So26Mar2017

Back Aktuelle Seite: Bolzplatz
Freitag, 07 Februar 2014 19:34

„WDR 4 wird eher selten gewünscht...“

geschrieben von

businterview1Jeder von uns kennt sie – die Bustour zum Auswärtsspiel. Und jeder von uns kann (meist) lustige Schnurren über die eine oder andere Fahrt im Reisebus erzählen. Aber wie sieht eigentlich eine Auswärtstour aus Sicht der Reisebusunternehmer und vor allem aus Sicht der Busfahrer aus? Wir haben einen Busunternehmer dazu befragt.

Donnerstag, 23 Januar 2014 21:43

Die Fußball-Schlägerei vom Kölner Rudolfplatz …

geschrieben von

Rudolfplatz

Am 18. Januar 2014 kam es in der Kölner Innenstadt vor einem Testspiel zwischen dem 1. FC Köln und Schalke 04 zu einer von etwa 200 Personen geführten Schlägerei, bei der ein Beteiligter beinahe sein Leben verlor. Das Ereignis wies mehrere ungewöhnliche Aspekte auf. Dazu gehörte nicht nur, dass sich offenbar Ultras an einer Hooligan-Auseinandersetzung beteiligten, sondern dass mit den Schalkern verfeindete Dortmunder an der Seite befreundeter Kölner losschlugen.

Letzteres führte unter anderem dazu, dass ein Pressesprecher der Polizei seine Verwunderung über die Beteiligung der Dortmunder äußerte. Diese Aussage überraschte wiederum manch einen Fußballanhänger, denn die vom 1. FC Köln erfolgte Ansetzung eines „Freundschaftsspiels“ gegen Schalke 04 beinhaltete von vornherein ein erhöhtes Risiko. Es begründete sich aus einer freundschaftlichen Verbindung der Kölner Ultra-Gruppe „Boyz“ mit der Dortmunder Ultra-Gruppe „Desperados“ sowie dem Umstand, dass beiden Zusammenschlüssen rechtsextremistische Tendenzen nachgesagt werden. Darüber hinaus war es im Verlauf eines im vergangenen Oktober in Gelsenkirchen ausgetragenen Revierderbys zu erheblichen Ausschreitungen Dortmunder Fans gekommen. Vor diesem Hintergrund mussten nicht nur eingeweihte Erlebnisorientierte mit einem gewalttätigen Aufeinandertreffen verfeindeter Vereinsanhänger rechnen.

Wer sich am Vormittag des 18. Januar im Kölner Zentrum aufhielt, konnte eine Polizeipräsenz feststellen, die in ihrer Stärke nicht dem Testspielbetrieb, sondern brisanten Bundesligabegegnungen entsprach. So sicherten mit Köperschutz ausgestattete Bundespolizisten den Hauptbahnhof und hielten in dessen für schnelle Gruppenbewegungen geeigneten Seitengang so genannte Hamburger Gitter als Absperrmittel bereit. Auf dem Bahnhofsvorplatz zeigte Landespolizei Präsenz. Während sich dadurch andeutete, dass sich die Sicherheitskräfte auf ein so genanntes Risikospiel vorbereitet hatten, trafen sich im geräumigen Saal des angrenzenden Gaffel-Brauhauses FC-Fans mit schwarz-gelb bekleideten BVB-lern.

Im Kontrast zur unauffällig bleibenden Lage rund um den Hauptbahnhof, kam es etwa anderthalb Kilometer davon entfernt um etwa 14:45 Uhr zu einem plötzlichen Gewaltausbruch. Er ereignete sich auf dem Rudolfplatz, einem innenstädtischen Verkehrsknotenpunkt mit U-Bahn-Station, Straßenbahnhaltestelle und angrenzenden Einkaufsstraßen. Dabei entstand aufgrund der großen Anzahl der Beteiligten eine unübersichtliche Situation, in der eine Person lebensgefährlich verletzt wurde. Die Schlägerei dauerte lediglich eine geschätzte Minute, bevor mit Mannschaftstransportern herangeführte Polizisten in Einsatzausrüstung eintrafen. Diese erwiesen sich als gut vorbereitet und äußerst handlungsfähig. So brachten sie nicht nur den Platz innerhalb kurzer Zeit unter ihre Kontrolle, sondern verhafteten auch mehrere in die Nachbarstraßen geflüchtete Personen. Darunter befanden sich ältere Hooligans mit einem Erscheinungsbild im Stil Bomberjacke-Kraftsport-Anabolika, die nach der Verhaftung durchaus entspannt wirkten, da ihnen das weitere behördliche Verfahren bekannt sein dürfte.

