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Mittwoch, 11 Juni 2014 18:35

Kopf der Woche: Fußballfan

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zdf kopfderwocheIm Rahmen der Reihe "Kopf der Woche" widmet sich der Spartensender zdf.kultur heute dem "Fußballfan" Ab 20.15 Uhr zeigt der Sender unter dem Motto "Sitzplatzhocker, Kuttenträger, Ultra oder Hooligan" Reportagen, Spielfilme und Dokumentationen rund um das Thema Fußballfan. "Für manche ist die Liebe zur schönsten Nebensache der Welt auch nur Vorwand oder Mittel zum Zweck, aber eins sind sie doch alle: Fußballfans." heißt es in der Ankündigung zum Abend.

Montag, 20 Januar 2014 04:33

Ein literarisches Denkmal für den SSC Neapel

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Napoli20141Neapel - in keiner anderen Stadt Europas wird der Fußball wohl so gelebt wie in dieser süditalienischen Stadt. Der SSC Neapel ist mehr als nur ein Fußballverein, er ist das Lebensgefühl von Millionen Menschen, der Kitt im brüchigen Gefüge der sozialen Schichten.

Der freie Journalist und langjährige Italien-Korrespondent des Sportmagazins „kicker“, Oliver Birkner, hat dem Verein nun ein literarisches Denkmal gesetzt. Unter dem Titel „Eines Tages im Mai - Die Geschichte des SSC Neapel“ präsentiert er die Historie eines Vereins, den man eigentlich nur lieben kann, wenn man sich näher mit ihm beschäftigt.

Um das weitere Buch verstehen zu können, führt Birkner seine Leser zunächst in das Lebensgefühl („Was ist Napoletanità?“) der Napolitaner ein, bei denen der stetige Konflikt zwischen dem armen Süden und dem reichen Norden des Landes ebenso von elementarer Bedeutung ist („Die Südproblematik“).

In den rund 250 Seiten beginnt Birkner schließlich seine Zeitreise mit den Anfängen des Fußballs in Italien. Doch hier entsteht keine langweilige Geschichtsreise, denn schnell schlägt der Autor den Bogen zu den Anfängen des Fußballs in Neapel. Der 1. August 1926, als der lokale Unternehmer Giorgio Ascarelli die Associazione Calcio Napoli ausruft, gilt schließlich als das Geburtsdatum des späteren SSC Neapel. In kurzweiliger Art und Weise präsentiert Birkner die facettenreiche Historie des Vereins. Eigenwillige Präsidenten wie Achille Lauro und Corrado Ferlaino werden ebenso porträtiert, wie die Verpflichtungen von Stars ihrer Zeit wie José Altafini und Omar Sivori 1965/66, Dino Zoff 1967/68 oder Ruud Krol 1980 thematisiert. Die Einflüsse der organisierten Kriminalität, persönlicher Eitelkeiten und mysteriös verpasste Scudetti bleiben ebenfalls nicht unerwähnt.

Napoli20142Gegen Ende nimmt selbstverständlich die Ära Maradona eine zentrale Position ein: Von der Verpflichtung über die sportlichen Höhenflüge rund um die zwei Meisterschaften 1987 und 1990 sowie den Triumph im Uefa-Pokal 1989 bis hin zum fußballerischen und menschlichen Niedergang des Superstars Anfang der 1990er stellt Birkner die wohl prägendste Epoche des Vereins lebendig dar. Abgerundet wird dieses Kapitel mit zahlreichen Interviews, darunter mit Thomas Berthold, Lothar Matthäus, Maurizio Gaudino und Giuseppe Bergomi.

In den Schlussseiten bekommt der Leser abermals ein Gefühl für die Bedeutung des SSC Neapel für die Menschen der Stadt, wenn der Autor die wundersame Wiederauferstehung des Vereins aus der Serie C bis hin in die Champions League unter dem neuen Präsidenten Aurelio De Laurentiis beschreibt. Zum Ausklang liefert das Buch einen umfangreichen Statistikteil sowie eine Zeittafel.

Alles in allem stellt das Buch eine Pflichtlektüre für Fußballfans dar, die sich für einen, wenn nicht sogar den ausgefallensten Verein Europas interessieren. Das runde Leder stellt in Neapel das materialisierte Lebensgefühl von Millionen Menschen dar - und Oliver Birkner transportiert genau dies mit seinem Buch. Gänsehautgefühle sind dabei garantiert - insbesondere bei der Schilderung der ersten Meisterschaft 1987, der erfüllten Sehnsucht nach jahrzehntelanger Warterei.

