Fr21Jul2017

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100 das spiel logoDie übertragenden Sender der Fußball Bundesliga starten am 15. Januar mit einer gemeinsamen Initiative gegen Gewalt im Stadion. Der Name: "100 Prozent Das Spiel - 0 Prozent Gewalt". Nur wenige Tage, nachdem Pyrotechnik bei der Übertragung der Vierschanzentournee als Stilmittel der Stimmung gelobt wurde, während sie bei Fußballspielen als Gewalteskalation verdammt wird. Nur wenige Tage, nachdem im ARD Nachtmagazin ein langer Bericht  gesendet wurde, der eingestand, dass das „Gewaltproblem“ in deutschen Stadien viel weniger dramatisch ist, als dargestellt. Wie Professor Harald Lange vom Institut für Fankultur in dem Bericht feststellt, war ein Stadionbesuch noch nie so sicher wie heute. Die Gewalt im Fußballstadion nimmt sogar ab, so der Zeithistoriker Rudolf Oswald im selben Beitrag.

Nun soll ein extra produzierter Kurzfilm der „überwältigenden Mehrheit der Fans“ eine Stimme geben. Dazu gibt es eine kontinuierliche Berichterstattung zu dem Thema, welche schon am Dienstag mit der Sondersendung „Wem gehört der Fußball?“ beginnt. Der Sender: Phoenix. Marktanteil 1%, bei den meisten deutschen Fußballfans wahrscheinlich nicht unter den ersten 30 eingespeicherten Sendern zu finden (wenn überhaupt).

Erfreulich ist die Zusammensetzung der Diskussionsrunde. So sind nicht nur der Fußball durch DFL Geschäftsführer Andreas Rettig, die Politik durch Reinhard Gall, Innenminister von Baden Württemberg, und die teilnehmenden Sender durch WDR-Sportchef Steffen Simon vertreten. Mit Philipp Markhardt, Sprecher von „ProFans“ kommt auch die Seite zu Wort, um die sich alles dreht. Dazu ist mit 11-Freunde-Chefredakteur Philipp Köster noch ein eher fannahes Medium eingeladen.

Fragwürdig ist dennoch, weshalb ein Imagefilm auf allen Sendern breit gestreut wird, die (hoffentlich) tiefer gehende Diskussion jedoch auf einen kleinen Spartensender ausgelagert wird. Es entsteht der Eindruck, dass von den Unternehmen in erster Linie ihr hochpreisig eingekauftes Produkt „Fußball“ vor Image- und somit Zuschauerverlust geschützt werden soll. Etwas mehr Relevanz der Berichterstattung und Aufklärungsarbeit wäre durchaus wünschenswert.

Ein Kommentar von Stefan Viehauser

Bildquelle: obs/Sky Deutschland

Weiterführende Links:

Sonntag, 09 Dezember 2012 17:49

Terror in der Kurve - Kommentar zum Spiegel Kommentar

geschrieben von

fankulturMan ist es ja inzwischen fast gewohnt, wenn in Zusammenhang mit Fußballspielen von „kriegsänlichen Zuständen“ gesprochen wird. Seit Sandra Maischbergers „Taliban der Fußballfans“ ist der Terrorismus auch in den deutschen Stadien medial angekommen. In der neuen Spiegel-Printausgabe wird ein Kommentar das Thema erneut anheizen. Jörg Kramer stellt dabei nicht weniger als den Wunsch nach Dialog in Frage: Er stellt den völlig sachfremden und indiskutablen Vergleich auf, dass man die "Terroristen" auch nicht nach Verbesserungsmöglichkeiten bei der Sicherheit fragen würde.

