Mi19Jun2013

Back Aktuelle Seite: Bolzplatz Am Spielfeld Hintergründe Patrick Potthoff
Patrick Potthoff

Patrick Potthoff

27.
Sportmanagementstudent.
Gefühlte Heimat: Kaiserslautern.
Tatsächliche Heimat: Gütersloh, Ostwestfalen.

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Identifikation. Ein Wort, das sich mit viel Inhalt füllen lässt, doch genauso schwer zu erfassen ist. Mit was identifiziert sich ein Fußballfan? Oft sind es die sogenannten Identitätsmerkmale, die die Basis von Identifikation darstellen. Einer dieser Identitätsmerkmale ist das Stadion. Das Zuhause eines Vereins, der Ort an dem Anhänger jeglicher Gesinnung jedes Wochenende zusammen kommen. Eng verknüpft damit: Die (elendige?) Diskussion um den Stadionnamen. Namingrightsponsoring in Neudeutsch. Als Verein steht man vor der Wahl: Entscheidet man sich als dafür oder dagegen? Immer der Gefahr ausgesetzt, entweder dem einen oder dem Anderen auf die Füße zu treten. Stadionnamen verkaufen = möglicher Identifikationsverlust. Stadionnamen behalten = keine Einnahmen.

Neben diesem „Dafür“ und dem „Dagegen“ fehlte bislang völlig eine Handlungsoption, die ALLE Seiten zufriedenstellt. Denn machen wir uns nichts vor: So sehr sich Fans auch ihren (alten) Stadionnamen (zurück)wünschen – ist es finanziell nicht rentabel, wird es niemals zu einer Zwischenlösung kommen. Folgende Situation muss also geschaffen werden: Win-Win-Win. für Fans, Sponsoren und Verein.

Besonders interessant für Vereine, die die Entscheidung für „Dafür“ oder „Dagegen“ noch nicht endgültig getroffen haben. Die prominentesten Beispiele: Das Fritz Walter Stadion in Kaiserslautern und das Weserstadion in Bremen. Hier sprechen wir genau über das, was eingangs erwähnt wurde: Identitätsmerkmale, die wesentlich zur Identifikation beitragen. Es benötigt eine Zwischenlösung.

Die Voraussetzung dafür: Die quantitativen Ziele der Sponsoren und Vereine müssen erfüllt werden, der Stadionname aber zugleich erhalten bleiben. Identitätsmerkmale schützen und trotzdem Einnahmen erzielen: Das ist das Ziel. Ich glaube, mit dem folgenden Ansatz genau diesen Spagat gefunden zu haben. Doch rollen wir das Problem der Reihe nach auf. Der Status Quo in Sachen Namingrightsponsoring ist aus verschiedenen Gründen kritisch zu betrachten.

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Es gibt im Leben eine Menge großartiger Augenblicke. Das Problem dabei ist, dass diese Augenblicke vergehen und die Realität einkehrt. Hinter der nächsten Ecke lauert schon dieser grausame, unrasierte Kerl namens Alltag. In unserem Fall getarnt als personifizierte Zweitligazugehörigkeit. Zuhause in Aue, Karlsruhe und Bielefeld.

Aber heute ist noch nicht die Zeit für die Realität, denn gestern war ein Augenblick, der Bestand haben wird. Nicht nur morgen, sondern auch in ein paar Jahren. Das mag befremdlich wirken bei der Betrachtung des Endergebnisses. Nur wer vor Ort war, versteht, was gemeint ist. Worte können das nur begrenzt wiedergeben, aber ich versuche es trotzdem.

Der alte Mann auf dem Klo

Oft sind es die kleinen Wortfetzen, die einem in Erinnerung bleiben. So wie zur Halbzeitpause auf dem Klo. Voller Resignation trottete ich wie ferngesteuert hinunter. Auf dem Weg enttäuschte Gesichter, murmelnde Gespräche. Viele Wortfetzen hätte in Erinnerung bleiben können, doch am Ende war es nur der Satz eines alten Mannes: „Der alte Betze hätte schon längst 3:0 geführt“.

Auf dem Rückweg zum Platz kreisten mir die Worte im Kopf. Der alte Betze also. Ja, vielleicht hätte der „alte Betze“ 3:0 geführt, aber was auch immer für ihn der „alte Betze“ war: An diesem Abend stand der „Betze der Neuzeit“ dem Alten in Nichts nach. In wirklich nichts – bis auf das Geschehen auf dem Rasen.

Die zweite Halbzeit begann und wieder mal fackelte kurz das Feuer der Hoffnung:
Tor zum 1:1 – ein einziges wildes Geschrei wie im Rausch. Wenig später: Idrissou köpft das Tor zum 2:1 – grenzenloser Jubel. Blackout. Dann die Realität wenige Sekunden später: Das Tor wird nicht gegeben. Wut, Frust, Unverständnis.

Kurz darauf: Hoffenheim macht das Tor zum 1:2. Die folgenden Sekunden kamen mir vor wie eine Ewigkeit. Irgendwas in mir hofft, dass es nicht wahr ist. Ich will es nicht realisieren. Die Sekunden nach dem Einschlag vergehen: 1,2,3,4,5. Ich gucke immer noch wie gebannt auf den Schiedsrichter, auf die Spielertraube, auf die Fankurve. Lass das Tor aus irgendeinem Grund nicht gelten. Lass irgendwas passieren... 6,7,8,9,10. Ich schau mich um. Es passiert nichts. Der Spielstand auf der Videowand wandelt sich zum 1:2. Ich rechne den Gesamtstand aus: Wir müssten 5:2 gewinnen. Ich schaue erneut auf die Videowand: 74. Minute.

Das war’s. Moment der Leere. Einige Sekunden vergehen: Die ganzen letzten Tage passieren Revue. Die Vorfreude, die unglaubliche Euphorie schon Tage vor dem Spiel. Alles zerplatzt wie eine Seifenblase. Ich sehe mich vor dem geistigen Auge im Gästeblock der Alm stehen, in Paderborn, vielleicht in Dresden, vielleicht in Düsseldorf. Wie ein Film zieht alles an mir vorbei, während der leere Blick immer noch über die Ränge wandert.

Ich schaue in die Gesichter der Leute. Bei ihnen passiert genau dasselbe. Noch ca. 20 Minuten bis zum Abpfiff. Es ist vorbei. Doch irgendwie wird mir und vielen anderen in diesem Moment wieder klar, was eigentlich jeder weiß: Das was den FCK besonders macht, ist unabhängig von der Ligazugehörigkeit. Niemand denkt auch nur im entferntesten daran, das Stadion zu verlassen.