Zur gleichen Zeit rang eine im Verlauf der Auseinandersetzung niedergestreckte Person mit dem Tod. Bei dem Mann, dessen Gesundheitszustand später stabilisiert werden konnte, handelte es sich nach Angaben der Polizei um einen 40-jährigen, einschlägig bekannten Schalker, der unter Drogeneinfluss stand. Die Presse veröffentlichte dazu ein Foto, das ihn mit Quarzsandhandschuhen zeigte, die Straßenkämpfen zum Schutz der eigenen Fäuste und zur Verstärkung der Schlagwirkung eingesetzt werden. Sie gab zudem an, dass die Polizei etwa 50 Personen verhaftet und Ermittlungen gegen die beiden Ultra-Gruppen in die Wege geleitet habe.

In der Nachbetrachtung verwundert, dass der Rudolfplatz zum Austragungsort wurde, da Hooligans sich heutzutage in der Regel abseits der mit modernen Sicherheitseinrichtungen ausgestatteten Stadien „auf dem Acker“ verabreden, um sich dadurch dem Zugriff der Polizei zu entziehen. Ein innenstädtischer Verkehrsknotenpunkt ist für ein derartiges Vorhaben denkbar ungeeignet, was die schnelle Zuführung der Einsatzkräfte belegt. Die Konsequenzen bestanden nicht nur in einer raschen Beendigung der Schlägerei und umfangreichen Verhaftungen, sondern auch in dem Umstand, dass sich der Polizei aufgrund der Aufzeichnungen der Sicherheitskameras der Verkehrsbetriebe und der anliegenden Geschäfte diverse Ermittlungsansätze eröffnen könnten.

Wenngleich der Bestand an gesicherten Hintergrundinformationen noch begrenzt ist und sich nähere Erkenntnisse erst mittelfristig im Rahmen der strafrechtlichen Aufarbeitung ergeben werden, können folgende Thesen aufgestellt werden:

  1. Die von einer dreistelligen Personenzahl ausgetragene Auseinandersetzung widerspricht der zuweilen in der Presse geäußerten Annahme, nach der die Hooliganszene nicht mehr handlungsfähig ist.
  2. Das gleichzeitige Auftreten älterer Hooligans und junger Ultras stützt die vom Fanforscher Gunter A. Pilz vertretene Auffassung, nach der sich diese Fanarten teilweise zu so genannte Hooltras vermischen.
  3. Das für den Abend des 25. März 2014 (um 20:00 Uhr!) terminierte Heimspiel des BVB Dortmund gegen Schalke 04 birgt ein nun noch weiter gesteigertes Gefahrenpotenzial.
  4. Die kombinierte Schlagkraft der Kölner und Dortmunder Erlebnisorientierten dürfte nicht nur bei entsprechend eingestellten Schalkern zu gewissen Überlegungen führen, sondern auch bei mit den Kölnern verfeindeten Mönchengladbachern und Leverkusenern.

Die Verantwortlichen der drei Bundesligisten werden sich intensiv mit der Auseinandersetzung beschäftigen müssen. Das betrifft aufgrund des speziellen Charakters der Ultra-Verbindung vor allem die Vereinsführungen von Borussia Dortmund und des 1. FC Köln. Für die Westfalen war es bereits der zweite Gewaltexzess innerhalb weniger Monate. Zudem thematisierten im vergangenen Jahr mehrere Presseveröffentlichungen rechtsextremistische Aktivitäten beim BVB und benannten dabei auch die „Desperados“. Aufgrund der Verbindung der „Boyz“ zu dieser Gruppe ergibt sich innerhalb des FC eine besondere Brisanz. Denn während sich in der Ruhrgebietsmetropole das Zentrum der rechtsextremistischen Szene Nordrhein-Westfalens befindet und seit den 1980er Jahren begrenzte Gruppen rechtsextremistischer Fans hervortreten, herrscht in der Domstadt ein tolerantes und liberales Klima, dass sich in seinem Vorzeigeverein spiegelt. Da die weit überwiegende Mehrheit der FC-Fans Rechtsextremismus entschieden ablehnt, könnten sich innerhalb seiner Anhängerschaft Kontoversen über die Haltung zu den „Boyz“ entwickeln. Dies könnte auch die Frage nach deren Stellung innerhalb der Kurve beinhalten, deren Klima von der weitaus größeren Ultra-Gruppe „Wilde Horde“ dominiert wird. Vor diesem Hintergrund darf man gespannt sein, in welcher Atmosphäre das nächste Heimspiel ausgetragen wird.

