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Samstag, 29 März 2014 11:51

Das Findelkind "Nations-League"

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wm06 deutschland-costarica schlossplatz 090506 18Michel Platini hat viele Ideen; eine paneuropäische EM und eine „Fußball-Woche“ während der EM, um ein paar Beispiele zu nennen. Der nach eigenen Aussagen „Einzige, der Sepp Blatter vom Thron stoßen könnte“, hat gestern seine neueste Idee einstimmig absegnen lassen – eine European Nations League. Wer jetzt denkt „was soll das, wir haben doch die EM“ dem sei gesagt: neeee…is was vöööllig anderes.
Tatsächlich würde die neue, europäische Nationenliga die bisherigen Freundschaftsspiele ersetzen. Das Ganze sähe folgendermaßen aus: Die 54 Verbände, die zur UEFA gehören werden in vier Divisionen mit vier Unterligen eingeteilt (mein Tachenrechner ist jetzt Curling-Fan, nachdem ich desöfteren versucht habe, 54:8 zu teilen...) und spielen im Ligensystem. Platz 1-4 der höchsten Division spielen dann den Nationen-Champion aus. Es gibt ebenfalls Auf- und Absteiger, außerdem gibt es eine Hintertür zu EM. In jeder der vier 'Ligen' könnte im Play-Off System ein EM-Platz ergattert werden, trotz verpasster Quali. In einem Komitee wird der Modus noch ausgearbeitet.

Südtribüne1Am 3. Oktober 2013 sendete der „Westdeutsche Rundfunk“ (WDR) mit „Wir die Wand“ ein unter Leitung seines Redakteurs Klaus Martens erstelltes filmisches Portrait der Dortmunder Südtribüne, nachdem es zuvor bereits in einigen Kinos gezeigt worden war. Dazu hatten dessen Kollegen an einem einzigen Heimspieltag, dem 20. April 2013, insgesamt 11 Personen begleitet. Darunter waren ein Mathematikprofessor, ein ehemaliger Bergmann und eine Rentnerin, aber auch der als Allesfahrer mit seiner Zaunfahne bekannte „Borsti“ sowie ein Vorsänger der Ultra-Gruppe „The Unity“. Die Filmemacher verzichteten dabei auf Aufnahmen des Spielfeldes und bewegten sich mit ihren Kameras unmittelbar auf der „Süd“, um die Reaktionen der von ihnen ausgewählten Fans aufzunehmen.

Was zeigt der Film?

Der mit einem großen Aufwand von 16 Kameras erstellte Film präsentiert die ausgewählten Fans auf ihren Plätzen innerhalb der mit 25.000 Plätzen größten Stehplatztribüne Europas. Dabei zeigt er diese wortwörtlich aus kürzester Distanz, dringt aber dennoch nicht in die Tiefe ihrer „Süd“ vor. Die Ursache dafür liegt darin, dass er zwar authentische Borussen vorstellt, aber auf die Herausarbeitung der Besonderheiten ihrer Tribüne verzichtet. Dadurch erhält der Zuschauer zwar einen unmittelbaren Zugang zum Empfinden und den Lebensumständen der Ausgewählten, bekommt aber auch deren Auffassungen in einer Art präsentiert, dass sie als gemeinsame Haltungen der gesamten „Süd“ wirken. So erscheinen die Dortmunder Tribünensteher als glückliche Vereinsanhänger unter dem Motto: „Ach, wat iss dat nich’ schön hier.“ Dazu gehört, dass sich ein knorriger Fan tolerant gegenüber Homosexualität gibt und prompt ein Angehöriger der „Rainbow-Borussen“ präsentiert wird. Ebenso erscheint der Vorsänger der Ultra-Gruppe „The Unity“ als Vertreter einer stimmungsfördernden Gemeinschaft, ohne dass näher auf deren Spannungen mit der Polizei eingegangen wird. An einer anderen Stelle positioniert sich ein weiterer Dortmunder gegen Rassismus, ohne dass der Film über die Hintergründe rechtsextremistischer Aktivitäten bei einer sehr kleinen, dennoch bestehenden Minderheit informiert.

Was ist das Problem?