Die ersten Schals gehen hoch. Ich schließe mich an. Olé Rot Weiss erklingt und sollte nicht mehr enden. Nicht nach Spielende und auch weit darüber hinaus nicht. Ich halte den Schal immer noch hoch, obwohl meine Arme schon längst eingeschlafen sind und nur noch weh tun. Wie bescheuert muss man für so etwas eigentlich sein? Es ist mir egal. Ich schaue mich um: Menschen weinen, halten sich in den Armen, sind innerlich auf ihrer eigenen Gedankenreise nach Aue, nach Bielefeld, nach Karlsruhe.

Das Lied erklingt immer lauter und die Tränen der Enttäuschung und Trauer werden auf einmal zu Tränen des Stolzes und der Rührung. Momente, die für mich ein Leben lang in Erinnerung bleiben. Die magischsten Momente, die ich je in einem Stadion erlebt habe. Dieses spontane und ergreifende Gefühl des Trotzes. Wie ein Bataillon von Soldaten, die einen gefallenen Kameraden salutierend ein letztes Lied am Grabe singen. Der FCK wurde gestern nicht begraben – im Gegenteil: Gestern ist er wieder auferstanden. Gestorben und begraben wurden höchstens die Hoffnungen der Erstklassigkeit für die kommende Saison. Nicht mehr und nicht weniger.

Zurück in der Gegenwart:

24 Stunden sind vergangen. Der gestrige Tag wirkt noch nach. Der Stolz ist immer noch stärker als die Enttäuschung. Aber auch dieses warme, wohlige Gefühl wird verschwinden. Und es muss auch verschwinden, um Platz zu machen für eine knallharte Aufarbeitung. Noch nicht heute, auch noch nicht morgen, aber schon bald muss genauer hingesehen werden, denn das was annähernd 50.000 Menschen erhobenen Hauptes gefeiert haben, war kein Freibrief für die geleistete Arbeit in dieser Saison. Es war kein Loblied auf den Trainer, auf die Mannschaft oder auf irgendetwas. Es war eine Geste, die in dem Moment einfach richtig, wichtig und gut war, aber nicht falsch verstanden werden darf.

In einigen Tagen müssen Sachen angesprochen werden. Dann muss aufgeräumt werden. Es müssen Konsequenzen gezogen werden – welcher Art auch immer.

Das was der alte Mann auf dem Klo mit „Der alte Betze hätte schon 3:0 geführt“ zwischen den Zeilen zum Ausdruck bringen wollte, trägt nämlich viel Wahrheit in sich: Dieser Verein, dieses ganze drum herum hat viel mehr verdient. Es muss nicht die deutsche Meisterschaft sein, nicht die Championsleague und auch nicht der Europacup. Es muss aber möglich sein, einen konzeptionellen Fußball spielen zu lassen, der es uns ermöglicht noch mehr solcher Abende zu erleben.

Denn so unbezahlbar diese Momente in Zeiten der Niederlage sind und so sehr ich mich freue über jede SMS von vereinsfremden Anhängern, die voller Begeisterung, Anerkennung und Rührung die Unterstützung der Fans würdigen, ist der sportliche Erfolg doch am Ende des Tages die notwendige Bedingung. Vom sportlichen Erfolg waren wir in diesen Relegationsspielen aber meilenweit entfernt. Wir waren nicht auf Augenhöhe mit Hoffenheim. Wir waren bei weitem nicht konkurrenzfähig. Nicht ansatzweise, um ehrlich zu sein.

Dieser Verein, diese Gemeinschaft hat mehr verdient als die zweite Liga. Um da rauszukommen, braucht es mehr als momentan da ist. So reicht es ganz offensichtlich nicht. Das hat man in Hoffenheim gesehen, das hat man gestern auf dem Platz gesehen und das hat man vor allem in vielen Spielen der regulären Saison gesehen.

Wie unschlagbar wäre es, wenn der sportliche Erfolg nur ansatzweise an dem Potential des Vereins anknüpfen könnte? Das sind fromme Wünsche und Ziele, aber sie sind zu erreichen. Allerdings nur dann, wenn man sich nicht mit dem Status Quo zufrieden gibt.

Die Aussagen des Trainers zeichnen ein anderes Bild als ich und viele andere es wahrnehmen. Das ist für mich erschreckend. Aber Wahrnehmung ist Realität. Doch wer das tatsächlich so wahrnimmt und sich mit dem Gegner auf Augenhöhe sah, wird niemals in der ersten Bundesliga ankommen. Wenn wir uns damit zufrieden geben, dann werden wir auch die nächsten Jahre nicht aufsteigen. Zufriedenheit ist Stagnation.

Doch intensiver will ich daran noch nicht denken. Noch nicht heute. Ich summe innerlich immer noch „Olé Rot Weiss“. Morgens unter der Dusche, auf der Fahrt zur Arbeit und in jeder ruhigen Minute des Tages. Ich habe noch keine Lust aufzuwachen und die Realität zu sehen. Bald wird uns der grausame, unrasierte Kerl namens Alltag heimsuchen, aber noch nicht heute.

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Bildquelle: der-betze-brennt.de

Sonntagmorgen und ganz Deutschland ist noch elektrisiert vom CL-Finale im Wembley Stadion. Wie soll ich an dieser Stelle erklären, dass ich es nur mit halbem Auge und mit Tagträumen verbracht habe? Ich versuche es erst gar nicht. Das war nicht mein CL-Finale. Mein CL-Finale ist morgen. Nicht im Wembley-Stadion, sondern auf dem Betzenberg. Für dieses letzte Spiel bringt uns keine Sachlichkeit weiter, keine Objektivität und auch keine Rationalität. Drama, Pathos und Romantik sind angesagt:

Die Sonnenfinsternis

Morgen ist unser CL-Finale und es fühlt sich tatsächlich wie eines an. Vergleichbar mit der Sonnenfinsternis, die Anfang diesen Jahrtausends die Menschen für ein paar Tage in ihren Bann riss. So eine Sonnenfinsternis ist – ebenso wie ein Fußballspiel – ein Ereignis, bei dem viele verschiedene Faktoren zusammenpassen müssen. Es braucht diese seltene und besondere Konstellation.

Manchmal kann man auf dem Betzenberg schon im vorhinein erahnen, dass so ein Tag bevorstehen könnte. Diese besondere Konstellation, die große Momente und Spiele erzeugt. Die letzte Sonnenfinsternis – im übertragenen Sinne ­– fand in Kaiserslautern am 18.05.2008 statt. Das Datum bedarf keiner weiteren Erklärung.