 

  • Oliver Birkner: Eines Tages im Mai - Die Geschichte des SSC Neapel, Verlag Die Werkstatt, ca. 250 Seiten, ISBN 978-3-7307-0009-9, 14,90 €.

 Ruf1„Wieder einmal ein Buch über d i e Ultras?“ Diese Frage schießt einem unwillkürlich in den Kopf beim Blick auf das neue Buch des freien Journalisten Christoph Ruf. Unter dem Titel „Kurvenrebellen - Die Ultras - Einblicke in eine widersprüchliche Szene“ ist das Werk vor kurzer Zeit erschienen. Rund ein Jahr, nachdem die deutsche Ultra-Szene nicht zuletzt rund um die 12:12-Proteste bundesweit im Fokus stand, legt der Autor nun ein Buch vor, das sich der Szene von innen nähert und sie erfrischend differenzierter darstellt, als es oftmals in den meisten Medien der Fall ist.

Unterteilt ist das Buch nach der Einleitung in 19 Kapitel, in denen Ruf einen Streifzug durch die deutsche Ultra-Landschaft vollzieht. Der Journalist spricht dabei nicht nur ü b e r, sondern vielmehr m i t den Angehörigen dieser jugendlichen Subkultur, die in den vergangenen 24 Monaten in der öffentlichen Darstellung einigen Kredit verloren.

Dabei lässt sich das Buch grob in zwei Abschnitte unterteilen. Zunächst widmet sich Ruf der Selbstdefinition der Ultra-Szene, hierbei insbesondere der Vorliebe für Pyrotechnik, dem Hass auf die Polizei und den Angriffen auf Ultras anderer Vereine. Wie es der Untertitel des Werkes bereits suggeriert, arbeitet Ruf hier auch einige Widersprüche innerhalb der Subkultur hervor; beispielsweise bei der Verwendung von Pyrotechnik, die den Verein nach eigenem Verständnis unterstützen soll, diesem gleichzeitig aber auch teilweise drakonische Strafen einbringt. Auch die Ablehnung der Polizei von Personen, die vermutlich noch nie in ihrem Leben mit den Gesetzeshütern in Konflikt geraten sind, darf als Beispiel nicht fehlen.

Ruf porträtiert eine „Szene zwischen Gewaltfaszination und Nachdenklichkeit“ und warum beim „Feindbild Polizei [...] die Fronten verhärtet bleiben“. Durch zahlreiche O-Töne aus dem Ultra-Spektrum gewinnt der Leser hier zahlreiche interessante Einblicke in die Denkweise dieser extremsten aller Fußballanhänger.

Im thematisch zweiten Teil des Buches nähert sich Ruf dem zunehmend aufkommenden Konflikt zwischen der Ultra- und der Hooligan-Szene sowie den rechtsextremistischen Einflüssen in den deutschen Fankurven. Die einschlägigen Beispiele Duisburg, Dortmund, Aachen dürfen dabei natürlich nicht fehlen.

Ruf2Abgerundet wird das Buch durch zwei separate Blöcke mit Farbfotos, mit denen die Aktivitäten der Ultra-Szene bildlich dokumentiert werden.

Während der zweite Teil des Buches gerade nach dem medialen Hype im vergangenen Jahr 2013 wenig Neues, dafür aber eine kompakte Zusammenfassung liefert, besticht insbesondere der erste Teil, der sich mit der Eigendefinition und dem dazu teils konträren Verhalten der Ultras auseinandersetzt. Insofern stellt das Buch eine ideale Lektüre für die Zeit bis zum Rückrundenstart dar, wenn man sich als Sympathisant des deutschen Fußballs und seiner Fankultur einmal näher mit der Ultra-Thematik auseinandersetzen möchte, ohne dabei nur auf das oftmals einseitige mediale und (polizei-)politische Gezeter angewiesen zu sein.

  • Christoph Ruf: Kurvenrebellen - Die Ultras - Einblicke in eine widersprüchliche Szene, Verlag Die Werkstatt, 189 Seiten, ISBN 978-3-7307-0044-0, 12,90 €.