Das problematische an „Wir die Wand“ ist, dass das Projekt den Anspruch erhebt, die „Süd“ an sich vorzustellen, doch nur ein einseitiges Bild zeichnet. So gibt es auf ihr auch Personen, die Homosexuelle ablehnen oder eine gelegentliche Fußballrandale nicht grundsätzlich ausschließen. Derartige Tribünenbesucher sind jedoch ebenso Fans, wie die von Martens vorgestellten BVB-Anhänger. Sie sind aber in dem Film, der die gesamte „Wand“ zum Thema hat, nicht vertreten.

Zu den Versäumnissen des Projektes gehört, dass es sich, trotz der Mitarbeit langjähriger Fans, nicht mit den weniger vorzeigbaren Seiten der „Süd“ beschäftigt hat. So muss sich gegenwärtig mit „Borsti“ ausgerechnet einer der Beteiligten wegen seiner Kontakte zur rechtsextremistischen „Borussenfront“ rechtfertigen. Außerdem bot die Mitarbeit des „Unity“-Vorsängers eigentlich einen Anlass, um sich mit unterschiedlichen Auffassungen bezüglich der Aneignung bestimmter Räume auf den Rängen zu beschäftigen. Ebenso hätte das Verhältnis der Ultras von „The Unity“ zur Ultra-Gruppe „Desperados“ nähere Aufmerksamkeit verdient gehabt. Interessant wären aber auch Informationen über die Haltung von Fans gewesen, die den BVB auch durch Zeiten sportlicher Krisen und schwerster Finanzturbulenzen begleitet haben und sich mittlerweile von neu zugestoßenen Eventfans umgeben sehen. Bei all diesen Schwächen fällt es dann auch kaum auf, dass der Zuschauer nicht über die längerfristige Entwicklung der außergewöhnlichen „Süd“ informiert wird.

Was steht dahinter?

Stellt man sich die Frage, warum „Wir die Wand“ einen derart einseitigen Charakter hat, sollte man sich mit einer von Klaus Martens geäußerten Stellungnahme beschäftigen. Danach vertritt der WDR-Redakteur die These: „Die Wand (setzt sich) aus Menschen zusammen… , die aus allen gesellschaftlichen Schichten kommen und über alle Gegensätze hinweg für ein paar Stunden ein soziales Gefüge bilden, eine Gesellschaft, in der nicht nur alle gleich sind – mehr noch, alle Freunde sind. ‚Sozialismus’ auf Zeit sozusagen.“

(www.wdr.de/tv/wir_die_wand/sendungsbeitraege/makingof/produktion.jsp)

Diese Einlassung liefert einen Erklärungsansatz für die einseitige Ausrichtung des Films. Die Beschränkung auf freundliche, tolerante und fröhliche Tribünensteher scheint den gesellschaftspolitischen Vorstellungen von Klaus Martens zu entsprechen. Doch so begrüßenswert diese auch sein mögen, sie spiegeln die Realität nicht wieder. Demzufolge wird der Film an einer Stelle unfreiwillig komisch, an der er von der Realität einholt wird. Das geschieht, nachdem sich einer der ausgewählten Fans gegen „Sexismus“ ausgesprochen hat und die Kurve an einer anderen Stelle, offenbar während des Abschlages des gegnerischen Torhüters, „Arschloch, Wichser, Hurensohn“ ruft.

Auch wenn sich jeder einzelne Fan auf der „Süd“ den maximalen Erfolg seiner Mannschaft wünscht - eine Gemeinschaft der Gleichen, in der „alle Freunde sind“, existiert beim BVB ebenso wenig wie bei anderen Vereinen. In den Fluren des WDR mag dem ein oder anderen öffentlich-rechtlich besoldeten Journalisten das Ideal einer konfliktfreien Gesellschaft mit einem speziellen ‚Sozialismus’ vorschweben; in der Fußballfanszene ist es allerdings nicht zu finden. Eine aus 25.000 Fans bestehende „Wand“ besteht eben immer noch aus 25.000 Individuen.

Was bleibt also?

