißt es "Keiner würde sie vermissen" Die Wahrheit ist aber, ob mit oder ohne Ultras: Ohne Stimme wird man die Stimmung vermissen.

In der arabischen Welt wird der Wunsch nach Mitsprache von den westlichen Medien als streben nach Demokratie gefeiert. Wo, wenn nicht in einer Demokratie selbst, sollte es möglich sein gemeinsam an einem Tisch über Lösungen zu sprechen. In vielen Vereinen wird das vor Ort mit der Fanszene – auch mit Ultras – gemacht. Mit Erfolg. „Natürlich sind Fans keine Terroristen“ – Was soll dann bitte dieser Kommentar, Herr Kramer?

paragraph„Fußballfans sind keine Verbrecher“, „Für die Jungs, die draußen stehn!“ oder explizit „Stadionverbote halten uns nicht auf“, diese Parolen dürften jedem Stadiongänger schon einmal begegnet sein. Gemeint sind bundesweite Stadionverbote - kaum eine Maßnahme erhitzt die Gemüter insbesondere der organisierten Fanszene mehr und trifft die Betroffenen härter. Von „Kollektivstrafe“, „Sippenhaft“ und völliger Willkür ist oft die Rede, während Kritiker der Ultrakultur gerne rumätzen, dass die Stadionverbotler alle selber schuld seien, weil sie selber ja schon seit xy Jahren zum Fußball gingen und noch niiiiiie Probleme gehabt hätten. Hakt man dann einmal genauer nach, stellt man schnell fest, dass (auf beiden Seiten!) bestenfalls lückenhaftes Wissen über diese einschneidende Maßnahme vorhanden ist und vieles über Legendenbildung und Stammtischparolen läuft. Grund genug, die tatsächliche Rechtslage und Vergabepraxis in Deutschland einmal näher zu beleuchten.

Samstag, 24 November 2012 16:22

Pyrotechnik ist kein Vebrechen, aber...

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pyro hsvAuch gestern hallte es zu Spielbeginn durch das Stadion. Düsseldorfer Fans erwiderten mit „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“ Sprechchören die Pyro-Aktion der Gäste aus Hamburg. Wenige Minuten später blieb dieser Satz dann wohl manchem im Hals stecken. Plötzlich brannten nicht nur die Fackeln sondern ein Plakat sowie die am Zaun angebrachten Zaunfahnen der HSV-Ultras.

Auch wenn es  leichte Verletzte gab, angesichts eines vollen Gästeblocks nochmal Glück gehabt. Folgenlos wird die Aktion so oder so nicht bleiben. Neben den üblichen Strafen für den Hamburger Sportverein wird die Debatte um Stadionsicherheit seit gestern durch einen neuen Fakt befeuert: Das Pyrotechnik unter den gegebenen Umständen eben nicht risikofrei eingesetzt werden kann. Was Sicherheitsbehörden, Verbände und Politik schon lange sagen, müssen auch die Anhänger der Feuerkunst eingestehen. Nun kann man sagen: Seit dem Vorfall Anfang 2010 in Bochum, wo durch den Einsatz von Pyrotechnik ein Nürnberger Fan im Gästeblock durch Pyrotechnik schwer verletzt wurde, ist bisher nichts mehr passiert. Seit gestern ziemlich schwaches Argument.

Was als Argument bleibt: Wenn ein legaler, kontrollierter Einsatz möglich wäre, kann so etwas wie in Nürnberg oder nun in Düsseldorf nicht passiert. Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre…. Vom Anliegen der Kampagne „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“ ist man wohl noch nie so weit weg gewesen wie dieser Tage.  So legitim das Bestreben der Kampagne ist, die Erfolgsaussichten gehen nicht erst seit gestern gegen null. Als Fan muss man fast froh sein, wenn der aktuelle Status in deutschen Stadien erhalten bleibt und nicht weiter beschränkt wird. Weniger Stehplätze, weiter steigende Kartenpreise und verringertes Gästekontingent wären erste Auswirkungen die alle Zuschauer zu spüren bekommen würden. Vielleicht ganz gut das die aktive Fan bzw. Ultrasszene eine neue gemeinsame Kampagne initiiert hat. 12:12 – Ohne Stimme keine Stimmung. Man möchte Druck ausüben und Einigkeit zeigen wenn es darum geht das Ansinnen von Politik und DFL zu verhindern, unter dem Deckmantel „Stadionsicherheit“ weitere Beschränkungen für die aktive Fanszene durchzusetzen. Bis zum 12. Dezember möchte man in und um die deutsche Stadien Aufklärungsarbeit leisten und in verschiedenen lokalen Aktionsformen für die eigenen Anliegen werben. „DFL Papier ablehnen“ prangte groß an der Brüstung des Oberrangs über dem Gästeblock. So gesehen war die Pyro-Aktion in Düsseldorf wohl auch als  Protestaktion gegen das DFL-Papier zu verstehen.  An diesem Wochenende startet die Aktion offiziell: Die Hamburger Szene hat dazu direkt einen negativen Beitrag beigesteuert.

Womöglich haben die Hamburger Pyro-Aktivisten bewusst versucht, ihr Anliegen mit einigen roten Fackeln zu untermauern. Vermutlich in der sicheren Annahme, das nichts schief geht. Nun muss man sich mit den Konsequenzen auseinander setzen. Das die Zaunfahne der Chosen Few mit in Rauch aufging und von den Düsseldorfern hämisch besungen wurde, darf dabei nur Nebensache sein.
Pyrotechnik ist kein Verbrechen, aber verboten. Und wer unter dieser Voraussetzung nicht für einen verantwortungsvollen Einsatz sorgen kann, der muss darauf verzichten. Diese Konsequenz sollten die beteiligten Gruppen aus Hamburg ziehen - und nicht nur in Hamburg.

Im Übrigen: Auf dem Plakat vor dem Block stand „Lasst uns ein Spiel spielen“ Das Spiel dauerte wenige Sekunden und ging verloren. Selten dämlich.

zdf infoIn den 1990er-Jahren war die italienische Serie A noch das Nonplusultra des europäischen Fußballs. So zog es auch die deutschen Stars wie Jürgen Klinsmann, Andreas Möller, Matthias Sammer, Jürgen Kohler, Rudi Völler, Andreas Brehme und viele weitere über den Brenner. Seit einigen Jahren erlebt der Fußball südlich der Alpen jedoch einen rapiden Niedergang.

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