Letztendlich ergibt sich aus der Schlägerei auch eine bittere Ironie für die gesamte deutsche Fanszene, da sich am Tag der Auseinandersetzung engagierte Anhänger unterschiedlicher Vereine zu einem Fankongress trafen, der unter anderem eine nach Ansicht der Veranstaltungsteilnehmer überbordende Sicherheitspolitik kritisierte. Die Massenschlägerei vom Rudolfplatz hat nun allerdings die Argumentationsposition der Verfechter schärferer Bestimmungen gestärkt.

Anmerkung: Die Situation um den Bahnhof wurde vom Verfasser beobachtet. Die Schilderung der der Schlägerei auf dem Rudolfplatz erfolgte aufgrund der Angaben von zwei dem Verfasser bekannten, zufällig anwesenden, langjährig aktiven Fans.

Montag, 20 Januar 2014 04:33

Ein literarisches Denkmal für den SSC Neapel

geschrieben von

 

Napoli20141Neapel - in keiner anderen Stadt Europas wird der Fußball wohl so gelebt wie in dieser süditalienischen Stadt. Der SSC Neapel ist mehr als nur ein Fußballverein, er ist das Lebensgefühl von Millionen Menschen, der Kitt im brüchigen Gefüge der sozialen Schichten.

Der freie Journalist und langjährige Italien-Korrespondent des Sportmagazins „kicker“, Oliver Birkner, hat dem Verein nun ein literarisches Denkmal gesetzt. Unter dem Titel „Eines Tages im Mai - Die Geschichte des SSC Neapel“ präsentiert er die Historie eines Vereins, den man eigentlich nur lieben kann, wenn man sich näher mit ihm beschäftigt.

Um das weitere Buch verstehen zu können, führt Birkner seine Leser zunächst in das Lebensgefühl („Was ist Napoletanità?“) der Napolitaner ein, bei denen der stetige Konflikt zwischen dem armen Süden und dem reichen Norden des Landes ebenso von elementarer Bedeutung ist („Die Südproblematik“).

In den rund 250 Seiten beginnt Birkner schließlich seine Zeitreise mit den Anfängen des Fußballs in Italien. Doch hier entsteht keine langweilige Geschichtsreise, denn schnell schlägt der Autor den Bogen zu den Anfängen des Fußballs in Neapel. Der 1. August 1926, als der lokale Unternehmer Giorgio Ascarelli die Associazione Calcio Napoli ausruft, gilt schließlich als das Geburtsdatum des späteren SSC Neapel. In kurzweiliger Art und Weise präsentiert Birkner die facettenreiche Historie des Vereins. Eigenwillige Präsidenten wie Achille Lauro und Corrado Ferlaino werden ebenso porträtiert, wie die Verpflichtungen von Stars ihrer Zeit wie José Altafini und Omar Sivori 1965/66, Dino Zoff 1967/68 oder Ruud Krol 1980 thematisiert. Die Einflüsse der organisierten Kriminalität, persönlicher Eitelkeiten und mysteriös verpasste Scudetti bleiben ebenfalls nicht unerwähnt.

Napoli20142Gegen Ende nimmt selbstverständlich die Ära Maradona eine zentrale Position ein: Von der Verpflichtung über die sportlichen Höhenflüge rund um die zwei Meisterschaften 1987 und 1990 sowie den Triumph im Uefa-Pokal 1989 bis hin zum fußballerischen und menschlichen Niedergang des Superstars Anfang der 1990er stellt Birkner die wohl prägendste Epoche des Vereins lebendig dar. Abgerundet wird dieses Kapitel mit zahlreichen Interviews, darunter mit Thomas Berthold, Lothar Matthäus, Maurizio Gaudino und Giuseppe Bergomi.