 

Die unter dem Begriff Hooliganismus bekannte organisierte Fußballgewalt kam zu Beginn der 1980er Jahre in Deutschland auf und war rund zwei Jahrzehnte lang ein auffälliger Teil des Stadionlebens. Eine Mischung aus intensivierter Polizeiarbeit, verbesserter Überwachung und modernisierten Spielstätten zwang erlebnisorientierte Fans jedoch zu Drittortbegegnungen „auf dem Acker“. Zudem verringerte eine Absorbierung unangepasster Jugendlicher durch die Ultra-Bewegung das personelle Potenzial der Szene. Trotz allem ist der Hooliganismus nicht ausgestorben, was sich insbesondere am Rande bedeutender Derbys zeigt. Denjenigen, die einen Blick zurück werfen möchten, bietet sich eine Gelegenheit durch die von Michael Pettau veröffentlichte Interviewsammlung „Fußballrowdies! Die Mobs der achtziger und neunziger Jahre“.

Sie ist im auf Hooligan-Literatur spezialisierten „Trolsen Verlag“ erschienen und dokumentiert Gespräche mit erlebnisorientierten Fans von 28 westdeutschen Vereinen. Darunter sind Angehörige personenstarker Mobs wie der Schalker „Gelsen-Szene“ der Frankfurter „Adler-Front“ oder der Münchener „Service Crew“, aber auch von Gruppen wie den Karlsruher „Destroyers“ oder den Braunschweiger „Alten Kameraden“. Die Befragten äußern sich bereitwillig anhand eines festen Fragenkatalogs, was ihre Aussagen vergleichbar macht. Diese Vergleichbarkeit spricht für die Glaubwürdigkeit der jeweiligen Angaben, denn es zeigen sich bei aller Verschiedenheit gruppenübergreifende Gemeinsamkeiten, die Rückschlüsse auf die bundesdeutsche Gesamtszene erlauben.

Vorraussetzung für das Buch war ein direkter Zugang zu den eigentlich öffentlichkeitsscheuen Fußballschlägern der diversen Vereine. Diesen ermöglichte das Vorleben des Autors, denn er war bzw. ist weiterhin einer von ihnen. Pettau beschreibt sich in diesem Zusammenhang als „Fußballrowdy“, als „einer der sich gern schlägt beim Fußball“. Ihm berichteten seine Gesprächspartner über ihre Beweggründe dafür, „sich für seinen Verein gerade zu machen“ und geben Einblicke in diverse Aspekte der Szene. Dazu gehören Einflüsse der „Kutten“ und anderer Subkulturen der frühen 1980er Jahre, aber auch rechtsextremistische Erscheinungen bei verschiedenen Mobs. Zudem weisen übereinstimmende Aussagen darauf hin, dass zu dieser Zeit eine Ahnungslosigkeit von Polizei und Ordnern sowie die baulichen Beschaffenheiten der Stadien die eigene Handlungs- und Bewegungsmöglichkeiten begünstigten. Aussagekräftig sind zudem Informationen über freundschaftliche Verbindungen zwischen einzelnen Vereinsanhängerschaften sowie über jahrzehntelang bestehende Feindschaften, die noch heute bei so genannten Risikospielen zu Gewaltausbrüchen führen. Aus den Gesprächen ergibt sich hinsichtlich der persönlichen Auswirkungen, dass die eigentlichen Schlägereien in der Regel geringere körperliche Schäden verursachten, als ein die Gesundheit vieler Hooligans ruinierender oder gar deren Leben kostender Drogenkonsum. Die Interviews rücken darüber hinaus Behauptungen von Journalisten zurecht, nach denen ein allgemein gültiger Ehrenkodex eingehalten wurde, der unter anderem den Einsatz von Waffen untersagte oder dass es sich bei den „Fußballrowdies“ der 1980er und 1990er Jahre nicht um Vereinsanhänger im eigentlichen Sinn handelte.