Am 27.05.2013 wird wieder so eine Sonnenfinsternis in Kaiserslautern stattfinden. Dafür muss man kein Prophet sein, nur ein Gefühl für die Geschichte und Intimitäten des FCK haben: Flutlicht; ausverkauftes Haus;  ein mehr als verhasster Gegner;  ein Rückstand, der aufgeholt werden muss; Fritz-Walter Wetter; eine Einheit, die für das entscheidende Spiel alles vergangene vergisst und viele kleine weitere Faktoren, die für optimale Voraussetzungen sorgen.

Das Hinspiel hat schon einen kleinen Vorgeschmack darauf gegeben. Die Spieler haben  Feuer gefangen. In den Augen der Spieler bei den üblichen Interviews nach Spielende war keine Resignation, Enttäuschung oder Frust zu erkennen, sondern Optimismus, Siegesgewissheit und Glaube. Alle glauben noch dran. Dieser Glaube schießt zwar keine Tore, aber er ist die Grundvoraussetzung für Erfolg. Und zwar Immer.

Mein CL-Finale am Montag wird kein europäisches Highlight sein, sogleich es aufgrund des Gegners zumindest von nationaler Bedeutung ist. Die Schlagzeilen werden wohl ein paar Stunden die Gazetten bestimmen und für die meisten Nicht-Infizierten wird es gleich wieder vergessen sein. Nicht wenige werden es als komplett bedeutungslos erachten.  Doch für mich ist es wie Weihnachten, Ostern und Sylvester zusammen. Rational sowieso nicht zu erklären, aber am Montag werden da 50.000 andere sein, denen es genauso geht. Wie der Ring auf Frodo wirkt diese Eintrittskarte, die schon sehnsüchtig darauf wartet, zum Betzenberg gefahren zu werden.

Dazu diese Tagträume, die einen schon Tage vorher seine Umwelt vergessen lassen. Alles spielt sich vor dem inneren Auge ab. Innerlich bin ich schon jede einzelne Treppe hoch zum Fritz Walter Stadion aufgestiegen, habe jedes Lied innerlich geträllert, bin jede noch so mögliche Ergebniskonstellation und ihre Auswirkung durchgegangen. Vor meinem inneren Auge habe ich das Spiel schon mindestens 4x90 Minuten durchgespielt. Auf den Rängen, als Spieler selbst und aus allen möglichen anderen Perspektiven.

Zwei Versionen

Was den Spielverlauf betrifft, gibt es für mich genau zwei Versionen, wie das Spiel ablaufen kann: Entweder kommt es so, wie es rein rational zu erwarten ist: Hoffenheim setzt sich mit seiner vermeintlich stärkeren Spielanlage durch und wir bleiben Zweitligist.

Die zweite Version ist etwas weniger rational, aber durchaus realistisch, wenn man die Vergangenheit des FCK kennt. Es wäre bei weitem nicht das erste Mal, dass so ein Spiel im Fritz-Walter Stadion die Verhältnisse komplett umkehrt. Spiele werden zu 50% im Kopf entschieden. 50.000 Menschen auf den Rängen und elf Lauterer auf dem Platz werden Hoffenheim keine Luft zum Atmen lassen, keine Verschnaufpause gönnen, keinen cm Raum lassen.

Romantisches Gelaber mit übermäßigem Pathos? Vielleicht, aber die Realität zeigt, dass diese zweite Version möglich ist. Die folgenden Stimmen sind nur einige von vielen. Nicht nur um zu zeigen was in der Vergangenheit des Betzenbergs schon alles möglich WAR, sondern vor allem um daraus abzuleiten, was möglich IST:

"Wenn Deutsche so gedemütigt wurden, hält sie nichts mehr auf - die sind glatt in der Lage, uns zu überrennen. Ich weiß das. Ich war in Kaiserslautern. Damit bin ich genug bedient."  (Josep Guardiola als Trainer des FC Barcelona)

Nirgends spürt man die Massen so massiv wie in Kaiserslautern.
(Joachim Weyland, ehemaliger FIFA-Schiedsrichter aus Oberhausen)

"Auf dem Betzenberg gab es ja schon lange keinen Bundesliga-Fußball mehr. Einige wussten wohl nicht, dass es hier andere Spiele gibt. Jetzt wissen sie es."
(Fredi Bobic)

"Man müsste verbieten, dass der FCK auf seine Fan-Kurve spielen darf, besonders in der zweiten Hälfte, da geschieht immer irgendwas Besonderes - mit beiden Mannschaften..."
(Christian Eichner)

Das ist eben der Betzenberg. Du spielst gut, du führst und du denkst, du hast alles im Griff und plötzlich wirst du überrannt und verlierst. [Freddi Bobic)

"Die starken Schlussphasen auf dem Betzenberg sind sowieso programmatisch und in der Vereinssatzung verankert" (Sky-Kommentator Marcus Lindemann)

Wenn die Mannschaften der Bundesliga über Spiele gegen Kaiserslautern am Betzenberg berichten, klingt das immer so, als hätten sie gerade ein Sibirisches Straflager überstanden. (Sport-Bild)

"Auf dem Betzenberg erwartet uns die Hölle, ich fürchte um das Leben von Bodo Illgner!" (Erich Rutemöller 1990)

Es ist völlig realistisch, dass der Betze das Ding noch dreht. Fällt tatsächlich das 1:0 … sollte es wirklich so sein, dass Kaiserslautern mit 1:0 in Führung geht … dann könnte Hoffenheim einbrechen. Dann werden sie dem Druck nicht standhalten können. Das ist die Version, die nicht weniger wahrscheinlich ist als die Erste.

Aber auch dafür braucht es ein paar Faktoren, die stimmen müssen. Jeder Spieler muss die Leistung seines Lebens abrufen. Der ein oder andere Sonntagsschuss des Gegners muss gegen die Latte statt in den Winkel gehen, Sippel einige unhaltbare rausholen, Idrissou den entscheidenden cm nicht im Abseits stehen und netzen.

Und zu guter Letzt muss und wird sich der FCK an diesem 27. Mai auf das besinnen, was ihn ausmacht und was die Zeitschrift „Der Spiegel“ vor einigen Jahren mal treffend auf den Punkt gebracht hat:

Kaum ein deutscher Verein ist derart identitätsstiftend für eine Region wie der 1. FC Kaiserslautern. Dessen Stadion haben die Einwohner auf dem Betzenberg erbaut, es erinnert an eine Burg, die die Stadt beschützt und in die die Bürger flüchten können. 
Ein bisschen ähnelt ein normaler Bundesligaspieltag tatsächlich einer Flucht. Dann steigen die Menschen aus der pfälzischen Provinz hinauf auf diese Burg, rücken zu einer regionalen Einheit zusammen, sie brüllen und toben – für diese 90 Minuten haben die Gäste aus den Metropolen Deutschlands wenig Grund zur Freude.
(Der Spiegel)

Die Konstellation stimmt. Die Sonnenfinsternis kann kommen.