In den Schlussseiten bekommt der Leser abermals ein Gefühl für die Bedeutung des SSC Neapel für die Menschen der Stadt, wenn der Autor die wundersame Wiederauferstehung des Vereins aus der Serie C bis hin in die Champions League unter dem neuen Präsidenten Aurelio De Laurentiis beschreibt. Zum Ausklang liefert das Buch einen umfangreichen Statistikteil sowie eine Zeittafel.

Alles in allem stellt das Buch eine Pflichtlektüre für Fußballfans dar, die sich für einen, wenn nicht sogar den ausgefallensten Verein Europas interessieren. Das runde Leder stellt in Neapel das materialisierte Lebensgefühl von Millionen Menschen dar - und Oliver Birkner transportiert genau dies mit seinem Buch. Gänsehautgefühle sind dabei garantiert - insbesondere bei der Schilderung der ersten Meisterschaft 1987, der erfüllten Sehnsucht nach jahrzehntelanger Warterei.

 

  • Oliver Birkner: Eines Tages im Mai - Die Geschichte des SSC Neapel, Verlag Die Werkstatt, ca. 250 Seiten, ISBN 978-3-7307-0009-9, 14,90 €.

 Ruf1„Wieder einmal ein Buch über d i e Ultras?“ Diese Frage schießt einem unwillkürlich in den Kopf beim Blick auf das neue Buch des freien Journalisten Christoph Ruf. Unter dem Titel „Kurvenrebellen - Die Ultras - Einblicke in eine widersprüchliche Szene“ ist das Werk vor kurzer Zeit erschienen. Rund ein Jahr, nachdem die deutsche Ultra-Szene nicht zuletzt rund um die 12:12-Proteste bundesweit im Fokus stand, legt der Autor nun ein Buch vor, das sich der Szene von innen nähert und sie erfrischend differenzierter darstellt, als es oftmals in den meisten Medien der Fall ist.

Unterteilt ist das Buch nach der Einleitung in 19 Kapitel, in denen Ruf einen Streifzug durch die deutsche Ultra-Landschaft vollzieht. Der Journalist spricht dabei nicht nur ü b e r, sondern vielmehr m i t den Angehörigen dieser jugendlichen Subkultur, die in den vergangenen 24 Monaten in der öffentlichen Darstellung einigen Kredit verloren.

Dabei lässt sich das Buch grob in zwei Abschnitte unterteilen. Zunächst widmet sich Ruf der Selbstdefinition der Ultra-Szene, hierbei insbesondere der Vorliebe für Pyrotechnik, dem Hass auf die Polizei und den Angriffen auf Ultras anderer Vereine. Wie es der Untertitel des Werkes bereits suggeriert, arbeitet Ruf hier auch einige Widersprüche innerhalb der Subkultur hervor; beispielsweise bei der Verwendung von Pyrotechnik, die den Verein nach eigenem Verständnis unterstützen soll, diesem gleichzeitig aber auch teilweise drakonische Strafen einbringt. Auch die Ablehnung der Polizei von Personen, die vermutlich noch nie in ihrem Leben mit den Gesetzeshütern in Konflikt geraten sind, darf als Beispiel nicht fehlen.

Ruf porträtiert eine „Szene zwischen Gewaltfaszination und Nachdenklichkeit“ und warum beim „Feindbild Polizei [...] die Fronten verhärtet bleiben“. Durch zahlreiche O-Töne aus dem Ultra-Spektrum gewinnt der Leser hier zahlreiche interessante Einblicke in die Denkweise dieser extremsten aller Fußballanhänger.

Im thematisch zweiten Teil des Buches nähert sich Ruf dem zunehmend aufkommenden Konflikt zwischen der Ultra- und der Hooligan-Szene sowie den rechtsextremistischen Einflüssen in den deutschen Fankurven. Die einschlägigen Beispiele Duisburg, Dortmund, Aachen dürfen dabei natürlich nicht fehlen.

Ruf2Abgerundet wird das Buch durch zwei separate Blöcke mit Farbfotos, mit denen die Aktivitäten der Ultra-Szene bildlich dokumentiert werden.