Südtribüne2„Wir die Wand“ ist ein misslungenes Projekt. Es hatte die Chance, die Südtribüne mit all ihrer Tradition, all ihrer Energie und all ihrer Vielfalt vorzustellen. Doch statt eines tiefgründigen Portraits ist ein oberflächlicher Film voll Sozialromantik entstanden. Zwar preist „Wir die Wand“ die Tribüne, doch in diesem Fall ist das Lob auch ein Gift. Gerade das Stimmungszentrum des alten (heute den Namen eines Versicherungskonzerns tragenden) Westfalenstadions hätte es verdient gehabt, mit all seinen Facetten gezeigt zu werden. Dazu hätte es mit all seinen Gemeinsamkeiten, aber auch mit all seinen Bruchlinien dargestellt werden müssen, denn es sind vor allem die Brüche, die Dortmunds Fanszene so interessant machen. Zu diesen gehören zwar auch negative Aspekte, doch gerade die Ecken und Kanten unterscheiden das Umfeld in Dortmund von dem in Wolfsburg oder dem in Hoffenheim.

Dennoch werden sich viele treue BVBler in den vorgestellten Fans selber erkennen und sich über die durchweg positive Darstellung ihrer „Wand“ freuen. Vor dem Hintergrund, dass Fußballanhänger in den Medien häufig als tumb, aggressiv oder besoffen erscheinen, ist diese Freude nachvollziehbar. Demzufolge ist es ein Verdienst des Films, positive Seiten des Fanlebens zu zeigen, etwa Leidenschaft, Treue und … „Echte Liebe.“ Andererseits dürfte der Film bei Dortmundern, denen Authentizität wichtiger ist als eine gefällige Außendarstellung, ein nicht geringes Unwohlsein verursachen. In diesem Zusammenhang stellt sich unter anderem die Frage, wie „The Unity“ im Nachhinein zu dem Projekt steht.

Mit Schmunzeln oder sogar Schadenfreude könnten darüber hinaus Anhänger anderer Vereine reagieren, die nach den großen sportlichen Erfolgen der letzten Jahre eine gewisse Selbstgefälligkeit in der Ruhrmetropole ausmachen. Demzufolge hat der mittlerweile auch als DVD vertriebene Film durchaus das Potenzial, bei abendlichen Treffen von dem BVB nicht wohl gesonnenen Fans zur Unterhaltung vorgeführt zu werden.

Freitag, 23 August 2013 14:32

Zweckveranlassung - Ein Wort für Unverhältnismäßigkeit

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Merkwürdige Entscheidungen gibt es in den vergangenen Tagen im Bundesland Nordrhein-Westfalen im Umfeld von Fußballspielen zu beobachten.

Mittwoch, 21 August 2013 10:36

Fanclubtreffen München: Bittere Realität & viel Frustration

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miasanrotDie Fans des FC Bayern München sind in einer schwierigen und frustrierenden Situation. Über das aktuelle Fanclubtreffen, das ohne Beteiligung der Vereinsführung und der Fanclubbetreuung stattfand, berichtet miasanrot.de. Hier der Kommentar im Wortlaut:

Dienstag, 09 Juli 2013 15:06

Ohrfeige für Viagogo - Blaues Auge für Schalke 04

geschrieben von

vianogo9

„Wir halten Wort – S04 kündigt viagogo-Vertrag fristlos“ So verkündet Schalke 04 auf seiner Webseite und hat den umstrittenen Tickethändler wieder vor die Tür gesetzt. Noch auf der Jahreshauptversammlung mussten sich die Vereinsverantwortlichen böse Worte von der Basis gefallen lassen. Besonders Alexander Jobst, Marketingvorstand beim Revierclub, hatte Mühe die Kooperation mit Viagogo zu verteidigen. Der Vertrag sei wirtschaftlich notwendig. Dabei spielte nicht nur der Vertrag als solches eine Rolle, sondern auch die Art und Weise mit der sich die Gegner des Deals vom Verein behandelt gefühlt hatten. In der Tat konnte man den Eindruck gewinnen, als wolle der Vorstand mit allen Mitteln die ViaNoGo Initiative klein halten. Am Ende gab es eine unverbindliche Probeabstimmung mit klarem Signal: Eine große Mehrheit der Mitglieder war gegen diesen Vertrag.