Eine Auflockerung erfahren die hintereinander abgedruckten Interviews durch Zwischenbeiträge über die von den Gesprächspartnern bevorzugte Kleidung (von Blue System-Jeans bis zu New Balance-Turnschuhen), Musik (vom Skinheadrock bis zum Techno) und Bewaffnung (vom CS-Gas bis zum Leuchtstift). Sie fallen aber zu knapp aus und weisen auf die Schwäche der Veröffentlichung hin - es ist die kaum vorhandene redaktionelle Einbindung der Gesprächsmitschriften. Zwar ermöglicht das Buch aufgrund der Offenheit der Interviewten einen einfachen Zugang zum Thema; es hätte aber eine über ein knappes Vorwort hinausgehende Einführung verdient gehabt, die einen Überblick über die generelle Entwicklung der Szene gegeben hätte. Zudem wäre eine Bestandsaufnahme sinnvoll gewesen, die sich auch mit der Frage beschäftigt hätte, inwieweit die sich heute abseits der Spiele treffenden Personen noch mit ihren Vereinen verbundene „Fußballrowdies“ sind oder lediglich allgemein an Vollkontakten interessierte Schläger. Die Schwäche verwundert angesichts des in die Veröffentlichung investierten Arbeitsaufwandes durch die Kontaktaufnahmen mit den Zeitzeugen sowie die damit verbundenen Überzeugungsarbeiten und Reisetätigkeiten. Allerdings tritt dieser Mangel hinter dem großen Informationsgehalt zurück.

Ehemaligen „Fußballrowdies“ gewährt die Interviewsammlung einen Blick zurück in ihre eigene Vergangenheit sowie die Entwicklung ihrer einstigen Kontrahenten, mit denen sie jedoch als Gleichgesinnte so viel teilen. Altgedienten Fans, die ihre Vereine bereits in Zeiten unterstützten, in denen Stadien noch keine Arenen waren, bieten sich Erklärungsansätze für das einem damals zuweilen merkwürdig erscheinende Auftreten sportlich gekleideter Personen, die auch bei sonnigem Wetter Regenschirme mit sich führten. Einen besonderen Wert hat die Veröffentlichung für alle generell an der Entwicklung der deutschen Fankultur interessierten Personen, da sie wertvolle Hintergrundinformationen über eine ihrer auffälligsten Erscheinungen liefert. Michael Pettau geht davon aus, dass „die Szene der Hooligans ausstirbt.“ Es wird sich zeigen, ob er damit richtig liegt. Unabhängig davon dokumentiert seine Interviewsammlung die Entstehung und Entwicklung dieser Szene.

rowdies buchcoverMichael Pettau

„Fußballrowdies!“ Die Mobs der achtziger und neunziger Jahre

Trolsen Verlag

14,90 Euro

Foto2Pünktlich zum Weihnachtsfest legen die beiden Autoren Dirk Unschuld und Frederic Latz ein Werk vor, das bei jedem eingefleischten FC-Fan eigentlich ein Muss unterm Tannenbaum ist. Das 608 Seiten umfassende Mammutwerk ist unter dem Titel „Mit dem Geißbock auf der Brust - Alle Spieler, alle Trainer, alle Funktionäre des 1. FC Köln“ soeben erschienen.

Jeder Spieler, der mindestens ein Pflichtspiel für den 1. FC Köln absolviert hat, wird in diesem Buch porträtiert, von A wie Achenbach, Timo bis Z wie Zivkovic, Boris.

Die Vorstellungen im Fließtext setzen sich aus biografischen Angaben sowie teilweise sehr amüsanten Anekdoten zusammen. Bei älteren Spielern wurden zudem - sofern vorhanden - neben Fotos aus der aktiven Zeit auch Bilder aus der Gegenwart abgedruckt. Abgerundet werden die Einzelporträts mit statistischen Angaben zur Laufbahn.

Während die Spieler natürlich den größten Teil des Buches beanspruchen, bleiben aber auch die Trainer nicht unberücksichtigt. Auch hier erfolgen die Porträts nach demselben Muster wie bei den Spielern. Besonders gelungen ist auch das Schlusskapitel über die Funktionäre und andere dem 1. FC Köln verbundene Personen. Die letzten sieben Seiten vor dem Anhang sind dabei mit Franz Kremer dem ersten Präsidenten des FC gewidmet. Es folgen im Anhang als Abschluss Zeittafeln aller Chef- und Interimstrainer, Co- und Assistenztrainer, Torwarttrainer, Konditions- und Rehatrainer, Masseure/Physiotherapeuten, Mannschaftsärzte, Mannschaftsbusfahrer, Zeugwarte, Hennesbetreuer, Teambetreuer sowie alle Vertrags- oder Lizenzspieler des 1. FC Köln ohne Pflichtspieleinsatz in der ersten Mannschaft.