Während der zweite Teil des Buches gerade nach dem medialen Hype im vergangenen Jahr 2013 wenig Neues, dafür aber eine kompakte Zusammenfassung liefert, besticht insbesondere der erste Teil, der sich mit der Eigendefinition und dem dazu teils konträren Verhalten der Ultras auseinandersetzt. Insofern stellt das Buch eine ideale Lektüre für die Zeit bis zum Rückrundenstart dar, wenn man sich als Sympathisant des deutschen Fußballs und seiner Fankultur einmal näher mit der Ultra-Thematik auseinandersetzen möchte, ohne dabei nur auf das oftmals einseitige mediale und (polizei-)politische Gezeter angewiesen zu sein.

  • Christoph Ruf: Kurvenrebellen - Die Ultras - Einblicke in eine widersprüchliche Szene, Verlag Die Werkstatt, 189 Seiten, ISBN 978-3-7307-0044-0, 12,90 €.

 

Die unter dem Begriff Hooliganismus bekannte organisierte Fußballgewalt kam zu Beginn der 1980er Jahre in Deutschland auf und war rund zwei Jahrzehnte lang ein auffälliger Teil des Stadionlebens. Eine Mischung aus intensivierter Polizeiarbeit, verbesserter Überwachung und modernisierten Spielstätten zwang erlebnisorientierte Fans jedoch zu Drittortbegegnungen „auf dem Acker“. Zudem verringerte eine Absorbierung unangepasster Jugendlicher durch die Ultra-Bewegung das personelle Potenzial der Szene. Trotz allem ist der Hooliganismus nicht ausgestorben, was sich insbesondere am Rande bedeutender Derbys zeigt. Denjenigen, die einen Blick zurück werfen möchten, bietet sich eine Gelegenheit durch die von Michael Pettau veröffentlichte Interviewsammlung „Fußballrowdies! Die Mobs der achtziger und neunziger Jahre“.

Sie ist im auf Hooligan-Literatur spezialisierten „Trolsen Verlag“ erschienen und dokumentiert Gespräche mit erlebnisorientierten Fans von 28 westdeutschen Vereinen. Darunter sind Angehörige personenstarker Mobs wie der Schalker „Gelsen-Szene“ der Frankfurter „Adler-Front“ oder der Münchener „Service Crew“, aber auch von Gruppen wie den Karlsruher „Destroyers“ oder den Braunschweiger „Alten Kameraden“. Die Befragten äußern sich bereitwillig anhand eines festen Fragenkatalogs, was ihre Aussagen vergleichbar macht. Diese Vergleichbarkeit spricht für die Glaubwürdigkeit der jeweiligen Angaben, denn es zeigen sich bei aller Verschiedenheit gruppenübergreifende Gemeinsamkeiten, die Rückschlüsse auf die bundesdeutsche Gesamtszene erlauben.

Vorraussetzung für das Buch war ein direkter Zugang zu den eigentlich öffentlichkeitsscheuen Fußballschlägern der diversen Vereine. Diesen ermöglichte das Vorleben des Autors, denn er war bzw. ist weiterhin einer von ihnen. Pettau beschreibt sich in diesem Zusammenhang als „Fußballrowdy“, als „einer der sich gern schlägt beim Fußball“. Ihm berichteten seine Gesprächspartner über ihre Beweggründe dafür, „sich für seinen Verein gerade zu machen“ und geben Einblicke in diverse Aspekte der Szene. Dazu gehören Einflüsse der „Kutten“ und anderer Subkulturen der frühen 1980er Jahre, aber auch rechtsextremistische Erscheinungen bei verschiedenen Mobs. Zudem weisen übereinstimmende Aussagen darauf hin, dass zu dieser Zeit eine Ahnungslosigkeit von Polizei und Ordnern sowie die baulichen Beschaffenheiten der Stadien die eigene Handlungs- und Bewegungsmöglichkeiten begünstigten. Aussagekräftig sind zudem Informationen über freundschaftliche Verbindungen zwischen einzelnen Vereinsanhängerschaften sowie über jahrzehntelang bestehende Feindschaften, die noch heute bei so genannten Risikospielen zu Gewaltausbrüchen führen. Aus den Gesprächen ergibt sich hinsichtlich der persönlichen Auswirkungen, dass die eigentlichen Schlägereien in der Regel geringere körperliche Schäden verursachten, als ein die Gesundheit vieler Hooligans ruinierender oder gar deren Leben kostender Drogenkonsum. Die Interviews rücken darüber hinaus Behauptungen von Journalisten zurecht, nach denen ein allgemein gültiger Ehrenkodex eingehalten wurde, der unter anderem den Einsatz von Waffen untersagte oder dass es sich bei den „Fußballrowdies“ der 1980er und 1990er Jahre nicht um Vereinsanhänger im eigentlichen Sinn handelte.