Nun ist nicht nur die Mitgliederversammlung Geschichte, sondern auch der Vertrag mit viagogo - nach nur neun Tagen. Eine Entscheidung, mit der man nicht unbedingt rechnen konnte und die mit viel Erstaunen und Bewunderung aufgenommen wurde. Dazu hat sicherlich auch die Wortwahl der Mitteilung von Schalke 04 beigetragen. Man halte Wort, habe genau die Umsetzung der Vertragsinhalte geprüft, heißt es darin. Und Verträge seien einzuhalten, von beiden Seiten. „Viagogo hat durch sein Verhalten gezeigt, dass ihnen dazu der Wille fehlt“ wird der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies zitiert. Sogar von Abmahnungen gegenüber dem Vertragspartner ist die Rede. Rumms, das sitzt.

So positiv das Ergebnis, die fristlose Kündigung, aufzufassen ist, so sehr muss man aber hinterfragen: Was hat sich nun in neun Tagen bewegt, das ein Vertrag nicht mehr die wirtschaftliche Notwendigkeit besitz, wie noch vor wenigen Wochen? Das Geschäftsgebaren der Engländer ist nicht erst seit gestern kritisch zu hinterfragen. Das musste den Vereinsverantwortlichen auf Schalke noch vor Vertragsabschluss bekannt gewesen sein. Ebenso ist der Widerstand aus den Fankreisen keine Überraschung. Viagogo hat tiefe Gräben in der Beziehung zwischen Fans und Verein hinterlassen. Das Image des Vereins bekam nun auch innerhalb der eigenen Anhängerschaft Kratzer: „Der Kumpel zockt den Malocher nicht ab“

Die Vereinsführung hat von ihren Fans ein blaues Auge verpasst bekommen, und dieses als saftige Ohrfeige an den (Ex-)Partner Viagogo weiter gegeben. Damit folgen denn Worten aus der JHV tatsächlich Taten, ist aber nicht geeignet über die eigenen Unzulänglichkeiten bei diesem Thema hinwegzutäuschen. Dass man die Chance zum Ausstieg genutzt hat, ist zu begrüßen. Um die Gräben zuzuschütten ist aber mehr notwendig als dieses öffentlichkeitswirksame Zeichen. Ein blaues Auge bleibt bekanntlich länger sichtbar, als eine Ohrfeige.

Sonntag, 31 März 2013 12:42

Wie viel Populismus verträgt der Fußball?

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100 DAS SPIEL LOGO weiss 768-445x250„100 % das Spiel, 0 % Gewalt.“ Seit einigen Wochen wird dem treuen Fußballkonsumenten im Fernsehen nun bereits dieser Slogan um die Ohren gehauen. Anfangs verfolgte ich diesen Spot vor, während und nach den Live-Übertragungen eher gelangweilt, doch ich begann mich damit umso intensiver auseinanderzusetzen, je öfter ich damit penetriert wurde.

Nun ist es ja so, dass Kampagnen aufgrund bestimmter Anlässe ins Leben gerufen werden. Da sich hier gegen Gewalt im Stadion bzw. rund um den Fußball positioniert wird, muss es ja entsprechende gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben haben, deren Folge es ist, dass sich die große Masse der Stadiongänger ihres Lebens nicht mehr sicher sein kann, wenn sie sich samstags auf den Weg in die deutschen Arenen macht.

Ich begann aufgrund dessen schließlich damit, im Internet nach einer Seite zu der Kampagne zu suchen. Ich landete auf der Seite von Sky, auf der es heißt:

„Die jüngsten Entwicklungen in den Stadien der Bundesliga und 2. Bundesliga und die darum entstandene Diskussion haben es deutlich gemacht: Die überwältigende Mehrheit der Fans wünscht sich ein sicheres und gewaltfreies Stadionerlebnis.“

Aber welche jüngsten Entwicklungen meinen die Initiatoren hier? Gewaltexzesse, an deren Ende sich Familien nicht mehr in die Stadien trauen, sind mir nicht bekannt. Es ist mir ebenso nicht bekannt, dass man diesen verängstigten potenziellen Stadionbesuchern umso mehr eine Stimme verleihen muss, um ihre Lobby zu stärken. Jeder Vater kann mit seinem Steppke an jedem Stadion der Republik in Ruhe eine Bratwurst essen und danach ohne Lebensgefahr die Drehkreuze in Richtung Tribüne passieren - es gibt faktisch keine Gefahr für Leib und Leben!!