Aufhänger sind einmal mehr Ultras und deren Position zum Einsatz von Bengalos. Nun ist Pyrotechnik schon längst ein Politikum geworden, ein Thema, das wie kein anderes den Konflikt zwischen Fans und Verbänden widerspiegelt. Die Rückschlüsse, die Kramer daraus zieht, zeigen aber das eigentliche Dilemma. Solang die Debatte nicht auf eine sachliche Ebene zurückkehrt, wird es keine Beruhigung geben. Und dazu, lieber Herr Kramer, gehört nun mal auch das Gespräch miteinander. Gleiches gilt im Übrigen auch für Polizeigewerkschafter Wendt, der nicht müde wird zu betonen, wie sehr er es doch bedauere, dass Ultras nicht mit der Polizei reden. Um dann im gleichen Atemzug klarzustellen, dass es einen Dialog auf Augenhöhe nicht geben könne. Dieser Teufelskreis, die Quadratur des Kreises, wird weiter gehen, wenn sich beide Parteien weiter gegenseitig Radikalisierung vorwerfen.

Natürlich sind laut ZIS-Statistik (Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze) die Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz um 77% gestiegen. Zur Ursache freilich sagt Kramer nichts, denn (und das stellt die ZIS in ihrem Bericht ja selbst fest) nicht zuletzt die beendeten Gespräche mit den Fans haben dazu beigetragen: „Im Anschluss daran hatte der Vorsitzende des Nationalen Ausschusses Sport und Sicherheit, (… ) gebeten, dass die einsatzführenden Polizeibehörden keine Zweifel an der klaren Absage aufkommen lassen und jeglichen Versuchen, Pyrotechnik im Stadion zuzulassen, konsequent entgegenwirken. Dieser Hinweis dürfte zu einer weiteren Intensivierung der Strafverfolgungsmaßnahmen mit der Folge eines außerordentlichen Anstieges der eingeleiteten Ermittlungsverfahren geführt haben.“ Oder kurz gesagt: Wer sucht, der findet.

Diese angebliche „Geisterdiskussion“, die im Kommentar wieder angesprochen wird („Angeblich soll ein früherer Verbandsfunktionier mal einen Kompromiss zur Pyro Frage in Aussicht gestellt haben…“) war nicht dergleichen, was sich eigentlich inzwischen auch in die Redaktionsstuben des "Spiegels" herum gesprochen haben dürfte. Wer noch nicht Bescheid weiß, darf sich gern das auf dieser Seite veröffentlichte Interview mit Helmut Spahn durchlesen. „Ich denke wir waren auf einem guten Weg“ – Solche pragmatische, an der sachlichen Auseinandersetzung orientierte Einschätzungen wären in der aktuellen Debatte sehr hilfreich, anstatt die Terror-Keule auszupacken.

An den letzten drei Spieltagen haben die Fans jeweils 12 Minuten und 12 Sekunden geschwiegen. Ein Schweigen, das bei jedem, der Fußball so liebt wie wir ihn kennen und schätzen gelernt haben, grübeln auslöst. Spieler, Funktionäre, Trainer, Medien haben erkannt: Ein solches Szenario kann man nicht wollen.
Kramer behauptet zudem: „Ultras beanspruchen für sich, die einzigen echten Fans zu sein, und halten sich für unverzichtbar“. Es sind aber, und genau deswegen wird dieser Protest der Kampagne „Ohne Stimme keine Stimmung“ auch von einer breiten Masse unterstützt, nicht nur die Ultras, welche von den Sicherheitsmaßnahmen betroffen sind. UItras alleine bringen kein Stadion mit 80.000 Zuschauern zum Schweigen. In Stuttgart wurde der Protest von der Kurve „gefordert“, obwohl es keine Vorgabe von den „Stimmungskanonen“ – den einzig wahren Fans – gab. Ein FC Bayern München, und vielleicht noch ein oder zwei weitere Vereine, werden ihr Stadion auch ohne „aktive Fanszene“ füllen und für jede Stehplatzkarte drei Sitzplatz-Interessenten finden. Bei allen anderen Clubs werden die jetzt schon sichersten Stadien der Welt womöglich leer bleiben. Im Kommentar heißt es "Keiner würde sie vermissen" Die Wahrheit ist aber, ob mit oder ohne Ultras: Ohne Stimme wird man die Stimmung vermissen.