Entstanden ist das Buch in den vergangenen fünf Jahren, in denen sich die Autoren Unschuld und Latz darum bemühten, mit allen aktuellen und ehemaligen FC-lern in Kontakt zu treten und darüber hinaus statistische Angaben von diversen Ämtern in Erfahrung zu bringen. Diese Akribie zahlt sich aus: Für jeden FC-Fan ist das Buch ein wirkliches Muss. Beim Blättern kann man sich auf eine Zeitreise durch die FC-Geschichte begeben - und sich auch an zahlreiche Spieler erinnern, die man eigentlich fast schon vergessen hatte; ein ideales Buch für kalte, lange Abende in der Winterpause.

Foto3Aber auch für Menschen außerhalb des Geißbock-Umfeldes bietet das Buch allerlei Interessantes, stellt es doch auch ein Stück Fußball- bzw. Bundesligageschichte dar. Aber diese grundsätzlich am Fußball interessierte Zielgruppe außerhalb Kölns dürfte vermutlich häufig durch den hohen Preis von fast 45 Euro vor einem Kauf zurückschrecken.

Vorgestellt wurde das Buch jetzt in einer Buchhandlung am Neumarkt. Neben den beiden Autoren waren auch der aktuelle Trainer Peter Stöger und Torwarttrainer Alexander Bade sowie die Altstars Wolfgang Weber und „Hansi“ Reif zu Gast. Moderiert wurde die Veranstaltung durch den FC-Stadionsprecher Michael Trippel. Nach einer kurzen Interviewrunde standen alle Beteiligten den Gästen noch für eine Signierstunde zur Verfügung.

  • Dirk Unschuld, Frederic Latz: Mit dem Geißbock auf der Brust - Alle Spieler, alle Trainer, alle Funktionäre des 1. FC Köln. Verlag Die Werkstatt, Hardcover, 608 Seiten. ISBN 978-3-7307-0047-1, 44,90 €.
Donnerstag, 31 Oktober 2013 10:00

„The Secret Footballer“ berichtet aus der Premier League

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SecretFootballer NewsTrotz der medialen Dauerberichterstattung erhält man nur selten ungeschminkte Einblicke in den Profifußball. Während ehemalige Topspieler zuweilen nach dem Karriereende Erinnerungen veröffentlichen, deren Verkauf sie durch Skandalgeschichten fördern, halten sich aktive Spieler aus Sorge vor Repressalien ihrer Vereine und Mannschaftskameraden in der Regel bedeckt. Hinsichtlich des englischen Fußballs besteht mittlerweile jedoch der glückliche Umstand, dass die Zeitung „The Guardian“ seit 2011 die Kolumne eines Premier League-Profis veröffentlicht und dieser bislang anonym blieb. „The Secret Footballer“ hat nun eine Sammlung seiner Texte in Buchform präsentiert … und wird von Identitätsdetektiven gejagt.

So erfreulich diese Informationsquelle für Fußballinteressierte auch ist, muss sich der Leser zunächst fragen, ob „The Secret Footballer“ tatsächlich existiert oder nur die Erfindung eines mit den Verhältnissen im englischen Profifußball bestens vertrauten Schreibers ist. Dabei spricht die Zusammenarbeit mit dem „Guardian“ für die reale Existenz des Footballers, handelt es sich doch um eines der Vorzeigeblätter des britischen Journalismus. Das weltweit anerkannte Organ wurde zuletzt durch Berichte über den abtrünnigen US-Agenten Edward Snowden bekannt und widersetzte sich dem Druck der britischen und amerikanischen Nachrichtendienste. Demzufolge kann man der Zeitung einen Vertrauensvorschuss gewähren und von der realen Existenz seines Kolumnenschreibers ausgehen.

Der Buchinhalt deutet darauf, dass der Autor ein aus der Arbeiterschicht stammender Familienvater ist, der einerseits auf eine mehrjährige Karriere in Englands oberster Spielklasse zurückblickt, aber andererseits einen erheblichen Teil seiner Einkünfte durch undurchsichtige Steuersparmodelle verloren hat. Er berichtet sowohl von der Unbeschwertheit der ersten Schritte eines noch bei unterklassigen Teams agierenden Fußballers als auch über die Bedingungen des Profis, der seinen Lebensunterhalt erwirtschaftet. Dabei macht er deutlich, dass es letztendlich einem bestimmenden Grund für ein Engagement bei einem Verein gibt - das Gehalt. In diesem Zusammenhang setzt er sich auch differenziert mit der Funktion von Spielerberatern auseinander und betont die wichtige Rolle seriöser Berater bei der Gestaltung von Verträgen zwischen Spielern und Vereinen. Zur Vielfalt der behandelten Themen gehören der Umgang mit Journalisten, Trainern und Fans sowie das teilweise missgünstige Verhalten von Spielern untereinander.