Nun mag es möglicherweise so sein, dass einigen Fans subjektiv mulmig zumute ist, wenn sie an einen Stadionbesuch denken. Doch, wie oben bereits angedeutet, faktisch sind diese Sorgen absolut unbegründet! Woher rührt also die Gefahr? Sie rührt aus der hysterischen Medienkampagne, die seit rund anderthalb Jahren geführt wird. Die Angst ist in unsäglichen Leitartikeln und Kommentaren ahnungsloser Journalisten begründet, in den noch unqualifizierteren Forderungen abgehobener, populistischer Politiker. Dieses Gemenge an Unwissenheit, Populismus und Schlagzeilen-Hascherei ist eine Gefahr für die Bundesliga, und zwar um ein Vielfaches mehr als die nicht vorhandenen Gewaltexzesse, gegen die sich die Kampagne richtet.

Zusammengefasst drängt sich mir also zunehmend der Verdacht auf, dass sich Sky sowie die ARD, LIGA total!, SPORT1 und das ZDF - die diese Initiative alle gemeinschaftlich initiiert hatten - dem Kreuzzug des Populismus angeschlossen haben. Letztlich wenden sich die Initiatoren mit ihrer Kampagne gegen sich selbst, denn potenziell vorhandene, aber unbegründete Angst vor Gewalt haben die Initiatoren in ihrer eigenen Berichterstattung zuvor erst geschürt.

Die große Frage lautet aber nun: Wie viel Populismus verträgt der Fußball? Die Zukunft wird es uns zeigen. Bis dahin wünsche ich mir aber ein schnelles Verschwinden des unsäglichen Kampagnentrailers in den Archiven der beteiligten Medienanstalten.

Frohe Ostern!

Dienstag, 12 März 2013 12:26

Keine REIFe Leistung

geschrieben von

Marcel ReifFranz Beckenbauer, uns' Kaiser, wusste es schon 1985. Im ZDF-Sportstudio sagte er zum Thema Sportkommentare „Der Marcel Reif, der spricht wunderbare politische Kommentare, aber bitt'schön lasst ihn vom Fußball weg!“ Hätte man mal auf den guten Herrn gehört. Heute kann der Kaiser alles sagen und alles ist richtig. Wie sagt man da? Zu wenig, zu spät.

Beim absoluten Topspiel, dem DFB-Pokal Viertelfinale zwischen dem BVB und dem FC Bayern hatte die ARD einen Marktanteil von über 34%. Man kann davon ausgehen, dass bei einem solchen Marktanteil auch Zuschauer, die eigentlich Sky haben und dafür bezahlen, trotzdem aufs erste Programm umschalteten. Beim gleichen Spiel auf beiden Sendern ist der gravierende Unterschied der Kommentator – es war Marc Nathan Reif.

Beim Derby am vergangenen Wochenende hatten die Dortmunder noch „Körner im Kopf“ vom Champions League Match, Bayern spielt schonmal im „4-3-1-3 System“ und wenn man das Spiel „atemberaubend findet, hat man es an den Bronchien“. Dass Marcel Reif unkreativ ist, kann man ihm nun wirklich nicht vorwerfen, wie dringend man diese zum Teil fehlplatzierten und nichtssagenden Kommentare bei einer Übertragung braucht, lasse ich jetzt aber mal offen.

In der letzten Zeit scheinen sich die Kritiken am Kommentator linear zu den Topspielen zu erhöhen, die er kommentieren darf.

Schon seit inzwischen 27 Jahren kommentiert er. In die Geschichte ging er spätestens mit dem Zitat „Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gut getan wie heute “ ein, was nicht etwas von einem langweiligen Remis herrührte, sondern von der Champions League Partie des BVB gegen Real Madrid 1998 als sich eins der beiden Tore schon vor Anpfiff verabschiedete. Aus heutiger Sicht hätte ich eher einen Kommentar erwarte wie „das Tor kann das hohe Niveau dieses Spiels nicht mehr mithalten“ oder Ähnliches. Co-Kommentator war damals übrigens Günther Jauch, daran kann sich vermutlich kaum noch jemand erinnern, auch wenn beide dafür ausgezeichnet wurden. Überhaupt hat Reif schon viele Auszeichnungen für seine Kommentare erhalten – so schlimm kann er also eigentlich nicht sein. Eigentlich.