Lautern allez!

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Montag, 20 Mai 2013 21:42

Relegation 2013: Alte gegen neue Welt

Genau das ist es, was es gebraucht hat. Das Drehbuch des Fußballgotts ist wieder einmal Hollywoodreif. Wir haben den Gegner für die Relegation bekommen, den sich zwar nur die wenigsten gewünscht haben, der aber genau das richtige Puzzlestück für eine Konstellation ist, die den berühmten Betze-Geist für das alles entscheidende Spiel beleben wird.

Alte Welt vs. Neue Welt

Und es ist kein bloßes Duell zweier Fußballmannschaften. Hier tritt Kaiserslautern als Stellvertreter der alten Welt gegen die TSG 1899 Hoffenheim als Vertreter der neuen Welt an. Ein Klub mit Seele gegen den Virus des deutschen Profifußballs. 80 km Luftlinie voneinander entfernt und doch wie zwei Paralleluniversen mit Unterschieden, die nicht größer sein könnten. Das klassische Duell der Gegensätze: Gut gegen Böse, Tradition gegen Kunstprodukt, Pferdewurst gegen Lachsschnittchen.

Alles ist vorbereitet für diesen prägenden Meilenstein, der in die Geschichte des 1. FC Kaiserslautern eingehen wird – im Falle des Erfolges ebenso wie im Falle des Scheiterns. Sportlich der wohl schwierigste von allen möglichen Gegnern, emotional allerdings das absolute Highlight. Eine Niederlage gegen Düsseldorf hätte weh getan, aber es wäre verkraftbar gewesen. Bei diesem Gegner ist das anders. Wir sind verpflichtet, zu gewinnen.

Angst vs. Vorfreude

Darum kann es auch niemand leugnen: Die Vorfreude auf dieses Spiel paart sich aktuell mit der Angst, dass es schief gehen könnte. Doch alle Enttäuschung, alle unerfüllten Erwartungen, alle überzogenen Ansprüchen, all die Unzufriedenheit und all der Frust der vergangenen Monate sind vergessen. Alles ist auf Null gestellt. Es zählen nur diese beiden Spiele. Wir haben die Konstellation, die es benötigt hat, um die eingeschlafene FCK-Seele wieder aufzuwecken. Und es steht weit mehr als die Ligazugehörigkeit für die nächste Saison auf dem Spiel. Müssen wir uns die nächsten zwei Wochen im Keller verstecken oder können wir mit dem FCK-Trikot durch ganz Deutschland stolzieren?

Der Ausgang dieser Relegation wird die Vereinsgeschichte der kommenden 5 Jahre entscheidend prägen und beeinflussen. Es steht unheimlich viel auf dem Spiel. Wir sind All-In. Entweder knacken wir den ganz großen Jackpot oder wir liegen bettelarm und ausgeraubt auf der Straße. Epischer Sieg oder epische Demütigung. Kein zweiter Boden, kein Sicherheitsnetz. Wir haben das schlechtere Blatt im Kampf gegen einen Gegner mit Assen auf den Händen. Hochbezahlte, hochtalentierte Einzelspieler auf Seiten der Sinsheimer. Ausgestattet mit Mitteln, die unseren weit überlegen sind.

David vs. Goliath

David gegen Goliath im besten Sinne. Mit dem Unterschied, dass die Muskeln des Goliaths nicht echt sind. Nur aufgepumpt mit heißer Luft. Ein Kunstprodukt, dass sich die Zugehörigkeit in der Bundesliga über den einfachsten Weg gesucht hat und dem wir jetzt mit einem gezielten Tritt in den Allerwertesten wieder aus dem Oberhaus verbannen können.

Wir haben die  große Chance, diesen Virus des deutschen Fußballs in die Zweitklassigkeit zu versenken. Nicht weniger als ganz Fußballdeutschland steht dafür auf unserer Seite. Und diese Unterstützung brauchen wir auch, um es möglich zu machen.

Und in einem sind wir der Goliath und die TSG der David: Es sind die Menschen, die den Verein seit Jahrzehnten begleiten und genau in diesen Momenten da sind, um den alten Mythos des Betzenbergs wieder aufleben zu lassen. Der Mythos,  der sich immer dann aktiviert, wenn der FCK mit dem Rücken zur Wand steht. Wenn keiner einen Pfifferling auf uns setzen würde. Dann ist sie plötzlich wieder da, diese uneinnehmbare Festung namens Fritz-Walter Stadion.  Und genau deswegen wird eine ganze Fußballnation hinter dem FCK stehen. Auf der Seite des Guten, der alten Welt, der Pferdewurst.

Sieg vs. Niederlage

Und wenn wir auch untergehen sollten, so tun wir es mit wehenden Fahnen und der Gewissheit, dass ohnehin das, was einen Fußballverein besonders macht, mit keinem Geld der Welt erkauft werden kann. Am Ende werden wir Sieger sein – unabhängig vom Ergebnis.

Donnerstag, 09 Mai 2013 18:22

#fürimmerWeserstadion

Eine Aussage machte diese Woche die Runde im hohen Norden. Werder Bremen zieht es aktuell in Erwägung, den Stadionnamen an einen Sponsor zu verkaufen. Marco Bode, Mitglied im Aufsichtsrat von Werder Bremen, äußerte sich dazu wie folgt: "Das wäre für mich denkbar. Aber es hätte natürlich einen hohen Preis".

Die gute alte Namingrightdiskussion. Warum dem ganzen nicht mal eine neue Denkrichtung geben? Namingrightsponsoring und Erhalt des Namens - und das gleichzeitig. Geht nicht? Geht doch. Vor wenigen Wochen habe ich genau diesen Lösungsansatz für das Fritz-Walter Stadion in Kaiserslautern untersucht. Umfrageergebnisse und Darstellung der Idee habe ich für jedermann öffentlich zugänglich gemacht:

Namingrightsponsoring - Zeit, neue Wege zu gehen.

Lässt sich das auf Werder Bremen und ihr Weserstadion übertragen? Ich glaube ja. Wie und warum das so ist? Das ist das Thema dieses Artikels:

Die allgemeinen Rahmenbedingungen

Hunderte von Sponsorennamen strömen Spieltag für Spieltag auf uns ein. Werbepartner auf allen Ebenen: Vom Trikot, über Bandenwerbung bis hin zum Stadionnamen.  Die Unternehmen zahlen viel Geld dafür, dass sie sich dort platzieren können, wo sie vermeintlich wahrgenommen werden. Das inflationäre Ausmaß von Namensrechten hat aber zur Folge, dass Sponsoren immer weniger Aufmerksamkeit erzielen. Nicht nur das: Sie überschreiben Identität und erzeugen negative Emotionen.