Hervorzuheben ist der Stil der Ausführungen. „The Secret Footballer“ verzichtet auf eine distanzierte Beschreibung seiner Erlebnisse. Stattdessen schildert er sie auf eine humorvolle Weise, bei der er sich nicht zu wichtig nimmt. Stattdessen äußert er sich ebenso selbstironisch wie selbstkritisch. Zu den amüsanten Stellen gehören etwa Ausführungen über das Auftreten der WAGs (Women and Girlfriends) genannten Spielerfrauen oder über einen im Verlauf eines USA-Aufenthalts in einem Nobelclub ausgetragenen „Champagnerkrieg“ mit Spielern des „FC Barcelona“. Dass derartige Anekdoten nicht zu einer Oberflächlichkeit führen, ist der Tatsache zu verdanken, dass der Verfasser auch Einblicke in die Schattenseiten seines Sports gewährt und dabei seine persönlichen Erfahrungen darlegt. Dazu gehörten die Neigung zur Entwicklung eines verschwenderischen Lebensstils oder der auf den Spielern lastende Druck. In seinem Fall führte letzteres zu einer Depression. Deren Auswirkungen beschreibt der Footballer - mit dem Hinweis auf das Schicksal Robert Enkes - dahingehend, dass er zeitweilig nach Hause kam und nur noch in der Lage war, stundenlang auf einem Stuhl zu sitzen.

SecretFootballer CoverDie weiterhin im „Guardian“ veröffentlichte Kolumne und das vielschichtige Buch bieten ebenso informative wie unterhaltsame Einblicke in die Hintergründe des Profifußballs. Diese sind nicht nur für Freunde des englischen Fußballs von Interesse, sondern auch für die Anhänger seines deutschen Pendants, da in diesem vergleichbare Mechanismen wirken.

Anonym

The Secret Footballer. Ein Premier-League –Profi packt aus

Göttingen 2013

12,90 Euro - Amazon / Verlag Die Werkstatt

Football Museum 1 Signet Überschrift2012 eröffnete das „National Football Museum“ seine Pforten in Manchester. Dabei handelte es sich nicht um eine Neugründung, sondern um einen Umzug aus dem rund 70 Kilometer nordwestlich gelegenen Preston. Dieser erfolgte im Rahmen eines radikalen Modernisierungsprozesses der ehemaligen Industriestadt Manchester. Sie unterliegt zwar, wie alle Metropolen, einem ständigen Wandel, doch wer sie noch aus den 1990er Jahren kennt, wird sie heute kaum wiedererkennen. Zwar wurden in England seit der Jahrtausendwende diverse Städte nach Jahren des Niedergangs verschönert, doch im einstigen Zentrum der Textilherstellung war der Baubedarf aufgrund eines 1996 von der IRA mit einer LKW-Bombe verübten Bombenanschlags besonders groß.Football Museum 2 Gebäude Seite In den damals verwüsteten Straßenzügen entstanden ausgeweitete Shoppingmöglichkeiten, um konsumfreudige Touristen anzulocken.

Vor diesem Hintergrund erfolgte der Umzug des Museums nicht nur, um einer größeren Zahl von Fußballinteressierten den Zugang zu erleichtern, sondern auch zur Verbesserung des touristischen Angebots der Großstadt. Seine neue Heimat fand es in einem „Urbis“ genannten Gebäude. Der sich mit einer geschwungenen Glasfassade steil erhebende Bau entstand als eines der Vorzeigeprojekte der neuen Innenstadt und kontrastiert die steinernen Fassaden der viktorianischen Nachbarhäuser und des nahen Victoria-Bahnhofs.