Eine Auflockerung erfahren die hintereinander abgedruckten Interviews durch Zwischenbeiträge über die von den Gesprächspartnern bevorzugte Kleidung (von Blue System-Jeans bis zu New Balance-Turnschuhen), Musik (vom Skinheadrock bis zum Techno) und Bewaffnung (vom CS-Gas bis zum Leuchtstift). Sie fallen aber zu knapp aus und weisen auf die Schwäche der Veröffentlichung hin - es ist die kaum vorhandene redaktionelle Einbindung der Gesprächsmitschriften. Zwar ermöglicht das Buch aufgrund der Offenheit der Interviewten einen einfachen Zugang zum Thema; es hätte aber eine über ein knappes Vorwort hinausgehende Einführung verdient gehabt, die einen Überblick über die generelle Entwicklung der Szene gegeben hätte. Zudem wäre eine Bestandsaufnahme sinnvoll gewesen, die sich auch mit der Frage beschäftigt hätte, inwieweit die sich heute abseits der Spiele treffenden Personen noch mit ihren Vereinen verbundene „Fußballrowdies“ sind oder lediglich allgemein an Vollkontakten interessierte Schläger. Die Schwäche verwundert angesichts des in die Veröffentlichung investierten Arbeitsaufwandes durch die Kontaktaufnahmen mit den Zeitzeugen sowie die damit verbundenen Überzeugungsarbeiten und Reisetätigkeiten. Allerdings tritt dieser Mangel hinter dem großen Informationsgehalt zurück.

Ehemaligen „Fußballrowdies“ gewährt die Interviewsammlung einen Blick zurück in ihre eigene Vergangenheit sowie die Entwicklung ihrer einstigen Kontrahenten, mit denen sie jedoch als Gleichgesinnte so viel teilen. Altgedienten Fans, die ihre Vereine bereits in Zeiten unterstützten, in denen Stadien noch keine Arenen waren, bieten sich Erklärungsansätze für das einem damals zuweilen merkwürdig erscheinende Auftreten sportlich gekleideter Personen, die auch bei sonnigem Wetter Regenschirme mit sich führten. Einen besonderen Wert hat die Veröffentlichung für alle generell an der Entwicklung der deutschen Fankultur interessierten Personen, da sie wertvolle Hintergrundinformationen über eine ihrer auffälligsten Erscheinungen liefert. Michael Pettau geht davon aus, dass „die Szene der Hooligans ausstirbt.“ Es wird sich zeigen, ob er damit richtig liegt. Unabhängig davon dokumentiert seine Interviewsammlung die Entstehung und Entwicklung dieser Szene.

rowdies buchcoverMichael Pettau

„Fußballrowdies!“ Die Mobs der achtziger und neunziger Jahre

Trolsen Verlag

14,90 Euro

Foto2Pünktlich zum Weihnachtsfest legen die beiden Autoren Dirk Unschuld und Frederic Latz ein Werk vor, das bei jedem eingefleischten FC-Fan eigentlich ein Muss unterm Tannenbaum ist. Das 608 Seiten umfassende Mammutwerk ist unter dem Titel „Mit dem Geißbock auf der Brust - Alle Spieler, alle Trainer, alle Funktionäre des 1. FC Köln“ soeben erschienen.

Jeder Spieler, der mindestens ein Pflichtspiel für den 1. FC Köln absolviert hat, wird in diesem Buch porträtiert, von A wie Achenbach, Timo bis Z wie Zivkovic, Boris.

Die Vorstellungen im Fließtext setzen sich aus biografischen Angaben sowie teilweise sehr amüsanten Anekdoten zusammen. Bei älteren Spielern wurden zudem - sofern vorhanden - neben Fotos aus der aktiven Zeit auch Bilder aus der Gegenwart abgedruckt. Abgerundet werden die Einzelporträts mit statistischen Angaben zur Laufbahn.