Keine guten Voraussetzungen für Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit ist aber eine der Voraussetzungen für Wahrnehmung. Also wie Aufmerksamkeit erzeugen in Zeiten, in dem Sponsoring nur noch dem Muster Copy+Paste zu scheinen folgt?

Nur wer ab und an mal Regeln bricht, sorgt für Aufmerksamkeit.

Wahrgenommen wird man, wenn man anders ist und andere Pfade betritt, bewährte Muster und Regeln bricht.

Was braucht es dafür?

  1. Die Muster und Regeln zu erkennen
  2. Sehr viel Mut, um sie zu brechen

Beispiele?

  • Vapiano hat das Prinzip des Restaurants neu erfunden.
  • H&M durchbrach die Regel, dass modische  Exklusivität nicht mit niedrigen Preisen vereinbar ist.
  • MyMuesli konnte ihren Kunden etwas bieten, was sie vorher nie bekamen: ihr individuelles Müsli.
  • Ikea lässt ihre Kunden die Möbel selbst aufbauen und beschritt damit vollkommen neue Wege.

Es macht also Sinn, Regeln zu brechen. Schauen wir uns doch mal die Regeln des Sponsorings im Fußball an. Genauer gesagt, die des Namensrechtesponsoring.

  • SC Freiburg: MAGE-Solar Stadion
  • Hamburger SV: Imtech Arena
  • Borussia Dortmund: Signal-Iduna Park
  • SpVgg Fürth: Trolli Arena
  • 1. FC Nürnberg: Grundig Stadion

Das sind nur einige wenige aus einer Fülle von teilweise albern klingenden Namen. Die Regel: Sponsoren überspielen nicht nur den Namen eines Stadions mit ihrem Enblem, sondern auch die Interessen und Wünsche vieler Anhänger des Vereins.

Es wird für Aufmerksamkeit gesorgt, ohne in den meisten Fällen einen emotionalen Bezug herzustellen.

Klar ist: Natürlich nimmt die Bekanntheit dieses Sponsors sprunghaft zu. Das heißt aber lange noch nicht,  dass ich die Produkte des Unternehmens demnächst auch bevorzuge. Denn allein Reichweite schafft keine Beziehungen. Und genau darum geht es: Beziehungen zu schaffen. Diese Beziehungen beruhen vor allem auf positiven Emotionen. Die zahlreichen Unmutsäußerungen - auch außerhalb Bremens - gegen die Umbenennung von Stadien deuten aber eher auf das Gegenteil hin:

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Für B2B-Unternehmen, also Firmen deren Kunden andere Unternehmen sind, gilt übrigens selbiges. Auch hier geht es darum, Emotionen zu erzeugen. Und auch hier funktioniert Aufmerksamkeit nicht mit dem Lautsprecher, sondern mit einem emotionalen Bezug:

Es geht nicht darum, wer am lautesten schreien kann, sondern über wen am meisten gesprochen wird.

Gesprochen wird beispielsweise in Hamburg über vieles, aber sicher nicht über Imtech. Das Hamburger Stadion hieß schon AOL-Arena, HSH-Nordbank Arena und nun eben Imtech-Arena. Und wie nennen es die Fans? Volksparkstadion.

Es wird Zeit, die Regeln zu durchbrechen. Und wo wäre diese Regelbrechung effizienter, als bei einem Verein, bei dem sich diese Regeln noch nicht durchgesetzt haben: Der SV Werder Bremen und ihr Weserstadion.

Das Ziel für den SVW:

  • Der SVW soll Einnahmen aus einem Namingrightsponsoring erzielen
  • Der Name soll trotzdem erhalten bleiben

Das Ziel für den Sponsor:

  • Der Sponsor muss trotzdem wahrgenommen werden
  • Der Sponsor muss einen Gegenwert zu der investierten Summe erhalten

Die Überlegung, den Stadionnamen mit einem Sponsorennamen zu überschreiben, stieß bisher auf Kritik FürImmerWeserstadion. Und das völlig zurecht: Schließlich ist der Name ein wesentliches Identitätsmerkmal des SVW.

Das macht es notwendig, einen alternativen Weg zu gehen – Regeln zu brechen. Also zurück zu der Fragestellung:

Wie kann ein Sponsor wahrgenommen werden, ohne den Namen des Stadions umzubenennen?

Um dies zu realisieren, bedienen wir uns einem Trick aus der Markenwahrnehmung. Starke Marken werden auch erkannt, ohne ihren Namen zu nennen.  Nur ein paar Beispiele:

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Ein Getränkehersteller, eine Fast-Food Kette und ein Mobilfunkanbieter – ich würde behaupten, 99% der Menschen erkennen es zweifelsfrei. Wahrnehmung findet vor allem unterbewusst statt. Das ist im übrigen auch durch die Hirnforschung belegt: Marken, Produkte und Kommunikation wirken zu 95% implizit, d.h. intuitiv, unreflektiert und unbewusst. Wenn wir diese Erkenntnis mal auf das Weserstadion anwenden, könnte das wie folgt aussehen:

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Die meisten Bremen-Fans werden das potentielle Unternehmen wohl erkennen. Ebenso ist es mit beinah allen Logo’s möglich. Der Name „Weserstadion“ erscheint im CI (Corporate Design) des Sponsors. Der Name bleibt erhalten, der Sponsor wird trotzdem wahrgenommen – positiv wohlgemerkt! Denn dieser Sponsor erhält das Identitätsmerkmal des SVW und fördert zugleich den Verein. CSR-Namingrightsponsoring sozusagen. Ohne die Bedeutung des Regenwaldes für die Menschheit herunterzuspielen, aber hier würde nicht einfach ein Quadratmeter Urwald irgendwo in Südamerika geschützt werden (ob es tatsächlich so ist, weiß eh niemand), sondern es wird etwas erhalten, was einen sichtbaren Wert für die Menschen hat: Das Weserstadion

Wie müsste der Sponsor diese Aktion aktivieren?

Schließlich heißt es ja: Tue Gutes und sprich darüber. Der Sponsor könnte das Ganze mit der Botschaft: „Weserstadion erhalten – Tradition bewahren“ unterstützen. Welche Kanäle dafür auch immer genutzt werden: Entscheidend ist die Botschaft, die kommuniziert werden soll: Man schützt das Identitätsmerkmal des SVW.

Wie könnte ein Vertrag konkret aussehen?