In der arabischen Welt wird der Wunsch nach Mitsprache von den westlichen Medien als streben nach Demokratie gefeiert. Wo, wenn nicht in einer Demokratie selbst, sollte es möglich sein gemeinsam an einem Tisch über Lösungen zu sprechen. In vielen Vereinen wird das vor Ort mit der Fanszene – auch mit Ultras – gemacht. Mit Erfolg. „Natürlich sind Fans keine Terroristen“ – Was soll dann bitte dieser Kommentar, Herr Kramer?

Samstag, 24 November 2012 16:22

Pyrotechnik ist kein Vebrechen, aber...

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pyro hsvAuch gestern hallte es zu Spielbeginn durch das Stadion. Düsseldorfer Fans erwiderten mit „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“ Sprechchören die Pyro-Aktion der Gäste aus Hamburg. Wenige Minuten später blieb dieser Satz dann wohl manchem im Hals stecken. Plötzlich brannten nicht nur die Fackeln sondern ein Plakat sowie die am Zaun angebrachten Zaunfahnen der HSV-Ultras.

Auch wenn es  leichte Verletzte gab, angesichts eines vollen Gästeblocks nochmal Glück gehabt. Folgenlos wird die Aktion so oder so nicht bleiben. Neben den üblichen Strafen für den Hamburger Sportverein wird die Debatte um Stadionsicherheit seit gestern durch einen neuen Fakt befeuert: Das Pyrotechnik unter den gegebenen Umständen eben nicht risikofrei eingesetzt werden kann. Was Sicherheitsbehörden, Verbände und Politik schon lange sagen, müssen auch die Anhänger der Feuerkunst eingestehen. Nun kann man sagen: Seit dem Vorfall Anfang 2010 in Bochum, wo durch den Einsatz von Pyrotechnik ein Nürnberger Fan im Gästeblock durch Pyrotechnik schwer verletzt wurde, ist bisher nichts mehr passiert. Seit gestern ziemlich schwaches Argument.

Was als Argument bleibt: Wenn ein legaler, kontrollierter Einsatz möglich wäre, kann so etwas wie in Nürnberg oder nun in Düsseldorf nicht passiert. Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre…. Vom Anliegen der Kampagne „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“ ist man wohl noch nie so weit weg gewesen wie dieser Tage.  So legitim das Bestreben der Kampagne ist, die Erfolgsaussichten gehen nicht erst seit gestern gegen null. Als Fan muss man fast froh sein, wenn der aktuelle Status in deutschen Stadien erhalten bleibt und nicht weiter beschränkt wird. Weniger Stehplätze, weiter steigende Kartenpreise und verringertes Gästekontingent wären erste Auswirkungen die alle Zuschauer zu spüren bekommen würden. Vielleicht ganz gut das die aktive Fan bzw. Ultrasszene eine neue gemeinsame Kampagne initiiert hat. 12:12 – Ohne Stimme keine Stimmung. Man möchte Druck ausüben und Einigkeit zeigen wenn es darum geht das Ansinnen von Politik und DFL zu verhindern, unter dem Deckmantel „Stadionsicherheit“ weitere Beschränkungen für die aktive Fanszene durchzusetzen. Bis zum 12. Dezember möchte man in und um die deutsche Stadien Aufklärungsarbeit leisten und in verschiedenen lokalen Aktionsformen für die eigenen Anliegen werben. „DFL Papier ablehnen“ prangte groß an der Brüstung des Oberrangs über dem Gästeblock. So gesehen war die Pyro-Aktion in Düsseldorf wohl auch als  Protestaktion gegen das DFL-Papier zu verstehen.  An diesem Wochenende startet die Aktion offiziell: Die Hamburger Szene hat dazu direkt einen negativen Beitrag beigesteuert.