Während die Spieler natürlich den größten Teil des Buches beanspruchen, bleiben aber auch die Trainer nicht unberücksichtigt. Auch hier erfolgen die Porträts nach demselben Muster wie bei den Spielern. Besonders gelungen ist auch das Schlusskapitel über die Funktionäre und andere dem 1. FC Köln verbundene Personen. Die letzten sieben Seiten vor dem Anhang sind dabei mit Franz Kremer dem ersten Präsidenten des FC gewidmet. Es folgen im Anhang als Abschluss Zeittafeln aller Chef- und Interimstrainer, Co- und Assistenztrainer, Torwarttrainer, Konditions- und Rehatrainer, Masseure/Physiotherapeuten, Mannschaftsärzte, Mannschaftsbusfahrer, Zeugwarte, Hennesbetreuer, Teambetreuer sowie alle Vertrags- oder Lizenzspieler des 1. FC Köln ohne Pflichtspieleinsatz in der ersten Mannschaft.

Entstanden ist das Buch in den vergangenen fünf Jahren, in denen sich die Autoren Unschuld und Latz darum bemühten, mit allen aktuellen und ehemaligen FC-lern in Kontakt zu treten und darüber hinaus statistische Angaben von diversen Ämtern in Erfahrung zu bringen. Diese Akribie zahlt sich aus: Für jeden FC-Fan ist das Buch ein wirkliches Muss. Beim Blättern kann man sich auf eine Zeitreise durch die FC-Geschichte begeben - und sich auch an zahlreiche Spieler erinnern, die man eigentlich fast schon vergessen hatte; ein ideales Buch für kalte, lange Abende in der Winterpause.

Foto3Aber auch für Menschen außerhalb des Geißbock-Umfeldes bietet das Buch allerlei Interessantes, stellt es doch auch ein Stück Fußball- bzw. Bundesligageschichte dar. Aber diese grundsätzlich am Fußball interessierte Zielgruppe außerhalb Kölns dürfte vermutlich häufig durch den hohen Preis von fast 45 Euro vor einem Kauf zurückschrecken.

Vorgestellt wurde das Buch jetzt in einer Buchhandlung am Neumarkt. Neben den beiden Autoren waren auch der aktuelle Trainer Peter Stöger und Torwarttrainer Alexander Bade sowie die Altstars Wolfgang Weber und „Hansi“ Reif zu Gast. Moderiert wurde die Veranstaltung durch den FC-Stadionsprecher Michael Trippel. Nach einer kurzen Interviewrunde standen alle Beteiligten den Gästen noch für eine Signierstunde zur Verfügung.

  • Dirk Unschuld, Frederic Latz: Mit dem Geißbock auf der Brust - Alle Spieler, alle Trainer, alle Funktionäre des 1. FC Köln. Verlag Die Werkstatt, Hardcover, 608 Seiten. ISBN 978-3-7307-0047-1, 44,90 €.

stadionverbot verdacht cfhhAm 17. November 2013 schrieb der Spiegel unter dem Titel “Randale beim Fußball: DFB verschärft Stadionverbote” über die geplante neue Stadionverbotsrichtline des DFB (offizieller Titel: Richtlinien zur einheitlichen Behandlung von Stadionverboten). In dem, von zahlreichen anderen Medien übernommenen, Artikel wird von der Verschärfung der SV-Richtlinien gesprochen, von der neuen Maximaldauer von fünf Jahren und der wöchentlichen Meldung der Liste der aktuellen SV-Inhaber an die ZIS.

Wie dem Spiegel, liegen auch uns die neuen Richtlinien vor, ebenso die Hinweise und Erläuterungen zu diesem, vom DFB-Präsidium zwischenzeitlich verabschiedeten Papier.

Hier nun eine kurze Übersicht was sich tatsächlich geändert hat. Denn im Gegensatz zu dem vom Spiegel verbreiteten Artikel gibt es erhebliche Änderungen, gerade was die Dauer der Stadionverbote betrifft, wie auch die Anhörungen dazu.

Anpfiff

Fankurve

Fan-Block