§ 1 Leistungen des Sponsors

I.       Der Sponsor verpflichtet sich, an den Verein einen jährlichen Betrag von ... € zuzüglich etwa anfallender Umsatzsteuer zu zahlen. Fälligkeit tritt jeweils am ... ein. Der Betrag ist auf folgendes Konto zu überweisen ... .

II.      Der Sponsor verpflichtet sich, dem Verein einen einmaligen Betrag von ... € für das Erreichen des Halbfinals im DFB-Pokals zu zahlen.

III.     Der Sponsor verpflichtet sich, dem Verein einen einmaligen Betrag von ... € für das Erreichen einer Platzierung zu zahlen, die zur Teilnahme an den europäischen Wettbewerben berechtigt.

IV.     Dem Verein stehen für den Fall des Zahlungsverzuges Verzugszinsen in Höhe von ... Prozentpunkten über dem Basiszinssatz zu. Die Geltendmachung eines weiteren Schadens wird dadurch nicht ausgeschlossen.

§ 2 Gegenleistungen des Vereins

Der Verein verpflichtet sich zu folgenden Leistungen, beziehungsweise räumt dem

Sponsor folgende Rechte ein:

a)      Der Verein räumt dem Sponsor das Recht ein, als Bewahrer des Weserstadions aufzutreten und für die Laufzeit des Vertrages von ... Jahren ab dem ... mit diesem CSR-Sponsoring zu werben. Der Sponsor wird bei der Ausübung dieses Rechts die gesetzlichen Bestimmungen beachten.

b)      Der Verein räumt dem Sponsor das Recht ein, während der Spiele der A- Mannschaften auf eigene Kosten einen Informationsstand zu errichten. Standort und Größe sind individuell in der Woche vor dem jeweiligen Spiel abzusprechen.

c)      Der Verein verpflichtet sich, einzelne Spieler oder die gesamte Mannschaft auf Anforderung des Sponsors und auf dessen Kosten für besondere Werbeaktionen einzusetzen. Anzahl und Dauer werden individuell mindestens 4 Wochen vor der jeweiligen Durchführung abgesprochen. Diese Möglichkeit kann der Sponsor vier Mal per annum wahrnehmen.

d)      Der Verein räumt das Recht ein, ein Logo mit dem Namen Weserstadion im CI des Sponsors zu entwerfen und es an der Fassade des Stadions anzubringen. Als einziger Text muss zwingend „Weserstadion“ zu lesen sein. Die baurechtlichen Vorgaben sind zu beachten.

e)      Der Verein verpflichtet sich, dem Sponsor für jedes Heimspiel jeweils ... VIP- Karten und ... VIP-Logen zur Verfügung zu stellen. Über das Grundkontingent hinausgehende Karten, maximal allerdings ... Stück, kann der Sponsor über den Verein direkt bestellen.

f)       Der Verein verpflichtet sich, Spiel- sowie sonstige Veranstaltungsankündigungen mit dem Logo „Weserstadion“ zu versehen.

g)      Dem Sponsor wird das Recht eingeräumt, das Logo „Weserstadion“ in die Verkehrshinweise und Ausschilderungen in Richtung des Stadions einzufügen. Die weiteren straßenverkehrsrechtlichen Vorgaben sind zu beachten.

h)      Der Verein verpflichtet sich, den Sponsor bei der Einführung und Bekanntmachung des CSR-Sponsorings des Weserstadions zu unterstützen, indem er Dritte auf diese Aktion hinweist, sowie brancheninterne Kontakte nutzt, um die Berichterstattung in den Medien zu animieren, den neuen Namen zu verwenden.

Es wäre gegen die Regeln. Es erfordert ungeheuren Mut, aber die Pioniere sind meistens auch die, die am nachhaltigsten profitieren. Der First-Mover-Effekt würde ein Umdenken, ein Paradigmenwandel auslösen – und welches Unternehmen würde sich nicht gerne damit brüsten?

Die Zeiten sind doch längst vorbei, in denen Marketing die Aufgabe hat, die Kunden so lange mit Informationen und Werbebotschaften zu bombardieren, bis sie das getan haben, was man von ihnen erwartet hat: kaufen.

Es geht für Unternehmen darum, Geschichten zu erzählen. Die Geschichte, das Identitätsmerkmal des SVW – das Weserstadion – zu schützen und dafür einen Geldbetrag beizusteuern, wäre eine Geschichte, die Emotionen beinhaltet und transportiert. Der Sponsor wäre kein Mäzen, der das Geld aus gutem Willen aus dem Fenster schmeißt, sondern hätte einen ernsthaften Gegenwert – wenn man es eben clever aktivieren würde. Nicht mit dem Zweck Werte zu kommerzialisieren, sondern sie nachhaltig zu bewahren.

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Mittwoch, 01 Mai 2013 10:15

Der FCK auf Stichflamme

tag im mai 9

Vor wenigen Monaten stellte ich fest: Der FCK auf Sparflamme. In diesen Tagen –  nach der empfindlichen Pleite in Cottbus – ist mal wieder etwas Feuer im Spiel. Der Betze brennt – im wahrsten Sinne des Wortes. 4:2 verloren: so viel zum Spiel. Zu allem was drum herum passiert ist, wurde auch schon viel gesagt. Manch einer wird sagen, zu viel. Doch ist gerade das interessante, wurde in den letzten Wochen mit unendlich vielen Worte eigentlich nichts gesagt.

Endlich wieder etwas Leben in der Bude. Wie ein Vulkanausbruch entladen sich aktuell die Worte rund um Kaiserslautern. Ein Gewitter, das hoffentlich reinigend wirkt. Grund dafür, sind vor allem die Aussagen von Mo Idrissou nach dem Spiel: Er durchbrach in einem emotionalen Anfall Regeln und Ehrenkodex. Lederte auf alles los, was ihm in den Sinn kam. Ohne Rücksicht auf Verluste. Sprach dabei aber in vielen Dingen den FCK-Fans aus der Seele.

Keine Worthülsen a la  „Wir haben alles noch selbst in der Hand“, kein „das nächste Spiel wollen wir unbedingt gewinnen“, sondern ehrliche, aber auch harte Worte. Vielleicht auch teilweise zu hart. Über die Inhalte dieser Aussagen wird auch zwei Tage später noch gestritten. Nur ein Ausschnitt:

"Einige von uns haben einfach keine Eier, wir spielen in Aue mit neun gegen elf und können nicht mal einen Ball in unseren eigenen Reihen halten. Ich erkenne die Mannschaft nicht wieder, einige machen die letzten Wochen einfach nur noch, was sie wollen. Vielleicht haben einige Angst vor der 1. Liga. Wir sind einfach die dümmste Mannschaft der 2. Liga, wir sind einfach nur dumm."