Womöglich haben die Hamburger Pyro-Aktivisten bewusst versucht, ihr Anliegen mit einigen roten Fackeln zu untermauern. Vermutlich in der sicheren Annahme, das nichts schief geht. Nun muss man sich mit den Konsequenzen auseinander setzen. Das die Zaunfahne der Chosen Few mit in Rauch aufging und von den Düsseldorfern hämisch besungen wurde, darf dabei nur Nebensache sein.
Pyrotechnik ist kein Verbrechen, aber verboten. Und wer unter dieser Voraussetzung nicht für einen verantwortungsvollen Einsatz sorgen kann, der muss darauf verzichten. Diese Konsequenz sollten die beteiligten Gruppen aus Hamburg ziehen - und nicht nur in Hamburg.

Im Übrigen: Auf dem Plakat vor dem Block stand „Lasst uns ein Spiel spielen“ Das Spiel dauerte wenige Sekunden und ging verloren. Selten dämlich.

Samstag, 17 November 2012 19:38

Fränkisch – Bayerisches Derby: Ein Zwischenruf

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Lautrer Torjubel

von unserem Autor Julius Wiechmann

Bayern-Derby. Der Glubb gegen die Bayern. Ein brisantes Spiel. Die Schickeria München ist zu Gast bei den Ultras Nürnberg. Ein Spiel, das Spannung verspricht. Im Vorfeld haben der kürzlich wiedergewählte Bayern-Präsident Uli Hoeneß wie auch Kapitän Lahm und Sportdirektor Sammer dazu aufgerufen, auf pyrotechnische Gegenstände zu verzichten. Gebracht hat der Appell scheinbar nichts. Bereits kurz vor Anpfiff brennt und raucht es im Münchner Block. Gerade der Verein, der Verein, der den Richtlinien des Papiers „Sicherer Stadionbesuch“, das auch die rigorose Ablehnung von Pyrotechnik beinhaltet, scheint einen Teil seiner Fans nicht im Griff zu haben. Hoeneß und Co. Möchten das Image eines Vereins pflegen, der über eine selber aufgebaute, starke Wirtschaftskraft verfügt und der dank seiner vorbildlichen Fans in Europa und der Bundesliga immer gern gesehen ist. Das scheint nur bedingt zu klappen.

Dienstag, 13 November 2012 21:12

Was nicht passt, wird passend gemacht

geschrieben von

polizei kontrolleDer FC Bayern hat es also geschafft. Er hat zwei Zelte aufgestellt und damit eindrucksvoll bewiesen wie Stadionsicherheit im Jahr 2012 funktioniert. Nichts ist passiert, beim Hochsicherheitsspiel gegen die Eintracht aus Frankfurt. Nicht mal von Wunderkerze im Stadioninnenraum ist die Rede. Folgerichtig verkündet der Vorzeigeverein aus Bayern auf seiner Webseite die erfolgreiche Durchführung der Maßnahmen und ist stolz wie Bolle ob des Lobs durch die DFB-Sicherheitsaufsicht in Person von Kurt Benisch, der „die Maßnahme begleitet, protokolliert und für gut befunden.“ hat. Und obendrauf noch ein Schreiben von Polizeivizepräsidenten Robert Kopp, für den der Samstag ein erneuter Beleg dafür ist, „dass der FC Bayern München seiner Verantwortung für die Gewährleistung des sicheren Verlaufs von Fußballspielen nachkommt.“ Glückwunsch FC Bayern - wir gratulieren!

Zu was eigentlich? Dazu, dass man es geschafft hat ohne Not Öl ins Feuer zu gießen? Dazu, dass man es einmal mehr geschafft hat zu zeigen, dass dem FC Bayern an Fans mit eigener Meinung nichts zu liegen scheint - man es gar für angemessen hält offizielle Stellen des gegnerischen Vereins zu ignorieren.