Football Museum 3 Gebäude ViktoriaDas „National Football Museum“ zeigt die Entstehungsgeschichte des Sports in seinem Geburtsland sowie dessen Entwicklung. Dabei beschäftigt es sich auch mit kleineren Vereinen, der Arbeitsweise von Managern oder der Rolle der Fans. Es zeigt an Medienstationen Filmausschnitte früherer Ligaspiele, aber auch neuerer WM-Begegnungen. Zudem betreibt das Museum mehrere Kabinen, in denen Besucher ihre eigenen Ballfertigkeiten, etwa Passspiel und Schusspräzision, präsentieren können. Darüber hinaus bietet es Raum für Wechselausstellungen, die sich zum Beispiel mit der Bedeutung der Mode für den Sport beschäftigen. So präsentiert eine zeitweilig errichtete „Boutique“ Anzüge des genialen Exzentrikers George Best. Das Angebot rundet ein Museumsshop ab, der signierte Trikots und Drucke anbietet.

Football Museum 4 BestDie Stärke des Hauses sind die einzigartigen Ausstellungsstücke. Diese beschreiben nicht nur die Entwicklung des Spiels, sondern erinnern auch an diverse Kuriositäten. Dazu gehören auch der zweite im FA Cup vergebene Pokal und der Hinweis auf das Schicksal der ersten Trophäe. Die war 1885 völlig unbedarft im Schaufenster eines Sportgeschäfts in Birmingham ausgestellt worden, das daraufhin - nicht gerade überraschend - eingeschlagen und seiner Attraktion beraubt wurde. Zu den Kuriositäten gehören auch die Halskrause des deutschen Torhüters Trautmann, der sich 1956 in Diensten von „Manchester City“ einen Halswirbel im erfolgreich bestrittenen FA-Cup-Endspiel angebrochen hatte. Zu den weiteren Exponaten zählen so unterschiedliche Stücke wie ein Trikot aus dem ersten Länderspiel der Geschichte, der 1872 ausgetragenen Begegnung zwischen England und Schottland, oder ein Propagandaplakat, das während des Ersten Weltkriegs für den Eintritt in ein aus Fußballern gebildetes Bataillon warb.

Andererseits hat das Museum die Schwäche, dass es eine teilweise einseitige Darstellung im Sinne von Politikern und Funktionären präsentiert. Das erfolgt bei der Beschreibung der zur Beseitigung der Stehplätze führenden Entwicklung. Dazu zeigt eine Medienstation Bilder von Hooliganausschreitungen und kommentiert diese mit den Aussagen: „1980s saw the game on its knees. Then came the change. The terraces disappered!” Dadurch entsteht der Eindruck, dass allein die Existenz von Stehplätzen für Fußballgewalt verantwortlich gewesen und demnach deren Beseitigung das folgerichtige Heilmittel war. Football Museum 5 PokalAnsätze für eine Sicherheitssteigerung durch verbesserte Polizeikonzepte oder sozial orientierte Fanarbeit finden hingegen keine Beachtung. Die Parteinahme für die Einführung der All-Seater-Stadien erfolgt auch an einer anderen Medienstation. Diese geht auf zwei Katastrophen ein, um daraufhin die Abschaffung der Stehplätze als notwendige Maßnahme darzustellen. Es sind der Brand der Haupttribüne des Valley-Parade-Stadions von Bradford im Jahr 1985, der 56 Menschenleben forderte, sowie die 1989 im Hillsborough-Stadion von Sheffield entstandene Massenpanik, bei der 96 Liverpool-Anhänger zerquetscht wurden. Ebenso wenig problematisiert das Museum die Kommerzialisierung des englischen Fußballs oder das Engagement arabischer Scheichs, russischer Oligarchen und amerikanischer Großinvestoren. Football Museum 6 PropagandaDabei wäre eine kritische Beschäftigung mit diesen Aspekten angebracht gewesen, da sie zur rasanten Erhöhung der Eintrittspreise und zur Herausdrängung einkommensschwacher Fans führten, in deren Folge es zu einem Niedergang der Stimmung in den Stadien kam.

Trotz dieser Schwächen zeichnet sich das „National Football Museum“ durch drei Stärken aus. Erstens präsentiert es eine für die Geschichte des Fußballs beeindruckende Sammlung von Ausstellungsstücken. Zweitens bietet es die für britische Museen typischen Möglichkeiten der aktiven Teilnahme. Drittens beschäftigt es sich auch mit gesellschaftlichen Aspekten abseits des Spiels. In der Gesamtschau ist es sowohl eine Dokumentationsstätte des englischen Fußballs als auch ein Ausdruck für den Veränderungsprozess englischer Großstädte. Es ist zwar als Attraktion etwas zu „glatt“ geraten, bleibt aber dennoch eine außergewöhnliche Einrichtung mit überzeugenden Exponaten.

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