Über wahr und falsch seiner Aussagen lässt sich streiten. Und genau das wird ebenso intensiv wie detailliert getan. In der Fanszene und ganz sicher auch innerhalb des Vereins.  Zumindest streitet man mal wieder. Kein Gefühl der Gleichgültigkeit, wie es in den letzten Wochen zu spüren war, sondern Feuer in der Bude. Idrissou polarisiert, seine Aussagen erzeugen Reibung, doch erzeugt Reibung nicht auch Wärme? Genau das Feuer ist der Treibstoff, der uns gefehlt hat. Das im Eifer des Gefechts auch mal über das Ziel hinausgeschossen wird, gehört zur Natur der Sache. Es stößt eine Diskussion an. Und das ist ein entscheidender Unterschied zur letzten Saison: Da gingen wir lieber gutgelaunt und ohne Eier in der Hose fröhlich dem Abstieg entgegen. Niemand, der mal dazwischenhaute, niemand der seinen Emotionen mal freien Lauf ließ.. Keine Reibungsfläche, kein Feuer, keine Leidenschaft.

Nichts ist doch schlimmer, als wenn unausgesprochene Dinge wie Säbel in der Luft klirren. Und davon gab es die letzten Wochen doch mehr als genug. Kaiserslautern, das ist doch der Ort, wo Emotionen so stark dazugehören, wie nur an wenigen anderen Orten.

Wenn es eins gibt, was mich noch mehr nervt als Niederlagen, dann ist es die Art und Weise, wie damit oft umgegangen wird. Und das beobachte ich bei 95% aller Vereine: Schönrednerei, Phrasendrescherei, Schelte auf den Schiedsrichter und Versprechen, dass nächste Woche alles ganz anders wird. Da geht mein Bluthochdruck höher, als in allen Abseitsstellungen Idrissou‘s zusammen. Viel zu selten mal die differenzierte und kritische Auseinandersetzung mit sich selbst. Zumindest für die Öffentlichkeit und Fans sichtbar. Die offizielle Nachlese des Vereins war endlich mal eine solche differenzierte und kritische. Das Beste, was ich je von Vereinsseite gelesen habe:

http://www.fck.de/de/aktuell/news/details/article/11822-nachlese-klartext-oder-leeres-gerede.html

Kein Geschwafel, sondern eine  klare Position. Nun sehne ich nicht herbei, dass wir jede Woche Skandale produzieren, die Anlass zu einer Stellungnahme geben könnten – hatten wir davon doch Jahre lang viel zu viel. Aber dieser ehrliche und kritische Umgang mit sich selbst ist das, was den FCK ausmachen sollte. Wogen glätten sollte nicht der Stil des FCK sein. Mir persönlich ist ein reinigendes Gewitter lieber, als ein dauernd mit Wolken verhangener Himmel – bei den  mir irgendwer zu erzählen versucht, dass die Sonne strahlend am scheinen ist.

Und apropos Sonne: Geniesst den 1.Mai!

 

Sonntag, 28 April 2013 12:35

Anspruch vs. Wirklichkeit

© JiSIGN - Fotolia.com„Eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit“.

Davon ist oft die Rede, wenn wieder mal Erklärungen für die Krise bei seinem Verein gesucht werden. An der Grenze zur Phrase, aber so banal es auch klingen mag: Wenn man mal genauer hinschaut, steckt da ganz viel Wahrheit drin. Und genau das will ich hier mal tun …

Mittwoch, 24 April 2013 13:55

€cht€ £i€b€ oder Echte Liebe?

echte liebeWieder einmal war es soweit. Das, was jeder Fan – egal welchen Vereins zugehörig – schon erlebt hat und immer wieder erleben wird: Die Identifikationsfigur des Vereins verlässt den Verein ­­– allen vorherigen Treueschwüren zum Trotz. Mario Götze spielt ab der Saison 2013/14 beim FC Bayern München. Enttäuschung, Frust und Ärger bei vielen BVB-Fans. Und die Frage, die sich viele stellen: Wie viel Liebe ist überhaupt noch echt?

Wir leben in einer Zeit, in der Beziehungen jeglicher Art ohnehin nur noch eine geringe Halbwertszeit haben. Die Scheidungsrate liegt bei knapp 50%. Fifty fifty die Chance, ob es ein Leben lang hält oder nicht.

Genauso im Fußball, sogar schlimmer: Das, was der Verein für die Fans ist, ist er vermeintlich nicht für viele Spieler: Ein Fixpunkt, den man nicht mehr wechselt, wenn man sich einmal festgelegt hat. Vermisst werden die Zeiten, in denen Spieler noch ihr Leben lang bei dem immer selben Verein spielten. Ein Fritz Walter, der allen Angeboten zum Trotz beim FCK blieb – und zum Held wurde. Die Helden von heute muss man mit der Lupe suchen: Ryan Giggs bei Manchester United und Iker Casillas bei Real Madrid fallen einem spontan ein. Die Helden der Neuzeit.

Aber lösen wir uns doch mal von der romantischen Traumwelt

Schauen wir auf uns selbst, fällt auf: Wir erwarten Dinge, die kaum einer von uns selbst im Stande ist einzuhalten. Wer ist denn noch sein Leben lang am selben Arbeitsplatz? Wer zeigt denn noch uneingeschränkte Loyalität auf anderen Ebenen, außerhalb des Fußballs? Letztendlich ist für einen Profifußballer der Fußballverein ja auch nicht mehr als ein Arbeitgeber.

In Dortmund steht an allen Ecken „Echte Liebe“ geschrieben.

Nur eine Marketingfloskel? Nur ein auf Kommerzialisierung ausgerichteter Leitspruch, um den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen? NEIN. In Dortmund hat man das Gefühl, dass für den Zeitraum der „Partnerschaft“ zwischen Spieler und Verein, die Liebe echt ist. Das spürt man in den Interviews, auf dem Platz und in allen Äußerungen. Doch tatsächlich ist es eben „nur“ „Echte Liebe“, nicht „Ewige Liebe“. Aber ist das nicht sogar viel wertvoller?

Enttäuschung, Ärger und Frustration ist vorprogrammiert. Immer wieder werden Identifikationsfiguren den Verein verlassen – von welchen Motiven auch immer geleitet. Es war nie anders und wird nie anders sein: Spieler kommen und gehen – was bleibt, ist der Verein. Das ist die Konstante, das ist die echte Liebe. Und das wird man auch heute Abend im Stadion spüren.