Die Maßnahmen seien ein Erfolg, weil man es geschafft hat die Sicherheit von 71.000 Zuschauern zu gewährleisten. Ich fall vom Hocker! Mord und Totschlag in allen anderen Stadien, aber zwei Zelte und beim FC Bayern herrscht Sicherheit. Und damit die Aktion auch erfolgreich wird, verzichtete man im Vorfeld auf die Einbindung von Fanbetreuung und Sicherheitsbeauftragten aus Frankfurt. Wehrmutstropfen: Die schlauen Hessen haben davon durch Zufall mitbekommen und wollten darüber reden. „Was reden?! A geh… mia san mia“ *tut tut tut* *aufgelegt* Dialog Fehlanzeige. Dass die Eintracht-Verantwortlichen sich vor Ort darum bemühten, die Untersuchungen im Zelt zu verfolgen. Lästig! Unerwünscht! Allein die Tatsache, dass man sich zu den „Boykotteuren“ stellte, Majestätsbeleidigung im Freistaat Bayern. Die Staatsanwaltschaft scheinbar verwundert, ob des Verhaltens. Tja ihr Bayern, in Frankfurt kümmert man sich wohl um seinen Anhang.

20 Messer, 2 Schlagstöcke, 1 Schlagring, 1 Sturmhaube, Pfefferspray und Kokain. Das ist die Bilanz von Samstag. Nun muss man klar festhalten: Wer sich mit derartigen Gegenständen in Richtung eines Fußball-Stadions begibt, braucht kein Zelt, sondern andere geschlossene Einrichtungen. Und beim ersten Lesen der Pressemitteilung des FC Bayern könnte man tatsächlich denken: „Gott sei danke haben sie Zelten aufgebaut um das Zeug zu finden.“ Aber man könnte sich auch Fragen: „Was zum Geier machen den die Ordnungsdienste falsch, wenn solche Utensilien erst im Zelt gefunden werden.“ Alles einer Frage der Sichtweise. Die zweite Meinung fällt aus, wäre sie doch ein Armutszeugnis für den FC Bayern München.

Der FC Bayern jedenfalls verkauft die Aktion als Erfolg. Nur jetzt wird’s ganz dumm. Nichts davon wurde in den extra aufgebauten Zelten gefunden. Ja Sakrament! Schlagstöcke, Schlagring, Sturmhaube und Sprays gehen laut Polizei auf eine Vorkontrolle von vier PKW Insassen an einem Rastplatz zurück. Die Messer tauchen im Polizeibericht nicht mal auf. Bayern München erklärte, die Messer seien im ganzen Stadionumfeld gefunden worden. Wo genau, könne man nun auch nicht mehr sagen.

Wozu also all der Terz? Wozu diese Provokation? Wozu all das, was Vereins- und Fanvertreter in der Diskussion rund um das Sicherheitspapier gefordert haben, mit Füßen treten? Wegen der Erkenntnis, dass ja alles Problemlos ablief und „nur“ rund 250 Fans vor den Stadiontoren blieben. Ja, liebe Bayern – die geringe Solidarität des Frankfurter Anhangs ist sicher für kommende Aktionen ein Erkenntnisgewinn und aus eurer Sicht – und derer der Sicherheits-Hardliner – als Erfolg zu werten. Eure Versuche es schön zu schreiben, sind aber einfach nur als kläglich zu bezeichnen. Was nicht passt, wird passend gemacht? Wenn ich einen Tipp geben darf: Macht euren Umgang mit Fans mal passend, der passt nämlich zur Zeit gar nicht. Am Donnerstag ist Eure Jahreshauptversammlung: Vielleicht beginnt da der Dialog. Wobei.. vielleicht geht eurem Uli H. bei Fan-Themen wieder das Messer in der Hose auf. Vielleicht eines der 20, die man im Stadionumfeld aufgesammelt hat. Passt scho!

fankulturDie Woche hat wieder aufgezeigt, in welchem Dilemma sich die deutsche Fankultur bzw. der Fan an sich befindet. Am einen Tag Krawallberichte aus Hannover, am Tag drauf der Fan-Gipfel in Berlin mit einer abschließenden gemeinsamen Erklärung. Und zwischendrin: Kaffee und Kuchen am Geburtstagstisch, wo ich merke, in welchem Teufelskreis man hier eigentlich steckt.