Es ist ja auch nicht so, dass Marcel Reif das Übel der Kommentatorenwelt ist, nein, wir haben noch weitere Originale. Wolf-Dieter Poschmann steht auf Verniedlichungen, da rollen die Bällchen im Spielchen. Fritz von Thurn und Taxis „geht mit der Entscheidung des Schiris“ irgendwohin und Steffen Simon kommt einem immer wieder etwas unsicher vor.

Trotzdem ist es Reif, der jede Fangemeinschaft aufstöhnen lässt, wenn sie merkt, dass er das Spiel ihrer Mannschaft kommentiert. Manche stellen dann den Kommentar stumm und hören dabei Radioberichte oder benutzen die Stadionatmo-Tonspur.

Andere wiederum suchen sich einen Kanal für ihre Meinung. Die Seite „Marcel Reif – Kommentarverbot“ hat auf Facebook über 62000 Fans, innerhalb der zwei Jahre, die sie besteht waren es zwischenzeitlich über 80000. Eine Person, die polarisiert. Er selbst findet diese Diskussionen um sich und seine Kommentare „dumpfbackig“ - nicht gerade eine Antwort, die mehr Sympathien bringt.

In einem Interview sagte mir Manni Breuckmann mal, dass man „vor jedem Spiel einen Packen mit Statistik bekommt,davon kann man vielleicht 5% nutzen. Den Rest sollte man einfach direkt in die Tonne kloppen“. Das sieht Marcel Reif definitiv nicht so. Der gewöhnliche Kommentar eines Marcel Reif sieht nämlich so aus:

Minute 1-25: statistische Daten werden nach jedem Satz eingestreut. Von der Anzahl der früheren Spiele der beiden Mannschaften bis hin zum Friseur des Innenverteidigers ist alles dabei – und natürlich hat auch irgend jemand Geburtstag.

Minute 25-45: Da jetzt ein Teil des Spiels gelaufen ist kann auch mal darüber erzählt werden, außerdem ist jetzt schon klar wer die bessere Mannschaft ist, die andere „läuft hinterher“. Außerdem  gibt es ganz viel über den Schiri zu erzählen, der meistens nicht gut wegkommt.

Minute 45-70: Das Wort Kabine wird so oft benutzt, dass man ein Trinkspiel daraus machen könnte. Die Mannschaft im Rückstand wird jetzt erstmal ordentlich fertig gemacht, wir sind ja nicht zum Spaß hier.

Minute 70-90: Reif wird stiller, aber in 20 Minuten Spiel ist ja auch eigentlich nix mehr zu machen. Das Spiel wird jetzt schon zusammengefasst und wer immernoch den Kommentatorenton an hat, weil er die Atmosphäre mag,dem sei nicht nur gesagt, das es dafür eine extra Tonspur gibt, sondern auch, dass sogar Herr reif selbst desöfteren dazu auffordert, z.B. mit „Ich bin zwar nicht Peter Lustig, aber abschalten würde bei diesem Spiel jetzt trotzdem helfen.“

Es gibt da doch diesen neuen Trend, dass sich verzweifelte Menschen, die Aufmerksamkeit brauchen vor die Kamera stellen und ein „bei x Mio. Likes mach ich irgend etwas, das niemanden interessiert“- Schild hochhalten. Das fing ganz süß an mit Kindern,die einen Hund haben wollten und ist inzwischen einfach albern. Aber warum nutzt man dies nicht mal für was sinnvolles? Ich bin überzeugt, dass egal, wie viele Likes gefordert werden, um Marcel Reif nicht nur keine Dortmund.Spiele sondern einfach mal gar keine Spiele mehr kommentieren zu lassen, man würde sie zusammen kriegen.

Der von der Zeit als „Damit-kann-ich-leben-Mann“ bezeichnet wurde hat jüngst seinen Sky Vertrag bis 2016 verlängert. Dass es auf diese Meldung viele böse Kommentare gab, muss nicht noch einmal erwähnt werden. Doch es zeigt auch: Marcel Reif ist eine Kommentatoren-Instanz Und es gibt Leute, die ihn scheinbar gut finden. Oder „sie haben Körner im Kopf“.

Bild: http://pro-talents.de/

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