Bildquelle: http://www.gibmich-diekirsche.de

Mittwoch, 17 April 2013 09:31

Post vom Fußballgott

Ein Tag im Mai 8Haue für Aue. So meine Hoffnung vor dem Spiel unseres FCK im Erzgebirge. Tatsächlich waren wir es, die Haue bekamen – und das zurecht. Auf dem Weg der Ursachenforschung erreichte mich ein Brief vom Fußballgott höchstpersönlich. Nun wir einiges klarer …

Betreff: Mentalität schlägt Talent

Sehr geehrte Lautern-Fans,

nur wenigen Vereinen sind die Gesetze des Fußballs so bekannt wie Euch. Alle Höhen und Tiefen des Fußballs habe ich Euch schon durchleiden lassen. Und ganz ehrlich: Bei keinem Verein macht es mir so viel Spaß.

Doch verzeiht mir: Am Montag war wieder so ein Tag, an dem Ihr es mit aller Härte spüren musstet. Mentalität schlägt Talent. Kaum ein Verein weiß das doch so gut wie Ihr: Die umgebogenen Spiele in der Nachspielzeit, die erkämpften Siege als Underdog. Was habe ich nicht alles für euch getan.

Die Tugenden des Fußballs verkörpern? Da ward Ihr doch sonst immer ganz vorne mit dabei: Leidenschaft, Kampfgeist, Einstellung, Mentalität. Und was sah ich da am Montag? Arroganz, Überheblichkeit, Zufriedenheit. Als Fußballgott ist es meine Aufgabe, solche Sachen zu bestrafen. Nicht der erste Denkzettel in dieser Saison, aber das merkt Ihr ja selber.

Ich würde euch gerne mal wieder belohnen, aber nicht so. Das ist nicht der FCK, den ich schon so oft zu Ruhm und Ehre verholfen habe.

Und nur noch nochmal, damit ihr es versteht: Die Einstellung, der Siegeswille, die Mentalität entscheidet darüber, wie viel euer Talent und die spielerischen Fähigkeiten wert sind. Mein Eindruck: Einigen von Euren Spielern ist das Best-of Video bei Youtube wichtiger, als die Ziele der Gemeinschaft.

Und wer meint, gegen einen dezimierten Abstiegskandidaten nur noch 60% geben zu müssen, der muss bestraft werden. Nichts anderes hattet ihr verdient. Blamage zur besten Sendezeit.

Ich hoffe ihr lernt daraus und ich verspreche euch: Wenn sich Besserung erkennen lässt, bekommt ihr eure Relegationsspiele gegen Hoffenheim. Und da kann ich mich heute schon festlegen: Das Ding mach ich euch so oder so klar.

Mit sportlichen Grüßen

Euer Fußballgott

Rückfragen, Bemerkungen und Kritik am Fußballgott gerne auch direkt hier:
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Samstag, 09 März 2013 09:08

Auf und Ab

Ein Tag im Mai 7Auf und ab, wie kann‘s anders sein;
da hilft kein stöhnen und auch kein Schrei‘n.
Die Talfahrt ist gerade ganz schön steil,
ein anderer würd sagen: 3. Platz – ist doch geil.

Doch ist es so, die Fans wandern ab;
dabei stehen wir vorm Aufstieg doch nur so knapp.
Viel tiefer liegt das Problem, glaubt man zu ahnen;
gefühlt auf Halbmast unsere Fahnen.

Pfiffe und Stöhnen, das ist aktuell;
wird sich wohl nicht ändern so schnell.
27.000 Zuschauer warn‘s zuletzt,
bei weitem nicht voll besetzt.

Mannschaft oder Fans, wer trägt die Schuld?
Was ist der Grund für den Tumult?
Kein Funke springt über vom Feld zum Rang,
90 Minuten kommen einem vor viel zu lang.

Von der Tribüne zum Rasen auch nichts gescheh‘;
Langeweile pur, wenn ich genau hinseh‘.
Werfen wir doch ein Blick genauer hin,
Spielerbewertungen machen immer Sinn.

Ohne Schuld der Sippel,
im Offensivspiel ohne Mittel.
Heintz hält hinten dicht,
der Defensivverbund selten bricht,

Torrejon mit grauem Haar;
selten mit Fehlern, nur ein paar.
Löwe der Ersatz für Leon Jessen;
ein Unterschied, der sich kaum in Worte lässt messen.

Florian Dick mit einer schwachen Saison,
mit seinen Flanken könnt er abschießen nen‘ Heißluftballon.
Markus Karl stark begann,
wir wissen, dass er es kann.

Baumjohann mit Schatten und Licht,
doch Platzweise helfen uns nicht.
Benny Köhler: Der Einsatz ist da,
die Fehlpassquote aber nich‘ grad‘ vorzeigbar.

Fortounis, da fällt mir nix mehr zu ein;
meinetwegen gerne nach Sibiren verleihen.
Weiser ist jung, das sei ihm verziehen;
ist ja eh‘ nur ausgeliehen.

Idrissou, der reibt sich auf;
momentan einfach kein‘ Lauf.
Beim Bunjaku muss platzen der Knoten,
damit er wieder schalten kann auf Autopiloten.

Jimmy Hoffer, ein Liebling der Leute;
vor dem Tor mit wenig Beute.
Aus Wien kam Drazan, das Supertalent;
bisher war‘s nicht besonders exzellent.

Sie ist da, die individuelle Klasse;
vielleicht aber auch zu viel in der Masse.
Von fehlender Kommunikation ist oft die Rede;
es scheint, als stände man sich selbst im Wege.

Wo ist das System auf dem Platz?
viel zu viel Zufall – das ist für die Katz.
Auch wenn wir sind keine Gelehrten;
um das zu sehen, brauch ich keinen Experten.

Vorgenommen hat man sich doch so viel,
nur erreichen tut man es nicht: Das Ziel.
„Wir wollen gewinnen“, das ist ja nett;
ist das Fußball oder schon Ballett?

Die Worte sind groß, die Taten zu klein;
am Ende mehr Schein als Sein.
Verloren ist noch nichts, Geduld ist gefragt.
Totgesagte leben länger, wer hat’s noch gleich gesagt?

Die Hoffnung stirbt zuletzt, noch so eine Ode;
aber Phrasen sind bei uns ja auch grad in Mode.
Montag in Braunschweig, wie geht es aus?
Zurück auf die Spur oder aus die Maus?

Wie auch immer es enden mag,
am Schluss ist es nur ein weiterer Tag.
Ein weiterer Tag an dem man bleibt auch treu,
denn sind wir ehrlich: Auf und Ab - das ist uns nicht neu.

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Eine Umfrage zum Erhalt des Fritz Walter Stadions:
https://docs.google.com/forms/d/1c399WCiVHN_KjUakbfX0FTb8pCgR2ufclxxBAhv0TLY/viewform
Dauert ca. 5-7 Minuten. 
Danke!

 

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