Mittwoch in Hannover. Dresden im DFB-Pokal bei Hannover 96. Nichts Außergewöhnliches erstmal. Noch vor Spielbeginn muss man dann jedoch einsehen: Dresden Anhang und DFB- Pokal ist eine besondere Angelegenheit. Zwei Welten begegnen sich und scheinen sich einfach nicht zu mögen. Nicht nur, dass Hannover dem 10.000 Fan starkem Anhang eine komplette Tribüne reserviert hat, sondern auch, dass wieder eine Gruppe die Bühne DFB Pokal genutzt hat, allein mit dem Ziel, sich medial zu präsentieren. Ob gewollt oder ungewollt spielt dabei keine Rolle. Was hängen bleibt ist: Der DFB-Pokal und Dresden, damit assiziiert man leider Pyro, Krawalle und Gefahr. Seit Mittwoch nicht mehr nur wegen Dortmund. Der neutrale Betrachter fragt sich: Warum ist das so und warum gerade immer die Dynamos aus der Elbmetropole? Letztlich torpedieren solche Bilder den tags darauf organisierten Fan-Gipfel in Berlin und dessen Bemühungen und Ziel, den Verbänden und der Politik einen alternativen Weg aufzuzeigen. Den Fans jedenfalls nutzen diese Berichte gar nicht, im Gegenteil. Sie spielen allein den Hardlinern in die Karten. Man kann jetzt schon wieder die Uhr danach stellen, bis Polizei und Politik diese Entwicklungen zu nutzen machen und in radikale Forderungen umwandeln werden.
Dass diese Berichterstattung nur die eine Seite der Medaille ist, bekommt man erst mit etwas Abstand mit, wenn Fans und Augenzeugen ihre Sicht der Dinge darstellen. Natürlich sollte man diese auch mit Vorsicht und Augenmaß betrachten. So der Fall in Hannover, wo ein 17-jähriger weiblicher Fan aus Dresden dem Sicherheitskonzept am Einlass in Hannover schwere Vorwürfe macht. Es ist mindestens als fragwürdig zu bezeichnen, wenn der Teil der Fans die sich eben aus Gefahrenzonen heraus halten wollen, durch Sichehrheitmaßnahmen eben jenen Gefahren ausgesetzt werden. Sind es nicht eben jene Fans, die man vor Gewalt schützen möchte? In die mediale Öffentlichkeit schaffen es derart kritische Aussagen nur selten, wie jüngst im Nachgang zum Revierderby in Dortmund. Die dort gleichermaßen artikulierte massive Kritik am Polizeikonzept, auch aus renommierten Redaktionsstuben wie Spiegel Online, fasste Raphael Buschmann exemplarisch wie treffende zusammen, als er im Kreise der scheinbar konspirativen Schalker Fans nach Dortmund anreiste. Liest man seinen Erlebnisbericht "Mit Sicherheit am Ziel vorbei", so findet man erstaunlicherweise viele deckungsgleiche Aussagen und Erfahrungen mit jenen des Dresdner Anhangs in Hannover: Verfehlte Polizeitaktik, überforderte Sicherheitskräfte am Einlass und schlussendlich als Resultat Pyro im Stadion – der Inbegriff für Gewalt schlechthin. Aber darf sich die Polizei diese Bilder zunutze machen, wenn sie doch mittlerweile ein "Player" in diesem Spiel ist?

Donnerstagnachmittag im Schwäbischen. Geburtstag im Familienkreis, man kommt mit dem Besuch ins Gespräch: Über Fußball, den VfB Stuttgart und Stadionbesuche landet man zwangsläufig beim Thema "Sicherheit im Stadion". „Wir haben es doch grad erst in den Radio-Nachrichten gehört, dass die in Hannover wieder randaliert haben. Da muss man doch endlich mal handeln!“, erklärt der oft zitierte "normale Fans", wenig im Thema und den dazugehörigen Details stehend.
"Ja muss man, aber nicht von oben herab!", erwidere ich. Dann folgt ein fast 10 Minuten lang andauernder Monolog über das Problem von Willkür, Repression und populistischen Forderungen aus der Politik. Dieser mündet in der abschließenden Frage, ob Maßnahmen wie Vollkontrolle, Entzug von Kartenkontingenten und Geisterspiele eine Antwort auf das generelle Gesellschaftsproblem steigender Gewalt ist? Stimmt, es ist ein gesellschaftliches und eben kein Fußball-Problem…

Zeitgleich in Berlin. Über 250 Fanvertreter von 49 Vereinen von Bundesliga bis Regionalliga beraten und diskutieren im VIP-Zelt von Union Berlin. Der Fangipfel gilt als erster Versuch, sich mit einer Stimme gegen die einseitigen Forderungen nach mehr Sicherheitsbestimmungen zu stellen. Anwesend auch Andreas Rettig, designierter DFL Geschäftsführer, der mit seiner Teilnahme ein Zeichen setzt. Wahrscheinlich ist es zu früh über Details zu reden, aber es ist Zeit für „verbale Abrüstung“ wie Rettig es formulierte. Recht hat er: Wer den Dialog möchte, sollte nicht verbal mit Steinen werfen und Feuer zündeln. Die Forderungen in der Abschlusserklärung des Fangipfels sind einfach, fast banal, doch in ihrer Gesamtheit allesamt zu begrüßen. Die DFL, der DFB und die Vereine sind aufgefordert, dies als Grundlage für weitere Gespräche zu nehmen. Und wir Fans müssen uns daran messen lassen. Alle zusammen sind wir "DER" Fußball – die Solidargemeinschaft Fußball. Wenn wir ihn so erhalten wollen, wie wir ihn lieben, dann müssen wir gemeinsame Nenner finden. Und Politik und Polizei sollten dies als klare Ansage verstehen. Fußball eignet sich nicht, um von eigenen Versäumnissen abzulenken.

Mittwoch, 31 Oktober 2012 15:01

Sicherheit vs. Fankultur

geschrieben von

polizei kontrolleDas Thema Stadionsicherheit wird seit längerer Zeit mehr und mehr diskutiert. Nachdem die Medien öfters über Fan-Übergriffe und verbotenen Handlungen im Stadion berichtet haben, reagierten zunächst die Innenminister und forderten durchweg ein konsequentes Vorgehen gegen Pyrotechnik, politisch inkorrekten Werbebannern und Fangewalt. Besonders der nordrhein-westfälische Innenminister Jäger brachte den Stein ins Rollen, indem er die Vereine stark unter Druck setzte.

Angeblich sei die Polizei überlastet. Sicher haben Spiele wie Borussia Dortmund gegen Dynamo Dresden im DFB Pokal, das Relegationsspiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC oder das vergangene Revierderby Dortmund gegen Schalke nochmal Öl ins Feuer gegossen. Derart unter Druck gesetzt hat sich die DFL diesem Thema angenommen und raus gekommen ist dabei das umstrittene 33-seitige Positionspapier "Sicheres Stadionerlebnis", welches von vielen Vereinen und Fanclubs abgelehnt beziehungsweise nicht eins zu eins angenommen wird. Die Tatsache, dass Borussia Dortmund dieses befürwortet, rührt wahrscheinlich daher, dass Vereinspräsident Dr. Reinhard Rauball bekanntermaßen DFL-Vorsitzender ist. Aber Rauball ist auch Jurist und kann sich als Sozialdemokrat auch Justizminister a.D nennen. Und gerade die Juristen -die Fananwälte- haben große Bedenken. "Das Papier ist zum großen Teil rechtswidrig und schränkt die Freiheits- und Persönlichkeitsrechte der Fans zu sehr ein.", so die juristische Stimme der Fans. Hier ein Beispiel: Geht man davon aus, dass körperliche Untersuchungen, also auch in den Körper reingucken, ohne Arzt und Richter oder Staatsanwalt durchgeführt werden können, so geht das über das Maß der deutschen Strafprozessordnung hinaus, die gerade versucht eine Harmonie zwischen Freiheit und Sicherheit sowie Ermittlungsinteresse zu erreichen. Rechtstaatliche Prinzipien wie "Verhältnismäßigkeit" und "Angemessenheit" schienen bei der Ausarbeitung des Papiers ein wenig stiefmütterlich behandelt worden zu sein. Sicherheit um jeden Preis kollidiert nun mal mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Natürlich ist das für die DFL-Lobby völliger Humbug und ein Sprecher äußerte sich in einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung folgend: "Die im Konzeptpapier (...) vorgeschlagenen Maßnahmen werden in den verbandsrechtlichen Vorschriften selbstverständlich so ausgestaltet und in der Praxis selbstverständlich so umgesetzt, dass sie mit dem geltenden Recht in Einklang stehen" Selbstverständlich ist Sicherheit wichtiges Gut und bei weitem keine Selbstverständlichkeit. Aber kann man Sicherheit um jeden Preis erzwingen? Oder will die DFL durch bewusst überzogene und unangemessene Forderungen, so viele Einschränkungen wie möglich raus kitzeln? Schließlich wird hier in Deutschland jedes Gesetz, jede Richtlinie und jedes Konzept zehnmal ausdiskutiert, bevor man es für verbindlich erklärt. So funktioniert nun mal ein moderner aufgeklärter Rechtsstaat. Insoweit kann man sicher davon ausgehen, dass am DFL-Sicherheitskonzept rechtskundige Leute mitarbeiten. Dem Grunde nach ist es nichts als der übliche Kuhhandel, wenn es um die Einschränkung von Freiheits- und Persönlichkeitsrechten geht. Seit 2001 ist dieser Markt ja florierend und ruft Meinungen aller Couleur zum Feilschen auf. Die Sicherheitsdebatten um Nine-Eleven müssen ja hier nicht alle aufgezählt werden.

Der Fan dürfte am wenigsten vom Sicherheitskonzept begeistert sein - zumindest nicht der freiheitsliebende Fan, der seine Rechte als Bürger dieser Republik kennt. Nicht jeder Fan, der im Stadion für Stimmung sorgt ist ein schlagender, randalierender, homophober und rassistischer Hool, der das Fußballstadion als Schlachtfeld sieht. Folgt man dem Sicherheitspapier, so wird er mit einer Minderheit gleichgesetzt. Jeder ist ein potentieller Sprengstoffschmuggler. Kein Wunder, dass das "Sicherheitspapier" der DFL primär für Empörung in der Fankurve sorgte. Dem Besucher auf der Haupttribüne wird das reichlich egal sein, zumindest so lange bis nicht auch er durch eine Hochsicherheitsschleuse gelotst wird. Vielleicht zahlt der Fan in der Kurve nur ein Bruchteil dessen, was ein Buisness-Seat einbringt, und ist damit für Vereine finanziell nicht so attraktiv Natürlich soll man, egal auf welchem Platz, keine Angst haben ins Stadion zu gehen. Aber ist es notwendigdeswegen den Rechtsstaat bis aufs Äußerste auszureizen und die Freiheitsgesetze restriktiv und die Sicherheitsgesetze extensiv auszulegen? Es ist jedenfalls nicht der goldene Weg der Mitte. Statt zu begrenzen wird verboten, statt zu verhandeln wird verlangt. Natürlich ist es leichter alle zu bestrafen, anstatt die Chaoten ausfindig zu machen, die jedes Mal den Bogen überspannen und jedes Mal gewaltbereit sind und jedes mal rassistische und homophobe Parolen in Wort, Schrift und Bild von sich preisgeben. Allein aus diesen paar Beispielen ist die breite Ablehnung des "Sicherheitspapiers" nachvollziehbar. Möglicherweise muss man den Damen und Herren vom DFL zugestehen, dass diese gegebenenfalls weniger von einer bunten Fankultur geprägt ist, sondern mehr von der Lobby, die den Fußball als Plattform für kommerzielle Partikularinteressen sieht. Was am Ende dabei raus kommt, bleibt noch abzuwarten. Spannend wird sein, ob sich am Ende aufgrund mangelnden Konsens die obersten Richter in Deutschland mit den Interessen von Sicherheits- und Fußballfans auseinandersetzen müssen.

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